Das Sudoku-Quartett im August 2017

Unbeschwertes Zahlen-Puzzle-Knobeln

von Wal­ter Ei­gen­mann

Vier einfache Sudoku-Rätsel - Aufgaben und Lösungen (August 2017)
Vier ein­fa­che Su­doku-Rät­sel – Auf­ga­ben und Lö­sun­gen (Au­gust 2017) – Co­py­right 2017 by Wal­ter Ei­gen­mann

Hier kön­nen Sie das Rät­sel aus­dru­cken als PDF-Da­tei

Sudoku – die Regeln

Ein Su­doku be­steht aus 9 x 9 Fel­dern, die zu­sätz­lich in 3 x 3 Blö­cken mit 3 x 3 Fel­dern auf­ge­teilt sind. Jede Zeile, jede Spalte und je­der Block soll alle Zah­len von 1 bis 9 je­weils ge­nau ein­mal ent­hal­ten.

In ein paar der Fel­der sind be­reits Zah­len vor­ge­ge­ben. Bei ei­nem Su­doku darf es nur eine mög­li­che Lö­sung ge­ben, und diese muss rein lo­gisch ge­fun­den wer­den kön­nen.

Kno­beln Sie auch un­sere wei­te­ren tol­len Su­doku-Rät­sel im Glarean Ma­ga­zin!


Die Buch-Emp­feh­lung für alle Freunde von schwie­ri­gen Su­doku-Puz­zles:

Sudoku Extrem – 99 Zahlen-Rätsel für Könner und Kenner

Walter Eigenmann: Sudoku Extrem - 99 Zahlen-Puzzles für Könner und Kenner


Die Lö­sun­gen der vier Su­doku-Puz­zles fin­den Sie un­ter —> wei­ter­le­sen

Wei­ter­le­sen

Interessante Buch- und CD-Neuheiten – kurz belichtet

Bemerkenswerte Musik- und Schach-Novitäten

von Wal­ter Ei­gen­mann

Nikola Komatina: Inspiration – Accordion (CD)

Beim Laien, zu­mal beim Lieb­ha­ber so­ge­nann­ter „Volks­mu­sik“ haf­tet dem Ak­kor­deon noch im­mer der Nim­bus des Humm­tata-Hand­or­gelns oder des schmalz-kit­schi­gen Shanty-Schif­fer­kla­viers an. Als kon­zer­tant-vir­tuo­ses Solo-In­stru­ment wird es in der brei­ten Öf­fent­lich­keit noch im­mer zu we­nig wahr­ge­nom­men – al­len­falls noch in sei­ner Funk­tion als Be­stand­teil von mehr oder we­ni­ger am­bi­tiö­sen „Harmonika“-Orchestern.

Akkordeon-Musik vom Barock bis zur Moderne

Nikola Komatina (Akkordeon): Inspiration - Werke von Scarlatti, Bach, Moszkowski, Aho und Zabel (GWK-Records)
Ni­kola Ko­ma­tina (Ak­kor­deon): In­spi­ra­tion – Werke von Scar­latti, Bach, Mosz­kow­ski, Aho und Za­bel (GWK-Re­cords)

Wel­che fa­cet­ten­rei­chen Spiel­tech­ni­ken dem Hand­zug-In­stru­ment Ak­kor­deon je­doch in­ne­woh­nen, wel­che viel­fäl­ti­gen Klang­spek­tren es zu rea­li­sie­ren ver­mag, das be­wei­sen sol­che Aus­nahme-Vir­tuo­sen wie der ser­bi­sche Ak­kor­deo­nist Ni­kola Ko­ma­tina. Bei dem La­bel GWK-Re­cords hat der 29-jäh­rige, be­reits in jun­gen Jah­ren mit vie­len Prei­sen aus­ge­zeich­nete Vir­tuose nun sein CD-De­büt er­hal­ten mit der Pro­duk­tion „In­spi­ra­tion“ – ei­ner sti­lis­tisch sehr he­te­ro­ge­nen Zu­sam­men­stel­lung von D. Scar­latti über J.S. Bach und M. Mosz­kow­ski bis hin zu Ka­levi Aho (*1949) und Frank Za­bel (*1968).
Mo­derne Mu­sik auf dem Ak­kor­deon: ja – aber auch Ba­rock und Spät­ro­man­tik? Ko­ma­tina lässt al­len mu­sik­ge­schmack­li­chen Pu­ri­ta­nis­mus hin­ter sich und führt sein In­stru­ment durch­aus stil­si­cher durch die Epo­chen – dank phra­sie­rungs- und ar­ti­ku­la­ti­ons­rei­cher Meis­ter­schaft, die den be­tref­fen­den Wer­ken wei­tere Klang­op­tio­nen er­öff­nen.

Dynamische Möglichkeiten des Instruments ausgeschöpft

Ko­ma­tina weiß da­bei ge­nau um die Vor­züge des Ak­kor­de­ons, wenn er (im Book­let) be­tont, dass sein In­stru­ment bei ba­ro­cken Stü­cken eben Dy­na­mik-Ab­stu­fun­gen rea­li­sie­ren kann, über die das „ori­gi­nale“ Cem­balo nicht verfügt(e). Bei Scar­lat­tis Toc­cata d-Moll K 141 kon­tras­tiert Ko­ma­tina „stark rhyth­misch ge­prägte“ Pas­sa­gen mit „ge­sang­lich-wei­chen“, bei Bachs Eng­li­scher Suite Nr. 5 e-Moll BWV 810 wollte er „die ein­zel­nen Töne mit Creschendo und De­cre­scendo ge­stal­ten und die Span­nung über meh­rere Takte hal­ten“.

Die spieltechnischen Grenzen erreicht

Bis an die spiel­tech­ni­schen Gren­zen des Ak­kor­de­ons geht In­ter­pret Ko­ma­tina nicht nur im Ca­price Nr. 1 von Frank Za­bel, son­dern ins­be­son­dere auch bei Ka­levi Ahos 2. So­nate für Ak­kor­deon „Black Birds“; so­gar Vir­tuose Ko­ma­tina at­tes­tiert die­sem Stück, „ei­nes der kom­ple­xes­ten, auf­re­gends­ten und schwie­rigs­ten Werke der mo­der­nen Ak­kor­de­on­lite­ra­tur“ dar­zu­stel­len. Und so­wohl bei Za­bel als auch bei Aho kann da­bei der Ak­kor­deo­nist, des­sen tech­ni­sche Vir­tuo­si­tät so­wohl im rechts­hän­di­gen Dis­kant- wie im links­hän­di­gen Baß-Be­reich des In­stru­ments ih­res­glei­chen sucht, hin­sicht­lich der Klang-Re­gis­ter aus dem Vol­len schöp­fen: Ko­ma­tina spielt auf ei­ner gro­ßen Kon­zert-Bu­gari, de­ren wei­tes Spek­trum der Klap­pen-Re­gis­ter den klang­li­chen An­for­de­run­gen ge­rade mo­der­ner Kom­po­nis­ten ge­recht wird. Von der Imi­ta­tion von Vo­gel­stim­men (in Ahos „Black Birds“) bis hin zu den kom­ple­xen Klang­schich­ten in Za­bels „Ca­price“ deckt der ser­bi­sche Künst­ler eine fas­zi­nie­rend viel­fäl­tige und in die­ser In­ten­si­tät noch sel­ten ge­hörte Span­nungs­weite mo­der­ner Ak­kor­de­on­mu­sik ab. ♦

Ni­kola Ko­mata (Ac­cor­dion): In­spi­ra­tion – Werke von Do­me­nico Scar­latti, Ka­levi Aho, Jo­hann Se­bas­tian Bach, Frank Za­bel und Mo­ritz Mosz­kowsi, Spiel­dauer 53:45, GWK-Re­cords

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin zum Thema Ak­kor­deon-Mu­sik auch über die CD des Sa­lon-Or­ches­ters Prima Ca­rezza: Pour­quoi, Ma­dame?


