Kopf des Monats: Franz Kafka (Scherenschnitt)

Zum Geburtstag von Franz Kafka

Franz Kafka - Scherenschnitt von Simone Frieling (Juli 2017 - Glarean Magazin)
Franz Kafka – Scherenschnitt von Simone Frieling (Juli 2017 – Glarean Magazin)

3. Juli 1883: Franz lernt krabbeln

Die Mainzer Schriftstellerin und Künstlerin Simone Frieling stellt im Glarean Magazin jeweils einen «Kopf des Monats» in Form von Scherenschnitten vor.
Diesmal: Franz Kafka, den berühmten Autor von „Der Prozess“, „Das Schloss“, „Der Verschollene“, „Die Verwandlung“ u.v.a.

© Copyright 07/2017 by Simone Frieling

Super-Schach aus China: Das GM-Turnier in Danzhou

Chinesische Blüten in Remis-Wüsten

von Walter Eigenmann

Bilck auf das urbane Danzhou in der chinesischen Provinz Hainan mit ca. einer Million Einwohner
Bilck auf das urbane Danzhou in der chinesischen Provinz Hainan mit ca. einer Million Einwohner

Vorgestern endete im chinesischen Danzhou (Provinz Hainan) das achte Super-Großmeister-Turnier 2017 mit Teilnehmern der Welt-Spitzenklasse. Neben wenigen Europäern (und keinem Amerikaner) registrierte man im exquisiten 10-köpfigen Spielerfeld sechs Spieler aus China und Vietnam. Welchen Aufschwung das chinesische Schach in den letzten Jahren hingelegt hat, zeigt ein Blick auf die aktuelle Rangliste des erlauchten Kreises der sog. Super-Großmeister (= 2700 ELO-Punkte und mehr), wo sich jetzt gleich drei Spieler aus dem Reich der Mitte in den Top-15 tummeln.

Fulminanter Sieg des Youngsters

Und diese drei, nämlich Ding Liren, Yu Yangyi und Wei Yi ließen es sich denn auch alle nicht nehmen, hier quasi mit Heimvorteil an den Start zu gehen – und prompt dominierte einer von ihnen das gesamte Gegnerfeld doch deutlich. Denn Sieger Wei Yi, notabene der jüngste in der Runde mit seinen 18 Jahren, verlor kein einziges der neun Games, gewann aber vier Partien und setzte sich mit einem klaren Plus-Punkt bei 6,5 Gesamtpunkten vor den Vietnamesen Le Quang Liem und Chinas Spitzenmann Ding Liren.

Die Schlussrangliste des GM-Turnier Danzhou 2017 (Wertungen: Wtg1 = Direkte Begegnung, Wtg2 = Sonneborn-Berger-Wertung, Wtg3 = Größere Anzahl Siege)
Die Schlussrangliste des GM-Turniers von Danzhou 2017 (Wertungen: Wtg1 = Direkte Begegnung, Wtg2 = Sonneborn-Berger-Wertung, Wtg3 = Größere Anzahl Siege)

Wei Yi gilt als „Schach-Wunderkind“ und Chinas größte Hoffnung auf einen Platz ganz zuoberst in der Weltspitze. Zurecht, wenn man sich den zeitlich erst extrem kurzen, aber schachlich extrem weit zurückgelegten Weg dieses Talentes anschaut. Bereits als 14-Jähriger wird er Internationaler Großmeister, gewinnt 2015 das B-Turnier in Wijk aan Zee, kurz darauf die Einzelmeisterschaft seines Heimatlandes (als jüngster Sieger in der Geschichte dieses Turniers), und im März vorigen Jahres erreichte er eine Wertungszahl von 2706 Elopunkten, womit er der jüngste Spieler seit Einführung des Elosystems durch die FIDE ist, der die bereits angesprochene Super-Wertungszahl von 2700 erlangt hat.

Viele Punkteteilungen, wenige Entscheidungen

Wei Yi (rechts) am Tata Steel Turnier in Wijk aan Zee im Januar 2017 gegen Wesley So (die aktuelle Nummer Zwei der Welt hinter WM Magnus Carlsen)
Wei Yi (rechts) am Tata Steel Turnier in Wijk aan Zee im Januar 2017 gegen Wesley So (die aktuelle Nummer Zwei der Welt hinter WM Magnus Carlsen)

