Gedicht des Tages zum Jahreswechsel

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Dauer im Wechsel

Willst du nach den Früchten greifen,

eilig nimm dein Teil davon!

Diese fangen an zu reifen,

und die andern keimen schon.

Gleich mit jedem Regengusse

ändert sich dein holdes Tal,

ach, und in demselben Flusse

schwimmst du nicht zum zweitenmal.

aus Johann Wolfgang von Goethe:
Dauer im Wechsel

Gedicht des Tages zum Jahreswechsel - Fluss Winterlandschaft - Glarean Magazin

 

Jakob Leiner: Winkel (Zwei Gedichte)

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Winkel / Fort

Jakob Leiner

WINKEL

Einfall gleich Ausfall
die Bande über den Spiegel
genommen im Kristall
ein ungebügeltes Hemd
Buchrücken gestapelte
Wünsche hinter
einem schiefen Regal
eine verbotene Tür

wir äugen.


FORT

achtend ich
was reifen darf
in zyklischen Kaskaden
fordert Treibgut Strände ein
um die Ausgeglichenheit zu wahren
mehrt vielleicht mein Zorn
sich still zur Fläche hin
die Springflut der
Erinnerung.


Jakob Leiner - Lyriker - Glarean MagazinJakob Leiner

Geb. 1992, Studium an der Hochschule für Musik Karlsruhe, langjähriges Mitglied im Bundes-Jugendorchester, seit 2016 Lyrik-Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften, 2020 Abschluss des Medizin-Studiums, lebt als Arzt in Freiburg/Breisgau (BRD)

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Neue Lyrik auch von Johanna Klara Kuppe: Seiltänzerin (Drei Gedichte)


Version 16 der Schach-Datenbank Chessbase

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Der Schlüssel zum Erfolg?

von Mario Ziegler

Das erste, was dem Nutzer bei der 16. Version der Schach-Datenbank ChessBase ins Auge springt, ist ein roter Schlüssel. Dieser Schlüssel prangt auf dem Cover der DVD, der obere Teil bildet die Form eines Königs. Im Ankündigungsartikel auf der Homepage der Hamburger Hersteller-Firma wird die naheliegende Metapher aufgelöst: „ChessBase 16 ist da – Ihr Schlüssel zum Erfolg“.

In meiner Besprechung gehe ich auf zwei neue Funktionen ein, die für Turnierspieler und Trainer, also die hauptsächliche Käuferschaft eines Schachdatenbank-Programms wichtig sein dürften: Die automatische Erstellung einer Eröffnungsübersicht und die Suche nach Eröffnungsneuerungen.

Verbesserungen der Grafiken und des Server-Chats

Chessbase 16 - Startpaket: Die professionelle Schachdatenbank - DVD November 2020Damit bleiben einige andere Neuheiten unberücksichtigt, die aber durchaus Detailverbesserungen darstellen. Hierzu zählen die Erweiterung der Funktion der Ray Tracing-Grafiken oder die Verbesserung des Chats auf dem hauseigenen Server schach.de. Besonders nützlich finde ich die neue Funktion „Faltung der Notation“. Mit einem Mausklick werden Varianten nach dem ersten Zug ausgeblendet, was eine umfangreiche Kommentierung sofort deutlich übersichtlicher werden lässt.

Doch sind diese Verbesserungen vermutlich für die meisten Interessenten kein Grund, sich ein neues Schachprogramm anzuschaffen. Kommen wir daher zu den aus meiner Sicht zentralen Neuerungen.

Neue Eröffnungsübersichten

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Durch die Funktion „Übersichten“ übernimmt das Programm die Aufgabe, einen Variantenbaum zu einer Eröffnung bzw. Variante zusammenzustellen. Dazu wählt der Anwender eine ihn interessierende Stellung aus und gibt an, von welcher Seite aus diese Position beleuchtet werden soll. Danach präsentiert ChessBase den seiner Meinung nach besten Zugvorschlag und bietet einen Überblick über die möglichen Antworten der Gegenseite.
Diesen Prozess kann man beeinflussen, indem man bestimmte Kriterien (z.B. „traditionell“ oder „modern“, „Klubspieler“- oder „Meisterniveau“) vorgibt. Grundlage des Variantenbaums ist entweder eine Übersicht, die bereits auf dem Server existiert, oder die eigene Referenzdatenbank, aus der die Übersicht neu generiert wird.

Zeitsparende Varianten-Recherche

Mit dieser Funktion spart der Anwender viel Zeit. War es zuvor notwendig, sich mit Hilfe verschiedener Datenbanken oder des „Livebuchs“ selbst über plausible Fortsetzungen zu informieren, erledigt dies nun der Computer. Allerdings ist es offenkundig, dass die Qualität neu erstellter Übersichten mit der Qualität der Referenzdatenbank steht und fällt. Zudem nimmt mit jedem gespielten Zug die Anzahl der existierenden Partien ab, das Programm hat also weniger Material für eine Eröffnungsübersicht zur Verfügung.
Das kann dazu führen, dass kein Ergebnis präsentiert wird. In meinem ersten Versuch ging ich von der folgenden Position aus dem Damenbauernspiel aus, die sich noch zu Damengambit oder Colle entwickeln könnte:

Chessbase 16 - Eröffnungsübersicht - Damenbauernspiele (4...Ld6)
Chessbase 16 – Eröffnungsübersicht – Damenbauernspiele

