Holger Falk u.a: Il Gondoliere Veneziano (Musik-CD)

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Venezianischer Gondel-Traum

von Horst-Dieter Radke

„Il Gondoliere Veneziano“ mit Arien von Cerruti, Tartini und Vivaldi nimmt den Hörer mit auf eine klangschöne, zauberhafte Reise durch die berühmte Lagunen-Stadt. Dabei werden gar live in Venedig aufgenommene Toncollagen integriert. Eine CD von und aus einer Stadt, die von Klängen und Musik lebt.

Il Gondoliere Veneziano - Holger Falk - Ensemble Nuovo Aspetto - Duo Merzouga - Tartini - VivaldiBei unserem letzten Venedigbesuch vor fünf Jahren sind wir nicht Gondel gefahren. Wir haben auch keinen Gondoliere singen gehört. Mitgenommen haben wir trotzdem den Eindruck, dass Venedig eine Stadt der Klänge ist, und zwar sehr unterschiedlicher. Morgens, wenn die Stadt sich langsam füllt, klingt sie anders als mittags, wenn der Strom der Touristen die Stadt fast zum Platzen bringt. Und zur gleichen Zeit wieder anders, wenn man ausweicht in Bereiche, die von den Tagesbesuchern nicht frequentiert werden, oder man mit dem Vaporetto zu entfernten Bereichen flieht. Abends, wenn die meisten die Stadt verlassen haben, meint man, sie habe ihre eigene Stimme zurückbekommen.

Auf den Wassern des Canale Grande

Beim Hören dieser CD entstand das Bild des Venedigs in mir, dass ich erlebt habe. Das liegt nicht unwesentlich an den Toncollagen, die vom Klang Duo Merzouga (Eva Pöpplein und Janko Hanushevsky) in Venedig aufgenommen und teilweise elektronisch ergänzt wurden. Es liegt natürlich auch an der Musik.

Bariton-Sänger Holger Falk - Glarean Magazin
Bariton Holger Falk (geb. 1972)

Bariton Holger Falk singt Lieder, welche die Gondoliere ehemals gesungen haben könnten. Zu hören sind sie in den Kanälen der Lagunenstadt schon lange nicht mehr, doch waren sie im 18. Jahrhundert in ganz Europa berühmt, und einige Sammlungen wurden veröffentlicht. Aus diesen bedient sich der Sänger reichlich, mischt auch noch anderes darunter, zum Beispiel eine Arie von Tartini. Diese ist ein ganz besonderer Leckerbissen, denn von Tartini gibt es sonst fast nur Instrumentalmusik zu hören.

Holger Falk wird bei seinen mit Engagement vorgetragenen Liedern – wozu durchaus auch ein schrilles Lachen gehört oder ein beiläufiges Vor-sich-hin-singen – vom Ensemble Nuovo Aspetto begleitet, einige singt er auch a capella. Dazwischen gibt es Instrumentalsätze von Vivaldi. Ein Programm, das zeigt, was Venedig ist: Eine Stadt, die von Klängen und Musik lebt.

Vielfältige Musik-Informationen

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Zu loben ist auch das ausführliche Booklet. Es enthält nicht nur Informationen zur Produktion und zu den Künstlern, sondern auch einiges über den musikalischen Hintergrund. Sogar Herr von Goethe kommt zu Wort, mit Auszügen aus seiner „Italienischen Reise„. Besonders schön ist, dass auch die Liedertexte enthalten sind, neben dem Original jeweils auch eine deutsche und englische Übersetzung. So weiß man, wovon Holger Falk so mitreißend singt: Von einer nächtlichen Gondelfahrt, von Liebe und Liebesverlust und von Armut. Am Ende weiß man mehr über die vergangene Musik der Gondoliere. Mag sie auf den Kanälen in Venedig nicht mehr zu hören sein – dass sie den Weg wieder in die Konzertsäle oder wenigstens auf die hauseigene Musikanlage gefunden hat, ist zu begrüßen.

Dieses Programm ist geeignet für ein breites Publikum, nicht nur für Liebhaber Alter Musik. In Zeiten, in denen die persönliche Reisefreiheit durch eine Pandemie eingeschränkt ist, verhilft diese CD zu einer virtuellen Reise an die Adria. Das ist mehr, als man von einer CD mit Alter Musik erwarten kann. ♦

Holger Falk (Bariton), Nuovo Aspetto, Duo Merzouga: Il Gondoliere Veneziano – A musical voyage through Venice, Audio-CD

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Italienische Klassik auch über Giuseppe Tartini: 4-parts Sonatas and Sinfonias (CD)

Michael Daugherty: This Land Sings

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Auf den Spuren von Woody Guthrie

von Horst-Dieter Radke

Woody Guthrie (1912 – 1967) ist der amerikanische Liedermacher schlechthin. Aber auch bei uns ist er kein Unbekannter. Sein „This Land is Your Land“ war seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts fast so häufig in geselliger Runde bei Lagerfeuer und Gitarrenbegleitung zu hören, wie „Heute hier, morgen dort“ von Hannes Wader. Eine CD von Michael Daugherty mit dem Titel „This Land Sings“ und dem Untertitel „Inspired by the Life and Times of Woody Guthrie“ weckt deshalb Erwartungen, die, das sei gleich vorweg gesagt, sowohl enttäuscht als auch übertroffen werden.

Anlehnungen mit Eigenständigkeit

Michael Daugherty: This Land Sings - Inspired by the Life and Times of Woody Guthrie - NaxosDie Enttäuschung liegt darin, dass Musik von Woody Guthrie fast nicht zu hören ist, es sei denn als Zitat. Das liegt aber auch daran, dass Musik von Woody Guthrie nicht immer von ihm selbst war, sondern „ausgeliehen“ von anderen. Die Ouvertüre, mit der die CD beginnt, zitiert unüberhörbar „This Land is Your Land“. Doch der Komponist Michael Daugherty stellt im Booklet klar, dass es eine alte Volksmelodie ist, die sich nicht nur Woody Guthrie für sein Lied, sondern zuvor auch schon die Carter-Family ausgeliehen hatten. Diese Praxis übt dann der Komponist bei vielen Beiträgen selbst, ohne dabei an Eigenständigkeit im Ergebnis zu verlieren.

