Das Musik-Zitat der Woche von Irmgard Jungmann

Musik und Geschäft

Irmgard Jungmann

In den letzten Dezennien ist ein rapide fortschreitender Konzentrationsprozess in der Medienindustrie und im Musikgeschäft zu beobachten. Die großen Vier heißen Universal, Sony-BMG, EMI und Warner. Norman Lebrecht beschrieb in seinem Buch „Aufstieg und Fall der Klassikindustrie“ in beeindruckender Weise den weltweiten Niedergang in der Sparte der Klassikindustrie. Während die Musikindustrie noch bis in die 70er Jahre hinein ihr großes Geschäft mit den Langspielplatten klassischer Musik machen konnte, sanken seither die Verkaufszahlen der Medienindustrie im Klassikbereich und haben seit den 90er Jahren einen Tiefstand erreicht.
Lebrecht listete einige Faktoren auf, die den Niedergang beschleunigt hätten. Vor allem habe die Überproduktion an Aufnahmen klassischer Werke den Markt so gut wie zusammenbrechen lassen (bis 1994 gab es beispielsweise 79 Aufnahmen von Dvoraks 5. Symphonie). Ebenso haben die Unzerstörbarkeit der CD in Kombination mit ihrer ausgefeilten Klangqualität sowie die Möglichkeiten des Internet die Absatzmöglichkeiten verringert. Zuletzt bezeichnet Lebrecht auch den Zustand der Avantgardemusik als einen Grund für die schwindenden Absatzzahlen im Klassiksektor und zitiert den ehemaligen Sony-Produzenten Michael Haas: „Letztendlich wurde die Klassik von den Komponisten im Stich gelassen. Ohne eine neue Musik, die intelligente, sensible Konsumenten hören wollten, blieb nur die Möglichkeit, das Vergangene wieder aufzuwärmen“.

Irmgard Jungmann: Sozialgeschichte der klassischen Musik - Bildungsbürgerliche Musikanschauung im 19. und 20. Jahrhundert - J.B. Metzler VerlagAn diesem Punkt stehen wir heute. Neue „ernste“ Musik wird nur von einem kleinen Bevölkerungskreis aufgenommen und lässt sich kaum verkaufen. Sie fristet ein vergleichsweise kümmerliches Dasein im großen Weltmarkt der Musik, der Markt für traditionelle klassische Musik scheint mit der „Aufwärmung“ des immer Gleichen mehr oder minder gesättigt zu sein.
Die Musikkonzerne sind aber, da sie es mit künstlerischen Produkten zu tun haben, von den Medienexperten, den Künstlern, den Ausführenden ebenso wie den komponierend „Mischenden“, ihrem Erfindungsgeist, ihrer »Innovationskraft« abhängig.

Norman Lebrecht: Ausgespielt - Aufstieg und Fall der Klassikindustrie - Schott VerlagDie großen Marktchancen liegen inzwischen längst im Bereich der Popmusik, die ihre Fähigkeit zu musikalischer Entwicklung, zur Innovation, zum Experimentieren mit Althergebrachtem ebenso wie mit Neuem unter Beweis gestellt hat, die ohne die Behinderung durch ästhetische Bedenken Bach, die Gregorianik, Miminal Music, Indische Kunstmusik oder jede Art von Folklore verarbeiten kann und inzwischen längst neue Stile und Moden wie Rock, Rap, Techno, Hiphop geschaffe hat. In diesen Bereichen „spielt die Musik“. ♦

Aus Irmgard Jungmann: Sozialgeschichte der klassischen Musik – Bildungsbürgerliche Musikanschauung im 19. und 20. Jahrhundert, J.B. Metzler Verlag, 260 Seiten, ISBN 978-3476022974

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Klassik und Pop-Musik auch den Essay von Frieder W. Bergner: Das U und das E in der Musik

… sowie zum Thema E-Musik das Zitat der Woche von Ursula Petrik: Von den Kontaktschwierigkeiten der Neuen Musik

Außerdem zum Thema Klassische Musik das Musik-Zitat der Woche von Alexander Köhler: Stirbt die klassische Musik aus?

Weitere Web-Links zum Thema:


Musik-Psychologie: Chorgesang und kognitive Fähigkeiten

Chorsingen fördert emotionale und intellektuelle Kompetenzen

von Walter Eigenmann

Die positiven neurologischen Effekte des Musizierens mit einem Instrument sind in der Kognitionswissenschaft umfangreich untersucht und breit belegt: Aktives Instrumentalspiel kann die kognitive Flexibilität verbessern, d.h. die Fähigkeit, den Fokus zwischen verschiedenen Denkprozessen zu regulieren und zu wechseln.
Die kognitiven Vorteile des Chorsingens hingegen wurden bisher von der Forschung vernachlässigt. Dies ändert sich nun mit einer Studie der Universität von Helsinki, die kürzlich in der Zeitschrift PLOS ONE veröffentlicht wurde. Sie gibt klare Hinweise darauf, dass der Chorgesang ähnliche Vorteile wie das Spielen eines Instruments mit sich bringt.

Die Ergebnisse der Forscher um die finnische Psychologin und Therapeutin Emmi Pentikäinen zeigen, dass gerade ältere Sänger/innen eine bessere verbale Flexibilität hatten als jene Teilnehmer der Kontrollgruppe, die das Chorsingen nicht als Hobby hatten. Dabei gilt als erwiesen, dass verbale Flexibilität auch eine bessere kognitive Flexibilität widerspiegelt.

Chorgesang - Singen im Verein - Dirigent mit Sängerinnen und Sängern - Chorkonzert auf der Bühne - Glarean MagazinDamit unterstützen die neuen Erkenntnisse aus Helsinki die entspr. früheren Ergebnisse: „Chorgesang hat vergleichbar positive Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen zumal älterer Menschen wie das Instrumental-Spiel. Und unsere entspr. Befunde erweitern unser Verständnis darüber, wie verschiedene Aktivitäten auch im späteren Leben die Kognition beeinflussen können“, meint Pentikäinen.

