Thomas Luther: Hand- und Arbeitsbuch für den Schach-Trainer (Band 1-3)

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 8 Minu­ten

Referenzwerk für alle Leistungsklassen

von Thomas Binder

Mit dem Hand- und Arbeits­buch für den Schach-Trai­ner legen Groß­meis­ter Luther und seine Co-Autoren ein mehr­bän­di­ges Stan­dard­werk für Schach­trai­ner jeden Leis­tungs­ni­veaus vor. Neben der Erläu­te­rung rein schach­li­cher The­men – immer mit dem Schwer­punkt auf deren Ver­mitt­lung im Trai­ning – ste­hen trai­nings­theo­re­ti­sche und all­ge­mein schach­li­che Bei­träge, die das Wis­sen des Trai­ners abrun­den. Das Werk ist bereits jetzt umfas­send, aber lässt die Tür für eine Fort­set­zung offen.

Tho­mas Luther ist ein deut­scher Schach­groß­meis­ter, der auf dem Höhe­punkt sei­ner Kar­riere zu den bes­ten Spie­lern sei­nes Lan­des gehörte. Er war drei­mal deut­scher Ein­zel­meis­ter (zuletzt 2006) und spielte bei fünf Schach­olym­pia­den (dar­un­ter ein­mal für die inter­na­tio­nale Aus­wahl der Kör­per­be­hin­der­ten). Inzwi­schen ist er nur noch gele­gent­lich am Tur­nier­brett anzu­tref­fen, arbei­tet vor­nehm­lich als Trai­ner und ver­tritt zudem die Inter­es­sen behin­der­ter Schach­freunde beim Welt­ver­band FIDE.
Als Trai­ner geht Luther weit über das reine Trai­ning – zu sei­nen Schütz­lin­gen gehörte u.a. die spä­tere Welt­klas­se­spie­le­rin Eli­sa­beth Pähtz – hin­aus und wid­met sich der Aus­bil­dung von Trai­nern sowie den theo­re­ti­schen Grund­la­gen des Schachtrainings.

850 Seiten geballtes Wissen

Thomas Luther - Hand- und Arbeitsbuch für den Schach-Trainer (3 Bände)Im Dresd­ner Jugend­Schach-Ver­lag hat Tho­mas Luther nun unter Mit­ar­beit einer Reihe wei­te­rer nam­haf­ter Schach­trai­ner das drei­bän­dige „Hand- und Arbeits­buch für den Schach-Trai­ner“ vor­ge­legt. Das sind über 850 Sei­ten geball­tes Wis­sen und Mate­rial für Trai­ner jeder Leis­tungs- und Erfah­rungs­stufe – ein Stan­dard­werk im bes­ten Sinne, das das Zeug hat noch für Gene­ra­tio­nen von Schach­aus­bil­dern gute Dienste zu leisten.
Band 1 und 2 bauen inhalt­lich auf­ein­an­der auf und Band 3 ist als „Mate­ri­al­band“ beti­telt. Er ent­hält ein wei­te­res Füll­horn an Auf­ga­ben und einige aus­führ­li­che Texte, auf die in den vor­he­ri­gen Kapi­teln ver­wie­sen wurde.

Auch für Einsteiger mit mehr Begeisterung als Spielstärke

Thomas Luther am Schachbrett - Glarean Magazin
Schrieb ein „bei­spiel­lo­ses“ Kom­pen­dium „von unschätz­ba­rem Wert“: Groß­meis­ter Tho­mas Luther (*1969 in Erfurt)

Der Ein­stei­ger mit mehr Begeis­te­rung als Spiel­stärke kann das Werk quasi als Trai­ner-Lehr­buch durch­ar­bei­ten, wird aber wohl von der Fülle des Mate­ri­als erschla­gen sein. Ohne einen erfah­re­nen Men­tor wird er auch mit der bes­ten Lek­türe nicht vor­an­kom­men. Bereits aktive Trai­ner, die mög­lichst auch eigene prak­ti­sche Erfah­rung als Spie­ler mit­brin­gen – egal auf wel­chem Liga­ni­veau – fin­den ein Kom­pen­dium an Rat­schlä­gen und Mate­ria­lien von unschätz­ba­rem Wert. Selbst sehr erfah­rene und spiel­starke Trai­ner wer­den es zu schät­zen wis­sen, hier ihre Mate­ri­al­samm­lung zu ergän­zen und manch inter­es­sante Hin­ter­grund­in­for­ma­tion erhal­ten, die ihnen bis­her ent­gan­gen war.
Im Gro­ßen und Gan­zen kann man den Inhalt in drei Kom­plexe ein­tei­len, die sich kapi­tel­weise ver­schrän­ken, so dass der Leser ins­ge­samt vom Ele­men­ta­ren zum Kom­pli­zier­te­ren geführt wird.

