Breitkopf & Härtel: „Chorbibliothek“ für Männerchor

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Quo vadis, Männerchor-Gesang?

von Walter Eigenmann

Der im Januar 1719 gegründete und somit älteste Musikverlag der Welt Breitkopf & Härtel hat sich für sein bevorstehendes 300-Jahr-Jubiläum insbesondere für den Chorgesang – schon immer eine tragende, intensiv gepflegte Domäne dieses Verlages – ein ehrgeiziges Projekt vorgenommen. Denn in einer sog. Chorbibliothek will er auf schliesslich mehreren tausend Seiten mit geplanten zehn Bänden sein komplettes Chornoten-Angebot als eine Art Basisrepertoire des Genres neu auflegen. Dabei soll das originale Notenbild der einzelnen Werke beibehalten werden, „um die weiterhin lieferbaren Einzelausgaben parallel zu den Bänden nutzen zu können“.

Männerchor-Lieder des 19. Jahrhunderts

Die neue "Chorbibliothek" für Männerchor aus dem Musikverlag Breitkopf & Härtel: Klick auf das Bild führt zu Leseproben
Die neue „Chorbibliothek“ für Männerchor aus dem Musikverlag Breitkopf & Härtel (Klick auf das Bild führt zu Leseproben)

Der jüngste Band dieser 10-teiligen „Chorbibliothek“ ist der Männerchor-Literatur vorwiegend des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewidmet. Die entsprechenden Komponisten der Romantik (als der Blütezeit des Männerchores) heissen also v.a. Franz Schubert, Johannes Brahms, Felix Mendelssohn-Bartholdy oder Robert Schumann; das vergangene Jahrhundert ist (in wenigen Liedern) mit den „Spätromantikern“ Johann Nepomuk David, Jean Sibelius und Othmar Schoeck vertreten, während das aktuelle Männerchor-Schaffen nur gerade durch Siegfried Thiele (geb. 1934) marginal gestreift wird.
Insofern ist also der Titel der Ausgabe: „Chorbibliothek – Für Männerchor“ leicht irreführend und hätte das präzisierende Stichwort „Romantik“ gut vertragen. Im Sinne einer puren „Verlagschronik“ in Sachen Männerchor mag man diesen „Etikettenschwindel“ durchgehen lassen; dass hingegen dutzende bedeutender Männerchor-Komponisten der zweiten Hälfte im 20. Jahrhundert komplett ignoriert werden, macht den Band für heutige Männer-Gesangsvereine leider eher unattraktiv…

Schubert & Co. verstaubt?

Eine der Keimzellen genialer Männerchor-Literatur: Die legendären "Schubertiaden" (Der Meister mit Brille am Klavier)
Eine der Keimzellen genialer Männerchor-Literatur: Die legendären „Schubertiaden“ (Der Meister mit Brille am Klavier)

Es stellt sich überhaupt die Frage, wer sich diese Sammlung eigentlich zulegen soll. Zuallerletzt werden die Männerchöre selber (bzw. ihre Verantwortlichen) diese „Chorbibliothek für Männerchor“ kaufen! Denn die in ihrem Repertoire betont traditionell ausgerichteten Chöre haben alle diese zahllosen Trink-, Jagd-, Tanz-, Natur- und Liebeslieder von Schubert & Co. längst jahrzehntelang und tausendfach rauf- und runtergenudelt (und darob ihre Konzertsääle leerer und leerer erleben müssen), während die eher popmusikalisch oder gesangsperkussiv bzw. „crossover“ orientierten Chöre von diesem vorgeblich „verstaubten“ Liedgut ohnehin längst die Finger bzw. Kehlen lassen.

Der Männerchor im Sinkflug

Geniale Männerchor-Musik mit prophetischem Titel: Der Anfang von Schuberts "Im Gegenwärtigen Vergangenes" für vier Männerstimmen und Klavier D710, nach Goethes "West-Östlicher Diwan" (Quelle Chorpartitur: Breitkopf & Härtel Verlag)
Geniale Männerchor-Musik mit prophetischem Titel: Der Anfang von Schuberts „Im Gegenwärtigen Vergangenes“ für vier Männerstimmen und Klavier D710, nach Goethes „West-Östlicher Diwan“ (Quelle Chorpartitur: Breitkopf & Härtel Verlag)

Ein weiteres Handicap für diesen Band ist ein musiksoziologisches: Entgegen andererslautender Beteuerungen, ja Beschönigungen der traditionellen Chorverbände befindet sich der „organisierte“ (und in teils starren Vereinsstrukturen verhaftete) Gesang im Sinkflug – allen voran die Männergesangsvereine, die wegen grassierendem Mitgliederschwund mehr und mehr fusioniert oder gleich ganz aufgelöst werden müssen. Dem Männerchor sterben die Sänger weg, gerade auch in seinen Stammlanden Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es mag noch ein paar Jahre dauern, aber der Zeitpunkt ist absehbar, da der traditionelle, einst so enorm verbreitete, in der Bevölkerung stark verwurzelte, nicht selten mit 100-köpfigen Mitgliedschaften auftrumpfende Männerchor als der Dinosaurier des Gesangs von der Bildfläche verschwinden wird.

Exkurs: Gehört die Zukunft dem projektbezogenen Singen?

Der Vereinsgesang überhaupt erlebt momentan eine schmerzliche Baisse, die nachstehende Statistik spricht da eine unmissverständliche Sprache. Wir sehen also das widersprüchliche Phänomen, dass einerseits in allen Ländern den grossen TV-Casting-Shows die sangesfreudige Jugend abertausendfach entgegenströmt, während die etablierten, organisierten Chorgemeinschaften aller Genres über mangelnden Zuwachs klagen.

Deutlich rückläufige Entwicklung der Anzahl Chormitglieder in Deutschland (Quelle: de.statista.com 2016)
Deutlich rückläufige Entwicklung der Anzahl Chormitglieder in Deutschland (Quelle: de.statista.com 2016)

Ein Hoch erleben demgegenüber alle gesangsmusikalischen Bestrebungen, die dezidiert als Projekte angelegt werden. Der zeitlich befristete, maximal ein paar Monate dauernde Aufwand im sog. Projektchor scheint dem modernen, ungebundenen Sing-Lifestyle des „Reinschnupperns und Weiterziehens“ so sehr zu entsprechen, dass diese Form des organisierten Gesangs das Nachwuchsproblem nicht kennt. Ebenso wenig wie übrigens der Kinderchor, dem allerdings in Schule und Freizeit ein gezieltes bildungspolitisches „Staats-Sponsoring“ widerfährt und schon deswegen eine stabile Entwicklung aufweist.
Sogar grosse, anspruchsvolle Klassik- oder Musical-Chor-Events auf Stadt und Land finden nach wie vor ihre ambitionierte und zahlreiche Sängerschaft. Einzige Voraussetzung: Befristetes Engagement…

Qualitätsvolles Kompendium des „klassischen“ Männerchorgesanges

Zurück zur „Chorbibliothek“ und abgesehen von pessimistischen Prognosen: Diese neue Lieder-Sammlung ist in ihrer musikalischen Substanz sehr wohl ein höchst qualitätsvolles Kompendium all jener Männer-Chormusik, die Jahrhunderte lang die melodische, harmonische und satztechnische Genialität und Dominanz der grossen Romantiker dokumentierte. Der 366 Seiten starke Konvolut ist als Konzentrat einer ganzen Sing-Epoche tatsächlich ein Basisrepertoire des Männerchors, auch hinsichtlich der Vielfalt der Kompositionsverfahren, Sprachbehandlung und Stilistik. Thematisch zudem sehr breit gefächert fasst er von Schuberts „Entfernten“ über Mendelssohns „Wer hat dich du schöner Wald“ bis hin Sibelius‘ „Finnlandia“-Hymne, vom dreistimmigen „Cherubinischen Wandersmann“ von David bis zurück zum vierstimmigen „Walzerlied“ von Lortzing, und vom simplen „Volkslied“ bis zum Bläser-begleiteten „Über allen Gipfeln ist Ruh“ eines Franz Liszt die ganze Faszination eines Genres zusammen, das musikalisch bleibende Schöpfungen von einzigartiger Ausdruckskraft generierte. ♦

Breitkopf&Härtel/Sebastian Posse: Chorbibliothek für Männerchor, 366 Seiten, ISMN 979-0-004-16396-2

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… sowie zum Thema Gesänge für Gemischte Chöre: Singet, klinget! – Liederbuch für Gemischten Chor

Interessante Buch-Neuheiten – kurz belichtet

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Drei beachtenswerte Novitäten

von Walter Eigenmann

Hit-Session – Weihnachtslieder für Keyboard

In Fortsetzung seiner neuen, bereits umfangreichen Serie „Hit-Session“ veröffentlichte der Musik-Verlag Bosworth nun unter dem Titel „Keyboard – Weihnachtslieder“ eine Sammlung der beliebtesten Christmas-Songs aus aller Welt. Neben zahlreichen traditionellen, vorwiegend europäischen Weisen – von „Adeste Fideles“ bis „Zu Bethlehem geboren“, von „Feliz Navidad“ bis zu „Stille Nacht“ –  versammelte der Verlag auch eine Fülle englischsprachiger bzw. amerikanischer Christmas-Hits.

