Umfrage: Die beliebtesten Schachprogramme

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 5 Minu­ten

Das eiserne Triumvirat: Fritz – Rybka – Shredder

von Walter Eigenmann

Über 5’000 Votes ver­zeich­nete die grosse Schach-Umfrage, wel­che das „Glarean Maga­zin“ anfangs Okto­ber letz­ten Jah­res gestar­tet hatte. Nun steht fest, wel­ches aktu­ell die belieb­tes­ten Schach­pro­gramme sind.

Der zwei­mo­na­tige, anonym durch­ge­führte Poll the­ma­ti­sierte dabei die vier Aspekte:

  • A) „Meine 3 Lieb­lings-Schach-Pro­gramme sind…“
  • B) „Ich benütze meine Schach-Soft­ware haupt­säch­lich für…“
  • C) „Meine 3 Lieb­lings-Schach-Ober­flä­chen sind…“
  • D) „Ein Schach­pro­gramm darf kosten…“

Dank einer­seits ver­schie­de­ner natio­na­ler sowie zahl­rei­cher regio­na­ler Schach-Ver­bände, wel­che auf diese User-Befra­gung hin­wie­sen – wodurch weite Kreise des „Ver­eins-Schachs“ in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz ange­spro­chen wer­den konn­ten -, aber auch zwei­tens auf­grund des hohen Inter­es­ses in der ein­schlä­gi­gen (Computer-)Schach-Szene im Inter­net erreichte diese „Schach-Volks­ab­stim­mung“ dabei nicht nur inter­na­tio­nale Ver­brei­tung weit über den deutsch­spra­chi­gen Raum hin­aus, son­dern auch einen recht guten „Pro­file-Mix“ der teil­neh­men­den Schach­spie­ler. Inso­fern dür­fen die Ergeb­nisse der Befra­gung einige Reprä­sen­tanz bean­spru­chen, jeden­falls aber ist sie die zur­zeit ein­zige Anwen­der-Kon­sul­ta­tion mit die­ser The­ma­tik, die bis­lang mit sol­chem Umfang und in die­ser Dif­fe­ren­ziert­heit inner­halb der akti­ven Schach­welt orga­ni­siert wurde.

Stichworte und Trens

Das
Das „Arena“-Interface von Mar­tin Blume

Die fol­gen­den Infos ver­ste­hen sich nicht als detail­lierte Ana­lyse, son­dern beschrän­ken sich auf ein paar Stich­worte und auf die Trends, wie sie sich in den vier „Ran­kings“ zei­gen. Dar­über hin­aus ist wie jede Umfrage auch diese viel zu grob, um ein dif­fe­ren­zier­tes Bild der mitt­ler­weile so unüber­seh­ba­ren wie bunt­schil­lern­den Com­pu­ter­schach-Welt zu zeich­nen – ganz abge­se­hen von den ver­al­te­ten und hier aus­ge­klam­mer­ten, aber in Nischen noch immer nost­al­gisch gepfleg­ten Urah­nen der Szene, näm­lich den eigent­li­chen Schachcomputern.

Dar­über hin­aus ist sich der Autor natür­lich bewusst, dass neben den zahl­rei­chen gestell­ten Fra­gen noch viele andere Aspekte des The­mas – Inter­net-Schach-Cli­ents, Pocket-Pro­gramme, Anzahl Pro­zes­so­ren u.a. – hät­ten inte­griert wer­den kön­nen, doch es galt, eini­ger­mas­sen die Balance zwi­schen der Geduld der Votie­ren­den einer­seits und dem Anspruch auf Voll­stän­dig­keit ande­rer­seits zu finden…
An die­ser Stelle sei noch­mals aus­drück­lich allen Schach­spie­lern gedankt, die sich die Zeit nah­men, durch die vier Poll-Rubri­ken zu klicken!

