David Safier: Jesus liebt mich (Roman)

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 3 Minu­ten

Aberwitzige Fabulierlust

von Walter Eigenmann

David Safier, erfolg­rei­cher Dreh­buch-Autor von TV-Soaps wie „Ber­lin, Ber­lin“, „Nikola“ oder „Mein Leben&ich“, legt nach sei­nem schräg-schril­len Best­sel­ler „Mie­ses Karma“ eine wei­tere Kost­probe sei­ner aber­wit­zi­gen Fabu­lier­lust und -kunst vor. In „Jesus liebt mich“, einer moder­nen, mit teils urko­mi­schen, teils durch­aus auch plat­te­ren Gags ange­rei­cher­ten, mit­nich­ten blas­phe­mi­schen, schon gar nicht sek­tie­re­ri­schen Komö­die – für Puris­ten viel­leicht gar Comedy -, han­delt Safier die Geschichte einer ganz spe­zi­el­len Liebe ab.

Marie, Anfang 30, eigent­lich ziem­lich unre­li­giös, hat gerade ihrem Freund Sven just vor dem Trau­al­tar mit einem deut­lich ver­nehm­ba­ren „Nein!“ den Lauf­pass gege­ben. Kurz dar­auf lernt sie einen Zim­mer­mann ken­nen, der den väter­li­chen Dach­stuhl repa­rie­ren soll: Joshua. Joshua ist, ganz im Gegen­satz zu Maries frü­he­ren Typen, ein­fühl­sam, sen­si­bel, völ­lig selbst­los. Marie ver­liebt sich – und fällt buch­stäb­lich aus allen Wol­ken, als ihr der fremde Zim­mer­mann eröff­net, dass er – Jesus sei.

…weil ich ein oller Kiffer bin“

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David Safier: Jesus liebt mich

Ori­gi­nal­ton Safier: „‚Du glaubst mir nicht, dass ich Jesus bin‘, stellte er fest. Warum konnte er nicht ein­fach sagen: Du, die ganze Jesus-Num­mer war ein ziem­lich dum­mer Scherz. Den habe ich nur gemacht, weil ich ein ein oller Kif­fer bin. Damit hätte ich sehr gut leben kön­nen. Dar­auf hätte man eine gemein­same Zukunft auf­bauen kön­nen. ‚Dir fehlt der Glaube‘, merkte Joshua sach­lich an. Und dir eine Zwangs­ja­cke, dachte ich…“

Attacke auf pseudospirituelle Rührseligkeit

David Safier
David Safier bei einem Interview

Man täte David Safier völ­lig unrecht, ord­nete man sei­ner süf­fi­gen „Jesus“-Lovestory irgend­wel­ches reinkar­na­ti­ves, über­haupt beson­ders reli­giö­ses, womög­lich gar Dos­to­jew­ski-Gedan­ken­gut („Gross­in­qui­si­tor“) zu. Auch wenn darin eine Menge mis­sia­ni­sche (Un-)Heilsverkündigung – Satan und Erz­engel inklu­sive – zu fin­den ist. „Jesus liebt mich“ ist ein­fach ein flo­ckig-locke­rer, gekonnt for­mu­lier­ter, zuwei­len arg kalau­ern­der, aber non­stop ori­gi­nel­ler Unter­hal­tungs­ro­man, gestreckt mit zahl­lo­sen ver­ba­len – und übri­gens 16 tat­säch­li­chen – Comic-Atta­cken auf so man­che gesell­schafts­mo­ra­li­sche und pseu­do­spi­ri­tu­elle Rühr­se­lig­keit unse­rer Zeit. Alles in allem 300 Sei­ten lang ein Lese-Spass ers­ter Güte, und wer schon Safiers „Karma“ mochte, wird bei sei­nem „Jesus“ voll­ends vor hei­te­rer Ehr­furcht in den Boden ver­sin­ken. Für Chris­ten und Atheisten. ♦

David Safier: Jesus liebt mich, Roman & s/w-Zeich­nun­gen, Kind­ler Rowohlt rororo Ver­lag, 304 Sei­ten, ISBN 978-3463405520

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