Berühmte Namen für Unterrichtszwecke

Hit Session - Weihnachtslieder für Keyboard (Bosworth Edition)Als Autor(inn)en fungieren hier so berühmte Song-Makers wie Mariah Carey, Boney M, John Lennon, Bryan Adams, Elvis Presley, Chris Rea oder Celine Dion, um nur wenige zu nennen, und Titel wie „Last Christmas“, „Jingle Bell Rock“, „Driving home for Christmas“, „Happy X-mas (War is over)“, „Sleigh ride“, „Rudolph, the red-noised Reindeer“, „Winter wonderland“ oder „Let it snow“ gehören auch hierzulande längst zum festen Weihnachtslieder-Kanon. Jeder Song beinhaltet neben den obligaten Akkord- und Tempo-Angaben auch die Strophentexte, er ist ausserdem in handlichem Format gedruckt und mit sehr praktikabler Spiralheftung versehen. Für  Unterrichtszwecke hätte man sich noch die Fingersätze der einstimmigen Keyboard-Notationen gewünscht, aber insgesamt: Empfehlenswert. ♦

Hit-Session: Keyboard Weihnachtslieder, 140 Seiten, Bosworth Musikverlag, ISBN 978-3-86543-703-7

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Hans Sahl: Der Mann, der sich selbst besuchte – Erzählungen

Hans Sahl: Der Mann, der sich selbst besuchte (Erzählungen)Mit dem vierten Sahl-Band „Der Mann, der sich selbst besuchte“ schliesst der Luchterhand-Verlag seine sehr verdienstvolle Werkausgabe Hans Sahls ab. Das Buch, basierend auf dem bereits vor 25 Jahren in deutscher Sprache publizierten Band „Umsteigen nach Babylon“, enthält sämtliche Erzählungen des Autors, darunter auch eine Reihe von bislang unveröffentlichten Texten aus dem Nachlass, sowie seine bereits zu Sahls Lebzeiten bekanntgewordenen Glossen. Diese oft an entlegenen Stellen veröffentlichten Miniaturen in dieser Ausgabe wieder verfügbar zu machen ist ein besonderes Verdienst dieser jüngsten und letzten Sahl-Anthologie.

Edition eines wertvollen Gesamtwerkes

Zurecht ist der Verlag stolz darauf, mit dieser Edition das erzählerische Werk Sahls in seiner Gesamtheit neu erschlossen zu haben – und damit das Werk „eines grossen Autors“, der in die Emigration getrieben wurde, und der „doch auch in der Ferne nichts von seinem Witz und seiner moralischen Feinfühligkeit verlor“. Für literarisch besonders Interessierte und für jeden Freund hochstehender Kurzprosa unbedingt ein Favorit für das Buchgeschenk unterm Weihnachtsbaum! ♦

Hans Sahl: Der Mann, der sich selbst besuchte, Erzählungen und Glossen, 416 Seiten, Luchterhand Verlag, ISBN 978-3-630-87293-3

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Joanna Lisiak: Spurlos berührt (Drei Gedichte)


Sarah Lark: Die Insel der roten Mangroven – Roman

Sarah Lark: Die Insel der roten Mangroven (Lübbe Verlag)Auf Jamaika schreibt man das Jahr 1753: Deirdre, die Tochter der Engländerin Nora Fortnam und des Sklaven Akwasi lebt behütet auf einer Plantage. Bis sie den jungen Arzt Victor Dufresne kennenlernt und heiratet. Gmeinsam schifft man sich ein nach Saint-Domingue auf der Insel Hispaniola – um sich dort plötzlich dramatischen Verwicklungen ausgesetzt zu sehen.

Publikumswirksame Mischung

Sarah Lark – Pseudonym der deutschen Bestseller-Autorin Christiane Gohl – legt hier den zweiten Band ihrer erfolgreichen Karibik-Saga vor – und bedient sich bei fast allen publikumswirksamen Ingredienzien des Genres: Historisch bewegter Hintergrund, exotischer Schauplatz, grandiose Heldenhaftigkeit, und selbstverständlich ein sattes Mass an Herz-Schmerz.
Für Kenner und Geniesser des sog. Historischen Romanes sind die „Mangroven“ kein Muss, doch für Lark-Fans sicher ein neuer Höhepunkt des Lesespasses. ♦

Sarah Lark: Die Insel der roten Mangroven, Roman, 668 Seiten, Lübbe Verlag, ISBN 978-3-7857-2460-6

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Rolf D. Sabel: Der Pompeji-Papyrus

 

Interessante Buch- und CD-Neuheiten – kurz belichtet

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Drei bemerkenswerte Musik-Novitäten

von Walter Eigenmann

„Die Ärzte“: Die beste Band der Welt

Das 7. Sonderheft des „Rock Classics“ Magazins aus dem Wiener Media-Haus Slam widmet sich ausschliesslich und umfangreich der 30-jährigen deutschen Punk-Rock-Gruppe „Die Ärzte“. Das kommerziell nach wie vor erfolgreiche „Ärzte“-Trio Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo González gibt dabei in verschiedenen längeren Interviews Interna und Trivia preis zu seiner Gründungszeit vor 30 Jahren, zu seiner Besetzungsgeschichte, zum menschlichen und musikalischen Umfeld der Gruppe und zu geplanten Zukunftsprojekten.

"Die Ärzte" - Die beste Band der Welt - Sonderheft
„Die Ärzte“ – Die beste Band der Welt – Sonderheft

Das Heft, inhaltlich informativ und layouterisch gelungen, enthält nicht nur zahllose Infos und Foto-Reports, sondern wird garniert mit der CD „No Fun!“, die eine Fülle an klassischen Songs der deutschen Punk- und New-Wave-Szene bietet. Der Band gestattet einen attraktiven Überblick auf die Geschichte einer Band, die sich immerhin dank ständigen Wandels und Anpassens 30 Jahre lang in die Charts spielen konnte. „Die Ärzte“ gehören zweifellos zu den innovativeren Gruppen der jüngeren Popgeschichte. ♦

Slam Media: Magazin Rock Classics / Sonderheft Nr.7 – Die Ärzte, 132 Seiten, mit Audio-CD

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Gebhardt & Stark: Wem gehört die Popgeschichte?


Franz Hummel: Sinfonien „Hatikva“ und „Fukushima“

Franz Hummel: Sinfonien „Hatikva“ und „Fukushima“

Das erklärte Anliegen des frisch gegründeten Audio-Labels TYXart ist es, „die emotionalen, geistigen und intellektuellen Anforderungen von Musikliebhabern mit hochwertigen künstlerischen Produkten zu bedienen“ – fürwahr keine bescheidene Vorgabe, zumal in heutigen Zeiten des kommerziell maximierenden Mainstream-Betriebes.
Doch die Konzeption scheint umgesetzt zu werden – zumindest nach den drei Start-Projekten des neuen CD-Labels zu urteilen. Neben einer bemerkenswerten Klassiker-Einspielung des 15-jährigen Klavier- und Kompositions-„Wunderkindes“ Yojo Christen sowie den „Kollektiven Kompositionen“ des Klavier-Trios „Zero“ sind die beiden Sinfonien „Hatikva“ (für Klarinette und Orchester) und „Fukushima“ (für Violine und Orchester) des deutschen Komponisten und Pianisten Franz Hummel hervorzuheben. Ersterer liegt thematisch die gleichnamige israelische Hymne zugrunde, wobei „die leidvollen Erfahrungen des israelischen Volkes“ durch die „Überhöhung von Freud und Leid, Aufschrei und Tragödie“ verarbeitet werden, während „Fukushima“ ursprünglich unter dem Eindruck der atomaren Zertörung von Hiroshima entstanden sei (so der Komponist im gut dokumentierenden Booklet), jetzt aber dem Gedenken der letztjährigen Atom-Opfer Japans verpflichtet ist. Der Komponist über seine „Katastrophen-Sinfonie“: „Es bleibt zu hoffen, dass die ungeheure Tragik von Fukushima ein weltweites Umdenken im Umgang mit den Naturgewalten bewirkt“. ♦

Franz Hummel: „Hatikva“ für Klarinette&Orchester (Giora Feidman) / „Fukushima“ für Violine&Orchester (Elena Denisova), Sinfonie-Orchester Moskau (Alexei Kornienko), Label TYXart, Audio-CD: 54 Minuten

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„stimmband“: Lieder und Songs

"Stimmband" - Lieder und Songs - Reclam & Carus Verlag
„Stimmband“ – Lieder und Songs – Reclam & Carus Verlag

Noch ein Büchlein mehr mit „Liedern und Songs“ zum „fröhlichen Singen und Beisammensein“ – nach so vielen Jahrzehnten der pausenlosen Produktion unzähliger derartiger „lustiger Liederbüchlein“?
Ja. Denn diese Zusammenstellung, knapp und knackig „stimmband“ genannt, ist von ganz anderer, ja besonderer Qualität. Denn von der landläufigen Dutzendware ähnlicher Text- und Melodien-„Reigen“ unterscheidet diese üppige Zusammenstellung aus den Häusern Reclam und Carus eine Menge. Beispielsweise die enorme stilistische und inhaltliche Spannbreite, oder die geschmacklich feine Selektion der Melodien und (Lied-)Texte, oder die Sorgfalt bei Layout und Notengrafik, oder die musikalisch sinnvollen Ergänzungen bezüglich Akkordangaben und Tonart-Wahl, oder die stabile buchtechnische Verarbeitung sowie die Handlichkeit des Formats.
Der Band versammelt, jeweils melodisch einstimmig notiert und mit allen Strophen versehen, das altehrwürdige Volkslied ebenso wie den Jürgens-Schlager, das fremdsprachige Abendlied wie die Brecht-Moritat, den Polit-Song wie den Musical-Hit. Die inhaltlichen Themenkreise sind dabei Liebe & Freundschaft, Reise & Natur, Sehnsucht & Freiheit, Glaube & Friede, Jahr & Tag, Spass & Tanz. Eine Gitarren-Grifftabelle sowie ein Titel-Register runden diese Komposition ab.
Die Herausgeber möchten „der Magie des Singens einen Raum geben“ – das ist vollumfänglich gelungen. ♦

