Kompositionswettbewerb 2020 für Klavier und Orchester

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Klavierkonzerte mittleren Schwierigkeitsgrades

Klavier-Musik - Piano-Noten - Glarean MagazinDas Institut für Musik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg schreibt seinen 20. internationalen Kompositionswettbewerb aus. Eingesandt werden können Werke für Klavier und Orchester. Es ist möglich, mehrere Partituren einzureichen, die jeweilige Aufführungsdauer sollte maximal zehn Minuten betragen. Der Wettbewerb bezweckt, das Repertoire für zeitgenössische Musik mittleren Schwierigkeitsgrades zu erweitern.

Die Kompositionen dürfen weder veröffentlicht noch aufgeführt worden sein. Es gibt keine Altersbegrenzung, auch die inhaltliche Ausrichtung der Werke ist freigestellt. Einsende-Schluss ist am 31. Dezember 2020, hier finden sich die weiteren Einzelheiten der Ausschreibung. ♦

Lesen Sie im Glarean Magazin auch die Ausschreibung zum Internationalen Kompositions-Wettbewerb Ise-Shima-Art 2021

… sowie über den NIPOS-Kompositionswettbewerb 2021 für Kinderchor


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The Institute for Music of the Carl von Ossietzky University Oldenburg is announcing its 20th international composition competition. Works for piano and orchestra can be submitted. It is possible to submit more than one work, the respective performance duration should not exceed ten minutes. The competition aims to expand the repertoire for contemporary music of medium difficulty.

The compositions must not have been published or performed. There is no age limit, and the content of the works is also optional. The deadline for entries is 31 December 2020. (See the links above) ♦

Guillaume Connesson: Lucifer, Cellokonzert (CD)

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Infernalisches Klangspektakel

von Wolfgang-Armin Rittmeier

Schlägt man das Booklet zu dieser Neuveröffentlichung aus dem Hause Deutsche Grammophon auf, so ist dort über den 1970 in einem Vorort von Paris geborenen Komponisten Guillaume Connesson folgendes zu lesen: „Der 1970 geborene Guillaume Connesson ist zu jung, um sich jenem ideologischen und ästhetischen Diktat beugen zu müssen, das die vorangegangene Generation von Komponisten eingeengt hat. Seine Musik, immer wohlklingend und oft spektakulär hat eine Vielzahl von Einflüssen in sich aufgesogen. Seine ganze persönliche Welt ist das ‚Work in Progress’, welches aus jener Mischung von Pragmatismus und Naivität erwächst, die das Markenzeichen aller grossen Schöpfer von Musik ist.“

Sorglos aus dem Vollen geschöpft

Guillaume Connesson: Lucifer (Cellokonzert) - Jerome Pernoo (Deutsche Grammophon)Obwohl man Elogen wie diese von Bertrand Dermontcourt nicht sonderlich lieben muss, so ist an diesen Worten schon etwas dran. Connesson, der heute eine Professur für Orchestration am Conservatoire National de Région d’Aubervilliers bekleidet, schöpft definitiv und vollkommen sorglos aus dem Vollen. Da beste Beispiel ist da das hier eingespielte Ballet en deux actes sur un livret du compositeur „Lucifer“, das 2011 uraufgeführt wurde. Die enorm farbenreiche, geradezu glitzernde Partitur des „Lucifer“ deckt stilistisch so ziemlich alles zwischen dem Sacre, Sandalenfilmmusik aus dem Hause Metro Goldwyn Mayer und groovigem Jazz ab. Ein buntes, wildes, ziemlich ungehemmtes Treiben, das in seiner gewissen Prinzipienlosigkeit rundum höchst unterhaltsam und darum auch – im Gegensatz zu so vielen, vielen Kompositionen der Moderne und Postmoderne – in jedem Falle massenkompatibel ist. Massenkompatibel sind übrigens auch die Thematik der Ballettmusik und auch das von der Deutschen Grammophon gestaltete Cover, das einen düsteren Wasserspeier an der Kathedrale Notre Dame in Paris zeigt. Frakturähnliche rote Buchstaben präsentieren den Namen „Lucifer“. Es ist das Dunkle, Gothicmässige, Gruselig-Abgründige, das hier mit Werk und Aufmachung bemüht, bedient und schlussendlich verkauft werden. Nicht umsonst wird das Konzert für Violoncello und Orchester, das ebenfalls auf der CD enthalten ist, verschwiegen. Die CD kommt also daher als böte sie eine Art Soundtrack für das Wave-Gothic-Festival Leipzig. Trifft die Phrase „Classic goes Pop“ irgendwo zu, dann sicher hier. Das dürfte auch im Sinne Connessons sein, der mit seiner Musik (nicht nur) in Frankreich bestens ankommt und eine Reihe unterschiedlichster Preise, beispielsweise den vom Institut de France vergebenen Cardin-Preis (1998), den Nadia und Lili Boulanger-Preis (1999) oder – im Jahre 2006 – den  Grand Prix Lycéen des Compositeurs erhalten hat. Guillaume Connesson hat von Beginn seiner Karriere an Elemente des Pop zu Themen seines Werkes gemacht hat, etwa in „Techno Parade“, „Disco-Toccata“ oder „Night Club“. Warum also nicht auch hier?

Packende Musik auch für Klassik-ferne Hörer

Komponist Guillaume Connesson (links) und Dirigent Jean-Christophe Spinosi während der Aufnahmearbeiten zu "Lucifer"
Komponist Guillaume Connesson (links) und Dirigent Jean-Christophe Spinosi während der Aufnahmearbeiten zu „Lucifer“

Tritt man nun einen Schritt vom Marketing zurück und hört der Musik aufmerksam zu, dann präsentiert sich „Lucifer“ als durchaus packende neue Musik, als eine neue Musik, die in der Lage ist, auch den der arrivierten „Klassik“ nicht ganz so nahe stehenden Hörer zu fesseln. Das Werk, im Prinzip zwar eine Ballettmusik, aber laut Connesson gleichzeitig eine „grosse Symphonie“, ist in sieben Abschnitte unterteilt, denen der Komponist einen Titel und jeweils einen kleinen Text voranstellt. Es wird – die Überraschung ist nicht gross – von „Le Couronnement du Porteur de Lumière“ bis zum „Épilogue“ der Fall Luzifers vom grössten aller Engel zum verstossenen König der Hölle „erzählt“, allerdings verquickt mit Elementen der Prometheus-Sage. Es ist die Liebe zu einer Menschenfrau, die seine Verurteilung und seinen Fall herbeiführt. Im Épilogue tritt schliesslich der Mensch „an sich“ auf, der die Krone des Luzifer findet und sich – hier hat die Symbolik etwas unschön Gewolltes – von dieser dunklen Macht enorm fasziniert zeigt.

Wilde Skalen, orientalische Klänge

Zur Musik: Das Werk eröffnet mit der Krönungsszene Lucifers („Le Couronnement du Porteur de Lumière“). Musikalisch ist das zunächst schon ziemlich packend. Wilde Skalen in allen Instrumentengruppen, entfernt orientalische Klänge und starke Betonung des Rrhythmischen. Dann ein plötzlicher Stimmungswechsel. Streicherglissandi leiten einen nach Science Fiction klingen Abschnitt ein, eine liebliche Oboenmelodie schleicht sich ein, der Gesang wird von Celli ausgenommen. Das Orchester wird satter und baut einen Höhepunkt von düsterer Grösse im üppigsten Cinemascope-Sound auf. Zu dieser Musik hätte Cecil B. DeMilles Moses problemlos das Rote Meer teilen können. Dann Rückkehr zum Bacchanal. Der zweite Satz „Le voyage de Lucifer“ ist als Scherzo angelegt. Streicher, Holzbläser und der üppig bestückte Percussionsapparat rasen in wilder Jagd jazzig dahin. „La Recontre“, die Begegnung Lucifers mit der Menschenfrau, sieht Connesson als das „Herz“ des Werkes. Tatsächlich ist auch dies ein höchst hörenswertes Stück Musik. Geheimnisvoll tastend der Beginn, langsam etabliert sich – um Verdi zu zitieren – eine „melodie lunghe, lunghe, lunghe“ in den Violinen. Der Satz gewinnt zusehends an Fülle, an Körper und entwickelt sich zu einer rauschhaft-orgiastischen Liebesmusik, die sich erneut auf eine wuchtige Metro-Goldwyn-Mayer Klimax hinwälzt, die nicht nur von fern an den frühen Mahler erinnert.

Guillaume Connesson

Nach „La Recontre“ ist es dann aber mit dem Einfallsreichtum vorbei. Sicher, auch die sich anschliessenden Sätze „Le Procès“, „La Chute“, „L’Ailleurs“ und „Épilogue“ klingen gut, aber sie bringen nichts Neues. Immer und immer wieder rasende Skalen, Jazzrhythmen, Breitwandklänge. Hinzu kommt, dass der Eklektizismus überhand nimmt. Immer wieder fühlt man sich erinnert. Mal klingt Connesson nach Howard Shore (Le Procès) und mal nach Vaughan Williams’ „Sinfonia antartica“ und dem „Sacre“ (L’Ailleurs). Schliesslich scheint der Épilogue des „Lucifer“ klanglich und atmosphärisch fast den „Epilogue“ der „London Symphony“ (ebenfalls Vaughan Williams) imitieren zu wollen. Nach knapp 40 Minuten, die den Hörer angesichts des durchaus ansprechenden Klangspektakels wohl bei Laune halten,  stellt man sich dennoch unweigerlich die Frage, ob das nun Musik ist, die über ihren knallbunten Eventcharakter hinaus etwas aussagt, etwas trägt oder ob sie das überhaupt will. Das etwas aufgepfropft wirkende „Programm“ legt es zwar nahe, zurück bleibt aber der schale Geschmack einer eigentümlichen Leere.

Atemberaubendes Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo

Uneingeschränkt zu loben ist das atemberaubende Spiel des Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo unter der Leitung von Jean-Christophe Spinosi, das sich mit Elan auf diese musikalische Spielwiese wirft und sich mit rechtem Gusto austobt, sodass die Funken nur so fliegen. Wenn Connessons „Lucifer“ lediglich den Anspruch hätte, ein Werk sein zu wollen, das zeigen möchte, was an Klang und Virtuosität aus einem grossen Orchester herausgekitzelt werden kann, dann wäre dieses als Plädoyer für die Möglichkeiten des Orchester bestens gelungen.

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Das Cellokonzert und die Balletmusik „Lucifer“ von Guillaume Connesson sind packende, glitzernde, virtuose Musikstücke, deren spektakulärer Charakter jedoch nicht unbedingt einen lang anhaltenden Eindruck hinterlässt. Die Ausführung durch den Cellisten Jérôme Pernoo und dem unter Jean-Christophe Spinosi spielenden Orchestre Philharmonique de Monte ist tadellos.