Auf Amerikas staubigen Straßen

Komponist Michael Daugherty auf den Spuren von Woody Guthrie
Komponist Michael Daugherty auf den Spuren von Woody Guthrie

Michael Daugherty (geb. 1954) ist einer der meistgespielten US-Komponisten. Für „This Land Sings“ hat er sich, so schreibt er im Booklet, auf die Spuren von Woody Guthrie gemacht, ist überall dort entlang gezogen, wo ehemals auch der amerikanische Liedermacher auf staubigen Straßen unterwegs war.
Zurückgekehrt von dieser Reise schrieb er seine eigenen „originellen“ Lieder, wie er im typischen amerikanischen Selbstbewusstsein zur Kenntnis gibt. Das Ganze war eine Auftragsarbeit, für die er sich um viel Authentizität bemüht. Der Wechsel von instrumentalen und vokalen Stücken habe er der Praxis der damals üblichen Radiosendungen abgeschaut. Das instrumentale Ensemble minimierte er, um einen Hinweis auf die damalige Wirtschaftskrise zu geben. Lediglich Violine, Klarinette/Bassklarinette, Fagott, Trompete/Flügelhorn, Posaune, Kontrabass und Schlagzeug gibt er den beiden Sängern zur Seite und erweitert gelegentlich selbst mit der Mundharmonika.
Dass Woody Guthries Instrument – die Gitarre – fehlt, stört nicht eine Sekunde. Annika Socolofsky (Sopran) und John Daugherty (Bariton; nicht mit dem Komponisten verwandt) singen die Lieder, und insbesondere die Sopranistin gibt dem ganzen oft eine Stimmung, die an die Songs und die Zeit von Woody Guthrie erinnert. Der Bariton alleine – so gut er an sich ist – hätte das nicht geschafft.

Michael Daugherty - This Land Sings - Woody Guthrie - Begin Overture - Full Score - Glarean Magazin
Beginn der „Ouvertüre“ zu „This Land Sings“ von Michael Daugherty

Guthrie-ferne Zitate

Komponist Daugherty greift auf Melodien der amerikanischen Volksmusik zurück, schreckt aber auch nicht vor Woody-Guthrie-fernen Zitaten zurück, etwa in „Marfa Lights“, wo er das berühmte „Aranjuez-Konzert“ von Rodrigo zitatmäßig einbaut. Der Komponist stellt sich allerdings einen am Rio Grande entlang wandernden Woody Guthrie dabei vor. Im Grunde braucht man die Kommentare des Komponisten nicht, um Vergnügen an dieser musikalischen Hommage zu bekommen und ihre Intention zu verstehen. Im Nachhinein zu lesen, was er sich dabei gedacht hat und mit den eigenen Vorstellungen nach dem ersten Hören abzugleichen ist jedoch keine schlechte Sache.

Kleines Ensemble macht große Musik

Sopranistin Annika Socolofsky, Bariton John Daugherty und Alan Miller (Dirigent des Ensemble Dogs of Desire) performen im Wechsel von instrumentalen und vokalen Songs
Sopranistin Annika Socolofsky, Bariton John Daugherty und Alan Miller (Dirigent des Ensemble Dogs of Desire) performen im Wechsel von instrumentalen und vokalen Songs

Das „kleine Ensemble“ klingt in manchen Stücken so voll, dass man ein größeres Orchester dahinter wähnt. Besonders reizvolle finde ich aber die Songs, die tatsächlich minimalistisch daherkommen, etwa „Bread and Roses“, das nur von Sopran und Fagott getragen wird. Daugherty widmet es den Millionen Frauen, die für Gleichberechtigung kämpften und schließlich 1920 das Wahlrecht durchsetzen konnten. Ein Duett ist auch „This Trombone Kills Facists“, das die Posaune mit dem Schlagzeug ausführt und „“My Heart is Burning“, das Mundharmonika und Kontrabass austragen. Zahlreiche Stücke werden von dem Ensemble Dogs of Desire unter ihrem Dirigenten Alan Miller engagiert unterstützt.

Lebendig und spontan

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Diese CD enttäuscht jene, die erwarten, darauf viel von Woody Guthrie zu hören; das ist nicht der Fall. Aber man kann, wenn man gut zuhört, einiges über ihn hören. Und in dieser Beziehung übertrifft die CD zumindest meine Erwartung. Insbesondere das Ganze im Zusammenhang er-hört ist eine überdurchschnittlich gelungene Hommage, die bei allen Bezügen und Zitaten viel Eigenständigkeit in Komposition und Tonsprache aufweist. Obwohl ich Lieblingslieder darauf habe, werde ich die CD wohl künftig ausschließlich komplett hören, weil vor allem so das musikalische Bild vom Leben und der Zeit Woody Guthries erzeugt wird.

