Gedicht des Tages: Gebet (Wolf Wondratschek)

Ge­bet

Nachts, jen­seits der Zeit schon und ferne,
hörst du das Sin­gen der Winde, und du siehst
Berge bren­nen, die wie ein Feu­er­werk fal­len­der
Sterne ver­glü­hen. Zu tief liegt da un­ten

die Erde, die­ses In­ferno der Gleich­gül­tig­keit,
das auch der La­chende nur ein­ge­schüch­tert über­steht,
und selbst der Glück­li­che ist an sein Glück ge­bun­den
wie der Er­hängte dort an sei­nem Strick;

un­gläu­big zö­gernd noch wie un­ter gro­ßen Mü­hen
spricht der Ein­same jetzt sein ers­tes Ge­bet,
die Au­gen weiß und leer, vom Sau­fen er­nüch­tert,

das Herz zu sehr ans Zer­sprin­gen ge­wöhnt.
Der Ab­schied dann, und dann die Stille,
die al­les Le­ben über­tönt.


Wolf Wond­rat­schek (*1943)

Wolf Wondratschek

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin auch aus der Ru­brik „Ge­dicht des Ta­ges: Charles Bu­kow­ski: Na­tur-Ge­dicht

Susanne Rzymbowski: Zwei Gedichte

Was wär die Kunst…

Was wär die Kunst
im Ein­mach­glas
im Dick der Wand aus Glas?
Doch nur ver­schraub­ter Le­bens­saft
zur Halt­bar­keit ver­dammt
der ohne Spur von An­ar­chie
im glibb­rig Most er­stickt.
Drum merke auf
dem schö­nen Tag
und hul­dige der Nacht
die dich be­freit aus Don­ners Kiel
und führt zu Puls­schlags Aut­ar­kie

Denkst du an mich
bei Ker­zen­schein
als Fla­ckern ei­nes Lichts
bin ich be­sorgt
so kurz der Docht
des hei­ßen Flam­men­spiels


Zwei Gedichte von Susanne Rzymbowski
Su­sanne Rzym­bow­ski

Su­sanne Rzym­bow­ski

Su­sanne Rzym­bow­ski, geb. 1964 in Köln, Stu­dium der Thea­ter-, Film- & Fern­seh­wis­sen­schaf­ten, Ger­ma­nis­tik und Kunst­ge­schichte, bel­le­tris­ti­sche Ver­öf­fent­li­chun­gen in An­tho­lo­gien, lebt in Köln

8. Wort-Bild-Meditation über «Das schwarze Quadrat»

Die Offenbarungen des Schwarzen Quadrats

Glaube, Liebe, Hoffnung, Kunst

von Bernd Giehl (Texte)  &  Hu­ber­tus Graef (Fo­tos)

Das Schwarze Quadrat - Kasimir Malewitsch - Glarean Magazin
Das Schwarze Qua­drat von Ka­si­mir Ma­le­witsch

Das Ge­mälde Das Schwarze Qua­drat von Ka­si­mir Ma­le­witsch wurde zum ers­ten Mal 1915 bei der letz­ten fu­tu­ris­ti­schen Aus­stel­lung in Pe­tro­grad (St. Pe­ters­burg) ge­zeigt und gilt seit­her als eine der Iko­nen der Ma­le­rei des 20. Jahr­hun­derts.
In der da­ma­li­gen Aus­stel­lung wurde es an der höchs­ten Stelle ei­ner Ecke des Raums mit der Bild­flä­che leicht schräg nach un­ten be­fes­tigt, um­ge­ben von an­de­ren Bil­dern des Ma­lers.
Das Schwarze Qua­drat nahm da­mit die Po­si­tion ein, die in ei­nem tra­di­tio­nel­len rus­si­schen Haus ei­ner re­li­giö­sen Ikone vor­be­hal­ten ist.