Klassisches Schachlehrbuch für Trainer

Thomas Luther - Handbuch und Arbeitsbuch für den Schachtrainer - Band 1 - Rezensionen GLAREAN MAGAZIN (Seite 1)_Seite_07
Die For­men des Schach­un­ter­richts mal theoretisch…

Da sind zum einen die Abschnitte, die sich zu einem nahezu klas­si­schen Schach­lehr­buch zusam­men­stel­len lie­ßen. Der Adres­sat ist aber auch hier bereits der Trai­ner. Alles wird unter dem Gesichts­punkt der Ver­mitt­lung an den Ler­nen­den dar­ge­stellt. Nach Grund­übun­gen zu den Spiel­re­geln und den Beson­der­hei­ten der Figu­ren fol­gen wei­ter­füh­rende Schach­lek­tio­nen. Diese unter­tei­len sich in die Abschnitte „Eröff­nung“, „Tak­tik I“, „End­spiel I“ (Bau­ern­end­spiele), „Stra­te­gie“, „Tak­tik II“ und „End­spiel II“ (Turm­end­spiele). Bei den Eröff­nun­gen bleibt Luther erwar­tungs­ge­mäß knapp. Es geht hier nur sehr begrenzt um kon­krete Vari­an­ten, mehr um die Grund­prin­zi­pien, die der Trai­ner sei­nem Schü­ler ver­mit­teln muss. Im End­spiel kon­zen­triert sich der Autor mit Bau­ern- und Turm­end­spie­len auf die­je­ni­gen Typen, die in der Pra­xis beson­ders wich­tig sind.

Vom „Gummiband-Motiv“ bis zum Turnier-Wertungssystem

Thomas Luther - Hand- und Arbeitsbuch für den Schachtrainer - Band 1 - Rezensionen GLAREAN MAGAZIN (Seite 1)_Seite_08
… und mal prak­tisch (Lese­pro­ben aus Luther: Hand­buch für den Schach­trai­ner, Bd.1)

Auch hier habe ich kaum ein wich­ti­ges Thema ver­misst. Sehr gut gelun­gen sind die Kapi­tel zu Tak­tik und Stra­te­gie. Im Tak­tik-Appa­rat wer­den erwar­tungs­ge­mäß die wich­tigs­ten Kom­bi­na­ti­ons­mo­tive vor­ge­stellt. Sie sind mit anschau­li­chen Bei­spie­len illus­triert und mit Liebe zum Detail auf­be­rei­tet. Das „Gum­mi­band-Motiv“ hat man z.B. schon oft gese­hen, aber bis­her nicht unter die­sem Namen gekannt. Die Stra­te­gie-The­men sind erfreu­lich aus­führ­lich, wobei der Schwer­punkt auf der Bau­ern­struk­tur liegt. Auch hier erleich­tern die Par­tie­bei­spiele das Ver­ständ­nis enorm.
Nicht ver­ges­sen wer­den auch jene Schach­trai­ner, die wegen gerin­ger Erfah­rung im Tur­nier­schach noch ein paar Erläu­te­run­gen zu Tur­nier- und Wer­tungs­sys­te­men benö­ti­gen. Der Anhang von Band 1 ist für sie geschrieben.
Alle bereits bei der inhalt­li­chen Bespre­chung mit prä­gnan­ten Bei­spie­len erläu­ter­ten The­men wer­den jeweils durch umfang­rei­che Test­stel­lun­gen und Arbeits­blät­ter (sowohl im Haupt- wie im Mate­ri­al­band) ergänzt.

Pionierarbeit in Sachen Trainingsmethodik

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Ein zwei­ter Kom­plex sind Kapi­tel zur Trai­nings­me­tho­dik. Dass es dar­über in die­ser Aus­führ­lich­keit und Detail­schärfe prak­tisch keine ver­gleich­bare Lite­ra­tur gibt, hätte den Wert der vor­lie­gen­den Arbeit schon allein begrün­det. Der große Erfah­rungs­schatz der Autoren tut ein Übri­ges. Es wim­melt nur so von prak­ti­schen Rat­schlä­gen, lie­be­voll bis ins Detail aus­ge­ar­bei­tet – von der rich­ti­gen Posi­tion des Trai­ners vor dem Demo­brett bis zu den Beson­der­hei­ten des Trai­nings für Spät- oder Wie­der­ein­stei­ger. Zudem wer­den ein­zelne Trai­nings­an­sätze vor­ge­stellt, von denen auch manch erfah­re­ner Schach­coach wohl noch nichts gehört hat. Vie­les wird dabei im Zusam­men­hang mit den inhalt­li­chen The­men ver­mit­telt, ein wei­ter­füh­ren­des Kapi­tel über Schach­trai­ning und ein Aus­blick auf das Hoch­leis­tungs­trai­ning schlie­ßen den zwei­ten Band ab.