Die CD ist zu empfehlen. Die Kompositionen sind originell, selbst dort, wo fremdes Material verwendet wird. Die ausführenden Musiker schaffen ein hervorragendes Klangbild, das die beiden Sänger kongenial ergänzt. Es ist keine spontane Musik, sondern durchkomponierte, doch es klingt nicht steif und akademisch, sondern sehr lebendig. ♦

Michael Daugherty: This Land Sings – Inspired by the Life and Times of Woody Guthrie, Dogs of Desire (Alan Miller), Audio-CD, Spielzeit 01:05:21, Naxos CD-Label

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musik zwischen Klassik und Pop auch über die CD von Richard Harvey: Evensong – New Choral Music

… sowie zum Thema Folk über die CD Insomnia des Harriet Quartets

Weitere Internet-Artikel über Michael Daugherty


English Translation

On the trail of Woody Guthrie

by Horst-Dieter Radke

Woody Guthrie (1912 – 1967) is the American songwriter par excellence. But he is no stranger to us either. His „This Land is Your Land“ has been heard since the seventies of the last century almost as often in convivial company around campfires and with guitar accompaniment. A CD by Michael Daugherty with the title „This Land Sings“ and the subtitle „Inspired by the Life and Times of Woody Guthrie“ therefore raises expectations which, let it be said right away, will be both disappointed and exceeded.

Leanings with independence

The disappointment lies in the fact that music by Woody Guthrie is almost never heard, except as a quote. But this is also because music by Woody Guthrie was not always from himself, but „borrowed“ from others. The overture with which the CD begins unmistakably quotes „This Land is Your Land“. But composer Michael Daugherty makes it clear in the booklet that it is an old folk melody that not only Woody Guthrie borrowed for his song, but also the Carter family before. The composer himself then practices this practice in many of his contributions, without losing any independence in the result.

On America’s dusty streets

Michael Daugherty (born 1954) is an American composer and teacher. As he writes in the booklet, he has followed in the footsteps of Woody Guthrie, has moved along wherever the American singer-songwriter once walked on dusty roads. Returning from this journey, he wrote his own „original“ songs, as he states in typical American self-confidence. The whole thing was a commissioned work, for which he strives for a lot of authenticity. The alternation of instrumental and vocal pieces he had copied from the practice of radio broadcasts at the time. He minimized the instrumental ensemble in order to give a hint at the economic crisis of the time. Only the violin, clarinet/bass clarinet, bassoon, trumpet/flügelhorn, trombone, double bass and percussion are given to the two singers‘ side, and occasionally he himself expands with the harmonica.
The fact that Woody Guthrie’s instrument – the guitar – is missing does not bother him for a second. Annika Socolofsky (soprano) and John Daugherty (baritone; not related to the composer) sing the songs, and the soprano in particular often gives the whole thing a mood reminiscent of the songs and the time of Woody Guthrie. The baritone alone – as good as he is in himself – would not have been able to do this.

Guthrie-far quotations

Composer Daugherty draws on melodies from American folk music, but he does not shy away from quotations from Woody Guthrie, for example in „Marfa Lights“, where he incorporates Rodrigo’s famous „Aranjuez Concerto“ as a quotation. The composer, however, imagines a Woody Guthrie walking along the Rio Grande. Basically, you don’t need the composer’s comments to take pleasure in this musical homage and to understand its intention. But to read afterwards what he had in mind and to compare it with his own ideas after the first listening is not a bad thing.

Small ensemble makes great music

The „small ensemble“ sounds so full in some pieces that one would think there is a larger orchestra behind it. But I find the songs that really come across as minimalistic particularly appealing, such as „Bread and Roses“, which is only carried by soprano and bassoon. Daugherty dedicates it to the millions of women who fought for equal rights and were finally able to enforce the right to vote in 1920. A duet is also „This Trombone Kills Facists“, which performs the trombone with the drums, and „“My Heart is Burning“, which features harmonica and Contrabass.

Lively and spontaneous

This CD disappoints those who expect to hear much of Woody Guthrie on it; this is not the case. But you can hear a lot about him if you listen well. And in this respect the CD at least exceeds my expectations. Especially the whole thing heard in context is an above-average homage, which shows a lot of independence in composition and sound language despite all references and quotations. Although I have my favourite songs on it, I will probably only listen to the CD in its entirety in the future, because this is how the musical picture of Woody Guthrie’s life and time is created.

The CD is to be recommended. The compositions are original, even where foreign material is used. The performing musicians create an excellent sound image that congenially complements the two singers. It is not spontaneous music, but through-composed, but it does not sound stiff and academic, but very lively. ♦

(Links & Pictures above)

Kompositionswettbewerb 2020 für Klavier und Orchester

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Klavierkonzerte mittleren Schwierigkeitsgrades

Klavier-Musik - Piano-Noten - Glarean MagazinDas Institut für Musik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg schreibt seinen 20. internationalen Kompositionswettbewerb aus. Eingesandt werden können Werke für Klavier und Orchester. Es ist möglich, mehrere Partituren einzureichen, die jeweilige Aufführungsdauer sollte maximal zehn Minuten betragen. Der Wettbewerb bezweckt, das Repertoire für zeitgenössische Musik mittleren Schwierigkeitsgrades zu erweitern.

Die Kompositionen dürfen weder veröffentlicht noch aufgeführt worden sein. Es gibt keine Altersbegrenzung, auch die inhaltliche Ausrichtung der Werke ist freigestellt. Einsende-Schluss ist am 31. Dezember 2020, hier finden sich die weiteren Einzelheiten der Ausschreibung. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN auch die Ausschreibung zum Internationalen Kompositions-Wettbewerb Ise-Shima-Art 2021


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The Institute for Music of the Carl von Ossietzky University Oldenburg is announcing its 20th international composition competition. Works for piano and orchestra can be submitted. It is possible to submit more than one work, the respective performance duration should not exceed ten minutes. The competition aims to expand the repertoire for contemporary music of medium difficulty.

The compositions must not have been published or performed. There is no age limit, and the content of the works is also optional. The deadline for entries is 31 December 2020. (See the links above) ♦

Neurowissenschaft: Musik als soziales Experimentierfeld

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Herzen im gruppendynamischen Gleichtakt

von Walter Eigenmann

Im Alltag sind bekanntlich Gruppen- und Zusammenarbeit von großer Bedeutung. Welchen positiven Einfluss auf die physiologische, psychische und soziale Synchronität der Menschen kann dabei die Musik entwickeln? Über die Wechselwirkung von Musik und Zusammenarbeit gibt eine neue Studie zum Thema „Musik als soziales Experimentierfeld“ der Bar-Ilan-Universität im israelischen Ramat Gan Auskunft.