Ka­si­mir Ma­le­witsch sel­ber zu sei­nem Werk: «Als ich den ver­zwei­fel­ten Ver­such un­ter­nahm, die Kunst vom Ge­wicht der Dinge zu be­freien, stellt ich ein Ge­mälde aus, das nicht mehr war als ein schwar­zes Qua­drat auf ei­nem wei­ßen Grund­feld… Es war kein lee­res Qua­drat, das ich aus­stellte, son­dern viel­mehr die Emp­fin­dung der Ge­gen­stands­lo­sig­keit.»

Das Schwarze Qua­drat steht im Zen­trum ei­nes vier­tei­li­gen, me­di­ta­ti­ven Zy­klus‘ mit Tex­ten und Bil­dern des Bad-Ma­ri­en­ber­ger Pfar­rers und Schrift­stel­lers Bernd Giehl und des Göt­tin­ger Di­gi­tal­künst­lers Hu­ber­tus Graef. Un­ter dem Ti­tel «Of­fen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats» ver­eint das Werk zahl­rei­che je kor­re­spon­die­rende Wort-Bild-Kom­bi­na­tio­nen zu den The­mata «Glaube, Liebe, Hoff­nung, Kunst».

Au­tor Bernd Giehl schreibt zur Ent­ste­hungs­ge­schichte: «Auf der Su­che nach ei­nem Ti­tel für das ge­mein­same Werk fie­len mir ein paar Zei­len aus mei­nem Ge­dicht­zy­klus ‚Zwie­ge­spräch‘ ein: ‚Ver­bor­gen seit je­her / Ver­steckt un­ter tau­send Mas­ken / Kein Wort so miss­braucht wie die­ses / Das Schwarze Qua­drat / Eine Of­fen­ba­rung / Ver­gli­chen mit dir / Wes­sen Stimme hörte Mose / Im Dorn­busch in der Wüste?‘
So­wohl in den Ge­dich­ten wie auch in den Bil­dern geht es um Grenz­erfah­run­gen, die manch­mal, viel­leicht nicht im­mer, mit Glau­ben zu tun ha­ben».

Als Erst­ver­öf­fent­li­chung die­ser «Of­fen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats» pu­bli­ziert das Glarean Ma­ga­zin in un­re­gel­mä­ßi­ger Folge acht Aus­züge des ins­ge­samt 68 Sei­ten um­fas­sen­den Wort-Bild-Pro­jek­tes. (we)


Von den Gedichten

Längst ver­gan­gen die Zei­ten
in de­nen man Ge­dichte kaufte 
wenn man um eine Frau warb 
oder ein Kind ge­stor­ben –
von Hand ge­ar­bei­tet
wie die Schuhe, die man trug. Heute 
gibt’s Kar­ten zu je­dem An­lass
in der Post­agen­tur.

Et­was mit ei­ge­nen Wor­ten sa­gen
wie an­ti­quiert ist das denn? „Schön­geist“
ein Schimpf­wort, „Poet“ …er­le­digt
Wer kann geht in die EDV 
die Leute
ver­lie­ben sich nicht mehr 
und ster­ben
ist auch aus der Mode 

*

Nur die Rei­chen
kau­fen noch maß­ge­schnei­dert
oder von Hand ge­näht viel­leicht
spü­ren sie noch die Ab­gründe.
Aber wer
Ist reich ge­nug
ei­nen Dich­ter zu hal­ten? Je­doch:
die letz­ten kann man mie­ten
wie ei­nen Rolls 
oder ei­nen Be­ra­ter.

Tanz über dem Ab­grund
oder auf dem Vul­kan
bald ist‘s der neu­este Schrei 
die Droge: nicht Ec­stasy
oder Pilze
son­dern Worte. 

*

Hier gra­sen Mons­ter
doch Ge­fahr ist mein Ge­schäft. Wir 
sind die Pries­ter des gött­li­chen Feu­ers
das euch ver­brennt.
Hin­ein­spa­ziert meine Da­men
den Ein­tritts­preis
ent­rich­ten die Her­ren
für beide Ge­schlech­ter.

Keine Sorge wir 
ar­bei­ten mit Seil
und dop­pel­tem Bo­den wir 
hal­ten die Mons­ter in Schach 
das La­by­rinth be­tre­ten sie nur 
mit un­se­rem unka­putt­ba­ren
The­seus-Fa­den.