Das 8. Danzhou-Turnier 2017 war schachlich geprägt durch teils hochklassige, diesem Spitzenfeld durchaus würdige Partien. Wer allerdings die zahlreichen Unentschieden sieht, die die zehn Ausnahme-Könner generierten, ist versucht auf ein besonders langweiliges Turnier zu schließen. Nun, an das Bild von blutlosen Remis-Wüsten nach Abschluss 9-rundiger Turniere hat man sich ja längst gewöhnt; das schachliche Niveau an der Weltspitze ist mittlerweile derart hoch, die spielerische Differenzierung so knapp, die Eröffnungsvorbereitung so professionell, auch die großmeisterliche Endspiel-Technik derart ausgefeilt, dass inzwischen sogar ausgesprochene Kampfpartien längst nicht mehr zwangsläufig in einer definitiven Entscheidung enden müssen, so wie das in früheren Schach-Jahrzehnten normalerweise der Fall war. Gerade an diesem Danzhou-GM-Turnier 2017 sieht man einmal mehr deutlich den schon von Capablanca oder Fischer visionär angekündigten „Remis-Tod des Schachs“ winken. Buchstäblich sinnbildlich verdeutlicht dies übrigens auch das Foto links oben: Inmitten weiter Beton-Flächen ein paar Grün-Streifen…)

Top Chess Shots aus dem Reich der Mitte

Knöpft man sich die spärlichen Danzhou-Gewinnpartien mal mit modernen Taktik-Monstern, sprich der neuesten Generation von Schachprogrammen wie Stockfish, Komodo oder Houdini vor, so fördert das bei allem Remis-Frust durchaus herrliche Top Shots ans Tageslicht. Wobei auf diesem Niveau selten die Rede ist von Hauruck-Opfern oder sonstigen Überfällen aus heiterem Himmel. Es geht vielmehr um die nachhaltige Stichelei, um filigrane Florettkunst, um den nur zentimeterweisen, aber bleibende Schäden hinterlassenden Grabenkampf. Das ist mitunter bewundernswerter als die 7-zügige Mattkombination.
Nachstehend sei darum eine kleine Auslese präsentiert von derartigen gloriosen Zügen aus dem Reich der Mitte – einem China, das nicht nur als führende Wirtschaftsmacht längst dem Rest der Welt davonzog, sondern sich auch gerade anschickt, die Welt der 64 Felder zu erobern… ♦

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Wendel Schäfer: Das verhinderte Spektakel (Kurzprosa)