Schachmedizinische und -psychologische Elemente berücksichtigt

Schließ­lich gibt es einen Kom­plex von Bei­trä­gen zur Wis­sens­ver­mitt­lung, die über das Kern­ge­schäft des Schach­trai­ners hin­aus­ge­hen, des­sen Schach­wis­sen aber abrun­den sol­len. So gibt es in jedem der bei­den Haupt­bände je ein Kapi­tel zur Schach­ge­schichte und zur Schach­psy­cho­lo­gie, außer­dem einen umfas­sen­den Abschnitt über das schach­ty­pi­sche Talent und seine Mes­sung sowie u.a. über „Wun­der­kin­der“ und Bei­träge über medi­zi­ni­sche Aspekte (u.a. Doping).

Tadelloses Buch-Outfit

Thomas Luther - Handbuch und Arbeitsbuch für den Schachtrainer - Band 1-3 - Strategie - Rezensionen GLAREAN MAGAZIN
Stra­te­gi­sche Lehr­bei­spiele, hier: Der „Mino­ri­täts­an­griff“

Dem hohen Auf­wand, den die Autoren in ihr Werk gesteckt haben, trägt auch die äußere Auf­ma­chung Rech­nung. Alles ist tadel­los lay­outet und ange­nehm les­bar, selbst in den weni­ger bebil­der­ten Abschnit­ten. Schreib­feh­ler hal­ten sich in einem so klei­nen Rah­men, dass sie den Wert der Bücher in kei­ner Weise trüben.
Dem Auf­bau aus abge­schlos­se­nen Abschnit­ten ver­schie­de­ner Autoren ist es geschul­det, dass man­ches nicht ganz kon­sis­tent über den Tisch kommt. Im Kapi­tel über das Remis wird z.B. die 50-Züge-Regel ver­schwie­gen und die Stel­lungs­wie­der­ho­lung nur als Zug­wie­der­ho­lung behan­delt. Ande­rer­seits wird das Dau­er­schach vor­ge­stellt – wir sind hier eben nicht in der Regel­kunde, son­dern in prak­ti­schen Über­le­gun­gen zur Punkteteilung.
Etwas knapp kom­men dabei „tech­ni­sche Remisstel­lun­gen“ weg, wenn z.B. nur erwähnt (aber nicht erklärt) wird, dass die Dame gegen einen Läu­fer­bau­ern auf der vor­letz­ten Reihe nicht gewin­nen kann – ganz abge­se­hen davon, dass dies auch für den Rand­bau­ern gilt. Die kon­sis­tente Dar­stel­lung der Remis­for­men fin­det sich spä­ter im Mate­ri­al­band in einem Kapi­tel über pra­xis­re­le­vante Regelfragen.

Kontroverse Meinungen zu einigen Themen

Die Autoren scheuen sich auch nicht, zu eini­gen The­men kon­tro­verse Mei­nun­gen zu ver­tre­ten. Das ist sogar eine Stärke des Buches. Man hat immer den Ein­druck, von Luther und sei­nen Kol­le­gen direkt ange­spro­chen zu wer­den – ihre per­sön­li­che Sicht und Erfah­rung tei­len zu dür­fen. Den­noch wird man ihnen nicht an allen Punk­ten zustim­men. Unan­ge­nehm ist mir z.B. der despek­tier­li­che Umgang mit der Geschichte eines deut­schen „Wun­der­kin­des“ aus den 1960er-Jah­ren aufgefallen.

