Kognitive Forschung: Musik als Universalsprache

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Musikalität vereint die Weltkulturen

von Walter Eigenmann

Musik ist die einzige Sprache, die jeder versteht“ – stimmt das wirklich, oder ist das einfach schöngeistiges Wunschdenken, übrigens seit Jahrhunderten postuliert, aber nie verifiziert? Was meint eigentlich die Wissenschaft zum vielfältig diskutierten Thema „Musik als Universalsprache“? (Über den Themen-Komplex „Musik als Sprache“ im engeren Sinne wurde und wird schon seit Jahrzehnten geschrieben und geforscht – ein besonders anregender Beitrag hierzu findet sich in dem Essay von Ernst Krenek: Musik und Sprache).

Musik-Kulturen - Glarean Magazin
„Das Medley der menschlichen Musikalität vereint alle Kulturen auf dem Planeten“

Zwei wissenschaftliche Forschungsbeiträge in der jüngsten Ausgabe des renommierten Science Magazine untermauern nun die Idee, dass Musik auf der ganzen Welt trotz vieler Unterschiede tragende Gemeinsamkeiten hat. Denn Wissenschaftler unter der Leitung des amerikanischen Kognitionsforschers Samuel Mehr (Harvard University) haben eine gross angelegte Analyse von Musik aus Kulturen auf der ganzen Welt durchgeführt, und die beiden Kognitionsbiologen Tecumseh Fitch und Tudor Popescu von der Universität Wien gehen davon aus, dass die menschliche Musikalität alle Kulturen auf der Welt vereint.

Gemeinsamkeiten heterogener Musikstile

Samuel Mehr - Kognitionsforscher und Musikwissenschaftler Harvard University - Glarean Magazin
Samuel Mehr, Kognitions-Forscher und Musik-Wissenschaftler an der Harvard University: „Es gibt eine Art grundlegende menschliche Musikalität“

Die vielen Musikstile der Welt sind so unterschiedlich – zumindest oberflächlich betrachtet -, dass Musikwissenschaftler oft skeptisch sind, ob sie tatsächlich wichtige gemeinsame Merkmale haben. „Universalität ist ein großes Wort – und ein gefährliches“, sagte schon der grosse Leonard Bernstein. In der Tat, in der Ethnomusikologie wurde „Universalität“ zu einem Dirty Word – eine inhaltslose Worthülse. Aber Mehr’s neue Forschungen stellen in Aussicht, dass die Suche nach tieferen universellen Aspekten der menschlichen Musikalität neu entfacht wird.

Tonalität als „menschliche Prädisposition“?

So stellte Samuel Mehr fest, dass alle untersuchten Kulturen Musik machen und dabei sehr ähnliche Arten von Musik in ähnlichen Kontexten verwenden, mit jeweils einheitlichen Eigenschaften. Zum Beispiel ist Tanzmusik schnell und rhythmisch, und Schlaflieder weich und langsam – überall auf der Welt.
Darüber hinaus zeigten gemäss Mehr alle Kulturen Tonalität: Sie bauten aus einer Basisnote eine kleine Teilmenge von Noten auf, genau wie in der westlichen diatonischen Skala. Heilende Lieder neigen dazu, weniger Noten und dichtere Abstände zu verwenden als Liebeslieder.
Diese und weitere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es tatsächlich universelle Eigenschaften der Musik gibt, die wahrscheinlich tiefere Gemeinsamkeiten der menschlichen Wahrnehmung widerspiegeln – quasi eine grundlegende „menschliche Musikalität“.

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In einer wissenschaftlichen Perspektive in derselben Ausgabe kommentieren die Forscher an der Universität Wien Tecumseh Fitch und Tudor Popescu die Auswirkungen. „Die menschliche Musikalität ruht grundsätzlich auf einer kleinen Anzahl von festen Säulen: Fest kodierte Prädispositionen, die uns die früheste physiologische Infrastruktur unserer gemeinsamen Biologie bietet. Diese ‚musikalischen Säulen‘ werden dann mit den Besonderheiten jeder einzelnen Kultur ‚gewürzt‘, was zu dem schönen kaleidoskopischen Sortiment führt, das wir in der Weltmusik finden“, erklärt Tudor Popescu. Und Fitch fügt hinzu: „Diese neue Forschung belebt ein faszinierendes Studiengebiet wieder, das von Carl Stumpf zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Berlin entwickelt wurde, das aber von den Nazis in den 1930er Jahren tragisch beendet wurde“.

Das Musik-Medley aller Kulturen des Planeten

Musik-Konzert - Musiksoziologie - Musikpsychologie - Glarean Magazin
„Grundlegende Prädisposition musikalischer Inhalte in den menschlichen Weltkulturen“

Mit der Annäherung der Menschheit wachse gemäss Popescu und Fitch auch unser Wunsch zu verstehen, was wir alle gemeinsam haben – in allen Aspekten des Verhaltens und der Kultur. Die neue Forschung aus Harvard deute darauf hin, dass die menschliche Musikalität einer dieser gemeinsamen Aspekte der menschlichen Kognition ist. „So wie europäische Länder als ‚United In Diversity‘ bezeichnet werden, so vereint auch das Medley der menschlichen Musikalität alle Kulturen auf dem Planeten“, so Tudor Popescu abschließend. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musikwissenschaft auch: Musik in der Gruppe: Neue Forschungsergebnisse

… sowie zum Thema Musik und Intelligenz über Lutz Jäncke: Macht Musik schlau?

Verwandte Thematik: Humanmedizin – Musik und Herzinfarkt (Musikforschung)

Ausserdem zum Thema „Musik in der Sprache“: In der Sprache liegt Musik (Max-Planck-Gesellschaft)

Bücher-Liste zum Themenkreis „Musik und Sprache“

Musik-Kalender 2020 – „Beethoven und ich“

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53 Bekenntnisse zu Beethoven

von Walter Eigenmann

Im kommenden Jahr 2020 begeht die Musikwelt einmal mehr ein Jubiläum der Superlative, nämlich das 250. Geburtsjahr von Ludwig van Beethoven. Die Musikforscher werden sich überschlagen mit neuen Analysen der Werke des „Titanen“, die Labels werden ihre alt-verstaubten Gesamtaufnahmen seiner Sonaten und Sinfonien aus ihren Vinyl-Gräbern schaufeln, die Mono- und Biographen zum x-sten Male die Entstehungsgeschichte von „Für Elise“ aufkochen, die Merchandise-Industrie ihre T-Shirts mit „Ode an die Freude“ oder „Eroica“ drauf in die Kleiderläden bugsieren, und es wunderte nicht, wenn auch die Film-Regisseure den einen oder anderen neuen Beethoven-Streifen ins Kino hievten.

Der Musik-Kalender 2020 - Beethoven und ich - Cover - Glarean MagazinKein Zweifel besteht jedenfalls darüber, dass die Konzertsäle bald weltweit überquellen werden vor lauter Beethoven. Denn für den Kult um solche ausholenden, extrem dominanten Jahrhundert-Genies wie Beethoven ist unsere 2.0-Welt wie geschaffen. Ob heutzutage derartige Jubiläen einer solch singulären Erscheinung wie Beethoven allerdings auch nur ansatzweise gerecht werden können, oder ob’s bei den üblichen pietätvollen Häppchen in den Social Medias bleibt, muss je am Einzelergebnis solcher „Erinnerungsarbeit“ festgemacht werden. Immerhin sind allenthalben regelrechte Monster-Zyklen angekündigt im Beethoven-Jahr 2020, wie beispielsweise bei der deutschen Beethoven-Jubiläums-GmbH (BTHVN 2020).

Zitaten-Schatz der Zeitgenossen

Eine Möglichkeit, zumindest skizzenhaft den Einfluss Beethovens seinerzeit und heute zu umreissen, ist jene, die der Verlag „Edition-Momente“ beschritt mit seinem neuen Musik-Kalender 2020 unter dem Titel „Beethoven und ich“, nämlich jene Leute zu Worte kommen zu lassen, die professionell und unvermittelt mit dem Menschen Beethoven und seinem Werk befasst waren oder sind: Seine (komponierenden oder interpretierenden) Zeitgenossen, seine heutigen Realisierenden in den Orchestern und Kammerensembles, kurzum jene Musik-Verständigen, die an ihm in den Konzertsälen, Plattenstudios und Bücherstuben unmöglich vorbeikamen und noch immer nicht vorbeikommen.

Hymnen und Erinnerungen im Wochentakt

Probeseite aus Musik-Kalender 2020 - Beethoven und ich - Edition Momente - Glarean Magazin
Probeseite aus dem „Musik-Kalender 2020“ mit einem Statement von Luigi Nono

Beginnend mit dem ersten Januar-Blatt und dem legendären Beethoven-Konzert, das der Pianist Arturo Benedetti Michelangeli 1942 in Rom gab, bis hin zur letzten Dezember-Woche bzw. zum Zitat des Cellisten Pablo Casals, das Beethovens 9. Sinfonie als „Wunder“ verherrlicht, bindet der Kalender auf 53 Wochenblättern einen eindrucksvollen Strauss von Erinnerungen, Gesprächen, Bekenntnissen, Zitaten, Bildern, Fotos, Zeichnungen, Notizen und Anekdoten von Claudio Arrau und Leonard Bernstein oder Johannes Brahms über Sergiu Celibidache oder Clara Haskil bis hin zu Gustav Mahler, Gioacchino Rossini oder Günter Wand.

Ob Komponisten oder Dirigenten oder Instrumentalisten – sie alle zollen einem ganz Grossen der menschlichen Kulturgeschichte ihren Respekt, und nicht immer ist endgültig klar, ob die Verehrung einem Künstler oder nicht doch eher einem Gott gilt… Womit wir wieder glücklich im Musik-Olymp und bei den Podesten gelandet sind, auf die solche Exemplarischen halt – erst recht aus so grosser Zeitdistanz – immer noch gerne gestellt werden.

Beeindruckendes Puzzle über einen Giganten

Ungeachtet aller Glorifizierung verdichtet diese facettenreiche Kalender-Sammlung aber durchaus zahlreiche Puzzle-Stücke zu einer eindrücklichen Gesamtschau, die sich dem Menschen Beethoven und seinem Werk unterhaltsam, reichhaltig, vielseitig, ja schillernd, und teilweise beeindruckend nähert.

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Der Kalender kommt layouterisch sehr ästhetisch daher, mit intelligent ausgewählten Bezügen, seien diese direkt-musikalischer oder „nur“ biographischer Natur, und mit sehr ansprechendem, teils unbekanntem Bild-Material. Ausserdem fällt verdienstvoll ins Auge: Die 60-blättrige Anthologie versammelt nicht nur männliche Beethoven-Adepten, sondern auch zahlreiche Frauen mit ihren bedeutungsvollsten Beiträgen, musikalischen Bezügen, und ja: menschlichen Beziehungen über und zu Beethoven. Namentlich seien nur Fanny Hensel (Komponistin), Jenny Lind (Sopranistin) oder Myra Hess (Pianistin) hervorgehoben.