Das verhinderte Spektakel

Wendel Schäfer

Jens Uwe, der Juwe, war ein echter Norder. Hoch gewachsen, die Füße in Schuhen wie Flusskähne und an den langen Armen Hände wie Flossen. Maria war aus dem Süden. Bis auf ihre Rundbacken mit Grübchen ohne besonderen Kennzeichen. Mitten im Land trafen beide aufeinander. Zu Kursen in einer Massageschule. Das Treffen gestaltete sich so lebhaft, dass sie sich fürs ganze Leben versprechen wollten. Unter der Bedingung, dass Jens Uwe mit ihr in den Süden zog. „Hier oben ist alles so platt und langweilig und immer zu viel Wind um den Kopf“.
Also zog Juwe mit seiner Maria in den Süden. Und fühlte sich gleich unwohl. Allein schon wie sie hier unten ihm hinten das Juweee lang zogen, dass es ihm im Kopf und Bauch weh tat. Mit Massage konnten beide hier im Städtchen nichts beginnen. Maria ging in eine Großwäscherei. Jens Uwe zur Post.
Größe und Riesenhände wusste der Postler geschickt einzusetzen. Im Handball. Handball spielte er schon in seiner Jugend oben im Dorfverein. Hier unten konnte er seine Wurftechnik so verfeinern, dass er für den Verein rasch unentbehrlich wurde. Gefürchtet waren seine Aufsetzer. Sie sprangen dem Torwart um den Leib herum, weil die Bälle mal nach links und rechts gedreht aufsetzten. Damit stieg der Verein zweimal hintereinander auf und der Juwe zum Trainer erst der Jugend-, dann einer Damenmannschaft. Und sollte bald die Erste trainieren. Als der tüchtige Trainer fast alle Damen durch hatte, jagten sie ihn fort. Seine Maria war ihm schon etwas früher davon gelaufen. Und als Beamter ging so etwas schon gar nicht.
So hatte er sich nun allein durchzuschlagen und bezog eine bescheidene Behausung am Berghang. Und als er nach mühseligen Postler-Jahren vorzeitig in Pension musste, die Gelenke wollten nicht mehr richtig, wurde es für den Juwe noch enger, und er nahm sich immer mehr zurück. Selten sah man ihn im Ort Besorgungen machen. Die meiste Zeit strich er durch Wiesen und Wälder und kam nie ohne ein Bündel Brennholz zurück. Die Winter gerieten meist hart hier unten. Von Maria sah und hörte er nichts mehr. Vielleicht war sie ja auch schon gestorben.
In diesem Jahr war es wieder so weit. Das große Hexenfest. Alle fünf Jahre geriet das Städtchen in fiebrige Aufregung. In der Not des Dreißigjährigen Krieges kam es auf das Spektakel und hielt es bis heute bei. Jens Uwe hasste es, wenn ein ausgesuchtes Opfer den makabren Spuk über sich ergehen lassen musste: Mit Bier, Tamtam und Gejohle holten sie eine Alte ab, setzten sie auf dem Leiterwagen auf ein Jauchefass, stülpten ihr Sackleine über, verrieben Asche in ihr Gesicht, zerzausten das Haar und verbrachten die unsägliche Fracht mitten auf den Marktplatz. Dort war ein Holzstoß aufgebaut, und davor wurde der Hexenwagen abgestellt. Bei hereinbrechender Dunkelheit steckten sie den Scheiterhaufen in Brand, dass es der Alten rot im Gesicht leuchtete und die Haare aufwehten. Dabei tanzten die meist jungen Männer um Wagen und Feuer bei Blasmusik, Wurst und Bier. Einem Fremden, einem zufälligen Gast gab einer auf sein Erstaunen die Antwort in bemühtem Hochdeutsch: „Die haben wir früher richtig verbrannt“ und ließ den Fremden, bestimmt einer von oben, mit offenem Mund stehen. Nach dem Verlöschen des Feuers brachte man die Arme zurück in ihre Behausung, und das Hexenfest wurde noch bis zum Morgengrauen tüchtig gefeiert bei Haxen, Schwof und Bier.
Jens Uwe bekam heraus, dass es diesmal eine Alte aus der Nachbargemeinde treffen sollte. Sie war im Heimatblättchen als Maria B. abgebildet. Ihm stockte der Atem. Das war Maria. Seine Maria. Und nicht nur wegen der Grübchen. Es bestand kein Zweifel. Und Jens Uwe, der Juwe, fasste einen Plan. Diesmal wollte man die Unglückliche mit der eingleisigen Bummelbahn aus dem Nachbarort abholen. Bei hereinbrechender Dunkelheit mit Musik, Fackelschein und Bier.
Unterhalb seiner Hütte musste der Zug um eine Felsnase herum durch eine Fichtenschonung. Hier wollte Jens Uwe seine Hexe aufs Geleis bringen. Der Lokführer konnte das Hindernis nur im allerletzten Augenblick erkennen und nicht rechtzeitig bremsen. Jens Uwe stülpte zwei Heuballen übereinander, setzte eine runde Pappschachtel oben auf, schlug Stoff wie ein Kopftuch darüber, zwei rote Äpfel als Augen, eine lange Möhre die Nase. Dazu steckte er einen Reisigbesen an die Seite und verbarg sich dann im Gebüsch.
Bevor der Festzug um die Ecke keuchte, sprang Juwe auf die Schienen und steckte das Heu in Brand. Sofort stand alles lichterloh in Flammen. Mit schrillen Pfiffen und kreischenden Bremsen krachte der Zug in den Feuerball. Das Hexengebilde zerplatzte, und Funken und Feuerstöße stoben in die Dunkelheit. Polizei, Rettern und Wehrleuten konnte der Lokführer nur ein „Hex, Hex“ entgegenstammeln. Andere weiter vorn im Zug wollten Feuergeister gesehen haben. Wieder andere machten Gespenster aus. Auch leibhaftige Teufel. Und einer hat sogar eine Hexe auf einem Besen reitend durch die Luft fliegen gesehen.
Mit diesem feurigen Spuk war das Fest beendet. Und das Spektakel für alle Zeit verboten.
Für den Postler Jens Uwe war es ein Leichtes, die Adresse von Maria B. auszumachen, um ihr einen knappen Brief zu schreiben. Unterzeichnet mit J. U.
Maria las, verstand, lächelte und gab das Papier ins Feuer. ♦


Wendel SWendel Schäferchäfer

Geb. 1940 in Bundenbach/D, Studium der Grund-, Haupt- und Sonderschul-Pädagogik in Koblenz und Mainz, langjährige Unterrichtstätigkeit in der Lehrerbildung, zahlreiche Buch- und Zeitschriften-Publikationen, umfangreiche Verbands- und herausgeberische Aktivitäten, lebt als Schriftsteller in Boppard/D

Lesen Sie auch von Wendel Schäfer: „Über den Kopf“

50-Euro-Musik-Kreuzworträtsel (Juli 2017)

Der neue Preisrätsel-Spaß

In regelmäßigen Abständen schreibt das Glarean Magazin ein Preisrätsel aus – diesmal wieder aus der Welt der Musik. Wer als erste/r die vollständige Lösung des untenstehenden Musik-Kreuzworträtsels einreicht, erhält 50 Euro (Ausland) bzw. 50 Franken (Schweiz).
Das neue 50-Euro-Musik-Kreuzworträtsel kann (via Druck-Funktion des Browsers) ausgedruckt, ausgefüllt und anschließend als Scan-Grafik mit einem Link via „Kommentar“ eingereicht werden.
Weitere Möglichkeit: Alle Lösungswörter werden mit ihren passenden Waagrecht-/Senkrecht-Nummern via „Kommentar“ geschrieben. – Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Einsende-Schluss ist am 15. Juli 2017 (13 Uhr)

Viel Spaß und Erfolg!

