Computerschach: Die Stellungsbewertung der Engines

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 13 Minuten

Von „ausgeglichen“ bis „vorteilhaft“

von Walter Eigenmann

Wie ist eine Stellung grundsätzlich-positionell einzuschätzen? Welches sind ihre konkret-taktischen Motive? Wie könnte sie sich einige Züge später entwickelt haben? Vor diesem Evaluationsprozess am Brett, der die Wahl des nächsten Zuges natürlich entscheidend beeinflusst, steht jede/r Schachspieler*in in jedem Moment der Partie.
Auf einem sehr viel höheren, weil rechnerisch exakteren bzw. tiefergehenden Niveau haben auch die modernen Computer-Programme eine Stellungsbewertung vorzunehmen. Und wie beim Menschen sind diesbezüglich bei den Engines genauso deutliche Unterschiede des Outputs auszumachen…

1966 geschah in Belgrad Bedeutsames für die Schachwelt: Der erste „Informator“ erschien, und mit ihm nicht nur die umfassende Klassifikation der Eröffnungen (die sog. „ECO-Codes“), sondern auch eine neue Symbolik für eine nonverbale Stellungsbewertung. Beides ist heute noch gültig und wird sowohl im Print- wie im Digital-Bereich weltweit angewandt. Die „Informator“-Symbolik trug wesentlich zur Vereinheitlichung von Stellungsbewertungen bei und überwand durch diese Nonverbalisierung die Sprachgrenzen:

Schach-Informator - Symbole - Glarean Magazin
Die neuen Symbole des Belgrader „Informators“ ermöglichten ab 1966 die nonverbale Kommentierung von Schachpartien über die Sprachgrenzen hinweg

Verschiedene Evaluations-Outputs

In der Computerschach-Szene hat sich seit vielen Jahren neben dieser eher groben Symbolik noch eine weitere, differenziertere Bewertungsweise etabliert, jene nach „Centipawn“ (=Hundertstel-Bauerneinheiten). Sie erlaubt der Schachprogrammierung eine genaue Quantifizierung und dem User eine detailliertere Einschätzung des Engine-Outputs.
Schließlich ist bei den modernen NN-Engines – also bei jenen Schach-Motoren, die mit Neuronalen Netzwerken arbeiten – noch eine dritte Art der Stellungseinschätzung anzutreffen, jene der prozentualen Gewinnwahrscheinlichkeit.
Die meisten modernen Engine-Interfaces wie z.B. Fritz, SCID, Aquarium oder Arena offerieren dem Anwender eine Stellungsbewertung der Motoren mit mind. den ersten beiden dieser drei Formen, bzw. sie lassen ihn diese explizit einstellen.

Die Bewertung der Bewertung

Ein Problem aller Programm-Outputs bleibt für den Anwender aber immer – je nach Engine: Die Bewertung der Bewertung. Denn grundsätzlich kann der Programmierer einer Engine seine betreffenden „Skalen“ deklarieren, wie er will. Das erschwert eine adäquate bzw. objektive Interpretation des Programm-Outputs durch den User natürlich erheblich.
In der Vergangenheit ließ sich immerhin feststellen, dass sich unter den Systemen jenes der Oberfläche Chessbase weitgehend etabliert hat, was darauf zurückzuführen ist, dass das „Fritz“-GUI in der weltweiten Computerschach-Community das meistverwendete Interface ist.

Informator-Bewertungszeichen
Links die „Informator“-Symbolik, rechts der jeweilige Computer-Centipawn-Range, in der Mitte die verbale Stellungseinschätzung

Diesem spezifischen CB-Output entsprechend setzt sich die allgemeine Bewertungsskala wie in der nebenstehenden Abbildung zusammen.
(Wer sich in die Details des CB-Outputs vertiefen will, kann sich bei Chessbase selber dem Thema Stellungsbewertung unter „Fritz“ widmen).

Die Startstellung im Engine-Spiegel

Vergleicht man mal zehn der führenden Engines im Hinblick auf ihre Bewertung der Schach-Grundstellung, fällt der relative weite Range der Evaluationen auf. Die folgenden Outputs wurden auf einem handelsüblichen Ryzen7 im 4-Varianten-Modus generiert mit den jeweiligen Default-Einstellungen bei je 2GB Hash und 8 Threads (LeelaChess analysierte auf einer RTX 2080 mit 2 Threads).
Die Screenshots aller Outputs erfolgten jeweils exakt nach 60 Sekunden Rechenzeit, und um gegenseitige Hash-Memorierungen zu vermeiden, wurde das Interface jedesmal neu gestartet. (Mausklick auf eine Grafik vergrößert diese):

Berserk

Berserk - Startposition - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

LeelaChess

LeelaChess - Startposition - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

Stockfish

Stockfish - Startposition - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

ShashChess

ShashChess - Startposition - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

DragonKomodo

Dragon - Startposition - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

Houdini

Houdini - Startposition - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

CorChess

CorChess - Startposition - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

Revenge

Revenge - Startposition - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

FatFritz

FatFritz - Startposition - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

RubiChess

RubiChess - Startposition - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

Die Engine-Szene hat also in den Top-Ten mind. zwei Programme, die überdurchschnittlich progressiv-optimistisch bewerten, und mind. zwei mit betont konservativ-zurückhaltender Evaluation: Berserk und Stockfish zählen zur ersten, Leela und ShashChess zur zweiten Kategorie. (Da Leela eine ganz andere Programmier-Architektur als die übrigen NN- oder gar AB-Programme hat, ist allerdings sein Bewertungs-Output stets mit Vorsicht zu interpretieren).


Exkurs:

Das Schachspiel in Engine-Zahlen

von Peter Martan

Wollte man die numerischen Bewertungen von Schachprogrammen, wie sie im Hauptartikel als purer Vergleich dastehen, beim Wort nehmen, müsste man mit den Relationen (als Bruchrechnung ) zwischen ihnen anfangen. Die Differenzen (durch Addidtion und Subtraktion berechnet) sind noch weniger geeignet zum Vergleich mit der schachlichen Wahrheit, wie man sie als menschlicher Spieler evaluiert. Die Umrechnung dessen, was man von einer Stellung zu wissen glaubt, in durch Zahlen wiedergegebene Werte, ist ein Problem für sich, aber man hat ja von den Programmen gelernt, was sie mit ihren Bewertungen „meinen“.

Ein bisschen Mathematik zu Beginn: Wollte man bei einer klar gewonnenen Stellung, in der gerade noch keine Matt-Distanz ausrechenbar ist, zwischen 900 und 800 Hundertsteln und Bauerneinheiten (Centipawn) den schachlich relevanten Unterschied zwischen diesen beiden Werten von zwei Kandidatenzügen (und oder von zwei Programmen) festmachen, wäre die Relation, der Quotient viel kleiner als bei einer Stellung, die mit 0.01 und 1.01 bewertet wird, in Hinblick auf 2 Kandidaten- Züge oder durch 2 Motoren. Der Unterschied in Einheiten von Hundertstel- Bauern als Differenz gerechnet, ist in beiden Fällen 100 und sagt daher weniger für sich allein aus.

Die Relativität von Evaluierungen

Weiter: Wollte man da für auch nur zwei willkürlich herausgegriffene Beispiele einen gemeinsamen Bewertungsschlüssel bestimmen, müsste er in Prozent oder irgendeiner anderen rechnerischen Relation im Sinn von Division bestimmt werden. Durch 0.00 lässt sich schlecht dividieren, aber da müsste man halt auf 0.01 oder -0.01 im Nenner runden. Das Vorzeichen wäre ja auch noch ein Problem für sich. Tatsächlich zählen aber schachlich auch gerade die Bewertungs-Veränderungen dort am meisten, wo sie vom Vorteil zum Nachteil einer Seite umschlagen.

Bei Stellungen mit wenigen, dafür großteils forcierten Abspielen sind Evaluierungen auch anders zu vergleichen als bei solchen mit mit vielen ähnlich aussichtsreichen unforcierten. Das Verhältnis von Suche zu „statischer Bewertung“ (aus Einträgen im Programmcode oder aus Neuronalen Netzwerken gebildet) ist vom Suchbaum und damit auch der Evaluierung und Zugsortierung her ein Anderes als bei „strategisch“ zu bewertenden Stellungen. („Strategie“ ist ein Begriff, der im Computerschach noch nie viel Sinn gemacht hat, und je besser die Programme im Rechnen und im Bewerten werden, umso weniger).

Statistik und Spielstärke

Eröffnung, Mittel- oder Endspiel, Material und Partiefortschritt in Richtung auf eine Entscheidung hin, und welche Variantenlängen zur Bewertung herangezogen werden müssen, das alles muss eingerechnet werden. Daraus ergibt sich dann, ob eine Seite im Vorteil ist und wie groß er ist, und alle diese Grundlagen lassen dann erst quantifizierbare Schlüsse zu, inwieweit die numerischen Werte der einen Engine besser oder schlechter sind als die der anderen. Ob die Bewertungen in Hundertstel-Bauern, prozentueller Gewinnwahrscheinlichkeit oder Informator-Symbolen ausgegeben werden, spielt eine untergeordnete Rolle, sofern diese Symbole auch auf von Programmen angewendeten Schlüsseln beruhen. Dann werden sie ja von der Bedieneroberfläche auch automatisch aus den numerischen Werten ausgewiesen.

Das alles gilt natürlich immer nur für eine einzelne Stellung, aber dass Messungen von jeder Art von Spielstärke (bei Menschen ja auch) strikt stellungsabhängig zu betrachten sind, hat sich mittlerweile (im Zeitalter von eigenen Test-Eröffnungen mit dosiertem einseitigem Vorteil) wohl auch für die statistische Spielstärkemessung aus großen Zahlen ausgespielter Partien herumgesprochen. ♦

 


Bewertung komplexer Stellungen

Natürlich gibt die Engine-Evaluation der einfachen Grundstellung noch nicht sehr viel Erkenntnisgewinn her. Denn dass Berserk dem Anziehenden einen relativ deutlich Vorteil zuspricht, während z.B. ShashChess von völliger Gleichheit ausgeht, ist nur ein Abbild auch der menschlich-historischen Sicht auf die Startposition.

 

Analyse-Stellung - Firouzja-Aronian - St. Louis 2022 - Glarean Magazin
Alireza Firouzja vs Lew Aronian in St. Louis 2022: 14. f4!

Firouzja vs Aronian (St. Louis 2022)

Interessanter wird es, wenn man den Programmen eine Stellung vorsetzt, die sehr komplex ist, wie beispielsweise die nebenstehende aus einer Partie Firouzja gegen Aronian aus dem Jahre 2022 in St. Louis.

In der nebenstehenden Stellung sind im wesentlichen vier Mainlines des Anziehenden zu beachten. Denn enthalten sind ein „Game Changer“ (sprich: Zug führt praktisch zwingend zum Gewinn), zwei Remis-Varianten, sowie ein wahrscheinlicher Verlustzug:


+-  14. f4 !     Weiss steht auf Gewinn
 =  14. Df3 ?!   Weiss hat höchstens remis
 =  14. Tf1 ?!   Weiss kann remis halten
-+  14. 0-0-0 ?  Weiss steht auf Verlust

Wir lassen also wieder unsere zehn Top-Engines auf die Stellung los – wer sie in sein eigenes Schachprogramm importieren will, kann den folgenden FEN-Code benützen: r2q1r2/ppp2pk1/3pbn2/2b1p1B1/2P1P3/P1NQ3P/1PP2PP1/R3K2R w KQ – unter exakt den gleichen Bedingungen wie oben bei der Grundstellung, und erhalten die folgenden Bewertungen:

Berserk

Berserk - Firouzja-Aronian - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

LeelaChess

LeelaChess - Firouzja-Aronian - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

Stockfish

Stockfish - Firouzja-Aronian - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

ShashChess

ShashChess - Firouzja-Aronian - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

DragonKomodo

Dragon - Firouzja-Aronian - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

Houdini

Houdini - Firouzja-Aronian - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

CorChess

CorChess - Firouzja-Aronian - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

Revenge

Revenge - Firouzja-Aronian - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

FatFritz

FatFritz - Firouzja-Aronian - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

RubiChess

RubiChess - Firouzja-Aronian - 1 Min - Ryzen7 - 2GB Hash

Schauen wir uns die Ergebnisse der zehn Motoren im einzelnen an, und beginnen wir mit jenen, die überfordert waren von dieser Stellung.

Nicht gefunden wurde der Lösungszug 14. f4 von

  • FatFritz: Die zweitbeste Variante wird deutlich höher bewertet als die beste. Immerhin sind die zwei besten Züge zuoberst.
  • RubiChess: Auch dieses Programm favoritisiert Df3, und dem wahrscheinlichen Verlustzug 0-0-0 wird schlimmstenfalls ein Remis zugestanden.
  • Revenge: Die (im Engine-Turnierbetrieb sehr erfolgreiche) Engine scheint ein Problem mit dem Multivarianten-Analysemodus zu haben: Ausspielen würde das Programm das zweitbeste Df3, am besten bewertet wird aber der Lösungszug… Hier hat der Programmierer nachzubessern, andernfalls sind die 20 Euro, die er für seine Engine verlangt, nicht gerechtfertigt. (Denn ein Anwender kauft ein Schachprogramm meist nicht nur zum Partienspielen, sondern auch zum Analysieren).
  • Houdini ist neben Revenge die zweite AB-Engine in diesem Feld und kommt  hier nicht so tief wie die anderen. Für das Programm ist die Stellung auch nach einer Minute noch ziemlich im Gleichgewicht, allenfalls mit leichtem Vorteil für Weiß (aber aufgrund eines „falschen“ Best-move…)

Sechs von zehn sind erfolgreich

Computerschach - Bewertung der Bewertung - Stockfish-Output - Glarean Magazin - November 2022
Wie verlässlich sind Computer-Schachanalysen? Wie ist ihr Output zu interpretieren? Die Grafik vereint alle drei gängigen Bewertungs-Optionen: Informator-Symbolik (links), Centipawn-Bewertung und Gewinn-Wahrscheinlichkeit; rechts die Züge-Hierarchie

Immerhin finden sechs der zehn Motoren den Lösungszug, würden ihn also in einer Turnierpartie ausspielen. Diese sechs haben ihre Zug-Suche und damit ihre Zug-Generierung demnach erfolgreich abgeschlossen. Doch damit geht nicht automatisch eine korrekte Bewertung einher:

  • Dragon: Die Analyse ist etwas dürftig. Denn obwohl der stärkste Zug ausgespielt würde, hebt er sich nicht wesentlich vom zweitbesten ab, Dragon hält beide für praktisch gleichwertig. (Je nach Hard- und Software-Umgebung in einem entspr. Engine-Turnier entscheidet sich zufällig, welchen der beiden Züge dann Dragon ausspielt.)
    Außerdem sind der 3. und 4. Zug „vertauscht“ (was allerdings auf den Zufall des Screenshot-Zeitpunkts zurückzuführen sein könnte).
  • ShashChess präferiert den Gewinnzug zufällig, Df3 ist gleich bewertet. Außerdem bleibt die Engine ihrem extrem konservativen Bewertungsstil treu, was dem Anwender hier eine komplett ausgeglichene Stellung einredet. Sogar der wahrscheinliche Verlustzug schafft es nicht wirklich unter die Minus-Marke… Immerhin erreicht das Programm mit 33 Halbzügen innerhalb einer Minute (!) die stärkste Berechnungs-Tiefe.
  • LeelaChess: Dem Bewertungs-Output dieses Programmes ist meist nicht unbesehen zu vertrauen, aktuell hat es keinen Fokus auf das Stellungsanalysieren.
    Doch hier evaluiert LeelaChess soweit ok. Denn eine Bewertung von +0.80 bedeutet bei Leela beinahe „Gewinnzone“, wie spezielle Recherchen in vielen seiner Partien zeigten. Anders gesagt, man kann annehmen, dass Leela die meisten Partien ab der fraglichen Stellung gegen jede andere Engine gewinnen dürfte, die Stellung also recht gut „versteht“.
  • CorChess: Das „Fernschach-Programm“ CorChess liefert eine glaubwürdige Standanalyse, mit einer nachvollziehbaren und differenzierten Hierarchie. Da CorChess ebenfalls zu den „konservativen“ Bewertern gehört – was private Recherchen in Partien ergeben haben -, ist die Tatsache nicht so gravierend, dass der Gewinnzug nur knapp 1.4 Bauerneinheiten erhält.
  • Berserk würde ebenfalls 14.f4! ziehen in einer Turnierpartie, ordnet dem Zug aber nur eine mäßige Bewertung zu und hält zudem Df3 für praktisch gleichwertig. Pluspunkt aber: Von allen Engines ordnet Berserk den Verlustzug mit Minus 1.21 Bauerneinheiten als den klar schwächsten ein.
  • Stockfish: Mit dem seit langem unumstrittenen Leader der weltweiten Engine-Programmierung sind wir beim Sieger auch dieser kleinen Untersuchung. Stockfish liefert die beste Stand-Analyse: Der Gewinnzug 14.f4! ist mit knapp 1.5 Bauerneinheiten praktisch in der „Gewinnzone“ deklariert, das zweitbeste 14.Df3 spielt gemäß SF mindestens remis, die dritte Auswahl 14.Tf1 kann das Unentschieden wohl halten, und das schlechte 14.0-0-0 dürfte gemäß SF die meisten Partien ab der entspr. Stellung verlieren.