Werner Kaufmann: Zwingende Züge (Schach)

Wer nach ei­nem bi­blio­gra­phisch schön auf­be­rei­te­ten, mit sau­ber ge­stal­te­tem Lay­out ver­se­he­nen, mit gut struk­tu­rier­ten Kom­men­ta­ren be­stück­ten und mit vie­len Dia­gram­men ge­spick­ten Schach­buch sucht, wird bei Wer­ner Kauf­manns „Zwin­gen­den Zü­gen“ nicht fün­dig. Noch nicht mal eine Print-Aus­gabe gibt es von die­ser jüngs­ten Pu­bli­ka­tion des in der Zen­tral­schweiz recht be­kann­ten Na­tio­nal­liga-Spie­lers und Fide-Meis­ters. Schach-Pu­ris­ten mit jah­re­lan­ger Ge­wöh­nung an den äs­the­ti­schen Main­stream der kon­ven­tio­nel­len Schach­buch-Her­stel­lung las­sen also am bes­ten die Fin­ger von die­sen „Zwin­gen­den Zü­gen“.

Schachpädagogisch originäre Denkansätze

Wer aber aus­ge­lei­erte, häu­fig aus­tausch­bare Pseudo-Kom­men­tie­rung ver­ab­scheut, statt­des­sen sehr ori­gi­näre, mit Ei­gen­leis­tung ge­ne­rierte Denk­an­sätze schätzt, die schach­päd­ago­gisch für Spie­ler bis ca. 2000 Elo wirk­lich nütz­lich sind, der liegt bei Kauf­mann gold­rich­tig. Kauf­manns E-Book nimmt das ur­alte Evans-Gam­bit zum Aus­gangs­punkt mo­derns­ter On-the-Board-Über­le­gun­gen und pro­pa­giert Denk­wege, die gänz­lich ohne (häu­fig ein­fach nach­ge­plap­perte bzw. sinn­ent­leerte) Wort­hül­sen wie „Mus­ter­er­ken­nung“ oder „Stra­te­gie“ aus­kom­men. An­stelle sol­cher schach­päd­ago­gisch meist ne­bu­lö­ser „An­lei­tun­gen“ setzt „Zwin­gende Züge“ auf prak­ti­ka­ble und am Brett vom Spie­ler si­tua­tiv um­setz­bare An­re­gun­gen für das Be­rech­nen wir­kungs­vol­ler Schach­züge.

Keine Pläne!“

Wer­ner Kauf­manns Credo, das er be­reits in sei­nem „Keine Pläne!“, dem Vor­gän­ger-Band der „Zwin­gen­den Züge“ pro­kla­mierte und nun an­hand zahl­lo­ser kon­kre­ter Lehr­par­tien und -stel­lun­gen des für die­sen Zweck op­ti­ma­len Evans-Gam­bits do­ku­men­tiert, ver­kün­det al­len Ler­nen­den:

Im Schach geht es um drei Sa­chen:

  1. Dro­hung an­se­hen
  2. Al­les an­grei­fen
  3. Nichts ein­stel­len“

Am bes­ten zi­tie­ren wir Kauf­mann aus­führ­li­cher:

Pat­zer glau­ben viel eher als Gross­meis­ter zu wis­sen, was ge­rade zu tun ist, und ord­nen ihre Züge ir­gend­wel­chen po­si­tio­nel­len oder stra­te­gi­schen Zie­len un­ter. Dem ge­gen­über prüft der GM, was ge­rade in der Stel­lung drin ist, ver­sucht sich über seine Op­tio­nen Klar­heit zu ver­schaf­fen und wählt eine die­ser Op­tio­nen. Kurzum, der Pat­zer spielt abs­trakt, der GM kon­kret. Ich bin über­zeugt, dass ich im Schach nur Fort­schritte ma­chen kann, wenn ich mich daran ge­wöhne, mich von Zug zu Zug um Dro­hun­gen und Ge­gen­dro­hun­gen zu küm­mern, ohne ir­gend­wel­che stra­te­gi­schen Ziele zu ver­fol­gen.
Der durch­schnitt­li­che Schach­spie­ler hat un­ge­fähr 1600 Elo, was be­deu­tet, dass die Hälfte al­ler Spie­ler we­ni­ger Elo hat. Über 1800 kom­men 20%, über 2000 10% und über 2200 noch 3% der Spie­ler. Über 2400 sind es noch ein paar Pro­mille, aber rich­tig gu­tes Schach wird erst ab 2600 ge­spielt. Über­las­sen wird doch das Pla­nen den­je­ni­gen, die Va­ri­an­ten auch kor­rekt be­rech­nen kön­nen…

Eine Kurz- bzw. Zu­sam­men­fas­sung der Kaufmann’schen „Ge­setze“ bie­tet der Au­tor sel­ber auf sei­ner Web­seite.
Je­den­falls aber ist „Zwin­gende Züge“ des er­folg­rei­chen In­ner­schwei­zer Na­tio­nal­liga-Spie­lers und Fern­schach- so­wie Com­pu­ter­schach-Ex­per­ten Wer­ner Kauf­mann sehr poin­tiert und auch wit­zig ge­schrie­ben, seine Zu­g­ana­ly­sen sind mit mo­derns­ter Soft­ware ve­ri­fi­ziert (und kor­ri­gie­ren oft­mals auch „feh­ler­hafte“ Pro­gramm-Vor­schläge…), die Denk­an­sätze sind äu­ßerst un­kon­ven­tio­nell, aber auch äu­ßerst ein­leuch­tend.
Für Tur­nier­spie­ler, die sich für ein­mal ab­seits der üb­li­chen „stra­te­gi­schen“ Ver­all­ge­mei­ne­run­gen be­we­gen und sich kon­kret auf die schach­li­chen Not­wen­dig­kei­ten ein­las­sen wol­len, ist die­ses E-Book eine lehr­rei­che Hilfe im Dschun­gel des Va­ri­an­ten-Di­ckichts – und ins­ge­samt eine ori­gi­nelle Er­gän­zung des Schach-Bü­cher­schran­kes. Emp­feh­lung! ♦