Kom­men Sie er­le­ben Sie 
den Schre­cken
haut­nah.

Hubertus Graef: Von den Gedichten

7. Wort-Bild-Meditation über «Das schwarze Quadrat»

Die Offenbarungen des Schwarzen Quadrats

Glaube, Liebe, Hoffnung, Kunst

Bernd Giehl (Texte)  &  Hu­ber­tus Graef (Fo­tos)

Das Schwarze Quadrat - Kasimir Malewitsch - Glarean Magazin
Das Schwarze Qua­drat von Ka­si­mir Ma­le­witsch

Das Ge­mälde Das Schwarze Qua­drat von Ka­si­mir Ma­le­witsch wurde zum ers­ten Mal 1915 bei der letz­ten fu­tu­ris­ti­schen Aus­stel­lung in Pe­tro­grad (St. Pe­ters­burg) ge­zeigt und gilt seit­her als eine der Iko­nen der Ma­le­rei des 20. Jahr­hun­derts.
In der da­ma­li­gen Aus­stel­lung wurde es an der höchs­ten Stelle ei­ner Ecke des Raums mit der Bild­flä­che leicht schräg nach un­ten be­fes­tigt, um­ge­ben von an­de­ren Bil­dern des Ma­lers.
Das Schwarze Qua­drat nahm da­mit die Po­si­tion ein, die in ei­nem tra­di­tio­nel­len rus­si­schen Haus ei­ner re­li­giö­sen Ikone vor­be­hal­ten ist.

Ka­si­mir Ma­le­witsch sel­ber zu sei­nem Werk: «Als ich den ver­zwei­fel­ten Ver­such un­ter­nahm, die Kunst vom Ge­wicht der Dinge zu be­freien, stellt ich ein Ge­mälde aus, das nicht mehr war als ein schwar­zes Qua­drat auf ei­nem wei­ßen Grund­feld… Es war kein lee­res Qua­drat, das ich aus­stellte, son­dern viel­mehr die Emp­fin­dung der Ge­gen­stands­lo­sig­keit.»

Das Schwarze Qua­drat steht im Zen­trum ei­nes vier­tei­li­gen, me­di­ta­ti­ven Zy­klus‘ mit Tex­ten und Bil­dern des Bad-Ma­ri­en­ber­ger Pfar­rers und Schrift­stel­lers Bernd Giehl und des Göt­tin­ger Di­gi­tal­künst­lers Hu­ber­tus Graef. Un­ter dem Ti­tel «Of­fen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats» ver­eint das Werk zahl­rei­che je kor­re­spon­die­rende Wort-Bild-Kom­bi­na­tio­nen zu den The­mata «Glaube, Liebe, Hoff­nung, Kunst».

Au­tor Bernd Giehl schreibt zur Ent­ste­hungs­ge­schichte: «Auf der Su­che nach ei­nem Ti­tel für das ge­mein­same Werk fie­len mir ein paar Zei­len aus mei­nem Ge­dicht­zy­klus ‚Zwie­ge­spräch‘ ein: ‚Ver­bor­gen seit je­her / Ver­steckt un­ter tau­send Mas­ken / Kein Wort so miss­braucht wie die­ses / Das Schwarze Qua­drat / Eine Of­fen­ba­rung / Ver­gli­chen mit dir / Wes­sen Stimme hörte Mose / Im Dorn­busch in der Wüste?‘
So­wohl in den Ge­dich­ten wie auch in den Bil­dern geht es um Grenz­erfah­run­gen, die manch­mal, viel­leicht nicht im­mer, mit Glau­ben zu tun ha­ben».