Viel Klangzauber bietet auch das 2008 entstandene Cellokonzert in fünf Sätzen, die – so Connesson wiederum auf „zwei Akte“ aufzuteilen sind. Auch hier finden sich im Beiheft allerlei Erklärungen dazu, wie das Werk zu verstehen sei und das, obwohl das Stück durchaus ohne Verstehenshinweise auskommt. Auch das Cellokonzert ist im Wesentlichen ein virtuoses Stück, das nicht nur den Cellisten, sondern auch das Orchester vor recht heikle Aufgaben stellt, und zwar nicht nur die nackte Spieltechnik betreffend, sondern ganz besonders, was die Vielfältigkeit und rasante Wechselhaftigkeit im Audruck angeht. Kaum sind die blockhaft-vehementen ersten Minuten des ersten Satzes „Gratinique“ (hier sollen kalbende Eisberge inspirierend Pate gestanden haben) vorbei, schon gilt es eine zauberhaft klagende Atmosphäre im Mittelteil zu erschaffen. Das sich direkt anschliessende „Vif“ bringt Atemlosigkeit und unglaubliche Rasanz. Dann eine grosse „naturmagische“ Musik im „Paradisiaque“, in der das Cello zu einem grossen Gesang anhebt, der nostalgischer, sentimentaler und bittersüsser kaum daher kommen könnte. Die „Cadence“ fordert dem Solocellisten alles ab, was menschenmöglich ist, rausgeschmissen wird im letzten Satz „Orgiaque“ mit Bacchanal-Stimmung, Jazz und Dixiland-Reminiszenzen.

„Irrsinnige Spielfreude“: Solo-Cellist Jérôme Pernoo

Cellist Jérôme Pernoo leistet hier spielerische und gestalterische Schwerstarbeit und wird dieser ausufernden, mäandernden, ja schon bald überladenen Cellopartie mit einer schon fast irrsinnigen Spielfreude gerecht. Das Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo unter der Leitung von Jean-Christophe Spinosi stehen dem in nichts nach.
Und doch stellt sich im Anschluss die Frage: Was bleibt? ♦

Guillaume Connesson: Lucifer & Cellokonzert, Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, Jean-Christophe Spinosi, Jérôme Pernoo, Deutsche Grammophon 481 1166. 1, Audio-CD

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Cello-Musik auch über
Rostropowitsch: Cello-Suiten von J. S. Bach

… sowie zum Thema Orchestermusik über
Franz Schreker: Das Weib des Intaphernes

Franz Schreker: Das Weib des Intaphernes (CD)

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„Ich bin (leider) Erotomane“

von Wolfgang-Armin Rittmeier.

Mit einem Augenzwinkern ist diese Selbsteinschätzung des Komponisten Franz Schreker zu verstehen. Schliesslich entstammt sie seiner satirischen Selbstcharakteristik, die im April 1921 in den Wiener „Musikblättern des Anbruch“ publiziert wurde. Schreker montierte sie aus Kritiken, die bis dato zu seinen Werken erschienen waren, und ihm als Komponisten und Menschen sowie seinem Werk quasi alle denkbaren und sich bisweilen völlig widersprechenden Eigenschaften zusprachen, so dass der kleine Text in der verzweifelten Frage gipfelt: „Wer aber – um Himmels Willen – bin ich nicht?“

Franz Schreker - Das Weib des Intaphernes - CapriccioWer Franz Schreker war, das ist auch heute noch fast ein Geheimnis, seine Musik bleibt ein Geheimtipp. Bereits 1947, also nur 13 Jahre nach Schrekers Tod, konnte Joachim Beck, der in den späten zwanziger Jahren mehrfach in Kurt Tucholskys „Weltbühne“ über den Komponisten geschrieben hatte, in der „Zeit“ einen Artikel veröffentlichen, der den bezeichnenden Titel trägt: „Franz Schreker, ein Vergessener“.

Vom „Messias des neuen Musikdramas“ zum verfemten „undeutschen“ Juden

Franz Schreker (1878-1934)
Franz Schreker (1878-1934)

Wie konnte es dazu kommen? Schliesslich war Schreker zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts als der führende deutsche Opernkomponist, ja als Messias des neuen Musikdramas gefeiert worden. Nun – Franz Schreker war Jude. Und als solcher gehörte er zu jenen Künstlern, die im nationalsozialistischen Deutschland zunächst beschimpft, verfemt und schliesslich von der gleichgeschalteten Musikwissenschaft als „undeutsch“ aus der Historie getilgt werden sollten. So liest man beispielsweise in der „Geschichte der Deutschen Musik“ des strammen Nationalsozialisten Otto Schumann (der nach Ende des Krieges einfach Fäden aufhob und munter weiter publizierte) zu Schreker: „Wie wahl- und sinnlos das Judentum in der Verhimmelung seiner Gesinnungsgenossen vorgegangen ist, zeigt das Beispiel von Franz Schreker. Obwohl in seinen orchestralen Farbmischungen, seiner verstiegenen Theatralik und schmeichelnden Gehaltlosigkeit der vollendete Gegensatz zu Schönberg, wurde er ‚in Fachkreisen‘ als ein Gott der Musik gepriesen. Dabei erklärt sich dieser jüdische Fachgeschmack ganz einfach daraus, dass Schreker in seinen Dirnen- und Zuhälteropern die Verzückungen käuflicher Sinnlichkeit mit allen Mitteln des modernen ‚Musikdramas‘ feierte.“ Fortan war Schreker aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, zumal er 1934 – wohl in Folge der nationalsozialistischen Hetze – einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall erlitt und verstarb. Anders also als im Falle manch eines anderen Komponisten gab es keine Fortsetzung des kompositorischen Schaffens im Verlauf des Dritten Reiches und nach Ende des Weltkrieges, die ihn im Bewusstsein der Musikinteressierten hätte halten können.

Schreker-Renaissance nicht in Sicht

Schrekers Œuvre versank in einem Dornröschenschlaf, in dem es sich seither – man muss es trotz der zunehmenden Versuche, seine Opern auf deutsche Bühnen zu bringen (wie in jüngerer Zeit beispielsweise am Bonner Theater) und Einspielungen seiner Werke vorzunehmen, sagen – immer noch befindet.

„Verschollene Übungssinfonie des jungen Brahms?“: Beginn der Kammersinfonie

Bei genauem Hinsehen sind aber auch die Einspielungen seines Werkes – mit einigen Ausnahmen – nicht wirklich aktuell, sodass sich auch hier nicht die  Tendenz zu einer angemessenen Schreker-Renaissance zeigt. Man muss dankbar für das sein, was überhaupt vorliegt. Auch die von Cappriccio jüngst herausgegebene 3 CD-Box bringt nicht wirklich etwas Neues, sondern fasst Aufnahmen des Labels zusammen, die alle schon vor geraumer Zeit in Einzelaufnahmen erschienen sind. Interessanterweise steht im Zentrum dieser Aufnahmen der „unbekannte Schreker“, was der Box wiederum einen speziell exotischen Charakter verleiht. Unbekannte Werke eines mehr oder minder unbekannten Komponisten vorzulegen scheint auf den ersten Blick so mutig, dass man wohl gewiss sein darf, dass es sich um ein Panoptikum kompositorischer Gemmen handeln muss. Das ist streckenweise tatsächlich auch der Fall. Ausgesprochen faszinierend ist beispielsweise die Einspielung des Melodrams „Das Weib des Intaphernes“. Sicher, die Textvorlage des Vielschreibers Eduard Stucken (der – welch eine Ironie des Schicksals! – im übrigen ein regimetreuer Nationalsozialist und Unterzeichner des „Gelöbnisses treuester Gefolgschaft“ war), ist literarisch mässig. Dafür ist sie ausserordentlich farbig und gibt dem bestens aufgelegten Sprecher Gert Westphal reichlich Gelegenheit zu glänzen.

Ein Mann der Oper

Schreker-Grab im Berliner Waldfriedhof Dahlem
Schreker-Grab im Berliner Waldfriedhof Dahlem

Die den Text psychologisch auslotende Musik Schrekers weist diesen als das aus, was er im Grunde ist: ein Mann der Oper. Das 20 Minuten währende Werk, das eine Geschichte von Bosheit, verderbter Lust, Verzweiflung und Rache erzählt, erinnert in seiner dunklen musikalischen Schwüle nicht selten an Richard Strauss‘ „Salomé“, und das WDR-Rundfunkorchester unter der Leitung von Peter Gülke schafft es ohne entscheidende Abstriche, die irisierende Klangwelt Schrekers sinnlich zum Leben zu erwecken.
Gleiches gilt für Schrekers schon fast monumentale Vertonung des 116. Psalms, der durch Gülke, das WDR-Orchester sowie den WDR-Rundfunkchor Köln mustergültig dargestellt wird. Wenig reizvoll ist Schrekers op. 1 – nicht so sehr aufgrund der Aufnahme, sondern als Werk. Hier hört man noch sehr viel Epigonales, bisweilen hat man das Gefühl, eine verschollene Übungssymphonie des jungen Brahms zu hören.

Franz Schreker als Textdichter

Die zweite CD, die ebenfalls WDR-Aufnahmen Gülkes umfasst, widmet sich dem Liedkomponisten, Dichter und Arrangeur Schreker. Hier nun kann man bei allem Wohlwollen gegenüber Schreker nicht umhin, mehr Schwächen als Stärken erkennen zu müssen. Der Textdichter Schreker ist wenig innovativ und gänzlich in seiner Zeit verhaftet. Texte wie „Immer hatt‘ ich noch Glück im Leben“ oder „Wollte ich hadern mit Glück und Schicksal“ sind nachgerade peinlich. Da ändert auch die Rezitation der Texte durch Westphal nichts. Die vorgestellten Orchesterlieder teilen diese Schwäche. Auch dass Mechthild Georgs schwerer Mezzo klanglich nicht überzeugen will und ihre Diktion oft mehr als mässig ist, hilft nicht weiter.

Bild: Fazit der Rezension
Die vom CD-Label Capriccio herausgegebene Box mit Werken Schrekers verdeutlicht sowohl die Stärken des absolut zu unrecht vergessenen Komponisten als auch seine Schwächen. Insgesamt eine verdienstvolle, auch qualitätsvoll eingespielte Zusammenfassung, die Lust auf das weitere Œuvre Schrekers macht.