Wer­ner Kauf­mann: Zwin­gende Züge – er­läu­tert an­hand von Cap­tain Wil­liam Evans‘ Gam­bit, e-book (Kindle Edi­tion), 104 Sei­ten, Da­mensprin­ger Ver­lag

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin (quasi als Ge­gen­ent­wurf) zum Thema „Schach­päd­ago­gik“ auch über Ou­de­wee­te­ring: Mus­ter­er­ken­nung im Mit­tel­spiel


Duo Imaginaire: Japanese Echoes – Hommage à Claude Debussy (CD)

Das Duo Ima­gin­aire – das sind die Würz­bur­ger Kon­zert-Har­fe­nis­tin Si­mone Sei­ler und der Edin­burg­her Solo-Kla­ri­net­tist John Cor­bett. Ge­mein­sam rea­li­sier­ten die bei­den Künst­ler ein ganz spe­zi­el­les Mu­sik-Pro­jekt: „Ja­pa­nes Echoes“ nennt sich ihre neue CD, die nicht we­ni­ger als sechs ja­pa­ni­sche Komponist(inn)en vor­stellt, wel­che in ih­ren Wer­ken „ant­wor­ten“ auf je ein selbst­ge­wähl­tes Pré­lude von De­bussy. Diese ja­pa­ni­sche Hom­mage à Claude De­bussy re­flek­tiert viel­fäl­tig auch die große Fas­zi­na­tion, die Ja­pans und über­haupt die fern­öst­li­che Mu­sik­tra­di­tion mit ih­rer Klang­sinn­lich­lich­keit auf den ge­nia­len Im­pres­sio­nis­ten aus­übte.

Sechs unterschiedliche japanische Stil-Ausprägungen

Das halbe Dut­zend Werke von Sa­to­shi Mi­n­ami (*1955), Yas­uko Yama­guc­chi (*1969), Taka­shi Fu­jii (*1959), Ku­miko Omura (*1970), Takayuki Rai (*1954) und Asako Miyaki (*1967) durch­misst eine weite Band­breite an Kom­po­si­ti­ons­tech­ni­ken und Klang­sti­len. Je­des der De­bussy-Pré­ludes als die vor­an­ge­stell­ten Aus­gangs­punkte der Kom­po­nis­ten aus Ja­pan wurde von dem Duo tran­skri­biert aus dem Kla­vier-Ori­gi­nal in das Kla­ri­nette-Harfe-Du­ett, und über die Le­gi­ti­ma­tion sol­cher Über­tra­gung ei­nes doch sehr Kla­vier-fo­kus­sier­ten Im­pres­sio­nis­mus und des­sen klang­lich-pia­nis­ti­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen ließe sich strei­ten. Doch als Ex­pe­ri­ment auch im Sinne von „West meets East“ und als Ge­gen­über­stel­lung sehr un­ter­schied­li­cher me­lo­di­scher und har­mo­ni­scher Kon­zepte bei „see­len­ver­wand­schaft­li­chem“ An­satz hat dies Pro­jekt des Duo Ima­gin­aire seine Be­rech­ti­gung.

Eine Art musikalische Haiku“

In sei­nem Book­let um­reißt das Duo die In­ten­tion sei­ner „Ja­pa­nese Echoes“ fol­gen­der­ma­ßen:

Wie wich­tig die Ton­farbe für De­bussy ist, zeigt sich in der Ver­wen­dung sei­ner ex­pan­si­ven Klang­far­ben­pa­lette, die sich auf den Raum oder Um­feld be­zieht, nicht je­doch auf die Struk­tur. Dies ge­schieht ana­log zur Shakuha­chi-Hon­kyoku-Tra­di­tion, bei der sich der Schwer­punkt auf die Äs­the­tik ei­nes ein­zi­gen Tons kon­zen­triert. Der Klang ist da­bei wich­ti­ger als die Struk­tur. […] Die mu­si­ka­li­sche Ant­wort der ja­pa­ni­schen Komponist(inn)en ist eine Art mu­si­ka­li­sche Haiku oder bes­ser Waka (Ant­wort­ge­dicht). Es lässt das aus­ge­wählte Pré­lude in ei­ner neuen Per­spek­tive er­schei­nen und macht dem Hö­rer den Be­zug De­bus­sys zur ja­pa­ni­schen Kul­tur deut­lich.

Dass De­bus­sys Klang­sinn­lich­keit, seine le­bens­lange Af­fi­ni­tät zur fern­öst­li­chen Kul­tur, seine Sen­si­bi­li­tät für Raum und Stille kein west­li­cher Kon­tra­punkt, son­dern ein ima­gi­na­ti­ves Pen­dent zu ja­pa­ni­schen Klang­tra­di­tio­nen dar­stellt, do­ku­men­tiert das Duo Ima­gin­aire sehr ein­dring­lich. Ho­her Ver­schmel­zungs­grad des Sai­ten- mit dem Holz­blas-In­stru­ment und buch­stäb­lich zau­ber­hafte Klang­lich­keit zeich­nen diese Ersteinspie­lun­gen aus. Da­bei durch­mes­sen sie eine vom Pen­ta­to­ni­schem bis zum Quasi-Im­pro­vi­sa­to­ri­schen rei­chende, teils me­di­ta­tive, teils ges­ten­rei­che, rhyth­misch oft kaum nach­voll­zieh­bar struk­tu­rierte, dy­na­misch aber feinst ab­ge­stufte Mu­sik-Pa­lette, de­ren Ko­lo­rit bei al­ler im­pres­sio­nis­ti­schen Ori­en­tiert­heit die ja­pa­ni­sche Her­kunft nie ver­leug­net. Das Duo mu­si­ziert ein­dring­lich, ver­fügt über die nö­ti­gen Tech­ni­ken sou­ve­rän, ins­be­son­dere der Kla­ri­net­tist in­ter­pre­tiert vir­tuos. Ein sehr an­re­gende Pro­duk­tion. ♦

Duo Ima­gin­aire: Ja­pa­nese Echoes – Hom­mage à Claude De­bussy, John Cor­bett (Kla­ri­nette) und Si­mone Sei­ler (Harp), Spiel­dauer 57:28, TYX-Art La­bel

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin auch zum Thema „Harfe und Blas­in­stru­ment“ über K. Eng­li­chova (Harfe) und V. Ve­verka (Oboe): Im­pres­si­ons, Werke von Ra­vel, De­bussy und Sluka

Englichova (Harp) & Veverka (Oboe): Impressions (CD)

Solo – oder die Freiheit des Einzelnen

von Mi­chael Ma­ger­cord

Harfe und Oboe – zwei In­stru­mente, die im Or­ches­ter nur zum Ein­satz kom­men, wenn es darum geht, et­was Farbe in das Werk zu brin­gen: Die Harfe, wenn es lieb­lich wer­den soll, ver­süßt sie die Klänge, die sü­ßer nie klin­gen, oder wenn ihr für ei­nen Wech­sel im Tempo über alle Sai­ten ge­stri­chen wird, nur um dann wie­der zu ver­stim­men. Die Oboe wie­derum kommt zum Ein­satz, wenn ein­mal ein rauer Ton in das Klang­werk hin­ein qua­ken soll, der ehr­lich und di­rekt sein soll – bei Pe­ter und der Wolf, wo je­des Tier durch ein In­stru­ment re­prä­sen­tiert wird, steht die Oboe für die Ente. Keine un­be­ding­ten Al­pha­tiere un­ter den Mu­sik­in­stru­men­ten also – und wenn die dann so­lis­tisch auf­tre­ten? Und nun auch noch ge­mein­sam?

