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„Elegische“ Klaviertrios zwischen Spätromantik und Moderne

Schwarzenberg-Trio: Elegie – Klavier-Trios von Chausson, Babajanyan und Rachmaninoff

Walter Eigenmann · 26. Mai 2026

Mit Ernest Chaussons Klaviertrio op. 3, Sergei Rachmaninoffs Trio élégiaque Nr. 1 und Arno Babajanyans Trio in fis-Moll widmet sich das Schwarzenberg Trio — namentlich die Pianistin Hanna Bachmann, der Geiger Franz-Markus Siegert und der Cellist Roland Lindenthal — drei Werken, die zwischen französischer Spätromantik, russischer Elegik und sowjet-armenischer Moderne eine gemeinsame Tradition gesteigerter Ausdrucksintensität und klanglicher Verdichtung hörbar werden lassen.

Chausson-Babajanyan-Rachmaninoff - Elegie - Schwarzenberg Trio - Glarean Magazin

Die drei hier eingespielten Werke, entstanden zwischen 1881 und 1952, verweigern sich – mit Ausnahme vielleicht der neuerdings wieder häufiger gespielten Rachmaninoff-„Elegie“ – der obligaten Anbiederung an den (längst beängstigend zusammengeschrumpften) Kammermusik-Markt. Doch trotz ihrer grundverschiedenen kulturellen Herkunft teilen die fraglichen Stücke eine ästhetische Grundhaltung: Die kompromisslose Suche nach gesteigerter Expressivität innerhalb einer grossräumigen, teils fast orchestral zu nennenden Klangdramaturgie, verbunden mit einem gewissen nationalstilistischen Kolorit, bei gleichzeitig spätromantischer Harmonik.

Chromatische Farbigkeit verbunden mit…

Ernest Chaussons Trio op. 3 schleppt zwar noch den unüberhörbaren Einfluss César Francks und dessen zyklischer Formidee mit sich herum, zeigt jedoch bereits jene chromatische Farbigkeit und harmonische Sensibilität, die später für die französische Musik des Fin-de-siècle prägend werden sollte. Sergei Rachmaninoffs frühes „Trio élégiaque“ wiederum knüpft mit seiner elegischen Grundhaltung an die russische Tradition des Klaviertrios an – eine weit gespannte Dramaturgie atmende Hommage an Tschaikowsky. Den eigentlichen (und höchst willkommenen) Exzentriker-Akzent schliesslich setzt Arno Babajanyan. Sein Trio in fis-Moll verbindet frühmoderne Ausdrucksintensität mit modal gefärbter armenischer Melodik und rhythmischen Impulsen folkloristischer Herkunft. Bis heute ein Solitär im Repertoire des 20. Jahrhunderts.

…Klangtransparenz und rhythmischer Durchhörbarkeit

Rachmaninoff - Klaviertrio - Glarean Magazin
Elegische Spannungsbögen neben filigranen Binnenbewegungen: Zitat aus Rachmaninoffs Klaviertrio

Darin liegt auch die besondere programmatische Qualität dieses „Elegie“-Albums: Nicht das Abspulen des immergleichen (Klassik-)Kanons steht im Zentrum, sondern dessen Erweiterung um zwei Werke, die im Konzertsaal eher selten zu hören sind, aber interessante Vertreter ihrer Gattung darstellen. Wie das Ensemble um die renommierte Pianistin Hanna Bachmann diesen seinen selbst weit gesteckten Horizont interpretatorisch anpackt, lässt sich beispielhaft an der Gestaltung des Rachmaninoff-Trios beobachten. Wo andere Einspielungen den episodischen Charakter des Werkes durch dynamische Plakativität, uferlose Tempodehnungen und stark ausgespielte Retardierungen zerfleddern, fällt diese Interpretation durch eine vergleichsweise engere Zeitdisposition und einen detailfokussierten Fluss auf. Dadurch tritt die strukturelle Anlage des Werkes plastisch hervor, was sich auch in den insgesamt gestrafften Tempi äussert. Die grossen Steigerungsprozesse in der Partitur, bei anderen Ensembles oft zur Klangmassierung getürmt, bleiben hier kontrolliert und kompakt. Das Schwarzenberg-Trio setzt weniger auf demonstrative Emotionalisierung als auf rhythmische Stabilität, auf Klangtransparenz und auf Durchhörbarkeit der grossen Spannungsbögen. Die vergleichsweise intime Aufnahmeanlage verstärkt diesen Eindruck zusätzlich und zeichnet die motivische Verflechtungen und Binnenbewegungen klar nach.

Fulminante Tanz-Apotheose bei Babajynyan

Hanna Bachmann - Glarean Magazin
International profilierte Kammermusikerin und Liedbegleiterin: Pianistin Hanna Bachmann (*1993)

Diese durchgehörte Qualität geht dann leider im technisch anspruchsvollsten Satz der drei Stücke, der fulminanten Tanz-Apotheose Allegro-Vivace des Babajanyan-Trios ein wenig verloren. Hier wären die rhythmischen und akkordischen Ziselierungen des temperamentvollen Armeniers – Landsmann Chatschaturjan lässt da übrigens besonders deutlich grüssen – bei einer etwas weniger „fettenden“, teils überhallten Aufnahmetechnik besser aufgehoben gewesen. Für mich persönlich ist in dieser Hinsicht nach wie vor die transparente, hochpräzise Einspielung von David Oistrakh und dem Cellisten Svyatoslav Knushevitsky gemeinsam mit dem Komponisten am Klavier die Referenz-Aufnahme; nahe kommt dieser allenfalls das Z.E.N.-Trio auf „Deutsche Grammophon“.

Produziert wurde das Album im Februar 2025 in der Bösendorfer Klavierfabrik in Wiener Neustadt auf einem Bösendorfer 280 Vienna Concert. Eine insgesamt durchaus willkommene Produktion, die bei allen drei eingespielten Komponisten neue Facetten aufdeckt. ♦

Schwarzenberg-Trio: Elegie – Klavier-Trios von Chausson, Babajanyan Rachmaninoff – Hanna Bachmann (Klavier), Franz-Markus Siegert (Violine), Roland Lindenthal (Cello), Decurio 2026, 71 min.

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