Informativer und ästhetischer Tour d’Horizon

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Ein jeder der Kalender-Tage 2020 ist über den je ganzseitigen Fokus hinaus mit den entspr. Geburts- bzw. Todeszahlen von hunderten weiterer Musik-Berühmtheiten aus vergangener und jüngster Zeit garniert.
Alles in allem ein Musik-Kalender, der weniger als hübscher Memory-Wandschmuck taugen will denn als ästhetischer und informativer Tour d’Horizon über einen Komponisten, der Musikgeschichte geschrieben hat wie kein zweiter – und seit 250 Jahren ausstrahlt bis in unsere Tage hinein. ♦

Edition Momente: Der Musik-Kalender 2020 – Beethoven und ich, 60 Blätter, ISBN 978-3-0360-3020-3

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema auch über
Karl-Heinz Ott: Rausch und Stille – Beethovens Sinfonien

… sowie als grafische Ehrerbietung den neuen künstlerischen Scherenschnitt von Simone Frieling: Ludwig van Beethoven

Weitere Beiträge über Beethoven im Internet:

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Jüngste Ergebnisse der neurobiologischen Sprachforschung

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„Sprache ist ein komplexer biokultureller Hybrid“

von Walter Eigenmann

Gemäss klassischer Neurobiologie der Sprache weist unsere linke Gehirnhälfte zwei grosse Sprachräume auf: Der Broca-Bereich im Frontallappen verantwortet die Produktion von Sprache (= Sprechen und Schreiben), während das Wernicke-Areal im Temporallappen das Verstehen von Sprache unterstützt (= Hören und Lesen). Jüngste Ergebnisse der neurobiologischen Sprachforschung weisen nun darauf hin, das dies eine zu undifferenzierte Sichtweise ist.

Science Magazine - Language and the brain - Glarean MagazinEine neue Untersuchung „Die Neurobiologie der Sprache jenseits der Einzelwortverarbeitung“ des niederländischen Psycholinguistikers und Neurobiologen Peter Hagoort vom Max-Planck-Institut in Nijmegen, vor einigen Tagen publiziert in dem Wissenschaftsmagazin Science, widerspricht nun dieser verhältnismässig „primitiven“ Darstellung der menschlichen Sprachkompetenz: „Die klassische Sichtweise ist weitgehend falsch. […] Sprache ist unendlich komplexer als das Sprechen oder Verstehen einzelner Wörter, worauf das klassische Modell basiert.“

Unabdingbar fürs Verstehen: Der Kontext

Denn während Wörter zu den elementaren Bausteinen der Sprache gehören, brauchen wir auch Gehirnoperationen, um Wörter zu strukturierten Sätzen zu kombinieren. Hagoort bringt das Beispiel: „Der Herausgeber der Zeitung liebte den Artikel“. Um eine solche Äusserung adäquat zu interpretieren, reiche es nicht aus, die Sprachlaute (oder Buchstaben) sowie die Bedeutung der einzelnen Wörter zu kennen: „Wir brauchen auch Informationen über den Kontext (Wer ist der Sprecher?), die Intonation (ist der Ton zynisch?) und das Wissen über die Welt (was macht ein Redakteur?)“

Peter Hoogart - Neurobiologe - Glarean Magazin
Peter Hagoort

Peter Hagoorts Forschungen zeigen noch darüber hinausgehende Befunde. So deckten neuroanatomische Studien auf, dass die bereits erwähnten Gehirn-Sprachregionen Broca und Wernicke ihrerseits nicht nur weitere Sprachgebiete aufweisen, sondern dass sich ihre Sprachaktivitäten bis hin zum Parietal-Lappen erstrecken; vormals hinsichtlich Sprache unterschätzte Hirnareale wie die rechte Hemisphäre und das Kleinhirn setzen deutlich mehr Verbindungen als angenommen ein.

Prozessbeschleunigung durch aktive Voraussage

Hagoort weiter: „Unser Gehirn verarbeitet Sprache mit erstaunlicher Geschwindigkeit und Unmittelbarkeit in einem dynamischen Netzwerk von interagierenden Hirnarealen. Alle relevanten Informationen werden sofort verfügbar, wenn wir beginnen, die Bedeutungen einzelner Wörter zu kombinieren und die verschiedenen Informationsquellen zu vereinen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, sagt unser Gehirn aktiv voraus, was als nächstes kommt.“

MRI Magnetresonanztomographie - Gehirn-Bildgebende Verfahren - Glarean Magazin
Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanz-Tomographie MRI erlauben neurobiologische Forschungen wie z.B. das Neuroimaging

Doch damit nicht genug: Die Sprache ist oft „indirekt“. Hagoort führt aus, dass Zuhörer die Absicht eines Sprechers ableiten müssen, um zu verstehen, was der Sprecher meint. Beispielsweise könnte „Es ist heiss hier“ auch als Aufforderung zum Fensteröffnen verstanden werden und nicht als Aussage über die Temperatur. Hagoort: „Neuroimaging-Studien zeigen, dass solche pragmatischen Schlussfolgerungen von Hirnarealen abhängen, die an der ‚Theorie des Geistes‘ beteiligt sind, oder vom Denken über die Überzeugungen, Emotionen und Wünsche anderer Menschen“.
Da die meisten zwischenmenschlichen Äußerungen Teil eines Gesprächs sind, werden einige Informationen in der Regel bereits zwischen dem Sprecher und dem Zuhörer ausgetauscht. Die Redner stellen sicher, dass sie „neue Informationen“ markieren, indem sie die Reihenfolge der Wörter oder Tonhöhen verwenden, um die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu bündeln.

Sprache als multiples Brain-Network

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Sprache sei ein „komplexer biokultureller Hybrid“, fasst Hagoort seine Studien zusammen. „Aber was ist die Essenz der menschlichen Sprache? Ist es eine Syntax, die im Broca-Bereich zu finden ist?“ Hagoort stellt diese alte Vorstellung in Frage: „Es hilft nicht, das Gesamtbild der menschlichen Sprachkenntnisse zu erfassen, wenn man zwischen wesentlichen und unwesentlichen Aspekten von Sprechen und Sprache unterscheiden will“. Stattdessen plädiert der Neurowissenschaftler für eine „multiple Brain-Network-Ansicht von Sprache, in der einige Operationen gut mit anderen kognitiven Bereichen wie Musik und Arithmetik geteilt werden könnten“. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Neurobiologie auch über Lutz Jäncke: Macht Musik schlau?

… sowie zum Thema Sprachpsychologie über Esther Kinsky: Fremdsprechen – Das Übersetzen


English Translation

„Language is a complex biocultural hybrid“

by Walter Eigenmann

According to the classical neurobiology of language, our left brain has two large language areas: The Broca area in the frontal lobe is responsible for the production of speech (= speaking and writing), while the Wernicke area in the temporal lobe supports the understanding of speech (= hearing and reading).

A new study „The Neurobiology of Language Beyond Single Word Processing“ by Dutch psycholinguist and neurobiologist Peter Hagoort of the Max Planck Institute in Nijmegen, published a few days ago in the scientific journal Science, now contradicts this relatively „primitive“ representation of human language competence: „The classical view is largely wrong. […] Language is infinitely more complex than speaking or understanding individual words, on which the classical model is based.“

Indispensable for understanding: The context

While words belong to the elementary building blocks of language, we also need brain operations to combine words into structured sentences. Hagoort gives the example: „The editor of the newspaper loved the article“. In order to interpret such an expression adequately, it is not enough to know the speech sounds (or letters) and the meaning of the individual words: „We also need information about the context (who is the speaker?), the intonation (is the tone cynical?) and the knowledge of the world (what does an editor do?)“.

Picture: Peter Hagoort

Peter Hagoort’s research shows further findings. For example, neuroanatomical studies revealed that the brain language regions Broca and Wernicke, which have already been mentioned, not only have other language regions, but that their language activities extend as far as the parietal lobe; previously underestimated brain areas such as the right hemisphere and the cerebellum use significantly more connections than assumed.

Process acceleration through active prediction

Hogaart continues: „Our brain processes speech with amazing speed and immediacy in a dynamic network of interacting brain areas. All relevant information becomes immediately available as we begin to combine the meanings of individual words and unite the different sources of information. To accelerate this process, our brain actively predicts what comes next.“

Picture: Imaging methods such as magnetic resonance imaging (MRI) allow neurobiological research such as neuroimaging.

But that’s not all: the language is often „indirect“. Hagoort explains that listeners must derive the intention of a speaker in order to understand what the speaker means. For example, „It’s hot here“ could be understood as an invitation to open a window rather than a statement about the temperature. Hagoort: „Neuroimaging studies show that such pragmatic conclusions depend on brain areas involved in the ‚theory of mind‘ or on thinking about other people’s beliefs, emotions and desires.
Since most interpersonal expressions are part of a conversation, some information is usually already exchanged between the speaker and the listener. Speakers ensure that they mark „new information“ by using the order of words or pitches to focus the listener’s attention.

Language as a multiple brain network

Language is a „complex biocultural hybrid“, Hagoort summarises his studies. „But what is the essence of human language? Is it a syntax that can be found in the Broca area? Hagoort questions this old notion: „It doesn’t help to grasp the whole picture of human language skills if you want to distinguish between essential and insignificant aspects of speech and language. Instead, the neuroscientist argues for a „multiple brain network view of language in which some operations could well be shared with other cognitive domains such as music and arithmetic. ♦

Literatur-Katalog 2019 der österr. IG Autorinnen & Autoren

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Tour d’Horizon der Literaturlandschaft Austria

von Walter Eigenmann

„Die Literatur der österreichischen Kunst-, Kultur- und Autorenverlage“ nennt sich auch der diesjährige, rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse publizierte Literatur-Katalog 2019 der österr. IG Autorinnen & Autoren – und der über 220-seitige Band mit Redaktionsschluss August 2019 wartet erneut mit eindrücklichen Zahlen auf:

Die Literatur der österreichischen Autoren-Verlage 2019-2020 - Glarean Magazin3’403 Buch-Titel von insgesamt 161 Verlagen, davon nicht weniger als 1’631 Neuerscheinungen 2019, listet die Zusammenstellung auf. Weiter sind ein umfangreiches Autoren/inn/en-Register sowie zahlreiche Adressdaten von Literatur-Periodika, Kulturzeitschriften und Buch-Auslieferungsfirmen enthalten. Alle Verlagsdaten führen die Post-, die Web- sowie die Mail-Adresse auf sowie das Gründungsjahr, ein Kurz-Porträt und die Verlagsleitung.

Von Autoren bis Zeitschriften

Die IG Autorinnen Autoren wurde 1971 als Verhandlungsdelegation österr. Schriftstellerverbände gegründet, ist seit 1981 eigenständig organisiert und zählt heute über 3’800 Mitglieder-Autoren in 70 Verbänden. Sie nimmt die beruflichen Interessen der österreichischen Schriftsteller/innen wahr und gibt u.a. die Publikationen Autorensolidarität, Die Literatur sowie den Stückebörsekatalog heraus. Domiziliert ist die IG im Literaturhaus Wien, als Berufsverband unterstützt sie auch internationale Autoren-Projekte wie z.B. Fairlag. (we)

Thematisch berücksichtigt wurden die Bereiche Literatur und Belletristik, kunst- und kulturpublizistische Titel sowie Kinder- und Jugendliteratur. Gemäss Herausgeber bietet damit „Die Literatur“ dem österreichischen Autoren-Schaffen ein Forum, das einen fast vollständigen Überblick auch auf jene Publikationen bietet, die in anderen Verzeichnissen nicht enthalten sind.

