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Mario Adorf – „Schauen Sie mal böse“: Autobiographie (Rezension)

Walter Eigenmann · 16. Oktober 2015

Geglättete Rückschau eines Schauspiel-Prominenten

von Walter Eigenmann

Es gibt Schauspieler, die verschwinden in ihren Rollen. Und dann gibt es Mario Adorf. Der verschwindet nicht: Dieses Gesicht, dieser Blick: irgendwas daran ist mir schon immer ein bisschen unheimlich gewesen – seit seiner Glanzleistung in „Via Mala“, meiner ersten Film-Begegnung mit diesem singulären Darsteller. In seiner Autobiografie „Schauen Sie mal böse“ versucht Adorf, dieses Bild zu erklären. Nicht zu zerlegen, eher: zu glätten. Und genau da beginnt mein Problem…

Wer auf Klatsch hofft, kann das Buch eigentlich gleich wieder zuklappen. Da ist wohltuend nichts. Keine Abrechnung, keine späten Geständnisse, nicht mal ein halbgarer Skandal. Stattdessen erzählt Adorf sein Leben so, wie man es wahrscheinlich gern erzählt bekommt: Ordentlich, respektvoll, gut gelaunt.

Keine Reibung, kein Chaos

Das liest sich angenehm, keine Frage. Man kommt da ziemlich flüssig durch. Aber irgendwann fragt man sich: War das wirklich alles?
Ein Leben zwischen deutschem Nachkriegskino, italienischem Film und internationalen Produktionen – das kann doch nicht nur aus hübsch sortierten Erinnerungen bestehen, da muss doch mehr gewesen sein: Reibung, Chaos. Vielleicht auch Dinge, die man lieber nicht so sauber aufschreibt? Unappetitliche Skandale interessieren nicht, aber doch eine gewisse Holprigkeit in der ganzen Glätte – so wie in der Biographie schon weit weniger beachteter Menschen, als bei fast uns allen?

Präzise Beobachtungen

Mario Adorf - Schauen Sie mal böse - Glarean MagazinUnd dann, plötzlich, blitzt das doch auf. Immer dann, wenn Adorf übers Spielen spricht, wird das Buch besser, sogar deutlich besser. Da merkt man, dass er hinschaut – auf Menschen, ihre Bewegungen, ihre kleinen Lügen. Diese Beobachtungen sind präzise, fast unangenehm genau.

Da ist er dann wieder: Dieser Blick. Und in diesen Momenten versteht man sofort, warum dieser Schauspieler und dieser Erzähler so lange relevant war. Aber diese Momente sind leider selten im Buch. Was mich wiederum beim Lesen nicht losgelassen hat: Wie kontrolliert das alles ist. Adorf weiß ganz genau, was er erzählt, und noch genauer, was er eben nicht erzählt…

Professionell Glätte

Das ist souverän, klar. Durchaus auch professionell. Aber es macht das Buch an vielen Stellen auch glatt, weil durchpoliert. Ich mochte das Buch, wirklich, aber ich habe ihm nicht ganz geglaubt. Und vielleicht ist dies das eigentlich Interessante daran: Ein Leben wie das von Mario Adorf hätte mich locker einmal richtig vor den Kopf stoßen können – hat es leider nicht. ♦

Mario Adorf: Schauen Sie mal böse, Autobiographie, 176 Seiten, Kiepenheuer&Witsch, ISBN 978-3462048278


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2 Kommentare zu „Mario Adorf – „Schauen Sie mal böse“: Autobiographie (Rezension)“

  1. Spannende Rezension, die trotz allem Lust macht, das Buch zu lesen. Und sofort wird man von Erinnerungen an Filme mit dem grossartigen Schauspieler überrollt, die man gerne wieder sehen möchte. Danke. Barbara Traber

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