Forschungsgebiet der Zukunft: Engine-Bewertungen

Alle obigen Ausführungen sind selbstverständlich mit einigen Vorbehalten behaftet:

  1. Der stärkste Fisch im Teich: Stockfish
    Der stärkste Fisch im Teich: Stockfish

    Das ist nur eine untersuchte Stellung. Um sich ein Gesamtbild der Bewertungsqualität einer Engine machen zu können, wären Dutzende von komplexen Teststellungen heranzuziehen.

  2. Die obigen Engine-Outputs sind Standanalysen. Eine Analyse im eigentlichen Sinne bedürfte der interaktiven Recherche in allen Hauptvarianten, erst danach könnte ein Programm die Stellung wirklich zuverlässig einschätzen.
  3. Was nach „nur“ einer Minute des Rechnens eine Engine an Varianten deklariert, kann nach zehn oder dreißig Minuten revidiert werden. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass bei den modernen neuronalen Engines eine lange Analysedauer einen geringeren Stellenwert hat als bei den früheren Alpha-Beta-Programmen.
    Zudem ist eine Minute unter den heutigen Hard- und Software-Bedingungen keineswegs zu kurz. Denn erstens spielen sich 99 Prozent aller Engine-Turniere in einem Bedenkzeit-Bereich von 5-10 Sekunden/pro Zug ab, und zweitens vermögen moderne Multi-Threads-Programme 99 Prozent aller Teststellungen ebenfalls im Sekundenbereich zu lösen. Eine ganze Minute Bedenkzeit ist also unter heutigen Bedingungen eine „halbe Ewigkeit“, insofern besteht hier ein großer Praxisbezug.
  4. Der Bereich „Engine-Analyse“ hat noch viele weitere Aspekte; ein wichtiger wäre z.B. das Fernschach. Hier ist ein verlässliches Programm beim Ausschluss von taktischen Fehlern und bei der Suche nach vielversprechenden Varianten unerlässlich. (Trotzdem bleibt bei nahezu gleicherwertigen Alternativen die finale Entscheidungsgewalt nach wie vor beim Fernschachspieler).
  5. Das Hauptproblem aller Outputs von Engines ist ein bleibendes: Die Interpretation der numerischen Angaben. Ein „1.00“ bei LeelaChess bedeutet nicht das Gleiche wie bei Stockfish oder bei ShashChess. Diesem Problem lässt sich eigentlich nur statistisch beikommen, indem man bei tausenden von z.B. SF-Partien untersucht, in wie vielen Fällen prozentual z.B. eine frühe „1.00“-Bewertung tatsächlich zum Partiegewinn führte.

Stockfish & CorChess beste Analysatoren

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Müsste man nun aber trotz dieser Einschränkungen aufgrund der obigen Standanalysen eine vorsichtige – und naturgemäß simplifizierende – Bewertung der Bewertung vornehmen, wäre das Resultat eindeutig: Unter zehn Top-Engines ist momentan nur ein Programm, das innerhalb einer kürzeren Zeit eine wirklich verlässliche Stellungseinschätzung liefert (die zahlreichen SF-Clones seien hier mal außen vor; sie können bei schachlichen Teiluntersuchungen aber durchaus hilfreicher sein als der Generalissimus Stockfish).

  • Die vorsichtige Behauptung ist also: Die Nummer Eins der Engine-Turniere dürfte auch im Bereich Engine-Analyse die Nummer Eins sein.
  • Eine erste Alternative bei der vertieften Interaktiven Analyse könnte CorChess sein. (Laut Programmierer wurde das Programm auch explizit für Langzeit-Analysen designed, z.B. für Fernschach).
  • Interessante Zweit- und Drittzüge werden oft auch von LeelaChess geliefert. ♦

P.S. Kurz nach Veröffentlichung dieses Artikels haben die Macher von Stockfish angekündigt, dass die Engine seit 5. November 2022 eine einschneidende Veränderung ihrer Bewertungs-Algorithmen erfährt. Die Default-Evaluationseinstellungen des Programmes sollen deutlich nach unten korrigiert worden sein, Stockfish wird also inskünftig „weniger hoch“ bewerten.
Für die Analyse könnte sich das in Teilbereichen auch als kontraproduktiv erweisen, da sich der numerische Range des Outputs quasi „verkleinert“ und ggf. die Differenzierung darunter leidet. Inwiefern es sich auf die Turnier-Performance auswirken wird, ist abzuwarten. Die Community wird sicher beides näher unter die Lupe nehmen…

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema KI-Schach auch über LeelaChess: Als Autodidakt zur Weltspitze


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Die Halloween-Schach-Studie 2022

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 2 Minuten

Verhexte Schach-Teufelei (3)

von Walter Eigenmann

Der Halloween-Spuk der GLAREAN-Hexe kennt auch in diesem Jahr kein Erbarmen. Eine neue Ausgeburt der teuflischen Schach-Hexenküche lässt Mensch und Maschine erstarren vor Entsetzen über so viel diabolische Gemeinheit auf dem Brett.

Die Lösung ist reinste Hexerei: Mit welchem höllischen weißen Zug bringt das abscheuliche Weib diesmal den Gegner zur Strecke? ♦
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Herzlichen Dank!

The Halloween haunting of the GLAREAN witch knows no mercy this year. A new spawn of the diabolical chess witch’s kitchen leaves man and machine once again frozen in horror at so much diabolical wickedness on the board.
The solution is pure witchcraft: with which infernal white move will the vile wench take down her opponent this time?

FEN: 2N3q1/pp1N4/5K2/7k/7P/3Q4/1P6/r7 w (V.Vinichenko 1982)

Halloween Chess Puzzle 2022 - Schachrätsel - Glarean Magazin - Walter Eigenmann

Zeichnung auf Pixabay von Annnette Pendlebury
*
Hier geht’s zum Download (Auflösung und Analyse) der Stellung (EPD-PGN-CBV)- ZIP

Knobeln Sie im GLAREAN MAGAZIN auch die beiden Studien Halloween 2018 und Halloween 2009

Außerdem zum Thema Schwierige Schachstellungen für Computer: The Twelve Monkeys Reloaded


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The Twelve Monkeys Reloaded (Computerschach-Puzzles)

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 11 Minuten

Apokalyptische Schach-Aufgaben

von Walter Eigenmann

Vor genau 20 Jahren stellte der Verfasser dieser Zeilen eine Sammlung von Schach-Puzzles vor, die 12 Qualitätsopfer enthielt; die sog. Twelve Monkeys. Dieses Dutzend Computerschach-Aufgaben war inspiriert durch den gleichnamigen Kultfilm von Terry Gilliam. Zwei Jahrzehnte später ist es an der Zeit, The Twelve Monkeys Reloaded zu präsentieren…

Damals hatte ich mir vorausgehend mal wieder diesen legendären Gilliam-Film mit Bruce Willis & Madeleine Stowe & Brad Pitt angesehen und war immer noch hell begeistert von dem verstörend apokalyptischen, düster-hypnotischen SF-Streifen, der irgendwie crazy daherkam, v.a. aber filmisch sehr einfallsreich, überraschend, exorbitant und opulent war.

Science Fiction auf dem Schachbrett

Twelve Monkeys - Terry Gilliam - Bruce Willis - Brad Pitt - RemasteredIm Schach hat das Qualitätsopfer für mich persönlich einen ähnlich irritierenden Touch, und der Film war mir eine Art Initialzündung für eine Monkey-Schach-Suite.
Bauernopfer: Na gut, sie gehören zum Einmaleins der Initiative, der Linienöffnung, des Angriffs. Gehen eigentlich flott von der Hand.
Figuren- und Turmopfer: Ok, sie müssen halt genau berechnet werden (ansonsten wird’s Kaffeehausschach). Mehr Technik als Kreativität.
Damenopfer: Ja, sehr spektakulär, aber erst nach absolut genauester Berechnung – und extrem selten im Meisterschach.
Doch das Qualitätsopfer: Für mich der Inbegriff des Kreativen im Angriffs- oder Verteidigungsschach. Denn es hat einen Schuss Irrationalität; ist eine Art Fragezeichen („Mal sehen, was rauskommt“); doch sollte nur bei klaren Indizien angewandt werden, ohne dass die Konsequenzen wirklich berechnet werden können; es hat etwas Spekulativ-Nachzeitliches. Eben: Quasi Science Fiction auf dem Brett.

Das Ungleichgewicht als Irritation

The Twelve Monkeys - Movie 1995 - Glarean Magazin
Irrational, verstörend, dystopisch, hinreißend, kultig: The Twelve Monkeys (Terry Gilliam 1995)

In vielen Fällen hätte der Opfernde auch „gemütlichere“ Alternativen, die oft nur wenig schlechter sind. Aber der Kitzel des Unwägbaren, der Reiz des taktisch Ungewissen ist bei entspr. veranlagten Meisterspielern – von Morphy über Aljechin und Tal bis hin zu Petrosian und Kasparov oder heutzutage Nakamura und Mamedyarov u.v.a. – eine faszinierende Triebfeder im Schach, sehr zum ästhetischen Vergnügen von uns Nachspielenden.
Dabei ist die Korrektheit eines Qualitätsopfers, das bei Großmeistern oft auf Intuition beruht, zuweilen schwer nachzuweisen, auch mit modernen Engines, weil seine Früchte manchmal erst weit in der Zukunft eingesammelt werden können.

The Twelve Monkeys reloaded - Computerschach-Aufgaben - Chess Puzzles - 12 Exchange Sacrifices - Glarean Magazin 2022
Das Qualitätsopfer als Inbegriff des Human Touch im Schach

Mit dieser Form des materiellen Ungleichgewichts ebenso wie mit dem Begriff der „Kompensation“ können sogar manche neuesten NN-Motoren gar nichts anfangen, und was sie während der ersten halben Stunde einer Analyse verwerfen, kann in der zweiten plötzlich hochgespült werden… Jedes gute und korrekte, aber nicht offensichtliche Qualitätsopfer hat etwas Irreguläres, ja Verstörendes, es transformiert die Balance der Materie ins zeitlich Unabsehbare – wie die 12 Film-Monkeys eben.

In Computer-Partien wird man diese Kategorie Qualitätsopfer übrigens nur selten finden – natürlich nicht. Denn das Wagnis, das Risiko sind keine Engine-Kategorien, sondern bleiben dem „Human Touch“ des Schachspiels vorbehalten. Und so spielt es auch nicht wirklich eine Rolle, ob es in einer fraglichen Stellung ggf. sogar einen fast gleichwertigen Zug gibt.

Herausforderung für Schachprogramme

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Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe nun „Twelve Monkeys Reloaded“ zusammengestellt. Die neue Sammlung behält noch zwei frühere Aufgaben bei, die anderen sind Erstveröffentlichungen. Entstanden ist also wieder eine Suite von zwölf spektakulären Opfern, doch diesmal ist ihr Schwierigkeitsgrad zwei Ligen höher angesiedelt – nicht unlösbar, aber doch unserem NN-Zeitalter angepasst. Was wiederum nicht heißt, dass nur extreme Puzzles enthalten sind. Denn wo die eine Engine frühestens in 15 Minuten löst, knackt die andere in spätestens in 15 Sekunden.
Grosso modo dürften aber diese Exchange Sacrificies schon eine Herausforderung darstellen, auch für aktuelle Engines. Womit noch eine Parallele zu den Film-„Monkeys“ angesprochen ist:
Vor 20 Jahren hätte ich eine solche Explosion der Spielstärke, wie wir sie in den letzten Jahren bei den Engines erlebten, unbesehen als reine Science Fiction abgetan… ♦

Download der Stellungen (EPD) und Analysen (PGN & CBH/CBV)

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 01

FEN:
r1bqk2r/ppb4p/2p1pp1B/3p4/2PPP2n/2N5/PPQ2PR1/R3KB2 w Qkq

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 02

FEN:
1r3rk1/p1pq2pp/2nbp3/8/2NpP1n1/3Q1N1P/PP3PP1/R1B2RK1 b

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 03

FEN:
3rk2r/1b2qpp1/2p1p3/p3P3/1b2B3/1Pp2QP1/4PP1P/R1B2RK1 b k

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 04

FEN:
r4rk1/1p2q1b1/pP2b1pp/2Npp3/1P6/3R1B1P/5PP1/3QR1K1 b

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 05

FEN:
5rk1/1p4np/2np1q2/1P2pp2/1N6/8/rB1Q1RPP/3R2K1 b

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 06

FEN:
2r3k1/pprn3p/4pbp1/q7/4p3/1P4PP/PB3PB1/RQ1R2K1 w

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 07

FEN:
3rrb1k/1q4pb/p2p1p1p/1p3R1P/1P2PQ2/P3R3/1B3PP1/1B4K1 w

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 08

FEN:
4k2r/1pp1b1p1/2p1P3/5p1p/2PNbP2/1PB5/r5PP/3RR1K1 w

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 09

FEN:
1k5r/pb3p1p/1q2rp1b/2p5/1pQ1P3/1P3N2/P3BPPP/3R1RK1 w

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 10

FEN:
6k1/pp2qppp/4p3/PPp1P3/2nrB3/6P1/3r1P1P/R1R1Q1K1 w

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 11

FEN:
2r1rk2/pp1b1pn1/8/3p1p2/3P2RP/3B2N1/PP1K4/6R1 w

Twelve Monkeys Reloaded  Nr. 12

FEN:
r1b2rk1/pp3pb1/3q2pp/2nP4/6P1/2P2N2/P1Q1BPP1/2BR1RK1 w

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Künstliche Schach-Intelligenz auch: Als Autodidakt zur Weltspitze (Leela Chess – 2019)

… sowie zum Thema Human- vs Computerschach: Glanz und Elend des Anti-Computerschachs


English Translation

Exactly 20 years ago I introduced to the chess community a collection containing 12 Exchange Sacrifices; the so-called Twelve Monkeys. At that time I had watched the movie of the same name with Bruce Willis & Madeleine Stowe & Brad Pitt again and was still enthusiastic about this disturbing apocalyptic, dark-hypnotic SF-flick, which was somehow crazy, but above all cinematically very imaginative, surprising, exorbitant and opulent.