Als erstes forderte ich eine Übersicht zum zugegebenermaßen exotischen 5.Se5 an. In meiner Referenzdatenbank finden sich zu dem Springerzug 11 Partien, das war dem Programm offenkundig zu wenig für eine Übersicht. Und auch mein Wunsch, etwas zum Zug 5.b3 zu erfahren, wurde nicht erhört. Diesmal existierten immerhin schon 27 Vorgängerpartien. Bei sehr speziellen Positionen stößt die Funktion „Übersichten“ also schnell an ihre Grenzen.
Für den nächsten Versuch wählte ich eine Position, zu der viele tausend Partien vorliegen: Die Grundstellung der Königsindischen Verteidigung nach 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6. Zunächst ließ ich ChessBase nach traditionellen Fortsetzungen auf Turnierniveau suchen. Hier konnte das Programm eine Übersicht präsentieren, die bereits auf dem Server vorhanden war:

Chessbase 16 - Eröffnungsübersicht - Königsindische Verteidigung (5.Sf3)
Chessbase 16 – Eröffnungsübersicht – Königsindische Verteidigung

Der Zugvorschlag 5.Sf3 entspricht mit Sicherheit der „traditionellen Ausrichtung“ – was könnte klassischer sein als das Klassische System? Auch über schwarze Antworten wird ein umfangreicher Überblick gegeben, inklusive Hinweise auf Zugumstellungen und Partiezitate.
Verändert man die Präferenzen, ergeben sich andere Varianten. Hier die Übersicht aus der gleichen Stellung, diesmal aber auf Klubniveau und mit dem Schwerpunkt auf „Angriff“:

Chessbase 16 - Eröffnungsübersicht - Königsindische Verteidigung (Awerbach-Angriff)
Chessbase 16 – Eröffnungsübersicht – Königsindische Verteidigung (Awerbach-Angriff)

Die Begrenzung auf nur einen Zugvorschlag ist meines Erachtens Fluch und Segen zugleich. Möchte man als Angriffsspieler schnell eine brauchbare Variante gegen Königsindisch erhalten, so wird man mit 5.Le2 nebst baldigem Bauernvormarsch am Königsflügel gut bedient. Es werden aber natürlich viele andere Systeme verschwiegen, die einem Angriffsspieler ebenfalls liegen könnten: Die Sämisch-Variante, der Vierbauernangriff usw.
Auch ist mir nicht immer klar, nach welchen Kriterien das Programm einen bestimmten Zug vorschlägt. Bei den Vorgaben „Klubniveau“ und „Vereinfachen“ empfiehlt ChessBase gegen Königsindisch wenig überraschend die Abtauschvariante 5.Sf3 0-0 6.Le2 e5 7.dxe5. Doch was soll Weiß unternehmen, wenn Schwarz nicht 6…e5 spielt, sondern 6…c5? Hier spricht sich das Programm für 7.d5 aus, was ein völlig logischer Zug ist. Und dennoch: Wieso ausgerechnet 7.d5?

Chessbase 16 - Eröffnungsübersicht - Königsindisch - 7.d5
Chessbase 16 – Eröffnungsübersicht – Königsindisch – 7.d5

Kritisches Hinterfragen der Computer-Bewertungen

Ein Blick in die Online-Datenbank zeigt, dass 7.0-0 deutlich häufiger gespielt wurde und eine deutlich höhere Erfolgsstatistik aufweist als 7.d5. Dies kann also nicht der Grund für die Empfehlung sein. Und auch Engines bewerten den Bauernvorstoß nicht grundsätzlich besser als die Rochade. Zudem sind die Folgen der Zugauswahl an dieser Stelle durchaus weitreichend: 7.0-0 würde zu einer komplett anderen Stellung führen als 7.d5.
Auch hier gilt also, was schon an unzähligen anderen Stellen über Computervorschläge und -bewertungen geschrieben wurde: Man sollte sich nicht blind auf die Empfehlungen des Programms verlassen, sondern sie als das nehmen, was sie sind: sehr schnell verfügbare und sehr nützliche Hilfsmittel, die man aber jeweils kritisch durchdenken sollte.

Schürfen nach Neuerungen

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Eine weitere spannende Funktion ist das Schürfen nach Neuerungen. Die Engine sucht in einer großen Anzahl von Varianten, einschließlich der Nebenvarianten, nach selten oder noch gar nicht gespielten Zügen, die eine überraschend gute Bewertung aufweisen. Der Nutzen leuchtet sofort ein: Man bekommt schnell Hinweise auf neue und ungewöhnliche Züge, auf die man bei einer herkömmlichen Analyse bzw. Datenbanksuche vielleicht überhaupt nicht oder jedenfalls erst nach längerer Zeit gestoßen wäre.

Ausgangspunkt meines Praxistests war eine Stellung aus dem holländischen Staunton-Gambit nach den Zügen 1.d4 f5 2.e4 fxe4 3.Sc3 Sf6 4.f3 d5. Hier ließ ich das Programm mit den oben zu sehenden Einstellungen nach Neuerungen suchen. Nach 27 Minuten kam es zu folgendem Ergebnis:

Chessbase 16 - Neuerungen schürfen - Holländisch - Staunton Gambit
Chessbase 16 – Neuerungen schürfen – Holländisch – Staunton Gambit

Verwirrende Züge-Suche

Die gefundene Neuerung soll also in der Variante 5.fxe4 dxe4 6.Lg5 c6 mit dem Zug 7.Sge2 (gegenüber dem häufiger gespielten 7.Lc4) zu finden sein. Verwirrend ist allerdings, dass sich zu dem Springerzug fünf frühere Partien finden, obwohl ich ChessBase nach Zügen hatte suchen lassen, die bislang maximal einmal vorkamen. Ich kann das Ergebnis nicht erklären, in anderen Teststellungen wurden tatsächlich nur neue Züge angeboten. Wohlgemerkt beeinträchtigt dieses Ergebnis nicht den Wert von 7.Sge2, denn auch bei 5 Vorgängerpartien ist dieser Zug ja eindeutig selten genug um Gegner zu überraschen.