Oboe und Harfe im Duo, lieblich und quäkend – oder umgekehrt

Katerina Englichova und Vilem Veverka: Impressions - Ravel Debussy Sluka (Works for Oboe and Harp)
Ka­te­rina Eng­li­chova und Vi­lem Ve­verka: Im­pres­si­ons – Ra­vel De­bussy Sluka (Works for Oboe and Harp)

Zu­erst spielte vor fünf Jah­ren Vi­lem Ve­verka, Obo­ist bei den Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­kern, ein Al­bum mit Te­le­manns zwölf Phan­ta­sien und Brit­tens sechs Me­ta­mor­pho­sen ein. Ka­te­rina Eng­li­chova folgte ihm dann 2015 mit ih­rer CD für Har­fen­werke. Die ver­sierte Kon­zert­har­fis­tin setzte auf ein zeit­ge­nös­si­sches Repertoire.Und nun ha­ben die bei­den in die­sem Jahr ein ge­mein­sa­mes Al­bum auf­ge­nom­men. Oboe und Harfe im Duo, lieb­lich und quä­kend und auch mal um­ge­kehrt. Und man könnte nun dar­über schrei­ben, wie ge­konnt es ge­spielt ist und wie hübsch sich das an­hört, und da­für auch die in­stru­men­ten­ge­rechte Aus­wahl der all­be­kann­ten Stü­cke der fran­zö­si­schen Im­pres­sio­nis­ten Ra­vel und De­bussy ins Feld füh­ren. Man könnte nun be­män­geln, dass ein we­nig mehr Mut beim Pro­gramm der CD hö­here Re­le­vanz ver­lie­hen hätte. Im­mer­hin, zwei Erst­auf­nah­men von kür­ze­ren Wer­ken von Lubos Sluka zei­gen, dass an­ge­nehme Hör­bar­keit auch zeit­ge­nös­si­schen Kom­po­nis­ten ge­lin­gen kann. Und man könnte schließ­lich sa­gen, dass diese CD viel­leicht an­ders als die je­wei­li­gen So­lo­ein­spie­lun­gen auch de­nen ei­nen Hör­ge­nuss bie­tet, die den bei­den In­stru­men­ten sonst nicht so­viel ab­ge­win­nen kön­nen.

Cover-Gestaltung als unmusikalischer Verpackungsschwindel

Aber nein, an wel­chen Miss­tö­nen stört man sich statt­des­sen – und das so­gar noch, be­vor man über­haupt ei­nen Ton ge­hört hat? An der Co­ver­ge­stal­tung die­ser CD, und den bei­den an­de­ren auch noch gleich nach­träg­lich. Ei­gent­lich sollte es dem Hö­rer von Mu­sik doch egal sein, wenn sich ein Fo­to­graf mit be­son­ders al­ber­nen In­sze­nie­run­gen her­vor­tut und eine an­sons­ten doch se­riöse Plat­ten­firma ver­sucht, ihre Ver­trags­künst­ler als Su­per­stars zu ver­mark­ten. Aber kann man denn Su­per­star wer­den, wenn man die Harfe streicht oder in die Oboe prus­tet? Oder da­durch, dass man die Oboe schul­tert, sich in Gum­mi­bän­dern ver­hed­dert oder sich um ei­nen auf den ers­ten Blick qual­len­haf­ten Ge­gen­stand herum um­grei­fend ver­greift? Das al­les hat so gar nichts mit der Mu­sik zu tun, die da­mit ver­kauft wird. Also ein kla­rer Fall von plum­pem Ver­pa­ckungs­schwin­del und kru­der Selbst­dar­stel­lung oben­drein: Will­kom­men im Face­book-Zeit­al­ter.

Musikalische Vision durch das Visuelle gestört

Warum aber sollte das den Hö­rer stö­ren? Der hört doch nur. Rich­tig, aber hö­ren ist im­mer auch se­hen. Vor dem geis­ti­gen Auge ent­steht eine Vi­sion, und die wird vom CD-Co­ver zu­min­dest be­ein­flusst. Diese Art von Foto- und De­sign­kunst teilt vor al­lem ei­nes mit: die Prot­ago­nis­ten neh­men nicht so rich­tig ernst, was sie tun. Und da sie nun ein­mal in ers­ter Li­nie Mu­si­ker sind, ist es die Mu­sik, die sie nicht ernst neh­men. Aber viel­leicht woll­ten sie auch ein­fach sa­gen: Wir neh­men uns selbst nicht so ernst, son­dern nur die Mu­sik.

Wenn man das alberne CD-Cover von "Impressions" beim Hören möglichst weit weg legt, so dass man es nicht im Blick hat, formen sich Harfe und Oboe trotz ihrer unterschiedlichen Klänge zu einem spannungsreichen Ganzen, worin sich die altbekannten Stücke von Ravel und Debussy neu entdecken lassen.
Wenn man das al­berne CD-Co­ver von „Im­pres­si­ons“ beim Hö­ren mög­lichst weit weg legt, so dass man es nicht im Blick hat, for­men sich Harfe und Oboe trotz ih­rer un­ter­schied­li­chen Klänge zu ei­nem span­nungs­rei­chen Gan­zen, worin sich die alt­be­kann­ten Stü­cke von Ra­vel und De­bussy neu ent­de­cken las­sen.