Das neue 50-Euro-Musik-Kreuzworträtsel (Juli 2017)
Das neue 50-Euro-Musik-Kreuzworträtsel (Juli 2017)

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Gerhard Kubik: Die Psychotricks der Schachprofis

Schöne Verpackung, enttäuschender Inhalt

von Thomas Binder

Gerhard Kubik: Die Psychotricks der Schachprofis - Analyse der Schach-WM 2016 - BoDFrüher war das Schreiben von Schachbüchern ein Privileg der herausragendsten Spieler. Seit einigen Jahren beobachte ich den Trend, dass auch Autoren, deren eigene Spielstärke weit von der eines Großmeisters entfernt ist, mit interessanten Publikationen an die Öffentlichkeit treten. Sie finden ihre Nische in spezialisierten Einzelthemen oder einem bisher unbeachteten Blickwinkel. Damit wird die Schachliteratur – E-Books und größere Internet-Publikationen einbegriffen – um wertvolle Nuancen bereichert.
Mit dem Österreicher Gerhard Kubik schickt sich ein weiterer Autor an, die Bücherschränke der Schachwelt zu erobern. Seine Spielstärke liegt knapp unter 2000 Elo-Punkten. Die schachliche Vita des 54-Jährigen zählt regionale Jugenderfolge in den 1980er Jahren und Teilnahmen an offenen Turnieren auf. Auch als Trainer ist Kubik engagiert. Er ist FIDE-Instructor und österreichischer B-Trainer.
Leider ist zu seiner Qualifikation als Pädagoge oder Psychologe nichts gesagt. Hier hat er sicher einen fundierteren Hintergrund als im rein schachlichen Bereich. Immerhin hat er ein weiteres Buch über die „Vorteile des spirituellen Schachs“ geschrieben, dazu wüsste ich gern mehr…

Geweckte Erwartungshaltung nicht befriedigt

Nun zum vorliegenden Werk. Es trägt auf dem sehr ansprechend gestalteten Cover gleich zwei Titel: „Die Psychotricks der Schachprofis“ und „Analyse der Schach-WM 2016“. Genau diese beiden Titel sind nun aber das Problem des Buches – denn sie wecken eine Erwartungshaltung, der es in keiner Weise gerecht werden kann.
Was leistet der Autor bei der Analyse der WM zwischen Carlsen und Karjakin? In den Wochen nach jenem Zweikampf im November 2016 sind in wohl jeder Schachzeitung ausführliche Besprechungen aller 16 Partien mit fundierten Analysen, computergeprüften Varianten und mehr oder weniger tiefgreifenden Wortkommentaren erschienen. Hinzu kommen zahlreiche Online-Veröffentlichungen auf Webseiten, in Blogs und als Video.
Kubik bleibt sehr deutlich hinter all diesen Angeboten zurück. Er bringt die Partien in vollständiger und völlig unkommentierter Kurznotation. Dazu gibt es jeweils zwei Diagramme, die entweder die selbe(!) Stellung zeigen oder sich um genau einen Halbzug unterscheiden. Das erste Diagramm füllt dabei eine ganze Seite, ergänzt um eine Frage wie „Mit welchem weltmeisterlichen 19. Zug erhöht Schwarz die Spannung?“ Auf der Folgeseite wird dann noch einmal diese Stellung gezeigt, jetzt eingebettet in den gesamten Partieverlauf mit einem sehr knappen Wortkommentar. Falls es sich um eine ausgelassene Möglichkeit handelte, wird die Alternative als kurze Variante angegeben, der Leser aber mit einer schachlichen Bewertung weitgehend alleingelassen.