In chess, the quality sacrifice has a similar touch for me, and the movie was a kind of motivation for this chess suite.
Pawn sacrifices: Well, they are part of the basics of the initiative, the opening of the line, the attack. They actually go off without a hitch.
Piece and rook sacrifices: Ok, they have to be calculated precisely (otherwise it’s coffee chess). More technique than creativity.
Queen sacrifice: Yes, spectacular, but only after absolutely exact calculation – and extremely rare in master chess.
But the Exchange Sacrifice: for me the epitome of creativity in attacking or defensive chess. Because it has a dash of irrationality; is a kind of question mark („let’s see what comes out“); but should only be used in case of clear indications, without really being able to calculate the consequences; it has something speculative after the fact. Exactly: quasi science fiction on the board.

In many cases, the sacrificer would have „cozy“ alternatives, often only slightly worse. But the thrill of the imponderable, the attraction of the tactically uncertain is a fascinating driving force in chess for suitably inclined master players – much to the aesthetic pleasure of the replayers.
The correctness of a Exchange Sacrifice, often based on intuition in master players, is sometimes difficult to prove, even with modern engines, because its fruits can sometimes be harvested only far in the future.

With this form of material imbalance as well as with the idea of „compensation“ even NN engines sometimes can’t do anything at all, and what they discard during the first half hour of an analysis can suddenly be flushed up in the second… Every good and correct, but not obvious Exchange Sacrifice has something irritating, even disturbing, it transforms the balance of matter into the temporally unpredictable – like the 12 movie monkeys.

In computer games, by the way, you will rarely find this category of Exchange Sacrifice – of course not. The dare is’nt an engine category, but is reserved for the human touch of chess. And so it doesn’t really matter if there is even an almost equivalent move in a position in question.

Long story short: I have now composed „Twelve Monkeys Reloaded“. The new collection retains two earlier puzzles, the others are first releases. So there are again twelve quite spectacular sacrifices, but this time their difficulty is two leagues higher – not unsolvable, but adapted to our NN age. Which in turn doesn’t mean that only extreme puzzles are included. Because where one engine solves in 15 minutes at the earliest, the other one cracks in 15 seconds at the latest.

On average, however, these 12 Exchange Sacrificies should already be a challenge, even for current engines.
Which brings up another parallel to the movie „Monkeys“: 20 years ago, I would have dismissed such an explosion of playing strength, as we have experienced in the engines in recent years, as pure science fiction…

Click here to download the positions (EPD) and analyses (PGN & CBV)


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Musik-Elektroenzephalographie in der Demenz-Forschung

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 3 Minuten

Musik-Technik im Dienste der Demenz-Prognostizierung

von Walter Eigenmann

An der Universität Tel Aviv haben Forscher eine Methode der Musik-Elektroenzephalographie entwickelt, bei der musikalische Tests und ein tragbares Instrument zur Messung der Hirnaktivität eingesetzt werden, um den kognitiven Abbau im Alter zu erkennen. Einer entspr. Studie zufolge kann diese Methode, die auf der Messung von 15 Minuten elektrischer Aktivität im Gehirn während der Ausführung einfacher musikalischer Aufgaben beruht, problemlos auch von Klinik-Mitarbeitern ohne spezielle Ausbildung angewendet werden.

Gemäß der israelischen Forscher-Gruppe unter der Leitung des Neurowissenschaftlers Prof. Dr. Nathan Intrator ermöglicht die neue Methode eine routinemäßige Überwachung und frühzeitige Erkennung des kognitiven Verfalls, um eine Behandlung zu ermöglichen und eine rasche, schwere Verschlechterung zu verhindern. Prophylaktische Tests dieser Art seien bei einer Reihe von physiologischen Problemen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Brustkrebs allgemein anerkannt, bisher sei jedoch noch keine Methode entwickelt worden, die eine routinemäßige, zugängliche Überwachung des Gehirns auf kognitive Probleme ermöglicht.“ Die Forscher merken weiter an, dass Tests dieser Art angesichts der steigenden Lebenserwartung und der damit verbundenen Zunahme der älteren Bevölkerung besonders wichtig sind.

Musik-Elektroenzephalographie als Demenz-Prävention

Musikwissenschaft - Elektroenzephalogramm - Gehirn-Test - Demenzprävention - Glarean Magazin
Musikwissenschaft – Elektroenzephalogramm – Gehirn-Test – Demenzprävention – Glarean Magazin

Im Rahmen der Studie entwickelten die Forscher eine bahnbrechende Methode, bei der ein neu entwickeltes tragbares Gerät zur Messung und innovativen Analyse der Elektroenzephalographie (EEG) mit einem speziell entwickelten kurzen Musiktest von etwa 12-15 Minuten Dauer kombiniert wurde. Während des Tests wird die Testperson mit einem Klebeband an das tragbare EEG-Gerät angeschlossen, wobei drei Elektroden auf der Stirn angebracht werden.
Die Versuchsperson führt eine Reihe von musikalisch-kognitiven Aufgaben nach akustischen Anweisungen aus, die automatisch über Kopfhörer gegeben werden. Die Aufgaben umfassen kurze, von verschiedenen Instrumenten gespielte Melodien, zu denen die Versuchspersonen verschiedene Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ausführen sollen. So sollen sie beispielsweise jedes Mal einen Knopf drücken, wenn eine beliebige Melodie gespielt wird, oder nur, wenn die Geige spielt. Außerdem beinhaltet der Test eine mehrminütige, musikalisch geführte Meditation, die das Gehirn in einen Ruhezustand versetzen soll, da dieser Zustand bekanntermaßen die Gehirnfunktion in verschiedenen Situationen anzeigt.

Positive Stimmung mittels Musik

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Die auf musikalische Kognition spezialisierte Musikwissenschaftlerin (und Cellistin) Neta Maimon erklärt dazu, dass Musik einen großen Einfluss auf verschiedene Zentren im Gehirn hat. Einerseits ist Musik dafür bekannt, dass sie die Stimmung schnell anregt, insbesondere bei positiven Emotionen. Andererseits kann Musik in verschiedenen Situationen kognitiv anspruchsvoll sein und die vorderen Teile des Gehirns aktivieren, insbesondere wenn wir versuchen, uns auf verschiedene Aspekte der Musik zu konzentrieren und gleichzeitig eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen.

Laut Maimon können, wenn diese beiden Fähigkeiten kombiniert werden, kognitive Tests erstellt werden, die zwar komplex, aber dabei angenehm und leicht durchzuführen seien. Darüber hinaus fördere positive und einigermaßen rhythmische Musik die Konzentration und die Ausführung der Aufgabe. So habe beispielsweise der berühmte „Mozart-Effekt„, der zeigt, dass sich die Leistung bei Intelligenztests nach dem Hören von Mozarts Musik verbessert, eigentlich nichts mit Mozarts Musik selber zu tun hat, sondern mit der Tatsache, „dass Musik eine positive Stimmung erzeugt und uns in einen Zustand versetzt, der für die Durchführung von Intelligenz- und Kreativitätstests optimal ist“. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musik und Gehirn auch über Lutz Jäncke: Macht Musik schlau?


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Das Schach-Kreuzworträtsel im August 2022

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 2 Minuten

Die ganze Welt des Schachs im Rätsel-Puzzle

Die Welt des Schachs, wie wir es schon seit hunderten von Jahren kennen, ist bevölkert von spannenden Partien, genialen Kombinationen, großartigen Persönlichkeiten, auch skurrilen Figuren, und von abertausenden interessanter theoretischer und biographischer Print- und Online-Werke.
Diese ganze Fülle spiegelt sich im neuen August-Kreuzworträtsel des GLAREAN MAGAZINS wider.
Wir wünschen viel Spaß und erfolgreiches Schach-Knobeln!  ♦

Schach-Kreuzworträtsel August 2022 - Chess Cross Puzzle - Glarean Magazin - Walter Eigenmann_Seite_1

Schach-Kreuzworträtsel August 2022 - Chess Cross Puzzle - Glarean Magazin - Walter Eigenmann_Seite_2

Hier das Rätsel drucken (PGN)







Hier findet sich die Lösung—> „Weiterlesen“

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Computerschach: Komodo Dragon 3 bei Chessbase erschienen

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 18 Minuten

Ein Programm für alle Fälle

von Walter Eigenmann

Das moderne Computerschach kennt mittlerweile hunderte von verschiedenen Engines unterschiedlichster Spielstärke – und die stärksten unter ihnen würden mit WM Magnus Carlsen und seinen genialen Profi-Kollegen wohl umspringen wie mit Lehrlingen. Dabei handelt es sich zumeist um Freeware, darunter mit Stockfish auch die aktuelle Nummer-Eins. Seit langem ist diesem Platzhirschen – neben dem drittstärksten Programm LeelaChess – aber eine kommerzielle Engine dicht auf den Fersen: Komodo Dragon. Dessen jüngste, dritte Version wird nun ebenfalls – exakt ein Jahr nach Dragon 2 – von der Hamburger Schachsoftware-Firma Chessbase unter deren hauseigenem Interface „Fritz“ vertrieben.

Chessbase Komodo Dragon 3: PC-Schachprogramm mit neuronaler NetzwerktechnikDass die Komodo-Gründer bzw. -Programmierer Don Dailey (†), Larry Kaufman und Mark Lefler ihre erfolgreiche Engine nicht nur in Eigenregie verkaufen, sondern zusätzlich bei Chessbase unterkommen konnten, dürfte für beide Seiten eine Win-Win-Situation darstellen: Mit dem weltweit sehr erfolgreich vertriebenen „Fritz“-Interface (hier: die Version 18) kann der starke Motor unter eine professionelle Haube kriechen, während die Hamburger neben ihrer „klassischen“ Fritz-Engine noch ein zweites, extrem starkes Programm-Pferd im Stall haben.
Der Zukauf von kommerziellen Engines hat bei Chessbase jahrzehntelange Tradition: Von „ChessTiger“ und „Junior“ über „Hiarcs“, „Shredder“ und „Rybka“ bis hin zu jetzt „Komodo“ nahm CB immer wieder externe Programme bzw. Programmierer unter Vertrag – natürlich stets gleichzeitig mit seiner Hausmarke „Fritz“.

Neuer Wein in alten Schläuchen

Komodo Dragon 3 - Chessbase - Eröffnungsbildschirm - Mai 2022 - Schach-Rezensionen GLAREAN MAGAZIN
Der Eröffnungsbildschirm des neuen Komodo Dragon 3 von Chessbase

Über das Graphical User Interface „Fritz“ in seiner aktuellsten Version haben wir bereits berichtet: Fritz 18. Die „Fritz“-Programmoberfläche ist seit Jahren – trotz eines gewissen Innovations-Staus, der bei den letzten Nummern zu beobachten war – der unangefochtene Leader unter allen kommerziellen GUI und bei den internationalen Schachprofis das meistverwendete Schachprogramm; beim Heer der Amateur- und Klubspieler ist „Fritz“ ohnehin seit Jahrzehnten fest etabliert als Analyse- und Datenbank-Werkzeug.
Die jüngste Komodo Version 3 von Chessbase übernimmt dieses Interface unverändert – „neuer Wein in alten Schläuchen“ also. Wenden wir uns dementsprechend der Engine selber zu.

Personalities für jeden Geschmack

Komodo Dragon 3 - Neun Schach-Personalities - Rezensionen Glarean Magazin
Die neun Personalities des Komodo Dragon 3

Nach der Installation der neuen Komodo-Ausgabe von Chessbase hat der Anwender plötzlich neun weitere Engines in seinem Programme-Ordner. Denn wie schon bei der Vorgänger-Version 2.6 diversifiziert auch Komodo-Dragon 3 seine Default-Engine in sog. „Personalities“.
Damit knüpfen die Macher des Schach-Warans – wenngleich in sehr viel geringerem Ausmaß – an das legendäre Schach-Paket „Chessmaster“ (1991-2007) an, das seinerzeit viele Dutzende solcher vorprogrammierter „Spieler-Persönlichkeiten“ für ein möglichst abwechslungsreiches Spiel des Users gegen das Programm mitlieferte und damit einen der wichtigsten Kaufanreize für diese damals weitverbreitete Software darstellte. (Ein weiteres, kostenloses Schachprogramm, bei dem die Personality unterschiedlich gewählt werden kann, ist z.B. Pro Deo von Ed Schröder. Zu nennen ist außerdem das spielstarke Stockfish-Derivat ShashChess mit mehreren solcher Personalites).

Vom Anfänger bis zum Weltmeister

Unter dem Chessbase-GUI konnten schon immer all jene, die „Fritz“ nicht zum Analysieren, sondern zum Selberspielen nutzen, die Engine-Stärke drosseln. Bei Komodo-Dragon wählt der Anwender nun fix programmierte Varianten aus, die da heißen: Dragon 3 (Default), Dragon Active, Dragon Aggressive, Dragon Beginner, Dragon Defensive, Dragon Endgame, Dragon Human, Dragon MCTS, Dragon Positional.

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Zitieren wir diesbezüglich hier kurz aus dem Beschrieb von Chessbase, wo die Programm-Macher festhalten, dass sich die Spielstärke bei Komodo Dragon 3 grundsätzlich „beliebig nach der gewünschten Elo-Stärke von 1 bis maximal 3500 einstellen“ lasse. „Die Elo-Werte beziehen sich dabei auf menschliches Spiel im Schnellschach und eignen sich z.B., um für ein ausgeglichenes Match zu sorgen. Denn bei reduzierter Spielstärke unterlaufen der Engine die Fehler, die von Menschen mit der eingestellten Wertungszahl zu erwarten sind.
Die Elo-Einstellungen von Komodo Dragon 3 sind gegen viele menschliche Spieler unterschiedlichster Spielstärke getestet und abgestimmt worden, insbesondere im GM-Bereich in zahlreichen Schnellschachpartien gegen GM Alex Lenderman, der zum Entwicklerteam von Komodo gehört.“


Exkurs: Die Personality „Endgame“

Welche der acht zusätzlichen Dragon-Personalities nun genau wie in welchem Schach-Segment spielt, müssten weitergehende Tests und Analysen zeigen. Der Autor hat sich bis jetzt mit zweien dieser Dragon-Derivate näher beschäftigen können, nämlich mit „Endgame“ und mit „Aggressive“.

Komodo-Dragon-3 - Optionen-Fenster - Endgame Einstellungen - Fritz18 - Glarean Magazin
Die „Endgame“-Einstellungen von Komodo-Dragon-3 unter Fritz-18, wie sie für das untenstehende Turnier benützt wurden

Performt die Personality Endgame tatsächlich besser als die Default-Einstellung? In einem Stellungstest mit 100 mittelschwierigen bis sehr schwierigen Endspiel-Aufgaben schnitt die „Endgame“-Option keineswegs besser ab – im Gegenteil. Das hat allerdings seinen Grund weniger in ihrer Endspiel-Performance als vielmehr in der Tatsache, dass bei Dragon nur „Default“ die starke NN-Bewertung nutzt, alle anderen Personalities nicht. Damit ist deren Spielstärke per se massiv gedrosselt. Näheres dazu findet sich in der offiziellen Readme-Datei von Komodo. (Das Problem bestand natürlich auch bei der Dragon-Einstellung „Aggressive“, welche im untenstehenden Turnier zum Einsatz kam und dort entsprechend schlecht abschnitt).

Trotzdem war es interessant, die Endspiel-Performance der entspr. Dragon-Personality zu untersuchen.
Das Ergebnis war allerdings ernüchternd: Zahlreiche Lösungen, die andere Spitzen-Engines innert 15 Sekunden entdeckten, schaffte diese Einstellung auch nach Minuten nicht. Umgekehrt kam es nur sehr selten vor, dass sie als einziges Programm eine Aufgabe löste.