Gerhard Ruiss - IG Autorinnen Autoren - Österreichische Literatur - Glarean Magazin
Das „Gesicht“ der Autoren-IG seit Jahren: Schriftsteller und Literatur-Gewerkschafter Gerhard Ruiss

Bei der Realisierung dieser imposanten Tour d’Horizon der Literaturlandschaft Austria wurde das Herausgeber-Team um die IG-Verantwortlichen Renate Welsh (Präsidium) und Gerhard Ruiss (Geschäftsführung) massgeblich unterstützt vom österreichischen Bundesministerium für Kunst, Kultur & Medien, die redaktionelle Betreuung lag bei Martin Höfer und Ulrike Stecher.

Unverzichtbares Nachschlagewerk

100 Menschen, die Österreich bewegten - Michael Horowitz - Molden Verlag
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„Die Literatur“ der Autoren-IG hat sich zweifellos in den letzten Jahren zu einem unverzichtbaren, die österreichische Verlagslandschaft ebenso vielfältig wie umfassend repräsentierenden Publikation entwickelt, die als Nachschlagewerk und als Adressenliste insbesondere den tausenden von Einzel-Autorinnen & Autoren zahlreiche nützliche Hinweise, thematische Überblicke und verlegerisches Hintergrundwissen weit über Österreich hinaus bietet. Damit ist sie dessen wichtigste Visitenkarte in Sachen Literatur. ♦

IG Autorinnen & Autoren Österreich: Die Literatur der österreichischen Kunst-, Kultur und Autorenverlage – Katalog 2019/20, 212 Seiten, ISBN 978-3-900419-52-3

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Buch-Verlage auch:

Schachprogramme: Das Duell der Engine-Giganten

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Stockfish oder Leela?

von Walter Eigenmann

Seit vielen Monaten und je länger desto stärker beherrscht in der Computerschach-Szene ein Duell die Diskussion: Stockfish gegen Leela. Zwei Schachprogramme, deren Herkunft und Konzeption nicht unterschiedlicher sein könnten, und die sich heute ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern um den ersten Platz unter den modernen Engines. Dem Anwender kann das nur recht sein: Das Duell der Engine-Giganten sorgt für stetig bessere Schachmotoren…

Konträre Programmieransätze

Gary Linscott - Chess Programmer - Stockfish - Glaraen Magazin
Innovativer Kopf und massgeblich beteiligt sowohl bei Stockfish als auch bei Leela Chess: Der kanadische Computer-Wissenschaftler und Spiele-Programmierer Gary Linscott

Auf der einen Seite haben wir also mit dem Open-Source-Programm Stockfish den zurzeit in allen Computerschach-Rankings zuvorderst rangierten Vertreter der sog. Alpha-Beta-Richtung. Die Engine, ursprünglich als Glaurung von Tord Romstod im Jahre 2008 entwickelt, zählt als Freeware mittlerweile auf eine weltweite Entwicklergemeinde, deren wöchentlicher Input – koordiniert von den Programmierern M. Costalba, J. Kiiski und G. Linscott – aus diesem ehemals mittelmässigen UCI-Programm nach und nach ein extrem schnelles und extrem tief rechnendes CPU-Monster geschaffen hat, welches z.B. den amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen – wahrscheinlich das grösste Genie der Schachgeschichte – in einem Match über mehrere Turnierpartien mit grosser Wahrscheinlichkeit in Grund und Boden spielen würde.

Goethe - Schach ist ein Prüfstein des Gehirns - Künstliche Intelligenz mit Computer - Glarean Magazin
Goethe sprach vom Schach noch als von einem „Prüfstein des Gehirns“ – die jüngste Entwicklung der Künstlichen Intelligenz holt das Gehirn in den Computer…

Auf der anderen Seite sorgte in der Szene innerhalb der letzten zwanzig Monate ein ganz anderer Entwicklungsstrang der Programmierung für Furore: Das (ebenfalls frei downloadbare) KI-Schach-Leela-Projekt „Lc0“ mit seiner ausschliesslich Netzwerk-basierten Spielweise ohne jedes „menschliche Knowhow“. (Näheres zu diesem bahnbrechend neuen Ansatz findet sich u.a. hier: Künstliche Schach-Intelligenz Leela Chess Zero – Als Autodidakt zur Weltspitze).
Auch Leela’s atemberaubende Progression wäre nicht möglich gewesen ohne den Einsatz der internationalen Community, die nonstop „selfplayed games“ beisteuert(e) und so das „Wissen“ des KI-Programmes in Form von ständig neuen „Networks“ sukzessive vermehrt. (Mittlerweile dürfte die Grenze von 1,5 Milliarden Traningspartien überschritten sein…)

Turnier mit diversen Derivaten und Netzen

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Wer diese beiden unterschiedlichen Konzepte, ihre deutlich voneinander abweichenden Spielweisen konkret studieren will, kann das anhand spezifisch ausgewählter Aufgaben-Stellungen tun – z.B. mit der ERET-Testsammlung. Oder aber er lässt sie in eigens konzipierten Turnieren gegeneinander antreten – mit unterschiedlichen Bedenkzeiten und unterschiedlichen Konfigurationen hinsichtlich CPU und Datenbanken.

Solch ein grösseres Turnier mit über tausend Partien und 33 teilnehmenden Engines habe ich kürzlich auf meinem AMD-Ryzen7-Rechner ausspielen lassen. Um möglichst ein breites Feld von Stockfish- und Leela-Zweigen vergleichen zu können, wurden neben den Default-Programmen auch diverse Derivate bzw. Network-Entwicklungen der Leela-Chess-Community integriert.

Duell der Engine-Giganten - Stockfish vs Lc0 - Glarean Magazin
Läutet das KI-Schachprogramm Leela Chess Zero bald definitiv das Ende der Herrschaft von Stockfish ein?

Das Resultat dieser Matches – welche selbstverständlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder statistische Relevanz erheben wollen – zeigt jenes Bild, das aufgrund zahlreicher anderer Computerschach-Turniere zu erwarten war: Auch im Spätsommer 2019 kann noch immer nicht eindeutig ausgemacht werden, wer nun genau aufs Siegespodest gehievt werden kann. Stockfish und Leela sind, was ihre Turnier-Performance anbelangt, momentan gleich stark, wiewohl ihr Schachstil sehr unterschiedlich daherkommt.
Was hingegen als ziemlich sicher gelten darf, ist der Befund, dass die beiden engsten Verfolger, nämlich die zwei kommerziell vermarkteten Programme Komodo und Houdini mittlerweile distanziert sind. Bis vor ca. einem halben spielten diese beiden Engines noch auf Augenhöhe mit dem Sieger-Duo.


Exkurs: Der „menschlich“ spielende Computer

Der AI-Engine Leela wird ein quasi „menschliches Schachverständnis“ nachgesagt; ihr Schach erinnere an „planvolles“ und „kreatives“ Spiel, wie man es bei Grossmeistern kennt und liebt. (Allerdings müssten die Begriffe „Plan“ und „Strategie“ heutzutage überholt bzw. neu definiert werden; das enorm tiefe, weil ausgeklügelt selektive Berechnen auch der aktuellen konservativen Alpha-Beta-Programme zeigt ein taktisch fast fehlerloses, aber durch keinerlei schöpferisches Planen charakterisiertes Schachspielen; ihre Zugfolgen basieren rein auf raffinierten Bewertungsalgorithmen und selektiven Cut-Techniken. Was früher der Mensch „Strategie“ nannte, entpuppt sich mit Computern oft als blosse „Taktik“…)

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Woher kommt also der „humanoide“ Nimbus der neuen KI-Programme wie Alpha-Zero, Leela-Zero oder Allie u.a? Gilt womöglich das Paradoxon, dass Lc0 darum so „menschlich“ spielt, weil der Mensch bei seiner Entwicklung jar gar nicht involviert war?! (Am Anfang der Schach-AI-Forschung standen nur die nackten Spielregeln, ansonsten keinerlei implentiertes Schachwissen.)

Das folgende Partien-Beispiel – generiert auf meinem AMD-Ryzen7-Rechner in einem Match Leela vs Komodo (mit PermantBrain on) – mag veranschaulichen, dass das Etikett „Menschliches Spiel“ bei modernen AI-Schachprogrammen so völlig nicht aus der Luft gegriffen ist.
Nach den Zügen…

… kam diese Stellung aufs Brett:

Leela - Komodo - Königswanderung - Glarean Magazin
Das KI-Programm Leela Chess Zero mit Weiss gegen den amtierenden Computerschach-Weltmeister Komodo

Die Position ist im leichten materiellen Ungleichgewicht, aber zugleich so festgefahren, dass keine Partei vorwärtskommt. Friedliche Gemüter würden hier durchaus nicht zu Unrecht an ein Remis denken.

Doch Weiss hat einen langfristigen Plan in petto: Der König wird nach a2 überführt. Dort blockiert er einerseits den schwarzen Freibauern und löst gleichzeitig die Wache des Turmes ab, der dadurch für Angriffszwecke mobil wird. Hinzu kommt, dass Springer in solch fixierten Bauernstellungen den Läufern und sogar Türmen überlegen sein können – trotz Minus-Bauerneinheit ist also die Partiestellung für Weiss „strategisch“ gewonnen.
Es folgte eine Lehrbuch-mässige Verwertung durch das AI-Programm Leela:

34. Kg3 Kd8 35. Kf2 Ke7 36. Ke2 Rd8 37. Kd3 Ra5 38. Kc2 Bd7 39. Ne4 Ra6 40. Kb1 Kf8 41. Ka2 und Schwarz ist chancenlos gegen den Turm-unterstützten Bauernhebel c4-c5 (oder wie in der Partie gegen z.B. Läufertausch inkl. g-Linie-Öffnen mit Attacke gegen den Rückständigen g7)  1-0
(Hier lässt sich die Original-Partie downloaden / CBH-Format -ZIP-Datei)

Strategie oder Taktik?