Na, wenn das so ist! Was also tun in Zei­ten wie die­sen, wo selbst die selbst­iro­ni­sche Di­stanz mit größ­ter Auf­dring­lich­keit ze­le­briert wird? CD aus der Hülle neh­men, auf­le­gen und dann Au­gen zu und durch: hö­ren und sich selbst ein Bild ma­chen be­zie­hungs­weise von der Mu­sik ma­chen las­sen. Im­mer­hin, diese klit­ze­kleine Frei­heit der in­ne­ren Selbst­ver­wirk­li­chung wird uns in der Kon­fron­ta­tion mit den per­ma­nen­ten Selbst­dar­stel­lun­gen noch ge­las­sen.
Kurzum: Wenn man das al­berne CD-Co­ver von „Im­pres­si­ons“ beim Hö­ren mög­lichst weit weg legt, so dass man es nicht im Blick hat, for­men sich Harfe und Oboe trotz ih­rer un­ter­schied­li­chen Klänge zu ei­nem span­nungs­rei­chen Gan­zen, worin sich die alt­be­kann­ten Stü­cke von Ra­vel und De­bussy neu ent­de­cken las­sen – wenn auch die et­was äl­te­ren So­lo­al­ben der bei­den Mu­si­ker über die hö­here künst­le­ri­sche Re­le­vanz ver­fü­gen. ■

Ka­te­rina Eng­li­chova (Harfe) und Vi­lem Ve­verka (Oboe): Im­pres­si­ons, Werke von Ra­vel, De­bussy und Sluka, Au­dio-CD, Su­pra­phon

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin zum Thema „Mu­sik für Harfe“ auch über Hein­rich Lau­fen­berg: King­dom of Hea­ven (En­sem­ble Dragma)

Gedicht des Tages: Gebet (Wolf Wondratschek)

Ge­bet

Nachts, jen­seits der Zeit schon und ferne,
hörst du das Sin­gen der Winde, und du siehst
Berge bren­nen, die wie ein Feu­er­werk fal­len­der
Sterne ver­glü­hen. Zu tief liegt da un­ten

die Erde, die­ses In­ferno der Gleich­gül­tig­keit,
das auch der La­chende nur ein­ge­schüch­tert über­steht,
und selbst der Glück­li­che ist an sein Glück ge­bun­den
wie der Er­hängte dort an sei­nem Strick;

un­gläu­big zö­gernd noch wie un­ter gro­ßen Mü­hen
spricht der Ein­same jetzt sein ers­tes Ge­bet,
die Au­gen weiß und leer, vom Sau­fen er­nüch­tert,

das Herz zu sehr ans Zer­sprin­gen ge­wöhnt.
Der Ab­schied dann, und dann die Stille,
die al­les Le­ben über­tönt.


Wolf Wond­rat­schek (*1943)

Wolf Wondratschek

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin auch aus der Ru­brik „Ge­dicht des Ta­ges: Charles Bu­kow­ski: Na­tur-Ge­dicht

Heinz Stade: Bach, Liszt und Wagner in Weimar

Weimar nach Noten

Ein musikalischer Reise(ver)führer

von Gün­ter Nawe

Weil die lie­ben En­ge­lein sel­ber Mu­si­kan­ten sein“ – mit die­sem Zi­tat von Mar­tin Lu­ther lei­tet der Jour­na­list und Preis­trä­ger des Deut­schen Denk­mal­prei­ses Heinz Stade ein au­ßer­ge­wöhn­lich schö­nes klei­nes Büch­lein ein, das der Au­tor dem „mu­si­ka­li­schen“ Wei­mar ge­wid­met hat.
Wei­mar hat, so weiß Stade über­zeu­gend dar­zu­le­gen, mehr zu bie­ten als nur Goe­the, Schil­ler, Wie­land – und wie all die Geis­tes­grö­ßen hei­ßen mö­gen, die den Ruf Wei­mars als „Zen­trum“ klas­si­scher Li­te­ra­tur be­grün­det ha­ben. In sei­nem Reise(ver)führer zeigt der Au­tor in knap­pen Tex­ten die wich­tigs­ten Orte des mu­si­ka­li­schen Ge­sche­hens und des­sen Prot­ago­nis­ten in Wei­mar auf­zu­zei­gen – von ges­tern bis heute. Wei­mar nach No­ten also – ein ge­nius loci zahl­rei­cher Mu­si­ker-Per­sön­lich­kei­ten.

Im Anfang war Luther

Heinz Stade - Bach, Liszt und Wagner - Spaziergänge durch das musikalische Weimar von gestern und heute - Edition Leipzig
Heinz Stade – Bach, Liszt und Wag­ner – Spa­zier­gänge durch das mu­si­ka­li­sche Wei­mar von ges­tern und heute – Edi­tion Leip­zig

Mit Lu­ther begann’s. Er hatte gro­ßen Ein­fluss auf die Kir­chen­mu­sik sei­ner Zeit, auch und vor al­lem in Wei­mar, wo er sich selbst das eine und an­dere Mal auf­hielt. Ihm be­geg­net der Le­ser – mit Heinz Stade auf Spu­ren­su­che – im Stadt­schloss und in der Stadt­kir­che St.Peter & Paul (Her­der­kir­che). Hier saß Gott­fried Walt­her, ein Ver­wand­ter von Jo­hann Se­bas­tian Bach, an der Or­gel.
Jo­hann Se­bas­tian Bach lebte von 1708 bis 1717 in Wei­mar, wo er 1717 eine zeit­lang im Ge­fäng­nis saß. Hier – im Bach­haus – kom­po­nierte er un­ter an­de­rem viele Or­gel­stü­cke, etwa 30 Kan­ta­ten und die Früh­fas­sun­gen der Bran­den­bur­gi­schen Kon­zerte.

Von Bach bis Albert Schweitzer

Da­mit ist auch schon ei­ner der ti­tel­ge­ben­den Kom­po­nis­ten be­nannt – in ei­ner Reihe höchst il­lus­tre Na­men. Nicht nur Jo­hann Se­bas­tian Bach, Franz Liszt (der Wei­ma­rer Mu­si­ker schlecht­hin) und Ri­chard Wag­ner, auch Fe­lix Men­dels­sohn Bar­tholdy, Jo­hann Ne­po­muk Hum­mel, Al­bert Schweit­zer, der große Or­gel­vir­tuose und Bach-Bio­graph.
Her­der wurde be­kannt als kun­di­ger Samm­ler von Volks­lie­dern, die er „mit den Oh­ren der Seele“ hörte. Mar­lene Diet­rich, sollte 1919 in Wei­mar zur Kon­zert­gei­ge­rin aus­ge­bil­det wer­den. Sie fand hier viel­leicht (?) so­gar ihre erste Liebe. Der 1918 ge­bo­rene und 1988 ver­stor­bene Kom­po­nist Jo­hann Ci­lenšek hatte eine Pro­fes­sur an der Mu­sik­hoch­schule Wei­mar inne.