Wunsch: Ein weiterer Band zu neuen Detail-Fragen

Schach-Simultan - Weltmeister Garry Kasparow gegen U-18 Jugendliche - Finnland 20213 - Glarean Magazin
Prak­ti­sche Schach-Lek­tio­nen vom Ex-Welt­meis­ter: Garry Kas­pa­row an einer Simul­tan-Vor­stel­lung gegen U18-Jugend­li­che in Helsinki

Nun kann man ein noch so umfang­rei­ches Trai­ner­lehr­buch schrei­ben, es wird immer Wün­sche geben, die offen blei­ben. Was die rein schach­li­chen Inhalte des Wer­kes betrifft, haben die Autoren sich offen­bar auf einen Level an Tiefe und Kom­ple­xi­tät geei­nigt, den sie nicht über­schrei­ten woll­ten. Das ist ver­ständ­lich und es ist ihnen gut gelun­gen. Über alle The­men hal­ten sie diese Vor­gabe sehr kon­se­quent ein, sor­gen somit dafür, dass das Gesamt­werk an Umfang und Anspruch genau die Erwar­tun­gen erfüllt. Der Weg, hier und da noch wei­ter ins Detail zu gehen oder neue The­men auf­zu­grei­fen, ist ja nicht ver­baut – ein wei­te­rer Band wäre vor­stell­bar, Stoff dafür sicher mehr als genug vor­han­den. Viel­leicht darf dies hier­mit sogar als Wunsch for­mu­liert sein!?

Digitalzeitalter zu kurz gekommen

Wenn wir bei den Wün­schen sind – was fehlt mir noch? Zunächst könnte der Ver­lag an zwei Stel­len für etwas mehr Über­sicht­lich­keit sor­gen: In der Kopf­zeile jeder Seite ste­hen neben der Sei­ten­zahl nur der ver­kürzte Buch­ti­tel und der Name des Autors. Hilf­reich wäre es, hier jeweils das aktu­elle Kapi­tel zu notie­ren, gern auch den jewei­li­gen Unter­ab­schnitt. Außer­dem würde ich mir ein Sach­re­gis­ter (mei­net­we­gen auch ein Namens­re­gis­ter der zitier­ten Meis­ter­par­tien) wün­schen. Dem Auf­bau des Wer­kes ist es geschul­det, dass sich The­men über­schnei­den und spä­ter wie­der auf­ge­grif­fen wer­den, da wäre ein Regis­ter hilfreich.

Online-Schach-Unterricht - Glarean Magazin
Das Digi­tal­zeit­al­ter zuwe­nig berück­sich­tigt: Online-Schach­un­ter­richt via Internet

Inhalt­lich wün­sche ich mir ein ver­stärk­tes Ein­ge­hen auf die Erschei­nungs­for­men des Digi­tal­zeit­al­ters. Über­spitzt for­mu­liert: Das vor­lie­gende Werk hätte so auch schon vor 30 Jah­ren geschrie­ben wer­den kön­nen. Aus­führ­li­che Abschnitte über Trai­ning und Ana­lyse mit Com­pu­ter-Unter­stüt­zung, über digi­tale Trai­nings­me­dien – seien es pro­fes­sio­nelle Pro­dukte oder frei ver­füg­bare Inter­net-Videos – und schließ­lich natür­lich über das Schach­spie­len auf Online-Ser­vern mit all sei­nen Facet­ten soll­ten unbe­dingt Berück­sich­ti­gung fin­den. Das sind Fra­gen, mit denen man selbst beim Trai­ning jün­ge­rer Schü­ler früh­zei­tig kon­fron­tiert wird.
Viel­leicht kön­nen die Autoren aus ihrer rei­chen Erfah­rung auch noch mehr kon­krete Tipps für die Orga­ni­sa­tion klei­ner Tur­niere und prak­ti­sche Rat­schläge für das Ver­hal­ten bei Schach­tur­nie­ren (für Spie­ler wie Trai­ner!) ein­fü­gen. Das wäre wie­derum Stoff für ein gan­zes Kapitel.
Dem Poten­tial die­ses neuen Stan­dard­wer­kes ist mit sol­chen Ergän­zungs­wün­schen kein Zwei­fel ange­tan. Schon jetzt liegt ein bei­spiel­lo­ses Werk vor, aus dem Schach­trai­ner unend­li­che Anre­gun­gen und noch mehr anwen­dungs­be­reite Bei­spiele schöp­fen können. ♦

Tho­mas Luther u.a: Hand- und Arbeits­buch für den Schach-Trai­ner, Bände 1-3, je 288 Sei­ten, Jugend­Schach Ver­lag Dresden

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Schach-Trai­ning auch über Franco Zani­notto: Aus Feh­lern lernen


2 Kommentare

  1. Ich freue mich, dass einer der Co-Autoren einen sub­stan­ti­el­len Kom­men­tar geschrie­ben hat. Die Aus­füh­run­gen von Heinz Brun­tha­ler ergän­zen meine Rezen­sion stim­mig. Ich konnte in der Tat nicht auf alle Aspekte ein­ge­hen und bedanke mich für die Ergän­zun­gen. Die gewünschte Fort­set­zung zu den The­men „Trai­ning mit moder­nen Medien“ und „Spie­len im Inter­net“ (sowie einige Ver­tie­fun­gen an ande­ren Stel­len) wäre den­noch inter­es­sant, gerade wenn die Autoren dazu kri­ti­sche und war­nende Hin­weise geben können.

