Marianne Figl: Zwei Stadt-Gedichte

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London – Salzburg

London

In alle fernen
Gewänder gehüllt,
nackt nur
der gepiercte
Nabel.
Wie grauer
Zementstaub
über müde Gesichter
gestreut,
dass niemand
den anderen kennt
und keine geschmückte Fassade
einbricht
ohne den Profit
abzuwerfen.

Salzburg

Salz
Salzsäule
Salzburg
eingepökelt
Lot
Lots Weib zur Salzsäule erstarrt
Alle sind zur Salzsäule erstarrt
seit Mozart Salzburg verlassen hat
die Liebe schmeckt versalzen.
Der Wolferl
er vergnügt sich im WWW
mit flauschigen Klangwolken
Das Sphärenorchester probt mit ihm
nachtein, nachtaus
rauschende Regenfeste
Atemraubende Luftleerbälle rauschen
in den Himmeln wenn der Boss
gerade im Vatikan Taube spielt.
Himmel, Erde und Unterwelt sind
ausgelutscht
keine läßt sich mehr
einschüchtern
das Leid und die
Zaghaftigkeit und der Stillstand
die Versalzung ist derart unerträglich
dass sich Revolte stark aber leise
instinktiv zeitgleich in allen Sphären
der Schöpfung
im WWW fast unbemerkt
wie ein großer Salzball lostritt und in
Nanosekunden zur  www. -Lawine
anschwillt
sozusagen zu einem neuen
Urknall eskaliert- und dann?…
Die meisten sitzen in Salzburg wie vorher
brav auf ihren Wolken/Schreibtischsesseln
oder sonst wo
sie haben auch das verpaßt
so starr und versalzen wie sie sind
Nur das Festspielhaus ist verschwunden
Wo es stand gähnt ein großer stinkender Krater…


Marianne Figl

Marianne-Figl-Salzburg-Glarean-MagazinGeb. 1946 in Wien, Studium an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien, seit 2000 umfangreiche grafische, malerische und schriftstellerische Arbeit, verschiedene Kunst-Ausstellungen, Theater-Texte und Lyrik- wie Prosa-Publikationen in Büchern und Zeitschriften, lebt als freie Künstlerin in Salzburg

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Neue Lyrik auch von
Ueli Schenker: Vier Gedichte

Ines Oppitz: Inmitten (Drei Gedichte)

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Inmitten

inmitten

der
weltagonie

wie denn
den tag
einfach so
wie denn
einfach so

den tag
zum fliegen
bringen
wie denn

elfter november

faltermasken –
gaukler im
tanztraum

dass
die sonne
nicht aufgeht
ist ein
gerücht

nebel
schminkt
den garten
auf halbmast

küchengedicht

durch das
denkhaus schabende
wörter der
text

wie intelligent
ist meine
seele

wittemann
kamphausen –

umwege –
nach außen wandernde
kreise oder
schleifen ins
niemandsland

einkaufszettel

forgetful
angel
in love
als magnet
auf dem
dunstabzug
im herzensauge
beharrlich
das bild

umdrehen
die sanduhr
damit zeit
ist

umdrehen
die zeit

mädchen
von vermeer
dein mein
milchiger blick
hinter
glas

erdäpfel schälen
fürs
mittagspürree


Ines Oppitz 2 - Glarean MagazinInes Oppitz

Geboren in Wels/A, Ausbildung zur Lehrerin in Linz, anschließend sechs Jahre Schuldienst an Volks- und Hauptschulen; Studium der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft und Philosophie, Ausbildung zur diplomierten Literaturpädagogin; Verschiedene Buchpublikationen, zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien, Literatur- und Kulturzeitschriften; lebt als freiberufliche Literaturpädagogin in Wels

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema „Lyrik aus Österreich“ auch von Susanne Rasser: Richtungsweisend (Drei Gedichte)

… sowie Lyrik von Magdalena jagelke: Drei Poesien

Ausserdem zum Thema Neue Gedichte über Lina Fritschi: Ein anderer Traum / Un altro sogno

Peter Klusen: Noch (Drei Gedichte)