Stärkeres Sozialgefühl dank Chorsingen

Die Studie untersuchte weiter den möglichen Nutzen des Chorsingens für das emotionale sowie das soziale Wohlbefinden älterer Menschen. Dabei zeigte die Auswertung entspr. Fragebögen, dass diejenigen, die über einen längeren Zeitraum (mehr als 10 Jahre) in einem Chor gesungen hatten, ein größeres soziales Zusammengehörigkeitsgefühl empfanden als jene mit weniger oder überhaupt keiner Erfahrung im Chorsingen.

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Interessant in diesem Zusammenhang: Jene Studienteilnehmer, die vor weniger als 10 Jahren mit dem Chorsingen begonnen hatten, waren insgesamt zufriedener mit ihrem Gesundheitszustand als diejenigen mit längerer Gesangserfahrung oder diejenigen, die nicht in einem Chor sangen. Pentikäinen dazu: „Es ist möglich, dass die Menschen, die später im Leben einem Chor beigetreten sind, dadurch die Motivation gefunden haben, ihre Gesundheit durch einen aktiven und gesunden Lebensstil zu erhalten. Andererseits könnten sich die Beziehungen und sozialen Netzwerke, die durch die Chorzugehörigkeit bei denjenigen, die länger dabei waren, als fester Bestandteil ihres Lebens etabliert haben; daher auch das verstärkte Gefühl der sozialen Zusammengehörigkeit.“

Chorgesang erfordert komplexe Informationsverarbeitung

Ein Gespann, das die Wissenschaft immer wieder beschäftigt: Die Musik und das Gehirn
Ein Gespann, das die Wissenschaft immer wieder beschäftigt: Die Musik und das Gehirn

Das Altern bringt Veränderungen der kognitiven Funktionen sowie der physischen und sozialen Umgebung des Einzelnen mit sich, die sich alle auf sein Wohlbefinden auswirken. Und da die Bevölkerung immer älter wird, wird es immer wichtiger, Wege zur Verbesserung des Wohlbefindens und der Lebensqualität älterer Erwachsener zu finden. Laut Pentikäinen bietet nun gerade der Chorgesang eine gute Möglichkeit, das Wohlbefinden älterer Menschen zu unterstützen, da es flexible exekutive Funktionen und die Regulierung der Aufmerksamkeit erfordert:

„Chorsingen ist in der Praxis einfach und mit geringem Aufwand zu betreiben. Es ist eine Aktivität, die eine vielseitige Informationsverarbeitung erfordert, da sie die Verarbeitung verschiedener sensorischer Reize, die Motorik im Zusammenhang mit der Stimmproduktion und -kontrolle, die sprachliche Leistung, das Erlernen und Einprägen von Melodien und Texten sowie die Emotionen, die durch die gesungenen Stücke geweckt werden, kombiniert“, halten die Forscher fest. ♦

Lesen Sie zum Thema Musik-Psychologie auch über: Musik und Gefühle (Neurowissenschaftliche Studie)

… sowie zum Thema Musik und Alter: Handbuch der Seniorenchor-Leitung


Das neue Musik-Kreuzworträtsel (Februar 2021)

Der interaktive Buchstaben-
Puzzle-Spaß

Musik-Kreuzworträtsel haben im Glarean Magazin schon eine jahrelange Tradition. Hier kommt unser Schweden-Puzzle im Februar 2021. Es lässt sich online lösen – ein interaktiver Rätsel-Spaß!

Einfach online ausfüllen

Der Mausklick auf das Rätsel führt dich zum entspr. Online-Rätsel, das du direkt am Bildschirm ausfüllen kannst. Einfach ins gewünschte Kästchen bzw. auf einen Hinweis (rechte Spalte) klicken und Buchstaben eingeben. Natürlich völlig kostenlos und mit Download-Option ( = PDF-Datei zum Ausdrucken und Ausfüllen). Alle Lösungen sind ebenfalls online einsehbar.

Musik-Kreuzworträtsel - Februar 2021 - Aufgaben-Hinweise-Lösungen - Copyright Walter Eigenmann - Glarean Magazin

Das Rätsel enthält eine Reihe von kniffligen, nicht gerade alltäglichen Begriffen. Wer bei einem Hinweis nicht weiterkommt, nützt die Funktion „Aufdecken“, was das betr. Lösungswort anzeigt. Eingegebene Buchstaben lassen sich mit „Zurücksetzen“ löschen. Wir wünschen ungetrübten Knobel-Spass! ♦

Knobeln Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Denksport auch unsere vier Online-Sudoku vom Januar 2021

… sowie das Musik-Kreuzworträtsel vom Januar 2021


Khatia Buniatishvili: Labyrinth (Klavier solo)

Im Irrgarten des Geistes

von Jakob Leiner

Es ist wahr, hat man das suchende Element in dem neuen Album „Labyrinth“ von Khatia Buniatishvili einmal registriert, scheint es sich mit jedem Höreindruck noch zu potenzieren. Und hier könnte man bereits zu einem Kern der „Labyrinth“ betitelten Einspielung, Ende 2020 bei Sony Classical erschienen, vorgedrungen sein: das Suchende als Wiederholung, als eine sich selbstverstärkende, fast repetitive Kraft, die brachial nicht sein muss.

Labyrinth Khatia Buniatishvili (Klavier), Erik Satie (Komponist), Ennio Morricone (Komponist) und weitere - Audio CDIn Buniatishvilis Auswahl der Stücke sowie ihrer liebevollen Interpretation äußert sich neben dem Suchenden eine zweite Wirkungsebene von hochwirksamer Sinnlichkeit. Das gilt sowohl für Filmmusikalisches wie „Deborah’s Theme“ von Ennio Morricone („Once Upon a Time in America“) als auch für „unser aller“ Bach, u.a. vertreten mit der (angejazzten) „Badinerie“ aus der zweiten sowie seiner genialen „Air“ aus der dritten Orchestersuite.