Wenig Neues und kaum Inhalte

Sergej Karjakin gegen Weltmeister Magnus Carlsen (rechts) an der Schach-WM 2016
Sergej Karjakin gegen Weltmeister Magnus Carlsen (rechts) an der Schach-WM 2016

Und was ist mit den Psychotricks? Nun, mit „Schachprofis“ können naturgemäß nur die beiden Protagonisten des WM-Kampfes gemeint sein. Allerdings waren „Psychotricks“ nun gerade nicht das bestimmende Element des hier besprochenen Wettkampfes.
Immerhin hätten beide Spieler aufgrund ihrer Persönlichkeit auch auf dieser Ebene viel interessanten Stoff geboten. (Auf eine umfassende psychologische Analyse z.B. von Carlsens Fähigkeit, minimale Stellungsvorteile zu einem gewonnenen Endspiel zu verstärken, warten wir seit Jahren).
Kubik gibt zu jeder Partie einen kurzen Abriss von gut einer Seite. So wird der gesamte WM-Kampf Tag für Tag nachgezeichnet. Wir erleben die Wendepunkte des Matches und diejenigen jeder einzelnen Partie. Dabei kommen auch einige schachliche Betrachtungen zur Eröffnungswahl und zu den kritischen Momenten der Partie zur Sprache – alles in allem bleibt das Buch auch hier sehr an der Oberfläche.
Am Ende einer jeden Partie steht dann ein so genannter „Psychotrick“, aus dem der Leser anhand der gezeigten WM-Partie Schlüsse für die eigene psychologische Partieführung ziehen soll. Viel Neues gibt es dabei nicht. Den Hinweis, die Bedenkzeit vor allem für strategische Übergänge und taktische Berechnungen zu investieren, wenn es notwendig ist, danach aber zügig weiter zu spielen, habe ich jedenfalls schon anderswo gelesen – auch jenen, dass man bei gegnerischer Zeitnot die Stellung kompliziert halten soll.
Sehr viel Stoff ist das also nicht. Zieht man die Partienotationen – von Analysen kann ich wirklich nicht sprechen – und die Diagramme ab, komprimiert man also den überreichlich vorhandenen Leerraum auf ein normales Maß, so bleiben schließlich weniger als 30 Seiten „echter Inhalt“. Das ist angesichts der Erwartungshaltung nach dem Titelcover und dem Werbetext deutlich zu wenig.

Interessantes Thema, verfehlte Realisierung

Fazit-Banner - Glarean Magazin
„Die Psychotricks der Schachprofis“ von Gerhard Kubik lässt den WM-Kampf zwischen Carlsen und Karjakin im November 2016 Partie für Partie Revue passieren. Die psychologischen Analysen sind interessant, bleiben aber dennoch zu oberflächlich. Die Präsentation der WM-Partien geht praktisch nicht über das Niveau unkommentierter Notation hinaus. Alles in allem: Ein entbehrliches Buch.

Kubiks Motiv ist gewiss interessant und verdient einen anderen Rahmen als dieses Buch. Er sollte seine Leitsätze mit ausführlich kommentierten Beispielen aus der Praxis der Schachprofis vertiefen, ohne sich auf das Material eines einzigen WM-Kampfes zu beschränken. Auch seine eigenen Erfahrungen als Spieler und Trainer ergeben bestimmt viele interessante Einsichten. Insofern sei der Autor ermutigt das Thema mit einem anderen Ansatz neu aufzunehmen. Dann wird es sicher dankbare Leser finden. ♦

Gerhard Kubik: Die Psychotricks der Schachprofis – Analyse der Schach-WM 2016, Books on Demand, 92 Seiten, ISBN 978-3743191051

Leseproben

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Vier einfache Sudoku-Rätsel (Juli 2017)

Das unbeschwerte Zahlen-Puzzle-Knobeln

von Walter Eigenmann

Vier sehr einfach Sudoku-Zahlen-Rätsel zum Ausdrucken (Juli 2017 Glarean Magazin)
Vier sehr einfach Sudoku-Zahlen-Rätsel zum Ausdrucken (Juli 2017 Glarean Magazin)

Zum Lösen drucken Sie obige Grafik aus!

Copyright 7/2017 by Walter Eigenmann / Glarean Magazin

Die Rätsel-Lösungen zum Ausdrucken (pdf)

Sudoku – die Regeln

Ein Sudoku besteht aus 9 x 9 Feldern, die zusätzlich in 3 x 3 Blöcken mit 3 x 3 Feldern aufgeteilt sind. Jede Zeile, jede Spalte und jeder Block soll alle Zahlen von 1 bis 9 jeweils genau einmal enthalten.

In ein paar der Felder sind bereits Zahlen vorgegeben. Bei einem Sudoku darf es nur eine mögliche Lösung geben, und diese muss rein logisch gefunden werden können.