Mozart trifft Wieland, Mendelssohn spielt Goethe vor

Sorgte in Weimar für Aufsehen und Aufregung: Die russische Großfürstin Anna Pawlowna
Sorgte in Wei­mar für Auf­se­hen und Auf­re­gung: Die rus­si­sche Groß­fürs­tin Anna Paw­lowna

Der Le­ser kann sich auf ei­nige wun­der­bare Er­eig­nisse ge­fasst ma­chen; Er­eig­nisse, die di­rekt oder in­di­rekt mit Mu­sik zu tun ha­ben. So trifft Mo­zart den li­te­ra­ri­schen Alt­meis­ter Mar­tin Wie­land in Wei­mar. Der junge Men­dels­sohn spielt dem Dich­ter­fürs­ten Goe­the vor. Beethoven’s „Ode an die Freude“ ba­siert auf der Schil­ler­schen Dich­tung. Für Franz Liszt und Ri­chard Wag­ner war die Mu­sik­stadt Wei­mar von exis­ten­zi­el­ler Be­deu­tung. Hec­tor Ber­lioz ließ Franz Liszt wis­sen, dass er sich in Wei­mar „wirk­lich glück­lich“ fühle. Und Ri­chard Strauss machte auf seine Weise in Wei­mar Fu­rore.
Anna Paw­lowna, rus­si­sche Groß­fürs­tin, sorgte in viele Hin­sicht für Auf­se­hen in Wei­mar. Auch in Sa­chen Mu­sik. Sie gab mit der An­stel­lung „…be­rühm­ter aus­wär­ti­ger Vir­tuo­sen wie Eber­hard Mül­ler, Jo­hann Ne­po­muk Hum­mel und Franz Liszt grund­le­gende Im­pulse für die Ent­wick­lung Wei­mars zu ei­nem weit­hin aus­strah­len­den Mu­sik­zen­trum“ (Heinz Stade).

Weimar’scher Glanz bis in unsere Tage

Ein wunderbarer, sehr informativer und sehr schön erzählter Reise(ver)führer durch das musikalische Weimar von gestern und heute. Heinz Stade gelingt es, den Leser (und sicher auch den Weimar-Besucher) klug durch die Weimarer Musikgeschichte zu führen, mit ihren Protagonisten bekannt zu machen und nicht zuletzt spannend zu unterhalten.
„Spa­zier­gänge durch das mu­si­ka­li­sche Wei­mar“ ist ein wun­der­ba­rer, sehr in­for­ma­ti­ver und sehr schön er­zähl­ter Reise(ver)führer. Heinz Stade ge­lingt es, den Le­ser (und si­cher auch den Wei­mar-Be­su­cher) klug durch die Wei­ma­rer Mu­sik­ge­schichte zu füh­ren, mit ih­ren Prot­ago­nis­ten be­kannt zu ma­chen und nicht zu­letzt span­nend zu un­ter­hal­ten.

Eine Aus­strah­lung, die bis heute Be­stand hat. Die „Tage Neuer Mu­sik in Wei­mar“, in­iti­iert von Mi­chael von Hint­zen­stern, sind welt­be­rühmt; der Jazz hat in Wei­mar eben­falls eine Hei­mat – zum Bei­spiel dank der „bau­haus­ka­pelle“, von der ein Ber­li­ner Kri­ti­ker ein­mal be­haup­tete: „die beste Jazz­band, die ich je to­ben hörte“.
Von all­dem er­zählt Heinz Stade mit viel Em­pa­thie, sehr kom­pe­tent und klug. So be­geg­nen uns auf den Sta­de­schen „Spa­zier­gän­gen durch das mu­si­ka­li­sche Wei­mar von ges­tern und heute“ be­deu­tete Kom­po­nis­ten, Mu­si­ker und Mu­sik­för­de­rer. Wir tref­fen sie an den Or­ten in Wei­mar, wo sie alle mehr oder we­ni­ger Wei­ma­rer und eu­ro­päi­sche Mu­sik­ge­schichte ge­schrie­ben ha­ben: Im Goe­the-Haus und im Stadt­schloss, in der Stadt­kir­che und im Schloss Bel­ve­dere, in den Som­mer­schlös­sern und Parks von Et­ters­burg und Tie­furt.
Beim nächs­ten Be­such in Wei­mar sollte die­ser wun­der­bare Reise(ver)führer, der nicht zu­letzt sehr schön il­lus­triert ist, un­be­dingt da­bei sein. ♦

Heinz Stade: Bach, Liszt und Wag­ner – Spa­zier­gänge durch das mu­si­ka­li­sche Wei­mar von ges­tern und heute. 80 Sei­ten, Edi­tion Leip­zig, ISBN 978-3-361-00725-3

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin zum Thema „Ge­nius loci“ auch über Vol­ker Geb­hardt: Lese und höre (Künst­ler-Orte)

Computerschach: Engine-Turnier mit SALC-Book

Spezial-Eröffnungsbuch gegen den Remis-Tod

von Wal­ter Ei­gen­mann

Die Com­pu­ter­schach-Ken­ner un­ter der Le­ser­schaft wis­sen es längst, und alle an­de­ren Schach­freunde mö­gen ein­fach von den ra­san­ten Er­fol­gen an­de­rer Com­pu­ter-Spar­ten aufs Schach­be­rech­nen schlie­ßen, dann ah­nen sie eben­falls:  Die mo­der­nen Schach­pro­gramme spie­len in­zwi­schen ein Schach wie vom an­de­ren Stern. Be­haup­tete der Mensch Jahr­hun­derte lang und noch bis vor kur­zem mit kaum prä­zise de­fi­nier­ba­ren Be­grif­fen wie „Plan­vol­les Spiel“ oder „Stra­te­gie“ seine an­geb­li­chen „mensch­li­chen Vor­züge“, nur um die hoff­nungs­lose Un­ter­le­gen­heit sei­ner Rasse ge­gen­über der Ma­schine zu ka­schie­ren, ist heut­zu­tage ein­fach zu of­fen­sicht­lich, dass ak­tu­elle Hard­ware im Ver­bund mit den raf­fi­nier­ten mo­der­nen Al­go­rith­men dem hu­man brain null Chan­cen mehr ein­räu­men – die Welt­spitze ein­ge­rech­net.

Hochwertiges Schach der modernen Engines

Wer also ex­trem qua­li­täts­volle, nach wirk­lich al­len Re­geln der Schach­kunst aus­ge­tra­gene, durch­aus mit Op­fer­wen­dun­gen ge­spickte, in vie­len Fäl­len auch über­ra­schend „krea­tiv“ ge­spielte, viel­zü­gig be­rech­nete, aber eben zu­gleich (fast) per­fekte Schach­par­tien be­wun­dern will, der kann heut­zu­tage ein­fach seine Schach­mo­to­ren (sog. En­gi­nes) in ei­ner der vie­len Schach­ober­flä­chen (Gra­phi­cal User In­ter­faces GUI) auf­ein­an­der los­las­sen, und ein paar Stun­den spä­ter hat er ggf. hun­derte von hoch­wer­ti­gen Chess-Ga­mes auf sei­ner Fest­platte.

Die schöpferische Schachleistung des Menschen

Seit langem wartet die Schach-Szene auf einen Kampf zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und...
Seit lan­gem war­tet die Schach-Szene auf ei­nen Kampf zwi­schen Welt­meis­ter Ma­gnus Carl­sen und…

Da­mit man mich nicht falsch ver­steht: Selbst­ver­ständ­lich macht es min­des­tens ebenso viel Spaß, den ganz gro­ßen Spit­zen­spie­lern des ak­tu­el­len Welt­schachs bei ih­ren Tur­nie­ren zu­zu­schauen. Denn Schach-Welt­meis­ter Ma­gnus Carl­sen & Co. bie­ten Kampf­schach vom Al­ler­feins­ten, ihre schöp­fe­ri­schen Leis­tun­gen sind un­ver­gleich­lich, und all die vie­len psy­cho­lo­gi­schen As­pekte des Kö­nig­li­chen Spiels sind ein hoch­in­ter­es­san­ter Be­stand­teil der mensch­li­chen Kul­tur­ge­schichte über­haupt. Muss man dar­über hin­aus ge­gen­über dem ak­ti­ven Schach­spie­ler noch er­wäh­nen, dass nichts über das Spiel on-the-board, also face-to-face geht – ob nun im Ver­ein oder im In­ter­net?