Grenzen zwischen E- und U-Musik aufgelöst

Buniatishvili scheut sich nicht, die Grenzen der sogenannten E- und U-Musik, ohnehin ein ältliches und durchaus umstrittenes Klassifikationsschema, mit der Anordnung der kurzen Einzelwerke aufzulösen. Das gelingt, weil sie sich der Musik sämtlicher Genres (bzw. Epochen) mit derart unvoreingenommener Zärtlichkeit nähert, dass jene zum „Mörtel“ des gesamten Albums werden kann. Der Ohrwurm-Charakter der allesamt wohlbekannten Stücke erleichtert natürlich die Rezeption um eine gewisse intellektuelle Anforderung, die ja nicht immer intendiert sein muss.

Couperin - Les Barricades Mysterieuses - Glarean Magazin
Neben S. Rachmaninov, S. Gainsbourg, J.S. Bach und A. Pärt: „Les Barricades Mysterieuses“ von F. Couperin

Was beliebig scheint – folgt auf die berühmte Rachmaninov-Vocalise doch eine Transkription des wunderbaren Gainsbourg-Chansons „La Javanaise“ (Juliette Gréco lässt grüßen), an welchen sich Couperins „Les Barricades mystérieuses“ anschließt, nur um wieder zu einem Bach’schen Arrangement (der „Sicilienne“ nach Vivaldis „Concerto Op. 3, Nr. 11“) zu springen – diese stilistisch mutige Abfolge erklärt sich beim Hören von selbst. Buniatishvilis tatsächlich schwervergleichliche Feinheit im Anschlag spannt den Bogen sowie eine gewisse Verklärtheit, die nicht als Pathos missverstanden werden darf.

Introvertierte Musik-Sammlung

Die französisch-georgische Pianistin möchte dieses Konzeptalbum nicht als Beispiel ihrer enormen Virtuosität (man denke nur an Schumanns Klavierkonzert mit dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks unter Paavo Järvi) verkaufen – nein, es ist eine stille, geradezu introvertierte Musiksammlung, die sie vorlegt.
Arvo Pärts reduktive Gebetskomposition „Pari intervallo“ steht stellvertretend für das Ausmaß an meditativer Versenkung, die zeitweise erreicht wird. Zwei streng parallel geführte Linien, dem persönlichen Tintinnabuli-Stil des estnischen Komponisten folgend, bilden über knapp acht Minuten hin ein klares klangoptisches Muster, das von Es-Moll-Dreiklängen bestimmt wird. Nicht nur (Selbst-)Spiritualität zugeneigte Menschen werden der Transzendenz, die hier zusammen mit Schwester Gvantsa Buniatishvili zu vier Händen meisterhaft transportiert wird, etwas abgewinnen können.

Von Bach bis Cage

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Natürlich darf in einer solchen durchaus nach philosophischen Gesichtspunkten festgelegten Stückauswahl auch John Cages „Nichtwerk“ „4’33“ nicht fehlen. Frühlingshafte Realklänge wie entferntes Vogelgezwitscher werden, dem CD-Booklet nach auf einem Friedhof aufgenommen, zur aleatorischen Musik von hoher imaginativer Wirksamkeit. Bezeichnend, dass die Künstlerin kurze kontemplative Texte zu jedem Werk selbst verfasste – das Labyrinth als Sinnbild für einen Lebensweg, der Verirrung gewissermaßen beinhalten muss und den man trotzdem selbstreflektiert und bewusst zu gehen in der Lage ist. Zugleich schwingt die Aufforderung mit, die intrinsische Ordnung, für die der Albumname ebenso steht, aus metaphysischer Vogelperspektive sowohl wahrzunehmen als auch zu ergründen.

Schnulzige Gesten neben überzeugender Seriösität

Virtuose Sinnlichkeit - Die Pianistin Khatia Buniatishvili - Musik im Glarean Magazin
„Virtuose Sinnlichkeit und intrinsische Ordnung“: Die Pianistin Khatia Buniatishvili

Es lässt sich nicht vermeiden, dass der Gestus an manchen Stellen mit dem Schnulzigen liebäugelt, jedoch verliert er nie eine seriöse Überzeugungskraft. Die Ligeti-Etüde „Arc-en-ciel“ oder Johannes Brahms melancholisches „Intermezzo in A-Dur“ aus den 6 Klavierstücken bestätigen jene interpretatorische Reife, die der erst 33-Jährigen vielfach attestiert wird. Das empfindsame Spiel mit Zwischenstimmen kennzeichnet auch die Liszt-Consolation in Des-Dur als „poetischer Gedanke“.
Somit ist „Labyrinth“ ein gewagtes wie sensibles Album, das genau durch diese Mischung besticht. Der Bezug auf jene neoromantische Konzeption des menschlichen Geistes als wechselseitiges Eintauchen und Eingetauchtwerden in die Vielfalt einer Weltbeseeltheit ist in pandemischen Zeiten ebenso heilsam wie wahr. Wehe dem, der anders spricht… ♦

Khatia Buniatishvili (Klavier): Labyrinth (Div. Komponisten) Audio-CD, Label Sony Classical


Jakob Leiner - Lyriker, Musik, Arzt - Glarean MagazinJakob Leiner

Geb. 1992, Studium an der Hochschule für Musik Karlsruhe, langjähriges Mitglied im Bundes-Jugendorchester, seit 2016 Lyrik-Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften, 2020 Abschluss des Medizin-Studiums, lebt als Arzt in Freiburg/Breisgau (BRD)

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Klaviermusik auch über Komitas: Seven Songs (Pianistin: Lusine Grigoryan)

… sowie über: Severin von Eckardstein plays Robert Schumann – Ein Plädoyer für die Romantik

Außerdem im GLAREAN MAGAZIN: Das Klavierwerk von Ernest Bloch & Ferruccio Busoni


Neurowissenschaft: Musik und Gefühle

Gehirnforschung über glückliche und traurige Musik

von Walter Eigenmann

Dass Musik (jeder Couleur) beim Menschen starke und unterschiedlichste emotionale Reaktionen auslösen kann, ist bekannt; Musik und Gefühle sind eng gekoppelt. Doch wie sind diese psychischen Mechanismen neuronal lokalisiert? Finnische Forscher der Universität Turku um Vesa Putkinen gingen dieser Frage in einer Studie mit 102 Probanden nach.