Die dritte CD bringt schliesslich Schreker-Bearbeitungen für Klavier, die sein Schüler Ignaz Stasvogel vorgenommen hat. Pianist Kolja Lessing interpretiert die ausgesprochen gut bearbeiteten Stücke klangschön, durchsichtig und ohne jegliche Sentimentalität, die sich in der kleinen Suite „Der Geburtstag der Infantin“ schnell einschleichen und den reizvollen Miniaturen den Charakter von „Salonmusik“ verleihen könnte. Dabei ist Lessings Spiel keinesfalls nüchtern, sondern durchwegs engagiert. Höhepunkt dieser CD ist Stasvogels Bearbeitung von Schrekers „Kammersymphonie“, die nicht nur Lessings stilsichere Herangehensweise unterstreicht, sondern auch Stasvogels Fähigkeit, die klangliche Vielfalt der Schrekerschen Orchestrationskunst kongenial auf das Klavier zu übertragen. ♦

Franz Schreker: Das Weib des Intaphernes – Psalm 116 – Kammersinfonie – Lieder, Mechthild Georg, Gerd Westphal, WDR-Rundfunkchor und -orchester, Peter Gülke, Kolja Lessing, Capriccio, 3 Audio CD

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Bernd Zimmermann: Die Soldaten

… und zum Thema Neue Musik auch über die CD von
Lowell Liebermann: Little Heaven

ausserdem in der Rubrik „Heute vor … Jahren“ über die Oper von
Daniel Auber: Die Stumme von Portici

Alan Hovhaness: Exile-Symphony (CD)

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„Ich komponiere, weil ich komponieren muss“

von Wolfgang-Armin Rittmeier

„Ich kann diese billige Ghetto-Musik nicht hören“. Das ist starker Tobak und nichts Geringeres als eine wahrlich vernichtende Kritik, zumal sie nicht von irgend jemandem stammt, sondern von Leonard Bernstein. Ziel des Spottes war die erste Symphonie des Tanglewood-Stipendiaten Alan Hovhaness, der 1911 als Alan Vaness Chakmakjian geboren wurde. Doch Bernstein war nicht der einzige Komponist in Tanglewood, der nichts mit der Musik des jungen Amerikaners armenisch-schottischer Herkunft anfangen konnte. Auch Aaron Copland lehnte seine Musik strikt ab. Gleiches gilt für Vigil Thomson.

Ablehnung durch die arrivierte amerikanische Musikwelt

Alan Hovhaness, Exile-Symphony - Boston Modern Orchestra ProjectDie Ablehnung dreier einflussreicher Männer der amerikanischen Musikwelt mag ein Grund dafür sein, dass Hovhaness‘ Musik auch in Europa so gut wie unbekannt geblieben und so gut wie nie im Konzertsaal zu erleben ist. Ein anderes Moment, das dazu geführt hat, in den Kreisen der europäischen E-Musik peinlich berührt und mit einem Anflug an Schamesröte standhaft an Hovhaness vorbeizublicken, ist die schlecht zu leugnende Tatsache, dass seine musikalische Sprache schnell so klingen kann wie esoterisch angehauchte, an asiatischen Klängen orientierte Entspannungsmusik. Räucherstäbchen, Mantras, „Om“ und Hovhaness als stimmungsvoller Soundtrack. Derlei kann man sich, beschäftigt man sich nicht weiter mit Philosophie und Œuvre des Komponisten, schon schnell als Meinung und endgültiges Urteil zurechtlegen. Spätestens jedoch, wenn der Hörer dann noch über eines der populärsten Werke des Komponisten stolpert, das pünktlich zu Beginn der Heydays der New-Age-Bewegung in den USA im Jahre 1970 erschien und den verdächtigen Titel „And God Created Great Whales“ trägt, ist das letzte Quentchen Offenheit gegenüber Hovhaness dahin. Denn wenn einer hingeht und auf Tonband gebannte Walgesänge in einer klasssichen Komposition unterbringt, so kann man doch wohl kaum noch von einer ernstzunehmenden Komposition eines ernstzunehmenden Komponisten reden, oder?

Spirituelle Erneuerung durch die Kunst

Doch, man kann. Denn wendet man sich weg vom allzu einfachen Esoterik-Vorwurf, so kann man in Hovhaness Kompositionen, die in ihrer Art vollkommen individuell sind, einen Kontrapunkt zu der akademisch arrivierten Musik seiner Zeit (Copland, Bernstein) erkennen. Denn brachte Amerika auf der einen Seite den Intellekt fokussierende seriell orientierte Komponisten hervor, so gab es mit Hovhaness auf der anderen Seite einen naturverbunden Mystizismus, der aus der Überzeugung des Komponisten hervorging, dass die technisierte Gegenwart die Seele des Menschen zerstört habe und der Künstler dabei helfen müsse, die Menschheit spirituell zu erneuern.

Komponist Alan Hovhaness (Glarean Magazin)
Komponist Alan Hovhaness

Das erkannten dann schliesslich auch eine Reihe anderer Künstler wie beispielsweise John Cage, Martha Graham, Leopold Stokowski und Fritz Reiner, die Hovhaness unterstützten. Dieses Jahr wäre er, der schliesslich doch zu einem der grossen alten Männer der ameriakanischen Musikszene aufstieg, einhundert Jahre alt geworden. Europa hat davon kaum Notiz genommen und auch der CD-Markt hat nicht allzuviel zu diesem Ereignis produziert.
Eine löbliche Ausnahme ist eine Produktion des Labels BMOP Sound, dem Hauslabel des „Boston Modern Orchestra Project“, einem der führenden amerikanischen Orchester im Sektor der neuen Musik. Gründer und Dirigent Gil Rose hat sich zum Hovhaness-Jahr nicht lumpen lassen und eine Reihe von Werken des Komponisten auf einer CD neu eingespielt, die vorwiegend aus dessen früher Phase stammen. Das früheste ist der 1933 entstandene „Song of the Sea“, und man darf glücklich darüber sein, dass dieses zweiteilige Stück für Klavier und Streichorchester nicht jener grossen Vernichtung von Frühwerken anheim gefallen ist, die Hovhaness zwischen 1930 und 1940 durchgeführt hat. Es präsentiert einen Komponisten mit Sinn für grosse, unmittelbar verständliche melodische Bögen und sinnliche Klangfarben, einen Nachfolger Sibelius‘ und Verwandten Vaughan Williams – einen späten Spätestromatiker also.

Die „Exile“-Symphonie

Dieser kaum sechs Minuten währenden Miniatur mit dem herrlich aufspielenden BMPO unter Rose und einem höchst delikat gestaltenden John McDonald am Klavier folgt die 1936 entstandene erste Symphonie, die den Beinamen „Exile“ führt. Das 1939 in England vom BBC Orchestra unter der Leitung von Leslie Heward uraufgeführte Werk gedenkt des Völkermorders an den Armeniern im Umkreis der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Höchst eindrucksvoll erhebt sich im ersten Satz (Andante espressivo – Allegro) über einer Ostinato-Figur eine orientalisch angehauchte klagende Klarinettenmeldie, die weiter durch die einzelnen Holzbläsergruppen wandert, wobei sie immer wieder einmal durch „heroische“ Fanfaren unterbrochen wird. Plötzlich brechen nervöse Streicher in die feierliche Klage herein, die Stimmung ändert sich: kriegerische Nervosität kommt auf. Das ist wahrlich nicht schlecht gemacht, weder was Meldodieführung, Instrumentation noch was die Dramaturgie des Satzes angeht. Ganz besonders begeistert die Spielkultur des BMPO, das minutiös jenen Wunsch umsetzt, den Hohvaness einmal in einem Interview gegenüber Bruce Diffie geäussert hat: Er wolle keinen Klangbrei, sondern dass man jeden Ton der Komposition höre. Besser als hier geschehen ist, kann man das kaum realisieren.. Herrlich auch der an mittelalterliche Tanzweisen erinnernde Ton des zweiten Satzes (Grazioso), der die ruhige Stimmung des vorangegangenen Andante espressivo wieder aufgreift.
Im dritten Satz, der bisweilen als „Triumph“ bezeichnet wird, kehren die kriegerischen Fanfaren des ersten Satzes ebenso wieder, wie die nervöse Ostinato-Figur der Streicher, jetzt jedoch eingebettet in eine wiederum altertümlich anmutende Choralmelodie, die das Werk zu einem hymnischen Abschluss bringt. In einer seiner Bewerbungen für ein Stipendium der Guggenheim-Stiftung schreibt Hovhaness 1941: „Ich schlage vor, einen heroischen und monumentalen Kompositionsstil zu schaffen, der einfach genug ist, um jeden Menschen zu inspirieren, frei von Modeerscheinungen, Manierismus und falscher Bildung, dafür direkt, ehrlich und immer ursprünglich, aber nie unnatürlich.“ Die „Exile Symphony“ hat dieses Programm bereits fünf Jahre zuvor umgesetzt.

Drei „Armenian Rhapsodies“

Im Hovhaness-Jahr präsentiert das Boston Modern Orchestra Project unter der Leitung von Gil Rose einen interessanten Einblick in das Frühwerk des hierzulande zu wenig bekannten Komponisten Alan Hovhaness. Neben einer eindringlichen Wiedergabe der „Exile Symphony“ und der drei „Armenian Rhapsodies“ präsentiert diese CD erstmals das hörenswerte „Concerto for Soprano Saxophone and Strings“. Ein gelungenes Plädoyer für einen nicht selten missverstandenen Komponisten.