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Noch (Gedichte)

noch

wie blattgold
trudeln die schweren blätter
von den brüchigen zweigen
ein erster windstoß
fegt über verblichene wiesen
warm streicht die luft
der späten sonne
über verwaiste felder
die sich sehnen nach ruhe
noch ist der himmel blau
noch singen die amseln
noch fehlen uns
die worte nicht
für das ende
des sommers

tagesschau

am morgen plane ich den tag
beim frühstück schreibe ich einkaufszettel
ich höre kommentare und fußballergebnisse
telefoniere mit klempner dachdecker arzt
und fege die krümel vom tisch

am mittag lese ich zeitungen
das handy bebt und der trockner piepst
ich leere die taschen und fülle die schränke
mit brot milch und rotem wein
und trenne den müll auf dem hof

am abend schau´ ich zurück auf den tag
während duftdunstig gart das gratin das filet
ich hole den wein das baguette die paté
seh` einäugig unscharf ganz fern einen krieg
und stelle die hitze auf null

des nachts träum` ich schlaflos
quere die welten die höllen die himmel
ich fühle den eisigen fahrtwind der zeit
das ewige schwanken die fremde das leid
erkenn´ mich im inneren spiegel so grau

und starre betäubt in die nacht

entkommen

drei krähen
hoch oben
vor tiefblauem grund
ohne flügelschlag
kreisend um sich selbst
steigen lautlos höher
und höher
sind bald nur noch
drei schwarze punkte
entkommen
der zeit


Peter Klusen

Geb. 1951 in Mönchengladbach; Studium der Germanistik, Publizistik und Sozialwissenschaften in Mainz und Aachen; Zahlreiche Stücke für das Kinder- und Jugendtheater, Bearbeitungen von Kinderbuchklassikern und neue Märchen-Nacherzählungen; Veröffentlichungen von Romanen, Kurzprosa und Lyrik in Büchern und Zeitschriften

Lesen Sie im Glarean Magazin auch über den neuen
Lyrikband von Peter Klusen: Augenzwinkernd

… sowie die originalen Lyrik-Erstveröffentlichungen von
Klaus Martens: Treibholz (Drei Gedichte)
Steffen M. Diebold: Jahreszeiten (Vier Gedichte)

Michael Hasenfuss: Damit machen wir heut was (Lyrik)

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Damit machen wir heut was

Damit machen wir heut was

Alles, was ständig versprochen wird,
alles, was schön ist und gut,
alles, was recht ist und wirklich nicht schlecht ist und so gut gemeint,
das wird heut verraten
und tapfer beweint.

Alles, was keiner begreifen kann,
alles, was gross ist und schweigt,
alles, was trennt oder eint, unerreicht oder klein ist und schreit,
das wird heut verstanden
als sei man gescheit.

Alles, was immer schon fraglich war,
alles, was edel und rar,
alles, was gilt, was Bestand hat und Wert oder Namen und Rang,
das wird heut vergessen.
Das ist nicht von Belang.

Alles, was keiner mehr haben will,
alles, was rumliegt und stört,
alles, was übrig ist, abgespielt, nutzlos im Staub sich verliert,
das wird heut betrachtet
und kartografiert.

Alles, was lange schon fällig ist,
alles, was leider nicht geht,
alles was scheitert, was zwangsläufig immer nur schief gehen kann,
das wird heut versucht.
Wir sehen’s ja dann.


Michael Hasenfuss

Michael Hasenfuss - Schweizer Autor Lyriker Schauspieler - Glarean Magazin

Geb. 1965 in Wuppertal/D, Schauspiel-Studium in Hannover, schreibt seit 1995 Lyrik & Theaterstücke, 2004 Übersiedlung in die Schweiz, arbeitet als freischaffender Schauspieler an verschiedenen Stadttheatern sowie bei Radio und Fernsehen, lebt mit Frau und Kindern in Zürich

Lesen Sie im Glarean Magazin weitere Lyrik von
Susanne Rzymbowski: Zwei Gedichte
… sowie zum Thema Schweizer Autoren auch von
Matthias Berger: Drei Zeit-Gedichte