Als Erst­ver­öf­fent­li­chung die­ser «Of­fen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats» pu­bli­ziert das Glarean Ma­ga­zin in un­re­gel­mä­ßi­ger Folge acht Aus­züge des ins­ge­samt 68 Sei­ten um­fas­sen­den Wort-Bild-Pro­jek­tes. (we)


Hemsil

Fla­schen­grün und stru­del­weiß
und schwär­zer als die Nacht
in Hems­edal. In­seln
von Tür­kis

wild und wir­belnd
im Zau­ber­gar­ten der Steine
der al­les ver­wan­delt
in Farbe als wär’s van Gogh

bald taucht’s hinab
ins Kel­ler­licht
der grauen Kat­zen
und Ge­stal­ten

und auch der Schat­ten
der von der Brü­cke
auf die Fel­sen fiel
wird blei­ben

nur in der Tiefe
die al­les ein­saugt
und wie­der frei­gibt
zu ih­rer Zeit.

2

Hier saß ich, schaute den Ang­lern zu
die nichts fin­gen, sah den Fluß flie­ßen
und nicht von der Stelle kom­men
und lernte war­ten

auf nichts
nur das To­sen des Was­sers
und darin die Stille
wie ein gro­ßer Fisch

mit sil­ber­nen Schup­pen
un­be­weg­lich am Grund. Mehr 
ist nicht zu ver­lan­gen
von uns.

3

Die Fo­tos im Al­bum
sind stumm
wie ein Brief
aus Karnak. Strand­gut
ei­ner ur­alten Ex­pe­di­tion.

Orte der Stille exis­tie­ren
wo­mög­lich in Alaska
oder At­lan­tis. Hier
ist je­den Tag Jahr­markt

mit Tru­hen und Kis­ten
voll von ver­schlis­se­nen Sät­zen
die wan­dern von Hand zu Hand
und klei­den gut.

Wo bin ich ge­we­sen?
Ich find mich nicht zu­recht.
Kein Name auf der Karte
der mir be­kannt vor­kommt.

Hemsil

6. Wort-Bild-Meditation über «Das schwarze Quadrat»

Die Offenbarungen des Schwarzen Quadrats

Glaube, Liebe, Hoffnung, Kunst

Bernd Giehl (Texte)  &  Hu­ber­tus Graef (Fo­tos)

Das Schwarze Quadrat - Kasimir Malewitsch - Glarean Magazin
Das Schwarze Qua­drat von Ka­si­mir Ma­le­witsch

Das Ge­mälde Das Schwarze Qua­drat von Ka­si­mir Ma­le­witsch wurde zum ers­ten Mal 1915 bei der letz­ten fu­tu­ris­ti­schen Aus­stel­lung in Pe­tro­grad (St. Pe­ters­burg) ge­zeigt und gilt seit­her als eine der Iko­nen der Ma­le­rei des 20. Jahr­hun­derts.
In der da­ma­li­gen Aus­stel­lung wurde es an der höchs­ten Stelle ei­ner Ecke des Raums mit der Bild­flä­che leicht schräg nach un­ten be­fes­tigt, um­ge­ben von an­de­ren Bil­dern des Ma­lers.
Das Schwarze Qua­drat nahm da­mit die Po­si­tion ein, die in ei­nem tra­di­tio­nel­len rus­si­schen Haus ei­ner re­li­giö­sen Ikone vor­be­hal­ten ist.

Ka­si­mir Ma­le­witsch sel­ber zu sei­nem Werk: «Als ich den ver­zwei­fel­ten Ver­such un­ter­nahm, die Kunst vom Ge­wicht der Dinge zu be­freien, stellt ich ein Ge­mälde aus, das nicht mehr war als ein schwar­zes Qua­drat auf ei­nem wei­ßen Grund­feld… Es war kein lee­res Qua­drat, das ich aus­stellte, son­dern viel­mehr die Emp­fin­dung der Ge­gen­stands­lo­sig­keit.»

Das Schwarze Qua­drat steht im Zen­trum ei­nes vier­tei­li­gen, me­di­ta­ti­ven Zy­klus‘ mit Tex­ten und Bil­dern des Bad-Ma­ri­en­ber­ger Pfar­rers und Schrift­stel­lers Bernd Giehl und des Göt­tin­ger Di­gi­tal­künst­lers Hu­ber­tus Graef. Un­ter dem Ti­tel «Of­fen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats» ver­eint das Werk zahl­rei­che je kor­re­spon­die­rende Wort-Bild-Kom­bi­na­tio­nen zu den The­mata «Glaube, Liebe, Hoff­nung, Kunst».