Matthew Sadler - Game Changer - Alpha Zero's Groundbreaking
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Die Frage ist nun, ob diese Königswanderung auf dem Leela-Mist alleine gewachsen ist, oder ob der gleiche „Plan“ auch bei konventionellen Engines im Output des „Denkprozesses“ auftaucht. Hierzu habe ich mal einige der besten Programme exakt 5 Sekunden lang auf die Stellung angesetzt (mit je 16 Threads) und ihre Hauptvarianten verglichen (unter „Fritz-16“ auf einem AMD-Ryzen-7):

Analysis by Stockfish 10:

34.Kg2 Kd8 35.Kf2 Ke7 36.Se4 Td8 37.Ke2 Ta6 38.Le6 g6 39.Kd3 Tb8 40.Kc2 gxh5 41.Sf5+ Kd8 42.Sfxd6 hxg4 43.Lxg4 Lg6 44.Lf5 Lxf5 45.Sxf5 Kc7
Weiss steht deutlich besser: +/- (1.34) Tiefe: 25/39 00:00:05 102MN, tb=15


Analysis by Houdini 6.03:

34.Kg3 Kd8 35.Kf3 Kc7 36.Se4 a2 37.Ke2 Ta3 38.Kd2 Txb3 39.Txa2 Ta3 40.Tb2 Ta5 41.Le6 Tba8 42.Sf5 Ta2 43.Kc2
Weiss steht etwas besser: +/= (0.41 ++) Tiefe: 20/41 00:00:05 122MN, tb=2056


Analysis by Komodo 12.3:

34.Ta2 Kd8 35.Kg2 Ke7 36.Kf3 Ta6 37.Le6 Kf8 38.Sf5 Td8 39.Se4 Tb6 40.Kf2 Ta6 41.Kg2 Tb6 42.Kh3 Ta6 43.Kg3 Tb6 44.Kg2 Ta6 45.Kf2 Tb6 46.Ke3 Ta6 47.Kd2 Tb6 48.Kd3 Ta6 49.Ke2 Tb6 50.Kf3 Ta6 51.Ke3 Tb6 52.Ke2 Ta6 53.Kd3 Tb6 54.Sd2
Weiss steht etwas besser: +/= (0.64) Tiefe: 32 00:00:05 89390kN, tb=2


Analysis by Ethereal 11.50:

34.Kg3 Lf7 35.Kf3 Tb6 36.Ke2 Te8 37.Kd3 Td8 38.Se4 Th8 39.Kc2 Ta6 40.Kd2 Tb6 41.Kd3 Ta8 42.Lh7 Kf8 43.Sf5 Td8 44.Kc2 Ta6 45.Kd3 Tb6
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.00) Tiefe: 22/36 00:00:00 11065kN, tb=3


Analysis by Fire 7.1:

34.Kg2 Ta6 35.Kf3 Td8 36.Se4 Lf7 37.Ke2 Te8 38.Kd3 Td8 39.Ta2 Tb6 40.Ta1 Th8 41.Ta2 Tf8 42.Lh7 Td8 43.Sf5+ Kf8 44.Se3 Ta6 45.Lf5 Ke7 46.Lh7 Kf8
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.00) Tiefe: 26 00:00:04 44069kN, tb=300


Analysis by Xiphos 0.5.4:

34.Lg6 Ld7 35.Lf5 Td8 36.Kg2 Ta7 37.Se4 Tc7 38.Lxd7 Tcxd7 39.Sf5+ Kf8 40.Kf3 Kf7 41.Ke3 Ke8 42.Kd3 Kf7 43.Ke2 Kf8 44.Kf3
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.00) Tiefe: 29 00:00:04 95544kN


Analysis by Deep Shredder 13:

34.Se4 a2 35.Le6 g6 36.hxg6 Lxg6 37.Lf5 Le8 38.c5 dxc5 39.d6+ Kd8 40.Sxc5 Ta5 41.Se6+ Kd7 42.Sg7+ Kc6 43.Tc1+ Tc5 44.Le4+ Kd7 45.Ta1 Ta5 46.Sc4 Ta6
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.21 ++) Tiefe: 27/48 00:00:05 100MN, tb=38


Wie ersichtlich haben die Engines zwar die ersten paar Stationen der Königswanderung durchaus auf ihrem Radar, weil ihre Programmierer ihnen eingebleut haben, dass der König im Endspiel vom Rande ins Zentrum geführt werden sollte. Aber die zwei finalen Ziel-Züge des Königs (Kb1 und Ka2) tauchen bei keinem dieser starken Alpha-Beta-Programme im Output auf.
Kommt hinzu, dass (deswegen) ihre Stellungsbewertung nicht über ein „Weiss steht besser“ hinauskommt, ja sogar Remis-Einschätzungen werden ausgegeben. (Hier findet sich eine Analyse der Partie-Fortsetzung nach 34.Se4).

Ganz anders Leela Chess Zero, der Urheber der Stellung. Ich habe einige aktuelle Lc0-Networks darauf angesetzt – den schönsten, quasi „lupenreinen“ Output habe ich beim NW „T40B.2-106“ gefunden:

Analysis by LC0 v0.22 (T40B.2-106):

34.Kg2 Kd8 35.Kf1 Kc7 36.Ke2 Ta5 37.Kd3 Lf7 38.Se4 Lg8 39.Kc2 Lf7 40.Kb1 Lg8 41.Ka2 Lf7 42.Tc1
Weiß steht deutlich besser: +- (2.21) Tiefe: 8/20 00:00:05 236kN

Der wesentliche Unterschied zu den konventionellen Progammen ist, dass Leela diese Line nicht eigentlich berechnen muss (wie die geringe Ply-Tiefe von 8/20 und die minimale Knotenzahl zeigen), sondern diesen „Plan“ nach nur 5 Sekunden „weiss“ und sofort eine Gewinn-Bewertung auswirft. (Es ist umgekehrt nicht auszuschliessen, dass nach langem Rechnen auch andere herkömmliche Engines genug Tiefe erreichen und einen vergleichbaren Output liefern).

Auch wenn gerade bei Leela Chess Zero die Interface-Angaben bezüglich Rechentiefe und Stellungsbewertung stets mit Vorsicht zu geniessen sind: Ein solcher Mainline-Output in dieser Stellung ist beeindruckend. Ich persönlich kann nachvollziehen, wenn derartigem Schach von Menschen das Etikett „menschlich“ verpasst wird – also eben nicht „taktisch“, sondern „strategisch“…

Leela der Königsbezwinger

Um ganz vorne mitmischen zu können, muss allerdings Leela nicht nur „positionell“, sondern auch angriffstechnisch auf der Höhe sein, damit nicht nur halbe Remis-Punkte, sondern ganze Punkte eingefahren werden können. Und in der Tat: Leela Chess Zero ist – mit seinen jüngeren Networks – einer der stärksten Königsangreifer im aktuellen Engine-Zirkus. Aus dem Nichts ist dieses Programm imstande, tödliche Attacken zu reiten – wie weiland der „Magier aus Riga“, Ex-Weltmeister Michael Tal (wenn auch nicht so spekulativ wie dieser…).
Ein paar Partien-Zitate illustrieren Leelas Durchschlagskraft im Angriff:

FEN-String: r2q1rk1/5p2/p1np1npp/bpp1p3/4P1PB/2PP1NNP/bPB1QP2/2KR3R w – – 0 18

FEN-String: r2q1rk1/1b1nbppp/pn1p4/1ppPp3/4P3/2P1BN1P/PPBN1PP1/R2Q1RK1 w – – 0 13

FEN-String: r1b2r2/pp1qnpkp/2np2p1/2p1p1P1/2P5/2NP1N2/PP2PPBP/R1Q2RK1 b – – 0 14

FEN-String: 1rb1r1k1/1pqn1pb1/p2p1npp/2pP4/P3P2B/2N5/1P1NBPPP/1R1Q1RK1 w – – 0 16


Alpha-Beta- und NN-Schach gleich stark

Die nachstehende Turnier-Rangliste ist das Ergebnis der folgenden Hardware-/Software-Turnierspezifikationen:

– CPU: AMD Ryzen 7 2700X (8CPU/16Threads)
– GPU: GeForce RXT 2080
– Memory/Engine: 1024 MB
– Interface: Fritz 16
– Engines: Defaults 8Threads/Engine
– Leela-Engines: 4Threads (CUDNN-FP-16)
– Bedenkzeit: 2 Min. + 2 Sek. / Engine
– Eröffnungsbuch: 5-moves-Book (M.Scheidl)
– Endspiel-DB: Syzygy (5-men)
– PermanentBrain: On
– Anzahl Partien: 1056
– Anzahl Weiss-Siege: 360 (34,1%)
– Anzahl Schwarz-Siege: 287 (27,2%)
– Anzahl Remisen: 409 (38,7%)
– ECO A: 191 Partien
– ECO B: 229 Partien
– ECO C: 175 Partien
– ECO D: 296 Partien
– ECO E: 165 Partien
– Partie-Dubletten: keine
– Zeitüberschreitungen: fünf (Raubfish)
(Raubfish spielte mit einem experimentellen Setting:
„Analysis ICC“ & „Deep Analysis ICC“ ON)

 

Programm-Turnier Stockfish vs Leela - Best Chess Engines August-2019 Blitz-Tournament - Glarean Magazin
Schachprogramme: Das Duell der Engine-Giganten – Stockfish oder Leela? (Computer-Turnier August 2019)

Die schachlichen Top Shots

Sony HDR-PJ410 Full HD Camcorder
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Abschliessend hier aus diesem Turnier noch ein halbes Dutzend schachlicher Top Shots, die nicht nur besonders ästhetisch sind, sondern auch demonstrieren, zu welchen Glanzzügen moderne Schachprogramme in der Lage sind, auch wenn sie – wenngleich auf flotter Hardware – nur einige Sekunden pro Zug verfügbar haben. Mit durchschnittlichen Rechentiefen von 25-30 Halbzügen spielen heutzutage die Engines auch in Blitzpartien auf einem Niveau, das früher von ihren Vorgängern erst nach stundenlangen Partien (und auch nur annähernd…) erreicht wurde.

Der knappe Turniersieger Brainfish spielte übrigens quasi ausser Konkurrenz mit (war aber als eine Art Referenz gedacht): Im Gegensatz zu allen anderen, die ausser der Vorgabe von 5 Eröffnungszügen keinerlei eigene Opening Books benutzen durften, erhielt Brainfish gleich zwei Default-Bücher, nämlich sein integrales „Cerebellum“ sowie ein spezifisches NN-Book namens „Cerebellum Leela Net„. Dieses Duo erwies sich dann als unwiderstehlich…

♥ Hier lassen sich alle Original-Partien des Turnieres downloaden im CBH- und PGN-Format (zip-File)

Mausklick auf einen Zug oder eine Variante öffnet das Analyse-Fenster mit Download-Option

FEN-String: r1b1k3/p3p1b1/2p3p1/1q1p1pPr/N2PnB1p/7P/PP2PPB1/R2Q1RK1 w q – 0 16

FEN-String: r2q1rk1/pppnbpp1/2npb2p/1B6/4P3/2N1QN1P/PPPB1PP1/R3K2R w KQ – 0 12

FEN-String: r1bqk2r/pp2bpp1/2n4p/2pnp3/7P/1P1P1NP1/P3PPB1/RNBQ1RK1 b kq – 0 9

FEN-String: r2q1rk1/1b1nbppp/1n1p4/pppPp3/4P1P1/2P1BN1P/PPBN1P2/R2Q1RK1 w – – 0 14

FEN-String: 8/2b1k3/2p5/4p3/2P1N3/2B2KP1/1P2RP2/r2r4 w – – 0 49

FEN-String: r3r1k1/3b1ppp/8/1p1p4/nPpP1BP1/4P2P/P4P2/1NQ3K1 b – – 0 24

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Computerschach-Partien auch über
die neue Version der Schach-Datenbank Chessbase (15)

… sowie zum Vergleich mit älteren Engines-Ranglisten:
Die grosse Computerschach-Datenbank COMP 2007

Interessante News-Links zum Thema Schach:

Neue Musiker-Anekdoten (3)

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 6 Minuten

„Massenet is‘ a Masse net von Massenet“

Ein dritter Strauß von Musiker-Anekdoten

von Walter Eigenmann

Joseph Haydn

Bei seinem Fürsten Esterhazy pflegte Haydn sich zuweilen nach einer gelungenen Opernaufführung mit den Sängern und Musikern für ein üppiges Backhendl-Essen zu Tische zu begeben.
Vor einem dieser Mahle erklärte er vergnügt, genüsslich die erste leckere Hühnerkeule zum Munde führend: „Seht, liebe Kinder, sonst geht Händel über den Haydn, jetzt aber kommt Haydn über Hendel!“