Die Studie, Ende Dezember 2020 im englischen Cerebral Cortex Journal publiziert, wurde im nationalen finnischen PET-Zentrum durchgeführt. Dabei hörten 102 Versuchspersonan Musik, die Emotionen hervorruft, während ihr Gehirn mittels Funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) gescannt wurde.

Instrumentalmusik von ängstlich bis zärtlich

Magnetresonanztomographie fMRT - Visualisierung der neuronalen Regionen - Glarean Magazin
Visualisierung der neuronalen Regionen mittels Magnetresonanztomografie

Die Ausgangslage präsentierte sich gemäss Putkinen folgendermaßen: „Musik kann ein starkes subjektives Erleben von Emotionen hervorrufen, aber es ist umstritten, ob diese Reaktionen die gleichen neuronalen Schaltkreise aktivieren wie Emotionen, die durch biologisch bedeutsame Ereignisse hervorgerufen werden.
Wir untersuchten die funktionelle neuronale Basis von musikinduzierten Emotionen. Hierzu bekamen die Probanden emotional ansprechende – sprich: fröhliche, traurige, ängstliche und zärtliche – Instrumentalstücke zu hören, während ihre hämodynamische Hirnaktivität gemessen wurde“.

Musik-Karte des Gehirns

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Die Forscher nutzten einen maschinellen Lernalgorithmus, um zu kartieren, welche Gehirnregionen aktiviert werden, wenn die verschiedenen musikinduzierten Emotionen voneinander getrennt werden. Forschungsleiter Vesa Putkinen: „Anhand der Aktivierung des auditorischen und motorischen Kortex konnten wir genau vorhersagen, ob die Versuchsperson glückliche oder traurige Musik hörte. Der auditorische Kortex verarbeitet die akustischen Elemente der Musik, wie Rhythmus und Melodie. Die Aktivierung des motorischen Kortex wiederum könnte damit zusammenhängen, dass Musik bei den Zuhörern Gefühle der Bewegung auslöst, selbst wenn sie Musik hören, während sie in einem fMRT-Gerät stillhalten“.

Emotionen-Vergleich bei Musik und Film

Kernspintomograph MRT - Glarean Magazin
Kernspintomograph

Weiter fanden die Forscher um Putkinen heraus, welche Hirnregionen aktiviert werden, wenn die Versuchsteilnehmer stark emotionale Videos ansehen, um zu testen, ob die gleichen Regionen auch beim Hören von emotionaler Musik stimuliert werden.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die von Filmen und Musik hervorgerufenen Emotionen zum Teil auf dem Betrieb unterschiedlicher Mechanismen im Gehirn beruhen:

„Filme aktivieren zum Beispiel die tieferen Teile des Gehirns, die Emotionen in realen Situationen regulieren. Das Hören von Musik aktivierte diese Regionen nicht stark, und ihre Aktivierung trennte auch nicht die musikinduzierten Emotionen voneinander. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass Filme die realen Ereignisse, die Emotionen hervorrufen, realistischer nachbilden können und somit die angeborenen Emotionsmechanismen aktivieren.

Musik kann zu Tränen rühren - Glarean Magazin
Musik kann zu Tränen rühren

Was die musikinduzierten Emotionen betrifft, so basieren sie auf den akustischen Eigenschaften der Musik und sind durch kulturelle Einflüsse und die persönliche Geschichte gefärbt.“

Vesa Putkinen und sein Team fassen ihre Studie zusammen: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass verschiedene musikinduzierte Basisemotionen unterschiedliche Repräsentationen in Regionen haben, die die auditive Verarbeitung, die motorische Kontrolle und die Interozeption unterstützen, aber nicht stark auf limbische und mediale präfrontale Regionen angewiesen sind, die für Emotionen mit Überlebenswert entscheidend sind.“ ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musikforschung auch: Musizieren fördert das mathematische Denken (Pädagogische Studie)

… sowie zum Thema Musikpsychologie: Das Mikrotiming im Rhythmus – Was bringt den Jazz wirklich zum Swingen?

Weitere interessante Internet-Beiträge zum Thema Musik und Emotionen:


Das Musik-Kreuzworträtsel im Januar 2021

Der neue Schwedenrätsel-Spass

Das erste Musik-Kreuzworträtsel im neuen Jahr 2021 präsentiert eine Fülle von Hinweisen aus der Klassik, des Jazz und der Popmusik.
Manche Begriffe finden auch Musik-Laien sofort, manche sind explizit für die Experten gedacht.

Mit dem Button „PDF runterladen“ lässt sich das Rätsel downloaden und anschliessend ausdrucken; hier finden sich die Lösungen.
Das GLAREAN wünscht viel Spass und Erfolg!