In der Chormusik ist das Phänomen längst bekannt: Beim gemeinsamen Musizieren beginnen die Herzen der Sängerinnen und Sänger nach kurzer Zeit in einen Gleichtakt zu verfallen. Nicht zuletzt die musikalisch synchronisierte Atmung löst hier den Effekt aus.
Doch wie funktioniert eine solche erhöhte physiologische Synchronität ausserhalb vorgegebener musikalischer Zielsetzungen? Und welche Aufgabenaspekte der Herzfunktion können durch eine solche bewusste Synchronität die Gruppenleistung verbessern?

„Herzen, die zusammen trommeln, schlagen zusammen“

Herz-Synchronisation durch Musik - Glarean Magazin
Gruppendynamische Synchronisation der Herzen durch Musik-Rhythmen

Die interdisziplinäre israelische Studie, veröffentlicht in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Scientific Reports“, berichtet über die Entdeckung, dass beim Zusammentrommeln Aspekte der Herzfunktion von Gruppenmitgliedern – insbesondere das Zeitintervall zwischen den einzelnen Schlägen (IBI) – synchronisiert werden.
Diese physiologische Synchronisation wurde während einer neuartigen musikalischen Trommelaufgabe aufgezeichnet, die speziell für die Studie in einer Zusammenarbeit zwischen Sozial-Neuro-Wissenschaftlern und Wissenschaftlern der Musikabteilung entwickelt wurde.

51 Gruppen mit je drei Teilnehmern

An dem Schlagzeugspiel nahmen 51 Gruppen mit drei Teilnehmern teil, in denen IBI-Daten kontinuierlich gesammelt wurden. Die Teilnehmer wurden gebeten, ihr Schlagzeugspiel – auf einzelnen Schlagzeugpads innerhalb eines elektronischen Schlagzeugsets, das von der Gruppe gemeinsam benutzt wurde – an ein Tempo anzupassen, das der Gruppe über Lautsprecher präsentiert wurde.
Für die Hälfte der Gruppen war dabei das Tempo konstant und vorhersehbar, so dass das daraus resultierende Schlagzeugspiel und sein Output synchron sein sollten. Bei der anderen Hälfte änderte sich das Tempo ständig und war praktisch nicht nachvollziehbar, so dass das daraus resultierende Trommeln und der musikalische Output asynchron sein sollten.
Diese Aufgabenstellung ermöglichte es den Forschern, den Grad der Verhaltenssynchronisation beim Trommeln zwischen den Gruppenmitgliedern zu manipulieren und die Dynamik der Veränderungen des IBI für jeden Teilnehmer während des gesamten Experiments zu beurteilen.

Gezielter physiologischer Gleichtakt

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Im Anschluss an diese strukturierte Trommelaufgabe wurden die Teilnehmer gebeten, das Trommeln frei miteinander zu improvisieren. Die Gruppen mit hoher physiologischer Synchronität in der strukturierten Aufgabe zeigten in der freien Improvisationssitzung mehr Koordination beim Trommeln.

Die Analyse der Daten zeigte, dass die Trommelaufgabe in den Gruppen eine physiologische Synchronisation hervorrief, die über das hinausging, was zufällig erwartet werden konnte. Ausserdem lassen die Verhaltenssynchronisation und die verbesserte physiologische Synchronisation beim Trommeln jeweils auf einzigartige Weise eine erhöhte Erfahrung von Gruppenzusammenhalt voraussagen. Und schließlich zeigten die Forscher, dass eine höhere physiologische Synchronität auch eine erhöhte Gruppenleistung zu einem späteren Zeitpunkt bei einer anderen Gruppenaufgabe vorhersagt.

Aus Synchronität resultiert Kooperationsfähigkeit

Ilanit Gordon - Psychologin - Neurowissenschaftlerin - Israel - Glarean Magazin
„Verstärktes Gefühl des Zusammenhalts zwischen Gruppenmitgliedern“: Neurowissenschaftlerin Ilanit Gordon

„Unsere Ergebnisse präsentieren einen multimodalen verhaltensbezogenen und physiologischen Bericht darüber, wie die Synchronisation zur Bildung der Gruppenbindung und der daraus folgenden Kooperationsfähigkeit beiträgt“, sagt Dr. Ilanit Gordon, Leiterin des Labors für soziale Neurowissenschaften an der Psychologischen Fakultät der Bar-Ilan-Universität. „Eine Manipulation der Verhaltenssynchronität und der sich abzeichnenden physiologischen Koordination in IBI zwischen Gruppenmitgliedern sagt ein verstärktes Gefühl des Zusammenhalts zwischen den Gruppenmitgliedern voraus“.

Musik als experimentelle Plattform der sozialen Interaktion

Musik-Therapeut Avi Gilboa - Music Therapy - Musikwissenschaftler Israel - Glarean Magazin
„Musik als experimentelle Plattform der sozialen Interaktion“: Therapeut Avi Gilboa

Co-Autor der Studie Prof. Avi Gilboa formuliert die Perspektiven der Forschungsergebnisse noch weitergehend: „Wir glauben, dass das gemeinsame Musizieren eine vielversprechende experimentelle Plattform für die Umsetzung ökologischer und vollständig interaktiver Szenarien darstellt, die den Reichtum und die Komplexität der menschlichen sozialen Interaktion erfassen. Diese Ergebnisse sind aufgrund der entscheidenden Wichtigkeit von Gruppen für das Handeln, die Identität und den sozialen Wandel in unserer Welt von besonderer Bedeutung“.