Kaufen – ja oder nein?

Die Gretchenfrage einer jeden Rezension lautet, ob der Autor die Anschaffung des Produktes empfiehlt. Im Fall von ChessBase 16 fällt die Antwort zwiespältig aus. Seit ChessBase 1987 das Licht der Welt erblickte, hat es unzählige Verbesserungen erfahren, längst setzt es den Standard im Bereich des Schachtrainings, der Gegnervorbereitung, aber auch der Analyse und Veröffentlichung von Partien.
Wer keine neuere Version des Programms sein Eigen nennt und ambitioniert Schach spielt oder trainiert, kann bedenkenlos bei Version 16 zugreifen – es ist ohne Zweifel ein sehr gutes und ausgereiftes Programm.

Innovatives für Theoretiker und Trainer

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Lautet die Frage aber, ob es einen solchen Fortschritt darstellt, dass man es auch erwerben muss, wenn man bereits die Vorgängerversion besitzt, so ist die Antwort weitaus weniger eindeutig. Die Innovationen sind interessant und durchaus nützlich, allerdings sind der Kaufpreis für das Startpaket in Höhe von 199,90 € und der Preis von 99,90 € für ein Update von Version 15 Summen, bei denen viele Schachfreunde genau überlegen werden, wie wichtig die neuen Funktionen für sie sind.

Nichts für Gelegenheitsspieler

Die Eröffnungsübersichten und die Suche nach Neuerungen, auf die ich mein Hauptaugenmerk gelegt habe, sprechen in erster Linie Spieler und Trainer an, die regelmäßig und tiefgründig im Bereich der Eröffnungen arbeiten. Für sie lohnt sich die Anschaffung von ChessBase 16, da die neuen Funktionen sehr viel Zeit und Arbeit sparen und wohl auch auf Züge hinweisen, die ansonsten unentdeckt geblieben wären.
Für den Gelegenheitsspieler oder auch Vereinsspieler einer mittleren Spielstärke halte ich den Einsatz dieser neuen Möglichkeiten für nicht unbedingt erforderlich. ♦

Chessbase 16 – Schachdatenbank, Edition 2021, Chessbase Hamburg, ISBN 978-386681-779-1

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Schach-Datenbank-Software auch über den Vorgänger Chessbase 15 und seine neuen Features

Außerdem zum Thema Computerschach: The Engine Crackers


Pädagogik-Studie: Musizieren fördert das mathematische Denken

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Wissenschaftliches Plädoyer für eine ganzheitliche Schulbildung

Wie Musik das mathematische Denken beeinflusst

von Walter Eigenmann

Eine umfangreiche Meta-Studie des amerikanischen Musikpädagogen und -Therapeuten Prof. Dr. Martin Bergee von der Universität Kansas weist erstmals einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen musikalischen und mathematischen bzw. sprachlichen Leistungen bei Schülern nach. Nach Bergee ist erwiesen: Musizieren fördert das mathematische Denken.

Musik und Mathematik - Arithmetique et Musique - Glarean Magazin
François Bonnemer: Arithmetique et Musique (Paris 17. Jh.)

Postuliert wurde von diversen Disziplinen wie Musik-Neuropsychologie, Musik-Pädagogik und Musik-Kultursoziologie ja schon lange, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Musikausübung und kognitiver Leistung bestehe. Dieser angenommenen direkten Assoziation stand Studien-Autor Bergee allerdings zu Beginn seiner entspr. Forschungen eher skeptisch gegenüber.
Originalton Bergee: „Es gibt seit langem die Vorstellung, „dass diese Bereiche nicht nur zusammenhängen, sondern dass es eine Ursache-Wirkung-Beziehung gibt – dass man, wenn man in einem Bereich besser wird, per se auch in einem anderen Bereich besser wird. Je mehr man sich mit Musik beschäftigt, desto besser werde man in Mathematik oder Lesen sein. Doch das war mir schon immer suspekt“.
Bergee weiter: „Ich habe vielmehr geglaubt, dass die Beziehung korrelativ und nicht kausal ist: Ich wollte zeigen, dass es wahrscheinlich eine Reihe von Hintergrundvariablen gibt, die die Leistung in jedem akademischen Bereich beeinflussen – insbesondere Dinge wie das Bildungsniveau der Familie; wo der Schüler lebt; ob er weiß oder nicht weiß ist; etc“.

Überraschend starke Relation Musik-Mathematik

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Kurzum, Bergee’s Intention war zu Anfang seiner Meta-Studie zu zeigen, dass diese angenommene Relation „wahrscheinlich unecht“ sei, weil solche „Hintergrundeinflüsse die Haupttreiber solcher Relationen“ seien. Bergee ging also ursprünglich davon aus, dass der angebliche positive Effekt des Musizierens auf die mathematischen und sprachlichen Kompetenzen wegfällt, sobald von diesen demographischen u.a. Einflüssen abstrahiert wird. Damit wäre ein Zusammenhang zwischen musikalischen und mathematisch-kognitiven Leistungen bei Schülern widerlegt.

Die späteren Ergebnisse von Bergee’s Meta-Studie Multilevel Models of the Relationsip between Music Achievement and Math Achievement – publiziert Ende November 2020 im renommierten „Journal of Research in Music Education“ – zeigten nun aber statistisch signifikante Assoziationen zwischen Musik- und mathematischen Schulleistungen. Bergee: „Zu meiner großen Überraschung sind sie nicht nur nicht verschwunden, sondern die Beziehungen sind wirklich stark.“

Vielfältige Einflüsse der kognitiven Entwicklung

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Dabei sei das seinen Studien zugrundeliegende Design keine einfache Sache gewesen, „weil es Einflüsse gibt, die auf verschiedenen Ebenen passieren können. Es kann ein Einfluss auf der Ebene der einzelnen Person sein, aber es gibt auch Einflüsse, die auf der Ebene des Klassenzimmers, der Schule und des Schulbezirks passieren können, und diese sind hierarchisch. Das beinhaltet eine komplizierte Reihe von Analysen“.