Peter Fahr zum Rassismus in der Schweiz

Weisses Kreuz auf braunem Grund?

von Peter Fahr

Eine Vermehrung des materiellen Wohlstandes – das soll einmal grundsätzlich festgestellt sein – bewirkt in gar keiner Weise ein echtes moralisches Wachstum. (Mahatma Gandhi)

Eine Welle des Fremdenhasses überrollt das Land. In einer Zeit, in der die Flüchtlingsströme der Zweiten und Dritten Welt vermehrt in die Erste fliessen, verschärft die Schweizer Regierung in verschiedenen Anläufen mit dem Segen des Volkes das Asylgesetz und schickt die Armee an die Grenze, um illegale Einwanderer abzufangen. Die humanitäre Tradition des reichsten Landes der Welt erschöpft sich in der Ghettoisierung der Asylsuchenden und in abgedroschenen Floskeln der Politiker. Afghanische, äthiopische, syrische und andere Männer, Frauen und Kinder, die vor politischer Verfolgung, Kerker, Folter, Streu-, Phosphor- und Gasbomben zu uns fliehen, finden hier oft nur gegen den massiven Willen der ortsansässigen Behörden und Bevölkerung ein provisorisches Zuhause. Die neuen Nachbarn sprechen ihnen das Recht ab, an unserer Gesellschaft teilzuhaben.

"Flüchtlinge werden nicht angenommen, sondern geduldet; sie werden nicht in die Gemeinschaft integriert, sondern ausgegrenzt". Bild: Flüchtlinge aus Eritrea während ihrer selbstmörderischen Bootsfahrt übers Mittelmeer nach Europa (Glarean Magazin)
„Flüchtlinge werden nicht angenommen, sondern geduldet; sie werden nicht in die Gemeinschaft integriert, sondern ausgegrenzt“. Bild: Flüchtlinge aus Eritrea

Flüchtlinge werden nicht angenommen, sondern geduldet; sie werden nicht in die Gemeinschaft integriert, sondern ausgegrenzt. Arbeit hat es für sie auf dem Bau, im Gastgewerbe, in Reinigungsinstituten und ähnlichen Berufszweigen. Mit ein paar Franken Sackgeld haben sie auszukommen und der Gerechtigkeitssinn mancher Schweizer sähe auch dieses Geld lieber in der eigenen Tasche. Die Wartezeit von der Einreichung des Asylgesuchs bis zum definitiven Bescheid der zuständigen Stellen zehrt an den Nerven und nur wenige Bewerber – das betrifft sogar Kinder, die ganz allein und ohne Eltern unterwegs sind – erhalten schliesslich Asyl. Die anderen werden in Drittländer ausgewiesen oder in ihr Heimatland abgeschoben, wo sie nicht selten im Gefängnis landen und gefoltert werden.

Fanatische Neonazis in der Schweiz

Doch die Ausländerfeindlichkeit begnügt sich nicht mehr mit einer unmenschlichen Asylpolitik, mit Parteiparolen, Hetzkampagnen und der Schaumschlägerei am Stammtisch und in Internetforen. Sie ist über die Mitgliederlisten von Schweizer Demokraten (SD), Aktion für eine unabhängige Schweiz (Auns) und Schweizerischer Volkspartei (SVP) hinausgewachsen und nistet sich ein in den Herzen der Unzufriedenen, Ängstlichen und Zukurzgekommenen. Mussten in den 60er, 70er und 80er Jahren Gastarbeiter und Saisonniers, in den 90er und 00er Jahren Tamilen und Tschetschenen verbale Prügel einstecken und nach Süditalien, Spanien, Griechenland, Sri Lanka und Tschetschenien zurückkehren, bangen die Asylbewerber heute um ihr Leben.

"Ku-Klux-Klan in der Schweiz?" Nächtlicher Fackelzug in Muhen (Aargau) im November 2016 gegen ein geplantes Asylanten-Heim
„Ku-Klux-Klan in der Schweiz?“ Nächtlicher Fackelzug in Muhen (Aargau) im November 2016 gegen ein geplantes Asylanten-Heim

Denn auch die Schweiz hat ihren Ku-Klux-Klan, unverbesserliche und fanatische Neonazis, die nicht nur Konzerte wie jenes in Unterwasser im Toggenburg im Oktober 2016 veranstalten, an denen deutsche Szenebands wie Frontalkraft, Stahlgewitter, Confident of Victory und die Schweizer Gruppe Amok auftreten, sondern auch Flüchtlinge zusammenschlagen oder Brandanschläge auf Asylunterkünfte verüben. Ihre Aktionen erinnern an die nationalsozialistischen der 30er Jahre und machen Schlagzeilen: Drohungen und Anpöbelungen, Brandstiftung und Bombenanschläge, Schlägereien und Totschlag. Während Flüchtlinge bedroht und verprügelt und ermordet werden, steht die Polizei abseits. Sie beobachtet und umzäunt höchstens Durchgangsheime und Asylunterkünfte mit Stacheldraht. Der Bundesrat ruft dazu auf, weitere Gewalttätigkeiten zu verhindern, und die Polizei erwägt zum Schutz der Asylbewerber die Installation von Flutlichtanlagen und Elektrozaun und diskutiert den Einsatz von Hundeführern. Dass diese Massnahmen kontraproduktiv sein könnten, da sie die Heimbewohner von ihrer Umgebung abkapseln und die fremdenfeindlichen Schläger zu neuen Angriffen herausfordern, scheint den Verantwortlichen unerheblich.

