Levan Akin: And Then We Danced (Film)

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 3 Minu­ten

Ein Georgien voller Lebensfreude

von Katka Räber

Der in Schwe­den lebende 40jährige Regis­seur Levin Akin kehrt mit sei­nem neuen Film „And Then We Danced“ zu den Wur­zeln sei­ner Eltern zurück und behan­delt ein­drück­lich die Dis­kre­panz zwi­schen Tra­di­tion und Moderne im jet­zi­gen Geor­gien. Ein Film vol­ler Lebens­kraft, Jugend­lich­keit, Sinn­lich­keit und Tanz. Und das alles in der Haupt­stadt Geor­gi­ens, in Tif­lis, wo das natio­nale geor­gi­sche Staats­bal­lett hart an den tra­di­tio­nel­len Tän­zen trainiert.

Levan Akin: And Then We Danced - Georgien 2019 (Film-Rezension)Der junge Tän­zer Merab tanzt seit sei­ner Jugend in die­sem Corps, er geht in den Fuss­stap­fen sei­ner Eltern, die zwar als Star­tän­zer und Solo­sän­ge­rin eben­falls an der Spitze der Kunst­szene gestan­den hat­ten, heute aber ein trau­ri­ges Dasein fris­ten. Der Vater ver­kauft an einem Floh­markt, und die Mut­ter lebt ihre Depres­sion nur noch zu Hause aus. Und doch bedeu­tet für Merab das Tan­zen das Leben. Seit sei­ner Kind­heit tanzt er mit der glei­chen Tän­ze­rin, die sich auch im Leben als seine Freun­din sieht.

Jugendlichkeit zwischen Tradition und Moderne

And Then We Danced - Levin Akin - Film-Rezensionen - Glarean Magazin
„Hin­reis­sen­des gesell­schafts­po­li­ti­sches Kunst­er­leb­nis vol­ler Lebens­ge­fühl“: „Szene aus „And Then We Danced“

Alles wird erschüt­tert und in Frage gestellt, als der lebens­frohe und eben­falls sehr tanz­be­gabte Ira­kli im Ensem­ble auf­taucht, der sich schnell als Kon­kur­rent von Merab ent­puppt. Der tra­di­tio­nelle Natio­nal­tanz in beson­de­ren Kos­tü­men dul­det keine sinn­li­chen Anspie­lun­gen, das Trai­ning ist streng und hart.
Im Gegen­satz dazu erle­ben wir sehr sinn­lich die jugend­li­che Kör­per­lich­keit des Ensem­bles und auch das pri­vate All­tags­le­ben sei­ner Mit­glie­der. Vor die­sem Hin­ter­grund erwa­chen natür­lich auch sexu­elle Begehr­lich­kei­ten nicht nur zwi­schen den Tanz­paa­ren, son­dern auch unver­hofft zwi­schen den bei­den Haupt­prot­ago­nis­ten und Rivalen.
Dies alles wird sehr fein­füh­lig, aber auch viel­schich­tig dar­ge­stellt. Wir neh­men teil an geor­gi­schen Trink- und Ess­ge­wohn­hei­ten, an der geor­gi­schen Freude an Fes­ti­vi­tä­ten, aber auch am spar­sa­men, beschei­de­nen All­tags- und Familienleben.

Hinreissendes politisches Kunsterlebnis

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Die bei­den Haupt­prot­ago­nis­ten Levan Gel­bak­hiani und Bachi Valish­vili tan­zen hin­reis­send, sind aber auch sehr über­zeu­gende Schau­spie­ler. Der Film wird damit zu einem all­um­fas­sen­den, auch gesell­schafts­po­li­ti­schen Kunst­er­leb­nis und zu einer Kino­reise ins ferne Geor­gien, das sicher vom Humor und von der Mensch­lich­keit her gar nicht so weit ent­fernt liegt. In der ursprüng­li­chen „Kulisse“ des tra­di­tio­nel­len Tan­zes wird ein jet­zi­ges, spru­deln­des, auf­bre­chen­des Lebens­ge­fühl gezeigt, mit gros­ser Span­nung auch zur Kir­che, der jet­zi­gen Moral.
Die jun­gen Leute sehen sich kon­fron­tiert mit der ursprüng­lich abge­lehn­ten Homo­se­xua­li­tät und den tra­dier­ten Fami­li­en­ban­den, zwi­schen dem Druck der Tra­di­tion und der Sehn­sucht nach Offen­heit und Frei­heit ste­hend, in der aber auch die eige­nen Talente aus­ge­lebt wer­den können.
Wie noch sel­ten auf einer Lein­wand erle­ben wir den pri­ckeln­den Wunsch nach Ver­bin­dung von Tra­di­tion und Moderne, natür­lich und vol­ler jugend­li­cher Lebens­en­er­gie, die sich auch aufs Publi­kum überträgt.

And Then We Danced“ fei­erte letz­tes Jahr in Can­nes Welt­pre­miere und wurde von Schwe­den als Osc­ar­bei­trag eingereicht. ♦

Levan Akin: And Then We Danced, Georgien/Schweden 2019, 113 Minuten

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… sowie zum Thema Homo­se­xua­li­tät über Nini & Tre­ad­well: Loving – Män­ner, die sich lie­ben (Foto­band)

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