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CD-Besprechungen

Jacques Stotzem: Places we have been (Audio-CD)

Horst-Die­ter Rad­ke · 11. Ok­to­ber 2019

Melodisch frei entfaltete Gitarre

von Horst-Die­ter Radke

Er muss nichts mehr be­wei­sen, denn in sei­ner nun­mehr fast vier­zig­jäh­ri­gen Kar­rie­re hat der bel­gi­sche Gi­tar­rist Jac­ques Stot­zem aus­rei­chend ge­zeigt, dass er nicht nur ein ver­sier­ter Steel­string-Gi­tar­rist ist, son­dern auch ein ganz pas­sa­bler Kom­po­nist und Arrangeur.

Jacques Stotzem - Places we have been - Musik-CD Gitarre - Acoustic Music Records - Glarean MagazinStot­zem ge­hört nicht zu de­nen, die Pat­tern an­ein­an­der­rei­hen, son­dern baut sei­ne Kom­po­si­tio­nen lo­gisch und har­mo­nisch auf. Me­lo­dien wer­den nicht in ein Ak­kord­ge­rüst ge­klemmt, son­dern ent­fal­ten sich frei und nicht sel­ten von kon­tra­punk­ti­schen Bass­li­ni­en un­ter­malt. Sei­ne har­mo­ni­schen Struk­tu­ren sind dem Jazz nä­her als ein­fa­chen Folk- und Blues-Songs. Nun legt er mit „Places we have been“ ein wei­te­res Zeug­nis sei­ner Schaf­fens­kraft auf.

Ne­ben sei­nen ei­ge­nen Kom­po­si­tio­nen ar­ran­giert Stot­zem Songs aus Rock und Pop für die Akus­tik­gi­tar­re, von Jimi Hen­drix und Rory Gal­lag­her bei­spiels­wei­se. Letz­te­rem hat er so­gar eine ei­ge­ne CD ge­wid­met: To Rory (2015).

Ruhige musikalische Reise

Die ak­tu­el­le CD „Places we have been“ – die 18. in sei­nem Oeu­vre – ent­hält neun gröss­ten­teils ru­hi­ge Kom­po­si­tio­nen, die schon beim ers­ten Hö­ren für sich ein­neh­men. Doch erst beim wie­der­hol­ten Auf­le­gen ent­fal­ten sie ihre gan­ze Schön­heit. Stot­zem will mit die­sem Al­bum an die Sta­tio­nen sei­ner mu­si­ka­li­schen Rei­sen er­in­nern, denn er ist Gast auf den Kon­zert­büh­nen der gan­zen Welt. Wo die ein­zel­nen Sta­tio­nen lie­gen, er­fährt der Hö­rer nicht, denn die Ti­tel sind recht all­ge­mein ge­hal­ten und Re­mi­nis­zen­zen an be­stimm­te Re­gio­nen sind kaum zu erkennen.

Er spielt von Plät­zen, an de­nen „wir“ wa­ren (Places we have been), be­schreibt mu­si­ka­lisch er­leb­te Mo­men­te, die ewig an­dau­ern könn­ten (It could last fo­re­ver), er­zählt von Auf­bruch (Mor­gen geht’s wei­ter) und An­kom­men im Nir­gend­wo (Midd­le of nowhe­re), von ru­hi­gen Mo­men­ten (La tran­quill­té des jours simp­les) und nost­al­gi­schen Er­in­ne­run­gen an ei­nen Abend (Nost­al­gie d’un soir). Das ist so un­be­stimmt be­nannt, dass sich der Hö­rer nicht von frem­den Er­in­ne­run­gen ge­fan­gen neh­men las­sen muss, son­dern ei­ge­ne dar­an knüp­fen kann. Stot­zems mu­si­ka­li­sche Rei­se wird so auch zu ei­ner ei­ge­nen, selbst erlebten.

Anfangstakte des Titelstücks der CD "Places we have been" des Gitarristen und Komponisten Jacques Stotzem
An­fangs­tak­te des Ti­tel­stücks der CD „Places we have been“ des Gi­tar­ris­ten, Ar­ran­geurs und Kom­po­nis­ten Jac­ques Stotzem

Nahtlos-kunstvolle Übergänge

Jacques Stotzem - Gitarrist - Places we have been - Glarean Magazin
Jac­ques Stot­zem (*1959)

Die Wer­bung spricht von der „Leich­tig­keit der Me­lo­die­li­ni­en“. Für mich hört sich das im­mer an wie die Wer­bung für Scho­ko­la­de, die „so leicht schmeckt“. Wor­te, die tat­säch­lich kei­nen Sinn er­ge­ben und nur ei­nen sub­jek­ti­ven Ein­druck beim Le­ser oder Hö­rer er­zeu­gen sol­len. Was aber klar wird beim Hö­ren, dass es eben tat­säch­lich Me­lo­dien sind, die Stot­zem als Grund­la­ge sei­ner Kom­po­si­tio­nen nimmt und auch deut­lich aus­ar­bei­tet, kei­ne lee­ren Har­mo­nien, kei­ne Ak­kord­clus­ter oder ein­fach nur kur­ze Riffs. Man kann mit­sum­men, wenn man will. Man könn­te mit­sin­gen, wenn man sich ei­nen Text dazu ein­fal­len lässt. Die Me­lo­dien sind nicht ein­fach ge­baut, aber durch­aus ein­gän­gig. Man hört die­se Me­lo­dien auch dann noch, wenn der Gi­tar­rist das Zupfen/Picking ver­lässt und per­kus­si­ve Schlag­tech­ni­ken an­wen­det. Er be­herrscht dies so kunst­voll, dass es fast nicht be­merkt wird, wenn er von der ei­nen zur an­de­ren Tech­nik wech­selt. Das geht so naht­los in­ein­an­der über, dass die Über­gän­ge als sol­che nicht auffallen.

Fa­zit: „Places we have been“ von Jac­ques Stot­zem ist nicht nur den Af­fi­ci­o­na­dos der Steel­string-Gi­tar­re zu emp­feh­len, son­dern al­len, die gern ru­hi­ge, an­spruchs­vol­le Mu­sik hö­ren. Man hört sie sich nicht so schnell leid – wenn über­haupt -, und fin­det im­mer wie­der et­was in die­sen klei­nen „Mi­nia­tu­ren“ zu ent­de­cken. Die­ser ru­hi­ge Mu­si­ker gibt et­was von sei­ner Un­auf­ge­regt­heit auch an sei­ne Hö­rer wei­ter – selbst dann, wenn die Mo­men­te der Span­nung und Ent­span­nung häu­fig wech­seln. Kaufempfehlung. ♦

Jac­ques Stot­zem, Gi­tar­re: Places we have been (Au­dio-CD), Acou­stic Mu­sic Records

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin zum The­ma Gi­tar­ren-Mu­sik auch über Ja­kob Bangso: Con­nect – Elec­tro­nic Works for Gui­tar (Au­dio-CD)

… so­wie über das neue Har­mo­nik-Kom­pe­di­um des Gi­tar­ris­ten Ma­thi­as Löff­ler: Rock & Jazz Harmony


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