Bedachtes Schweigen statt öffentliches Gespräch

Abstimmungs-Plakat der Schweizerischen Volkspartei SVP für ihre Initiative "Masseneinwandung stoppen"
„Was Politiker, Stimmbürger und Beamte in die Wege geleitet haben, wird von Presse, Rundfunk und Fernsehen vernachlässigt oder verharmlost und somit gutgeheissen“: Abstimmungs-Plakat der Schweizerischen Volkspartei (SVP) für ihre Initiative „Masseneinwanderung stoppen“

Wo das öffentliche Gespräch geführt werden sollte, herrscht betretenes oder bedachtes Schweigen. Wo Ursachen- und Präventionsforschung betrieben werden müsste, wird ausgewogen Bericht erstattet. Was Politiker, Stimmbürger und Beamte in die Wege geleitet haben, wird von Presse, Rundfunk und Fernsehen vernachlässigt oder verharmlost und somit gutgeheissen. Die Schlagzeilen verblassen und die Bilder der Stacheldrahtverhaue sind schnell vergessen – es kann zur Tagesordnung übergegangen werden. Offensichtlich spiegeln die Medien bloss eine weitverbreitete satte Zufriedenheit, die Enttäuschung und Wut verheimlicht, eine Selbstherrlichkeit, die sich auch Verletzte und Tote leisten kann. Vermutlich sind nicht wenige Zuschauer, Hörer und Leser insgeheim sogar froh über die gewalttätigen Mitbürger, die es „den Schmarotzern“ endlich mal zeigen.

Lukrative Schweizer Waffenausfuhr in Krisenherde

"Sieg Heil Sieg Heil !" - Versteckte Aufnahmen des Neonazi-Rockkonzertes in Unterwasser (St.Gallen) 2016 (Quelle: BLICK-Video - Screenshot)
„Sieg Heil Sieg Heil !“ – Versteckte Aufnahmen des Neonazi-Rockkonzertes in Unterwasser (St.Gallen) 2016 (Quelle: BLICK-Video – Screenshot)

Die Ausländerfeindlichkeit war bisher latent vorhanden in der Benachteiligung der Ausländer auf dem Arbeitsmarkt, wo diese ungleiche Bedingungen und eine niedrigere Entlöhnung in Kauf zu nehmen haben; in der scheinheiligen Entwicklungspolitik des Bundes, die ein Mehrfaches der Investitionen aus der Dritten Welt herauspresst; im „Bankenbanditismus“ (Jean Ziegler), der die Annahme von Flucht- und Drogengeldern und damit die Mitverantwortung für die Verschuldung der Entwicklungsländer beinhaltet; in der jahrelangen wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit mit Unrechtsregimes wie der Türkei, China und Saudi-Arabien; in der lukrativen Waffenausfuhr in Krisenherde und Diktaturen. Die Gesinnung, die der Unterdrückung und Ausbeutung anderer Völker und Nationen zugrunde liegt, zeigt sich auch in der hartnäckigen Schweizer Weigerung, der EU beizutreten. Diese Gesinnung, die egomanische Verachtung all derer, die jenseits der Grenzen leben, offenbart sich nun in der grausamen Ausländerhetze innerhalb der Landesgrenzen. Wie konnte es so weit kommen?

Ohnmacht

Die gesellschaftliche Orientierungskrise im Zeitalter der Umweltzerstörung – Stichwort Klimakatastrophe – erfasst Privilegierte und weniger Privilegierte. Die Ohnmacht gegenüber dem Lauf der Dinge fördert Unsicherheit und Minderwertigkeitsgefühle, die in Misstrauen gegen Menschen, Schichten, Minderheiten und Ethnien umschlagen, die auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter stehen. Dazu gehören die Ausländer und Flüchtlinge. Der gegen sie gerichtete Hass vermag die eigene soziale Identität aufzuwerten und suggeriert Selbstsicherheit.

Futterneid

Das auf Wettbewerb ausgerichtete westliche Gesellschafts-, Wirtschafts- und Finanzsystem macht aus Menschen Gegner. Der Konkurrenzkampf um Wohnraum, Arbeitsplatz, Privileg und vieles mehr beutelt hauptsächlich un- und halbqualifizierte Arbeitnehmende und sozial schwache Familien; er gipfelt im Futterneid. In der Projektion der eigenen Angst vor einer ungewissen Zukunft auf Ausländer und Flüchtlinge zeigt sich der Versuch, die Machtposition in der Gemeinschaft zu behaupten.