A) Das Lieblingsprogramm: Rybka

Ein Vier­tel aller Voten ent­fiel bei der Frage nach den drei Lieb­lings-Schach­pro­gram­men auf die Engine „Rybka“. Damit ver­drängte, aller­dings nur hauch­dünn, diese zur­zeit spiel­stärkste Soft­ware über­ra­schend den jah­re­lang unum­strit­te­nen Lieb­ling der inter­na­tio­na­len Schach­szene, näm­lich „Fritz“, auf den zwei­ten Rang. Ziem­lich beliebt ist aber auch bzw. nach wie vor der Dritt­plat­zierte „Shred­der“.
Hin­ter die­sem mitt­ler­weile schon lange eta­blier­ten Tri­um­vi­rat bereits deut­lich abge­schla­gen ran­giert mit „Hiarcs“ das vierte kom­mer­zi­ell ver­trie­bene Programm.

An der Spitze aller Free­ware-Pro­gramme steht „Glaurung/Stockfish“, das sich sogar vor die bei­den in der Com­pu­ter­schach-Szene seit Jah­ren bekann­ten und eher im eng­lisch­spra­chi­gen Raum ver­brei­te­ten, sei­ner­zeit aber auch hier­zu­lande  viel­ge­se­he­nen kom­mer­zi­el­len Engi­nes „Zappa“ und „Chess­mas­ter“ schie­ben konnte.
Keine Rolle mehr im sich schnell dre­hen­den Engine-Zir­kus spie­len offen­bar sol­che einst klang­vol­len Namen wie „Spike“, „Pro Deo“, „Loop“, „Sjeng“ oder „Chess Tiger“. Ande­rer­seits kann sich ein Win­board-Dino­sau­rier wie „Crafty“ noch immer recht gut hal­ten in der Gunst der schach­spie­len­den Anwenderschaft.

Programm/Engine                      Votes1  Prozent2
01. Rybka                            406       25%
02. Fritz                            403       24%
03. Shredder                         322       19%
04. Hiarcs                            78        5%
05. Glaurung/Stockfish                69        4%
06. Zappa                             59        4%
07. Fruit/Toga                        51        3%
08. Chessmaster/TheKing               46        3%
09. Junior                            35        2%
10. Naum                              35        2%
11. Crafty                            30        2%
12. Bright                            18        1%
13. ProDeo                            18        1%
14. Thinker                           13        1%
15. Sjeng                             12        1%
16  Spike                             10        1%
(Weitere Nennungen: Loop, Genius, Hermann, Jonny, Goliath u.a.)
1(mindestens 10)        2(auf-/abgerundet)

B) Der Hauptzweck: Analyse der eigenen Partien

Die Ana­lyse von eige­nen Par­tien als wich­tigs­ter Ver­wen­dungs­zweck von Schach­soft­ware wurde von der über­wäl­ti­gen­den Mehr­heit (fast einem Drit­tel der ins­ge­samt 1’505 Votes in die­ser Rubrik) genannt – ein Umfrage-Ergeb­nis, das nicht erstaunt. Weit weni­ger häu­fig wer­den „Rybka“&Co. zur Begut­ach­tung frem­der Games ein­ge­setzt (13%). Am dritt­häu­figs­ten trifft man das Spiel im Inter­net mit­tels Schach­soft­ware an.
Erstaun­lich ist, dass zahl­rei­che Schach­spie­ler noch immer per­sön­lich gegen die 3000-Elo-Tak­tik-Ali­ens antre­ten (10%), wäh­rend die rela­tiv häu­fige Zuhil­fe­nahme von Soft­ware beim Fern­schach-Spie­len nicht über­rascht (9%).