Musik-Kreuzworträtsel - Crossword Puzzle Music - Januar 2021 - Hinweise - Glarean Magazin

Knobeln Sie im GLAREAN MAGAZIN auch das Musik-Kreuzworträtsel vom Juli 2020

… sowie das Musik-Kreuzworträtsel vom Mai 2020


Proberäume für Musiker via Online-Miete: PianoMe

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Locations für ungestörtes Musizieren

PianoMe ist eine Peer-to-Peer Plattform, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Musiker/innen auf der Suche nach geeigneten Proberäumen zur Seite zu stehen. Die Plattform bietet die Möglichkeit, Proberäume, Studios und Konzertsäle einfach und sicher online zu mieten. Weiterhin hat sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, den administrativen Aufwand im Zusammenhang mit der Proberaum-An- und Vermietung erheblich zu reduzieren. Suche, Buchung, Zahlungsabwicklung und Verfügbarkeiten können intuitiv, sicher und zeitsparend direkt über die Plattform bewältigt und abgewickelt werden, damit Mieter/innen sich auf die Musik konzentrieren und Vermieter/innen zuverlässig Angebote machen können. In diesem Jahr wurde u.a. auch die Report-Funktion freigeschaltet.

Vom Wohnzimmer bis zum Konzertsaal

PianoMe ist eine Anlaufstelle für alle Musiker/innen. Gestartet wurde das Projekt mit Proberäumen für Klaviere und Flügel. Inzwischen ist das Angebot auf PianoMe sehr vielschichtig – vom Wohn- bzw. Musikzimmer, über Industrie-Lofts, Unterrichtsräume von Musikschulen und Tonstudios, bis hin zum Konzertsaal. Jede/r Kreative soll auf PianoMe seinen Raum finden können, egal ob Konzertpianist/in, Sänger/in, Hobbymusiker/in, Seniorenchor, DJ oder Band.

PianoMe - Jan. 2021 - Sponsored Content Glarean Magazin
Eine Peer-to-Peer-Plattform für Musik-Proberäume: PianoMe

Bei der Suche nach einem geeigneten Raum helfen außerdem verschiedene Filter der Website. So kann man Ort und Preis, aber auch bestimmte Eigenschaften des gewünschten Raumes vorgeben: Ist im Raum eine Tonaufnahme möglich, gibt es WLAN, WC, Teeküche etc.?
Da die Plattform noch jung ist, konzentriert sich das Angebot momentan auf Städte und Ballungsgebiete. Grundsätzlich ist der Service aber weltweit geplant.

Proberäume nicht nur einfach, sondern auch flexibel mieten

Natürlich gibt es im Leben immer wieder unvorhergesehene Ereignisse. Auch an solche Fälle wurde bei PianoMe gedacht. Man kann die gebuchten Räume bis 24 Stunden vor Buchungsbeginn problemlos und kostenfrei stornieren.

Übungsraum nicht nur mieten, sondern auch über PianoMe flexibel vermieten

Kann man als User die Räume nur mieten, oder darf man auch selbst seinen Raum über die Plattform anbieten? Mit einem Account bei PianoMe ist man in beide Richtungen flexibel. Wer z.B. einen Proberaum oder ein Studio in einer anderen Stadt anmieten will, kann auch seinen Raum mit den Musikern aus aller Welt teilen und so nebenbei Geld verdienen, sowie sein Netzwerk erweitern.

Win-Win-Situation für Musiker und Vermieter

Die Gründer der PianoMe-Webseite kennen die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Proberaumsuche und lösen mit der Onlineplattform dieses Problem. Es wird zum einen der Zugang zu Proberäumen erleichtert und zum anderen ein Wettbewerb zwischen den Anbietern geschaffen, was zu einem ausgewogenen Verhältnis von Qualität und Preis beiträgt.
Durch detaillierte Informationen und Bilder des Anbieters, sowie die Bewertungen der einzelnen Räume durch andere User/innen der Plattform, können sich Interessierte vorab ein realistisches Bild des Proberaums machen. Außerdem haben die Vermieter/innen die Möglichkeit, einen Proberaumklang des vorhandenen Instruments der Raumbeschreibung hinzuzufügen. ♦


Pädagogik-Studie: Musizieren fördert das mathematische Denken

Wissenschaftliches Plädoyer für eine ganzheitliche Schulbildung

Wie Musik das mathematische Denken beeinflusst

von Walter Eigenmann

Eine umfangreiche Meta-Studie des amerikanischen Musikpädagogen und -Therapeuten Prof. Dr. Martin Bergee von der Universität Kansas weist erstmals einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen musikalischen und mathematischen bzw. sprachlichen Leistungen bei Schülern nach. Nach Bergee ist erwiesen: Musizieren fördert das mathematische Denken.

Musik und Mathematik - Arithmetique et Musique - Glarean Magazin
François Bonnemer: Arithmetique et Musique (Paris 17. Jh.)

Postuliert wurde von diversen Disziplinen wie Musik-Neuropsychologie, Musik-Pädagogik und Musik-Kultursoziologie ja schon lange, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Musikausübung und kognitiver Leistung bestehe. Dieser angenommenen direkten Assoziation stand Studien-Autor Bergee allerdings zu Beginn seiner entspr. Forschungen eher skeptisch gegenüber.
Originalton Bergee: „Es gibt seit langem die Vorstellung, „dass diese Bereiche nicht nur zusammenhängen, sondern dass es eine Ursache-Wirkung-Beziehung gibt – dass man, wenn man in einem Bereich besser wird, per se auch in einem anderen Bereich besser wird. Je mehr man sich mit Musik beschäftigt, desto besser werde man in Mathematik oder Lesen sein. Doch das war mir schon immer suspekt“.
Bergee weiter: „Ich habe vielmehr geglaubt, dass die Beziehung korrelativ und nicht kausal ist: Ich wollte zeigen, dass es wahrscheinlich eine Reihe von Hintergrundvariablen gibt, die die Leistung in jedem akademischen Bereich beeinflussen – insbesondere Dinge wie das Bildungsniveau der Familie; wo der Schüler lebt; ob er weiß oder nicht weiß ist; etc“.