Intoleranz

Die Unternehmer, Global Players und Financiers, die das Medienkarussell – Zeitungen, TV und Internet – mit Strom versorgen, liefern der Masse nur Informationen, die das politische System, das ihre Machtposition ermöglicht, festigen. Demokratie ist gut, solange sie ihre nationalen und transnationalen Machenschaften nicht tangiert. Die Informationsflut, der wir ausgesetzt sind, besteht grösstenteils aus Unterhaltung. Wer sich unterhält, informiert sich nicht. Vorurteile beruhen auf einem Mangel an Information und Wissen. Diese geistige Beschränktheit, dieses Bewusstseinsvakuum begünstigt die Intoleranz gegenüber den Flüchtlingen, über die man sich die schauerlichsten Geschichten erzählt, statt sich über ihre Kultur und ihren Schweizer Alltag zu informieren.

Schuldzuweisung

Die Mitverantwortung des Einzelnen für die bestehenden Missstände wiegt schwer. Gewissen und Handeln klaffen weit auseinander. Diese Schuld wird verdrängt, indem sie delegiert wird. Indem auf andere verwiesen wird, braucht man sich selbst nicht zu hinterfragen. Die Asphaltierung und Zubetonierung der Landschaft beispielsweise, so wird argumentiert, wäre ohne den Anteil der ausländischen Bevölkerung weniger weit fortgeschritten. Der Ausländer wird für das eigene Fehlverhalten haftbar und zum Sündenbock gemacht.

Rassismus

Sowohl die bürgerlichen Parteien wie auch die Sozialdemokraten unterschätzen nach wie vor die sozialen, militärischen und ökologischen Herausforderungen. Sie haben keine wirksamen Programme zur Hand. Viele Wähler sind enttäuscht und suchen neue Leit- und Vorbilder. Auf die komplexen Fragen dieser Zeit geben rechtsextreme Parteien und neonazistische Vereinigungen klare Antworten. Sie bestätigen, statt zu verunsichern. Ihr nationalistisches Weltbild bietet den Verwirrten neuen Halt, ihr rassistisches Gedankengut stärkt die Schwachen. Je grösser die nationalen und globalen Bedrohungen, desto grösser die Sehnsucht nach geordneten Verhältnissen. Angst und Aggression machen sich Luft in der Diskriminierung von Andersartigen. Wer die Ethnien der Ausländer und Flüchtlinge zu degenerierten Rassen erklärt, verbirgt damit die eigene Degeneration.

Eine Welle des Fremdenhasses überrollt das Land. Machen wir uns nichts vor: Die meisten werden aufspringen, um nicht von ihr begraben zu werden. Mögen wir anderen den Mut aufbringen, in die Konfrontation einzutauchen und für die Vertriebenen und Verfolgten einzustehen. ♦


Gedichte zum Thema

von Peter Fahr

Kürzlich

Kürzlich starben
nahe der syrischen Grenze
sieben jordanische Soldaten
bei einem Selbstmordanschlag
und Jordaniens Armee erklärte
die Region zum Kriegsgebiet

Tausende syrische Flüchtlinge
Männer Frauen Kinder
harren seit acht Tagen aus
in der jordanischen Wüste
ohne Nahrung und Medizin
ohne Aussicht auf Rettung

So viele Vertriebene
die Hälfte davon Kinder
sind ausgeliefert der Angst
dem Hunger dem Fieber
und brauchen dringend Hilfe
in der glühenden Hitze

Die Sonne brennt
Haut und Lippen platzen
die Eingeweide verklumpen
der Atem setzt aus
und die leeren Augen
der Verzweifelten brechen

Wir sind Touristen

Sie flüchten mit Booten aufs offene Meer
und viele ertrinken vor diesen Küsten.
Wir stürzen uns in die erfrischende Flut,
als ob wir nichts von den Flüchtlingen wüssten.

Wir liegen am Strand und träumen die Tage.
Wir leben gern. Was gehen uns Tote an?
Mietwagen und Hotelsuite klimatisiert.
Pizza und Pasta. Und ein Bier dann und wann.

Wir erholen uns hier, wir sind Touristen.
Wir cremen uns mit Schutzfaktor 50 ein.
Im Windschatten wachsender Leichenberge
bräunt uns der lampedusische Sonnenschein.


Peter FahrPeter Fahr

Geb. 1958 in Bern/CH, Studium der Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Bern, zahlreiche Lyrik- und Prosa-Veröffentlichungen in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, Autor von Hörspielen, politischen Gedichten und zeitkritischen Essays, Träger verschiedener Literaturpreise, lebt in Bern

Unser Lese-Tipp zum Thema

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