Verwendungszweck                     Votes     Prozent
01. Analyse eigener Partien          450       30%
02. Analyse fremder Partien          199       13%
03. Spielen im Internet              195       13%
04. Spielen gegen den Computer       143       10%
05. Fernschach-Spielen               140        9%
06. Lösen von Schachproblemen         91        6%
07. Schachturniere unter Programmen   79        5%
08. Schachlernen oder -lehren         78        5%
09. Schachwissenschaftliche Zwecke    38        3%
10. Spielen auf dem Handy             33        2%
11. Schachhistorische Zwecke          26        2%
12. Schachturniere unter Menschen     20        1%.
(Weitere Nennungen: Schachprogrammierung, Eröffnungstheorie u.a.)

C) Die Lieblings-Oberfläche: „Fritz“

Das
Das „Scid“-Interface von Shane Hudson/Pascal Georges

Mit deut­li­chem Vor­sprung erkür­ten die Abstim­mer „Fritz“ zu ihrem Lieb­lings-Inter­face; über ein Drit­tel aller Votes hier ver­einte das Chess­base-Flagg­schiff auf sich. Am zweit­häu­figs­ten mit immer noch statt­li­chem Anteil von fast 20% wurde „Shred­der“ gewählt, den drit­ten Rang nimmt die Free­ware-Ober­flä­che „Arena“ ein.

Beacht­lich ist, dass sich das noch rela­tiv junge Schach-GUI „Aqua­rium“ von Con­vekta noch vor dem lang­jäh­ri­gen und kos­ten­lo­sen „Scid“ plat­ziert, wäh­rend der ebenso tra­di­ti­ons- wie Fea­ture-rei­che „Chess­As­sistant“ offen­bar nur eine mar­gi­nale Rolle spielt; kaum mehr benutzt wer­den auch die kos­ten­los down­load­ba­ren Inter­faces „José“ und „Win­board“. End­gül­tig von der Bild­flä­che der Pra­xis ver­schwun­den sind inzwi­schen GUIs wie „Chesspartner“/Lokasoft oder „Chess­Ge­nius“.

Programm/GUI                         Votes     Prozent
01. Chessbase/Fritz                  454       35%
02. Shredder                         242       19%
03. Arena                            157       12%
04. Chessbase/Datenbank              154       12%
05. Aquarium                          90        7%
06. Scid                              64        5%
07. Chessmaster                       41        3%
08. Winboard                          38        3%
09. ChessAssistant                    26        2%
10. Jose                              16        1%
(Weitere Nennungen: Chesspartner, ChessGenius u.a.)

D)  Wie teuer darf Schach-Software sein?

Auf die Frage, wie viel ein Schach­pro­gramm kos­ten darf, ergab sich über­ra­schen­der­weise ein recht hoher Anteil von Schach­spie­lern, die rela­tiv viel für sol­che Soft­ware zu inves­tie­ren bereit sind, und etwa jedem sieb­ten User ist der Preis egal, solange das Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis stimmt. Als unge­fäh­rer Richt­wert kann aber offen­bar wohl von einem breit akzep­tier­ten Preis eines Schach­pro­gram­mes von ca. 50 Euro aus­ge­gan­gen wer­den. Nicht berück­sich­tigt wurde dabei die Frage des Preis­un­ter­schie­des von Sin­gle- und Multi-Prozessoren-Software.

Preis                                Votes     Prozent
01. 40-70 Euro                       227       36%
02. 20-40 Euro                       165       26%
03. Egal (bei gutem Preis-
    Leistungs-Verhältnis)             86       14%
04. 70-120 Euro                       52        8%
05. 10-20 Euro                        43        7%
06. 0 Euro                            36        6%
07. Über 120 Euro                     12        2%

(Wei­tere Nen­nun­gen: Bis 50 Euro, 1CPU=50 Euro, u.a.)

Lesen Sie im Glarean Maga­zin zum Thema Com­pu­ter­schach die grosse Umfrage: Schach­spie­ler benüt­zen wel­che Pro­gramme wie und wann?

… sowie über den Engine-Test Night­mare 2

aus­ser­dem im Glarean Maga­zin: Nut­zen und Scha­den der Endgame-Tablebases

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