Au­tor Bernd Giehl schreibt zur Ent­ste­hungs­ge­schichte: «Auf der Su­che nach ei­nem Ti­tel für das ge­mein­same Werk fie­len mir ein paar Zei­len aus mei­nem Ge­dicht­zy­klus ‚Zwie­ge­spräch‘ ein: ‚Ver­bor­gen seit je­her / Ver­steckt un­ter tau­send Mas­ken / Kein Wort so miss­braucht wie die­ses / Das Schwarze Qua­drat / Eine Of­fen­ba­rung / Ver­gli­chen mit dir / Wes­sen Stimme hörte Mose / Im Dorn­busch in der Wüste?‘
So­wohl in den Ge­dich­ten wie auch in den Bil­dern geht es um Grenz­erfah­run­gen, die manch­mal, viel­leicht nicht im­mer, mit Glau­ben zu tun ha­ben».

Als Erst­ver­öf­fent­li­chung die­ser «Of­fen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats» pu­bli­ziert das Glarean Ma­ga­zin in un­re­gel­mä­ßi­ger Folge acht Aus­züge des ins­ge­samt 68 Sei­ten um­fas­sen­den Wort-Bild-Pro­jek­tes. (we)


Smile

Giu­seppe hätte Freude daran 
ob­wohl er das Ge­malte vor­zog
(an­sons­ten gab’s ja nur Skulp­tu­ren)
nichts liebte er mehr 
als ver­rät­selte Bil­der

Der Teil und das Ganze“ 
hieß seine Ar­beit zur Er­lan­gung
des Dok­tor­grads der freien Künste, spä­ter
malte er das Ganze in Tei­len –
je­des für sich ein Gan­zes

und Kai­ser Ru­dolf
der ihn nicht ver­stand
aber be­zahlte
zog den Hut vor ihm
den er nur sel­ten trug 

vor sei­nen Bil­dern
ver­gaß er Habs­burg
und die Kriege 
so viel Le­ben in die­sen Bil­dern
da saß man gern da­vor.

smile

5. Wort-Bild-Meditation über «Das schwarze Quadrat»

Die Offenbarungen des Schwarzen Quadrats

Glaube, Liebe, Hoffnung, Kunst

Bernd Giehl (Texte)  &  Hu­ber­tus Graef (Fo­tos)

Das Schwarze Quadrat - Kasimir Malewitsch - Glarean Magazin
Das Schwarze Qua­drat von Ka­si­mir Ma­le­witsch

Das Ge­mälde Das Schwarze Qua­drat von Ka­si­mir Ma­le­witsch wurde zum ers­ten Mal 1915 bei der letz­ten fu­tu­ris­ti­schen Aus­stel­lung in Pe­tro­grad (St. Pe­ters­burg) ge­zeigt und gilt seit­her als eine der Iko­nen der Ma­le­rei des 20. Jahr­hun­derts.
In der da­ma­li­gen Aus­stel­lung wurde es an der höchs­ten Stelle ei­ner Ecke des Raums mit der Bild­flä­che leicht schräg nach un­ten be­fes­tigt, um­ge­ben von an­de­ren Bil­dern des Ma­lers.
Das Schwarze Qua­drat nahm da­mit die Po­si­tion ein, die in ei­nem tra­di­tio­nel­len rus­si­schen Haus ei­ner re­li­giö­sen Ikone vor­be­hal­ten ist.

Ka­si­mir Ma­le­witsch sel­ber zu sei­nem Werk: «Als ich den ver­zwei­fel­ten Ver­such un­ter­nahm, die Kunst vom Ge­wicht der Dinge zu be­freien, stellt ich ein Ge­mälde aus, das nicht mehr war als ein schwar­zes Qua­drat auf ei­nem wei­ßen Grund­feld… Es war kein lee­res Qua­drat, das ich aus­stellte, son­dern viel­mehr die Emp­fin­dung der Ge­gen­stands­lo­sig­keit.»