Quelle Bar-Ilan Universität: „Herzen, die zusammen trommeln, schlagen zusammen – Gruppentrommeln stimuliert die verhaltensmäßige und physiologische Synchronisation, die zur Bildung sozialer Bindungen und einer daraus folgenden Kooperationsfähigkeit beiträgt“, Israel 2020 ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musik und Medizin über neue Forschungsergebnisse bezüglich Musik in der Gruppe

… sowie zum Thema Musik und Gesundheit über Stressreduzierung durch Musikhören

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Das neue Musik-Kreuzworträtsel im Mai 2020

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Gesucht: Musik-Begriffe

von Walter Eigenmann

Seit vielen Jahren sind Musik-Kreuzworträtsel im GLAREAN MAGAZIN feste Tradition. Auch im Mai 2020 wird wieder nach geläufigen und seltenen Musik-Begriffen gefahndet – viel Spass!

Musik-Kreuzworträtsel - Mai 2020 - Aufgaben-Hinweise - Copyright Walter Eigenmann - Glarean Magazin

Zum Ausdrucken des Rätsels: —> „PDF herunterladen“ (Menü-Leiste)

Hier findet sich die Lösung des Rätsels: —> „Weiterlesen“

Das Rätsel darf – unter Link-Quellenangabe – gerne zu schulischen bzw. musikpädagogischen Zwecken kostenlos verwendet werden.

Knobeln Sie im GLAREAN MAGAZIN auch das Musik-Kreuzworträtsel im Juni 2018

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Sandra Lied Haga (Cello): Tschaikowsky und Dvorak (CD)

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Sensibles Gespür für die intimen Passagen

von Christian Busch

Die junge norwegische Cello-Virtuosin Sandra Lied Haga (geb. 1994 in Oslo) legt im CD-Label Simax/Naxos mit Tschaikowskis „Rococo Variationen“ und Dvoraks Cello-Konzert ein beeindruckendes Album-Debüt vor, das einige andere renommierte Aufnahmen in verschiedener Hinsicht übertrumpft.

„Fragt nach dem Zauber nicht,
der mich erfüllt!
Ihr könnt die Seligkeit ja doch nicht fassen,
die seine Liebe mich hat fühlen lassen,
die Liebe, die nur mir, mir einzig gilt.“

Sandra Lied Haga (Cello): Tschaikowsky und Dvorak (CD) - Musik-Rezension
Sandra Lied Haga (Cello): Tschaikowsky und Dvorak

Aus diesem von Antonin Dvorak um die Jahreswende 1887/1888 vertonten Lied „Lasst mich allein“ von Ottilie Kleinschrod spricht ein seliges, in seiner unvergleichlichen Liebe ruhendes Herz, das sich – zum Schutz seiner kostbaren Liebe – der Welt verschließt. Es ist das Lieblingslied von Dvoraks Schwägerin, der Gräfin Josefine Kaunic – und der Schlüssel zu Dvoraks berühmtem, 1895 in der Neuen Welt komponierten Konzert für Violoncello und Orchester op. 104 in h-moll.
Heimweh, Bestürzung über die schwere Erkrankung seiner Jugendliebe, aber auch optimistische Aufbruchsstimmung standen bei Dvoraks bedeutender Komposition mit symphonischen Ausmaßen Pate. Als er vom Tode seiner ehemaligen Klavierschülerin erfährt, ändert er seine Partitur und integriert das schon im 2. Satz zitierte Lied auch in das Finale – das Konzert wird nun endgültig zum Hohelied der Liebe.

Aus Norwegens unendlicher Weite stammend

Sandra Lied Haga - Violoncello - Glarean Magazin
Technische Brillanz und sensitive Empathie: Die Cellistin Sandra Lied Haga

Aus der unendlich weiten Perspektive norwegischer Landschaft stammend, war Sandra Lied Haga schon im Alter von drei Jahren Teilnehmerin des Förderprogramms junger Talente am Barrat Due Institute of Music in Oslo und wurde, längst auf vielen internationalen Festivals präsent, jüngst mit dem Equinor Classical Music Award 2019 ausgestattet. Ihr zur Seite steht in dieser Aufnahme mit Konzertmitschnitten vom Februar und März 2019 aus der Great Hall des Moskauer Konservatoriums das State Academic Symphony Orchestra of Russia „Evgeny Svetlanov“ unter der Leitung von Terje Mikkelsen.

Und was man dort hört, ist schlicht überwältigend. Schon die konzentrierte, maßvolle, bedächtige, aber niemals schleppende Einleitung lässt erkennen, dass es nicht um ein paar schmissige Effekte oder das bloße Auskosten „schöner Stellen“ geht, sondern um den Spannungsbogen, den „großen Atem“ und die Seele des Werks.
Man staunt darüber, wenn Lied Haga ihren Part mit unverbrauchter Natürlichkeit, sicherem Instinkt und großer Virtuosität zu einer überzeugenden, faszinierend schönen und berührenden Darbietung gestaltet. Fernab von Routine und Klischees gelingt ihr der fließende Übergang von den extrovertierten Ausbrüchen bis zu den Momenten der wunderbar intimen, gesanglichen Introspektive.

Hohelied der Liebe

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Der zweite, aus dem Liedmotiv geformte Satz mutet wie ein inniges Liebesduett – über den Ozean hinweg – an, zunächst scheinbar zerbrochen, dann intensiviert durch die Nachricht der Erkrankung. Dass gerade die lyrischen Stellen – auch dank der großartigen Partnerschaft zwischen Orchester und Solisten – besonders gelungen sind, liegt an der insgesamt sehr stimmigen und werkgetreuen Deutung Lied Hagas, die – von Mikkelsen und dem Orchester auf den vielzitierten „Händen getragen“ – dem Werk mit feinem Gespür und beglückender Sensibilität begegnet. Doch ragen diese berückend schön gespielten Momente nicht heraus, sondern sondern fügen sich nahtlos in die geschlossene und stimmige Darbietung. Es entspinnt sich ein über drei Sätze andauernder, intensiver Dialog, der Dvoraks letztes großes Werk als „Hohe(s) Lied der Liebe“ geradezu neu entdeckt.