Senesino

Zu den berühmtesten Opernsängern des 18. Jahrhunderts zählte der italienische Kastrat und Koloratur-Virtuose Senesino. Ein Hüne von fülliger Gestalt, war er zugleich als eitel und feige bekannt.
Als er einmal in London die Titelrolle in Händels „Julius Cäser“ sang, krachte plötzlich ein Versatzstück mit Getöse auf die Bühne. Senesino erschrak zu Tode, der Fleischkoloss fiel heulend und schlotternd zu Boden.
Das Publikum fiel allerdings in Lachkrämpfe, denn er hatte soeben die stolze Arie begonnen: „Cäsar kennt keine Furcht…“

Karikatur Wolfgang Nannerl Leopold Mozart - Musiker-Anekdoten - Glarean Magazin
Sinfonien mit zwölf: Vater Leopold Mozart mit den Kindern Nannerl und Wolferl

Wolfgang A. Mozart

Mozart wurde von einem jungen Mann gefragt, wie man eine Sinfonie zu schreiben habe.
Mozart: „Sie sind noch jung, beginnen Sie doch mit Liedern!“
„Aber Maestro, Sie selber haben doch schon mit zwölf Jahren Sinfonien komponiert!“
„Ja“, antwortete Mozart, „aber ich habe nie gefragt, wie man das anstellen soll.“

Jules Massenet

1892 wurde an der Wiener Hofoper die elegante Oper „Werther“ von Jules Massenet uraufgeführt, unter Beteiligung der Ringstrassen-Publikumslieblinge Marie Renard und Ernest van Dyk mit grösstem Erfolg.
In seinem Kollegen Josef Hellmesberger, einem wegen seiner spitzen Zunge berüchtigten Komponisten und Geiger, hatte Massenet allerdings einen scharfen Kritiker. Dieser kommentierte die Uraufführung: „Bei der Oper von Massenet is‘ a Masse net von Massenet.“

Karikatur Gioacchino Rossini - Musiker-Anekdoten - Glarean Magazin
Erzieher von Müttern: Gioacchino Rossini

Gioacchino Rossini

Ein Frau aus Bologna belästigte den grossen Meister Rossini mit dem Ansinnen, er möge sich doch einmal ihre Tochter anhören, diese sei ja so begabt für Klavier und Gesang.
Die junge Dame spielte ihm also vor, sang, spielte, sang, und schliesslich fragte die Mutter stolz: „Nun, Maestro, machen wir eine Pianistin aus ihr? Oder eine Sängerin?“
Rossini erwiderte: „Machen wir lieber eine gute Mutter aus ihr!“

David Popper

Ein Kollege des berühmten Cellisten David Popper kam von einer Tournée zurück und fragte Popper: „Raten Sie, wieviel ich verdient habe!“
Popper: „Die Hälfte.“
„Wovon die Hälfte?“ fragte verdutzt sein Kollege.
„Von dem, was Sie mir erzählen werden.“

Karikatur Christoph Willibald von Gluck - Karikatur - Musiker-Anekdoten Glarean Magazin
Himmlische Musik: Christoph Willibald von Gluck

Christoph W. Gluck

Der geniale Opern-Schöpfer und-Erneuerer Christoph W. Gluck zeichnete sich nicht gerade durch übermässige Bescheidenheit aus.
Als seine „Alceste“ in Paris durchgefallen war, triumphierte ihm gegenüber ein Neider in deutscher Sprache: „‚Alceste‘ ist gefallen!“
Gluck darauf gelassen: „Gewiss – vom Himmel.“

Edward Grieg

Grieg komponierte in seinen späten Jahren nur noch wenig und begründete das so: „Wenn Pegasus nicht traben will, ist er störrischer als ein Maulesel. Je mehr man ihn schlägt, desto unwilliger ist er. Und da ich Mitglied des Tierschutzvereins bin, gehe ich mit gutem Beispiel voran.“

Gustav Mahler

Probe in der Wiener Hofoper, am Dirigentenpult Gustav Mahler. Eine Sopranistin, offensichtlich völlig indisponiert, kämpft mit heftigen Intonationsproblemen.
Eine Zeitlang hört sich das Mahler ruhig an, doch dann klopft er ab, fixiert die Unglückliche mit strafendem Blick und verbeugt sich mit sarkastischer Höflichkeit: „Gnädigste, würden Sie die Güte haben, uns Ihr A anzugeben!“

Karikatur Giuseppe Verdi - Musiker-Anekdoten - Glarean Magazin
Soziale Ader: Giuseppe Verdi

Guiseppe Verdi

Das Opern-Genie Verdi hatte in seinen jüngeren Jahren durchaus Zeiten des Hungerns und Darbens. Doch mit jeder neuen Komposition wuchs seine Berühmtheit – und sein Portemonnaie. Der alte Verdi lebte als reicher Mann und als freigebiger Mäzen.
Verdi’s lächelnde Antwort auf die Frage eines Reporters, welches seiner Werke er für sein bestes halte: „Mein Altersheim für Musiker in Mailand.“

Hans Pfitzner

In einer Gesellschaft antwortete Pfitzner einmal auf die Frage, was paradox sei:
„Wenn ein Sopran bass erstaunt ist, dass ein Tenor alt wird!“

Oscar Hammerstein

Der bekannte New Yorker Opern-Impresario Hammerstein wurde gefragt: „Warum zum Teufel schlagen Sie sich mit diesem Operngeschäft herum? Steckt da denn überhaupt Geld darin?“
„Natürlich steckt Geld darin“, antwortete Hammerstein, „mein eigenes…“

Karikatur Richard Strauss - Karikatur - Musiker-Anekdoten Glarean Magazin
Ekelhaft musikalisch: Richard Strauss

Richard Strauss

Einem unerfahrenen, aber gleichwohl selbstbewussten Taktschläger, dem man in der Provinz die „Ariadne auf Naxos“ zum Dirigieren anvertraut hatte, gab Strauss den kollegialen Tip: „Herr Kapellmeister, heut‘ müssen S‘ aber höllisch aufpassen. Die Sängerin da droben is‘ nämlich ekelhaft musikalisch!“

Sergei Kussewizki

Bostons Chefdirigent Sergei Kussewizki war bei den Musikern berüchtigt wegen seiner oft fahrigen, schwierig interpretierbaren Dirigierbewegungen.
Ein Mitglied des Bostoner Sinfonieorchesters wurde mal gefragt: „Wie bringt ihr Burschen es bloss fertig, alle gleichzeitig einzusetzen – bei diesem Dirigenten?“
„Kein Problem“, entgegnete der Orchestermusiker, „wir beobachten ihn scharf, lassen ihn acht oder zehn einleitende Verrenkungen machen, und wenn er am ersten Jackenknopf angelangt ist, wissen wir, dass es Zeit zum Anfangen ist.“

Leopold Stokowski

Leopold Stokowski war einer der ersten Pultstars, die ihre Konzerte ganz ohne Partitur leiteten. In Philadelphia hörte er eines Tages zufällig ein Gespräch zwischen zwei Damen mit, die sich über sein letztes Konzert unterhielten.
„Der arme Stokowksy“, sagte die eine, „ist es nicht eine Schande?“
„Was ist eine Schande, meine Liebe?“ fragte die andere zurück.
„Na ja,“, kam die Antwort, „ist es nicht eine Schande, dass er keine Noten lesen kann! Stell dir vor, was für eine Karriere er machen könnte, wenn er das verstünde!“

Karikatur Arturo Toscanini - Musiker-Anekdoten - Glarean Magazin
Versehentlich Kuchen gegessen: Arturo Toscanini

Arturo Toscanini

Der wichtigste Vertreter des italienischen Oper-Verismo Giacomo Puccini pflegte als Weihnachtsgruss jährlich einen Panettone-Kuchen an seine Freunde zu verschicken.
Einmal sandte er diesen Gruss irrtümlich auch an Dirigent Toscanini, mit dem er heillos zerstritten war. Prompt sandte Puccini seinem Kuchen ein Telegramm nach: „Panettone aus Versehen abgesandt.“
Toscanini antwortete postwendend: „Panettone aus Versehen aufgegessen.“

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Artur Schnabel

Der Ausnahme-Pianist Artur Schnabel war bei der Probe eines Beethoven-Konzertes absolut unzufrieden mit Klemperers Tempi. Also gab er hinter dem Rücken des Dirigenten dem Orchester ein Zeichen, seinen Führer zu ignorieren und ihm zu folgen.
Klemperer erbost, seinen Taktstock hinwerfend: „Der Dirigent ist hier, Herr Schnabel!“
Schnabel mit nachdenklicher Miene: „O ja, ich weiss, Klemperer ist hier – Schnabel ist dort – aber wo ist Beethoven?“

Anton Bruckner

Dem österreichischen Sinfoniker Anton Bruckner war extreme Schüchternheit eigen. Einmal wurde er von den Wiener Philharmonikern eingeladen, seine „Romantische“ zu dirigieren. Bruckner kam zur Probe, wurde herzlich begrüsst und feierlich ans Pult geleitet. Dort griff er zum Taktstock und – wartete.
Der Konzertmeister ermunterte ihn: „Nun, Herr Doktor, wir wären dann soweit, wollen Sie nicht anfangen?“
„O nein, Herr Professor“, sagte Bruckner, „ich wage es nicht – nach Ihnen, meine Herren, nach Ihnen!“♦

Lesen Sie im Glarean Magazin auch die Musiker-Anekdoten (2)
… sowie zum Thema Komponisten über den Musik-Kalender 2020: „Beethoven und ich“
.

Das neue 50-Euro-Preis-Literatur-Kreuzworträtsel 2019

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 2 Minuten

Wer kennt sich aus in der Literatur?

Das neue 50-Euro-Preis-Literatur-Kreuzworträtsel setzt die langjährige Tradition von Preis-Rätseln im GLAREAN MAGAZIN fort. Diesmal sind die Hardcore-Freunde der Literaturgeschichte herausgefordert: Zu finden sind teils einfache, teils aber auch ziemlich knifflige Begriffe aus vielen Sparten der Literatur.

Wer als erste/r alle korrekten Lösungswörter an die Redaktion sendet, erhält 50 Euro; die Zweit- und Drittschnellsten erhalten je ein Buch als „Trostpreis“ zugesandt.

Sudoku Extrem - 99 Zahlen-Puzzles für Könner und und Kenner (Walter Eigenmann)
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Die Lösungen des ausgefüllten Rätsels schickt man am einfachsten als Grafikdatei via Smartphone-Schnappschuss oder Scan per E-Mail an die Redaktion, ggf. lässt sich auch die „Kommentar“-Funktion dieses Beitrages mit einem entspr. Textbeitrag benützen.

Einsende-Schluss ist am Dienstag 13. August 2019 (12 Uhr), der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Auflösung erfolgt spätestens Dienstagabend auf dieser Seite.