Hier stellvertretend einige Stellungen, welche von den meisten Programmen in Sekunden gelöst werden, aber für „Endgame“ von Komodo-Dragon-3 eine Nummer zu hoch sind.
(Der Autor testete auf einem AMD-Ryzen-7 / 16Threads & 5-men-Syzygy). Ein Mausklick auf irgend einen Partie-Zug öffnet das entspr. Analyse-Fenster inkl. Download-Option:

Die obigen vier Stellungen sind natürlich nicht repräsentativ, umfangreichere Tests könnten andere, positivere Ergebnisse zeitigen.


Exkurs: Die Personality „Aggressive“

Eine weitere hochinteressante Dragon-„Persönlichkeit“ ist die Einstellung „Aggressive“. Aktuell dürfte es kein Programm des modernen Engine-Zirkus‘ geben, das nur annähernd so einfallsreich, so opferfreudig und so angriffslustig spielt wie diese Komodo-Personality.
Dabei ist die Gesamt-Turnier-Performance von „Aggressive“ haarsträubend schlecht – aus dem oben bereits erwähnten Grunde, und wie auch die Turnier-Tabelle unten dokumentiert, wo „Aggressive“ ohne einen einzigen Partien-Gewinn die Schlusslaterne trägt. „Aggressive“ – das bedeutet Angriffsschach zuweilen mit der Brechstange, und gegen derart starke Konkurrenz mit ihrer gnadenlos präzisen Verteidigungsarbeit, wie sie die modernen NN-Programme an den Tag legen, hat es solch „romantisches“ Schach einen schweren Stand.

Michael Tal - Schachweltmeister - Glarean Magazin
Weilt das legendäre Angriffs-Genie Michael Tal inkognito wieder unter uns – in Gestalt des Computerschach-Komodo-Warans „Dragon“?

Aber wer „Aggressive“-Partien näher untersucht, erlebt Thriller-Schach-Kino vom Feinsten! Es lohnt sich, wenigstens die entspr. Remis-Games nachzuspielen. Die Personality hat Material-Einstellungen und Stellungsbewertungen implentiert, die sie kompromisslos auf Angriff spielen lässt, wobei Bauern- und Figuren-Opfer quasi zur Pflicht gehören. Es ist, als wäre der legendäre Weltmeister Michael Tal wieder auferstanden – in der Form eines noch weitaus gefährlicheren Warans…

Hier einige Beispiele für diesen attraktiven Spiel-Stil – und zwar aus Partien, die trotz jeweiliger Materialdefizite unentschieden endeten (notabene gegen extrem starke NN-Engines):

„Aggressive“ kennt nur eine Richtung: Nach vorne. Dabei haben Raumgewinn, Linien- und Diagonalen-Öffnen inkl. Vorposten-Schaffung zwecks direktem Königsangriff absolut oberste Priorität, auch unter Bauern- und Figuren-Opfern.
In dem folgenden Bruderkrieg steckt Weiß gleich zwei Bauern ins Geschäft, nur um den Gegner am am freien Figurenspiel zu hindern bzw. den eigenen Raum-Radius zu vergrössern:

Die nächste Stellung entstand aus einem klassischen „Franzosen“. Auch hier benützt die Engine die erste beste Gelegenheit, von den ausgelatschten Eröffnungspfaden abzuweichen und den Gegner zu Erklärungen zu zwingen. Und auch diesmal gelingt es dem gegnerischen Programm nicht, diese Frechheiten mit einem Sieg zu bestrafen; die Partie endete später remis:

Die ganze Welt nimmt in der nachstehenden sizilianischen Standard-Stellung mit Weiß den Bauern auf d4 – für „Aggressive“ ist das viel zu langweilig. Erneut ist der Drang unübersehbar: Turbo-Entwicklung, um baldmöglichst gerüstet zu sein für den Angriff. In der Großmeister-Szene kommt 4. Ld3 natürlich nicht vor. Komodo-Dragon schreibt hier also Eröffnungs-Geschichte…


PGN-Download-Button
Download-Button im Analyse-Fenster

Der Mausklick auf einen Zug oder eine Variante in der Notation öffnet das entspr. Analyse-Fenster mit der Option des Downloadens als PGN-Datei.

Alternativ lassen sich die Stellungen hier nachspielen bzw. runterladen.

„Aggressive“ ist in erster Linie eine begnadete Gambit-Engine. Hier ein viertes Beispiel dieses unbekümmerten Kampf-Stils in einer selteneren Variante des Nordischen Gambits. Diesmal ist der Gegner die Nummer 2/3 der Welt – doch auch hier endete der Kampf des David (Alpha-Beta-Bewertung) gegen Goliath (NN-Bewertung) mit einem Remis. Romantik-Schach des 19. Jahrhunderts – mitten im Maschinen-Zeitalter des 21. Jahrhunderts…


Leichter Zugewinn an Spielstärke

Komodo Dragon 3 - Logo - Mai 2022 - Schach-Rezensionen GLAREAN MAGAZIN
Seit Jahren der hartnäckigste Verfolger der Nummer Eins Stockfish: Der Komodo-Waran von komodo.chess

Natürlich interessiert primär mal die Default-Spielstärke der neuen Dragon-Engine. Komodo ist wie alle führenden modernen Schachmotoren eine sog. Neural-Network-Engine (NN), wobei sie ihr eigenes, natürlich programmiertechnisch speziell abgestimmtes Netzwerk „eingebettet“ mitbringt und dieses nicht wie die meisten anderen (z.B. Stockfish) extra downloaden muss; letzteres ist optional aber nach wie vor möglich.

Hinsichtlich Spielstärke hat Dragon 3 zugelegt – aber der Zugewinn ist überschaubar, wie die bisherigen Turnier-Resultate der einschlägigen Partien-Generatoren CCRL und CEGT ausweisen. (Auch das eigene Privat-Turnier des Autors – siehe unten – zeigt gegenüber Dragon 2.6 einen Zuwachs der Turnier-Performance in bescheidenstem Rahmen).
Unbestritten ist aber, dass der „Drachen“ der stärkste Konkurrent des „Fisches“ war und vorläufig auch bleiben wird, auch dies zeigen alle bisherigen Tests und Turniere mit dem jüngsten Komodo-Zuwachs:

CCRL - Chess Engines Rating Blitz - 25. May 2022
Dem Leader dicht auf den Fersen: Dragon 3 gelistet bei CCRL in der Blitz-Rating-Liste vom 25. Mai 2022
CEGT - Chess Engines Rating 40-20 - 25. May 2022
Merklich hinter Stockfish, knapp vor FatFritz und LeelaChess: Dragon 3 gelistet bei CEGT in der 40/20-Rating-Liste vom 25. Mai 2022

Komodo Dragon 3 und die Analyse

Interessanter als Ranglisten-Vergleiche ist allerdings das Untersuchen der Binnenstrukturen von Partien des neuen Dragon, aber auch das Verhalten der Engine beim Analysieren.
Um das Zweite vorwegzunehmen: Gerade hier zeigen sich die neuen computerschachlichen Ansätze unmittelbar, wie schon ein paar erste, aber repräsentative Test-Stellungen demonstrieren. (Die folgenden Ergebnisse wurden auf einem AMD-Ryzen-7 mit 16Threads, 2Gb Hash und 5-men-Syzygy-TB’s unter dem Interface Komodo-Dragon-3 von Chessbase erzielt):

Karjakin vs Carlsen (Shamkir 2019)
Schwarz am Zuge

Karjakin vs Carlsen - Shamkir 2019 - Schwarz am Zuge - 19... e4FEN: r3k2r/1pq1bpp1/p2p2n1/3Ppb1p/1QP4P/2N1B1P1/PP2BP2/R3K2R b KQkq – 0 19

Im Gegensatz zu seinem direkten Vorgänger Dragon 2.6.1 (und den meisten anderen Spitzen-Engines) findet der neue Dragon 3 den positionellen, die Inititative sichernden Bauernvorstoss 19. – e4! des amtierenden Weltmeisters in nullkomma-fast-null Sekunden.
Solche blitzschnellen Lösungen lassen meist darauf schließen, dass die Engine den betr. Stellungstypus „kennt“ und adäquat behandeln kann.

Feco vs Jones (Corr. Game 2017)
Schwarz am Zuge

Feco vs Jones - Correspondence Chess 2017 - Schwarz am Zuge - 29... Db6 (am)FEN: 4Qnk1/1pq4p/2p3p1/p2p1p1P/P2P1P2/2PB2P1/1P3K2/8 b – – 0 29

So wie Dragon 2.6.1 möchten sich hier praktisch alle starken Programme mit 29. – Db6? am weißen Bauern b2 delektieren, was aber den sicheren Tod des Schwarzen bedeutete.
Der neue „Drachen“ riecht den Braten recht schnell und sucht stattdessen den Damentausch mit Dd7 oder Df7. Denn am Damenflügel kann Schwarz zwar seinem Materialismus frönen, doch auf der anderen Brettseite geht’s seinem König an den Kragen…

R. Becker (Studie 2015)
Weiß am Zuge

R. Becker Studie - Weiss am Zuge - 1. Dd3FEN: 8/p2p4/r7/1k6/8/pK5Q/P7/b7 w – – 0 1

Nur wenige Spitzen-Programme lösen die obige Studien-Aufgabe innert Sekunden, indem sie sofort in die erforderliche Tiefe von mind. 30 Halbzügen (!) kommen. Komodo-Dragon 3 holt hier den Lösungszug 1. Dd3! unverzüglich auf den Bildschirm, seine Konkurrenten lassen sich demgegenüber teils über eine halbe Minute Zeit.


 

Die vier Stellungen und
Analysen lassen sich
hier downloaden.

Cvak vs Kubicki (Corr.-Analyse)
Weiß am Zuge

Cvak vs Kubicki - Correspondence Chess 2019 (Analyse) - Weiss am Zuge - 31. Lxc51rb1r3/5qk1/3b2p1/1pnPp1Pp/2P1Bp2/pP6/P2NQB1P/1KR3R1 w – – 0 31

In dieser komplexen Mittelspiel-Stellung steht Weiß mit dem Rücken zur Wand, denn er hat genau einen Rettungsanker, der die Partie knapp hält: 31. Lxc5!
Die meisten Engines würden hier mit 31.cxb5? sang- und klanglos untergehen – nicht so Dragon 3. Nach ca. 10 Sekunden „weiß“ der neue „Drachen“, dass nur der Figuren-Abtausch entlastet.
Überhaupt fällt beim Analysieren von Dragon-3-Partien auf, wie hartnäckig das Programm schlechte Stellungen zu verteidigen vermag. Insbesondere Fernschach-Spieler dürften diese Qualität des jüngsten Komodo besonders zu schätzen wissen…

Dragon 3 gegen den Rest der Engine-Welt

Das Analysieren von eigenen oder fremden Games gehört bei Schachspielern (gleich welcher Stärkeklasse) ohne Zweifel zum Hauptverwendungszweck von Schachprogrammen, sei es zum Aufspüren von Fehlern oder zum Trainieren des Eröffnungsrepertoire. Dieser Zielsetzung trägt Chessbase Rechnung, indem neben der neuen Engine und dem zugehörigen Interface auch eine Sammlung von über einer Million Partien mitgeliefert wird. Die „Database 2022“ enthält dabei auch tausende von Games, die professionell von Großmeistern kommentiert wurden. Die jüngste Partie der Datenbank datiert vom 20. Oktober 2021, die älteste ist eine Begegnung zwischen Bird und Anderssen aus dem Jahre 1851.

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In spezifischen Computerschach-Kreisen ist eine weitere Spielwiese für Engines verbreitet (allerdings weniger aus schachlichen denn aus statistischen Gründen): Das automatisierte Ausspielen von Engine-Partien. Die so generierten Games zwischen Motoren untereinander sollen Aufschluss geben über die Gesamt-Performance eines Programmes, wobei meist mehr oder weniger ausgeklügelte „Opening-Books“ sowie 5-7-Steiner-Endgame-Tablebases zum Einsatz kommen. Die beiden wichtigsten dieser Partien-Ersteller CCRL und CEGT wurden oben bereits erwähnt, zahlreiche weitere private Engine-Turniere werden laufend von der weltweiten Anwenderschaft generiert.

Turnier mit 16 Top-Engines

Der Autor hat unter der Komodo-3-Grafikoberfläche von Chessbase ebenfalls ein solches kleines Engine-Turnier aufgesetzt für 16 der besten und häufigst verwendeten Schachmotoren, die aktuell den Engine-Zirkus bevölkern. Generiert wurden dabei insgesamt knapp 500 Partien mit der offiziellen Blitz-Bedenkzeit der FIDE von 3 Min. + 2 Sek. (= Hauptspielzeit plus Zeitbonus pro Zug).
Dies allerdings mit zwei eher selten angewendeten Optionen: Erstens wurde komplett verzichtet auf den Einsatz von Eröffnungsbüchern, um den Engines nicht vorzuschreiben, welche Eröffnungszüge sie spielen sollen. Und zweitens hatten die Programme keinerlei Endspiel-Datenbanken zur Verfügung, damit bei der späteren Partien-Analyse die eigentliche Performance einer Engine auch in dieser Spielphase objektiver untersucht werden kann. Drittens durften die Engines – via die Turnier-Option „Pondering“ – auch dann rechnen, wenn sie nicht am Zuge waren; dies ist das „natürlichste“ Verhalten beim Schachspielen…

Download-Button Turnier-Partien

Detailliert sah das Tournament Setting
folgendermaßen aus:

  • Hardware: AMD Ryzen 7 2700x ( 8CPU / 16Threads )
  • Software: Fritz 18 (Chessbase)
  • 16 Engines ( Je 4 Threads / 1024 Mb Hash )
  • Time Controlling: 3min + 2sec
  • Round Robin: 4 games each against each other
  • Opening Books: No
  • Endgame Tablebases: No
  • Pondering: Yes
  • Total Games: 480
  • Duplicated Games: 0
  • LeelaChess-Network: 783328 ( 2 Threads / RTX 2080)

Natürlich ist dieses Engine-Turnier mit seinen knapp 500 Partien statistisch nicht belastbar, trotzdem entspricht sein Ranking ziemlich genau jenen Ranglisten, die ein Vielfaches an Games pro Engine ausspielen lassen:

Top Engines - 3+2 - Turnier-Tabelle (neu)
Das Turnier der 16 Top-Engines ohne Eröffnungsbücher und Endspiel-Datenbanken

Die Liste zeigt das nunmehr schon seit vielen Monaten bekannte Bild mit dem führenden Triumvirat Stockfish/LeelaChess/Komodo, wobei die Plätze Zwei und Drei immer mal wieder wechseln können zwischen LeelaChess und Dragon. Zieht man zum Vergleich die zahlreich existierenden, diversen Computerschach-Rankings im Internet hinzu, zeigt sich ziemlich deutlich, dass sich Komodo meist auf dem Silber-Podest einreiht.