K. Brecht & K. Weigele: stimmband – Lieder und Songs, 256 Seiten, Verlage Reclam und Carus, ISBN 978-3-15-018983-2

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Singet, klinget! – Geselliges Liederbuch für Gemischten Chor

Michael Dartsch: Der Cellokasten (Musikunterricht)

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Wertvolle Ergänzung des Cello-Anfängerunterrichts

von Walter Eigenmann

In Sachen Streicherschulung leistet die moderne „Pädagogik“-Heftreihe des Wiesbadener Musikverlages Breitkopf schon seit längerem eine vielbeachtete Arbeit. Nach innovativen Material-Veröffentlichungen für die Violine widmet sich die neueste Streicher-Publikation dieser Verlags-Serie nun dem Violoncello. Unter dem Titel „Der Cellokasten“ versammelt das renommierte Autorenduo Michael Dartsch und Susanne Richter dabei auf 124 Seiten Lied- und Übungsmaterial für die Unterstufe des Cello-Unterrichts.

Schwerpunkt auf das praktische Musizieren gelegt

Michael Dartsch & Susanne Richter: Der Cellokasten - Materialien für die Unterstufe

Konzeptionell ebenso wie layouterisch schliesst sich „Der Cellokasten“ nahtlos den Pendants der Reihe „Breitkopf Pädagogik“ an: In seiner steten, wenngleich betont ruhigen didaktischen Progression, in seinem Schwerpunkt auf das praktische Musizieren, und in seiner lockeren, gestalterisch sehr ästhetischen Aufbereitung offeriert man der (jungen und jüngsten) Schülerschaft auch hier eine vielfältig-farbige Palette von ein- bis max. zweistimmigen Melodien, Stücken und Übungen, deren technische Ansprüche vom allerersten Leersaiten-Zupfen bis zum kurzen imitatorischen Duett mit Sechzehntel und max. drei Kreuzen/B’s reichen. Dem Prinzip Learning-by-Doing wurde innerhalb der didaktischen Zielsetzungen breitester Raum gegeben, und jeder Cello-spezifische Inhalt wird ausführlich mit Spielmaterial aus Vergangenheit und Moderne gestützt.

Das Autorenduo Susanne Richter und Michael Dartsch
Das Autorenduo Susanne Richter und Michael Dartsch

Der promovierte Musikpädagoge Michael Dartsch und die Freiburger Solo-Cellistin Susanne Richter legen mit ihrem neuen „Cellokasten“ eine sehr durchdacht aufbereitete, in der Progression plausible Materialiensammlung für den modernen Violoncello-Unterricht vor. Möglicherweise wird der/die eine oder andere Cello-Lehrer/in die von anderer Unterrichtsliteratur her gewohnte CD-Mitlieferung vermissen. Doch auch in reiner „Printform“ ist das jüngste Streicherheft aus dem Hause Breitkopf eine sehr willkommene, weil sehr sorgfältig komponierte Edition, die ihren Weg durch die neuzeitlichen Cello-Anfänger-Schulstuben machen dürfte.

Häufiges Spiel zu zweit

Gleichwohl garniert das Heft seinen ebenso umfang- wie abwechslungsreichen Stücke-Fundus immer wieder mit „theoretischen“ Einschüben entweder in Form von verspielten Quiz-Fragen oder mit Hilfe leicht nachvollziehbarer improvisatorischer Anleitungen. Das Gemeinschaftserlebnis Musik wird dabei durch betont häufiges Spiel mit der Lehrperson im Duett (bzw. mit einer technisch schwierigeren Zweitstimme) hergestellt.
Sehr zur Auflockerung des – im übrigen grosszügig konzipierten, auch grossnotigen – Schriftbildes tragen die unzähligen Farbillustrationen von Juliane Gottwald bei; sie sind nicht einfach Blattlückenbüsser, sondern stimulieren visuell die kindliche Spielfreude in thematischem Bezug zum jeweilige Stück.
Der promovierte Musikpädagoge Michael Dartsch – Autor bereits eines „Geigenkastens“ – und die Freiburger Solo-Cellistin Susanne Richter legen mit ihrem neuen „Cellokasten“ eine sehr durchdacht aufbereitete, in der Progression plausible Materialiensammlung für den modernen Violoncello-Unterricht vor. Möglicherweise wird der/die eine oder andere Cello-Lehrer/in die von anderer Unterrichtsliteratur her gewohnte CD-Mitlieferung vermissen. Doch auch in reiner „Printform“ ist das jüngste Streicherheft aus dem Hause Breitkopf eine sehr willkommene, weil sehr sorgfältig komponierte Edition, die ihren Weg durch die neuzeitlichen Cello-Anfänger-Schulstuben machen dürfte. ♦

Michael Dartsch / Susanne Richter: Der Cellokasten – Materialien für die Unterstufe, 124 Seiten, Verlag Breitkopf & Härtel, ISMN 979-0-004-18383-0

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… sowie zum Thema Musik für Cello über Rostropowitsch: Cello-Suiten von J. S. Bach

Leopold Koželuch: Klavier-Sonaten Band 1

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Niveauvolle Klassik für den Unterricht

von Walter Eigenmann

Weder bezüglich Konzertrepertoire noch hinsichtlich Unterrichtsliteratur ist in der Klavier-, ja überhaupt der Musikwelt der Name Leopold Koželuh (auch Koželuch, Kotzeluh, Kozeluch oder Kotzeluch) geläufig, und sein Schaffen war bis jetzt kaum in kompetent betreuten Gesamtausgaben zugänglich. Dementsprechend ist der 1747 in Böhmen geborene und 1818 in Wien gestorbene Komponist, wiewohl mit 50 Klavierkonzerten, 30 Sinfonien, 60 Klaviersonaten, mit diversen Solokonzerten sowie mit Opern, Kantaten, Balletts und Oratorien sehr produktiv, heute kaum mehr präsent im Musikbetrieb. (Und dementsprechend mager nimmt sich auch die aktuelle internationale Diskographie dieses Komponisten aus).
Mit der ersten kompletten Herausgabe von Koželuhs gesamten Klaviersonaten, deren Eröffnungsband jetzt vorliegt, füllen der Bärenreiter Verlag (Prag) und sein hier verantwortlicher Editor Christopher Hogwood färben also verdienstvoll einen weissen Flecken auf der musikalischen Landkarte Tschechiens.

Zum Bindeglied zwischen Mozart und Beethoven herabgesetzt

Kozeluch - Sonaten für Clavier - Band 1 - Bärenreiter UrtextHerausgeber Hogwood ordnet in seinem Vorwort die musikgeschichtliche Position dieses interessanten Böhmen treffend ein: „Viele der lobenden Worte, die im 18. Jahrhundert über die Musik Koželuchs geäussert wurden – sie sei rein, natürlich, gefällig, leicht usw. – wurden bald nach seinem Tod gegen ihn gewendet, als er wie Eberl, Dussek, Wölfl und sogar Clementi zu einer Nebenfigur der Stars herabgesetzt wurde, genannt nur als Bindeglied zwischen Mozart und Beethoven (oder, für den mit der Musik dieser Zeit Vertrauten, zwischen Wagenseil und Schubert). Sogar seine Neuerungen wurden als zufällige Vorwegnahmen von Beethoven und Schubert abgetan, obwohl er im Wesentlichen sowohl ihren tragisch-pathetischen Ausdruck antizipierte (wie in den Einleitungen zu seinen Sonaten in Moll-Tonarten), als auch das international gepriesene cantabile-Idiom erschuf.“

„Kantabel und expressiv“

Leopold Koželuch (1747-1818)
Leopold Koželuch (1747-1818)

Und Hogwood zitiert dazu weiter das britische Monthly Magazine aus dem Jahre 1800 quasi als Zeitzeugen: „Die Instrumentalmusik scheint jetzt perfekter zu sein als in allen früheren Perioden. Wenn die modernen Pianoforte-Sonaten auch nicht die Wildheit und Originalität von Domenico Scarlattis Cembalo-Musik haben, sind sie doch planvoller, melodiöser, und in einigen Adagios (besonders von Koželuch) ist die Melodie so kantabel und expressiv, dass es die Vollendung von dieser Art Musik zu sein scheint.“

Beethovens
Beethovens „tragisch-pathetischen Ausdruck antizipiert“: Kozeluchs Largo-Anfang der 6. Klavier-Sonate c-moll op. 2/3

Hoher klavierpädagogischer Wert

Zweihundert Jahre später mag im Überblick solche stilistische Euphorie leicht relativiert werden, doch umso höher ist der klavierpädagogische Wert von Koželuchs Sonaten – gerade auch in der „Konkurrenz“ zu Clementi oder Kuhlau – zu veranschlagen. Denn des Böhmen Klavierwerk ist im eigentlichen Sinne „klassisch“ zu nennen, in ihrer durchdachten Konstruktion und ihrem „eingänglichen“ Melos sind sie in der Tat „Modelle für Nachahmung und Studium“, wie Hogwood es formuliert: „Sie zeigen präzise bis zur Perfektion die Eigenschaften, die Theoretiker für eine Sonate am Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben haben.“

„International gepriesenes Cantabile-Idiom“: Kozeluchs Anfang des 2. Satzes der Klavier-Sonate F-Dur op. 1/1

Die gelegentliche Verwendung dieser Sonaten eines zu Unrecht vergessenen, meisterhaft komponierenden Tschechen, und sei’s vorwiegend zur „praktischen Anschauung“ ausgefeilt gearbeiteter „klassischer“ Formen (von der Sonaten-Hauptsatz-Form übers Rondo bis hin zur Variation), ist also zu empfehlen – nicht zuletzt auch als erfrischende Alternative zu Clementi, Kuhlau, Dussek&Co.