Computer- und Menschen-Schach ergänzen sich

Für heu­tige Adep­ten des Kö­nig­li­chen Spiels geht es also nicht um ein Ent­we­der-oder, son­dern um das So­wohl-als-auch. Eine re­gel­rechte Sym­biose ge­hen da­bei das Com­pu­ter- und das Men­schen-Schach im mo­der­nen Fern­schach ein – über die große Be­deu­tung der En­gi­nes bei Ana­lyse und Zug­ge­nie­rung in FS-Tur­nie­ren lese man auch das In­ter­view mit Fern­schach-Groß­meis­ter Arno Ni­ckel. Selbst­ver­ständ­lich hat aber der Com­pu­ter längst Ein­zug ge­hal­ten auch in die häus­li­che Vor­be­rei­tung al­ler star­ken Tur­nier­spie­ler. Kom­mer­zi­elle Pro­gramme wie z.B. die Schach-Da­ten­bank Chess­base oder die Schach-Ober­flä­che Fritz ge­hö­ren seit Jah­ren zum un­ver­zicht­ba­ren Soft­ware-Park der Groß­meis­ter. Da­ne­ben kann auch je­der Ver­einsama­teur in­zwi­schen eine Viel­zahl von her­vor­ra­gen­den Free­ware-En­gi­nes wie Stock­fish, Fizbo, An­ds­cacs oder Crit­ter so­wie pas­sende Gratis-GUI’s wie Arena oder SCID u.a. down­loa­den.

Dem Remis-Tod entgegenwirken

... dem aktuell weltbesten Schach-Programm Stockfish. Wahrscheinlich generierte die Begegnung eine ganze Reihe von Remisen...
… dem ak­tu­ell welt­bes­ten Schach-Pro­gramm Stock­fish. Wahr­schein­lich ge­ne­rierte die Be­geg­nung eine ganze Reihe von Re­mi­sen…

Lässt man nun sol­che Com­pu­ter­schach-Tur­niere mit den heu­ti­gen Pro­gram­men aus­spie­len, stößt man schnell auf ein eher un­schö­nes Phä­no­men: den sog. Re­mis-Tod. Ein Be­griff, den sei­ner­zeit schon die „Schach­ma­schine“ Jose Ca­p­ablanca im Munde führte, und den spä­ter Welt­meis­ter Bobby Fi­scher eben­falls ver­wen­dete (und mit sei­nem Chess960 bzw. Fi­scher-Ran­dom-Chess dann gleich ak­tiv zu be­kämp­fen ver­suchte). Ge­meint ist, dass die enorme Spiel­stärke der Top-10-En­gi­nes zwar hoch­ste­hende, aber auch viel zu häu­fig un­ent­schie­dene Par­tien ge­ne­riert. Da das ex­treme Ni­veau der Pro­gramme schnelle Über­fälle auf­grund von gro­ben Tak­tik-Feh­lern ver­un­mög­licht, geht zwangs­läu­fig ein sehr ho­her Pro­zent­satz der Ga­mes re­mis aus. Kor­rek­tes, aber eben lang­wei­li­ges Ge­schiebe über ganze En­gine-Tur­niere hin­weg ist das öde Re­sul­tat.

Wahl des Opening-Books entscheidend

Di­rekt ab­hän­gig und darum be­ein­fluss­bar ist die­ser Re­mis-Tod von bzw. mit der Art bzw. Qua­li­tät des sog. Er­öff­nungs­bu­ches, das man den En­gi­nes vor­setzt. Lange Zeit galt dies­be­züg­lich ja die De­vise, mög­lichst aus­ge­gli­chene, bis weit ins Mit­tel­spiel hin­ein ana­ly­sierte Ope­ning-Books zu ver­wen­den. Mit dem Re­sul­tat, dass die Pro­gramme nicht nur die Er­öff­nungs­phase ele­gant um­schum­meln konn­ten, son­dern viel zu häu­fig gleich im Über­gang Mit­tel­spiel-End­spiel lan­de­ten, wo dann wo­mög­lich auch noch eine ewig lange See­schlange ih­ren An­fang nah­men…
Das Pro­blem kann grund­sätz­lich auf drei Ar­ten an­ge­gan­gen wer­den: Ent­we­der lässt man die Tur­niere mit ex­tra eng be­mes­se­nen Book-Vor­ga­ben (fünf bis sie­ben Züge) aus­spie­len; oder man ver­wen­det spe­zi­fi­sche Gam­bit-Bü­cher – siehe bei­spiels­weise hier das 1. En­gine-Gam­bit-Tur­nier 2017 -; oder aber es kom­men spe­zi­ell prä­pa­rierte Books zum Ein­satz, die Asym­me­trien der Kon­stel­la­tio­nen auf­wei­sen, doch trotz­dem nicht das Gleich­ge­wicht zu un­guns­ten der Weiß- oder Schwarz-Seite ver­schie­ben.

Das SALC-Book von Stefan Pohl

Stefan Pohl Computer Chess Webseite
Ste­fan Pohls Com­pu­ter­schach-Web­seite be­inhal­tet ei­nige in­ter­es­sante En­gine-Ex­pe­ri­mente

Ein sol­ches Er­öff­nungs­buch für Schach­pro­gramme hat der deut­sche Com­pu­ter­schach-An­wen­der Ste­fan Pohl kom­po­niert. Sein sog. SALC-Book ist fol­gen­der­ma­ßen de­fi­niert (Zi­tat):

SALC me­ans (S)hort (A)nd (L)ong (C)astling: The SALC books were crea­ted out of hu­man ga­mes (both play­ers >=2000 Elo, game at least 30 mo­ve­slong, cast­ling to op­po­site si­des (if white played 0-0, black played 0-0-0. If white played 0-0-0, black played 0-0)), both queens still on board. No dou­ble ga­mes. When using SALC, the chance for at­tacks towards the op­po­nent king is much hig­her than using nor­mal ope­ning-books. Be­cause of this, com­pu­ter­ch­ess using this book, will bring more ac­tion and fun to watch (and a me­a­su­reable lo­wer num­ber of draws), be­cause the fas­ter the com­pu­ters get,the hig­her the qua­lity of com­pu­ter­ch­ess get and the hig­her the draw-rate in en­gine-en­gine-matches get…so the com­pu­ter­ch­ess is in dan­ger to die the „draw-de­ath“ in the near fu­ture.