Das Rätsel ist nachstehend als PDF-Datei downloadbar (—> „PDF herunterladen“) und lässt sich problemlos ausdrucken. – Viel Spass und Glück 🙂

Literatur-Kreuzworträtsel - August 2019 - Glarean Magazin

Lösen Sie – quasi ausser Konkurrenz – auch die folgenden 50-Euro-Preisrätsel im GLAREAN MAGAZIN:

Das 50-Euro-Musik-Preisrätsel vom September 2018
Das 50-Euro-Literatur-Preisrätsel vom Juni 2018 (Woman Power Nr. 16)

Das 50-Euro-Schach-Preisrätsel vom Mai 2018

Hier geht’s zur Lösung des 50-Euro-Literatur-Preisrätsels: —> weiterlesen

Weiterlesen

Musik-Wissenschaft: Verborgene Audio-Kommunikation

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 3 Minuten

Unhörbare Informationen – versteckt in Musik

von Walter Eigenmann

Jeder kennt das Info-Band im Autoradio, wenn Musik gespielt wird; es enthält div. Angaben zum Titel oder Interpreten des betr. Songs. Zwei Forscher an der ETH Zürich, nämlich die Doktoranden Manuel Eichelberger und Simon Tanner gingen nun noch einen Schritt weiter: In Experimenten gelang es ihnen, Daten direkt in der Musik selber zu speichern. Ein praktisches Beispiel für die Anwendung: Hintergrundmusik könnte z.B. die Zugangsdaten für das lokale Wi-Fi-Netzwerk enthalten, die das eingebaute Mikrofon eines Mobiltelefons empfangen kann. „Das wäre in einem Hotelzimmer praktisch“, sagt Tanner, „da die Gäste Zugang zum Hotel-Wi-Fi erhalten würden, ohne ein Passwort auf ihrem Gerät eingeben zu müssen.“

Schallwellen - Frequenzbereich - Musik-Töne - Glarean MagazinUm solche Daten zu speichern, nehmen die beiden Wissenschaftler und ihr Kollege, der Master-Student Gabriel Voirol, minimale Änderungen an der Musik vor. Im Gegensatz zu den Versuchen anderer Wissenschaftler in den letzten Jahren behaupten die drei Forscher, dass ihr neuer Ansatz höhere Datenübertragungsraten ohne hörbare Auswirkungen auf die Musik ermöglicht. „Unser Ziel war es, den Hörgenuss nicht zu beeinträchtigen“, sagt Eichelberger.

Tests, die die Forscher durchgeführt haben, zeigen dass ihre Technik unter idealen Bedingungen bis zu 400 Bit pro Sekunde übertragen kann, ohne dass der durchschnittliche Hörer den Unterschied zwischen der Quellmusik und der modifizierten Version bemerkt. Da unter realistischen Bedingungen eine gewisse Redundanz erforderlich ist, um die Übertragungsqualität zu gewährleisten, wird die Übertragungsrate eher etwa 200 Bit – oder etwa 25 Buchstaben – pro Sekunde betragen. „Theoretisch wäre es möglich, Daten viel schneller zu übertragen. Aber je höher die Übertragungsrate, desto eher werden die Daten als störender Ton wahrnehmbar oder die Datenqualität leidet“, ergänzt Tanner.

Verborgene Informationen in Pop-Songs

Die drei Forscher in den Labors für Computertechnik und Netzwerke der ETH Zürich verwenden solche informativen „dominanten“ Noten in einem Musikstück und überlagern sie mit jeweils zwei leicht tieferen und zwei leicht höheren Noten, die leiser sind als die dominante Note. Sie nutzen auch die Obertöne (eine oder mehrere Oktaven höher) der stärksten Note, wobei sie hier ebenfalls etwas tiefere und höhere Töne einsetzen – zusätzliche Hinweise, die Daten tragen können.

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Während nun ein Smartphone diese Daten über sein eingebautes Mikrofon empfangen und analysieren kann, nimmt das menschliche Ohr diese zusätzlichen Hinweise nicht wahr: „Wenn wir einen lauten Ton hören, bemerken wir keine leiseren Töne mit einer etwas höheren oder niedrigeren Frequenz“, sagt Eichelberger. „Das bedeutet, dass wir die dominanten, lauten Töne in einem Musikstück benutzen können, um den akustischen Datentransfer zu verbergen.“ Daraus folgt, dass die beste Musik für diese Art der Datenübertragung viele dominante Noten hat – zum Beispiel Popsongs. Leise Musik ist weniger geeignet.

Vom Lautsprecher zum Mikrofon

Das Übertragungsprinzip dieser Technik unterscheidet sich grundlegend vom bekannten RDS-System beim Autoradio, das zur Übertragung des Namens des Radiosenders und der Details der abspielenden Musik verwendet wird. „Mit RDS werden die Daten über UKW-Radiowellen übertragen. Mit anderen Worten, die Daten werden vom FM-Sender an das Radiogerät gesendet“, erklärt Tanner. Demgegenüber sei das neue Verfahren eine massive Weiterentwicklung: „Was wir tun, ist, die Daten in die Musik selbst einzubetten – Daten vom Lautsprecher zum Mikrofon zu übertragen.“

Für den Hörer unbemerkbare Informationen, versteckt in den Musikstücken selber? Im Falle des W-Fi-Passwortes des Hotels vielleicht ganz nützlich – aber die Technik liesse sich weiter denken, bis hin zu geheimdienstlichen Anwendungen. Dann könnten die Konsenquenzen solcher Forschung plötzlich eine ganz andere Seite der Kunstform Musik offenbaren… ♦

(Quelle: Internationale Konferenz für Akustik, Sprache und Signalverarbeitung – Brighton/England, Mai 2019)

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Musik-Psychologie auch über
Musik in der Gruppe: Musikalischer Ausdruck und Bewegungspräzision

… sowie über
Christoph Drösser: Hast du Töne?

 

Künstliche Schach-Intelligenz: Leela Chess Zero

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 11 Minuten

Als Autodidakt zur Weltspitze

von Walter Eigenmann

Seit längerer Zeit wird die Computerschach-Welt von einem Thema in Atem gehalten: Das KI-Projekt Leela Chess Zero (LC0). Wer mit dieser bahnbrechenden, ja sensationellen neuen Entwicklung im Bereich „Künstliche Schach-Intelligenz“ noch nicht vertraut ist, dem sei als Einstieg der informative Artikel von Conrad Schormann im Portal „Perlen vom Bodensee“ empfohlen: Leela wollte spielen, die Weltspitze kniff. Weiters findet sich hier ein guter Überblick auf den aktuellsten Stand der KI-Dinge: Chess Programming Wiki.
Der „neuronal“ orientierten Schachprogrammierung liegt die sogenannte Monte-Carlo-Technik zugrunde, deren schachspezifische Anwendung hier ganz gut erklärt wird: Monte Carlo statt Alpha-Beta.

In wenigen Monaten von 0 auf 98

Leela Chess Zero LC0 Logo - Glarean MagazinDie unglaublichen Fortschritte der Netzwerk-gestützten Engine „Leela-Chess-Zero“ (LC0) lassen erahnen, dass es mit der Dominanz des bisherigen Alpha-Beta-Ansatzes in der Schachprogrammierung – momentan am erfolgreichsten manifestiert im weltweit führenden Programm Stockfish – schon bald vorbei sein könnte. Denn innert wenigen Monaten hat sich dieses Open-Source-Projekt, zu Beginn nur gerade mal mit den Schachregeln vertraut gemacht, mithilfe seiner Algorithmen bzw. selbsterlernter Networks (sprich aufgrund von Millionen Partien gegen sich selbst) vom lächerlichen Anfänger zum Super-Großmeister entwickelt, der nicht nur die gesamte Schach-Weltelite bei den Menschen, sondern auch alle seine digitalen „Artgenossen“ schlagen kann. Als reiner Autodidakt ohne alle Wissens-Implentierung durch den Menschen zur absoluten Weltspitze: Das ist einzigartig in der ca. 30-jährigen Geschichte der Schachprogrammierung.

Menschliches Computerschach

Stockfish Chess Engine Logo - Glarean Magazin
Sind wegen Leela Chess die Tage des berühmtesten Fisches der Schachgeschichte bald gezählt?

Für Schachspieler liegt der besondere Reiz von Leela’s Spiel-Stil in der beinahe „menschlich“ zu nennenden Partie-Anlage dieser KI-Software. Wo die herkömmlichen Taktik-Programme wie Stockfish, Houdini oder Kommodo (um nur die drei aktuell stärksten Alpha-Beta-Engines zu nennen) möglichst breit und möglichst tief rechnen (raffinierte Cut-und Bewertungs-Techniken inklusive), spielt ein Neuronal-Netz-Programm wie Leela „auf Position“: Aktivität, Mobilität, Aggressivität und damit verbunden eben Originalität sind die Stichworte, die einem bei der Analyse von NN-Partien spontan einfallen.
Die konservativen Materialwerte (aufgrund der Bauer-Grundeinheit), wie sie bei AB-Engines bedeutungsvoll sind für die Stellungseinschätzung und Zuggenierung, scheinen beim NN-Schach eine nur geringe Rolle zu spielen, denn hier zählt vielmehr das „Potential“ der Bauern- und Figurenkonstellationen. Dementsprechend findet man in Leela-Partien kaum je „totes Material“; hier ist alles „im Fluss“, permanent sind Umgruppierungen im Gange, Randspringer und- bauern sind an der Tagesordnung, das Zentrum hat seine „zentrale“ Bedeutung eingebüsst, Doppelbauern kommen zuhauf vor, das Qualitäts- als positionelles Opfer ist häufig, und oberste Priorität hat jeweils mit maximalem Druck das eigentliche Spiel-Ziel des Schachs: Der Königsangriff.

Leela = Michael Tal des Computerschachs?

Natürlich ist solch ein Schach hochattraktiv im Vergleich zum traditionellen Computerschach, dessen staubtrockenes bzw. Remis-trächtiges Sicherheitsspiel – wenngleich auf extrem hohem technischem Niveau – allenfalls noch für perfektionistische Fernschach-Freunde theoretisch-analytische Hilfestellung bietet, ansonsten wegen seiner überirdischen Genauigkeit das „breite Schachvolk“ längst nicht mehr erreicht.

Michael Tal - Schachweltmeister - Glarean Magazin
Ist Leela Chess eine digitale Reinkarnation des berühmten Schachmagiers Michael Tal?