Das Schwarze Qua­drat steht im Zen­trum ei­nes vier­tei­li­gen, me­di­ta­ti­ven Zy­klus‘ mit Tex­ten und Bil­dern des Bad-Ma­ri­en­ber­ger Pfar­rers und Schrift­stel­lers Bernd Giehl und des Göt­tin­ger Di­gi­tal­künst­lers Hu­ber­tus Graef. Un­ter dem Ti­tel «Of­fen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats» ver­eint das Werk zahl­rei­che je kor­re­spon­die­rende Wort-Bild-Kom­bi­na­tio­nen zu den The­mata «Glaube, Liebe, Hoff­nung, Kunst».

Au­tor Bernd Giehl schreibt zur Ent­ste­hungs­ge­schichte: «Auf der Su­che nach ei­nem Ti­tel für das ge­mein­same Werk fie­len mir ein paar Zei­len aus mei­nem Ge­dicht­zy­klus ‚Zwie­ge­spräch‘ ein: ‚Ver­bor­gen seit je­her / Ver­steckt un­ter tau­send Mas­ken / Kein Wort so miss­braucht wie die­ses / Das Schwarze Qua­drat / Eine Of­fen­ba­rung / Ver­gli­chen mit dir / Wes­sen Stimme hörte Mose / Im Dorn­busch in der Wüste?‘
So­wohl in den Ge­dich­ten wie auch in den Bil­dern geht es um Grenz­erfah­run­gen, die manch­mal, viel­leicht nicht im­mer, mit Glau­ben zu tun ha­ben».

Als Erst­ver­öf­fent­li­chung die­ser «Of­fen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats» pu­bli­ziert das Glarean Ma­ga­zin in un­re­gel­mä­ßi­ger Folge acht Aus­züge des ins­ge­samt 68 Sei­ten um­fas­sen­den Wort-Bild-Pro­jek­tes. (we)


Kobold

(Für LH)

Wir­belnd
im Wind
tan­zend
ek­sta­tisch
ein Um­riss im Feuer
sich bil­dend
und wie­der ver­ge­hend

Ein Ko­bold, ein Schat­ten
zur Nacht
komm, tanz mit mir
lern Leich­tig­keit
ver­giss die Erde
los, flieg mit mir
nach Uto­pia

El­fen wer­den kom­men
Speise brin­gen von Luft
wer­den wir le­ben
im Feuer
und mit ihm
nichts
wird uns hal­ten

nur der Wind
wird we­hen
wo­hin er will.
Komm
tanz mit mir.

*

Sitzt in der Ecke
zer­schlissnes Selbst­bild
im Arm
kann nicht re­den

tanzt nicht
zün­det kein Feuer an
wir­belt nicht mal
den Wind.

Kein Schmet­ter­ling
zum Ver­spei­sen
Asche im Mund. Die Welt
ist er­lo­schen

Ko­bold friert
er­bärm­lich.

*

Ist wie­der oben­auf
hat Asche aus­ge­spuckt
macht Feuer
un­ter mei­nem Al­ler­wer­tes­ten so
dass Ich hopse
wie ihm das ge­fällt.

So ein … Kerl
möcht ihm die Oh­ren lang
und‘ s Fell möchte ich ihm
was will man al­les –
ach was
ich trink ‘nen Schnaps
und Ko­bold
hockt be­lei­digt in der Ecke.

 

autos-in-der-nacht-kobold

4. Wort-Bild-Meditation über «Das schwarze Quadrat»

Die Offenbarungen des Schwarzen Quadrats

Glaube, Liebe, Hoffnung, Kunst

Bernd Giehl (Texte)  &  Hu­ber­tus Graef (Fo­tos)

Das Schwarze Quadrat - Kasimir Malewitsch - Glarean Magazin
Das Schwarze Qua­drat von Ka­si­mir Ma­le­witsch