Zwischen Unter- und Mittelstufe angesiedelt

Wer als ambitionierter Klavierspieler einmal Bekanntschaft machen will mit einem fast vergessenen Meister, der greife zu diesen Sonaten von Leopold Koželuch. Der Bärenreiter-Band ist sauber gefertigt und mit umfangreichem Anmerkungs-Apparat versehen. Eine rundum verdienstvolle, allerdings nicht ganz billige, aber sehr willkommene Edition.
Wer als ambitionierter Klavierspieler einmal Bekanntschaft machen will mit einem fast vergessenen Meister, der greife zu diesen Sonaten von Leopold Koželuch. Der Bärenreiter-Band ist sauber gefertigt und mit umfangreichem Anmerkungs-Apparat versehen. Eine rundum verdienstvolle, allerdings nicht ganz billige, aber sehr willkommene Edition.

Die spieltechnischen Anforderungen sind dabei natürlich sehr unterschiedlich, übersteigen aber nie die obere Mittelstufe, decken insofern also ein breites klavierpädagogisches Feld ab. Der neue Bärenreiter-Band ist ausserdem gewohnt sauber gefertigt (inkl. handlicher Buchbindung), mit einem instruktiven Anmerkungs-Apparat versehen (Dreisprachiges Vorwort, Kritischer Editions-Kommentar, Thematischer Index), sowie garniert mit einigem Bildmaterial und zahlreichen autographischen Drucken. Insgesamt eine vorbehaltlos zu begrüssende Edition. ♦

Leopold Koželuch: Klaviersonaten (Complete Sonatas for Keyboard) Bd. 1, 196 Seiten, Bärenreiter Verlag, ISMN 979-0-2601-0501-0

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Klaviersonaten auch über Hanna Bachmann (Piano): Janacek, Beethoven (CD)

Ausserdem zum Thema Klavier über Proberäume für Musiker via Online-Miete: PianoMe

Jean Kleeb: Classic goes Jazz (Klavier-Arrangements)

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Geschmackvolle Transformation der Klassiker

von Walter Eigenmann

Puritaner unter den Klassik-Interessierten, womöglich gar akademisch geschult an einem jahrhundertelang entwickelten Kanon fixierter musikästhetischer Vorstellungen, konventioneller Hörgewohnheiten und historisch-formalisierter Konzertmuster, dürften angesichts der folgende Klavier-Takte – aus Jean Kleeb: „Classic goes Jazz“ – einigermassen angewidert die Nase rümpfen:

Jazz-Arrangement der berühmten Schumann'schen "Träumerei" für Klavier von Jean Kleeb
Jazz-Arrangement der berühmten Schumann’schen „Träumerei“ für Klavier von Jean Kleeb

Es handelt sich um die weltbekannte, tausendfach auf Schallplatten und Konzertpodien kolportierte „Träumerei“ – aber wo ist Schumann? Wo ist die hochartifizielle „Naivität“ aller seiner „Kinderszenen“; wo die abgründige, ganz und gar unkindliche Psychologie hinter diesen Miniaturen als „Rückspiegelung eines Älteren und für Ältere“, die nur in der originalen Klavierfassung aufscheinen kann; wo die rhythmische und harmonische Raffinesse der „falschen“, gleichwohl organisch wirkenden Betonungen bzw. Dynamiken des Originals; wo Schumanns romantische „Destabilisierung“ des Zeitlichen; wo der ausdrücklich intendierte musik-dichterische Aspekt, manifestiert u.a. im Kontrast der schlicht-seligen Melodik und der melancholisch-„haltlosen“ Harmonik; und überhaupt: wo ist der historisch begründende Kontext dieses Stückes, generiert durch biographische Entwicklung, kompositionstechnischen Reifegrad und stilistische Zeitgenossenschaft Schumanns? Kurzum: Romantiker Schumann goes Jazz – darf man das?

Schumann goes Jazz – darf man das?

Jean Kleeb - Classic goes Jazz - BärenreiterNatürlich ist diese Diskussion, wiewohl immer wieder (jetzt auch hier) aufgewärmt, eine uralte, vielleicht stets von neuem notwendige, aber letztlich wohl unfruchtbare. Denn wieso sollte ausgerechnet in unseren kulturellen Zeiten des „Anything goes“ die Transformation, ja Assimilierung der „Klassiker“ tabuisiert werden? Und finden nicht viele Klassik-Muffel gerade durch v.a. rhythmisierende „moderne“ Arrangements berühmter Melodien zurück zu den Quellen der Originale? Kann die Patina uralter Stücke nicht durch aktuelles „Auffrischen“ mittels „poppiger“ Rhythmik und Harmonik erfolgreich weggepustet werden? Was ist kulturell falsch daran, mittels „unterhaltenden“ Stilmitteln eine Brücke zu schlagen zwischen Altem und Neuem?
Wie schon angetönt, der hehre Disput über solche „musical correctness“ läuft letztlich auf die simple Geschmacksfrage hinaus – die breite, ohnehin weitgehend kommerziell determinierte Musikpraxis bzw. -rezeption heutzutage schert sich längst nicht mehr um derartige kulturhistorische, musikästhetisch interessante, mancherorts aber fast fundamentalistisch geführten Auseinandersetzungen.

Jazz vom Barock bis zur Spätromantik

Jean Kleeb - Glarean MagazinBleibt immerhin – um wieder zu Jean Kleebs neuem Klavierheft „Classic goes Jazz“ zurückzukehren – die Frage nach der handwerklichen Qualität solcher Transformationen. Und diesbezüglich muss sich „Classic goes Jazz“ nicht verstecken. Den 13 Jazz-Arrangements – vom barocken Bach-Menuett bis zur spätromantischen Mussorgski-Promenade – merkt man durchaus die genauere Beschäftigung Kleebs mit den Vorbildern an, etwa wenn versucht wurde, stilistisch bzw. kompositionstechnisch wichtige Elemente „hinüberzuretten“.

Diesbezüglich nur drei Beispiele:

Imitation bei Bach…

…und bei Kleeb:

Homophonie bei Mozart…

…und bei Kleeb:

Figuration bei Chopin…

…und bei Kleeb:

Den Duktus des jeweiligen „Klassikers“ also zumindest annähernd zu adaptieren war – über den reinen Wiedererkennungswert des Melodischen hinaus – offensichtlich ein Anliegen des Arrangeurs.

Die 13 jazzigen Klassiker-Adaptionen in Jean Kleebs
Die 13 jazzigen Klassiker-Adaptionen in Jean Kleebs „Classic goes Jazz“ klingen ausgesprochen „gut“, sind originell konzipiert, der Klaviersatz liegt dabei bequem in den Fingern, ist auch schlank und transparent gehalten, und die von irregulären Teilungen weitgehend befreite Rhythmik gibt auch dem „klassisch“ aufgewachsenen Amateur-Pianisten keinerlei Probleme auf.

Davon abgesehen sind aber alle Kleebschen Klassik-Bearbeitungen durchaus „pure“ Jazz-Musik (der eher traditionellen Sorte), mit allen deren typisch-standardisierten Ingredienzien, vom ternären Achtel über die exzessive Synkopierung bis zur Septimakkord-Skala. Ausserdem finden sich da und dort in rhythmischer oder melodischer Hinsicht weitere Stilrichtungen wie Tango oder Salsa eingeflochten, und dieser Stile-Mix hat durchaus seinen Reiz. Selbstverständlich will Jazz-Pianist Kleeb bei alledem seine Notentexte aber nicht als sakrosankt verstanden wissen: das Jazz-ureigene Moment des Improvisierens und Variierens gibt er auch in seinem „Vorwort“ ausdrücklich als zusätzlichen Spassfaktor auf den Weg. (Natürlich wurden sämtliche Stücke von Kleeb eigenhändig auf eine Audio-CD gespielt, die dem Notenheft beliegt).