Überraschend starke Relation Musik-Mathematik

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Kurzum, Bergee’s Intention war zu Anfang seiner Meta-Studie zu zeigen, dass diese angenommene Relation „wahrscheinlich unecht“ sei, weil solche „Hintergrundeinflüsse die Haupttreiber solcher Relationen“ seien. Bergee ging also ursprünglich davon aus, dass der angebliche positive Effekt des Musizierens auf die mathematischen und sprachlichen Kompetenzen wegfällt, sobald von diesen demographischen u.a. Einflüssen abstrahiert wird. Damit wäre ein Zusammenhang zwischen musikalischen und mathematisch-kognitiven Leistungen bei Schülern widerlegt.

Die späteren Ergebnisse von Bergee’s Meta-Studie Multilevel Models of the Relationsip between Music Achievement and Math Achievement – publiziert Ende November 2020 im renommierten „Journal of Research in Music Education“ – zeigten nun aber statistisch signifikante Assoziationen zwischen Musik- und mathematischen Schulleistungen. Bergee: „Zu meiner großen Überraschung sind sie nicht nur nicht verschwunden, sondern die Beziehungen sind wirklich stark.“

Vielfältige Einflüsse der kognitiven Entwicklung

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Dabei sei das seinen Studien zugrundeliegende Design keine einfache Sache gewesen, „weil es Einflüsse gibt, die auf verschiedenen Ebenen passieren können. Es kann ein Einfluss auf der Ebene der einzelnen Person sein, aber es gibt auch Einflüsse, die auf der Ebene des Klassenzimmers, der Schule und des Schulbezirks passieren können, und diese sind hierarchisch. Das beinhaltet eine komplizierte Reihe von Analysen“.

Bergee konkreter: „Vielleicht teilt die musikalische Unterscheidung auf einer eher mikroskopischen Ebene – Tonhöhen, Intervalle, Metren – eine kognitive Basis mit bestimmten Mustern der Unterscheidung in der Sprache. In ähnlicher Weise teilen sich vielleicht die eher makroskopischen Fähigkeiten der modalen und tonalen Zentrumsunterscheidung einen psychologischen oder neurologischen Raum mit Aspekten der mathematischen Kognition. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie weisen zumindest auf diese Möglichkeit hin.“

Wider das modulare Erziehungsmodell

Musik und Gehirn: Wie genau wirken sich Musikhören und Musizieren auf die kognitiven Fähigkeiten des Menschen aus? - Glarean Magazin
Wie genau wirken sich Musikhören und Musizieren auf die kognitiven Fähigkeiten des Menschen aus?

In einem kürzlichen Interview führte Bergee weiter aus: „Basierend auf den Ergebnissen ist der Punkt, den wir zu machen versuchten, dass es wahrscheinlich allgemeine Lernprozesse gibt, die allen akademischen Leistungen zugrunde liegen, egal in welchem Bereich. Musikalische Leistungen, mathematische Leistungen, Leseleistungen – es gibt wahrscheinlich allgemeinere Prozesse des Geistes, die in jedem dieser Bereiche zum Tragen kommen“.

Damit appelliert Musik-Forscher Bergee an eine gesamtheitliche Förderung der kognitiven Erziehung. Bergee: „Wenn es also Ihr Ziel ist, die Person zu erziehen – den Geist der Person zu entwickeln -, dann müssen Sie die ganze Person erziehen. Mit anderen Worten: Lernen ist vielleicht nicht so modular, wie man oft denkt.“

Nicht unterrichten, sondern entwickeln

Jugend und Musik - Musizieren und Entwicklung - Glarean Magazin
Ganzheitliche Entwicklung mit Hilfe der Musik

Das impliziere mehr, als Kinder einfach in Fächer zu unterrichten: „Man muss sie in diesen Fächern entwickeln„. Damit will Bergee nicht sagen, dass das Erlernen von Musik notwendigerweise die Mathematik- oder Lese-Leistungen eines Kindes verbessert. Aber soviel lasse sich behaupten: „Wenn Sie wollen, dass sich der Verstand eines jungen Menschen – oder eines jeden Menschen – entwickelt, dann müssen Sie ihn auf allen Wegen entwickeln, auf denen er entwickelt werden kann. Man kann nicht einige Arten des Lernens anderen Arten des Lernens opfern, aus welchen Gründen auch immer, sei es finanziell oder gesellschaftlich.“ ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musik und Schule auch über Lutz Jäncke: Macht Musik schlau?

Ausserdem zum Thema Musikwissenschaft: Die auditiv-sensorische Synchronisation – Über die Fähigkeit des Takthaltens

… sowie zum Thema Musikschule das Pamphlet von Jürg Seiberth: Die Musik braucht die Schule nicht!


Das Musik-Zitat der Woche von Bettina Skrzypczak

Vom Verändern durch Musik

Bettina Skrzypczak

Bettina Skrzypczak - Komponistin - Musik-Dozentin - Glarean Magazin
Bettina Skrzypczak (Bild Priska Ketterer)

„Mit dem, was man etwas verengt ‚politische Musik‘ nennt, habe ich zwar meine Schwierigkeiten, aber ein Realitätsbezug kann auf vielerlei Arten entstehen. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sagen: Ja, so ist es, und man kann nichts machen.
In mir brennt etwas, ich möchte etwas bewirken mit meiner Musik und etwas verändern. Ich finde, nur durch starke Stimmen kann etwas in Bewegung gebracht werden.“

Aus einem Interview der Schweizer Musikzeitung mit der Komponistin und Musik-Dozentin Bettina Skrzypczak (Ausgabe Nr. 12/2020)

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN ausserdem das Musik-Zitat der Woche von Hans G. Bastian: Brauchen wir Musik?

… sowie zum Thema Komponieren auch über den Internationalen Kompositionswettbewerb der PAS 2021

Weitere interessante Web-Links zum Thema Neue Musik


Internationaler Kompositions-Wettbewerb für Blasorchester

Zeitgenössische Bläser-Musik

Valley Winds Ensemble USA - Glarean MagazinDas renommierte Konzert-Blasorchester Valley Winds in Massachusetts/US schreibt einen internationalen Kompositionswettbewerb für zeitgenössische Blasmusik aus. Obwohl das Valley Winds eine professionelle Formation ist, sind für diesen Wettbewerb auch Werke mit einem Schwierigkeitsgrad für gute Amateur-Ensembles zugelassen.