An die armenische Thematik schliessen die 1944 entstandenen drei „Armenian Rhapsodies“ an. Das musikalische Material zu diesen kurzen Orchesterstücken stammt aus Hovhaness‘ Zeit als Organist der St. James Armenian Apostolic Church in Watertown. Tatsächlich sind die drei Rhapsodien zusammen genommen ein Panoptikum armenischer Folklore und Sakralmusik. Da hört man lebhafte Tänze, ernsten Hymnen und untröstliche Weisen, allesamt für Streicher gesetzt, wobei an Intensität besonders die tief empfundene, klagende dritte Rhapsodie hervorsticht.
Schliesslich wird die CD abgerundet durch das späte Konzert für Sopransaxophon und Streichorchester aus dem Jahre 1988, das – obgleich es ausgesprochen schön musiziert wird (hervorragend: Kenneth Radnowsky am Saxophon) – in dieser Zusammenstellung ein wenig fehl am Platze wirkt. Denn obwohl Hovhaness einmal sagte, man könne seine späten von seinen frühen Kompositionen im Grunde nicht unterscheiden, so ist das doch nicht ganz richtig, und das Konzert für Sopransaxophon ist dafür ein gutes Beispiel: Obschon Hovhaness auch hier die kompositorischen Elemente seiner Frühzeit nutzt, so tritt in der Melodik der armenische Tonfall zurück und ein sphärenhaftes Idiom, das seit der zweiten Symphony (Mysterious Mountain, 1955) Hovhaness‘ Markenzeichen geworden war, dominiert. Zudem begegnet man traditionalistischen musikalischen Konventionen. Im ersten und letzten Satz begegnen wir gar der Fuge (Hovhaness war lebenslang ein grosser Bewunderer der Bach’schen „Kunst der Fuge“), im zweiten einem entzückenden langsamen Walzer und schliesslich einem Abschnitt, der wie eine Hommage an die Wiener Klassik anmutet. Und doch: Schön ist es in jedem Fall, das Werk nun überhaupt in einer Einspielung vorliegen zu haben. ♦

Alan Hovhaness, Exile-Symphony – Boston Modern Orchestra Project, Audio-CD, BMOP/sound 2011


Wolfgang-Armin Rittmeier (Musik)

Geb. 1974 in Hildesheim/D, Studium der Germanistik und Anglistik, bis 2007 Lehrauftrag an der TU Braunschweig, langjährige Erfahrung als freier Rezensent verschiedener niedersächsischer Tageszeitungen sowie als Solist und Chorist, derzeit Angestellter in der Erwachsenenbildung – Wolfgang-Armin Rittmeier im Glarean Magazin

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Egon Wellesz: Klavierkonzert und Violinkonzert (CD)

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Musikalisches Ringen um Schönheit

von Jörn Severidt

Mal ehrlich: Wen überrascht es nicht, zu hören, dass Egon Wellesz (1885-1974) um die Mitte der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zu den angesehensten und meistgespielten zeitgenössischen Komponisten im deutschsprachigen Raum gehörte? Und doch war dem so, Wellesz war sowohl als Komponist als auch als Musikwissenschaftler anerkannt, unter anderem entschlüsselte er als erster die byzantinische Notenschrift und galt als eine führende Kapazität in Fragen der Barockmusik.
Dann kam der Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland und der Jude Wellesz wurde über Nacht zu einem polizeilich Gesuchten, dessen als „entartet“ eingestuftes Werk von allen Spielplänen gestrichen war. Wellesz ging nach England, wo er seine musikologischen Forschungen an einem eigens für ihn gegründeten Lehrstuhl an der Universität von Oxford fortsetzen durfte und weiter an seinem sowohl umfangreichen wie vielseitigen Oeuvre arbeitete. Nach dem Krieg beeilte man sich um eine Rehabilitierung des verstossenen Sohnes, es regnete geradezu Auszeichnungen und Ehrbekundungen, doch Aufführungen des musikalischen Werkes blieben die Ausnahme.

Egon Wellesz - Klavierkonzert & Violinkonzert - Capriccio
Egon Wellesz – Klavierkonzert & Violinkonzert – Capriccio

Umso erfreulicher ist es da, dass das österreichische Label Capriccio nun diese künstlerisch und klanglich sehr gelungene Einspielung des Klavierkonzertes von 1933 und des Violinkonzerts von 1961 vorlegt. Anhand dieser zwei Konzerte, das frühere von gut 20, das spätere von über 30 Minuten Spieldauer, wird die künstlerische Entwicklung und Persönlichkeit des Egon Wellesz nachvollziehbar.

Musikalisches Bild eines verirrten Menschen

Egon Wellesz (1885-1974)
Egon Wellesz (1885-1974)

Die CD begann für mich mit einer echten Überraschung, denn von den ersten Tönen an erinnerte mich das Klavierkonzert in seiner unmittelbaren Bildhaftigkeit weder an Spätromantik noch an Moderne, sondern an das vierte Klavierkonzert Beethovens. Wie dieses Werk, beginnt auch Wellesz’ Konzert mit einer lyrischen, introvertiert-mäandernden Solostimme, die mit dem Orchester geradezu zu ringen scheint. Innerhalb weniger Takte identifizierte ich diese Solostimme mit einem Individuum, dem sich eine unwirtliche, von Dissonanz und Widersprüchen geprägte Welt entgegenstellt. Es entsteht das Bild eines vereinzelt umherirrenden Menschen, getrieben von der Suche nach Schönheit, aber auch nach Aussöhnung und Hoffnung. Dies sind die grossen Themen Beethovens. Natürlich bricht Wellesz sie im Prisma der Erfahrungen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, sein Individuum erscheint namenlos, heimatlos, ihm fehlen der Idealismus, der machtvolle Glaube an die Möglichkeit einer heilen Welt. Doch der Konflikt an sich, das Ringen um Schönheit, sind gleich.

Dies mag manchem zu bildhaft erscheinen, doch mir drängt es sich auf, dieses Werk als Beschreibung der Lebenssituation des Komponisten zu sehen: Im Jahr 1933, dem Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland also, beginnt Wellesz’ Welt endgültig, zu zerfallen und ihrem Untergang entgegen zu streben.

„Karge, kraftvolle, dissonante, spätromantische, klar strukturierte und artikulierte Tonsprache“: Aus Wellesz‘ „Deutschem Lied“ (R. Dehmel) für Mittlere Singstimme und Klavier (Universal Edition 1915)

.Im ersten Satz steigert sich das desorientierte Umherirren des Individuums zu einem fast panischen Ausbruchsversuch, bevor im zweiten Satz Momente der Ruhe einkehren. Das geistige Bild ist das eines Menschen, der eine hektische Grossstadt hinter sich gelassen hat und nun auf die freie Flur hinaustritt. Im abschliessenden, am deutlichsten spätromantisch anmutenden Satz führt Wellesz Individuum und Umgebung in einer vorwärtsdrängenden Gemeinschaft zusammen, deren innere Spannungen und Widersprüche dennoch bis zum Finale erhalten bleiben.

Musikalisch charakterisieren das Werk sowohl barocke, als auch klassische Strukturen im Orchesterteil, in denen auch in dieser Schaffensphase bereits gelegentlich an Mahler und Bruckner erinnernde Klangteppiche ausgebreitet werden. Sie kontrastieren mit der Stimme des Klaviers, in welcher klassischer Ausdruck durch die Brille der schönbergschen Formsprache gesehen erscheint. Zugegeben, Wellesz schafft hier wenig wirklich Neues, doch man muss die geistige Freiheit des Komponisten bewundern, der eklektisch auszuwählen vermag, ohne sich einer Epoche oder einer Stilrichtung völlig zu verschreiben.

Wer die Violinkonzerte von Arnold Schönberg (dessen Schüler Wellesz zwei Jahre lang war) und Alban Berg mag, mit denen es bei seiner Uraufführung zu seinen Gunsten verglichen wurde, der sollte sich das Violinkonzert von Wellesz nicht entgehen lassen. Drei Jahrzehnte nach dem Klavierkonzert entstandenen, ist es durchdrungen vom Geist der so genannten Zweiten Wiener Schule, wenngleich es auch auffällige Unterschiede gibt. Einerseits basieren alle Sätze auf demselben Material, andererseits sind es ihrer vier, Wellesz verleiht seinem Konzert also die formale Struktur einer Symphonie.

Karge, doch kraftvolle Tonsprache

Rundfunkorchester Berlin - Glarean Magazin
Das Rundfunkorchester Berlin (Glarean Magazin)

Wellesz Tonsprache ist gleichzeitig karg und kraftvoll, dissonant und spätromantisch, dabei sowohl klar strukturiert als auch artikuliert. In den ersten drei Sätzen bleibt das Orchester als Ganzes im Hintergrund, aus dem es nur gelegentlich in bedrohlichem, teils militärisch anmutendem Aufbegehren nach vorne drängt und so den Rahmen schafft, in dem sich die Solostimmen bewegen. Solostimmen, denn es sind mehrere, mit denen die erst nach und nach Dominanz erreichende Violine in Dialog tritt. Sie alle umgibt ein Gefühl der Einsamkeit, des Strebens nach etwas Verlorenem. Erst im vierten Satz steuert die Musik einer Katharsis entgegen, wobei die Orchesterpassagen nun an Gustav Mahlers Klangwelt erinnern. Eine lange, intensive Kadenz unterbricht das eruptive Finale, dem die Violine eine Art Nachwort in den höchsten Registern hinzufügt, dessen letzte, schwebende Töne noch lange nachzuklingen scheinen, haarsträubend in ihrer emotionalen Ambivalenz – Wellesz weigert sich bis zuletzt, seine Welt zu vereinfachen oder ihre inneren Konflikte zu lösen.

Verwebung des Orchesters mit den Solisten

Die Aufnahme ist von sehr guter Qualität. Beide Solisten überzeugen, vermögen eine spezifische Sprache zu finden, die Wellesz nicht zu stark an seine Vorbilder annähert. Auch in den virtuosesten Passagen der langen Violinkadenz bleibt der musikalische Bezug in jedem Augenblick erhalten. Das Rundfunksinfonie-Orchester Berlin verzichtet dankenswerterweise darauf, Spannung durch extreme Lautstärken zu unterstreichen und verwebt sich unter der offenkundig kompetenten Leitung von Roger Epple mit den Solostimmen.
Eine CD, die Liebhabern der deutschen Spätromantik und der Moderne gleichfalls ans Herz gelegt sei, die jedoch auch diejenigen angenehm überraschen dürfte, denen diese Epochen eher fern liegen. ♦

Egon Wellesz, Piano Concerto op. 49 & Violin Concerto op. 84, Margarete Babinsky (Klavier), David Frühwirth (Violine), Berliner Radio Sinfonieorchester (Roger Epple), Capriccio (CAP5027)


Jörn Severith

Jörn Severidt

Geb. 1968 in Göttingen/D, Studium der Finnougristik, Skandinavistik und Germanistik in Göttingen, Turku (Finnland) und Hamburg, breite musikalische Interessen und Aktivitäten, verheiratet mit einer Finnin und Vater zweier zweisprachiger Töchter, lebt als Deutsch-Lehrer in Rovaniemi/Finnland

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Leó Weiner & Franz Liszt: Orchester-Werke (CD)

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Geträumte Ideale vergangener Schönheit

von Markus Gärtner

Als ich 2006 zum Internationalen Liszt-Wettbewerb – einer bedeutenden Klavier-Competition – in Weimar weilte, stand auf dem Programm des die Grossveranstaltung begleitenden Festkonzertes Leó Weiners Orchestration von Franz Liszts h-Moll-Klaviersonate. Was das wohl sei? Dies fragten sich nicht nur Festival-Besucher, sondern auch Professoren der Franz-Liszt-Hochschule, Mitglieder der Franz Liszt-Gesellschaft und sonstige ausgewiesene Liszt-Experten der so Liszt-haltigen Kulturstadt Weimar. Und wenn schon Fachleuten ein Fragezeichen vor Augen steht, wenn es um Leó Weiner geht, so ist es umso verständlicher, dass dieser Komponist an der Wahrnehmung weiter musikinteressierter Kreise erst recht vorbeigegangen ist. Ausserhalb seiner ungarischen Heimat blieb er bis heute ein Unbekannter, den das so vielschichtige und in seinen musikalischen Strömungen so divergente 20. Jahrhundert verschluckt hatte.