Schlank und transparent gehaltener Klaviersatz

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Alles in allem: Die 13 Stücke von „Classic goes Jazz“ klingen ausgesprochen „gut“, sind originell konzipiert, der Klaviersatz liegt dabei bequem in den Fingern, ist auch schlank und transparent gehalten, und die von irregulären Teilungen weitgehend befreite Rhythmik gibt auch dem „klassisch“ aufgewachsenen Pianisten keinerlei Probleme auf. Spieltechnisch ist die Sammlung etwa auf dem Level „Untere Mittelstufe“ angesiedelt, also für eine Vielzahl auch der Hobby-Spieler realisierbar. Wer die Originale kennt bzw. schon spielte, geht mit schmunzelndem Augenzwinkern an Kleebs Werk, allen anderen sei der umgekehrte Weg „zurück zu den Wurzeln“ ans Herz gelegt – als heilsamer Kulturschock sozusagen… ♦

Jean Kleeb, Classic goes Jazz, 13 jazzige Arrangements für Klavier, Broschur mit Audio-CD, Bärenreiter Verlag, ISMN 979-006-53873-7

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Klavier-Arrangements auch über Susi weiss: Bar-Piano-Arrangements (Evergreens)

… sowie zum Thema Crossover-Musik über Michael Daugherty: This Land Sings – Auf den Spuren von Woody Guthrie

Classics for Pan für 1 oder 2 Panflöte(n)

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11 weltberühmte Klassik-Hits für 1 oder 2 Panflöte(n)

„Classics for Pan“ ist eine Sammlung von elf der berühmtesten Klassik-Melodien für 1 oder 2 Panflöte/n. Die Bearbeitung erfolgte in besonders leichter Manier, bei einigen Stücken kommen aber auch fortgeschrittene Spieler auf ihre Kosten. Die Melodien sind mit nur einer Panflöte ebenfalls sehr gut spielbar.

Classics for Pan - Die schönsten Klassik-Melodien für 1 oder 2 Panflöte(n)
Classics for Pan – Die schönsten Klassik-Melodien für 1 oder 2 Panflöte(n)

Der Inhalt

Andante (Mozart), Ungarischer Tanz Nr.5 (Brahms), Für Elise (Beethoven), Freude (Beethoven), Die Moldau (Smetana), Melodie (Rubinstein), Te Deum (Charpentier), Tristesse (Chopin), Aida-Marsch (Verdi), Wohl mir, dass ich Jesum habe (Bach), Barkarole (Offenbach)

Probeseiten (verkleinert)

Leseprobe 1: Freude schöner Götterfunken (Beethoven)
Leseprobe 1: Freude schöner Götterfunken (Beethoven)
Leseprobe 2: Ungarischer Tanz Nr. 5 (Brahms)
Leseprobe 2: Ungarischer Tanz Nr. 5 (Brahms)

24 Seiten – (A5) * Broschur quer
EUR/SFR 12.- (inkl. Versand)

Classics for Pan können Sie einfach hier bestellen

Lesen Sie im GLAREAN Magazin zum Thema „Musik für Panflöte“ auch über  Gospel for Pan – Berühmte Gospel und Spirituals für 1 oder 2 Panflöte(n)


Marcel Haag: „Enthüllung“ – Musik-Partitur

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Enthüllung

Polarbleich beranken die fasrigen Wolken
die Ränder des Morgens
Es tosen schwarze Tannen
in der Bise her und hin:
ein Zauberturm

Und der Ruf der Kirchenglocken
flutet durch den Mauerwald
wie ein oranges Lied

Wie könnt es anders sein?
Die Tauben fahren durch die Luft
zerfetzt ihr Flug zu Einzelheit

Die Sonne bäumt sich ganz diffus
aus ihrem Horst und sprengt
das laue Tuch des Raumes in die Weite
denn es log die Gleichheit allen Seins
im Dunkel

Aber ach
wie scharf ist bei Tag
ein Berg von einem Haus
und ein Saurier von einer Maus
getrennt

Marcel Haag, 1996

Musik-Partitur „Enthüllung“

für Bariton, Fagott, Violine, Kontrabass und DrumSet

Marcel Haag: "Enthüllung" - Partitur - Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (1)
Marcel Haag: „Enthüllung“ – Partitur – Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (1)
Marcel Haag: "Enthüllung" - Partitur - Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (2)
Marcel Haag: „Enthüllung“ – Partitur – Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (2)
Marcel Haag: "Enthüllung" - Partitur - Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (3)
Marcel Haag: „Enthüllung“ – Partitur – Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (3)
Marcel Haag: "Enthüllung" - Partitur - Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (4)
Marcel Haag: „Enthüllung“ – Partitur – Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (4)
Marcel Haag: "Enthüllung" - Partitur - Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (5)
Marcel Haag: „Enthüllung“ – Partitur – Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (5)
Marcel Haag: "Enthüllung" - Partitur - Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (6)
Marcel Haag: „Enthüllung“ – Partitur – Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (6)
Marcel Haag: "Enthüllung" - Partitur - Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (6)
Marcel Haag: „Enthüllung“ – Partitur – Erstveröffentlichung Glarean Magazin 2009 (7)

Copyright 2009 by Marcel Haag / Alle Rechte beim Autor

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Marcel Haag: "Enthüllung" (Musik-Partitur)Marcel Haag
Geb. 1969 in Arbon am Bodensee, Ausbildung zum Primarlehrer in Kreuzlingen, autodidaktische Weiterbildung zum Lyriker, Musiker, Maler und Fotograf, zwischenzeitlich Journalist bei der Basler Zeitung und beim „Nebelspalter“, lebt in Basel

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Susi Weiss: Bar-Piano-Arrangements (Evergreens)

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Swing- und Pop-Classics für Profis und Amateure

von Walter Eigenmann

Wer nach eingänglichen, leicht bis mittelschwer spielbaren Bar-Piano-Arrangements fragt, der dürfte als Antwort in den meisten Fällen v.a. einen Namen hören: Susi Weiss. Denn mittlerweile ist die „klassisch“ studierte Bad-Aiblinger Bar-Piano-Dame, die spätestens seit ihren Auftritten als Pianistin auf dem ZDF-„Traumschiff“ bekannt wurde, in den einschlägigen Fachkreisen fast ein Synonym für gepflegte Bar-Klavier-Musik geworden. Ihre Heft-Reihe „Susi’s Bar Piano“ ist inzwischen bei Amateuren wie Profis sehr verbreitet, und jetzt legt sie bereits den fünften Band mit Hit-Titeln aus der schön-schummrigen Welt des Bar-Klavierspiels vor.

Susi's Bar-Piano - Band 5 - Swing, Evergreens und Pop-Classics (Dux-Verlag)Letzteres ist dabei gar so einfach nicht, wie’s sich während des romantischen Tête-à-têtes bei Drink und Kerzenschein jeweils so einschmeichelnd anhört. Die Kunst des effektvollen Bar-Piano-Musizierens verlangt ein eigenes emotionales und doch leicht unterkühltes Timbre, einen speziellen rhythmischen „Groove“, und ein quasi „atmosphärisches“ Dynamik-Feeling, das die noble Balance zwischen Präsenz und Dezenz hält. Gute Bar-Pianisten sind selten – wenn sie mittlerweile nicht überhaupt ihre ganze Musikalität an Mikrophon und Mixer delegiert haben… Jahrelange Erfahrung, gehobene Klaviertechnik und ein (auch stilistisch) breites Repertoire sind für diesen Job unabdingbar; nichts ist falscher als das Klischee, der Bar-Piano-Player sei ein herabgesunkener Konzert-Pianist. Bar-Klaviermusik hat ihre ganz eigenen, keinesfalls simplen Gesetze, und sie ist neben der klassischen und der Jazz-Pianistik eine eigenständige (wenngleich immer seltener gehörte) dritte Klavier-Disziplin.

„Seidene Halbwelt“ in Noten übersetzt

Dieses spezifisch Improvisatorische, die musikalisch „seidene Halbwelt“, ja eine gewisse Laszivität in Rhythmus, Klang und Ausdruck des guten Bar-Pianos nun in primitive Notenschrift umzusetzen ist abermals eine sehr spezielle Herausforderung. Die Arrangeurin Susi Weiss hat da in ihren Heften einen pragmatischen, an den Voraussetzungen des eher dilettierenden Klavierspielens orientierten Ansatz gefunden. Einerseits pflegt sie rechtshändig eine oft üppige und dabei die Melodien simultan stützende Akkordik…

Susi weiss: Aus dem Arrangement von
Susi Weiss: Aus dem Arrangement von „Aquarius“

.… während die Linke rhythmisch eher simpel grundiert, zuweilen aber durchaus auch synkopisierendes Profil entwickelt:

Susi weiss: Aus dem Arrangement von
Susi Weiss: Aus dem Arrangement von „Summertime“

.Das Tonarten-Spektrum ist mit zumeist höchstens einem Vorzeichen betont eng gehalten, während die Harmonik grundsätzlich sehr kontrastierend, spannungsreich daherkommt. Letzteres ist übrigens einer der besonderen Reize aller weiss’schen Bearbeitungen.
Demgegenüber gänzlich verzichtet wird auf technisch Anspruchsvolles wie z.B. weiträumiges Arpeggieren oder variatives Skalenspiel. Wobei der/die Pianist/in das nackte Notenmaterial der Arrangeurin durchaus nicht sakrosankt nehmen sollte:  Versiertere Amateur-Spieler werden auch „zwischen den Noten“ lesen und je nach Spiellaune, insbesondere in den „Slows“, spezifisch barpianistisch „füllen“.