Manfred Chobot: Zwei Gedichte

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Ein Hauch von allem

ein hauch von allem

an ihren ohren könnt ihr sie erkennen
kein hase wartet bis die karotte reift

wäre es verheerend einen körper
………………. zu monopolisieren
ein tabu für adam und eva
womöglich hat der teufel
ein packerl zärtlichkeit
………………. irgendwo vergraben
und hinter dem überdruss
………………. versteckt
konsumiert was okkasionen
……………… zu bieten haben
will jeder alles
………………. und noch mehr
wir schnelllebigen
überfließen im überfluss
………………. möchte der meinige
………………. zur deinigen

 

die zukunft der gegenwart

in zukunft werden
ausländer deutsch sprechen
haben sich angepasst
dem land wo sie leben
doch auch jene die
schon lange hier leben
haben sich angepasst
downloaden und forwarden
chillen im bodysuit
joggen und einchecken
zum shopping und trekking
online und offshore is
easy-going mit wonderbra
einloggen sich im chatroom
zu dumping-preisen indoor
entertainen im outlet
investment-broker jobben
hard und lunchen beim roaming
mountainbiken just-for-fun
outdoor overdressed
flopen beim one-night-stand
performen im swinger-club
zoomen und podcasten
im flashback: deutsch talken
is retro and no-go 🙂


Manfred Chobot

Geb. 1947 in Wien/A, von 1991 bis 2004 Herausgeber der Reihe „Lyrik aus Österreich“, von 1992-2002 Redakteur der Literaturzeitschriften „Podium“ und „Das Gedicht“, Lyrik- und belletristische Publikationen in Büchern und Zeitschriften, lebt in Wien

Lesen Sie im Glarean Magazin auch Neue Lyrik von
Erich Schirhuber: Zwei Lyrismen (Gedichte)

Joanna Lisiak: Spurlos berührt (Drei Gedichte)

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Spurlos berührt – Ratschlag – Innere Ruhe

spurlos berührt

in der nacht aufnehmen die steine
vom herzen zusehen wie
alles davonfließt ins gefühl
des luftleeren raumes
in aller ruhe hören die flut
ein präzises du geöffnet
und die anspielungen
auf seltsame weise
schön

ratschlag

halbtransparent anfangen
räumliche zwischentöne achten
sauber treffen

relativieren aus eigener erfahrung
isolierte gedanken umgekehrt abwägen
die erdigen elemente bewusst integrieren

zur stimmung bunt beitragen
zur unterstützung fest beeinflussen
mit der natur in gleichgewicht kombinieren

in guter gestaltung natürlich wirken
nach ruhe aussehen
sinnesreiche wahrnehmung erzielen
das reine unschlagbar empfinden

vom subtilen besetzen lassen
warm abheben

innere ruhe

zwischendurch diese
banale zufriedenheit
fasziniert wie ein
sonnendurchfluteter gibt
man sich feierlich
die eigene empfindung
ist ausgiebig
gerade das ist
der springende punkt

die form des seins
glücksgefühl im weitesten sinne

von dieser fröhlichkeit
durchquert wie ein
frühlingshafter spricht man
das wort aus direkt

heute


Joanna Lisiak - Lyrik und Prosa - Glarean MagazinJoanna Lisiak

Geb. 1971 in Poznan/Polen, Lyrik- und Prosa-Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften, schreibt auch Theaterstücke & Hörspiele, Mitglied u.a. des PEN; Jazz-Sängerin, lebt in Nürensdorf/Schweiz

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Neue Lyrik auch von
Martin Kirchhoff: Drei Gedichte

Susanne Rasser: Umkehrschluss (Drei Gedichte)

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Umkehrschluss

Umkehrschluss

Fällt die Wand
vom Nagel,

sprengt der Rahmen
das Bild.

Löst das Ganze
sich zum Teil,

lebt mein Leben mich.

Gärtnerinnenglück

Ein Kniefall
vor schwarzer Erde.
Das Fingerspiel
am Wurzelwerk.
Das Einpflanzen
und Aufrichten.
In sehender Hoffnung,

im blinden Vertrauen.

Große, all-
umarmende Gesten.

Flugstunde, Morgengebet

Lass mich im Regen stehen,
setz mich der Sonne aus,
dreh laue Luft zum Wirbelwind,
damit ich wachsen,
fliegen kann.