Leo Weiner - Laszlo Kovacz - North Ungarian Symphony OrchestraImre Fabian bemerkt in seinem 1965 in The Musical Quarterly veröffentlichten Aufsatz „Modern Hungarian Music“, Leó Weiner (1885–1960) „was more a dreamer about past ideals of beauty than a mapper of new roads for the future“ (S. 206). Er gehörte damit zu dem Strang vor allem osteuropäischer Komponisten, die sich den Materialentwicklungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht unterordnen wollten und deshalb, wie z.B. Josef Suk, Josef Bohuslav Foerster oder – notgedrungen – die Komponisten des Sowjetsystems, an einer spätromantischen, möglicherweise impressionistisch geschärften Tonsprache festhielten.

Ganz der Tradition der Nationalen Schulen im 19. Jahrhundert verpflichtet

Leo Weiner
Leo Weiner (1885-1960)

Der später als Musikpädagoge einflussreiche Weiner studierte zusammen mit Béla Bartók und Zoltán Kodály von 1901 bis 1906 an der Budapester Musikakademie, wo er 1908 als Theorielehrer, dann 1912 als Professor für Komposition angestellt wurde. 1920 kam noch eine Professur für Kammermusik (György Kurtág besuchte diese Klasse) hinzu. Mit Bartók und Kodály verband ihn zwar das Interesse an nationaler Volksmusik – er leitete daraus aber keine eigene Feldforschung, noch weniger, wie seine Kollegen, eine Revision des Tonsystems ab. Vielmehr blieb er der Tradition der Nationalen Schulen des 19. Jahrhunderts verpflichtet, die er z.B. in seiner Symphonischen Dichtung „Toldi“ op. 43, seinem opus magnum, mustergültig, man könnte auch sagen: formelhaft einlöste.

Das Label „Hungaroton Classic“ veröffentlicht nun bereits seit einigen Jahren das Orchesterwerk Weiners, immer mit dem North Hungarian Symphony Orchestra unter der Stabführung László Kovács’ (so z.B. 2008 die bereits erwähnte Symphonische Dichtung). Doch bis heute hat es gedauert, den wohl vielversprechendsten Link zur etablierten Musikgeschichte, eben die Bearbeitung von Liszts h-Moll-Sonate ins Rennen zu schicken. Ein Grund für solch späte Publikation in der Reihe will einem nicht einfallen, vielmehr ist es ein Versäumnis, nicht gleich von Anfang an auf diese Verbindungsstelle hingewiesen zu haben. Denn so wertvoll Neuentdeckungen an sich auch sein mögen, sie benötigen einen Ankerplatz im Hafen des musikalischen Kanons, um sich von hier aus weiteren Inspektion unterziehen zu können. So greife ich an dieser Stelle die Frage der oben erwähnten Weimarer Liszt-Kapazitäten nach der künstlerischen Verfasstheit dieser 1955 entstandenen Orchestertranskription auf.

Sinnierende Streicher und Holzbläser in sattes Blech gekleidet

Anfang der Lisztschen h-moll-Klaviersonate:
Anfang der Lisztschen h-moll-Klaviersonate: „Changieren zwischen Streichern und Holzbläsern“

Weiner lässt Liszts berühmten sinnierenden Anfang zwischen Streichern und Holzbläsern changieren, um die folgenden auftrumpfenden Gesten, die schon im Klaviersatz nach Fanfaren klangen, in satte Blechbläser zu kleiden. Natürlich erscheinen Kantilenen mal in der Solovioline, dann in der Klarinette, und Liszts flirrende Tastenkaskaden liefern die Gelegenheit, immer wieder Flöten trillern zu lassen. Das hätte Liszt selbst womöglich gefallen, legt es doch die Assoziation zu Vogelgezwitscher noch näher, als es die Klavierkomposition selbst tut und liefert damit Hinweise auf die Verbindung von Sonate und den Franziskus-Legenden, denen nachzugehen lohnte.
Doch in solch gut durchhörbaren Passagen liegt auch die Krux einer derart routinierten Arbeit, die Liszts dunklen Orchestersound, den er in so vielen Symphonischen Dichtungen gepflegt hat, mitunter ein wenig verwässert. Unwahrscheinlich, dass der Meister gerade bei einer derart schwergewichtigen Gattung wie einer Sonate luftiger als sonst instrumentiert hätte. Insofern träumt Weiner hier eben nicht den historisch-kritischen, sondern den bereits idealisierten Traum einer grossen Vergangenheit, welcher Liszts Störpotenzial in Schönheit einebnet.

Frankophile Wurzeln eines eigenständigen Impressionismus

Umso erstaunlicher, dass Weiner in seinen eigenen Schöpfungen einen etwas anderen Weg geht. Gerade im frühen „Preludio, Notturno e Scherzo diabolico“ greift er ganz unverkrampft auf die Klangwelt des Impressionismus (Quartenakkorde, Kurzmotivik, Harfenkolorit) zurück. Hier klingt Weiner mehr nach Claude Debussy oder Florent Schmitt und zeigt dabei seine frankophilen Wurzeln, die einem engstirnigen Nationalismus osteuropäischer Gangart entgegenstehen. In der Orchesterminiatur „Toy Soldiers“ setzt Weiner dagegen auf möglicherweise vorsätzlich klischeehaft kalkulierte, kindlich-naive Tonmalereien in der Tradition der Battaglia – inklusive militärisch konnotierten Trommelwirbeln zu Beginn.

Das North Hungarian Symphony Orchestra bietet unter dem Dirigenten László Kovács eine sehr lobenswerte Vorstellung. Deutschen Orchestern dieser Grössenordnung weit voraus, lässt es an keiner Stelle der Überlegung Platz, hier würde ein Klangkörper sich über die eigenen Fähigkeiten hinaus zu profilieren versuchen. Der Zugriff ist immer kompetent, oftmals angemessen klangschwelgerisch und immer professionell. Orchester und Dirigent stellen sich damit nachdrücklich in den Dienst der Wiederentdeckung Leó Weiners, dessen Musiksprache sicherlich einer erneuten Begutachtung würdig ist. Alles weitere entscheidet nun der Rezipient. ♦

North Hungarian Symphony Orchestra, Lásló Kavács (Dirigent): Leó Weiner, Preludio – Notturno e Scherzo diabolica – Passacaglia – Toy Soldiers; Orchesterfassung von Liszts Sonata in B minor, Hungaroton Classic HCD 32634 (2010)

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Osteuropäische Komponisten auch über Hanna Bachmann (Piano): Janacek, Ullmann u.a. (CD)

Gustav Mahler: 1. Sinfonie D-Dur „Der Titan“ (CD)

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 3 Minuten

Luftig-luzider Orchesterklang

von Christian Schütte

Im böhmischen Kalischt wurde am 7. Juli vor 150 Jahren Gustav Mahler geboren. Es ist daher nicht überraschend, dass die Musikindustrie auf einen solchen Geburtstag mit einer Reihe von Neuveröffentlichungen reagiert, vor allem Aufnahmen, aber auch Bücher. Unzählige Einspielungen der Werke Mahlers liegen vor, die Sinfonien hat wohl nahezu jedes international bedeutsame Orchester mindestens einmal eingespielt. Es lohnt sich also, jene Neuerscheinungen in den Blick zu nehmen, die abseits dieses „Mahler-Mainstreams“ liegen.

Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 1 "Titan" - Staatsorchester Braunschweig - Alexander Joel (Coviello)Bereits Ende des vergangenen Jahres hat das kleine Label Coviello Classics einen Live-Mitschnitt der Sinfonie Nr. 1 D-Dur „Der Titan“, gespielt vom Staatsorchester Braunschweig unter seinem Chefdirigenten Alexander Joel veröffentlicht. Joel hat sich in den letzten Jahren vor allem als Operndirigent einen Namen gemacht und steht seit der Spielzeit 2007/2008 dem Staatstheater Braunschweig als Generalmusikdirektor vor. Das Staatsorchester verweist in seinen Publikationen stets darauf, es gehöre „zu den ältesten Kulturorchestern der Welt. Hervorgegangen ist es aus der 1587 gegründeten Hofkapelle des Herzogs Julius zu Braunschweig/Wolfenbüttel.“

Hohes Orchester-Niveau

Gustav Mahler
Gustav Mahler

Alexander Joel hat dem Klangkörper durch seine langjährige und internationale Opernerfahrung bislang recht gut getan, hat sich am Staatstheater doch ein insgesamt hochwertiges Niveau herausgebildet. Dieser Eindruck lässt sich zumindest anhand dieser Einspielung eines sinfonischen Werks nur bestätigen. Das hier auf Tonträger festgehaltene Konzert nimmt die Entstehungsgeschichte des Werkes in den Blick, denn die heute fast ausnahmslos gespielte viersätzige Fassung der Sinfonie ist erst die zweite von Mahler abgeschlossene.

Gustav Mahler, Sinfonie Nr.1 D-Dur: Beginn des 1. Satzes
Gustav Mahler, Sinfonie Nr.1 D-Dur: Beginn des 1. Satzes

Es heisst dazu im Beiheft: „Das in der Erstfassung als zweiter Satz des damals noch so genannten sinfonischen Gedichts vorgesehene Blumine-Andante, ebenfalls nach dem von Mahler verehrten Jean Paul benannt, ist hier zusätzlich eingespielt und der Sinfonie vorangestellt, um die von Mahler in der Endfassung der Sinfonie gewollte viersätzige Dramaturgie des Werks beizubehalten.“ Der sonst kaum zu hörende Satz aus der Urfassung reiht sich musikalisch nahtlos in die übrigen Sätze ein, denn thematisch schöpfte Mahler hier natürlich aus dem gleichen Material, das er auch für die endgültige Fassung verwendete.

Alexander Joel - Glarean Magazin
Alexander Joel

Joel führt sein Orchester mit äusserst sensiblem Gespür für Mahlers Partitur durch die Sätze, mit luftigem, luzidem Klang, grosser Transparenz und fein abgestufter Dynamik. Pathetisches Schwelgen in den Klangmassen ist Joels Sache nicht, und das tut der Sinfonie hier sehr gut.