Willkommene Ergänzung des gepflegten Bar-Piano-Repertoires

Dieser aktuellste „Susi’s Bar Piano“-Band ist mit seinen 20 berühmten (und auch weniger berühmten) „Swings, Evergreens und Pop-Classics“ jedenfalls eine neuerlich interessante Ergänzung des gepflegten, aber nicht zu schwierigen Bar-Piano-Repertoires. Sicher nix für „Beginners“ nach zwei oder drei Jahren Unterricht, aber lockeres Spielmaterial für ambitionierte „Aufsteiger“ mit einem besonderen Bar-Feeling.
Bleibt nur zu hoffen, dass die offensichtlich sehr produktive Autorin das Niveau ihrer bisherigen Publikationen halten kann; man darf auf die weiteren Arbeiten dieser aus vielfältiger eigener Praxis heraus schaffenden Arrangeurin gespannt sein. ♦

Susi Weiss (Bearb.), Susi’s Bar-Piano / Band 5 (Swing, Evergreens, Pop-Classics), Edition Dux, 68 Seiten, ISMN M-50017-381-6

Inhalt

– Watermelon Man (Herbie Hancock)
– Just A Gigolo (Nello Casucci)
– Basin Street Blues (Spencer Williams)
– Isn’t She Lovely (Stevie Wonder)
– Piano Man (Billy Joel)
– Total Eclipse Of The Heart (Jim Steinman)
– Aquarius/Hair (Galt Mac Dermot)
– Cry Me A River (Arthur Hamilton)
– Dream A Little Dream Of Me (Willy Schwandt)
– s Wonderful (Georg Gershwin)
– Summertime (Georg Gershwin)
– In The Mood (Joseph Garland)
– Baby, It’s Cold Outside
– Daimonds Are A Girl’s Best Friend (Jule Styne)
– All My Myself (Eric Carmen)
– As Time Goes By (Herman Hupfeld)
– Harlem Nocturne (Earle Hagen)
– Blue Bossa (Kenny Dorham)
– Honeysuckle Rose (Andy Razaf)
– Mona Lisa (Ray Evans)

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Pop- und Jazz-Klaviermusik auch über Thomas Stabenow: Die Klavierstücke (CD)

…sowie zum Thema auch über Verband deutscher Musikschulen: Klavierunterricht


String Thing: Groovy Strings (Musikunterricht)

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Groove it!

von Walter Eigenmann

Pop auf der Geige, Rock mit der Bratsche, Folk im Cello, oder Latin für den Bass – geht das?? Das geht. Und wie. Den Beweis angetreten haben (längstens auf der Konzert-/Studiobühne und nun auch in Buchform) die vier deutschen StreicherInnen Jens Peizunka (Kontrabass), Mike Rutledge (Violine), Nicola Kruse (Violine) und Susanne Paul (Violoncello) – genannt „String Thing“. Das (durchwegs auf Hochschulen klassisch ausgebildete) Streicherensemble String Thing „groovt“ nunmehr schon seit zwanzig Jahren durch volle Konzertsääle und hat sich jetzt mit dem Wiesbadener Musikverlag Breitkopf & Härtel zusammengetan, um dem ganz besonderen Musik-Phänomen „Groove“ auch auf den theoretischen bzw. instrumentaldidaktischen Grund zu gehen. Entstanden ist die 140-seitige Grundlagen-Untersuchung „Groovy Strings – Rhythmus&Groove im Streicherunterricht“.

Was ist eigentlich Groove?

String Thing - Groovy Strings - Rhythmus & Groove im Streicherunterricht (Breitkopf & Härtel Verlag)Doch was ist eigentlich Groove? Mit „Groove“ verbinden die vier BuchautorInnen keinen fixierten musikwissenschaftlichen Terminus, sondern als erstes mal ein „stiltypisches Rhythmusmodell“, eine „stilistisch eindeutige rhythmische Ausprägung eines Musikstückes“; Groove umfasst „Tempo, Art der rhytmischen Phrasierung bis hin zur Verwendung typischer harmonischer, melodischer und rhythmischer Strukturen und Figuren“ (Christoph Hempel). Sodann betonen die AutorInnen den körperlichen, den spontan mitreissenden Aspekt dieses Begriffes: „Groove kann entstehen, wenn bei einem Musiker die Vorstellung des Rhythmus und seine Körperbewegung genau übereinstimmen. Dazu müssen ihm beide Ebenen mit einer Selbstverständlichkeit, einer ‚Von-alleine-Qualität‘ verfügbar sein wie etwa der Herzschlag, das Atmen oder das Gehen“.

Groove-Beispiele von im Heft durchgängig benutzten Phrasierungssilben, basierend auf der gängigen Praxis in Bigbands
Groove-Beispiele von im Heft durchgängig benutzten Phrasierungssilben, basierend auf der gängigen Praxis in Bigbands

„Jazz, Rock und Pop kann man lernen“

Diese Selbstverständlichkeit ist allerdings erst das Resultat, nicht die Voraussetzung der Jazz-/Pop-Ausbildung, denn wie die AutorInnen grundsätzlich die gängige Unterrichtspraxis an den Musik-Schulinstitutionen kritisieren: „Die Meinung unter Jazz-Pädagogen ist immer noch verbreitet, ein Schüler könne von selbst gut phrasieren oder eben nicht. Entgegen dieser Einschätzung sind wir der festen Überzeugung, dass man lehren und lernen kann, Musik aus den Bereichen Jazz, Rock und Pop stilgerecht und ‚akzentfrei‘ zu spielen. Was bisher fehlte, ist eine Methodik, die es ermöglicht, die notwendigen Grundlagen dazu systematisch zu vermitteln.“ Und weiter: „Es erscheint uns gerechtfertigt, so unterschiedliche Stile groovender Musik wie Swing, Heavy Metal, Reggae, Bossa Nova und Blues unter einem aufführungspraktischen Dach zusammenzufassen und von einer übergeordneten Aufführungspraxis zu sprechen, denn bei allen beträchtlichen Unterschieden haben diese Stile eines gemeinsam: ihre afroamerikanischen Wurzeln. Daraus erklären sich die keineswegs zufälligen, beliebigen oder austauschbaren Gesetzmässigkeiten, von denen das Rhythmusempfinden (Groove), die Artikulation, die Phrasierung und damit die spieltechnischen Besonderheiten groovender Musik geprägt sind.“

Didaktisch und praktisch leicht realisierbare Unterweisung

String Thing Quartett - Glarean Magazin
String Thing Quartett

Dass ihre „groovige“, theoretisch-methodisch sehr durchdachte, didaktisch leicht realisierbare und dabei betont am praktischen, ja „emotionalen“, weil v.a. rhythmischen Musizieren ausgerichtete Unterweisung in ziemliches musikpädagogisches Neuland vorstösst, ist den vier Buch-AutorInnen durchaus bewusst. Zu sehr verbreitet ist im herkömmlichen Streicherunterricht noch immer das „klassische“, zuweilen mit fast versnobtem Rokokko-Perücken-Puder überzuckerte Image des brav vor seinem Notenständer aufgestellten Geigenschülers, welcher lustlos, aber pflichtbewusst sein Boccherini-Menuettchen rauf- und runterfiedelt, mehr ahnend als wissend, dass seine Violine einen der Hauptpfeiler altehrwürdiger abendländischer Instrumentalkultur symbolisiert. Und das Autoren-Quartett bedauert: „Für Bläser, Pianisten und Gitarristen ist die Beschäftigung mit Jazz, Rock und Pop längst selbstverständlich. Nur bei den Streichern ist dies nach wie vor eher ungewöhnlich, und entsprechende Literatur ist kaum zu finden.“

Grooviger Zugang zur Streichmusik

Sehr richtig auch die Feststellung im Vorwort des Bandes, dass „groovende“ Musikstile aller Richtungen den jungen Musikinteressierten möglicherweise überhaupt erst den Zugang zu Geige, Bratsche oder Cello eröffnet: „Die Beschäftigung mit populärer Musik in der mitunter schwierigen Phase der Pubertät kann eine neue Perspektive aufzeigen, wenn z.B. das Spielen von klassischer Musik als ‚uncool‘ gilt und deshalb die Möglichkeit erwogen wird, den Musikunterricht entweder ganz aufzugeben oder von einem Streichinstrument zu einem Pop-tauglicheren, ‚cooleren‘ Instrument zu wechseln.“ Allein dies schon eine schlagende Argumentierung für den Einbezug von Pop-Musik in den „klassischen“ Geigenunterricht, dessen Musikauswahl nicht nur mit vergangenen Jahrhunderten, sondern auch mit der persönlich-alltäglichen, massiv Medien-gesteuerten Erlebniswelt der Jugendlichen zu tun haben sollte. (Andernfalls dürften in der Tat, wie allenthalben befürchtet, die Jahre der Geige als „Breiteninstrument“ gezählt sein.)

Unterschiedliche Musikpädagogik bei Klassik und Pop

„String Thing“: Mozart oder Hendrix? Mozart UND Hendrix!