Interessant ist, dass dieses Turnier keine einzige Partie-Doublette generierte, obwohl keinerlei Opening Books im Spiel waren, die das Eröffnungsverhalten der Motoren gespreizt hätten. Trotzdem verzeichnet die Eröffnungs-Palette einen überraschend weiten ECO-Range:

Trotz fehlenden Eröffnungsbüchern: Ein überraschender Range der ECO-Codes ohne Partien-Dubletten
Trotz fehlenden Eröffnungsbüchern: Ein überraschend weiter Range der ECO-Codes, außerdem ohne Partien-Dubletten

Auch hinsichtlich Endspiel entsprechen die 480 Partien in etwa jenen Häufigkeiten, wie sie sich im Computer- wie im Human-Schach zeigen. Und auch hier machen die reinen Turm-Endspiele die größte und wichtigste Kategorie aus:

Top Engines - 3+2 - Endspiele-Statistik
Alle Engines mussten ihre Endspiel-Performance ohne Endgame-Tablebases demonstrieren

Ein Schachpaket für alle Fälle

Ist Komodo-Dragon-3 aus dem Hause Chessbase ein Must-have für Schachspieler? Unbedingt – sofern man nicht zumindest schon das Fritz-18 oder -17-GUI hat und außerdem mal nicht immer bloß den gleichen Einheitsbrei von Stockfish & Co. aus dem Netz runterladen möchte.
Denn Dragon 3 hat ein deutlich anderes Spiel- und Analyse-Verhalten als alle anderen NN-Engines, beweist aber trotzdem immer wieder eine extrem starke Turnier-Performance. Damit ist dieser dritte „Drachen“ ein echtes Gegen-Programm zum üblichen Freeware-Kuchen mit seinen aberdutzenden von Derivaten und Klonen, die sich inzestiös oft nur in winzigsten Kleinigkeiten unterscheiden.
Chessbase rundet sein jüngstes Komodo-Paket außerdem ab mit einer großen Partien-Datenbank sowie einem 6-monatigen Premium-Account mit Zugang zu den bekannten CB-Online-Services.

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Natürlich empfiehlt sich der Kauf weniger für jene, die F17 oder F18 bereits besitzen und somit die Dragon-3-Engine durchaus direkt bei den Komodo-Machern kaufen und dann einbinden können. Allerdings ist der Preis-Unterschied minim: Bei Amazon z.B. kostet die Chessbase-DVD 74 Euro, während die Programmierer auf ihrer Komodo-Webseite 75 Dollar, also ca. 70 Euro für die nackte Engine verlangen. Rechnet man bei CB noch ein paar Euro für den DVD-Versand hinzu, ist der pure Engine-Download günstiger – aber einbezogen werden sollten bei CB noch die kostenlosen Goodies Premium-Account & Database 2022.

Wie auch immer: Komodo-Dragon-3 zählt nicht nur zu den aktuell stärksten Schachprogrammen überhaupt, sondern setzt dem bunten Engine-Zirkus den vielleicht glänzendsten, weil schachlich und programmiertechnisch sehr alternativ auftrumpfenden Farbtupfer hinzu.
Der neue „Drachen“ 3.0 wird damit zum vielfältig einsetzbaren Analyse- und Sparring-Werkzeug – ein Schachpaket also für alle Fälle. ♦

Chessbase: Komodo Dragon 3 & Fritz 18 GUI – Schachsoftware by Chessbase Hamburg, DVD oder Download

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Schachsoftware auch über Vasily Smyslov – Master Class Band 14 (Schach-DVD)

… sowie zum Thema Computerschach: The Engine Crackers


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Christmas Tree Chess Puzzles (Weihnachts-Schachrätsel)

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 6 Minuten

16 Schach-Christbäume wünschen ein frohes Fest!

von Walter Eigenmann

Schon immer haben die Schach-Problemkomponisten und -Studienautoren nicht nur ernsthafte, tiefsinnige oder komplexe Schach-Aufgaben erfunden, sondern auch ihrer Kreativität und Originalität mit allerlei Nachbildungen von „realen“ Gegenständen Ausdruck verliehen. Zum Beispiel mit ganz speziellen Christmas Tree Chess Puzzles.

Christmas Tree Chess Puzzles - 05 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
16 Schach-Christbäume wünschen frohe Weihnachten!

Überraschender Witz auf dem Brett schlägt dem Schachfreund entgegen, wo immer er solchen kunstvollen Konstellationen der Steine begegnet, sei es dass ihre Schöpfer die Buchstaben des Alphabets modellieren, oder ob sie Tiere, Kerzen, Ostereier, Häuser u.a. nachbilden.
Eine besonders schöne und häufig gepflegte Form dieser Studien-Ausprägung sind die vielen Christmas Trees, die insbesondere von angelsächsischen Schachkomponisten im Laufe der letzten 100 Jahre geschaffen wurden. Die Vielfalt dieser Weihnachtsbäume on the board ist erstaunlich und fast ebenso groß, wie sie sich zuhause in der festlich geschmückten Weihnachtsstube präsentiert…

„Weiß am Zuge: Matt in n Zügen“

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Die folgenden 16 Aufgaben sind das Ergebnis meiner umfangreichen Recherche in diversen Studien-Datenbanken und im Internet; sie sind repräsentativ, aber beileibe nicht die einzigen. Und sie alle kommen in der bei Schachstudien bekannten Aufgabenform „Weiß zieht und setzt in n Zügen matt“ daher.
Manche der Puzzles sind verblüffend einfach – und doch zuweilen nicht auf den ersten Blick zu lösen. Und bei einigen kann die weihnächtliche Form so sehr ablenken, dass man vor lauter (Christ)Bäumen den Wald nicht mehr sieht…

Merry Christmas Everyone !

Selbstverständlich verbietet sich bei solchen Matt-Wenigzügern der Einsatz jeglicher Schachsoftware – den Spaß am Knobeln sollte man sich keinesfalls durch den Computer vermiesen lassen.
Wir wünschen viel Spass und Erfolg beim Lösen unserer Christmas Tree Chess Puzzles 2021 – verbunden mit den besten Wünschen zum bevorstehenden Weihnachtsfest! ♦

Christmas Tree Chess Puzzles - 01 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr 01: Matt in 3 Zügen (P. Benko, Internet 2016)
Christmas Tree Chess Puzzles - 02 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 02: Matt in 2 Zügen (Thomas R. Dawson, Chess Amateur 1924)
Christmas Tree Chess Puzzles - 03 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 03: Matt in 2 Zügen (Don French, Internet 1996)
Christmas Tree Chess Puzzles - 04 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 04: Matt in 4 Zügen (Armando Marroqumn, Internet)
Christmas Tree Chess Puzzles - 05 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 05: Matt in 4 Zügen (N.N.)
Christmas Tree Chess Puzzles - 06 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 06: Matt in 2 Zügen (P. Steiner, Internet)
Christmas Tree Chess Puzzles - 07 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 07: Matt in 2 Zügen (N.N.)
Christmas Tree Chess Puzzles - 08 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 08: Matt in 4 Zügen (Armando Marroqumn, Internet)
Christmas Tree Chess Puzzles - 09 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 09: Matt in 2 Zügen (Don French, Internet 1996)
Christmas Tree Chess Puzzles - 10 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 10: Matt in 2 Zügen (Pal Benko, Chess Life 1975)
Christmas Tree Chess Puzzles - 11 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 11: Matt in 3 Zügen (N.N.)
Christmas Tree Chess Puzzles - 12 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 12: Matt in 2 Zügen (E. Papadrosos)
Christmas Tree Chess Puzzles - 13 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 13: Matt in 3 Zügen (N.N.)
Christmas Tree Chess Puzzles - 14 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 14: Matt in 2 Zügen (A. Marroqumn, Internet)
Christmas Tree Chess Puzzles - 15 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 15: Matt in 2 Zügen (N.N.)
Christmas Tree Chess Puzzles - 16 - Glarean Magazin (Walter Eigenmann)
Christmas Tree Chess Puzzles Nr. 16: Matt in 2 Zügen (N. Pergialis)

Hier geht’s zur Lösung der 16 Puzzles

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Schach-Studien auch über die Halloween-Schach-Studie 2021: Verhexte Schach-Teufelei

… sowie zum Thema Problemschach über Gerhard Josten: A Study Apiece


English Translation:

16 Chess Christmas trees wish
a Merry Christmas!

by Walter Eigenmann

Chess problem composers and authors have always created not only serious and profound chess problems, but also expressed their creativity and originality with all kinds of replicas of „real“ objects. For example, with very special Christmas Tree Chess Puzzles.

Surprising wit on the board strikes the chess lover wherever he encounters such artistic constellations of pieces, whether their creators model the letters of the alphabet, or whether they recreate animals, candles, Easter eggs, houses and others.

A particularly beautiful and frequently cultivated form of this study expression are the many Christmas Trees, which were created in particular by Anglo-Saxon chess composers in the course of the last 100 years.
The variety of these Christmas trees on the board is astonishing and almost as great as it presents itself at home in the festively decorated Christmas parlor…

The 16 puzzles above are the result of my extensive research in various study databases; they are representative, but by no means the only ones. And they all come in the familiar chess study form „White moves and mates in n moves“.
Some of the puzzles are amazingly simple – and yet sometimes not solvable at first sight. And with some of them the Christmas form can be so distracting that you can’t see the forest for the trees…
Of course, the use of any chess software is prohibited for such easy puzzles – the fun of puzzling should not be spoiled by the computer.
We wish you a lot of fun and success solving our Christmas Tree Chess Puzzles 2021 – together with best wishes for the upcoming Christmas! ♦

Computerschach: Fritz 18 (Chessbase) erschienen

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 6 Minuten

Meist alt, teils neu

von Walter Eigenmann

Die Schach-Software Fritz der Hamburger Software-Firma Chessbase ist neu in ihrer 18. Version auf dem Markt. Inwiefern bzw. in welchem Ausmaß unterscheidet sich der jüngste Fritz vom Vorgänger? Lohnt es, Fritz 18 für sich oder als Geschenk unter den Weihnachtsbaum zu legen?

Wenn ein kommerzielles Schachprogramm über 30 Jahre hinweg mittlerweile 17 Updates hinter sich hat, wird es für die Entwickler immer schwieriger, wirklich innovativ zu bleiben. Zumal „Fritz“ in Amateur- und Profi-Kreisen längst zum Synonym von Schachsoftware überhaupt avanciert ist. Fritz ist weltweit quasi ein Selbstläufer in Sachen Schach-Oberfläche, bei zahllosen Schachspielern aller Leistungsklassen kommt er praktisch im „Abonnement“ auf die heimische Festplatte. Fritz „hat man einfach“…

Neue Analyse-Funktionen

Fritz 18 - Schachsoftware DVD - Chessbase - November 2021Denn nach wie vor (und trotz mittlerweile interessanter Alternativen auch aus dem Freeware-Bereich) ist die Fülle der Optionen dieses Graphical User Interface (GUI) für das digitale Schach unerreicht. Von seiner umfassenden Anbindung in die Welt des Internets noch gar nicht geredet.
Werfen wir also einen genauen Blick darauf, ob Chessbase wieder ein paar echte Innovationen in ihr Aushängeschild gepackt hat, oder ob die Hamburger um die beiden Chef-Entwickler Mathias Feist und Matthias Wüllenweber einfach mehr oder weniger ihren hohen Besitzstand wahrten. Letzeres wäre nicht zum ersten Mal der Fall: Dem Druck der Käufer- und Anhängerschaft nach Novitäten waren die Hamburger in den vergangenen 30 Jahren auch schon mal nicht ganz gewachsen.

Visuelle Bewertung

Vergleicht man (neben den selbstverständlich unterschiedlichen Startbildschirmen der Versionen) – erstmal die Oberflächen von Fritz 17 und Fritz 18 , fällt sofort auf, dass – einem nichts auffällt. Denn Menüstruktur, Features-Angebot, Optionen – alles wie gehabt und im Handling praktisch identisch. Die ganz große 30-Jahr-Jubiläumsfreude kommt also bei dieser 18. Ausgabe nicht auf.

Fritz 18 - Chessbase - Menüstruktur - Schachsoftware - Rezensionen - GLAREAN MAGAZIN
Bezüglich Menü-Struktur nichts Neues unter der GUI-Sonne: Fritz 17 & 18 sind identisch

Doch völlig auf Novitäten verzichten wollte man denn doch nicht, allerdings muss man der Software stark unter die Haube kriechen, um sie zu entdecken. Betrachten wir zuerst den Bereich „Analyse“.
Neu wartet Fritz nun mit einer differenzierteren Visualisierung der Stellungseinschätzung auf; hier sind drei Neuerungen erwähnenswert:

Fritz 18: Die Brettdarstellung und das Engine-Analysefenster erfuhren nützliche Differenzierungen
Fritz 18: Die Brettdarstellung und das Engine-Analysefenster erfuhren kleine Erweiterungen

A) Fritz 18 bewertet die Figurenstellung nun mittels Farbskala: Rote Kennzeichnung bedeutet „schlecht“, gelb ist „mäßig“, und grün meint „gut“. Die „Flammen“ im Bewertungsfenster visualisieren die Stellung insgesamt, z.B. als „normal“, „scharf“ oder „das Brett brennt“.
B) Der Engine-Output weist nun ergänzende Hinweise hinsichtlich z.B. Drohungen auf (rote Varianten-Zeilen).
C) Fährt die Maus über die Notation eines Zuges innerhalb der Analyse-Variante(n), wird der betr. Zug auf dem Brett visualisiert; ein m.E. besonders nützliches Feature.

Fritz für den praktizierenden Schachspieler

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Wären nur diese paar Analyse-Novitäten im neuen Fritz, könnte man die Version getrost als „Neuer Schlauch für alten Wein“, also als überflüssig ad acta legen. Doch Chessbase scheint sich in der Fokussierung seines Analyse-Flaggschiffes wieder auf den real praktizierenden Schachfreund besonnen zu haben unter dem Motto: Hin zu einem Fritz als Sparring-Partner des Vereinsspielers. Das Interface nimmt jetzt den selber spielenden Anwender bei der Hand und lässt ihn gegen und mit Fritz deutlich interessantere und lehrreichere Partien als vorher absolvieren.

Geführt – berührt

… nennt sich die wichtigste Neuerung von Fritz 18. Der User wählt ein ihm entsprechendes Niveau der Gegnerschaft aus, und Fritz spielt auf eben diesem Niveau mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz möglichst „menschliche“ Züge, die auch zweitklassig oder gar fehlerhaft sein können. Der Hersteller selber umschreibt euphorisch diese neue Funktion folgendermaßen:

Fritz 18 - Chessbase - Einfache Partie - Fritz als Vereinsspieler - Schachsoftware - Rezensionen - GLAREAN MAGAZIN
Intelligentes Amateur-Verhalten mithilfe von Künstlicher Intelligenz: Fritz als Vereinsspieler

„Fritz 18 steuert sein Spielverhalten intelligent und führt Sie mit Hilfe subtiler Tipps durch die Partie. Sobald Fritz unter Druck gerät, bevorzugt er als Verteidiger Varianten, die für Sie als Angreifer gute Chancen auf Opfer oder andere Taktik bergen. Damit gelingen oft spektakuläre Angriffssiege. Gegen Fritz 18 werden Sie scharfe Gewinnpartien spielen, die es in 40 Jahren Schachprogrammierung so nicht gegeben hat. Entweder waren die Programme zu stark oder sie lassen keine Opfervarianten zu, sondern geben selbst Material, um Matt abzuwenden. […] Generell spielt Fritz im Modus ‚Geführt – Berührt‘ auf Level ‚Clubspieler‘ zwar gebremst, doch durchaus stark. Die Partien sollen nicht zu einfach sein. Dennoch kann man sehr häufig gewinnen. Dazu gibt es die erheblich verbesserten subtilen Tipps. Den wesentlichen Anteil der Partie gestalten Sie selbst, doch bei Gegenwind holen Sie sich Hilfe.“

Diese „subtilen Tipps“ kommen dann in Form von Hinweisen daher wie: „Greife eine Leichtfigur an“, „Besetze ein starkes Feld“, „Drohe Matt“, „Gewinne Material“, „Biete einen Abtausch an“.

Kaufen oder nicht kaufen?