Das SALC weist in­zwi­schen meh­rere De­ri­vate auf – für mein nach­ste­hend er­läu­ter­tes Tur­nier ver­wen­dete ich eine 9-mo­ves-Va­ri­ante, die also 18 Plies (= Halb­züge) und eben nur Er­öff­nungs­sys­teme mit un­gleich­sei­ti­ger Ro­chade ent­hält. Pohl ver­spricht sich da­von mehr Kö­nigs­an­griffe und über­haupt „more ac­tion and fun to watch“. Ein in­ter­es­san­ter An­satz also, der es wert ist ver­mehrt bei En­gine-Tur­nie­ren be­rück­sich­tigt zu wer­den.

SALC-Turnier mit 10 der besten Engines

Also habe ich mal ein Com­pu­ter­schach-Tur­nier mit zehn der bes­ten ak­tu­el­len Mo­to­ren auf­ge­setzt bei ei­nem 4-run­di­gen Mo­dus, wo­bei die fol­gen­den Spe­zi­fi­ka­tio­nen gal­ten:

  • AMD FX-8350 (4 Ghz) – 64­bit – 4 Cores
  • Fritz 15 – Hash 1Gb (inkl. Na­li­mov-TBs)
  • SALC-Ctg. Book (9mo­ves) – 5 Min. Bedenkzeit/Engine

Ein Blick auf die nach­ste­hende Rang­liste zeigt so­fort: Ohne Re­mis-Er­geb­nisse geht’s na­tür­lich auch mit dem SALC nicht – ganz ge­nau ge­nom­men en­de­ten 74 der ins­ge­samt 180 Par­tien un­ent­schie­den. Im­mer­hin: die deut­li­che Mehr­heit der Par­tien weist ein Sieg-Nie­der­lage-Re­sul­tat auf. Wer wei­tere De­tail-Ana­ly­sen des Tur­niers an­stel­len will, kann hier alle Par­tien down­loa­den.

Das Resultat des kleinen SALC-Engine-Turnieres mit 180 Partien zeigt die übliche Hierarchie der aktuellen Programm-Szene (Klick auf die Tabelle für Vergrösserung)
Das Re­sul­tat des klei­nen SALC-En­gine-Tur­nie­res mit 180 Par­tien zeigt die üb­li­che Hier­ar­chie der ak­tu­el­len Pro­gramm-Szene (Klick auf die Ta­belle für Ver­grös­se­rung)

Die Rang­liste sel­ber weist keine Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten auf, son­dern spie­gelt – trotz re­la­tiv we­ni­gen Par­tien – in etwa die ak­tu­elle Hier­ar­chie wie­der: Das Stock­fish-As­sem­bler-De­ri­vat As­mFish als ein­deu­ti­ger Über­flie­ger, die im­mer noch ex­trem spiel­star­ken En­gi­nes Ko­modo und Hou­dini in der zwei­ten Reihe, als dritte Gar­ni­tur dann Deep Shred­der 13 & Co. schließ­lich Crit­ter mit Ge­folge.

In­wie­fern die 180 Par­tien nun tat­säch­lich „more ac­tion and fun“ ha­ben, müsste eine eif­rige Bin­nen­ana­lyse des Tur­niers zei­gen. Dass aber die­ses SALC-Tur­nier trotz knap­per Be­denk­zeit und ein­ge­schränk­ter Band­breite der Er­öff­nun­gen präch­tige Par­tien zei­tigte, be­weist die fol­gende kleine Aus­lese an Ro­si­nen.

Hier kön­nen die obi­gen sechs Top-Shots die­ses SALC-Tur­nie­res als PGN-Da­tei run­ter­ge­la­den wer­den.

Fa­zit: Ob das SALC-Book tat­säch­lich si­gni­fi­kant we­ni­ger Re­mis-Par­tien ge­ne­riert in En­gine-Tur­nie­ren, könn­ten sta­tis­tisch aus­sa­ge­kräf­tig na­tür­lich erst deut­lich um­fang­rei­chere Tur­niere be­wei­sen.1) Aber ge­fühlt ist das SALC be­stimmt eine Be­rei­che­rung des Book-An­ge­bo­tes, es stellt mit sei­nen kon­se­quent un­gleich­sei­ti­gen Ro­cha­den eine schach­li­che Auf­wer­tung dar. ♦

1)Auf sei­ner Web­seite prä­sen­tiert Ste­fan Pohl be­reits eine Reihe um­fang­rei­cher Ex­pe­ri­mente mit dem SALC-Book. Sie do­ku­men­tie­ren in der Tat ei­nen deut­li­chen Rück­gang der Re­mis­quote bei Ver­wen­dung die­ses Er­öff­nungs­bu­ches.

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin zum Thema „Er­öff­nung“ auch den Bei­trag über die Schach­soft­ware „Ope­ning En­cy­clo­pa­edia“ (Chess­base)

Kompositionswettbewerb 2018 für Walzermusik

Moderne Walzer für Sinfonisches Blasorchester gesucht

Ein Kom­po­si­ti­ons­wett­be­werb für „ori­gi­nelle Ge­brauchs­mu­sik der Gat­tung ‚Wal­zer'“ wird von der Zen­tral­ka­pelle Ber­lin aus­ge­schrie­ben. Ein­zu­rei­chen sind bei dem (mit Mit­teln der Jeu­nes­ses Mu­si­ca­les Ber­lin ge­för­der­ten) Con­test sol­che Blä­ser-Wal­zer, die drei bis vier Mi­nu­ten dau­ern, und die „nicht auf Kli­schees ver­fal­len bzw. mit Kli­schees krea­tiv um­ge­hen“. An­sons­ten ist die Wahl der Ton­spra­che frei­ge­stellt.

Leichte Spielbarkeit und klangliche Robustheit

Die Zentralkapelle Berlin schreibt einen Walzer-Kompositionswettbewerb 2018 für Sinfonisches Blasorchester aus.
Die Zen­tral­ka­pelle Ber­lin schreibt ei­nen Wal­zer-Kom­po­si­ti­ons­wett­be­werb 2018 für Sin­fo­ni­sches Blas­or­ches­ter aus.

Er­wünscht ist die Stan­dard­be­set­zung ei­nes Sin­fo­ni­schen Blas­or­ches­ters (in vol­ler und in mi­ni­ma­ler Be­set­zung) so­wie eine leichte Spiel­bar­keit, eine ge­wisse „klang­li­che Ro­bust­heit“ (z.B. Eig­nung für Open-Air-Auf­füh­run­gen) und zu­dem „Tanz­bar­keit“. Die Par­ti­tu­ren kön­nen als PDF-Da­teien per E-Mail ein­ge­reicht wer­den. Ein­sende-Schluss ist am 15. Ok­to­ber 2017; hier fin­den sich die Ein­zel­hei­ten der Wett­be­werbs-Aus­schrei­bung.

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin auch die Aus­schrei­bung zum Fri­bour­ger Kom­po­si­ti­ons­wett­be­werb für geist­li­che Mu­sik