Allerdings erfordern Jazz- und Popularmusik eine von Klassik deutlich unterschiedene Musikpädagogik. Deren Methodik- und Repertoire-Ansätze für den modernen Streicherunterricht jetzt auf gleichermassen umfassende wie anregende Weise systematisiert und in ein effizientes Unterrichtskonzept gebracht zu haben ist eine echte Pionierarbeit der als Musiker und Lehrer mehrfach international ausgezeichneten „String-Thing“-Autoren. Zusätzlich aufgewertet wird der grossformatige, auch layouterisch und notentypographisch sehr ästhetisch gestaltete Band durch die mitgelieferte Extra-CD, deren Audio-Tracks (Geige, Bratsche & Cello) sowohl zur Einstimmung am Unterrichtsbeginn als auch für den Playback-Hintergrund eingesetzt werden können.
Alles in allem ist „Groovy Strings“ nicht nur eine bis jetzt sehr vermisste Materialsammlung, sondern auch ein methodisch progressiv anwendbarer Leitfaden, der zwar nur bedingt bei Anfängern, aber ab spätestens drittem Unterrichtsjahr systematisch eingesetzt werden kann, und dessen hoher Spassfaktor die vor lauter ehrwürdiger Geigentradition muffige Luft in so mancher Musikschulstube schlagartig verbessern könnte. „Groovy Strings“ ist nicht die Alternative, aber eine wertvolle Ergänzung zum „Klassik“-Unterricht. Das Werk gehört definitiv in die Notenmappe eines jeden Streicher-Pädagogen – direkt neben Mozart & Co. ♦

String Thing: Groovy Strings, Rhythmus&Groove im Streicherunterricht, 140 Seiten & CD, Breitkopf-Härtel Verlag, ISBN 978-3-7651-0387-2

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Streicherunterricht auch über M. Dartsch & S. Richter: Der Cellokasten
… sowie zum Thema Musikunterricht über Gerd Arendt: Instrumentalunterricht für alle?
Ausserdem im GLAREAN zum Thema Musik-Psychologie: Was bringt den Jazz wirklich zum Swingen? – Über das Mikrotiming im Rhythmus


Alexandra Fink: Mit 50 Witzen zum Notenlese-Profi

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Keine Angst vorm hohen C

von Walter Eigenmann

Wenn’s darum geht, jungen und jüngsten Instrumental- oder Gesangszöglingen geläufiges Notenlesen beizubringen, führen bekanntlich zahlreiche Wege nach Rom. Eine vergnügliche Art, Kindern (im lesefähigen Alter) die oft nur schwer im Gedächtnis haftenden Notenamen einzuverleiben, präsentiert nun Alexandra Fink im Musikverlag Nepomuk. „Mit 50 Notenwitzen zum Notenlese-Profi“ nennt sich das Heft, welches mit seinem halben Hundert an Rätseln, Witzen und anderen Spass-Kniffeleien kleinere oder auch grössere Novizen in die Geheimnisse des richtigen Lesens der schwarzen Punkte auf den fünf Linien einführen will. Dabei haben die angehenden Prima-Vista-Experten bei jeder Aufgabe Buchstabenlücken zu füllen, um den Inhalt der witzigen Sprüche entschlüsseln zu können.

Gemächlicher Aufbau des Materials

Alexandra Fink: Mit 50 Notenwitzen zum Notenlese-Profi (Nepomuk Verlag)Das Heft – hier in der Ausgabe für Violin-&Bass-Schlüssel –  ist progressiv aufgebaut, weitet den Tonraum sukzessive aus, und beginnt erst mit den beiden Schlüsseln getrennt, um sie dann abwechselnd und schliesslich bunt gemischt (quasi als Klavierstimme) zu bringen.
Allzu kompliziert geht’s dabei nicht zur Sache, die Autorin beschränkte sich auf 1 „Kreuz“ und 1 „Be“, und ausserdem ist jeweils ausschliesslich die Tonhöhe gefragt:

Alexandra Fink: Mit 50 Notenwitzen zum Notenlese-Profi (Tonumfang)
Alexandra Fink: Mit 50 Notenwitzen zum Notenlese-Profi (Tonumfang)

Wer also als Musiklehrer/in noch ein bisschen Hausaufgaben-Material sucht, um den „hartnäckigen“ Fällen unter der Schülerschaft in Sachen Notenkapieren auf amüsante Weise zu mehr „Praxis“ zu verhelfen, holt sich diese 50 Sprüche und verteilt sie wohldosiert. Natürlich ist dies Werk der Tösstaler Autorin – sie lebt als freischaffende Illustratorin in Tablat – auch fürs Selbststudium von erwachsenen Anfängern gut geeignet. Ein Heft mit Trainingswert – nützlich! ♦

Alexandra Fink, Mit 50 Notenwitzen zum Notenlese-Profi (Ausgabe Violin-&Bassschlüssel), Nepomuk Verlag Basel (Breitkopf&Hàrtel), 56 Seiten, ISMN M-50009-278-0

Leseprobe

Alexandra Fink: Mit 50 Notenwitzen zum Notenlese-Profi (Probeseite mit Rätsel)
Alexandra Fink: Mit 50 Notenwitzen zum Notenlese-Profi (Probeseite mit Rätsel)

Lesen Sie im Glarean Magazin auch über Ralf Beiderwieden: Musik unterrichten

Ausserdem zum Thema Musikunterricht über Ulrich Kaiser: Gehörbildung


Kurt Estermann: Missa brevis (Kirchenmusik)

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Missa Brevis für Chor und Orgel

von Walter Eigenmann

Der 1960 in Innsbruck geborene Komponist Kurt Estermann zählt zu den fruchtbarsten und interessantesten Vertretern der jüngeren österreichischen Kirchenmusik-Komponisten. Im Wiener Musikverlag Doblinger legt Estermann nun eine neue, vor einem Jahr entstandene „Missa brevis für gemischten Chor, Chororgel (Orgelpositiv) und grosse Orgel“ vor.

Kurt Estermann: Missa brevis für Gemischten Chor, Orgelpositiv und Grosse OrgelEstermanns Schaffen umfasst mittlerweile eine ganze Reihe von Orgel-, Chor- und Orchesterwerken, darunter drei Sinfonien, und seine schöpferische Intention hat der bereits mehrfach international ausgezeichnete, u.a. am Salzburger Mozarteum lehrende und wirkende Komponist&Organist vor einigen Jahren so umschrieben: „Die Auseinandersetzung mit vorgegebenen Formen erzwingt neue Inhalte – wobei die Ausrichtung auf das „Spannungsfeld Tradition“ zwischen Adaption und Zerschlagung wechselt. Offenheit gegenüber neuesten Tendenzen misst sich mit der Bewertung der eigenen Identität: expressiver Klang und durchdachte Konstruktion, Emotion und Experimente mit Zahlen und Intervallen, Konsequenz und permanente Infragestellung – das weite Feld zeitgemässer Ausdrucksmittel muss sich immer durch kompositorisches Gestalten bewähren.“

Unterschiedliche Zuordnung der Ausführenden

Die Messe-Vertonung beinhaltet die Sätze Kyrie, Gloria, Sanctus und Agnus Dei, sie dauert zwölf Minuten, und ihre Uraufführung erfolgte im September 2007 in St. Pauls (I) mit dem Ensemble VocalArt Brixen unter Heinrich Walder.

Der Komponist selber zu seinem Werk: „Diese lateinische Ordinarium-Vertonung nutzt durch die unterschiedliche Zuordnung der Ausführenden die Raumakustik eines Kirchenraumes: der Chor findet seine Aufstellung im Bereich des Presbyteriums möglichst in der Nähe der Chororgel, die grosse Orgel dem gegenüber im Bereich des Westwerks. Der Reiz der Musik besteht im Wechselspiel beider Gruppen, eventuelle Koordinationsprobleme sollten mit Subdirigenten gelöst werden. Ganz bewusst wurden in der Struktur des Tonmaterials Anklänge und Teile aus der gregorianischen „Missa de Angelis“ verwendet. Dabei ist – vom Erkennungswert her – eine „innere“ participatio actuosa aller Beteiligten beabsichtigt. Die Funktion der Chororgel kann im gegebenen Fall durch ein entsprechendes Orgelpositiv erfüllt werden. Der Gebrauch des Pedals ist deshalb ad libitum, ebenso die mögliche Zuteilung der Musik auf mehrere Manuale oder Soloregister.“

Kurt Estermann: Missa brevis für Gemischten Chor, Orgelpositiv und Grosse Orgel, Doblinger Verlag

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Messe-Vertonungen auch über Frank Martin: Messe für Doppelchor (CD)
Ausserdem zum Thema sakrale Musik über den Internationalen Kompositionswettbewerb Sacrarium 2021

Egon Sassmannshaus: Spielbuch für Streicher (Musikunterricht)

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Orchester-Vorschule für Kinder

von Walter Eigenmann

Der professionellen Streicher-Lehrerschaft den „Sassmannshaus“ vorstellen zu wollen hiesse Eulen nach Athen tragen: Längst ist das vierbändige Schulwerk „Früher Anfang…“ der beiden renommierten Violinpädagogen Egon (Vater) und Kurt (Sohn) Sassmannshaus zu einem (auch internationalen) Klassiker des Streicher-Unterrichts avanciert. Die verschiedenen, pädagogisch abgestuften Hefte (je für Geige, Bratsche und Cello) präsentieren sich nun in komplett neuem Gewand, an dessen frischer Attraktivität u.a. die bekannte Kinderbuch-Illustratorin Charlotte Panowksy wesentlichen Anteil hat.