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Fazit: Die dezidierte Hinwendung des neuen Fritz zum spielenden, nicht nur analysierenden Anwender ist grundsätzlich zu begrüßen. Es ist m.E. der einzige wirklich vielversprechende Weg eines neuen, modernen Schach-Interfaces. Die reinen (und durchaus bewährten) Analyse-Funktionen bleiben ja erhalten, und in Sachen Partien-Verwaltung gibt’s weitere spezialisierte Software (von Chessbase selber über die Freeware Scid bis hin zu anderen kommerziellen Angeboten wie z.B. Chess Assistant).

Einer der geistigen Väter von Fritz 18: Der Physiker, Programmierer und Chessbase-Gründer Matthias Wüllenweber (geb. 1961)
Einer der geistigen Väter von Fritz 18: Der Physiker, Programmierer und Chessbase-Gründer Matthias Wüllenweber (geb. 1961)

Die Frage, ob man als Schachspieler den neuen Fritz kaufen soll, hängt (wie immer und diesmal ganz besonders) von den Präferenzen des Users ab. Wer nicht selber (oder allenfalls online) mittels Software Schach spielen, sondern vorwiegend analysieren will, der braucht Fritz 18 nicht (sofern er bereits eine der Vorgänger-Versionen hat). Denn der Analyse-Sektor des Programms ist trotz der oben erwähnten grafischen Novitäten zuwenig innovativ, und diesbezüglich beschleicht einen allmählich der Eindruck, als wären Chessbase hier die Ideen ausgegangen. Kommt hinzu, dass auch die neue Fritz-Engine zwar neu programmiert wurde (diesmal von Frank Schneider), aber hinsichtlich Spielstärke keinen nennenswerten Fortschritt gegenüber Fritz17 erzielt. (Dass selbstverständlich auch die neue Fritz-Engine jeden der Top-Großmeister der Welt in einem Match in Grund und Boden spielte, braucht nicht näher ausgeführt zu werden). Wer eine absolute State-of-the-art-Engine in der Partien-Analyse einbinden will, greift zum Freeware-Programm Stockfish.

Anders sieht es aus für jene Anwender, die einen interessanten, informativen und lehrreichen Sparring-Partner fürs eigene Schachtraining suchen. Hier hat Fritz 18 seine wirklichen neuen Verdienste, und da lohnt sich durchaus ein Kauf. Für knapp 60 Euro kriegt der User ein Interface, das den „selbstständigen privaten Schachunterricht“ auf ein neues Niveau hebt. ♦

Chessbase: Fritz 18 – Schachsoftware, DVD & Download

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Schachsoftware auch über Vasily Smyslov – Master Class Band 14 (Schach-DVD)

… sowie zum Thema Computerschach: The Engine Crackers


Gabriele Hofmann (Hrsg): Musik & Gewalt

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 3 Minuten

Musik im Fokus der Gewaltforschung

von Walter Eigenmann

Gewaltassoziierte Musikgenres und -formen konsumieren Jugendliche täglich. Die Musikwissenschaftlerin Gabriele Hofmann und ihr Autoren-Team gehen in ihrem Sammelband „Musik & Gewalt“ multiperspektivisch der Frage nach, wie die Relevanz von „Gewalttexten“ einzuschätzen ist. In sieben Einzelreferaten werden die aggressiven Tendenzen in musikalischen Jugendkulturen thematisiert.

In ihrem Eingangsbeitrag umreißt Stefanie Rhein den Kontext der Diskussion: „Affinitäten zu bestimmten Jugendkulturen wie auch entsprechende Distanzierungen dienen der kulturellen Selbstpositionierung und der Konstruktion kultureller Identität. Entscheidungen im Hinblick auf musik- und jugendkulturelle Zugehörigkeiten sind nicht notwendig Entweder-Oder-Entscheidungen: Jugendliche zählen sich […] oft zu keiner Szene, sondern pendeln zwischend den verschiedenen Szenen im jugendkulturellen Raum hin und her, ohne sich dauerhaft festzulegen.“ Darüber hinaus gelte: „Wenn von gewalthaltiger Musik […] die Rede ist, trifft dies in der Regel nicht die Musik an sich, sondern in erster Linie die Texte, die visuelle Umsetzung (Musikvideos) oder die Live-Inszenierung (Konzerte)“.

Aktivierung neuronaler Netzwerke

Gabriele Hofmann - Musik & Gewalt - Aggressive Tendenzen in musikalischen JugendkulturenWährend der Beitrag „Ist das schon Gewalt?“ von Benjamin Elser die Geschlechter-Stereotypen als Gewaltdarstellungen in Musikvideos analysiert, rücken die Autoren M. Gutscher, H. Schramm und W. Wirth den Einfluss auditiver Gewaltdarstellung auf das Aggressionsniveau in den Fokus. Ihre Studie geht der Frage nach, ob Musik mit gewalttätigen Texten einen Einfluss auf das Aggressionsniveau von Rezipienten hat. Dabei schreiben sie der Aktivierung von entspr. neuronalen Netzwerken eine bedeutende Rolle zu: Aggressive Textinhalte in Musikstücken steigern das situative Aggressionsniveau, die Interpretation von Wortbedeutungen wird durch sie beeinflusst und die Zugänglichkeit zu aggressiven Begriffen erhöht.

„Rebellen mit der Gitarre in der Hand“

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Am Anfang des Traktates von Georg Brunner, der sich der Rezeption und Wirkung von rechtsextremer Musik annimmt, wird festgehalten, dass der Musik ein gewisses Potential an Macht bzw. Beieinflussungspotential zugesprochen wird. Eine Erkenntnis, der sich nicht nur die deutschen Nazi’s und deren Propagandist Goebbels bedienten: „Musik als Kampfmittel und Waffe im Ringen um die deutsche Seele“ (Goebbels 1934). Nazi-Bands wie „Kraftschlag“, „Sturmwehr“ und „Foirstoss“, oder aktueller „Blutzeugen“, „Stahlwerk“, „Volksnah“ u.va. bewirtschaften nicht nur „But und Boden“, sondern verstehen sich als „Rebellen mit mit der Gitarre in der Hand“ (Foirstoss), die sich mit schriller Inbrunst und fetzigem Bass ihrer Feinbilder (Ausländer, Linke, Juden, Farbige u.a.) annehmen.
Brunner untersucht dabei verschiedene Bereiche und Verhaltensmuster der Konsumenten von Nazi-Musik, die Aspekte Geschlecht, Persönlichkeit, Elternhaus, Ausbildung, Sozialer Status und Selbstsozialisation werden näher aufgeführt.

Musikalische Gewalt der Metal-Bands

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Ein abschließendes Referat von Erika Funk-Hennigs nimmt sich der einflussreichen Heavy-Metal- und der rechtsextremen Skinhead-Szene an, deren Text-Manifestationen sich als eigentlicher kultureller „Code des Bösen“ interpretieren lassen, und deren Themenspektrum sich vom Satanismus, Schwarzen Messen und Tieropfern bis hin zu Friedhofsschändungen, Drogen, Vergewaltigungen und anderen menschenverachtenden Botschaften erstreckt. Das Fazit der Autorin: „Der zeitgenössische Rechtsextremismus präsentiert sich in einer Kombination von Freizeitwert, Lebensgefühl und politischen Botschaften. Jugendliche können hier eine Erlebniswelt erfahren, in der rückwärtsgewandtes Denken vorherrscht, das mit fremdenfeindlichem, rassistischem, nationalistischem und antisemitischem Gedankengut verknüpft ist. […] Musik hat in diesem Kontext keine eigenständige Funktion, sie dient vielmehr als Katalysator für rechtsextreme Aussagen“. ♦

Gabriele Hofmann (Hrsg): Musik & Gewalt – Aggressive Tendenzen in musikalischen Jugendkulturen, Forum Musikpädagogik, 140 Seiten, Wissner Verlag 2011/2021, ISBN 9783957862938

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musik-Psychologie auch über Lutz Jäncke: Macht Musik schlau?

Die Halloween-Schach-Studie 2021

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. < 1 Minute

Verhexte Schach-Teufelei (2)

von Walter Eigenmann

Wieder naht eine Halloween-Nacht, und wieder hat die GLAREAN-Hexe einen ihrer bösesten Zauber über das Schachbrett gelegt. Denn diesmal holte sie aus ihrer Hexenküche eine Endspiel-Studie des großen ukrainischen Schachkomponisten Mikhail Zinar hervor.
Darin lässt sie den schwarzen König über viele Züge hinweg systematisch ausbluten, indem sie den weißen Gegner einen teuflischen Spaziergang übers ganze Brett und wieder zurück vollführen lässt.
Mit welchem höllischen weißen Zug bringt das teuflische Weib den Gegner zur Strecke?
FEN: 8/5p2/1kPp3p/2pP4/K1p2p1P/2p2p2/2P2P2/8 w
Halloween Hexe spielt Schach - Halloween Witch plays Chess - Oktober 2021 - Glarean Magazin
Die GLAREAN-Schach-Hexe stellt auch in der Halloween-Nacht 2021 wieder Mensch und Maschine vor teuflische Schachprobleme

Zeichnung auf Pixabay von Annnette Pendlebury

Ein Hinweis für jene, die der GLAREAN-Hexe mit Hilfe des Computers auf die Schliche kommen wollen: Der vorgeschlagene Engine-Zug ist nur dann als die richtige Lösung zu akzeptieren, wenn gleichzeitig auch eine haushoch gewonnene Stellung für Weiß deklariert wird….

Hier geht’s zur Auflösung und Analyse der Stellung.

Knobeln Sie im GLAREAN MAGAZIN auch die beiden Studien von Halloween 2018 und Halloween 2009

Computer-Schach: The Engines Crackers 4 (Update)

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 15 Minuten

Knacknüsse für Schachprogramme

von Walter Eigenmann

(Version 4 – Update 29. Juli 2022)

Die Spielstärke der modernen Schachprogramme hat bekanntlich ein derart hohes Niveau erreicht, dass der Mensch längst nicht mehr mithalten kann. (Dass aber abseits der Computer-Schach-Szene nach wie vor ein äußerst reger Turnierbetrieb herrscht, muss nicht extra ausgeführt werden und spricht für die ungebrochene Kraft des Königlichen Spiels).
Diese Seite stellt echte Knacknüsse für Schachprogramme vor: „The Engine Crackers“. Es sind Chess Puzzles, die auch heutigen „Motoren“ mächtig viel Berechnung und programmiertechnisches Können abverlangen.

Modern Chess - Schach-Figuren - Schach-Kunst - Glarean MagazinEs ist inzwischen zu einer großen Herausforderung geworden, neue Knacknüsse für Schachprogramme aufzuspüren. Die Engines rechnen heutzutage sehr schnell, sehr selektiv, sehr tief, und ihre Algorithmen arbeiten mit ausgeklügelten Programmiertechniken. In Verbindung mit ständig beschleunigten Prozessoren spüren sie damit auch die verborgensten Geheimnisse einer Schachstellung auf.
Aber ein paar letzte weiße Flecken auf der Engine-Landkarte gibt es durchaus auch heute noch. Sie zu entdecken erfordert allerdings etwas Knowhow über die Funktionsweise dieser „Motoren“, vor allem aber einen erfahrenen Umgang mit den Engines selber. Denn die Defizite von Schachprogrammen sind nur mit Hilfe von Schachprogrammen zu finden…

Teststellungen für 30 Sekunden Bedenkzeit/Zug

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Diese Seite ist also solchen Stellungen gewidmet, an denen die Engines überdurchschnittlich heftig zu knabbern haben. Dabei sind die Aufgaben grundsätzlich nicht unmöglich zu lösen für Schachmotoren. Auch trifft man zuweilen das Phänomen an, dass mal ein Programm genau jenes Puzzle blitzschnell löst, welches alle anderen nicht verstehen.
Apropos: Ich persönlich erachte eine Teststellung dann als schwierig, wenn die meisten starken Schachprogramme mit ihren jeweiligen Default-Einstellungen auf durchschnittlicher aktueller Hardware länger als 30 Sekunden für die Lösung benötigen.

Umfangreiche Recherchen

Woher stammen all die Crackers hier? Sie sind das Ergebnis meiner umfangreichen Recherchen der letzten Jahre in diversen Datenbanken, kommerziellen wie kostenlosen. (Darunter sind zahlreiche Puzzles, die erstmals hier im GLAREAN MAGAZIN publiziert wurden).

The Engines Crackers - Schach-Aufgabe - Chess-Puzzle - Nickel vs Oosterom - GLAREAN MAGAZIN
Das moderne Fernschach arbeitet mit feinsten Nuancen mittels Interaktion mit den Engines, so wie hier in einer Partie der beiden Großmeister Nickel vs Oosterom: Dh4-e1 (!)

A) Hervorragend geeignet für die Suche nach komplexen Stellungen sind v.a. die Partien von Fernschach-Meisterspielern. Correspondence Chess Players pflegen versiert mit Computerprogrammen zu arbeiten, und ihr „Forschungstrieb“ generiert Partien auf allerhöchstem Niveau. Das effiziente, ja geradezu wissenschaftliche Handling mit Engines und GUI-Analysewerkzeugen ist das Markenzeichen erfolgreicher Fernschachspieler, ohne maschinelle Unterstützung ist heutzutage ein FS-Spiel auf Top-Niveau undenkbar. (Siehe hierzu auch das Interview mit Fernschach-Grossmeister Arno Nickel) Die Fahndung nach geeignetem Material kann sich allerdings aufwändig gestalten: Das heutige großmeisterliche Fernschach arbeitet mit filigranen, nuancenreichen Zügen, die herauszufiltern rechenintensiv sein kann.

B) Weiter finden sich interessante Puzzles für Schachprogramme bei den Programmen selber. Denn die führenden Engines liefern ebenfalls ein (fast) fehlerfreies Spiel, in den einschlägigen Internet-Schach-Datenbanken nach brauchbaren Perlen zu fischen verlangt ebenfalls einige Erfahrung im Umgang mit Engine-Settings – und viel Hartnäckigkeit.

Computer-Chess vs Human-Chess

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C) Ein drittes Gebiet für die Puzzle-Recherche ist das Problemschach mit seinen Studien. Hier sind die wirklich anspruchsvollen Aufgaben für Computer zwar seltener zu finden, weil die Studien eher nach künstlerisch-ästhetischen denn nach Performance-Kriterien konzipiert sind. Dementsprechend leisten diese Wenigsteiner-Aufgaben den Programmen oft wenig Widerstand.
Aber dafür legt das Problemschach seinen Finger zuweilen genau in jene Wunden, die Schachprogrammen besonders weh tun. Die Stichworte sind hier der Zugzwang, der Horizonteffekt oder die vielzügige Mattführung, die starke Such-Tiefen voraussetzen. Wer die Engines also stark herausfordern will, sucht auch in den Studien-Sammlungen, wie sie im Internet zuhauf anzutreffen sind.

D) Last but not least ist natürlich der riesige historische Pool mit von Menschen ausgetragenen Turnierpartien zu erwähnen. Doch diese Quelle ist als Datenmaterial fürs Computerschach nur von begrenzter Attraktivität. Denn so genial manche Kombinationen all der Giganten einer vielhundertjährigen Schachgeschichte daherkommen: Unter dem unbarmherzigen Mikroskop eines heutigen Computerprogramms zerschmilzen sie fast ausnahmslos zu einer „Petit Combinaison“ a la Capablanca, die in nullkommnix Sekunden gelöst (oder dann als inkorrekt entlarvt) wird… ♦

Über Reaktionen in Form von eigenen Analysen, Engine-Ergebnissen u.a. würde ich mich freuen. Benützen Sie hierzu einfach die „Kommentar“-Funktion. Gerne werden auch Vorschläge für schwierige neue Testaufgaben geprüft und ggf. unter dem Namen des „Finders“ veröffentlicht.
Die Seite hier wird regelmässig mit neuen Puzzles bestückt; also am besten immer mal wieder vorbei schauen.

