KI-Forschung: Ist das Schach im Jahr 2035 gelöst?

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Informatiker wollen das Königliche Spiel lösen

von Eric van Reem

Kana­di­sche For­scher haben ein unbe­sieg­ba­res Com­pu­ter­pro­gramm für das Brett­spiel Dame geschaf­fen. Kein Geg­ner könne mehr als ein Unent­schie­den gegen das Pro­gramm namens Chi­nook errei­chen, berich­te­ten Jona­than Schaef­fer und Kol­le­gen von der Uni­ver­si­tät von Alberta in Edmon­ton im April 2007. In mehr als 18 Jah­ren haben die Infor­ma­ti­ker über 39 Bil­lio­nen Spiel­stel­lun­gen durch­ge­rech­net und bewie­sen, dass Dame immer auf ein Remis hin­aus­läuft, wenn beide Sei­ten feh­ler­frei spie­len. Tag und Nacht waren dafür im Schnitt rund 50 Com­pu­ter im Ein­satz. Mit die­sem Ergeb­nis sei das Brett­spiel gelöst, erläu­ter­ten Schaef­fer und Kol­le­gen im US-Fach­jour­nal „Sci­ence“.
Wäh­rend der Schach-Olym­piade 2008 in Dres­den orga­ni­sierte die Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Dres­den am 21. und 22. 11. 2008 einen Schach- und Mathe­ma­tik-Work­shop. In einem visio­nä­ren Vor­trag behaup­tete der nie­der­län­di­sche Infor­ma­ti­ker und Pro­fes­sor für Com­pu­ter­wis­sen­schaf­ten Jaap van den Herik (61) von der Uni­ver­si­tät Til­burg, dass das Schach­spiel im Jahr 2035 kom­plett aus­ge­rech­net und gelöst sein wird.

Schach zu lösen scheint unmöglich…

Jaap van den Herik - Glarean Magazin
Jaap van den Herik

Es ist im Moment noch unvor­stell­bar, dass man jede Stel­lung kom­plett lösen kann. Schach ist ja bekannt­lich eines der kom­ple­xes­ten Brett­spiele der Welt. Die Zahl der mög­li­chen Schach­stel­lun­gen über­steigt die Zahl der Atome im Uni­ver­sum um ein Viel­fa­ches. Bereits nach zwei Zügen kön­nen 72’084 ver­schie­dene Stel­lun­gen ent­ste­hen. Die Zahl der mög­li­chen Spiel­ver­läufe ist noch ein­mal um ein Viel­fa­ches grös­ser. Schon für die ers­ten 40 Züge belau­fen sich die Schät­zun­gen auf etwa 10’115 bis 10’120 ver­schie­dene Spiel­ver­läufe. Es scheint also unmög­lich zu sein das Spiel zu lösen.
Anhand der sich immer noch rasant ent­wi­ckeln­den Com­pu­ter-Hard­ware und den For­schungs­er­geb­nis­sen aus Che­ckers, Go und Schach pro­gnos­ti­zierte Van den Herik aller­dings, dass es nur noch ein Frage der Zeit ist, bis auch Schach gelöst sein wird. Der nie­der­län­di­sche Pro­fes­sor, der sich bereits seit Jahr­zehn­ten mit intel­li­gen­ten Brett­spie­len und künst­li­cher Intel­li­genz (KI) beschäf­tigt, zeigte in Dres­den, dass der Ter­min für die feh­ler­freie Schach­par­tie näher ist, als wir alle vermuten.
Und wie geht das per­fekte Spiel dann aus, wol­len Sie noch gerne wis­sen, gewinnt Weiss oder Schwarz? „Ich ver­mute, dass das Spiel, genauso wie bei Dame, dann Unent­schie­den aus­ge­hen wird“, been­dete Van den Herik sein Referat. ♦


Eric van ReemEric van Reem
Geb. 1967 in Deventer/NL; Eng­lisch-, Phi­lo­so­phie- und Lite­ra­tur-Stu­dium  an der Hoge­school Hol­land (Ams­ter­dam); seit 2000 umfang­rei­che schach­jour­na­lis­ti­sche Tätig­keit; lebt als Star Alli­ance Con­trol­ler der Luft­hansa in Dietzenbach/Frankfurt

Lesen Sie im Glarean Maga­zin zum Thema Com­pu­te­schach auch über die Bril­li­ant Cor­re­spon­dence Chess Moves BCCM (05)
… sowie zum Thema Schach und Com­pu­ter: Die Schach­soft­ware Shred­der 13 ist erschienen

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