Die eingereichten Stücke sollen noch unveröffentlicht sein und eine Dauer von zehn Minuten nicht überschreiten. Einschränkungen hinsichtlich Alter und Nationalität der Komponistinnen und Komponisten bestehen nicht.

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Die Sieger-Werke werden vom Valley Winds welturaufgeführt, der Wettbewerb ist mit total 5’000 $ dotiert. Einsende-Schluss ist am 31. Mai 2021, hier finden sich die weiteren Einzelheiten der Ausschreibung (engl). ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Blasmusik auch die Humoreske von Franz Trachsel: Semper fidelis

Ausserdem zum Thema Bläser über Saxofour: Oparettet den Jazz (CD)


Internationaler Kompositions-Wettbewerb für Kammermusik

Zeitgenössische „konsonante“ Werke

Musik-Komposition - Kompositionswettbewerbe - Orchesterpartitur - Glarean MagazinDie internationale „Non Proft Music Foundation“ namens Cum Laude Music Awards (CLIMA) schreibt für 2022 einen internationalen Kompositions-Wettbewerb für Kammermusik aus.

Die eingereichten Stücke sollen konsonant (aber nicht zwingend tonal) gestaltet sein, eine Dauer zwischen 3 und 20 Minuten aufweisen, und sie dürfen bereits früher aufgeführt worden sein.

Die Kompositionen können diverse Solo- und Ensemble-Kammermusik-Besetzungen aufweisen. Die eingereichten Werke sollten „darauf abzielen, ein neues Publikum für klassische Musik zu erreichen, und zwar in einer Weise, die die Schaffung eines neuen Publikums für diese Musik anregt“.

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Einsende-Schluss ist am 31. Juli 2021, hier sind die weiteren Details der Ausschreibung nachzulesen. ♦

Lesen Sie im Glarean Magazin auch über den Internationalen Kompositions-Wettbewerb für Blasorchester Valley Winds

… sowie über die weiteren Musik-Ausschreibungen zu internationalen Kompositionswettbewerben

Interessante neue Internet-Links zum Thema Kammermusik:

Internationaler Kompositions-Wettbewerb Piero Farulli 2021

Zeitgenössische Quartett-Musik für Jugendliche

Streichquartett - Kinder und Jugendliche - Kammermusik - Glarean MagazinDie italienische Accademia Nazionale die S. Cecilia und die Scuola di Musica die Fiesole schreiben zum vierten Mal ihren internationalen Kompositionswettbewerb Piero Farulli für Streichquartett aus. Der Wettbewerb hat zum Ziel, ein „praktisch nicht existierendes Repertoire für junge und sehr junge Streichinstrumentalisten anzuregen, um diese zur zeitgenössischen Musikwelt hinzuführen“.

Ausgeschrieben werden zwei gleichwertige Preise: Einer für Kompositionen mit primärer oder mittlerer instrumentaler Schwierigkeit, und einer für Kompositionen mit vorprofessionellem Schwierigkeitsgrad.

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Der Wettbewerb ist mit einem Preisgeld von insgesamt 5’000 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 30. Juni 2021, hier sind die weiteren Einzelheiten der Ausschreibung zu finden (ital.) ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Streichquartett auch über die CD Böhmische Kammermusik (Sojka-Streichquartett)

… sowie weitere Ausschreibungen für Kompositionswettbewerbe


Internationaler Kompositions-Wettbewerb Sacrarium 2021

Religiöse Werke für Gesang und Orchester

Kirchenfenster - Jesus Christus - Glasmalerei - Glarean MagazinFür seinen internationalen Kompositionswettbewerb Sacrarium 2021 schreibt der Lemberger Kammerchor (Ukraine) in Zusammenarbeit mit der Lemberger Philharmonischen Gesellschaft religiöse Originalwerke für Kammerchor und Streichorchester aus.

Der Sacrarium-Wettbewerb ist offen für alle Komponistinnen und Komponisten jeden Alters und jeder Nationalität. Der zugrunde gelegte Text kann aus dem alten oder neuen Testament stammen und in englischer oder lateinischer Sprache verwendet werden. Das Stück kann für zwei Kategorien eingereicht werden: a) Sopran (bzw. Mezzosopran) & Sinfonieorchester, oder b) Sopran (bzw Mezzosopran) & Kammerchor & Sinfonieorchester.

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Das eingereichte Werk soll eine Dauer von zwölf Minuten nicht überschreiten, die Partitur muss bis zum 3. April 2021 eingereicht worden sein. Hier finden sich die weiteren Details der Ausschreibung (engl). ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Klassische Musik auch über die CD von Siegmeth, Hunstein, Wolf: Winterreise nach Franz Schubert

… sowie über weitere Ausschreibungen von Kompositionswettbewerben


Internationaler Kompositions-Wettbewerb der PAS 2021

Gesucht: Hochwertige Stücke für Vibraphon

Vibraphon - Glarean MagazinUm Komponistinnen und Komponisten zu ermutigen, qualitativ hochwertige Werke für Schlaginstrumente zu schreiben, aber vor allem auch im Zusammenhang mit dem 100-jährigen Bestehen des Vibraphons lobt die amerikanische Percussive Arts Society (PAS) einen internationalen Kompositionswettbewerb für Vibraphon aus.

Die eingereichten Stücke dürfen noch nicht aufgeführt und müssen nach dem 1. November 2020 fertiggestellt worden sein. Bearbeitungen werden nicht akzeptiert; Dauer, Niveau und Tonumfang (nicht größer als vier Oktaven) des Werkes sind dem Komponisten überlassen.