Analyse-Brett mit PGN-Download - Glarean Magazin
PGN-Download im Analyse-Fenster

Der Mausklick auf einen Zug oder eine Variante öffnet das Analyse-Fenster. Dort ist auch ein Download der entspr. PGN-Datei möglich.

Die Reihe wird fortgesetzt!

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Schach-Aufgaben auch über den Schachzug der Woche (02)

Außerdem zum Thema Schach über Robert Hübner: Schund (Ein Schachbuch von Dilettanten für Dilettanten)


FEN: r6r/ppkb1pb1/2p3pp/PP6/4p3/2R1B1P1/5PBP/4R1K1 w – – 0 21

 

FEN: r2q1rk1/1p2p1bp/2np2p1/2n2b2/p1P5/1PN1QN1P/PB2BPP1/3R1RK1 w – – 0 16

FEN: r4rn1/2p1q1kn/1p1p1pp1/p2Pp1Pp/2P1PPb1/1P1Q2P1/P1B3K1/1RBN1R2 w – – 0 21

FEN: 1r6/1n1R1b2/8/1p1p3k/pPpPp1p1/2P1P3/P2K1PP1/8 w – – 0 1

 

FEN: k3K3/P3N3/8/ppp4p/4p1p1/6R1/rn1PP2B/8 w – – 0 1

 

FEN: r1kn4/p7/pP6/2K5/B1R5/1N6/8/3n4 w – – 0 1

FEN: 7k/p1p3p1/1p1p3p/6B1/2P5/q1PP4/7R/5RK1 w – – 0 1

FEN: r3k2r/4npp1/1qn1p2p/1p1pP2P/p2P2P1/4BN1R/PP3PK1/2RQ4 w k – 0 20

FEN: 2b1k3/8/6R1/2n5/8/B1r1N3/1pB5/6K1 w – – 0 1

FEN: 2b1r3/r2ppN2/8/1p1p1k2/pP1P4/2P3R1/PP3PP1/2K5 w – – 0 2

FEN: r1n5/k3pp2/2Rr4/1p6/1p6/p4pp1/QP4Pn/4RBK1 w – – 0 1

FEN: 6k1/2p2p1p/4pP2/8/1pPB1P1P/7p/1KP1R3/7r w – – 0 1

FEN: 1n1q1r1k/6rp/3p4/pB1P1p1Q/5P1R/1PP5/7R/5K2 w – – 0 31

FEN: 1r3k2/2r4p/2Pq2pP/3P1p2/2B1p3/p3Q1P1/Rb3PK1/3R4 w – – 0 49

Die Schweizer Literaturschrift TÄXTZIT („Textzeit“ – Band 12)

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 8 Minuten

Reichhaltige Literatur-Landschaft

von Walter Eigenmann

Neben den unzähligen Online-Literatur-Portalen jeglicher Genre- und Stil-Couleur wird oft vergessen, dass auch noch ein paar papierene Repräsentanten der Gattung „Literaturzeitschrift“ die helvetische Landschaft des künstlerischen Schreibens einfärben. TÄXTZIT („Textzeit“) ist eine dieser seltenen, beileibe nicht nostalgischen Literatur-Gazetten – ein ausschließlich von und für Schweizer Autoren geschaffenes „Präsentationsforum für Schreibende und Illustrierende“.

„TÄXTZIT – Die Schweizer Literaturschrift“ will gemäß Selbstdarstellung den „professionell Schreibenden und Illustrierenden ein kostenloses Präsentationsforum bieten, sie schweizweit bekannt und damit die Literatur- wie die Illustrationenlandschaft bereichern und vielfältiger machen“. Ein hehres und ehrenhaftes Ziel – weder originell noch neu zwar, aber wichtig und interessant, sofern die Qualität der Inhalte stimmt.

Wertschätzung der literarischen Arbeit

TäxtzIt (Textzeit) - Die Schweizer Literaturschrift - Cover Band 12 - Rezensionen GLAREAN MAGAZINMittlerweile sind der Initiant & Verleger Arno Seeli und seine Mitstreiter bei Band 12 (Juni 2021) angekommen, nachdem man vor rund neun Jahren (März 2012) die allererste Ausgabe vom Stapel gelassen hatte. Aktuell enthält das Heft 52 Seiten „erlesene Literatur und Illustrationen“, gedruckt wird eine Auflage von 1’000 Exemplaren.

Eine lobenswerte Besonderheit von TÄXTZIT ist, dass seit Heft 9 den Autor*innen ein Seitenhonorar von 45 Franken bezahlt wird. Das scheint nur auf den ersten Blick wenig; in Zeiten der grassierenden „Druckzuschuss-Verlage“, wo die Schreibenden für ihre Veröffentlichungen gar selbst zur Kasse gebeten werden, ist das vielmehr eine schöne Geste der Anerkennung und Wertschätzung ihrer literarischen Arbeit.

Ohne thematische Fokussierung

Arno Seeli und seine Crew arbeiten ohne thematische Schwerpunkte oder genrespezifische Vorgaben. Neben kurzprosaischen Texten findet sich ebenso das knappe Gedicht oder die literarische Buchbesprechung wie die autobiographische Notiz oder die augenzwinkernde Alpen-Satire.
Garniert und strukturiert werden diesmal alle Texte mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen der Zürcher Illustratorin Yasmin König. Auch sie ist zeichnerisch vielfältig zugange, aber meist gehört ihre Aufmerksamkeit dem idyllischen Stimmungsbild oder der Momentaufnahme aus Familie und Natur. Dabei stellen die ganzseitigen Illustrationen einen ungezwungenen Bezug zum vorausgegangenen Text her, in jedem Falle lockern sie die „Bleiwüste“ des Drucktextes mit schlicht-eindringlichem Zeichenstrich auf.

Ein Dutzend Schweizer Autor*innen

Melanie Gerber - Glarean Magazin
Melanie Gerber (photoandmore)

Zufall oder auch nicht: Genau zwölf helvetische Schriftsteller*innen präsentiert diese zwölfte TÄXTZYT-Nummer. Die Namen der Autor*innen sind dabei so illuster wie ihre Beiträge.
Melanie Gerber eröffnet mit „Zuhause“ den Texte-Reigen und erzählt von einer, die just zu Beginn der Corona-Pandemie und nach einer kürzlichen Trennung aus der gemeinsamen Wohnung wegzieht – und trotz ihrer vielen Umbrüche und Baustellen und der allgemeinen Endzeitstimmung die Kurve doch noch kriegt und sich auf dem Balkon ein neues inneres Zuhause erobert.
Ein zweiter Text „Was ich nicht weiß“ von Gerber ist dann sehr viel ernsterer Natur: Er thematisiert verschiedene Möglichkeiten der Begegnung mit dem Tod – auch jenem von Kindern. Angeregt wird die Schaffung von stationären Schweizer Kinderhospizen.

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Nicht fiktiv, sondern dokumentierend sind zwei Beiträge von Dominik Riedo unterwegs. Riedo reportiert zum einen gewisse Zustände bzw. Praktiken des Schweizer Gesundheits- bzw. Spitalwesens. In seinem zweiten Artikel würdigt er das literarische Schaffen von Carl A. Loosli, dem „Karl Kraus der Schweiz“, wie er diesen achtungsvoll tituliert. Und dabei einen „ganzen Kosmos ‚Loosli'“ konstatiert, den es – nun, da es im Rotpunkt-Verlag eine neue Werkausgabe in 7 Bänden gebe – noch intensiver zu erforschen gelte. Denn Loosli’s Zeit beginne jetzt erst wirklich, ist Riedo überzeugt, und seine Rezeption würde einer Schweiz guttun, „die auch heute viele der von Loosli angeprangerten Missstände weiterhin nicht behoben“ habe.

Idyllisches neben Satirischem

Lilly Bardill - Glarean Magazin - Autorin
Lilly Bardill (geb. 1935)

Die Churer Erzählerin Lilly Bardill, mit 86 Jahren die erfahrenste der hier vertretenen Autorinnen, schildert in „Jakobs Ausflug“ die Eskapaden eines leicht dementen Betagtenheim-Bewohners, der sich auf einer Reise zu seiner Tochter in schönen Augenblicken verliert und deshalb nie am Ziel ankommt.  Es geschieht, was geschehen muss: Jakob wird vermisst, die polizeiliche Suche beginnt… Der Plot der kurzen Story mag nicht neu sein, wird aber von der Autorin rührend-verschmitzt und empathisch präsentiert.
Deftiger geht’s zur Sache in Sandra Rutschis dreiseitiger Groteske „Als der Mönch nach Hawaii durchbrannte“. Das weltberühmte Berge-Trio Eiger, Mönch und Jungfrau erwacht plötzlich zum Leben, beginnt ein angeregtes Gezanke, weil die Jungfrau keine Jungfrau mehr sein möchte. Derweil sich der Mönch verärgert über den Jura hinweg davonmacht, fallen Eiger und Jungfrau stöhnend übereinander her. Während er seine Hand schon „zum Joch weiterwandern“ lässt, bekommt sie plötzlich Gewissensbisse… Was das mit Hawaii zu tun hat? Lesen Sie selbst.

Yasmin Koenig - Illustratorin - Täxtzit-Heft Nr. 12 - Rezensionen GLAREAN MAGAZIN
Die berühmten Schweizer Berggipfel Eiger, Mönch und Jungfrau als Fun-Park: Zeichnung der Illustratorin Yasmin König (TÄXTZIT Band 12 – Juni 2021)

Lyrisches und Prosaisches aus der Innerschweiz

Dolores Linggi (Schwyz) und Beat Wild (Zug) sind zwei angesehene Innerschweizer Literaten. Linggi, Preisträgerin der „Zentralschweizer Literaturförderung“,  steuerte dem neuen TÄXTZIT-Band fünf assoziationsschwere Gedichte bei, während Wild mit dem knapp vierseitigen Prosatext „Nicht fallen lassen“ vertreten ist. Darin möchte eine alte Frau ihrer Zufallsbekanntschaft Oskar, der eine Tumor-Operation hinter sich hat, die Rückkehr ins Leben erleichtern.
Eine dritte Innerschweizerin ist die 20-jährige Luzernerin Lia-Aurelia Kraft. Ihre kleine Love-Story „Frühling“ ist dicht formuliert und im besten Sinne rührend. Kraft steht trotz ihres jugendlichen Alters bereits eine facettenreiche Sprache zur Verfügung – eine schöne Entdeckung der TÄXTZIT-Macher.

Beziehungen in der Ostschweiz

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In einer Zeitschrift mit deutschsprachigen Beiträgen aus Helvetien darf der östliche Teil des Landes nicht fehlen; die Ostschweizer Literaturszene ist mit Beatrice Häfliger (Hoffeld) und Philip Messmer (Sulgen) repräsentiert. Häfligers Text singt ebenfalls das Hohelied der Liebe und deren Entstehung, eingebettet in innige Waldseligkeit. Er mag in diesem Heft am deutlichsten das literatur-psychologische Klischee der „Schweizer Nabelschau“ bedienen, ist aber gleichzeitig auch ein zärtliches und genau beobachtendes, dabei sprachlich eloquentes Stenogramm einer sehr ursprünglichen Mensch-Natur-Beziehung.
Messmer geht da in seinem „Therapie“-Text eine deutlich herbere Beziehung an; sie beginnt damit, dass Ehefrau Sabine ihren Paul mit der Bratpfanne niederstreckt… Zum Schluss wird doch noch alles gut: „Sabine und Paul schafften es nicht einmal bis ins Schlafzimmer und trieben es auf der Treppe“. Auf der Strecke hingegen bleibt der behandelnde Arzt der beiden…

Originelles Literatur-Konzept

Mit Daniela Huwyler ist eine zweite Lyrikerin vertreten. Sie präsentiert drei sprachgewandte und rhythmisch interessante Gedichte namens „Agenda“, „Rabenzirkel“, „Schneeschwer“. Des Wädenswilers Peter Burkhards Kurzprosa-Beitrag schließlich titelt „Tod in der Aare“. Darin erhält Laura nächtens im Bett gespenstischen Besuch von einer Unbekannten mit „triefend nassem, schulterlangen Haar“…

Ein auch nur kurzer Blick auf die Autoren und Inhalte dieser (Deutsch-)Schweizer „Literaturschrift“ zeigt sofort das sympathische Konzept und die durchdachte Rezeptur. Wie der Herausgeber und verantwortliche Redakteur Arno Seeli in seinem „Auftakt“ festlegt, müssen die Texte „die Schweiz thematisieren, noch unveröffentlicht sowie institutionen- und werbeneutral sein“. Außerdem dürfen die Beiträge maximal vier Seiten umfassen. Trotz dieser formalen Vorgaben ist dem umtriebigen Literatur-Animator ein interessanter inhaltlicher Mix gelungen.

Gestalterisch Luft nach oben

Schweizer Literaturzeitschriften - Orte - Delirium - Narr - Mütze - GLAREAN MAGAZIN
Die kleine Schweiz als großes Land der Literaturzeitschriften, beispielsweise MÜTZE, NARR, DELIRIUM, ORTE (um nur einige zu nennen)

Herumnörgeln an solchen idealistischen Periodika lässt sich ja immer. Zum Beispiel könnte dem einen oder anderen das „Schweizer“ im Untertitel etwas großspurig erscheinen – angesichts keines einzigen französisch- oder italienischsprachigen Beitrags. Auch hinsichtlich des etwas pausbäckigen Heft-Layouts und der ruralen Typographie bestünde noch Luft nach oben; guter Inhalt schließt eine attraktive Verpackung nicht aus. Und drittens würden je ein paar bio- und bibliographische Stichworte zu allen vertretenen Autor*innen das Heft noch informativer abrunden.

Biotopische Beschaulichkeit

Der konsequente Fokus der Texte(-Auswahl) auf Helvetien bzw. das sog. „Schweizerische“ führt zwar hier nirgends zu literarischen Grenzüberschreitungen. Wer sprachliche Innovation, thematische Internationalität, das formale Experiment oder gar geopolitische Schweiz-Motive sucht, wird von TÄXTZIT enttäuscht. Das vielzitierte „Lokalkolorit“, die „Sicht nach Innen“ und eine gewisse gewollte Naivität des Narrativen sind die bestimmenden Ingredienzen dieser „Schweizer Literatur“.
Aber solche biotopische Beschaulichkeit hat sowohl ihren Reiz als auch ihre Legitimität. Denn die Provinzialität kommt hier charmant mit Unterhaltungswert daher. Und nicht jeder literarische Text muss die Welt gleich aus den Angeln heben.

Verdienstvolles Literatur-Projekt

Kurzum: TÄXTZIT ist ein verdienstvolles Literatur-Projekt, das eine sowohl erhellende wie anregende Tour d’horizont bietet durch einen wichtigen Teil des zeitgenössischen Literaturschaffens der deutschsprachigen Schweiz. Alle Texte sind sorgfältig lektoriert bzw. redigiert und die Themen-Wahl abwechslungsreich komponiert.