Blick für das Wesentliche

Peter Tschaikowski - Faksimile Titelseite Variationen über ein Rokoko-Thema - Cello-Part - Glarean Magazin
Handschriftliches Faksimile der Titelseite von Tschaikowskis „Variationen über ein Rokoko-Thema“ (Cello-Part gewidmet dem Cellisten G. Fitzenhagen)

Mit demselben unverstellten Blick für das Wesentliche nehmen die Ausführenden auch Peter Tschaikowskys „Rokoko-Variationen“ ins Visier. Konzeptionell folgerichtig greifen sie dabei auf das Original zurück, statt auf die auf Wunsch von Tschaikowskys Cellisten Wilhelm Fitzenhagen geänderte Fassung, welche dem Solisten eine größere Bühne der Selbstdarstellung bot.
Auch hier bestaunen wir den klaren, natürlich-schönen Ton der jungen Norwegerin, die in großem Einvernehmen mit Orchester und Dirigent die Reminiszenz des Komponisten an eine andere Zeit, nämlich die Klangwelt des 18. Jahrhunderts (vor allem die des jungen W.A. Mozart) zum Leben erweckt.

Sandra Lied Haga legt also mit diesen zwei Romantik-Einspielungen ein großartiges Debütalbum vor. Ihr Ton ist von natürlicher „nordischer“ Klarheit, doch ebenso zeigt sie ein sensibles Gespür für die intimen Passagen dieser Standardwerke des romantischen Repertoires. Sie erliegt nie der Versuchung einer Selbstdarstellung, sondern dringt werkgetreu zum Kern der Werke vor, auch dank ihrer gleichwertigen Partner. Damit stellt sie so manche Aufnahme renommierter Künstler und Plattenlabels in den Schatten. Eine schöne Entdeckung. ♦

Peter Tchaikovsky: Variations on a Rococo Theme op. 33 (Original Version); Antonin Dvorak: Celle Concerto in B Minor op. 104 – Sandra Lied Haga (Cello), The State Academic Symphony Orchestra of Russia ‘Evgeny Svetlanov‘, Terje Mikkelsen, Simax Classics (Naxos)

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Cello-Musik auch über Sol Gabetta: Cello-Konzert von Edward Elgar


English Translation

Sensitive feeling for the intimate passages

The young Norwegian cello virtuoso Sandra Lied Haga (born in Oslo in 1994) makes an impressive album debut on the Simax/Naxos CD label with Tchaikovsky’s „Rococo Variations“ and Dvorak’s Cello Concerto, outdoing several other renowned recordings in various ways.

„Don’t ask about the magic,
that fills me!
You can’t believe the bliss,
that his love made me feel,
the love that is only for me, only for me.“

From this song „Leave me alone“ by Ottilie Kleinschrod, set to music by Antonin Dvorak at the turn of 1887/1888, speaks a blessed heart, resting in its incomparable love, which – to protect its precious love – closes itself off from the world. It is the favourite song of Dvorak’s sister-in-law, Countess Josefine Kaunic – and the key to Dvorak’s famous Concerto for Violoncello and Orchestra op. 104 in B minor, composed in the New World in 1895.
Homesickness, dismay at the serious illness of his childhood love, but also an optimistic mood of departure were the inspiration for Dvorak’s important composition of symphonic dimensions. When he learns of the death of his former piano pupil, he changes his score and integrates the song quoted in the second movement into the finale – the concerto now finally becomes the Song of Songs of Love.

Coming from Norway’s infinite vastness

Coming from the infinitely wide perspective of the Norwegian landscape, Sandra Lied Haga was already at the age of three a participant in the Young Talent Promotion Programme at the Barrat Due Institute of Music in Oslo and, long since present at many international festivals, was recently awarded the Equinor Classical Music Award 2019. In this recording of concert recordings of February and March 2019 from the Great Hall of the Moscow Conservatory, she is accompanied by the State Academic Symphony Orchestra of Russia „Evgeny Svetlanov“ conducted by Terje Mikkelsen.

And what you hear there is simply overwhelming. Even the concentrated, measured, thoughtful, but never sluggish introduction makes it clear that it is not about a few snappy effects or the mere savouring of „beautiful passages“, but about the tension, the „great breath“ and the soul of the work.
One is amazed when Lied Haga shapes her part with unspent naturalness, sure instinct and great virtuosity to a convincing, fascinatingly beautiful and touching performance. Far away from routine and clichés, she succeeds in making the smooth transition from the extroverted outbursts to the moments of the wonderfully intimate vocal introspection.

Song of Love

The second movement, formed from the song motif, seems like an intimate love duet – across the ocean – at first seemingly broken, then intensified by the news of illness. The fact that the lyrical passages in particular – also thanks to the great partnership between orchestra and soloists – are particularly successful is due to the overall very coherent and faithful interpretation of Haga’s song, which – carried by Mikkelsen and the orchestra on the much-quoted „hands“ – meets the work with fine feeling and delightful sensitivity. However, these enchantingly beautifully played moments do not stand out, but rather fit seamlessly into the closed and coherent performance. An intensive dialogue develops over three movements, which almost rediscovers Dvorak’s last great work as the „Song of Love“.

An eye for the essential

With the same undisguised eye for the essential, the performers also take aim at Peter Tchaikovsky’s „Rococo Variations“. Conceptually logical, they fall back on the original, instead of the version modified at the request of Tchaikovsky’s cellist Wilhelm Fitzenhagen, which offered the soloist a larger stage for self-expression.
Here, too, we marvel at the clear, naturally beautiful tone of the young Norwegian who, in great agreement with orchestra and conductor, brings to life the composer’s reminiscence of another time, namely the sound world of the 18th century (especially that of the young W.A. Mozart).