Bergee konkreter: „Vielleicht teilt die musikalische Unterscheidung auf einer eher mikroskopischen Ebene – Tonhöhen, Intervalle, Metren – eine kognitive Basis mit bestimmten Mustern der Unterscheidung in der Sprache. In ähnlicher Weise teilen sich vielleicht die eher makroskopischen Fähigkeiten der modalen und tonalen Zentrumsunterscheidung einen psychologischen oder neurologischen Raum mit Aspekten der mathematischen Kognition. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie weisen zumindest auf diese Möglichkeit hin.“

Wider das modulare Erziehungsmodell

Musik und Gehirn: Wie genau wirken sich Musikhören und Musizieren auf die kognitiven Fähigkeiten des Menschen aus? - Glarean Magazin
Wie genau wirken sich Musikhören und Musizieren auf die kognitiven Fähigkeiten des Menschen aus?

In einem kürzlichen Interview führte Bergee weiter aus: „Basierend auf den Ergebnissen ist der Punkt, den wir zu machen versuchten, dass es wahrscheinlich allgemeine Lernprozesse gibt, die allen akademischen Leistungen zugrunde liegen, egal in welchem Bereich. Musikalische Leistungen, mathematische Leistungen, Leseleistungen – es gibt wahrscheinlich allgemeinere Prozesse des Geistes, die in jedem dieser Bereiche zum Tragen kommen“.

Damit appelliert Musik-Forscher Bergee an eine gesamtheitliche Förderung der kognitiven Erziehung. Bergee: „Wenn es also Ihr Ziel ist, die Person zu erziehen – den Geist der Person zu entwickeln -, dann müssen Sie die ganze Person erziehen. Mit anderen Worten: Lernen ist vielleicht nicht so modular, wie man oft denkt.“

Nicht unterrichten, sondern entwickeln

Jugend und Musik - Musizieren und Entwicklung - Glarean Magazin
Ganzheitliche Entwicklung mit Hilfe der Musik

Das impliziere mehr, als Kinder einfach in Fächer zu unterrichten: „Man muss sie in diesen Fächern entwickeln„. Damit will Bergee nicht sagen, dass das Erlernen von Musik notwendigerweise die Mathematik- oder Lese-Leistungen eines Kindes verbessert. Aber soviel lasse sich behaupten: „Wenn Sie wollen, dass sich der Verstand eines jungen Menschen – oder eines jeden Menschen – entwickelt, dann müssen Sie ihn auf allen Wegen entwickeln, auf denen er entwickelt werden kann. Man kann nicht einige Arten des Lernens anderen Arten des Lernens opfern, aus welchen Gründen auch immer, sei es finanziell oder gesellschaftlich.“ ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musik und Schule auch über Lutz Jäncke: Macht Musik schlau?

Ausserdem zum Thema Musikwissenschaft: Die auditiv-sensorische Synchronisation – Über die Fähigkeit des Takthaltens

… sowie zum Thema Musikschule das Pamphlet von Jürg Seiberth: Die Musik braucht die Schule nicht!


Amélie Nothomb: Die Passion (Roman)

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Stacheln im Fleisch des Christentums

von Bernd Giehl

Machen wir einmal ein Gedankenexperiment. Nehmen wir an, Amélie Nothomb, eine relativ bekannte belgische Schriftstellerin, würde ihren Roman „Die Passion“ in hundert Jahren, also 2120 schreiben und ihr Manuskript dem Diogenes Verlag anbieten. Dort hat sie schon 22 Bücher veröffentlicht. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde der Diogenes Verlag das Manuskript ablehnen. Zu riskant, würde es heißen. Wer will schon ein Buch über einen unbekannten Religionsstifter lesen? Innerhalb von zwei Wochen hätte sie ihr Manuskript wieder zurück.

Amélie Nothomb - Die Passion - Roman - Diogenes Verlag - Literatur-Rezension Glarean MagazinAber das Experiment geht noch weiter. Nehmen wir an, Amélie Nothomb hätte „Die Passion“ vor 400 Jahren geschrieben. Sie hätte einige Abschnitte ihrer besten Freundin vorgelesen. Die wäre einerseits begeistert gewesen, weil die Zweifel der Hauptfigur an ihrer bevorstehenden Hinrichtung mit den eigenen Zweifeln an der Religion korrespondiert hätten und andererseits erschrocken. Darf man so an der eigenen Religion zweifeln? Ist das nicht Ketzerei? Die beste Freundin hätte es ihrem Mann erzählt, und der wäre zur Obrigkeit gegangen. Man hätte Nothomb festnehmen lassen, sie wäre gefoltert worden und wenn sie große Glück gehabt hätte, hätte sie selbst ihr „Machwerk“ öffentlich verurteilen und ins Feuer werfen müssen. Falls sie weniger Glück gehabt hätte, nun ja … Was für ein Glück, dass die Zeit der Hexenverbrennungen endgültig vorbei ist.

Hexerei im Innern der Figuren

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Womit ich nicht sagen will, dass Amélie Nothomb keine Hexe ist. Sie ist eine. So wie jeder gute Autor und jede gute Autorin ein Hexenmeister oder eine Hexe ist. Weil sie im Inneren ihrer Figuren leben. Weil sie Besitz von ihnen ergreifen und sie wie einen Sukkubus lenken.
Aber Amélie Nothomb ist noch aus einem anderen Grund eine Hexe. Sie lässt Jesus von Nazareth im Augenblick seiner „Passion“ lebendig werden. „Ich wusste schon immer, dass sie mich zum Tode verurteilen werden“, so beginnt ihr neuer Roman.