Ist also Leela die Reinkarnation der „Kreativität“ im Computerschach? Eine Art Michael Tal unter den Schachengines? Der legendäre lettisch-russische Schachweltmeister (1936-1992) spielte bekanntlich das bislang wohl spekulativste wie spektakulärste Menschen-Schach der Geschichte, seine Materialopfer „aus dem Nichts heraus“ waren berüchtigt, und je wissenschaftlicher und analytischer ein Tal-Gegner spielte, umso sicherer wurde er eine Beute des „Magiers aus Riga“.
Romantikern unter den Schachspielern sei diese interessante Parallele also durchaus gestattet – aber ein gravierender Unterschied besteht: Leela’s Opfer sind immer korrekt. Ein Computer hypnotisiert nicht, er rechnet…

Das Angriffsspiel „aus dem Nichts heraus“ ist aber definitiv ein Markenzeichen auch des NN-Programmes. Die folgende Stellung wurde generiert in einer TCEC-Partie gegen Houdini, der aktuellen Nummer Zwei der konservativen Engine-Ranglisten hinter der Schach-Freeware Stockfish. Setzt man diese Position den herkömmlichen Programmen zur Bewertung vor, stufen sie die schwarze Stellung als völlig ausgeglichen ein, schwächere Engines sehen gar Schwarz im Vorteil:

FEN r1r5/1b1n3k/1n1q1ppp/3Pp3/ppP1P2P/5QR1/1BBN1PP1/2R3K1 w

Leela-Chess-Zero - LC0 vs Houdini - Königsangriff - Glarean Magazin
Strategische Weitsicht im Königsangriff dank Neuronalem Netzwerk: Das KI-Schachprogramm Leela Chess Zero (LC0)

Houdini 6.03:
27.Ld1 a3 28.La1 h5 29.Sf1 Sxc4 30.Txg6 Kxg6 31.Dxh5+ Kg7 32.Sg3 (…)
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.00) Tiefe: 28/54 00:00:47 743MN, tb=10

Komodo 12.3:
27.Dg4 Tg8 28.h5 gxh5 29.Df5+ Kh8 30.Dxh5 Txg3 31.Dxh6+ Kg8 32.fxg3 (…)
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.06 ++) Tiefe: 30 00:00:30 320MN, tb=3

Stockfish 10:
27.Ld1 h5 28.Sf1 De7 29.Se3 De8 30.Sf5 a3 31.Lc3 bxc3 32.Sd6 (…)
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.19 ++) Tiefe: 31/50 00:00:31 302MN, tb=18

Ethereal 11.25:
27.Ld1 a3 28.La1 h5 29.De3 Dc5 30.Lxh5 Dxe3 31.Lxg6+ Kh6 32.fxe3 (…)
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.00) Tiefe: 26/55 00:00:42 468MN, tb=1

Ganz anders sieht das Leela, dessen Algorithmen & Statistikauswertung nicht das taktische, sondern das positionell-strategische Potential der weissen Stellung sieht und eine für Weiss positive Bewertung auswirft:

Leela Chess Zero 21.1 (41800):
27.h5 g5 28.Df5+ Kh8 29.f4 a3 30.La1 De7 31.Ld1 exf4 32.Tb3
Weiss steht deutlich besser: +/- (1.41) Tiefe: 15/45 00:00:31 375kN

Der Partieverlauf gab Leela’s NN-Analyse recht, Houdini’s furchterregende Freibauernwalze auf dem Damenflügel verblasst angesichts der weissen Schläge gegen den schwarzen König:

Aktuell dürfte Leela der bei weitem erfolgreichste Königsangreifer des ganzen modernen Engine-Zirkus‘ sein. Kein Wunder: Seine entspr. Angriffstechniken sind statistisch millionenfach abgesichert…

Ein Strauss von Leela-Topshots

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Wer der Freeware-NN-Engine Leela – das kommerzielle Programm Komodo mit seiner „Monte-Carlo-Tree-Search“ (MCTS) verfolgt den ähnlichen Ansatz, und beide fahren sie im Kielwasser des KI-Google-Projektes Alpha-Zero – bei der Arbeit zusehen will, hat entweder die Möglichkeit, sich die neuesten Partien der inoffiziellen Computerschach-Weltmeisterschaft Top Chess Engine Championship (TCEC) runterzuladen, oder aber er organisiert sich seine Engine-Turniere gleich selber auf dem heimischen Desktop oder Notebook.

Letzteres setzt allerdings – diese Warnung ist zwingend – eine überdurchschnittliche Hardware voraus; insbesondere die Grafik-Karte sollte mindestens von der Qualität einer RTX 2060 sein, andernfalls ist die Verwendung von Leela reine Zeitverschwendung. Denn die Hauptberechnungen absolviert die NN-Engine nicht auf der Platinen-CPU, sondern auf der Grafik-GPU.

Die folgenden Stellungen bzw. „Lösungszüge“ generierte Leela gegen unterschiedliche Engine-Gegner auf meinem heimischen AMD-Ryzen-7 2700x mit einer GeForce-RTX-2080-Karte bei Blitz-Bedenkzeiten von 5-20 Minuten/Engine (mit „Permanent-Brain-On“ und einem 5-Züge-Eröffnungsbuch).

Diese sieben Lösungszüge haben eines gemeinsam: Sie werden von Leela allesamt je im 1-Sekunden-Bereich gefunden. Eine Leistung, die meinen Recherchen zufolge von keinem anderen (AB-)Programm erreicht wird.
Noch ist die Entwicklung in vollem Gange. Auf die weitere Progression des neuronalen Schach-Projektes Leela Chess Zero blickt die gesamte Schachwelt. ♦

FEN rbbq1r2/1p3pk1/1P1p2pp/p2Pp3/P3Rn2/2P2NNP/5PP1/1R1Q1BK1 w

LC0 - Houdini - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Weiss am Zuge


FEN 5r2/2r1q2k/1p1pb1p1/b2B4/P1P1pP1p/4Q1RP/4N1P1/5R1K w

LC0 - Komodo - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Weiss am Zuge


FEN 3r1rk1/1p1nq1bp/p2ppnp1/2p5/2P5/2N1P2P/PP2BPP1/1RBQ1RK1 w

LC0 - Andscacs - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Weiss am Zuge


FEN 6r1/4nr1k/p2R4/P7/1PP1N3/4b1p1/1B4PN/7K b

Stockfish - LC0 - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Schwarz am Zuge


FEN 1rr1b1k1/2q2pp1/2nppb1p/p7/Pp2PP1P/1N3BP1/RPPRQ3/3N3K b

Komodo - LC0 - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Schwarz am Zuge


FEN 3rrbk1/1pq2pp1/p1b5/2np2Pp/P2B1P1P/1PN4B/2P2Q2/R2R2K1 b

Andscacs - LC0 - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Schwarz am Zuge


FEN 3rr1k1/1pqn1pp1/2pbpn1p/p2p4/P4P1N/1P1PP1P1/1BPNQ2P/R4R1K w

LC0 - Xiphos - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Weiss am Zuge

Walter Eigenmann - 100 brillante Schachzüge - Geniale Kombinationen - Verblüffende Strategien - Tredition Verlag
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Alle Analysen lassen sich als PGN-Datei downloaden: Mausklick in die Notation und Button rechts unten im Analyse-Fenster („Download the game“)


Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Computerschach auch 15. Version der Schachdatenbank Chessbase erschienen

sowie zum Thema Online-Schach den Report die besten Online-Schach-Portale

15. Version der Schach-Datenbank Chessbase erschienen

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 5 Minuten

Was bietet Chessbase 15 Neues?

von Walter Eigenmann

Der gleichnamige Hersteller der kommerziellen Schach-Datenbank Chessbase bietet seit Ende 2018 deren mittlerweile 15. Version an. Was hat der Markführer diesmal seinem Flaggschiff an neuen Features verpasst?

Das Hamburger Software-Haus um Matthias Wüllenweber legte ja die Grundsteine seiner aktuell dominanten Position auf dem Schachsoftware-Markt schon vor Jahrzehnten mit „Fritz“ und eben „Chessbase“. Dementsprechend ein so ausgereiftes Produkt wie „CB“ immer wieder mit Novitäten zu bereichern ist kein leichtes Unterfangen, und ob bei jeder neuen Version die zusätzlich implentierten Features auch tatsächlich je als innovativ und nachhaltig bezeichnet werden dürfen, liegt häufig alleine „im Auge des Betrachters“. In der Entscheidungsgewalt des Anwenders ist auch die Abwägung, ob die üppige Preisgestaltung bei Chessbase 15 – das Profi-Premiumpaket schlägt immerhin mit stolzen 470 Euro zu Buche – einigermaßen fair korreliert mit den gebotenen Inhalten der Software.

Chessbase-15 - Cover - Rezension Glarean MagazinBei vielen tausenden von Turnierspielern der höheren Ligen ist diese Frage allerdings obsolet: Erfolgreiches Training heute ist ohne Chessbase & Co. unmöglich, zur Vorbereitung auf die potentielle Turnier-Gegnerschaft ist die permanente und ständig aktualisierte Arbeit mit gut sortierten Datenbanken und deren ausgefeilten Analyse- und Such-Funktionen unumgänglich.

Die wichtigsten Novitäten

Was hat denn nun Chessbase 15 Neues zu bieten, das man in der Vorgänger-Version 14 vermisste? Die wichtigsten Novitäten sind meines Erachtens:

A) Die „Optionen“ offerieren nun für die deklarierte „Standardengine“ eine sog. „Schnellanalyse“: Das Programm zeigt anhand der Stellungsbewertung in grafischer Form den Partienverlauf an, der Anwender erkennt damit auf Anhieb, an welcher Stelle die „Partie gekippt“ ist. Diese Berechnung des Bewertungsprofils soll gemäss Chessbase auf schnellen Rechnern verzögerungsfrei im Hintergrund ablaufen. Originalton Chessbase: „Natürlich stellt diese Schnellanalyse keinen Ersatz für eine tiefschürfende Analyse dar, ist aber bei der schnellen Sichtung von Partien, vor allem unkommentierten Partien, extrem hilfreich“. (Dieses Feature haben „Fritz“ u.a. Interfaces schon länger; CB-15 differenziert es noch mit einer Einstellung „Endlos“).

B) Im „Start“-Menü erfährt das Brettfenster einer konkreten Partie eine deutliche Aufwertung durch das Feature „Replay Training“ (Nachspieltraining). (Der Reiter „Training“ war unter CB-14 an der gleichen Stelle noch ziemlich unergiebig). Nun interagiert der User in einer Stellung direkt, erhält eine „Stellungseinschätzung“ und „Tipps“, kann bei „Richtigem Rechnen“ Punkte sammeln etc. – Anpassung der Einstellungen inklusive:

Chessbase-15 - Replay Training - Rezension Glarean Magazin
Das neue Chessbase-Feature „Replay Training“ (Nachspieltraining) offeriert dem User „Tipps“ zur Stellungseinschätzung und ermöglicht interaktives Üben.

Die Plan-Findung aus Eröffnungsvarianten heraus

C) Der „Plan Explorer“ des gleichen Notationsfensters ist eine weitere Novität von CB-15. Dieser Explorer ist im Zusammenhang mit dem Eröffnungstudium interessant und listet resultierende Mittelspielpositionen auf, dokumentiert also die unterschiedlichen „Pläne“ einer Eröffnungsvariante. Originalton Chessbase:

Chessbase-15 - Plan Explorer - Rezension Glarean Magazin
Der neue „Plan Explorer“ will die unterschiedlichen „Pläne“ einer Eröffnungsvariante auflisten

D) Die Brett-Ansicht selber ist um die Option „Ray Tracing“ erweitert worden: Sie soll – neben dem bisherigem „3D-Brett“ – eine „möglichst realistische Darstellung von 3D Ansichten“ generieren. Voraussetzung ist allerdings eine leistungsfähige Rechnerausstattung (sprich eine Grafikkarte der jüngeren Generation, beispielsweise RTX u.ä.):

Chessbase-15 - Ray Tracing - Rezension Glarean Magazin
Das spezielle „Ray Tracing“ strebt in Chessbase 15 eine „möglichst realistische Darstellung von 3D Ansichten“ an

Suche nach Verteidungs- oder Angriffsmustern

E) Das Menü „Report“ enthielt in der Vorgänger-Version bereits die Optionen „Ähnliche Strukturen“ und „Ähnliche Züge“; hinzu kommt jetzt die Suche nach „Ähnlichen Mustern“. Damit kann in einer Referenzdatenbank nach vergleichbaren Verteidigungs- oder Angriffsmustern gefahndet werden.
Aktuell scheint dieses Feature noch rudimentär zu sein; man darf gespannt sein, ob Chessbase diesen durchaus interessanten Ansatz in Folge-Versionen noch weiter entwickelt:

Chessbase-15 - Muster-Suche - Rezension Glarean Magazin
Nach vergleichbaren Verteidigungs- oder Angriffsmustern in Datenbanken wird mit dem neuen Feature „Ähnliche Muster“ gesucht.