Eine kleine Orchestervorschule für Kinder

Bärenreiters Sassmannshaus - Das Standardwerk für junge Streicher - SpielbuchErgänzt wird der seit jeher im Bärenreiter Verlag aufgelegte „Sassmannshaus“ immer wieder durch neue „Spielbücher“, welche das eigentliche Lehrwerk alternieren und quasi als kleine „Orchestervorschule für Kinder“ fungieren. Das aktuellste „Spielbuch für Streicher“ (als stark modernisierte 3. Auflage) wendet sich an Kinder ab sechs Jahren, setzt allenfalls die Kenntnis einfacher Volkslieder voraus, führt aber doch behutsam bereits in die ersten Versuche des mehrstimmigen Spiels ein. Zugleich wird mittels ausgedehntem Kanon-Spiel die Konzentration auf Rhythmik und Taktsicherheit gelenkt. Die schwierigeren Stücke des Heftes sind dabei bewusst noch dreistimmig (2 Geigen & Cello) gesetzt, mitgeliefert wird aber auch eine spezielle Bratschen-Stimme, welche in einzelne Lieder integriert werden kann und so die Vierstimmigkeit interessant vorbereitet.
Der Band kommt in bei Bärenreiter gewohnt hervorragender Druck-, Notensatz- und Layout-Qualität daher, wirkt nicht überladen mit allzuviel Illustrativem, sondern gewährt genug Platz für die didaktisch unverzichtbaren Notizen, und bietet trotzdem eine ansehnliche Fülle an „altem und neuem“ Unterrichtsmaterial. Jene Lehrerschaft, die ohnehin mit dem „Sassmannshaus“ arbeitet, setzt diese neue, sehr kindgerecht konzipierte „Orchester-Vorstufe“ zweifellos mit Gewinn ein.

Egon Sassmannshaus, Spielbuch für Streicher, Eine Orchestervorschule für Kinder, Bärenreiter Verlag, ISMN M-006-53661-0

Probeseite

Bärenreiters Sassmannshaus - Das Standardwerk für junge Streicher - Spielbuch (Leseprobe)
Bärenreiters Sassmannshaus – Das Standardwerk für junge Streicher – Spielbuch (Leseprobe)

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis Sassmannshaus - Spielbuch
Inhaltsverzeichnis Sassmannshaus – Spielbuch

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema „Instrumentalunterricht“ auch über Michael Dartsch: Musik lernen, Musik unterrichten

… sowie zum Thema Cello auch über Eric Siblin: Auf den Spuren der Cello-Suiten


Leichte Orgel-Stücke des 19. Jahrhunderts

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 2 Minuten

Einfaches von Rheinberger & Co.

von Walter Eigenmann

Qualitätsvolle, nicht zu umfangreiche Orgel-Literatur aus dem vorletzten Jahrhundert (Romantik), welche auch für Amateur- bzw. nebenamtliche Organisten geeignet, mithin technisch nicht zu schwierig ist, findet sich nicht gar so häufig. Umso verdienstvoller die neue Reihe des Bärenreiter-Verlages, welcher nach den drei bereits erschienenen Bänden nun einen vierten mit „Leichten Orgelstücken des 19. Jahrhunderts“ auflegt.

Diesmal widmet sich Herausgeber Martin Weyer dem grossen Sonaten-Komponisten und Orgelsatz-Techniker Josef G. Rheinberger sowie mit Josef Renner und John E. West zweien seiner eifrigsten „Adepten“. Das sorgfältig editierte, mit zwei Rheinberger-Faksimilia illustrativ ergänzte Heft versammelt insgesamt 24 kürzere Stücke dieser drei Komponisten für ein- bis zweimanualige Instrumente.

Stücke für ein- bis zweimanualige Instrumente

Leichte Orgelstücke des 19. Jahrhunderts, Bd.IV
Leichte Orgelstücke des 19. Jahrhunderts Bd.IV

Sehr willkommen dabei neben einer rhythmisch originellen Passacaglia in h-moll des kaum bekannten Engländers und Rheinberger-Verehrers West auch Erstveröffentlichungen von Rheinberger, dessen vier Orgelstücke aus dem Jahre 1858 als Jugendarbeiten in Vaduz entstanden und, jetzt publiziert, eine interessante dokumentarische Erweiterung zur Rheinberger-Biographie und -Rezeption darstellen.
Der Band eignet sich sowohl technisch wie historisch-stilistisch hervorragend für die ambitionierte Orgel-Pädagogik, dürfte aber durchaus auch in der liturgischen Laien-Kirchenmusik gute Dienste leisten.

M. Weyer (Hrsg.), Leichte Orgelstücke des 19. Jahrhunderts, Bd.IV, 64 Seiten, Bärenreiter Verlag, ISMN M-006-53610-8

Leseprobe

Josef Gabriel Rheinberger - Leichte Orgelstücke des 19. Jahrhunderts - Bärenreiter Verlag (Leseprobe)
Josef Gabriel Rheinberger – Leichte Orgelstücke des 19. Jahrhunderts – Bärenreiter Verlag (Leseprobe)

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema „Tasten-Musik der Romantik“ auch über Severin von Eckardstein plays Robert Schumann (CD)

… sowie zum Thema Kirchenmusik über Kurt Estermann: Missa brevis für Chor und Orgel

Eva-Maria Neumann: Geigenschule für Kinder

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 3 Minuten

Didaktisch interessanter Violin-Unterricht

von Walter Eigenmann

Geigenschulen gibt es, nach ein paar Jahrhunderten abendländischer Kunstmusik, mittlerweile wie Sand am Meer (oder Saiten auf der Welt). Und doch fällt findigen Experten (bzw. Musik-Verlagen) immer wieder Neues ein zu jenem Instrument, von dem zwar „der Himmel voll hängt“, aber das auch solche „Teufel“ wie z.B. Paganini virtuos „traktierten“. Eine neue „Geigenschule“ von Eva-Maria Neumann setzt eine alte Tradition fort.

Zu jenen PädagogInnen, welche didaktisch unausgetretene Wege für junge Musik-Sprösslinge und deren Geigen-Wunsch bahnen, gehört offenbar die Aachener Violinistin und Orchester-Musikerin Eva-Maria Neumann. Die bekannte Musikerlehrerin (und autobiographische Schriftstellerin) Neumann legt das erste Heft ihrer „Geigenschule für Kinder im Einzel- und Gruppenunterricht“ vor. Es umfasst alle thematischen Schwerpunkte des typischen Violine-Anfänger-Spiels: Musik auf leeren Saiten, Fingersatz auf einer/mehreren Saiten, Dritte Lage oder Lagen-Wechsel, Anfänger-Bogentechniken u.a.

Fantasie mit Technik verbunden

Nun kann man, wie zuweilen ehemalige GeigenschülerInnen noch als Erwachsene zu stöhnen pflegen, die oft schwierige Materie „Geigenunterricht“ dezidiert akademisch darbieten – oder aber so wie diese neue Edition. Denn auf eine abwechslungsreiche, die kindliche Spiel- und Entdecker-Lust befriedigende Unterweisung legte Neumann sichtlich Wert: Die jungen Violinkünstler können musikalische Puzzles lösen, mit Klängen experimentieren, Texte und Titel selber erfinden oder sich gar an ersten Improvisationen versuchen. Dazu die Autorin: „Mein ganz besonderes Anliegen ist es, fantasievolles kreatives Gestalten mit einer fundierten technischen Ausbildung zu verbinden.“

Mehrstimmig mit ausgeprägten Melodien

FAZIT: Die „Geigenschule für Kinder im Einzel- und Gruppenunterricht“ von Eva-Maria Neumann ist der Erföffnungsband einer abgerundeten, um das frühkindliche Geigenspiel verdienten Edition, die im Instrumentalunterricht jener Lehrerschaft, welche neuen pädagogischen Bestrebungen gegenüber aufgeschlossen ist, gewiss ihren Weg machen wird.

Für die Motivationssteigerung des wöchentlichen Unterrichts hat Neumann weitgehend auf (die einst so vielgenutzten bzw. -gehassten) „Etüden“ verzichtet und stattdessen konsequent auf zwei- bzw. mehrstimmiges Spielen von melodisch ausgeprägtem Liedmaterial gesetzt. Zudem sind sämtliche Stücke im Schüler-Lehrer-Duett ausführbar, für entsprechend ausgebildete PädagogInnen oder dann auch zum Konzertieren mit Zuzüger liegt als besonderes Highligt ein eigenes Klavier-Begleitheft bei. (Hingegen fehlt dieser Geigenschule jenes Medium, auf das der neuzeitliche Instrumentalunterricht immer häufiger zurückgreift, nämlich die Compact-Disk mit ihren spezifisch Möglichkeiten des häuslichen Playback-Spielens, Memorierens und Variierens.)

Frühkindliches Geigenspiel optisch unterstützt

Äuβerlich kommt das neue Geigenheft betont „frisch-fröhlich-farbig“ daher, ohne dass allerdings der Notentext seine Dominanz verloren hätte bzw. mit allzu üppigem Bildchen-Salat zugepinselt worden wäre. Der von Pia Eisenbarth witzig illustrierte Band ist vielmehr layouterisch locker-flüssig strukturiert, mit einem groβzügigen Notensatz, der auch für Lehrer-Notizen genügend Platz hält.

Alles in allem der Eröffnungsband einer abgerundeten, um das frühkindliche Geigenspiel verdienten Edition, die im Instrumentalunterricht jener Lehrerschaft, welche neuen pädagogischen Bestrebungen gegenüber aufgeschlossen ist, gewiss ihren Weg machen wird. ♦

Eva-Maria Neumann: Geigenschule / Heft 1, Breitkopf & Deutscher Verlag für Musik, 124 Seiten, ISMN 200405590

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema „Geigenschule“ auch über Egon Sassmannshaus: Spielbuch für Streicher
… sowie zum Thema Rock&Pop im Streicherunterricht über String Thing: Groovy Strings