Fazit-Banner - Glarean Magazin
In dieser Aufnahme der 1. Sinfonie D-Dur („Der Titan“) empfiehlt sich Alexander Joel als Mahler-Dirigent, der mit dem Staatsorchester Braunschweig auf einen hervorragenden Sinfonik-Klangkörper zurückgreifen konnte. Joel führt sein Orchester mit äusserst sensiblem Gespür für Mahlers Partitur durch die Sätze, mit luftigem, luzidem Klang, grosser Transparenz und fein abgestufter Dynamik.

Grosses Lob gebührt der Aufnahmetechnik, die jede einzelne Instrumentengruppe bestens in Szene setzt, die bei Livemitschnitten häufigen und oftmals unvermeidbaren Nebengeräusche aus dem Publikum sind hier so gut wie nicht zu vernehmen, bevor nach dem letzen Satz der Beifall einsetzt, kann der Hörer dieser Aufnahme geneigt sein zu glauben, es handele sich um eine Studioproduktion. Kurzum: Alexander Joel empfiehlt sich als Mahler-Dirigent mit dieser Aufnahme genauso wie das Staatsorchester Braunschweig als sinfonisches Orchester. ♦

Alexander Joel / Staatsorchester Braunschweig: Gustav Mahler, 1. Sinfonie D-Dur, Coviello Classics 2010

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Gustav Mahler auch über die Aufnahme von
Das Lied der Erde (Klavier-Fassung)

Joachim Raff: Werke für Violine und Orchester

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 4 Minuten

Terra firma eines neutralen Terrains

von Dr. Markus Gärtner

Geschichtsschreibung ist immer auch eine Frage der Blickrichtung, aus der sie betrieben wird. Forscher stellen dabei die Vergangenheit nicht umfassend dar (das wäre unmöglich), sondern selektieren, was für ihr jeweiliges Thema ausschlaggebend sein könnte. Dazu ziehen sie Quellen verschiedenen Aussagewertes heran. Für bestimmte Untersuchungs-Zeiträume, z.B. die Antike kann das sehr schwierig sein, denn die Anzahl der Quellen ist – und bleibt auch womöglich – begrenzt. Für die letzten zwei Jahrhunderte gilt eher das Gegenteil: Hier bildet die Auswahl aus der Unmenge an verfügbarem Material die eigentliche Herausforderung.

Joachim Raff: Werke für Violine und Orchester (Violin-Konzert Nr. 1 & Suite für Solo-Violine und Orchester)Um so erstaunlicher mutet es an, dass die Musikgeschichtsschreibung bzgl. des 19. Jahrhunderts noch immer an einem bereits altersschwachen Modell festhält: dem Streit zwischen den sogenannten „Konservativen“ um Johannes Brahms und den „Neudeutschen“ um Franz Liszt. Der Vereinfachungscharakter liegt mittlerweile auf der Hand. Für keine der beiden Seiten lässt sich ein einheitliches Bild konstruieren, was denn nun genau die Zugehörigkeit ausmacht, oder wie „konservativ“ bzw. „neudeutsch“ eigentlich klingt.

Komponisten jenseits der je ersten Reihe zum Klingen bringen

Während also die Musikwissenschaft nicht nur am bekannten dichotomischen Konzept festhält, sondern, so will es jedenfalls scheinen, selbst reflexartig diese Konfliktlinie mittels eifersüchtig gegeneinander ausgerichteter Forschungsschwerpunkte perpetuiert, ist es die Musikindustrie, die Vergleichsmöglichkeiten wieder herstellt und mit ihren Mitteln hilft, Rasterungen der Vergangenheit zu überdenken. Je mehr Musik der zweiten Hälfte des „langen“ 19. Jahrhunderts veröffentlicht wird, desto mehr verflüssigen sich auch die Gegensätze. Dabei sind es besonders unabhängige Firmen, die sich der Aufgabe stellen, Komponisten jenseits der je ersten Reihe wieder zum Klingen zu bringen.
So hat das schwedische Label Sterling kürzlich eine CD mit Werken für Violine und Orchester des gebürtigen Schweizers Joachim Raff (1822–1882) herausgebracht. Schon Hugo Riemann rechnete Raff zur „Neudeutschen Schule“, stellte ihm vergleichend Felix Draeseke und Alexander Ritter an die Seite. Doch geht es wirklich um Bekanntschaftsverhältnisse? Geht es wirklich darum, wer zu welchem Zeitpunkt im fortschrittsorientierten Weimar lebte und arbeitete?

Am Lisztschen Klagideal orientiert

Titel-Blatt der "Liebesfee" (Joachim Raff: Werke für Violine und Orchester)
Joachim Raff: Titel-Blatt der „Liebesfee“

Die Kompositionen Raffs jedenfalls lassen daran zweifeln. Selbst in unmittelbarer zeitlicher und lokaler Nähe zu seinem Mentor Franz Liszt entstand mit der eingespielten La feé d’amour 1854 eine Musik, die sich kaum grundlegender vom Lisztschen Klangideal unterscheiden könnte. Raff setzt nicht auf die grosse Geste, sondern auf Zurückhaltung in Ausdruck und Instrumentation. Fast durchgehend fehlt die für sein Umfeld so typische Chromatik. Diesen seinen, nur in wenigen Alterswerken durchbrochenen Stil baut Raff in den folgenden Jahren und Jahrzehnten weiter aus, was die CD durch Zusammenstellung mit zwei weiteren Werken, die beide in den 1870er Jahren fertiggestellt wurden, belegt. So sparsam wie bei der Fee geht es hier allerdings nicht mehr zu. Das erste Violinkonzert eröffnet mit einem gewichtigen Kopfsatz, der in seinem komprimierten Hauptmotiv Energie für den ganzen folgenden Satzverlauf gespeichert hält.
Mit der Suite für Solo-Violine und Orchester hingegen zeigt sich Raff als Ahnvater des Neoklassizismus, indem er klassische und barocke Tanzmuster in romantischer Manier reinterpretiert. Berühmtestes Ergebnis seines diesbezüglichen Interesses ist die von ihm instrumentierte Chaconne aus der 2. Partita für Violine solo von Johann Sebastian Bach. Doch auch in der Suite von 1873 gelang dem Komponisten reizende Musik, so z. B. der zweite Satz, ein Menuett. Alle diese Beispiele aus Raffs Schaffen machen Riemanns oben erwähnte Zuordnung mehr als zweifelhaft, eine Skepsis, die sich ebenso auf Felix Draeseke ausdehnen liesse.

Kraftvoller Orchester-Körper mit opulentem Klangbild

Joachim Raff
Joachim Raff

Doch diese CD hat noch mehr zu bieten als ein Stück ausgegrabene Musikgeschichte, denn mit dem Symphony Orchestra of Norrlands Opera ist ein saft- und kraftvoller Klangkörper zu geniessen, welcher, unterstützt vom opulenten Klangbild, der Musik Raffs geradezu schwelgerische Züge abgewinnt. Und wem das immer noch nicht genügt, der sei auf den Solisten Tobias Ringborn hingewiesen, dessen Geigenton (vergleichbar vielleicht mit demjenigen Nikolaj Znaiders oder Henning Kraggeruds) satt wie beweglich der Produktion das letzte Sahnehäubchen aufsetzt.
So belegt vorliegende Veröffentlichung einmal mehr, dass die Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts weitaus differenzierter zu betrachten wäre als bisher geschehen. Von solcherart Vorarbeiten der Plattenindustrie angeregt sollten sich auch Historiker endlich darauf einigen, weniger von Lagerbildung denn von einem Kontinuum von Interdependenzen auszugehen. Ein wichtiger Hinweis darauf stammt von Raff selbst. In der Neuen Zeitschrift für Musik notiert er 1853, dass es ihm vor allem darum ginge, die „terra firma eines neutralen Terrains zu gewinnen […]“ – also eine Position nicht nur neben, sondern jenseits von vorgefertigten (musikhistoriographischen) Schubladen. ♦

Joseph Joachim Raff, Violinkonzert Nr. 1 – Suite für Violine und Orchester – La fee d’amour, Symphony Orchestra of Norrlands Opera, Andrea Quinn (Dirigentin), Tobias Ringborn (Violine): , Sterling CDS 1075-2

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Musik für Violine auch über
Egon Wellesz: Violinkonzert (CD)

Gratis-Downloads (Musiknoten, Materialien, Schach, E-Books etc.)

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Kostenlose Musiknoten, E-Books, Pop-Songs

Hier finden Sie kostenlose und frei verwendbare Musiknoten (Klassik, Pop, Volksmusik, Jazz, etc.) und andere Materialien wie Audio-Dateien, Schach-Datenbanken, E-Books u.a.
Einige Gratis-Downloads sind trotz Freeware nur mit persönlichem Passwort/Kennwort zu öffnen und ausschliesslich für den privaten/häuslichen Gebrauch bestimmt.

Die Musiknoten liegen meist im PDF-Format vor. Zur Beachtung: Es sind keine Mehrfach- oder Sammelbestellungen, sondern nur Einzellieferungen möglich. –

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Classic-Highlights für den Musikunterricht