F) Starke Erweiterung erfuhr die Suchmaske mit den Partien-Filtern: Nun lassen sich die Datenbanken gezielt nach expliziten Manövern wie Spiess, Röntgenangriff, Überlastung, Hinlenkung, Räumung, Grundreihe u.v.a. absuchen. Damit erleichtert CB-15 wesentlich z.B. die Stoffaufbereitung in der Schachpädagogik:

Chessbase-15 - Filter-Suche - Rezension Glarean Magazin
Differenzierte Suche nach spezifischen Manövern erleichtert z.B. die Arbeit in der Schachpädagogik

G) Chessbase 15 ist nochmals merklich schneller geworden im Vergleich zu seinen Vorgängern. Die komplette „Sortierung“ einer Datenbank mit 1,4 Mio. Partien (= Neuaufbau nach Datum, Eröffnungen, Turniere, Kommentare, Spieler-Index etc.) dauerte unter CB-15 auf einem eher gemächlichen AMD FX-8350 knapp drei Minuten; für die gleiche Base unter identischen Bedingungen benötigte CB-14 noch fünf Minuten (!)

„Big Database“ oder „Megabase“

H) Erneut um zig-tausende Partien gewachsen ist die mit CB gelieferte eigentliche Datenbank (je nach CB-Paket die sog. „Big Database“ oder die umfangreich kommentierte „Megabase 2019“). Sie enthält nun ca. 7,5 Mio Games (bis Oktober 2018).

FAZIT: Chessbase auch in seiner jüngsten Version 15 ist vom günstigen „Starter“ bis zur Premium-Profi-Variante ein sehr ausgereiftes, stabiles und vielfältiges Produkt, das sich die prominente Stellung auf dem Schachsoftware-Markt durch jahrelange Entwicklung und ständige Erweiterungen nicht zu unrecht erobert hat. Chessbase ist nicht die einzige Software dieser Art, und die Konkurrenz wartet mit teils ebenso attraktiven Optionen auf – aber seine weltweite Verbreitung unter der professionellen und semiprofessionellen Spielerschaft ist nachvollziehbar.

Eine Empfehlung pro oder kontra Kauf ist (wie eingangs angetönt) nicht vorbehaltlos abzugeben, zu heterogen ist das Interessenfeld bei der breiten Anwenderschaft. Wer unter den ambitionierten Vereinsspielern noch kein „Chessbase“ hat und mit den bei „Fritz“ implentierten Datenbank-Funktionen unzufrieden ist, der schlägt jetzt bei der Download-Variante des Starterpakets zu. Der Elo-bewusste semiprofessionelle Turnier- und Mannschaftsspieler wird sich zweifellos auch diese neue CB-Version zulegen. Wer schließlich als Amateur schon eine der CB-Nummern 12 bis 14 auf dem Cover prangen hat, kann verlustlos die Version 16 abwarten. Diese dürfte allerdings wohl erst in zwei bis drei Jahren erscheinen… ♦

Chessbase Hamburg: Chessbase 15 – Schach-Datenbank, (Software-DVD & Online-Download)

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Computerschach auch über das Schachprogramm „Fritz 16“

Musik in der Gruppe: Neue Forschungsergebnisse

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 3 Minuten

Musikalischer Ausdruck und Bewegungspräzision

von Walter Eigenmann

Um herauszufinden, wie Musiker während einer Performance in Probe und Konzert intuitiv ihre Werkauffassung miteinander koordinieren und im Stillen vorhersagen, wie ihre Kollegen die Musik ausdrücken werden, hat ein Forscherteam der McMaster University eine neue Untersuchungstechnik entwickelt. Die unlängst in der Zeitschrift Scientific Reports veröffentlichten Forschungsergebnisse dokumentieren, wie Musik in der Gruppe funktioniert, wie Musiker ihre Bewegungen synchronisieren, damit sie genau im richtigen Moment spielen, und zwar als interpretatorische Einheit.

Emotionen koordiniert ausdrücken

Kammermusik - Orchester-Ensemble - Streicherkonzert - Violinen - Musizieren - Glarean Magazin
Musikwissenschaftlerin Laurel Trainor: „Erfolgreiches Musizieren in der Gruppe ist ein sehr komplexes Unterfangen“

„Erfolgreiches Musizieren in der Gruppe ist ein sehr komplexes Unterfangen“, erklärt Laurel Trainor, Leiterin der Studie und Direktorin des Institute for Music and the Mind an der McMaster University, wo die Arbeit durchgeführt wurde: „Wie koordinieren sich Musiker untereinander, um ausdrucksstarke Musik zu spielen, die sich in Tempo und Dynamik verändert? Um dies zu erreichen, müssen sie antizipieren, was Ihre Mitmusiker als nächstes tun werden, damit Sie die motorischen Bewegungen so planen können, dass sie die gleichen Emotionen koordiniert ausdrücken können. Denn wenn man darauf wartet, was der Mitmusiker gleich tun wird, ist es zu spät…“, sagt die Studienleiterin.

Capture-Marker messen Musiker-Bewegungen

Motions Capture Technik - Bewegungserforschung - Glarean Magazin
Die Motion Capture Technik arbeitet mit Körper-Markern, um Bewegungsabläufe computertechnisch präzise auszuwerten (Bild: Wikimedia)

Für ihre Untersuchung wandten sich die Forscher an das renommierte Kammermusik-Ensemble Gryphon Trio. Jedes der drei Mitglieder wurde dabei mit Motion-Capture-Markern ausgestattet, damit seine Bewegungen aufgezeichnet werden konnten, während das Trio glückliche oder traurige Musikausschnitte spielte – einmal mit musikalischem Ausdruck, einmal ohne. Mit Hilfe mathematischer Techniken maßen die Forscher dann, wie stark die Bewegungen der drei Musiker die Bewegungen der anderen voraussagten.

Bessere Antizipation dank Ausdrucksstärke

Das grundsätzliche Ergebnis: Die Musiker konnten – unabhängig davon, welche Stücke sie spielten – die Bewegungen immer dann besonders stark antizipieren, wenn sie besonders ausdrucksstark spielten. Der Co-Autor der Studie Andrew Chang dazu: „Unsere Arbeit zeigt, dass wir die Kommunikation von Emotionen zwischen Musikern messen können, indem wir ihre Bewegungen im Detail analysieren, und dass das Erreichen eines gemeinsamen Emotionsausdrucks als Gruppe viel nonverbale Kommunikation erfordert“.

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Die Forscher schlagen vor, diese neuartige Technik auch auf andere Situationen anzuwenden, beispielsweise auf die Kommunikation zwischen nonverbalen Patienten und ihrer Familie bzw. ihren Pflegekräften. Ausserdem sei geplant, diese Testtechnik auch in einer Studie über „romantische Anziehungskraft“ einzusetzen: „Die ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die bei Körperschwankungen gemessene Kommunikation Vorhersagen darüber erlaubt, welche Paare sich wieder sehen wollen“, sagt Andrew Chang… ♦

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Bewegungstherapie für Musiker auch über Alexandra Türk-Espitalier: Musiker in Bewegung – 100 Übungen

… sowie zum Thema Musik-Medizin & Psychologie über Oruc Güvenc: Heilende Musik aus dem Orient

Die Schach-Kerze zum 4. Advent 2018

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: < 1 Minute

Die vierte Schach-Advent-Kerze brennt

Das Glarean Magazin zündet in diesem Jahr vier Advent-Schachkerzen an. Allerdings sind sie nicht so „friedlich und schön“, wie es ihr festlicher Anlass suggeriert.
Vielmehr handelt es sich um vier ganz spezielle Flammen, die da unsere Schachstuben belichten sollen. Denn ihre Leuchtkraft macht ziemlich Feuer unter dem Hintern sowohl bei Menschen wie bei Computern… Auch die stärksten Programme verbrennen sich an ihnen die Bits und Bytes.
Mögen sie also das Schachverständnis erhellen und den Programmierern kräftig heimleuchten! Das „Glarean“ wünscht allen Schachfreunden einen frohen letzten Adventsonntag 2018!

Weiss zieht und gewinnt

Studie von V. Tarasiuk 2013

Schach-Kerze zum 4. Advent 2018 - Glarean Magazin
FEN: 4B3/6p1/P5p1/p7/7p/2p5/3k2PP/5nnK w (Bild-Klick vergrössert das Diagramm)

Hier geht es zur Lösung der 4. Schach-Kerze zum Advent 2018

Entdecken Sie im Glaran Magazin alle vier
Schach-Kerzen zum Advent 2018

… und lesen Sie zum Thema Schach-Probleme und -Studien auch über das
Heft „Schach-Problem“ Nummer 4/2018 (Chessbase)

Das Musik-Weihnachtsrätsel 2018

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 2 Minuten

Weihnachtsbaum als Music Puzzle

von Walter Eigenmann

Musik-Weihnachtsrätsel - Music Crossword Puzzle - Glarean Magazin 2018

Waagrecht
1 Althebräische Hand-Pauke
3 Album von Vaughan: „Swinging ?…“
5 Oper von Jean-B. Lully
7 Frauen-Stimmlage
8 Song der Rock-Band Pink Floyd
9 Ort eines Schweizer Jazz-Festivals
10 LP-Album von „Carmel“: „?… me free“
13 Opernchor von Wagner: „Summ & ?…“
16 Weihnachtslied: „Gloria in Excelsis ?…“
17 Deutscher Orchester-Dirigent (1908-1998)
18 Schwed. Volkslied „?… haer vi sutto“
20 Griechische Schlager-Sängerin (*1936)
23 Bündner Volkslied: „?… ei tut vanitate“
24 Single des mazedon. Sängers Gaxha
26 Portug. Musiker-Initiative (Abk.)
27 Bedeutender deutscher Chor-Dirigent (1929-2000)
29 Bass-Rolle in einem Händel-Oratorium
31 Abkürzung für Compact Disc
32 Volkslied-Sammler aus Wetzlar/D (1807-1883)
Senkrecht
1 Deutscher Rapper aus Reutlingen
2 Filmsong: „Gonna ?… now“
3 Sänger der Vokalgruppe „Slixs“
4 Schlitztrommel (engl.)
6 A-cappella-Sextett aus Halle
9 Chorwerk von B. Britten: „?… comfort“
11 Rhapsodie von A.E. Chabrier
12 Operette von Robert Hornstein: „?… und Eva“
13 Chinesische Holztrommel
14 Messe von Ennio Morricone
15 Figur in De Fallas Oper „La vida breve“
19 Österr. Harfen-Fabrik
21 Bühnenmusik von B. Britten: „?… Spain“
22 Musikal. Abk. von „sforzato piano“
25 Deutscher Pop-Chor: „The Voice of Classic ?…“
26 Engl. Volkslied: „?… rest you“
28 Ballade von Carl Lwe: „Der ?…“
30 Liedtext-Dichter von R. Schumann

 

Lösen Sie im Glarean Magazin auch das
Musik-Weihnachtsrätsel 2017

Hier finden Sie die Lösung des Rätsels —> weiterlesen Weiterlesen