Kombination von Gott und Mensch

Amelie Nothomb - Schriftstellerin - Literatur im Glarean Magazin
Amelie Nothomb alias Fabienne Claire Nothomb (geb. 1966)

Da spürt jeder aufrechte Christ einen ersten kleinen Stachel. Noch ist er winzig; immerhin heißt es ja schon in den „Leidensankündigungen“ der Evangelisten: „Der Menschensohn muss“ seinen Leidensweg gehen und am Ende gekreuzigt werden aber diese Leidensankündigungen stehen im zweiten Drittel der Evangelien. Nur das Johannesevangelium macht da eine Ausnahme.
Aber Christen sind großmütige Leute, und so werden sie der Autorin gern vergeben, denn der Jesus von Amélie Nothomb ist ein wahrhaft göttlicher Mensch. Nie hat mir die Kombination von Gott und Mensch so eingeleuchtet wie bei ihr.
Sie zweifelt nicht an den Wundern, wie das auch viele Theologen der letzten 200 Jahre getan haben. Das Wunder, Wasser in Wein zu verwandeln, gelingt ihm beinah nebenbei. Nur – und jetzt kommt wieder der Stachel – dass das Brautpaar, dessen Hochzeit Jesus mit seinem Wunder gerettet hat, unter den Hauptzeugen der Anklage vertreten sein werden. „Warum hat er es so spät getan?“ fragen sie. „Eine Stunde früher, und er hätte uns die Blamage erspart.“ Die anderen, an denen ein Wunder geschah, sind ähnlich unzufrieden. Nicht einmal der königliche Beamte, dessen Sohn vom Tode errettet wurde, ist Jesus dankbar, sondern klagt über die Verzögerung und die dadurch ausgestandene Angst.

Jesus – ein Sinnenmensch?

Unzufriedenheit ist überhaupt ein Stichwort. Auch Judas ist unzufrieden, mit der Welt im Allgemeinen und mit Jesus im Besonderen. Er stellt alles in Frage. An das Gute kann er nicht einmal glauben, wenn er es vor Augen hat. Judas ist der Protagonist der „Menge“ die Jesus schließlich verurteilt.
Jesus selbst ist das Gegenteil. Er kann sich an den kleinen Dingen des Lebens freuen: am Geschmack frischen Brotes, an einer Blüte am Wegrand, am aufdämmernden Tag, vor allem am Wasser. Wenn man Durst hat und man zögert das Trinken noch ein paar Augenblicke hinaus, schmeckt frisches Wasser umso köstlicher, behauptet er

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Jesus – ein Sinnenmensch? Jesus gar, der die Frauen liebt? Der für ihre Schönheit empfänglich ist? Der gar eine Beziehung mit Maria Magdalena eingeht? Und der deshalb auch nicht sterben will? Und dessen Verbindung zum Vater nun abreißt, obwohl er bis dahin eng mit ihm verbunden war?
Da möchte jeder gute Christ „Ketzerei“ schreien. Der Glaube oder das Dogma fordert, dass Jesus freiwillig den Willen seines Vaters auf sich genommen hat, um die Sünde der Welt zu tragen. Das unschuldige Opfer leidet für die Schuldigen. Wenn dann jemand kommt, die anscheinend mit dem Glauben sympathisiert und dann behauptet, Jesus habe das Leben zu sehr geliebt um freiwillig in den Tod zu gehen – da sitzt der Stachel ziemlich tief.

Der Masochismus des Christen

Freilich ist Nothomb nicht die erste, die den „Masochismus“ des christlichen Glaubens geißelt. Der erste war Friedrich Nietzsche, der meinte, die Christen müssten erlöster aussehen, bevor er an ihren Erlöser glauben könne. Oder der Theologe Thomas Müntzer, Anführer der Bauern im thüringischen Bauernkrieg 1525, der den „bitteren Christus“ predigte und dafür hingerichtet wurde.
So einfach ist der Autorin also nicht beizukommen. Es sei denn, dass man sie zur „Hexe“ erklärt.

Schöne Schilderungen und viel Reflexion

Wie gesagt, Nothombs Beobachtungen sind zwar meist unverhofft, leuchten aber ein. Dass Jesus dem Leben zugewandt war, kann man leicht an seinen Gleichnissen sehen. Ihre Sprache ist farbig. Die Beziehung zu Maria Magdalena ist zwar ein Klischee – jeder der ein bisschen ketzern wollte, hat sie erwähnt -, aber dafür wunderschön geschildert, so wie nur eine Frau sie beschreiben kann, die selbst Liebe erfahren hat.

Szene aus dem Skandal-Film The Passion Of The Christ von Mel Gibson (Glarean Magazin)
„Masochismus des christlichen Glaubens“? Szene aus dem Skandal-Film „Die Passion Christi“ von Mel Gibson (2004)

Mit 128 Seiten ist der Roman recht kurz; es gibt wenig Handlung – z.B. ist die Verhandlung vor dem Hohen Rat weggelassen (hat vermutlich auch nicht stattgefunden) -, aber dafür viel Reflexion. Manchmal wird Nothomb weitschweifig: Noch ein Satz über den Durst, und noch einer, der mit anderen Worten das Gleiche sagt (der Roman ist ursprünglich unter dem Titel „Soif“ – „Durst“ in Paris erschienen). Da hätte ein rigoroseres Lektorat sicher segensreich wirken können. Aber das ändert nichts daran, dass ich den Roman mit Genuss gelesen habe.
Allerdings warte ich noch auf das Buch, das meine Frage, warum Jesus sterben musste, und vor allem, warum Gott das wollte, hinreichend beantwortet. Es muss auch kein Roman sein. ♦