♦ J. S. Bach: Präludium C-Dur (Klavier) ♦ J. S. Bach: Menuett G-Dur (Klavier)
♦ J. S. Bach: Musette D-Dur (Klavier) ♦ J. S. Bach: Vom Himmel hoch – Choral (Orgel)
♦ J. S. Bach: Invention Nr. 8 BWV 779 (Klavier) ♦ C. Ph. E. Bach: Solfeggietto c-moll (Klavier)
♦ G. Bingham: 50 Airs Anglois (Blockflöte/n) ♦ B. Bartok: Allegro barbaro (Klavier)
♦ B. Bartok: Bauernlied (Mikrokosmos/Klavier) ♦ B. Bartok: Mitsummen (Mikrokosmos/Klavier)
♦ L. v. Beethoven: Albumblatt „Für Elise“ (Klavier) ♦ L. v. Beethoven: Die Ehre Gottes aus der Natur – Gesang&Klavier)
♦ L. Boccherini: Menuett (Keyboard) ♦ J. Brahms: Guten Abend, gut‘ Nacht (Querflöte&Gitarre)
♦ J. Brahms: Walzer A-Dur (Klavier vierhändig) ♦ J. Brahms: Ungarischer Tanz Nr.5 (2 Panflöten)
♦ F. Chopin: Prélude e-moll op.28/4 (Klavier) ♦ M. Clementi: Sonatine für Klavier op.36/5 (1.Satz)
♦ Cl. Debussy: Syrinx (Querflöte solo ♦ Cl. Debussy: Le petit nègre (Klavier)
♦ C. Franck: Panis Angelicus (Posaune & Klavier) ♦ G. Gershwin: Summertime (Gesang & Klavier)
♦ Gounod&Bach: Ave Maria (Trompete & Klavier/Orgel) ♦ G. F. Händel: Ch’io mai vi possa (Gesang&Klavier)
♦ G. F. Händel: Largo (Ombra mai fu – Orgel) ♦ J. Haydn: Deutscher Tanz D-Dur (Klavier)
♦ S. Joplin: The Entertainer (Klavier) ♦ F. Liszt: Liebestraum (Nocturne – Klavier)
♦ J.-B. Lully: Air G-Dur (Cello & Klavier) ♦ E. MacDowell: To a Wild Rose (Klavier)
♦ F. Couperin: Postludium A-Dur (Orgel) ♦ N. W. Gade: 1. Elegie  (Klavier)
♦ F. Mendelssohn-Bartholdy: Abschied (Klavier) ♦ F. Mendelssohn-Bartholdy: Trost (Klavier)
♦ F. Mendelssohn-Bartholdy: Venetianisches Gondellied (Klavier) ♦ W. A. Mozart: Klaviersonate C-Dur KV 545 (Andante)
♦ W. A. Mozart: Klaviersonate C-Dur KV 330 ♦ W. A. Mozart: Rondo Alla Turca (Klavier)
♦ W. A. Mozart: Menuett G-Dur (Klavier) ♦ J. Offenbach: Can-Can (Violine)
♦ M. Ravel: Prélude (1913 – Klavier-Piano) ♦ D. Scarlatti: Sonata a-moll (Klavier)
♦ F. Schubert: Ave Maria (Keyboard) ♦ F. Schubert: Ave Maria (Panflöte & Orgel)
♦ F. Schubert: Moment musical op. 94/3 (Klavier) ♦ E. Satie: Gymnopédie Nr.1 (Klavier)
♦ R. Schumann: Melodie (2 Gitarren) ♦ R. Schumann: Träumerei (Klavier)
♦ C. Gurlitt: Nocturno F-Dur (2 Klaviere 8-händig): Piano 1 / Piano 2 ♦ Fr. Smetana: Die Moldau (Keyboard)
♦ Johann Strauss: An der schönen blauen Donau / Wiener Walzer (Klavier) ♦ P. I. Tschaikowsky: Italienisches Lied (Klavier)

Musik-Materialien

Das Notensystem Akkord-Griffe für Keyboard
Aufgaben-Blatt Musiknoten Akkord-Griffe für Gitarre
Rhythmus-Diktate
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Notenlinien-Blätter (Notenpapier) zum Ausdrucken

A4 hoch (Solo mit Violin-Schlüssel) A4 hoch (Solo mit Bass-Schlüssel)
A4 hoch (für Klavier) A4 hoch (für Klavier&Solostimme)

Grössere Klassik-Besetzungen (Orchester, Ensemble, Chor, Kammermusik)

♦ A. Vivaldi: Vier Jahreszeiten/Le Quattro Stagioni (Sommer/L’estate) ♦ J.S. Bach: Air D-Dur (Orchester-Suite Nr. 3 BWV 1068)
♦ Urner Tanz-Lieder: Meitäli wenn dü witt go tanzä & Zogä-n-am-Bogä (4st. Gem. Chor) ♦ 3 Schweizer Weihnachtslieder für 4st. Männerchor a cappella a) Auf ihr Hirten b) ’s ist für uns eine Zeit angekommen c) Es kam die gnadenvolle Zeit
Zwei englische Weihnachts-Rufe für 4st. Gemischten Chor (pdf) a) How many miles to Bethlehem? b) We wish you a merry Christmas ♦ C. M. v. Weber: Jägerchor aus „Der Freischütz“ (4st. Männerchor & Blasorchester – Partitur)
Gloria (Les anges dans nos campagnes) für Blockflöten-Quartett (Partitur) ♦ W. Eigenmann: Aura Lee für 4st. Männerchor
♦ J. Brahms: In stiller Nacht / Gemischter Chor (pdf) ♦ Negro Spiritual/Jubilee: Free at last (Gemischter Chor)
♦ R. Wagner: Hochzeitsmarsch (Wedding March – Keyboard) ♦ R. Wagner: Hochzeitsmarsch (Lohengrin / Klavier-Orgel)
♦ Polo Hofer: Giggerig für 9.st. Saxophon- Orchester ♦ H. Berlioz: Chor der Trinker (aus „Fausts Verdammnis“) für 4st. Männerchor)
♦ W. Eigenmann: Frisch auf (Sing-Spruch) für 4st. Männerchor ♦ W.A. Mozart: Ave verum corpus KV 618 Motette für Gemischten Chor, Streicher und Orgel (Partitur)
♦ M. Schneider: Danke für diesen guten Morgen 4st. Gemischter Chor ♦ B. Coulais: Vois sur ton chemin – aus „Les Choristes“ (Piano/Klavier easy)

Kostenlose Jazz-Stücke

♦ Fats Waller: Bright Eyes-Piano für Klavier (pdf) ♦ Otto Motzan: Bright Eyes-Piano für Klavier (pdf)
♦ Fats Waller: The Sheik of Araby für Klavier (pdf) ♦ Ted Snyder: The Sheik of Araby für Klavier (pdf)
♦ Traditional: The Cotton Mill Blues für Klavier (pdf) ♦ Traditional: Another Shade of Blue für Klavier (pdf)

Diverse Gratis-Musik

♦ 2 Gospel-Songs: a) Amazing Grace b) Oh when the Saints (2 Panflöten) Happy Birthday (Klavier)
Happy Birthday (Keyboard) Happy Birthday (Gitarre)
Happy Birthday (Trompete&Klavier) ♦ J.P. Martini: Plaisir d’amour (Alt-Saxophon Es & Klavier / Piano)
Flohwalzer/Kotelett-Walzer/Chopsticks (Klavier) ♦ W. Eigenmann: Chroma-Boogie (Klavier)
♦ A. Zwyssig: Schweizerpsalm-Nationalhymne („Trittst im Morgenrot daher / Männerchor) ♦ Mani Matter: s‘Zündhölzli (Kavier)
♦ Deutschland: Deutsche Nationalhymne (Vokal/Gesang und Klavier) ♦ S. Yradier: La Paloma / Die Taube (Klavier)
♦ Bach/Gounod: Ave Maria (Sopran & Alt & Orgel) ♦ Drei Kinderlieder: a) Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann b) Ist ein Mann in‘ Brunn‘ gefallen c) Merily we roll along (Violine & Klavier)
♦ R. Wagner: Ritt der Walküren (Ride of the Valkyries – Klavierauszug) ♦ Spiritual: Oh When The Saints (Alt-Saxophon Es & Klavier)
♦ Pulton: Aura Lee (Alt-Saxophon Es & Klavier ♦ Karl Svoboda & Ella Endlich: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (Küss mich, halt mich, lieb mich – Klavier easy)
♦ Karl Svoboda & Ella Endlich: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (Küss mich, halt mich, lieb mich – Keyboard easy) Nationalhymne Israel: Hatikvah-Hoffnung (Ha Tikwa) (Vocal & Piano)
♦ Yann Tiersen: Amelie – Film (Leichte Bearbeitung für Klavier / Piano easy) ♦ Yann Tiersen: Amelie – Film (Leichte Bearbeitung für Keyboard easy)

Kostenlose Audio-Files (Midi)

Happy Birthday (Gitarre) J.S. Bach: Air D-Dur (Orchester-Suite Nr. 3)
J. S. Bach: Menuett G-Dur J. S. Bach: Präludium C-Dur
J.S. Bach: Invention Nr. 8 BWV 779 J. Brahms: Guten Abend, gut Nacht
F. Couperin: Postludium A-Dur G.F. Händel: Tochter Zion, freue dich
W. Eigenmann: Chroma-Boogie Jingle bells & Go tell it on the mountain
Zwei russische Weihnachtslieder: Bajuschki baju & Jolotschka Drei Kinderlieder (Violine&Klavier): a) Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann b) Ist ein Mann in‘ Brunn‘ gefallen & c) Merily we roll along
Morgen kommt der Weihnachtsmann Leise rieselt der Schnee & Süsser die Glocken
H. Berlioz: Chor der Trinker (aus „Fausts Verdammnis“) Gloria (Les anges dans nos campagnes)
W. Eigenmann: Frisch auf (Sing-Spruch) A. Vivaldi: Vier Jahreszeiten/Le Quattro Stagioni (Sommer/L’estate)

Pop, Rock, Filmmusik

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♦ Imagine Dragons / Thunder Klavier (Easy) ♦ Justin Timberlake / Can’t stop the feeling Klavier ♦ Avicii / Wake me up / Klavier & Vocal
♦ Avicii / Hey Brother Klavier ♦ James Bond-007 / Skyfall / Adele (Klavier & Vocal)
♦ James Bond-007 / Skyfall / Adele (4-stimmiger Chor SATB) ♦ Maroon 5: Payphone (Keyboard) ♦ Maroon 5: Payphone (Klavier)
♦ Yann Tiersen: Amélie-Thema (Comptine d’un autre été –  l’après midi / Klavier) ♦ Lady Gaga: Alejandro (Klavier) ♦ Michael Jackson: Earth Song (Klavier/Keyboard/Gesang)
♦ Abba: Mamma mia (Keyboard) Harry Potter – Hedwig-Thema (Klavier) ♦ Hot Butter: Pop Corn (Keyboard)
♦ ACDC: Money talk (Klavier) ♦ Christina Aguilera: Hurt (Keyboard) ♦ Green Day: Boulevard of broken dreams
♦ Christina Aguilera: Hurt (Keyboard) ♦ Green Day: Boulevard of broken dreams (Keyboard) Star Wars – Main Theme (Klavier-Piano) Star Wars – Main Theme (Keyboard)
James Bond-007 / Monty Norman / Theme (Keyboardf) ♦ John Lennon / The Beatles: Imagine (Klavier&Keyboard) River flows in your / Yiruma / Twilight (Klavier)
♦ Pink: U + Ur Hand (Klavier) ♦ Mani Matter: s’Zündhölzli (Keyboard) ♦ Queen: We will rock you (Klavier)
♦ Rihanna: Don’t stop the music (Keyboard) ♦ Rihanna: Umbrella (Keyboard) ♦ Melanie Fiona: Monday Morning (Klavier)
♦ Melanie Fiona: Monday Morning (Keyboard) ♦ Leona Lewis: Better in time (Keyboard) ♦ Film-Theme (Badelt): He’s a Pirate (Klavier)
♦ Film-Theme (Badelt): He’s a Pirate / Fluch der Karibik (Keyboard) ♦ Mariah Carey: Hero (Song & Klavier/Guitar – Piano) ♦ Film-Theme (Dion): My heart will go on / Titanic (Keyboard)
♦ Film-Theme (Disney): The bare necessities (Dschungelbuch/Jungle book – T. Gilkyson – Keyboard) ♦ The Beatles: Yellow Submarine & Yesterday (Keyboard) ♦ Henry Mancini: The Pink Panther (Klavier)
♦ Bruno Mars: Grenade (Klavier / Piano) ♦ Bruno Mars: Grenade (Keyboard) ♦ Scorpions: Still loving you (Piano & Keyboard)
♦ Adele: Someone like You (Keyboard) ♦ Adele: Someone like You (Klavier) ♦ Fugees: Killing me softly (Keyboard)
♦ Helene Fischer: Von hier bis unendlich (Solo-Gesang & Piano/Keyboard) ♦ Carly Rae Jepsen: Call me maybe (Klavier / Piano / Keyboard) ♦ Emily Sande: Read all about it (Keyboard)
♦ Helene Fischer: Atemlos durch die Nacht (Keyboard) ♦ One Republic: Counting Stars (Keyboard) ♦ One Direction: Steal My Girl (Klavier – Piano)
♦ Adel Tawil: Lieder (Keyboard) ♦ Ed Sheeran:  Supermarket Flowers (Melodie-Singstimme & Klavier) ♦ Ed Sheeran:  Perfect (Klavier einfach / Easy Piano & Vocal-Gesangs-Text)
♦ Adele: Hello (Keyboard) ♦ Josh Groban:  You raise me up (Klavier easy) ♦ Ed Sheeran:  Photograph (Klavier einfach / Easy Piano & Vocal-Gesangs-Text)
♦ Maroon 5: Memories (Klavier/Piano) ♦ Selena Gomez: We Don’t Talk Anymore (Klavier/Piano)