Dieser Autoren-Gazette ist also in diesem Sinne durchaus eine noch wachsende Leserschaft zu wünschen – hier sind ein engagierter Herausgeber und ein offensichtlich motiviertes Mitarbeiterteam am Werk. Der Schnauf möge den Machern nicht so bald ausgehen – und auch das Selbstbewusstsein nicht, das es braucht, um als Print-Medium gegen ein Heer von kostenlosen Internet-Literaturangeboten bestehen zu können. ♦

Arno Seeli (Hrsg): TÄXTZIT – Die Schweizer Literaturschrift – Band 12, 52 Seiten A5-quer-Format mit Klammerheftung, Wortzimmerer Verlag, ISBN 978-3-9524327-8-5

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Schweizer Literaturzeitschriften auch über SCRIPTUM – Das Schweizer Literaturmagazin

… sowie zum Thema Schweizer Literatur den Essay von Mario Andreotti: Tendenzen der Schweizer Literatur

Außerdem im GLAREAN MAGAZIN: Originale Erstpublikationen von Schweizer Schriftsteller*innen

Schachzug der Woche (02): LeelaChessZero vs Stockfish

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 2 Minuten

Amoklauf eines Springers

von Walter Eigenmann

Über das Schachprogramm LeelaChessZero wurde auch im GLAREAN MAGAZIN schon mehrmals berichtet. Zu welchen „strategischen“ Höhenflügen diese NN-Software, die Ende Dezember 2017 ihren Siegeszug im Schlepptau des KI-Programmes AlphaZero antrat, in der Lage ist, zeigte sich wieder im sog. „Superfinale“ des Internet-Engine-Turnieres TCEC (2021).

In dieser „Top Chess Engine Championship“ werden – für Computerschach-Verhältnisse – überdurchschnittlich lange Bedenkzeiten angewendet. Das macht den Wettbewerb zwar noch anfälliger für Remis-Ergebnisse, zeitigt aber gleichzeitig eine Schachqualität von extrem hohem Niveau.

So kam es in dem TCEC-Superfinale 2021 zwischen den beiden Finalisten LeelaChessZero und Stockfish zu folgender Position:

LCZero (69626)  – Stockfish (20210713)
Weiß am Zuge

Schachzug der Woche (2) - 4. August 2021 - GLAREAN MAGAZIN (Walter Eigenmann)FEN: 2rq1rk1/1b1nbpp1/p3p2p/1p1pP2P/1P1B4/P2BQN2/5PP1/R4RK1 w

In dieser Stellung setzte LeelaChessZero als Weißer zu einem regelrechten Amoklauf des Springers an: Über vier Stationen und das ganze Brett hinweg landet die Figur schließlich auf der gegnerischen Grundreihe, wonach die Stellung des Schwarzen praktisch aufgabereif ist.

Hier geht’s zur Analyse der Stellung, inkl. Download als PGN-Datei

Es wundert nicht, dass solchen „strategischen Meisterleistungen“ das Attribut „menschlich“ zuerkannt wird. Wenn wir dann noch den Line-Output untersuchen, den Lc0 in der Ausgangsstellung produziert, ist sofort ersichtlich, dass die Engine und ihr NN-Netzwerk nicht zufällig auf diese Springerwanderung verfiel, sondern deren Stationen tatsächlich „vorausgedacht“ hat.

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Ob die vom Menschen kreierte Umschreibung „strategisch“ im Zeitalter des Computers noch angebracht ist, wird schon lange unter den Schachtheoretikern kontrovers diskutiert. Denn zuweilen entpuppt sich in der Engine-Analyse die „Strategie“ als bloß „Tiefe Taktik“. Nur halt nicht für den beschränkten Berechnungshorizont des Menschen… ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Schach auch über Taylor Kingston: Edgard Colle – Caissa’s Wounded Warrior

Außerdem zum Thema Schachtaktik: Das Schach-Alphabet: Buchstabe A

Rainer Wedler: Die Versuche des Rudolph Anton R. (Roman)

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 4 Minuten

Dechiffrierende Stenogramme

von Walter Eigenmann

Der Karlsruher Schriftsteller Rainer Wedler legt mit „Die Versuche des Rudolph Anton R.“ einen neuen Prosa-Band vor. Auf 176 Buchseiten breitet Wedler eine Fülle von grotesken bis absurden, oft aberwitzigen, doch auch zärtlichen, teils analytischen, dann wieder erotischen Stenogrammen aus. Entstanden ist eine kaleidoskopische Dechiffrierung des Innen- und Außenlebens eines jungen Schriftstellers – Autobiographisches nicht ganz ausgeschlossen…

„Erzählst du mir eine Geschichte?
Sie rollt sich neben mich und trommelt auf meinen Bauch, der ein kümmerlicher Schallkörper ist.
Aus meinem Leben oder fiktiv?
Kann man das trennen?
Nein.
Was aber soll ich erzählen, ohne zu langweilen?“ (S. 96)

Rainer Wedler: Die Versuche des Rudolph Anton R. (Roman), Pop-VerlagInhaltliche Stränge (oder Strenge), Figuren-Entwicklungen, Literarische Bekenntnisse, Politisches Kalkül, Sozial-Analyse, Exquisite Schauplätze, Knatternde Sprache, Vielfalt der Szenarien, oder auch nur unterhaltsames Erzählen, verbunden mit ordentlich Sex&Crime – solcherlei „gewöhnliche“ Prosa-Ingredienzien mag für „gewöhnliche Literatur“ ausreichen, um breit goutiert, also erfolgreich zu sein.
Bei dem 79-jährigen Autor Rainer Wedler findet sich, nach zahlreichen Roman-, Kurzprosa- und Lyrik-Büchern, inzwischen nichts mehr davon. „Die Versuche des Rudolph Anton R.“, der neueste Wedler, erscheint jenen, welche die Entwicklung dieses produktiven Dichters verfolgt haben, vielmehr als regelrechtes Alterswerk. Verknappt, verdichtet auf viele heterogene Psycho-Stenogramme, legiert in zahllose kleinere, teils nur ein paar Zeilen lange Abschnitte, und eingedampft mittels Kurz-Sätzen mit kaum Kommata und vielen Punkten – so schlingert sich das Leben des Protagonisten R. A. Ringelretz durch dessen Reflexionen, die nie erklären, sondern immer nur konstatieren. Und gerade dadurch erhellen.

Autopsie eines Schriftstellerlebens

Rainer Wedler - Schriftsteller - Glarean Magazin
Rainer Wedler (geb. 1942)

Wedlers Prosa – ich tue mich schwer, diese „Versuche“ Roman zu nennen – ist von einer derart gereiften, eloquenten, fokussierten Qualität, dass man schier schon gefesselt ist allein vom sprachlichen, weniger vom inhaltlichen Geschehen: „Stille. Heiliggeist schlägt zehn Mal, das dauert. Stille. Die dauert.“ In diesem Buch passiert ständig etwas – aber kaum je etwas Erwartetes. Und ob all das Unerwartete eine innere Kohärenz hat, könnte allein eine ausgedehnte Binnenanalyse aufzeigen.
„Die Versuche des Rudolph Anton R.“ ist ein einziges, man muss es so banal ausdrücken: Lesevergnügen. Keine Belehrung, keine Durchleuchtung, keine Analyse. Allenfalls die Autopsie eines Schriftstellerlebens, das sich abspielt in „Phantasmagorien, die über mich kommen und mich spalten“. Wie gesagt: Autobiographisches nicht ganz ausgeschlossen…

Das Wedlersche Schreiben, sein exaltiertes Assozieren und Illustrieren, sein sprunghaft-ungezähmtes Verbinden entlegendst-heterogener Denk- und Gefühlsinhalte wird nicht jede Leserschicht vorbehaltlos entzücken. Das Vergnügen an dieser Literatur ist direkt proportional der Fähigkeit, sich dem Sog einer geradezu sezierenden Sprache auszuliefern.

Eines der vielen Sprachspiele – alias erotisches Geplänkel – in diesem „Roman“ geht so:

„Ich weiß es und ich weiß, dass sie es weiß. Mit der Sprache kommen wir nicht weiter. Die Zeit zerdehnen kann sie zerreißen.
Das Spiel beginnt.
Sie zieht ihr T-Shirt über den Kopf, die Haare verwirren sich, ich reiße mein Hemd auf, dass die Knöpfe nur so springen, werfe es ihr über den Kopf, sie schüttelt es weg, ihre Bällchen hüpfen.
Nach einer halben Stunde steht es eins zu eins.“

Virtuos und phantasievoll

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Rainer Wedlers extrem wortschatzreiches, dabei mit durchaus Situationskomik durchzogenes, auch regelmäßig mit zynischem Schmunzeln hinter vorgehaltener Hand angereichertes Buch, wie es virtuos und phantasievoll, aber auch mit viel distanzierter Kälte die Irrungen und Wirrungen eines vom Leben (und den Frauen) überraschten Literaten zelebriert, wird so manchen Leser verständnislos zurücklassen. Es sei denn, er vermag auf einer Meta-Ebene mitzulesen. Dort wo die Sprache selber zum Ereignis wird.

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Man wird auf dem modernen Literaturmarkt nur wenige Bücher finden, die so künstlerisch und zugleich so verantwortungsvoll und so präzis mit dem Wort umgehen wie diese „Versuche des Rudolph Anton R.“. Hier fährt einer die Ernte eines jahrzehntelangen, geduldigen, sorgfältigen, auch exzessiven Umgangs mit dem Ausdrucksmittel Sprache ein. Nirgends schiefe Bilder, nie ein richtiges Wort am falschen Ort, keine lustig-flachen Sätze. Jeder Buchstabe sitzt und klingt. Noch nicht mal lautmalerische Holprigkeiten, geschweige denn semantisches Langweilen mittels Wiederholungen oder Betonungen oder Insistierungen. Wedler schreibt üppig – aber nichts ist überflüssig. Sorgfalt in jedem Satz, schätzungsweise nach einem sehr langen Entstehungsprozess.
Die kreative Sprunghaftigkeit dieses „Romans“ über den Schriftsteller Rudolph Anton Ringelretz hat tatsächlich etwas von Ringelnatz an und in sich. Doch die schwerelose Virtuosität und der Assoziationsreichtum dieser Sprache macht sie zu einem singulären Erlebnis über jeden absurden Witz hinaus.
Ja: Ein Lesevergnügen. Und: Am Ende des Buches ist man nicht schlauer. Aber klüger. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Moderne Romane auch über Klaus Modick: Fahrtwind

Bernd Stegmann (Hrsg): Handbuch der Chormusik

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 4 Minuten

Ein Kompendium „klassischer“ Vokalwerke

von Walter Eigenmann

Mit der Umschreibung und Einordnung von über 800 bedeutenden (oder zumindest bemerkenswerten) Chorwerken aus sechs Jahrhunderten, also aus der Früh-Renaissance bis heute und von Clémant Janequin (†1558) bis zu Jake Runestad (*1986), legen die Verlage Bärenreiter und Metzler mit ihrem neuen Kompendium „Handbuch der Chormusik“ einen eindrücklichen Tour d’Horizont durch den gemeinschaftlichen Kunstgesang aller Zeiten hin. In den Fokus gezogen wurde dabei das instrumental unbegleitete Chorstück bzw. das Vokalwerk mit wenig Begleitinstrumentarium (Cembalo, Klavier, Orgel).

Handbuch der Chormusik - 800 Werke aus sechs Jahrhunderten - Bernd Stegmann - Bärenreiter VerlagDer Band ist offensichtlich rein lexikalisch konzipiert, soll also als Nachschlagewerk fungieren: Nicht chronologisch oder stilistisch oder kategorial sind die 800 Werkportraits angeordnet, sondern alphabetisch nach den Komponisten. Gleichwohl enthält ein Register im Anhang die übliche Themen-Liste verwandter Lexika („Tod/Leben“, „Nacht/Tag“, „Jahreszeiten“, „Liebe“ u.a.) sowie eine Übersicht auf alle Textautor/inn/en – womit auch musikgeschichtlich Interessierte schnell zu den einschlägigen Buchseiten manövrieren können.

Im Fokus: Das individuell gestaltete Kunstwerk

Herausgeber Bernd Stegmann umreißt die grundsätzliche Intention des Handbuchs so: „Die Autorinnen und Autoren stellen das individuell gestaltete Kunstwerk in den Vordergrund und nicht so sehr sein Aufgehen in einer musikhistorischen Entwicklung. Daher wurde anstelle übergeordneter gattungspezifischer oder historisch orientierter Darstellungen auf erhellende Schlaglichter gesetzt“.
Dabei werden jeder einzelnen Werkbesprechung die Angaben zum Entstehungsjahr, zum/r Textdicher/in, zur Besetzung, zur Dauer und zum Verlag des Erstdrucks vorangestellt.

Handbuch der Chormusik - Bernd Stegmann - 800 Werke aus sechs Jahrhunderten - Bernd Stegmann - Beispiel-Seite - Rezension Glarean Magazin
Beispiel-Seite aus B. Stegmann (Hrsg): Handbuch der Chormusik – 800 Werke aus sechs Jahrhunderten – Bärenreiter-Metzler Verlag 2021

Die Portraits der Einzelstücke selber sind durchwegs zwar konzentriert auf ihren wesentlichen musikalischen Gehalt, aber sowohl informativ bezüglich Entstehungsgeschichte und zudem (z.B. für Dirigenten) oft sogar hilfreich, wo sie nicht nur Angaben zur kompositorischen Struktur, sondern auch Tipps zur Chordidaktik oder zur modernen Aufführungspraxis enthalten.

Informativ und sorgfältig

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Natürlich impliziert jede Titel-Auswahl immer auch eine gewisse Subjektivität bzw. musikalische Präferenz der involvierten Verfasser – ausnahmslos kompetente Experten ihrer Fachgebiete -, und nicht bei jedem Werkportrait lässt der Umfang der Besprechung nachvollziehbar auf die Bedeutung oder Aktualität des betr. Chorstückes schließen. Andererseits stellte die Beschränkung auf 800 Stücke bzw. Liedersammlungen angesichts einer erschlagenden Fülle von -zig Tausenden heute verfügbarer hochqualitativer Chorwerke zweifellos eine besondere Herausforderung dar für Herausgeber und Mitarbeiter – eine Aufgabe, der dieses Kompendium inhaltlich sehr informativ und lexikalisch sorgfältig nachkam.

Bereicherung des Chor-Bücherregals

Handbuch der Chormusik - Bernd Stegmann - 800 Werke aus sechs Jahrhunderten - Bernd Stegmann - Inhaltsverzeichnis - Rezension Glarean Magazin
„Handbuch der Chormusik“: Inhaltsverzeichnis

Zwei Dinge kann der Leser bedauern: Der über 720 Seiten starke Band enthält keine einzige Noten-Illustration (was angesichts der inhaltlichen Materialfülle allerdings verständlich ist); außerdem werden heutzutage so schwergewichtig praktizierte Chorgattungen wie Pop oder Jazz komplett ausgeblendet. Möglicherweise sind aber diese beiden Musiksparten ja Gegenstand eines zweiten, ähnlich sorgfältig konzipierten und fachlich instruktiven Bandes der beiden Verlagshäuser? Zusätzliche, möglicherweise jüngere Leserschichten wären einem solchen Folgeprojekt wohl garantiert.

Inhaltliche Qualität und lexikalische Sorgfalt

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Mit seinem stolzen Buchpreis von über 90 Euro richtet sich dieses eindrückliche Nachschlagewerk nicht an den/die Amateur-Durchschnittssänger/in. Für alle anderen aber stellt dieses Handbuch eine wirkliche Bereicherung des modernen Chor-Bücherregals dar: Die Qualität der Beiträge, das Spektrum der behandelten Vokalstücke und die lexikalische Sorgfalt dieses Nachschlagewerkes sind vorbildlich und bieten jedem/r Chorinteressierten, ob Dirigent/in, Sänger/in, Hörende/r oder Studierende/r eine Fülle von Informationen, Anregungen, Tipps und Inspirationen rund um das enorm facettenreiche Gebiet des Singens im Ensemble. ♦

Bernd Stegmann (Hrsg): Handbuch der Chormusik – 800 Werke aus sechs Jahrhunderten, 718 Seiten, Bärenreiter/Metzler Verlag, ISBN 9783761823422

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Chormusik auch: Chorgesang und kognitive Fähigkeiten (Musik-Psychologie)

… sowie zum Thema Musik im Alter: Handbuch der Seniorenchor-Leitung (Kai Koch)