Amélie Nothomb: Die Passion (Roman), 128 Seiten, Diogenes Verlag, ISBN 978 3 257 07141 2

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Religion in der Literatur auch den Essay von Heiner Brückner: Vom Himmlischen

… sowie über den satirischen Roman von David Safier: Jesus liebt mich


Das Musik-Zitat der Woche von Bettina Skrzypczak

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Vom Verändern durch Musik

Bettina Skrzypczak

Bettina Skrzypczak - Komponistin - Musik-Dozentin - Glarean Magazin
Bettina Skrzypczak (Bild Priska Ketterer)

„Mit dem, was man etwas verengt ‚politische Musik‘ nennt, habe ich zwar meine Schwierigkeiten, aber ein Realitätsbezug kann auf vielerlei Arten entstehen. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sagen: Ja, so ist es, und man kann nichts machen.
In mir brennt etwas, ich möchte etwas bewirken mit meiner Musik und etwas verändern. Ich finde, nur durch starke Stimmen kann etwas in Bewegung gebracht werden.“

Aus einem Interview der Schweizer Musikzeitung mit der Komponistin und Musik-Dozentin Bettina Skrzypczak (Ausgabe Nr. 12/2020)

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN ausserdem das Musik-Zitat der Woche von Hans G. Bastian: Brauchen wir Musik?

… sowie zum Thema Komponieren auch über den Internationalen Kompositionswettbewerb der PAS 2021

Weitere interessante Web-Links zum Thema Neue Musik


Yuval Noah Harari: Sapiens – Der Aufstieg (Graphic Novel)

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Wie ein aufgeplusterter Diktator

von Isabelle Klein

„Sapiens ist eher wie ein aufgeplusterter Diktator, der dauerhaft Angst hat, seine Macht zu verlieren“ (S. 37)

Fans der Graphic Novel (die von Harari sowieso) dürfen sich freuen. Endlich mal wieder ein popkulturelles Werk, das Freude macht. Klug und kurzweilig, dabei anspruchsvoll und durchaus fordernd in Inhalt und Dialogen, zugleich graphisch ansprechend, packt einen „Sapiens – Der Aufstieg“ von Anfang an. Insofern darf man gespannt auf die weiteren drei Teile sein, in denen das Trio Yuval Noah Harari, David Vandermeulen (Co-Autor) sowie Daniel Casanave (Zeichnungen) hoffentlich weiterhin so glänzend unterhält und zugleich aufklärt.

Yuval Noah Harari: Sapiens - Der Aufstieg (Graphic Novel) - C.H. Beck VerlagIn der graphischen Umsetzung dieser seiner gezeichneten/getexteten „Geschichte über die Menschheit“ gelingt es Harari und Co., einen sofort in den Bann des Konzeptes zu ziehen. Egal, ob mit Vorwissen oder blutiger Laie auf dem Gebiet der thematischen Graphic Novel: „Sapiens“ weiß zu unterhalten, einen zum Nachdenken anzuregen.

Abriss der Evolution

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Mit großem Sachverstand gelingt hier scheinbar mühelos ein Abriss epochaler Stadien in der Evolution des Homo Sapiens. Hierzu zieht Harari zur Freude von Filmfans immer wieder Klassiker wie z. B. Chaplins „Modern Times“ heran – inklusive kühle Komplementärkontraste, ein ansprechendes, leicht der ligne claire verhaftetes Zeichenschema, und sonstige virtuose Kniffe, die einen ob der erzählerischen Raffinesse sowie des enormen Wissens staunen lassen. Das Buch hat alles, was eine gelungene Graphic Novel braucht.

Zuweilen bemüht witzig

Kurzweilig, klug, anspruchsvoll: Historiker Prof. Dr. Yuval Noah Harari
Kurzweilig, klug, anspruchsvoll: Historiker Prof. Dr. Yuval Noah Harari (* 1976)

Und doch gibt es Teile, die abfallen. Der dicke Schinken ist zwar schön fürs Regal, aber unhandlich für die gemütliche Lektüre auf der Couch oder sonst wo. Und auch wenn „Sapiens“ über weite Strecken überzeugt, es Freude macht, im Streifzug allerlei Neues oder auch Altbekanntes passend verpackt zu sehen, überfordert Harari zuweilen bzw. erzeugt eine gewisse leserische Kurzatmigkeit. Vor allem im popkulturellen Kapitel „Rebellen der Savanne“ will er zu viel, setzt dies bemüht witzig um. So erschafft man durch all die kurzen Einschübe eine gewisse nervige Überfrachtung, eine gewisse popkulturelle Anbiederung durch eine vordergründig recht witzige, aber zugleich mitunter flache Präsentation. Ganz im Gegensatz zu Glanzpunkten wie beispielsweise dem Kapitel „Meister der Fiktion“, das uns das, was wir als gegeben hinnehmen, nochmals als reine Schöpfung der menschlichen Evolution in Erinnerung ruft.

Homo Sapiens nach New York transferiert

Ähnlich holprig wie der Anfang ist leider auch der Abschluss, der den Untergang vieler Arten der Megaflora und -fauna beleuchtet – anhand eines aktuellen Falles. Ein durchaus geschickter Griff in die Inszenierungskiste, der dem Leser die Thematik nahebringen soll, dabei aber letztlich doch übers Ziel hinausschießt. Hier sitzen dann eben Steinzeitmenschen, verkörpert durch Cindy und Bert Sapiens, und sollen den New Yorker Cops Rede und Antwort stehen.