Das Ge­mälde Das Schwarze Qua­drat von Ka­si­mir Ma­le­witsch wurde zum ers­ten Mal 1915 bei der letz­ten fu­tu­ris­ti­schen Aus­stel­lung in Pe­tro­grad (St. Pe­ters­burg) ge­zeigt und gilt seit­her als eine der Iko­nen der Ma­le­rei des 20. Jahr­hun­derts.
In der da­ma­li­gen Aus­stel­lung wurde es an der höchs­ten Stelle ei­ner Ecke des Raums mit der Bild­flä­che leicht schräg nach un­ten be­fes­tigt, um­ge­ben von an­de­ren Bil­dern des Ma­lers.
Das Schwarze Qua­drat nahm da­mit die Po­si­tion ein, die in ei­nem tra­di­tio­nel­len rus­si­schen Haus ei­ner re­li­giö­sen Ikone vor­be­hal­ten ist.

Ka­si­mir Ma­le­witsch sel­ber zu sei­nem Werk: «Als ich den ver­zwei­fel­ten Ver­such un­ter­nahm, die Kunst vom Ge­wicht der Dinge zu be­freien, stellt ich ein Ge­mälde aus, das nicht mehr war als ein schwar­zes Qua­drat auf ei­nem wei­ßen Grund­feld… Es war kein lee­res Qua­drat, das ich aus­stellte, son­dern viel­mehr die Emp­fin­dung der Ge­gen­stands­lo­sig­keit.»

Das Schwarze Qua­drat steht im Zen­trum ei­nes vier­tei­li­gen, me­di­ta­ti­ven Zy­klus‘ mit Tex­ten und Bil­dern des Bad-Ma­ri­en­ber­ger Pfar­rers und Schrift­stel­lers Bernd Giehl und des Göt­tin­ger Di­gi­tal­künst­lers Hu­ber­tus Graef. Un­ter dem Ti­tel «Of­fen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats» ver­eint das Werk zahl­rei­che je kor­re­spon­die­rende Wort-Bild-Kom­bi­na­tio­nen zu den The­mata «Glaube, Liebe, Hoff­nung, Kunst».

Au­tor Bernd Giehl schreibt zur Ent­ste­hungs­ge­schichte: «Auf der Su­che nach ei­nem Ti­tel für das ge­mein­same Werk fie­len mir ein paar Zei­len aus mei­nem Ge­dicht­zy­klus ‚Zwie­ge­spräch‘ ein: ‚Ver­bor­gen seit je­her / Ver­steckt un­ter tau­send Mas­ken / Kein Wort so miss­braucht wie die­ses / Das Schwarze Qua­drat / Eine Of­fen­ba­rung / Ver­gli­chen mit dir / Wes­sen Stimme hörte Mose / Im Dorn­busch in der Wüste?‘
So­wohl in den Ge­dich­ten wie auch in den Bil­dern geht es um Grenz­erfah­run­gen, die manch­mal, viel­leicht nicht im­mer, mit Glau­ben zu tun ha­ben».

Als Erst­ver­öf­fent­li­chung die­ser «Of­fen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats» pu­bli­ziert das Glarean Ma­ga­zin in un­re­gel­mä­ßi­ger Folge acht Aus­züge des ins­ge­samt 68 Sei­ten um­fas­sen­den Wort-Bild-Pro­jek­tes. (we)


Hochhaus

(Für So­phie Uphoff)

Der Schei­ben we­gen
leb ich hier
und weil hier kei­ner kei­nen

kennt hin­ter all den
Spie­geln und Tü­ren
Be­geg­nung nur im Fahr­stuhl

Gibt viele Klin­geln
Und viele «Mey­ers»
im Wol­ken­krat­zer

Der mich nicht kratzt
kann gehn wo­hin ich will
kei­ner fragt

nach Pa­pie­ren
und im Café
kennt dich kein Kerl

Komm heim
seh mich von au­ßen
hoch oben an Fas­sade

Seh mein Ge­sicht
oh Hor­ror
Ich greife durch

Greif durch das Glas
ver­lier die Fas­sung, ver­lier
Das Gleich­ge­wicht

Be­gegne mir
wo ich’s nicht wollte.
un­ten am Bo­den.

hochhaus