Susanne Rasser - Autorin - Glarean MagazinSusanne Rasser

Geb. 1965, lebt als Autorin von Lyrik, Erzählungen und Drehbüchern in Rauris/A

Lesen Sie im Glarean Magazin auch weitere
Gedichte von Susanne Rasser: Richtungsweisend

sowie Lyrik von Marianne Figl:
An Salome Alt (Gedicht)

 

Peter Fahr: Willkommen (Flüchtling-Gedicht)

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Willkommen

Wir liefern Waffen
den Kämpfenden
und gnadenlos
treiben sie euch
zur Flucht

Ihr rudert in Booten
übers Meer
manche ertrinken
manchen gelingt
das Unfassbare

Seid willkommen
Überlebende
hier seid ihr sicher
wir umarmen euch
öffentlich

Hier seid ihr frei
selbstlos
beherbergen wir euch
in Zelten
und Baracken

Wir lehren euch
Redlichkeit
Genügsamkeit
Bescheidenheit
Zufriedenheit

Seid dankbar
Elende
verdient euer Brot
demütig
in den Fabriken

Baut die Waffen
die wir liefern
ohne Hass
vergesst die Heimat
für immer

Seid willkommen
Fremde
seid willkommen
Freunde
willkommen


Peter Fahr

Peter Fahr - Glarean Magazin

Geb. 1958 in Bern/CH, Studium der Germanistik an der Universität Bern, zahlreiche Lyrik- und Prosa-Veröffentlichungen in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, Autor von Hörspielen, politischen Gedichten und zeitkritischen Essays, Träger verschiedener Literaturpreise, lebt in Bern

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Heimat auch über
Miriam Kanne: Andere Heimaten (Moderne Heimat-Konzepte)

… sowie zum Thema Rassismus über
Adibeli Nduka-Agwu: Rassismus auf gut Deutsch

Matthias Berger: Kommunion (Vier Gedichte)

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Kommunion

schiebt,
schiebt sich mir zu.

zieht,
zieht,
entzieht sich mir.

schillerndes schieben,
gurgelndes ziehen.

etwas
bedarf meiner nicht,
ferner als ich:
sinai.

dornbusch,
zypresse
und gischt.

riecht doch
nach mir.

Erste Ode an den Klinikpetrus

Du
wagst ja
keinen Schritt vor die Tür.

Fürchtest
jedes Wellenspiel des Lebens.

Aber dein Herz
ist rein
wie bester kubanischer Tabak!

Nur du,
– nur du –
liebtest
die Multi-
morbide.
Wie hiess sie doch?
Die mit den asiatischen Augen…

Mit deinen Tränen um sie
salbt ER
seine müden Füsse,

und
auf Menschen wie dir
baut ER seine Kirche.

Dein unablässiger Rauch
ist IHM würdig und recht.

kommunion
(für Paul Celan)

einmal
da traf ich ihn

da mahlte er
das korn des zweifels
das ich
aus den ähren
der gewissheit
geklaubt hatte

dann buk er
das wundbrot
brach es
und gab mir

einmal
da traf ich ihn

da presste er
die trauben der bitternis
die ich
vom weinstock
der gemeinschaft
geschnitten hatte

dann kelterte er
den schmerzwein
nahm den kelch
und gab mir

(Inspiriert von „Einmal“, Paul Celan, Atemwende 1967)

Zweite Ode an den Klinikpetrus

Ich fürchte den Tod
– sagst du.

Aber
es war doch das Leben,
das dich gegürtet
und dich geführt,
wohin du nicht wolltest!

Den Tod sollst du
nicht fürchten.
Für dich
ist er
ein grobschlächtiger Engel.
Er umfängt dich
mit seinen Flügeln
aus geschlissenem Loden.

Sein Heiligenschein:
Das Glimmen
der stinkenden Zigarre
im zahnlosen Mund.

Furchtlos
wirst du ihm folgen
ins rauchverhangene
Paradies.