  2. Als ein Mit­glied des Autoren­teams um Tho­mas Luther möchte ich zu die­ser Rezen­sion etwas hinzufügen.

    Das „Hand­buch …“ wurde nicht nur für Schach­trai­ner geschrie­ben, son­dern auch für alle, die sich auf wis­sen­schaft­li­cher oder jour­na­lis­ti­scher Ebene mit Schach beschäf­ti­gen. Das kommt in der Rezen­sion nicht klar zum Vor­schein. Vor allem für eine even­tu­elle uni­ver­si­täre Schach­leh­rer-Aus­bil­dung fehlte bis jetzt ent­spre­chende Lite­ra­tur und diese Lücke woll­ten wir schließen.

    Nicht erwähnt wurde auch, dass das Hand­buch einen kom­plet­ten Schach­kurs mit Auf­ga­ben- und Test­blät­tern für ca. 2 Unter­richts­jahre ent­hält. Diese kön­nen kopiert wer­den und erspa­ren dem Trai­ner / den Schü­ler-Eltern so den Kauf von Hef­ten, was alleine schon den Preis der Reihe mehr als amor­ti­siert. Die Auf­ga­ben­blät­ter decken u.a. den gan­zen Bereich der Tak­tik ab.

    Der Rezen­sent hat den Bereich Schach­psy­cho­lo­gie nicht näher betrach­tet. Das ist schade, denn es ist m.w. seit Dr. Mun­zert die erste deutsch­spra­chige Publi­ka­tion zu die­sem Thema. Nach einer Ein­füh­rung in Ent­wick­lung und Grund­la­gen der Schach­psy­cho­lo­gie folgt in Bd.2 eine umfang­rei­che Betrach­tung prak­ti­scher Anwen­dun­gen für den Trai­ner. Das wäre wohl erwäh­nens­wert gewesen.

    Der Wunsch des Rezen­sen­ten nach mehr zum Thema Schach und Inter­net ist zwar ver­ständ­lich, aber nicht leicht zu erfül­len. Grup­pen­un­ter­richt im Inter­net ist ja erst ein Thema seit Corona und all­ge­mein ein Neu­land für Päd­ago­gen. Zum Inter­net Unter­richt und Trai­ning gibt es kaum belast­bare Daten. Was die ein­zel­nen Pro­gramme, Platt­for­men etc. angeht, wäre eine Exper­tise nötig, die unser Team ganz ein­fach nicht hat. Zudem würde alles sehr schnell ver­al­ten. Ein Bei­spiel ist Chessa­ble, das es noch nicht lange gibt und das auf For­schun­gen von Prof. Barry Hymer beruht, der diese gerade erst in sei­nem Buch mit Peter Wells „Chess Impro­ve­ment“, 2020, ver­öf­fent­licht hat. Da das Hand­buch eine Bear­bei­tungs­zeit von ca. 2 Jah­ren hatte (ca. 1.000 Arbeits­stun­den) und durch Corona noch etwas ver­zö­gert wurde, wären viele Anga­ben zu Inter­net­the­men bereits bei Druck­be­ginn ver­al­tet oder zu revi­die­ren. Auch sind viele Mei­nun­gen dazu kontrovers.
    Wer sich für das Thema Inter­net­trai­ning inter­es­siert, sollte sich im Inter­net umtun, vor allem im englischsprachigen.

    Per­sön­lich kann ich übri­gens vor frü­hem Spie­len im Inter­net nur war­nen. Ich habe für ein neues Buch­pro­jekt einige sta­tis­ti­sche Aus­wer­tun­gen und Stich­pro­ben gemacht, die für den Bereich 1.000 – 1.400, der also die meis­ten Trai­nees umfasst, fürch­ter­li­che Werte zeigt. Vor allem die kos­ten­lo­sen Platt­for­men, auf denen sehr viele Schach­freunde spie­len, die nie im Ver­ein waren, haben ein sehr nied­ri­ges Niveau, ganz beson­ders in Blitz­par­tien. Aber dies zu wis­sen hilft ja nicht, die Leute wol­len spie­len, auch wenn dies ihrer Ent­wick­lung schadet.
    Für Hin­weise und Anre­gun­gen zu die­sen Berei­chen bin ich stets dank­bar und aufgeschlossen.

    Gruß Heinz Brunthaler

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