Karl May und seine Zeit – Bilder-Texte (Biographie)

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 3 Minu­ten

Materialien zu einem grossen Abenteurer

von Walter Eigenmann

Der Bam­ber­ger Karl-May-Ver­lag, seit Jahr­zehn­ten füh­ren­des Haus in Sachen Karl May, legt mit sei­ner just erschie­ne­nen Bild-Bio­gra­phie „Karl May und seine Zeit“ einen bei­spiel­los üppig aus­staf­fier­ten, fast 600-sei­ti­gen, im berühm­ten „Gold-auf-Grün“-Look aller sei­ner May-Bände daher­kom­men­den Bild- und Text-Kon­vo­lut vor. Der beein­dru­ckende, mit über weite Stre­cken noch unver­öf­fent­lich­tem Mate­rial bestückte Pracht­band ist das Ergeb­nis mehr­jäh­ri­ger Recher­chen der bei­den May-For­scher Ger­hard Kluβ­meier und Hai­ner Plaul.

Fotos, Dokumente, Artikel

Karl May und seine Zeit - Bilder, Dokumente, Texte - Karl-May-Verlag BambergWas diese neu­este Bio­gra­phie über einen der meist­ge­le­se­nen (und meis­tumstrit­te­nen) Schrift­stel­ler der gesam­ten deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur­ge­schichte her­aus­hebt, ist – neben der erschla­gen­den Fülle von über 1’500 Fotos, Doku­men­ten, Illus­tra­tio­nen und Pres­se­ar­ti­keln – vor allem der inhalt­li­che Ansatz der Autoren. Denn obwohl man der bei­den Edi­to­ren glü­hende Hin­gabe an ihre Arbeit und ihre Ver­eh­rung für den Mil­lio­nen-Sel­ler Karl May auf jeder Seite spürt, so war man doch bemüht, den unsterb­li­chen „Winnetou“-Schöpfer nicht ein­fach der kri­tik- und distanz­lo­sen Pie­tät (ange­sichts sei­nes ein­zig­ar­ti­gen welt­um­span­nen­den Erfol­ges) aus­zu­lie­fern, son­dern seine Per­sön­lich­keit und sein Schrei­ben in den sozia­len und medi­en­psy­cho­lo­gi­schen Kon­text sei­ner Zeit zu stellen.
Zurecht doku­men­tie­ren (und „bewei­sen“ damit) Kluβ­meier und Plaul in ihrem Buch einen deut­schen Roman­cier, der ein­be­zo­gen, ja ver­strickt war in sehr belas­tende pri­vate, aber auch gesell­schaft­li­che Zwänge inmit­ten der sog. Grün­der­jahre und deren wider­sprüch­li­chem, teils bigot­tem Pres­se­we­sen. Die faire Rede ist also nicht nur vom „kri­mi­nel­len Delin­quen­ten“ (der bekannt­lich Jahre sei­nes unste­ten Lebens als ver­ur­teil­ter Dieb und „Shatterhand“-Hochstapler nicht unter Gei­ern, son­dern hin­ter Git­tern ver­brachte), son­dern auch vom Kul­tur­kämp­fer, v.a. aber vom bedin­gungs­lo­sen Pazi­fis­ten Karl May – und des­sen lebens­lan­gem Ein­ste­hen für Huma­ni­tät, eth­ni­sche Tole­ranz und dich­te­ri­sche Freiheit.

Karl May

Im März 2007 jährte sich der Todes­tag Karl Mays zum 95. Mal. Auch ein knap­pes Jahr­hun­dert nach sei­nem Tod gehört er nach wie vor zu den belieb­tes­ten Autoren Deutsch­lands und setzt immer neue Super­la­tive. Um nur einige zu nen­nen: Karl May ist mit über 100 Mil­lio­nen ver­kauf­ten Büchern der meist­ge­le­sene Schrift­stel­ler in deut­scher Spra­che. Seine Werke wur­den zudem in über 40 Spra­chen über­setzt. Bei den am häu­figs­ten im Inter­net und auf Best­sel­ler­lis­ten genann­ten deut­schen Autoren belegt Karl May Rang 3. (Quelle: Karl-May-Ver­lag Bamberg)

Sittengemälde einer ganzen Epoche

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Jen­seits aller ideo­lo­gisch gefärb­ten, teils auch auf schie­rer Unkennt­nis beru­hen­den Fokus­sie­rung auf die mensch­li­chen Defi­zite des Karl May schau­felt diese Bio­gra­phie aus Bam­berg als ein opu­lent bebil­der­tes Sit­ten­ge­mälde einer gan­zen Epo­che den Blick frei auf eine sin­gu­läre Erschei­nung in der mehr­hun­dert­jäh­ri­gen Geschichte deutsch­spra­chi­ger Aben­teuer-Dich­tung. Nicht nur der tri­vi­al­li­te­ra­ri­sche, son­dern auch der doku­men­tie­rend-wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs über die­sen Schrift­stel­ler hat mit der Bio­gra­phie „Karl May und seine Zeit“ eine neue Referenz. ♦

G.Klussmeier/H.Plaul: Karl May und seine Zeit, Bild­bio­gra­fie, Karl-May-Ver­lag Bam­berg, 592 Sei­ten, ISBN 978-3-7802-0181-2

Lesen Sie im Glarean Maga­zin zum Thema Karl May auch den Roman von Phil­ipp Schwenke: Das Flim­mern der Wahrheit

… sowie zum Thema Lite­ra­ri­sche Bio­gra­phie über Anne­len Kra­ne­Fuss: Mat­thias Claudius

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