Sandra Lied Haga thus presents a great debut album with these two romantic recordings. Her tone is of natural „Nordic“ clarity, but she also shows a sensitive feeling for the intimate passages of these standard works of the romantic repertoire. She never succumbs to the temptation of self-portrayal, but penetrates the core of the works faithfully, also thanks to her equal partners. In this way she outshines many a recording by renowned artists and record labels. A beautiful discovery. ♦

Peter Tchaikovsky: Variations on a Rococo Theme op. 33 (original version); Antonin Dvorak: Celle Concerto in B Minor op. 104 – Sandra Lied Haga (cello), The State Academic Symphony Orchestra of Russia ‚Evgeny Svetlanov“, CD-Label Naxos

(Links and Pictures above)

Zitat der Woche: Brauchen wir Musik? (Hans G. Bastian)

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 2 Minuten

Brauchen wir Musik?

„Angesichts der ständigen Wissensexplosion kann die stetig höher gelegte Messlatte an berufsqualifizierenden Persönlichkeitsmerkmalen für einen Arbeitsplatz nicht überraschen. Politik, Wirtschaft und Industrie fokussieren im Sinne von Schlüsselqualifikationen: Extraversion als Kontaktfähigkeit, Verträglichkeit als Teamfähigkeit, Gewissenhaftigkeit als Verantwortungsbereitschaft, emotionale Stabilität als seelische Belastbarkeit in Stress-Situationen.

Hans Günther Bastian - Kinder optimal fördern, mit Musik - Intelligenz, Sozialverhalten und gute Schulleitstungen durch Musikerziehung
Hans Günther Bastian: Kinder optimal fördern – mit Musik

Ist also Musik nicht ein ideales Medium und Forum zur effektiven Förderung eben dieser Persönlichkeitsmerkmale? Sie fordert und fördert Extraversion im ausdrucksstarken Spiel, Teamfähigkeit im Ensemblemusizieren, Gewissenhaftigkeit gegenüber dem musikalischen Werk und der Musiksozietät, emotionale Stabilität im Podiumsstress der Kunstdarbietung, Intelligenz in der kongenialen Interpretation eines musikalischen Werkes.

Hans Günther Bastian - Musikpädagoge - Glarean Magazin
Hans Günther Bastian

Wenn ein Künstler (so Jascha Heifetz) die Nerven eines Stierkämpfers, die Konzentration eines buddhistischen Mönchs und die Chuzpe einer Nachclubbesitzerin braucht, dann wird Musik diese Eigenschaften auch ausprägen, und sie werden dem Menschen nicht nur in der Musik selbst zum Vorteil sein.“

Aus Prof. Dr. Hans Günther Bastian: Kinder optimal fördern mit Musik – Intelligenz, Sozialverhalten und gute Schulleistungen durch Musikerziehung, Schott Verlag, 3. Aufl. 2003

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN auch das Zitat der Woche über „Musik und Emotionen“: Warum klingt Dur manchmal so traurig wie Moll?

… sowie zum Thema Musik und Neurowissenschaft: Musik als soziales Experimentierfeld

Humanmedizin: Musik und Herzinfarkt (Musikforschung)

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Stressreduzierung durch Musikhören

von Walter Eigenmann

Auch wenn die Wissenschaftler in aller Welt noch über zahllose Details streiten – hinsichtlich des Gesamtbefundes sind sie sich einig: Musik hat einen enorm positiven Effekt auf die körperliche und seelische Befindlichkeit des Menschen. Zahllose Studien aus vielen Fachgebieten von der Neuropsychologie über die Schulpädagogik und Kultursoziologie bis hin zur Anthropologie und Gerontologie beschäftigen sich mit dem Bezugsfeld Mensch-Musik, und alle dokumentieren sie den teils erheblichen therapeutischen Einfluss des Musikhörens bzw. Musizierens auf den Menschen. Eine neue Langzeit-Untersuchung belegt nun, welche Wechselwirkung Musik und Herzinfarkt haben.

Musik und Körper

Verschluss Herzgefässe - Kardiologie - Report Musik und Herzinfarkt 2020 - Glarean Magazin
Ursache des Herzinfarktes: Verschluss von Herzkranzgefässen

In den letzten Jahren mischten und mischen sich verstärkt auch spezifische humanmedizinische Forschungen und Befunde mit empirisch verifizierten Daten in die Diskussion ein, inwiefern Musik auch direkt auf körperliche Defizite einwirke. Eine jüngst vom American College of Cardiology veröffentlichte Studie dokumentiert jetzt beispielsweise den therapeutischen Effekt des Musikhörens bei Patienten mit einer sog. Frühen Postinfarkt-Angina-Pectoris.

Wie diese Untersuchung des Belgrader Kardiologen und Hauptautoren Prof. Dr. Predrag Mitrovic ausführt, überleben in den USA ca. 700’000 Menschen einen Herzinfarkt, und es wird geschätzt, dass etwa jeder neunte dieser Herzinfarkt-Überlebende innerhalb der ersten 48 Stunden nach dem Infarkt an Brustschmerzen und Angstzuständen leidet.
Gemäss der Studie deutet nun alles darauf hin, dass Musik (in Kombination mit medikamentösen Standard-Therapien) eine einfache, zugängliche, auch häusliche Massnahme sein könnte, um diese Symptome zu reduzieren und kardiale Folgeereignisse zu verhindern.
Mitrovic dazu: „Aufgrund unserer Ergebnisse glauben wir, dass Musiktherapie allen Patienten nach einem Herzinfarkt helfen kann, nicht nur den Patienten mit einer frühen Postinfarkt-Angina. Sie ist auch sehr einfach und kostengünstig umzusetzen.“