Matthias Berger - Lyrik-Autor im Glarean MagazinMatthias Berger

Geb. 1961, aufgewachsen bei Bern, Studium der evang.-ref. Theologie in Bern und Nairobi, acht Jahre Gemeinde-Pfarramt, 4 Jahre Psychiatrieseelsorge, seit 2002 Gefängnis- und Spitalseelsorger im Kanton Zürich, schreibt Lyrik, Theaterstücke und Kunstwissenschaftliches, lebt in Zürich

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Neue Lyrik auch von
Tanja Dückers: Lacrimosa (Drei Gedichte)

Susanne Rasser: Richtungsweisend (Drei Gedichte)

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Richtungsweisend

Richtungsweisend

Atem schöpfen, die Schultern
ausrichten. Den Kopf, den Blick
nicht senken.

Die schlechten Karten
wie Trümpfe auf den Tisch
legen. Abstoßen.

Aufstehen. Die Sohlen vom Boden
lösen, den Schritt
abfedern. Und dann,

immer den eigenen Füßen
nach, sie zeigen unverwandt
nach vorn.

Erstes Abendmahl

Nimm dir ein Herz,
gern auch meins,
fasse Fuß

im Mut.
Gib dem Zweifel
keinen Brösel

von dem Brot,
das ich buk,
das du nun

für uns brichst.

Bankrotterklärung, abgerissen

Kein Haus. Kein Baum. Kein Kind.
Keinem Staat und auch der Kirche nicht.
Null Dienstbarkeitsgefühl. Kaum Machtgelüste.
Zig Träume in den Sand der Welt gesetzt.

Mal da, mal dort, mal schwer vermittelbar.
Gelebt: geliebt. Gelacht. Genossen.
Manch‘ Scherbe in den Fuß getreten,
somit aus dem Weg geräumt.


Susanne Rasser - Autorin - Glarean MagazinSusanne Rasser

Geb. 1965, lebt als Autorin von Lyrik, Erzählungen und Drehbüchern in Rauris/A

Lesen Sie im Glarean Magazin von Susanne Rasser auch
Umkehrschluss – Drei Gedichte
sowie von Susanne Rasser über:
Klaus Merz: Unerwarteter Verlauf (Gedichte)

Werner K. Bliß: Poetische Meditationen

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Drei Textminiaturen zur
Ausstellung Christoph Meckel
Zeichnungen und Grafiken,
Georg Scholz Haus Waldkirch / BRD

am grashang
sagst du
mitten im winter
sagst du
kommt keine
flocke zu uns
denn das hornvieh
sagst du
am horizont
sehnt den sommer
während
der maulwurf
zimmertüren
in kindheiten
öffnet
eiszapfen wärmt

Christoph Meckel: Clarisse, Ausstellung 2012 im Georg-Scholz-Haus Waldkirch/D (Foto: Roland Krieg)
Christoph Meckel: Clarisse, Ausstellung 2012 im Georg-Scholz-Haus Waldkirch/D (Foto: Roland Krieg)

dein gesicht
clarisse
dein lächeln
clarisse
schaukelt durch
dein haar

öffnet
bilder
augenherzen
zähmen elefantenzähne

zurückschaukeln
in kindheitstage
ungefragt
halten
engel
hände
über sie

seitenblicke
handzarte
wärme
inmitten
verspäteter winter


Werner K. BlißWerner K. Bliß

Geb. 1950, Pädagoge, zahlreiche Lyrik-Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Online-Portalen und Anthologien, lebt in Hausach/D

Lesen Sie im Glarean Magazin auch von
Werner K. Bliß: Am Straßenrand (Gedichte)

Magdalena Jagelke: Drei Poesien

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Zu lieben

Zu lieben

Ich stand am Fenster ich warf Blumen. Traf eine Blume dort unten jemanden, ein Wunsch, ich flüsterte Herz antworte.

Mär

es ist stets dieselbe Mär das fromme wildgewordene Volk treibt ihn durch das Dorf und es greift ihn das Volk schubst ihn in ein Feuer er jedoch fleht das fromme Volk an: ich will leben! lasst mich leben! das fromme Volk ist unbarmherzig es antwortet nein Bestie stirb! an dieser Stelle der stets selben Mär wird er wach und er schreit

Herz

Das Herz ist umschlossen von Pöbeleien.
Es schimpft, lässt die Landschaft welken.
Es grölt schmerzt, ich spuck’s in die Aussicht.
Es folgt dem Zug. Ich bin auf der Flucht.