Klug und pointiert gegen Rassismus

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Alles in allem aber absolut ein Buch mit Mehrwert. Denn klug und pointiert bringen Harari und sein Team die Entwicklung, das Auf und Ab – kurz: alles, was das große Feld des Aufstiegs und der Ausbreitung des Homo Sapiens eben begleitet – spielerisch herüber. Und die Quintessenz ist hochaktuell und sollte gerade in Zeiten eines wiederauflebenden Rassismus von einigen endlich begriffen werden: Es gibt keine verschiedenen Rassen. Wir sind alle Homo Sapiens, und – so schnell (Ironie) wie die Sapiens sich verbreitet und weiterentwickelt haben, so schnell können sie am Ende wieder untergehen. Ergo: Rassismus ist eine per se widersinnige Sache, und Toleranz sollte nicht vor der Haustür haltmachen.

Kurzum, ein sehr kluges Buch, mit gelegentlichen Längen, das aber ein epochales Thema kurzweilig und heiter umsetzt. Dabei wird mit treffenden Seitenhieben die moderne Gesellschaft seziert, die sich gar nicht so maßgeblich von der Wildbeutergesellschaft unterscheidet…♦

Yuval Noah Harari: Sapiens – Der Aufstieg (Graphic Novel), 248 Seiten, C.H. Beck Verlag, ISBN 978-3406758935

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Graphic Novel auch über Julian Voloj & Sören Mosdal: Basquiat

Johanna Klara Kuppe: Zwei Gedichte

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nektarküsse / mit möwenstaccato

Johanna Klara Kuppe

Sand Dünen Meer Strand Wellen Himmel - Johanna Klara Kuppe - Zwei Gedichte - nektarküsse und mit möwenstaccato - Lyrik-Literatur - Glarean Magazin

nektarküsse

wellen / ein ton wächst ins haar / gesang aus
unruhiger tiefe / luft dröhnt / klippen ragen/ möwen
schrei / schäumende gischt / schaudern überläuft
die felsen / treibholz und fleisch / totengesang

 

mit möwenstaccato
an a.

hörst du es? übertönt das
rauschen. die schattenhand in
den dünen. sand rieselt singt.

meine schulter gelehnt an
den zaun. der morgen wirft
seinen hut in die luft. grüßt.

Johanna Klara Kuppe - Glarean MagazinJohanna Klara Kuppe

Geb. 1948 in Wuppertal/D, Erzieherin, Musikalienhändlerin, Lyrik-Veröffentlichungen in Anthologien, Online-Magazinen und Literaturzeitschriften, von 2010 bis 2018 Literaturprojekte mit der Gruppe „HandvollReim“, seit 2003 Lesungen/Themenlesungen, lebt in in der Nähe von Stuttgart

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Neue Lyrik auch das Gedicht von Clemens Schittko: Wie fängt man sich Wolken ein


Internationaler Kompositions-Wettbewerb für Blasorchester

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Zeitgenössische Bläser-Musik

Valley Winds Ensemble USA - Glarean MagazinDas renommierte Konzert-Blasorchester Valley Winds in Massachusetts/US schreibt einen internationalen Kompositionswettbewerb für zeitgenössische Blasmusik aus. Obwohl das Valley Winds eine professionelle Formation ist, sind für diesen Wettbewerb auch Werke mit einem Schwierigkeitsgrad für gute Amateur-Ensembles zugelassen.

Die eingereichten Stücke sollen noch unveröffentlicht sein und eine Dauer von zehn Minuten nicht überschreiten. Einschränkungen hinsichtlich Alter und Nationalität der Komponistinnen und Komponisten bestehen nicht.

Anzeige Amazon: Probenmethodik Blasorchester - Geführtes Hören in der Ensemble-Arbeit - John D. Pasquale (Autor), Christoph Breithack (Autor), David W. Clemmer - Helbling Verlag
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Die Sieger-Werke werden vom Valley Winds welturaufgeführt, der Wettbewerb ist mit total 5’000 $ dotiert. Einsende-Schluss ist am 31. Mai 2021, hier finden sich die weiteren Einzelheiten der Ausschreibung (engl). ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Blasmusik auch die Humoreske von Franz Trachsel: Semper fidelis

Ausserdem zum Thema Bläser über Saxofour: Oparettet den Jazz (CD)


Internationaler Kompositions-Wettbewerb für Kammermusik

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Zeitgenössische „konsonante“ Werke

Musik-Komposition - Kompositionswettbewerbe - Orchesterpartitur - Glarean MagazinDie internationale „Non Proft Music Foundation“ namens Cum Laude Music Awards (CLIMA) schreibt für 2022 einen internationalen Kompositions-Wettbewerb für Kammermusik aus.

Die eingereichten Stücke sollen konsonant (aber nicht zwingend tonal) gestaltet sein, eine Dauer zwischen 3 und 20 Minuten aufweisen, und sie dürfen bereits früher aufgeführt worden sein.

Die Kompositionen können diverse Solo- und Ensemble-Kammermusik-Besetzungen aufweisen. Die eingereichten Werke sollten „darauf abzielen, ein neues Publikum für klassische Musik zu erreichen, und zwar in einer Weise, die die Schaffung eines neuen Publikums für diese Musik anregt“.

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Einsende-Schluss ist am 31. Juli 2021, hier sind die weiteren Details der Ausschreibung nachzulesen. ♦

Lesen Sie im Glarean Magazin auch über den Internationalen Kompositions-Wettbewerb für Blasorchester Valley Winds

… sowie über die weiteren Musik-Ausschreibungen zu internationalen Kompositionswettbewerben

Interessante neue Internet-Links zum Thema Kammermusik:

Internationaler Kompositions-Wettbewerb Piero Farulli 2021

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Zeitgenössische Quartett-Musik für Jugendliche

Streichquartett - Kinder und Jugendliche - Kammermusik - Glarean MagazinDie italienische Accademia Nazionale die S. Cecilia und die Scuola di Musica die Fiesole schreiben zum vierten Mal ihren internationalen Kompositionswettbewerb Piero Farulli für Streichquartett aus. Der Wettbewerb hat zum Ziel, ein „praktisch nicht existierendes Repertoire für junge und sehr junge Streichinstrumentalisten anzuregen, um diese zur zeitgenössischen Musikwelt hinzuführen“.