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Der Wettbewerb ist mit insgesamt 3’500 $ dotiert, die siegreiche Komposition wird nach Bekanntgabe des Gewinners in den USA aufgeführt. Abgabetermin ist der 1. August 2021, hier finden sich die zusätzlichen Details der Ausschreibung (engl). ♦

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Musik-Wettbewerbe auch über die Ausschreibung des Internationalen Kompositionswettbewerbes für Kammermusik 2022

… sowie zum Thema Schlagwerk/Drums über die CD von Martin Grubinger: Drum ‚N Chant


Siegmeth, Hunstein, Wolf: Winterreise nach Franz Schubert (Audio-CD)

Gemeinsame Sprache zweier Musikwelten

von Horst-Dieter Radke

Das Wort „Winterreise“ assoziiert sofort mit Franz Schubert, wohingegen die Instrumente, die auf dem Cover des entspr. Albums zu sehen sind, gleich für Irritationen sorgen. Saxophon und Theorbe, anstatt Klavier – kann das gut gehen? Die Rückseite macht dann die negative Vorahnung komplett: „nach Schubert“. Aber, um die negativen Konnotationen nicht zu weit zu treiben: Die Sache ist besser, als sie scheint. Viel besser!

Was als erstes auffällt in dieser neuen „Winterreise“ nach Schubert mit dem Saxophonisten Hugo Siegmeth, dem Lautenisten Axel Wolf und dem Sprecher Stefan Hunstein: Es wird nicht adaptiert. Die Klavierstimme wurde nicht auf Laute und Saxophon aufgeteilt. Beide spielen eigenständig, greifen hier und da Themen aus Schuberts Melodien auf, variieren sie aber frei und verlassen sie auch gern. Manchmal liegt das Aufgreifen des Originals auch hinter dem Vordergründigen, etwa durch den Tonartwechsel. Das zweite, was auffällt, ist dass nicht gesungen wird. Stefan Hunstein spricht die Texte, so wie sie als Gedicht von Wilhelm Müller geschrieben wurden, also auch unter Verzicht mancher Wiederholungen, wie sie die Liedfassung vorsieht.

Keine Berührungsängste

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Man muss Schuberts Winterreise im Original nicht kennen, um dieses Album mit Genuss zu hören. Doch es schadet auch nicht, denn so kann man nach Motiven und Bekanntem fahnden und sich darüber freuen, wie die Musiker die Themen aufgreifen und sich von ihnen lösen. Spannend ist zu hören, wie sich zwei Musiker aus unterschiedlichen musikalischen Welten nicht nur ergänzen, sondern zu einer homogenen, gemeinsamen Musiksprache finden. Das Saxophon und die Bassklarinette, die niemals ihre Herkunft aus dem Jazz leugnen, klingen an manchen Stellen doch sehr klassisch, die Laute dagegen an nicht wenigen Stellen sehr modern, etwa in „Gefror’ne Tränen“.

Musik ohne Gesangsirritation

Franz Schubert - Gemälde von Wilhelm August Rieder 1875 - Glarean Magazin
Inspirator für Neue Musik: Franz Schubert (Gemälde von Wilhelm August Rieder 1875

Überrascht war ich, als mir auffiel, dass ich schon nach wenigen Malen Hören der CD ganze Strophen der Verse im Kopf hatte und auswendig wiederholen konnte. Das ist mir vorher mit der originalen Schubert-Version nie passiert. Da blieb mal diese und jene Zeile hängen, nie aber mehr. Die Melodien schon eher. Möglich, dass dies mit den Wiederholungen, die oft kreuz und quer durch die Strophen gehen, zusammenhängt. Vielleicht auch mit der Musik, die bei Schubert doch die Aufmerksamkeit auf sich zieht, nicht selten sogar dann, wenn das Klavier nur begleitet. Bei dieser Fassung „nach Schubert“ irritiert die Musik nicht beim Gesang. Manchmal unterbricht der Sprecher die Musik abrupt – und lässt sie in den Sprechpausen zwischen den Strophen wieder aufleben. Den „Lindenbaum“, der es ja in vereinfachter Form bis ins Volksliedgut gebracht hat, habe ich natürlich im Kopf. Die fragmentierte Einleitung des Tenorsaxophons liebe ich vom ersten Hören an, auch, wie es die Stimme des Sprechers bei der ersten Strophe führt, die fast ein An-Singen ist.

Alte und neue Version als je Ganzes

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Ich habe versucht, beide Versionen im Vergleich zu hören, also Lied für Lied. Daran habe ich schnell die Lust verloren, so nach dem sechsten oder siebten Lied. Beide Versionen sind als Ganzes zu hören, dann entfalten sie ihre eigene Schönheit und insbesondere die „nach“-Fassung zeigt eine Eigenständigkeit, die nicht den Vergleich mit dem Original suchen muss. Genau genommen ist sie selber ein Original. Dass sie die andere Fassung jedoch verdrängt, muss man nicht befürchten.

Wie man mit altem Material kongenial umgeht und dabei Neues schafft, zeigt dieses Album sehr gut, auch, wie man Welten zusammenführt – etwa Jazz- und Renaissance-Musik. Der fehlende Gesang stört überhaupt nicht. Gesprochen wirkt der Text anders, wird deutlicher wahrgenommen. Müsste ich ein Album als „Album des Jahres“ auszeichnen, wäre es dieses für mich, und dafür müsste ich nicht lange überlegen. ♦

Axel Wolf (Laute), Stefan Hunstein (Sprecher), Hugo Siegmeth (Saxophon): Winterreise nach Schubert, Oehms Classics (Naxos)

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Schubert und die Moderne auch über Franz Schubert & Jörg Widmann: Oktette

… sowie zum Thema Musikgeschichte: Das 50-Euro-Preisrätsel Musik vom November 2020

Ausserdem zum Thema Crossover-Musik mit Saxophon: Saxofour – Oparettet den Jazz

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