 Magdalena Jagelke - Glarean MagazinMagdalena Jagelke

Geb. 1974 in Polen, 1986 Auswanderung nach Norddeutschland, Studium der Anglistik, Publikationen in Buch-Anthologien und Literaturzeitschriften, lebt seit 2002 in Köln

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Neue Lyrik auch von
Ines Oppitz: Hoffnung (Drei Gedichte)

… sowie über den Lyrik-Band von
Nico Bleutge: Verdecktes Gelände (Gedichte)

Andreas Wieland: Mit ausgreifendem Schritt (Lyrik)

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Mit ausgreifendem Schritt

MIT AUSGREIFENDEM SCHRITT

Als verschro-benen (bene) Eng-länder (Schweiz)

mag man mich

be-zeichnen

wollen doch

er-achte

ich

mich

eher als ein d‘ (Denker)

er Natur

ab- (!)

gewonnenes Genie un

bekannt-er Herkunft (?)

denn

was

be-deutet mir m-ein Geburts-ort

was

die Stadt m’einer Jugend

jahre, die Reisen

n’ach (!)

Indie’n Russ

land

so

ge-lang (!)

es

mir

bis zum heut-igen Tag, d

ie

von mir geschlagene Bresche

in un-sichtbare Gefilde

ge-heim zu

halten

ob allen Versuchen

dies-e in einer Sprache

wie-d-er-zugeben (?)

Ein ungewollt

es Gelingen

also

ein durch

wandern

eines

unendlich’n Gebiet-es

dass s

ich dies

nicht kartograph-iere’n lässt

muss ich mir eingestehen, so sehr

meine anfäng- lichen Versuche dieses

erwünscht’n. dies

er Grenze

ent-lang

schlendernd

folge

ich

gegeben

er

Sp-ur

als trüge ich etwas

Unab-lässiges von einer Lauterkeit

in eine weitere, verdingt

im Sein

in der Erinnerung.

.

Sublimierend e

in immer weiterführenderes

Leben

dem-nach (!)

ein hin-ter un-durchdringbare-r Umzäunung

geglaubt

es, doch entdeckt

sehe (!)

ich

dieses

in schönster Blüte

steh’n geborgen

hinter wunder

barem Denken

natürlich

auch Fühlen

wie

könnte man also das Eine ohne das Andere (?)

an

zu

treffen

hoffen, viel

zu

einfach

wäre dies, ein jeder

könnte sich unbe

merkt (!)

an fremdem Feuer Glut holen.

.

Und mit dem Ehre’n-wort

eines Dichters vers

ich

ere (Ehre)

ich

Ihnen

meine

heftig‘n Gedanke-n

so

wie

meine

wahr‘n Gefühl-e

und

unt

er

buschige-n Brauen

her

vor

betrachte

ich

uns

ere (Ehre)

Welt

wi-der übliche-r Gewohn-heit

So so-ll es

mein Verdienst

sein

Ihnen hier v

on berichten

zu dürfen

.

Dieser Freiheit immer bewusster

wer

d’end (?)

richte ich m-ein Leben dan

ach (!)

ein, navigieren-d

abstreifen-d

die Nostalgie

vergangene-r Tage.

Eine frische und klare Meeresflut

so

zusagen

ein rausch

ende

s Aufflattern des Herzens.

Verschroben

mag man mich (?)

demnach

bezeichnen

doch will ich

mich

nicht mehr

(auch nicht weniger)

er

tappen in eigener Härte

in Unrast und Un

geduld (!)

m-ein Streben darf

endlich (!)

eine-r Gültigkeit

angehören

einem

vorge-ebneten Weg, und all

mählich verhallt mein eigen

es

Dazutun.