Ausgeschrieben werden zwei gleichwertige Preise: Einer für Kompositionen mit primärer oder mittlerer instrumentaler Schwierigkeit, und einer für Kompositionen mit vorprofessionellem Schwierigkeitsgrad.

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Der Wettbewerb ist mit einem Preisgeld von insgesamt 5’000 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 30. Juni 2021, hier sind die weiteren Einzelheiten der Ausschreibung zu finden (ital.) ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Streichquartett auch über die CD Böhmische Kammermusik (Sojka-Streichquartett)

… sowie weitere Ausschreibungen für Kompositionswettbewerbe


Internationaler Kompositions-Wettbewerb Sacrarium 2021

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Religiöse Werke für Gesang und Orchester

Kirchenfenster - Jesus Christus - Glasmalerei - Glarean MagazinFür seinen internationalen Kompositionswettbewerb Sacrarium 2021 schreibt der Lemberger Kammerchor (Ukraine) in Zusammenarbeit mit der Lemberger Philharmonischen Gesellschaft religiöse Originalwerke für Kammerchor und Streichorchester aus.

Der Sacrarium-Wettbewerb ist offen für alle Komponistinnen und Komponisten jeden Alters und jeder Nationalität. Der zugrunde gelegte Text kann aus dem alten oder neuen Testament stammen und in englischer oder lateinischer Sprache verwendet werden. Das Stück kann für zwei Kategorien eingereicht werden: a) Sopran (bzw. Mezzosopran) & Sinfonieorchester, oder b) Sopran (bzw Mezzosopran) & Kammerchor & Sinfonieorchester.

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Das eingereichte Werk soll eine Dauer von zwölf Minuten nicht überschreiten, die Partitur muss bis zum 3. April 2021 eingereicht worden sein. Hier finden sich die weiteren Details der Ausschreibung (engl). ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Klassische Musik auch über die CD von Siegmeth, Hunstein, Wolf: Winterreise nach Franz Schubert

… sowie über weitere Ausschreibungen von Kompositionswettbewerben


Scott Frank: Damengambit (Schach-Spielfilm)

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Dramengambit

Stefan Walter

Damengambit (Schach-Film) - Glarean MagazinPlötzlich sind wir cool.
Der Spiegel schreibt, die FAZ, die Zeit.
Da geht es nur um eine Kleinigkeit:
Mädchen sitzt auf Stuhl.

Kleines Waisenkind;
bei all dem Mist, den es er-, überlebt,
bei all der Tragik, die das Drehbuch webt:
Mädchen zieht, gewinnt.

Sympathie genügt.
Anstelle alter Männer, kaltem Rauch,
was sonst gibt das Klischee uns? Glatze? Bauch?
Mädchen strahlt und siegt.

Alle werden schwach.
Vorbei die Eifersucht, der Streit, der Neid,
es ist Zweitausendzwanzig, es wird Zeit:
Eine Frau spielt Schach!


Problem-Schach: Der Studien-Komponist Evgeny Kopylov

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Die künstlerische Seite des Schachspiels

von Walter Eigenmann

Das Reich der Schach-Studien ist ein faszinierendes. Zumindest für jene, die dem Königlichen Spiel nicht nur eine sportliche oder eine spieltheoretische, sondern auch eine ästhetisch-künstlerische Seite abgewinnen können. Ein besonders profilierter Vertreter dieser Gattung ist der russische Studien-Komponist Evgeny Kopylov.

Schach-Studie Evgeny Kopylov - Problem-Komponist - Glarean MagazinEvgeny Kopylov (geb. 1973) ist zwar auch im On-The-Board-Turnierschach ein starker Internationaler Meister mit einem seinerzeit maximalen Rating von über 2450 Elo. Aber vor allem als Komponist origineller und schwieriger Schachstudien schafft er immer wieder preisgekrönte Gebilde, deren Komplexität sogar moderne Schachprogramme oft ratlos zurücklassen – zumindest minutenlang…

Vor kurzem gewann Kopylov mit dem „Pobeda-75“-Studienturnier 2020 abermals einen renommierten Preis, und zwar mit dem folgenden Werk:

Weiss am Zug gewinnt

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Weiss am Zug gewinnt

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Noch nicht genug Turmopfer? Dann hier gleich nochmals ein Prachtsexemplar, diesmal aus der Schachzeitschrift 64 vor zwei Jahren.
Wer den Lösungszug von einer Engine herausfinden lassen will, braucht etwas mehr Geduld als sonst; normalerweise knacken heutige Schachprogramme solche Endspiel-Stellungen in Bruchteilen einer Sekunde…

FEN-String: 8/6Pr/4pR2/7k/3B1p1P/1B3K2/5p1r/8 w
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Insbesondere die traditionellen Alpha-Beta-Engines bekunden mit unserer Nummer Drei im Kopylov-Bunde einige Mühe:

Weiss hält remis

FEN-String: 8/r3P3/4bPKp/8/r7/7k/8/5R2 w
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Studieren Sie im Glarean Magazin zum Thema Schachstudien auch das Schach-Osterei 2020

Ausserdem zum Thema schwierige Schach-Knacknüsse: Die „Asterix“-Stellungen aus dem Jahre 2007