Gratis-Weihnachtslieder

Jingle bells (2 Panflöten) Go tell it on the mountains (Keyboard/ pdf)
Oh du fröhliche (2 Violinen) Adeste fideles – Herbei o ihr Gläub’gen (Keyboard)

Christmas for Pan - Die schönsten Weihnachtslieder aus aller Welt - Für 1 oder 2 Panflöte(n) - Scriptum VerlagAnzeige

Christmas for Pan

„Christmas for Pan“ ist eine Sammlung der 22 schönsten Weihnachtslieder aus aller Welt für eine oder zwei Panflöte/n. Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich zwischen sehr leicht bis mittelschwer. Mit Strophen-Texten zum Mitsingen. Jedes Stück kann auch solistisch gespielt werden.

Lesen Sie hier mehr über „Christmas for Pan“


Alle Jahre wieder (2 Violinen) Lasst uns froh und munter sein (Klavier)
♦ Zwei russische Weihnachtslieder: Bajuschki baju & Jolotschka (Gitarre solo) Stille Nacht, heilige Nacht (Gitarre – Keyboard – Piano)
Stille Nacht, heilige Nacht (Klavier) Stille Nacht, heilige Nacht (Keyboard)
Stille Nacht, heilige Nacht (Akkordeon)

Vom Himmel hoch (Akkordeon) Leise rieselt der Schnee & Lasst uns froh und munter sein (Klarinette&Klavier)
Go tell it on the mountains (2 Panflöten) Kling, Glöckchen (Klavier – Keyboard – Gitarre)
Feliz Navidad (Klavier – Keyboard – Gitarre) Kumbaya my Lord Spiritual (Chor&Gitarre)
In dulci jubilo (Keyboard) Ihr Kinderlein kommet (Klavier)
Ihr Kinderlein kommet (Keyboard) Was soll das bedeuten / Hirtenlied (Gesang&Gitarre)
♦ G. F. Händel: Joy to the World (aus Messias / Klavier – Keyboard – Gitarre) Oh Tannenbaum (Klavier)
Hark! The angels sing (Lied&Akkorde) Morgen kommt der Weihnachtsmann & Ihr Kinderlein kommet (Violine&Klavier)
Andachtsjodler (Klavier) Es schneielet, es beielet (Klavier)
Süsser die Glocken nie klingen & Leise rieselt der Schnee ( Gitarre) ♦ G. F. Händel: Tochter Zion (Klavier/Piano)
Winter Wonderland ( Klavier) Winter Wonderland ( Keyboard)
♦ J.Hopkins: Wir drei Könige aus dem Morgenland (Saxophon Es & Klavier/Piano)

Kostenlose Schach-Materialien

5-Züge-Eröffnungsbuch für „Fritz“-Turniere (Ersteller: Michael Scheidl) Download: ZIP-Datei

Five Engine Crackers

Die folgenden 5 modernen Schach-Studien sind für manche Schachprogramme echte Engine Crackers. Viel Spass beim Analysieren mit oder ohne Computer 🙂

FEN-Strings für das schnelle Copy/Paste der Stellungen in das eigene Schachprogramm:

  • 5N1n/3P1p1p/5P1k/1Pp1P2p/4KP1P/2p5/p4b2/5N2 w – – 0 1
  • k7/P4pp1/1P6/2p1P3/2P1n3/p5pB/P4n2/K5b1 w – – 0 1
  • 2k5/p2p4/1P6/P3p3/1q2N3/2p5/K7/7Q w – – 0 1
  • 7k/pp1pBp1N/1p3Pp1/b3K1PR/P3P2p/R1n4P/2P1N1P1/3q4 w – – 0 1
  • 4kb2/Rpn1p1rP/1P1pBPN1/4p3/4P1Qn/3b4/1r2R1K1/3qN3 w – – 0 1

Ernest Bloch & Ferruccio Busoni: Klavier-Werke (CD)

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Politur kontra Durchleuchtung

von Dr. Markus Gärtner

Nicht erst das Jubiläums-Jahr 2009 (50. Todestag) sollte den Blick auf Ernest Bloch, einen der Stammväter der amerikanischen E-Musik im 20. Jahrhundert, lenken. Der gebürtige Schweizer, Lehrer von Roger Sessions und George Antheil, vermittelte seinen Schülern etwas, was er selbst bereits frühzeitig ausbildete: Einen regelrechten – amerikanisch gesprochen – „Sound“, eine spezifische, wiedererkennbare Art, das Klangbild seiner Musik zu prägen.

Unterschiedliche Bloch-Annäherungen

Ernest Bloch - Concerto symphonique - Concerto grosso No. 1 - Scherzo fantasque - SWR Rundfunkorchester - Jenny Lin (Piano)
Ernest Bloch – Concerto symphonique – Concerto grosso No. 1 – Scherzo fantasque – SWR Rundfunkorchester – Jenny Lin (Piano)

Zwei CDs neueren Datums geben Gelegenheit, den Bloch-Klang zu ergründen, wobei sich die verschiedenen Programme um ein zentrales Werk gruppieren: Das 1925 uraufgeführte Concerto grosso Nr. 1. Die bei Hänssler erschienene Aufnahme des SWR Rundfunkorchesters Kaiserslautern unter Jirí Stárek mit Jenny Lin als Solistin bietet eine Kopplung mit weiteren Bloch-Kompositionen (Concerto Symphonique, Scherzo fantastique); beim finnischen Label Alba setzten Daniel Raiskin und das St. Michel String Orchestra zusammen mit dem Pianisten Risto Lauriala lieber auf die Gegenüberstellung mit dem wenig bekannten Klavierkonzert op. 17 von Ferruccio Busoni.

Ernest Bloch - Ferruccio Busoni - The St. Michel String Orchestra - Risto Lauriala (Piano)
Ernest Bloch – Ferruccio Busoni – The St. Michel String Orchestra – Risto Lauriala (Piano)

Obwohl sie sich in einem zentralen Werk überschneiden, scheinen beide Veröffentlichungen völlig unterschiedliche Annäherungsweisen zu praktizieren. Geschuldet ist das einerseits der Werkauswahl, andererseits der Besetzung. Lin und Stárek bedienen über 77 Minuten hinweg die grosse Pose, wie sie für das Concerto symphonique und das kleinformatigere Scherzo fantasque sehr angemessen erscheint. In beiden Werken kommen Kompositionsmethoden zum Einsatz, die noch heute bestimmten Bereichen der Filmmusik ihren charakteristischen Klang geben. Raiskin und Lauriala dagegen widmen sich mehr den zurückhaltenden Momenten der Blochschen Tonkunst, wirken ernsthafter und trotz reduziertem Orchester gleichzeitig zupackender.

Divergente Akzentuierungen des „Zeitgenössischen“

Ernest Bloch (1880-1959)
Ernest Bloch (1880-1959)

Bei beiden CDs nimmt das Concerto grosso Nr. 1 zudem eine exponierte Stellung ein – bei Raiskin als Eröffnung, bei Stárek bildet es das Zentrum. Der Klavierpart dieses Werkes ist dem Namen entsprechend nicht als Soloinstrument, sondern mehr als basso continuo mit gelegentlichen Extras aufzufassen. Diese Herangehensweise findet man bei Lauriala weit ausgeprägter als bei Lin, welche – möglicherweise von den umliegenden gestisch auftrumpfenden Werken beeinflusst – unbeirrt weiter auf grosse Wirkung statt auf unterstützende Zurückhaltung setzt. Im Gegensatz zum saftigen, auch rhythmisch variablen Zugriff Raiskins und Laurialas scheint sie eher gerade heraus denn wohldosiert und durchdacht zu spielen. Eine gewisse Kälte lässt sich nicht verleugnen. Warm und sehr dicht hingegen gestaltet Lauriala – eine Vorgehensweise, die er auch in das ansonsten luftige Klavierkonzert op. 17 von Busoni herüber transportiert. Das Werk eines 12-Jährigen ist dem Gestus nach eher locker gehalten, sodass es vor Blochs schwereren Klanggestalten eine Kontrastwirkung erzeugt, ohne den Rahmen der Gesamtkonzeption dieser CD ganz zu verlassen.

Sibelius hat Bloch einmal als „greatly gifted man whose music is both modern in the best sense and within the grasp of the contemporary musical mind“ beschrieben. Beide CDs zeigen, wie weit auseinander verschiedenen Akzentuierungen des „Zeitgenössischen“ in Blochs Musiksprache liegen können, wie sich ein und dasselbe Werk durch unterschiedliche Blickrichtungen radikal wandelt. So kann der Blick auf beide Einspielungen vielleicht sogar als Lehrbeispiel dafür dienen, wie grosse Musik immer zwischen Glanz und Intensität, zwischen äusserer Politur und innerer Durchdringung changiert. ♦

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Zeitgenössische Klaviermusik auch über
Maria Lettberg: Das Solo-Klavierwerk von Skrjabin (CD)

… sowie zum Thema Filmmusik über
Giya Kancheli: Letters to Friends (Musik-CD)