Andreas Wieland

Geb. 1969 in Chur/CH, Studium an der Höheren Fachschule für Hotel- und Tourismusmanagement, anschließend als diplomierter Hotelier in den Kantonen Graubünden, Zürich und Luzern tätig, Kurzprosa- und Roman-Publikationen, lebt als freischaffender Schriftsteller in Walenstadt/CH

Lesen Sie im Glarean Magazin auch über
Andreas Wieland: Famulus (Novelle)

… zum Thema Neue Lyrik von
Manfred Chobot: Zwei Gedichte

Johanna Klara Kuppe: Seiltänzerin (Drei Gedichte)

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Seiltänzerin

Seiltänzerin

die blüten im
korb blühen
nicht zartrosa das
kleid den kopf
gesenkt auf dem
seil schweben die
augen abschied angst
in den füßen
gestern sie weiß es
noch blühte das
all

vielleicht hans
hans im glück heißen
alles schwere ab
geben gehen laufen
tauschen alles gegen
luft wind wiesen
unbekümmert
viele augenblicke hans
hans im glück

Wien

blendet gold
weiß ratlos dein
herz schunkelt im
wiener wald
rote teppiche treppen
hinauf prickelt
sekt im rücken im
kino flimmert
weiter rosa blick
über die taiga
deine hand sucht
mein bein und höher
hinauf blaut der
himmel
stand by me winken
die statuen mit
fallenden blättern
stand by me
singst du ich lache
frost atmet im park
von schönbrunn


Johanna Klara Kuppe - Glarean Magazin

Johanna Klara Kuppe

Geb. 1948 in Wuppertal/D, Erzieherin, Musikalienhändlerin, Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien, lebt in Waiblingen/D

Lesen Sie im Glarean Magazin auch von
Johanna Klara Kuppe: Zwei Bild-Meditationen
(Gedichte)

Martin Kirchhoff: Drei Gedichte

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Klaipeda. Rundgang

Klaipeda. Rundgang

Stimmenvoll, die Klänge,
sagen, werden getragen
ins Gehör, die Fragen

Worte, Sprache, die Klänge
hier, fremd mir,
Sprache, kräftiger Stier

Tauche ein, die Klänge
schweben, Träume erleben,
Worte, tiefe Orte

Stimmenvoll, die Kultur
hören, Sprache kann betören,
Klänge, gleich Chören

Tauche ein, Sprache fremd,
bester Wein, den niemand kennt;
schöner Klang, heimisch hier
Gesänge, fremd und in mir

Bahnhof der Lufttrinker

Halb erblindet unter der Brücke
Bahnareal, Schienen, Gräser
S-Bahnen humpeln eisern dahin
Bettler, Mensch, Arbeitsloser

rattert der Zug, rattert die Zeit, rattert die Luft
es steigen Menschen in die Vergangenheit der Leere
es geht was kommt, alle wissen was keiner weiß
rattert das Leben, rattert der Traum, rattert das Sein

Halb sehend unter der Brücke
Ruinen, Flächen, Schotter
Gestalten stolpern glaubend umher
Lieder, Morgenrot, Hoffnung

vergeht was ist, vergeht was glaubt, vergeht was vergangen ist
es kommen die Toten in die Zukunft der Gegenwart
es kommt was geht, alle wissen was keiner sagt
vergeht der Tod, vergeht das Nichts, vergeht der Schein

Schräge Vögel im Bahnhof der Lufttrinker

Ankunft

Wellen, die Boten,
sie becircen meine Seele,
die Möwen rufen
sie zaubern mir Flügel

Ein grünes Boot legt an
Wind, der Flüsterer,
er nimmt meine Seele,
die Gedanken schweben
sie zaubern mir Farben

Ein grünes Boot legt ab
Seele, der Sucher,
nimmt an die Wellen,
die Gedanken zaubern
sie rufen die Möwen

Eine Seele kommt an
Seele wird Welle
Welle wird Bote
Bote wird Möwe
Sie rufen mich

Angekommen im Meer


 

Martin Kirchhoff - Lyrik-Autor im Glarean Magazin

Martin Kirchhoff

Geb. 1954 in Leonberg/D, zahlreiche Lyrik- und Prosa-Publikationen in Büchern, Zeitschriften und Anthologien, verschiedene Literaturpreise, lebt als Zeitungskorrektor in Leonberg

Lesen Sie im Glarean Magazin auch
Kurzprosa-Texte von Martin Kirchhoff