Medikamente mit oder ohne Musik

Predrag Mitrovic - Kardiologe Serbien - Report Musik und Herzinfarkt 2020 - Glarean Magazin
Kardiologe Prof. Dr. Predrag Mitrovic (Serbien): „Musiktherapie kann allen Patienten nach einem Herzinfarkt helfen“

Die Forscher um Predrag Mitrovic rekrutierten dabei 350 Patienten, bei denen in einem medizinischen Zentrum in Belgrad ein Herzinfarkt und eine Frühe Postinfarkt-Angina diagnostiziert wurde. Eine Hälfte der Personen wurde nach dem Zufallsprinzip für eine Standardbehandlung eingeteilt, während die andere Hälfte zusätzlich zur Standardbehandlung an regelmäßigen Musiksitzungen teilnahm. Bei den meisten Patienten umfasste die Standardbehandlung eine Vielzahl von Medikamenten wie Nitrate, Aspirin, gerinnungshemmende Medikamente, Betablocker, Statine, Kalziumkanalblocker, blutdrucksenkende Medikamente und das angina-reduzierende Medikament Ranolazin.
Patienten, die zusätzlich eine Musiktherapie erhielten, wurden zunächst einem Test unterzogen, um festzustellen, auf welche Musikrichtung ihr Körper wahrscheinlich positiv reagieren würde. Die Teilnehmer hörten neun 30-Sekunden-Musiksamples, die sie als beruhigend empfanden, während die Forscher den Körper jedes Teilnehmers hinsichtlich unwillkürlicher Reaktionen auf die Musikproben aufgrund der Erweiterung/Verengung der Pupillen untersuchten. Danach wurde eine Feinabstimmung der persönlichen Auswahl vorgenommen, indem die Patienten über das optimale Musiktempo und die optimale Tonalität bestimmten.

Musiktherapie wirksamer als Standardbehandlung

Daraufhin wurden die betr. Teilnehmer gebeten, sich diese von ihnen selber getroffene Musikauswahl täglich 30 Minuten lang anzuhören, wann immer es für sie am bequemsten war, idealerweise in Ruhe und mit geschlossenen Augen.
Sieben Jahre lang setzten dann die Patienten diese täglichen Hörsitzungen fort und dokumentierten sie in einem Protokoll. Im ersten Jahr kehrten sie alle drei Monate und danach jährlich zur Nachuntersuchung ins medizinische Zentrum zurück.

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Nach sieben Jahren erwies sich die Musiktherapie als wirksamer als die Standardbehandlung allein im Hinblick auf die Verringerung von Angst, Schmerzempfindung und Schmerzbelastung. Die Patienten mit Musiktherapie hatten Durchschnitts-Angstwerte, die um ein Drittel unter denen der Standardbehandlung lagen, und sie berichteten über um etwa ein Viertel geringere Angina-Symptome.
Diese Patienten wiesen auch signifikant niedrigere Raten bestimmter Herzerkrankungen auf, darunter eine 18-prozentige Senkung der Rate der Herzinsuffizienz, eine 23-prozentige Senkung der Rate nachfolgender Herzinfarkte, eine 20-prozentige Senkung der Rate der Notwendigkeit einer Koronararterien-Bypass-Operation sowie eine 16-prozentige Senkung der Rate des Herztodes.

Stressreduktion dank Musik

Musik als Stressredundans im Sympathischen Nervensystem - Kardiologie - Report Musik und Herzinfarkt 2020 - Glarean Magazin
Musik als Stressreduktor im Sympathischen Nervensystem

Was ist grundsätzlich der medizinische Grund dieser positiven Effekte? Mitrovic führt aus, dass die Musik wirken kann, indem sie dazu beiträgt, der Aktivität des Sympathischen Nervensystems entgegenzuwirken, also dem Teil des Nervensystems, der die „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ steuert, wenn eine Person mit einer Stresssituation konfrontiert ist. Da diese die Herzfrequenz und den Blutdruck erhöht, kann eine sympathische Reaktion das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belasten: „Ungelöste Ängste können eine Zunahme der Aktivität des Sympathischen Nervensystems bewirken, was zu einer Zunahme der kardialen Arbeitsbelastung führt“, meint Mitrovic.
Er meint darum, dass regelmässige Sitzungen mit Musikhören diese Kaskade von Ereignissen unterbrechen können, indem sie die mit Angina pectoris verbundenen Ängste nach einem Herzinfarkt reduzieren.
Das Forscherteam plant nun, die Daten weiter zu analysieren, um zu bestimmen, ob die Musiktherapie für bestimmte Untergruppen von Patienten, wie z.B. solche in einem bestimmten Alterssegment oder solche mit anderen Gesundheitszuständen wie z.B. Diabetes Vorteile zeigen könnte. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Bezugsfeld Musik-Medizin-Naturheilkunde auch über Oruç Güvenç: Heilende Musik aus dem Orient

sowie zum Thema Musikpsychologie über Christoph Drösser: Hast du Töne?

Internationaler Kompositions-Wettbewerb Ise-Shima-Art 2021

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Neue Musik-Werke jeglicher Besetzung gesucht

Ise-Shima-Art Committee - Musik-Wettbewerb - Music Composition Contest - Ausschreibungen Glarean MagazinDas japanische Ise-Shima-Art-Komitee, eine Kunst- und Kulturinstitution der gleichnamigen weltberühmten Tourismus-Region, schreibt seinen ersten internationalen Kompositionswettbewerb aus. Unbesehen ihrer Herkunft oder ihres Alters können Komponistinnen und Komponisten Partituren einreichen, die stilistisch und besetzungstechnisch frei gewählt werden können.

Vom Solowerk bis zum grossen Orchesterstück sind alle Genres und Formationen möglich, ebenso bestehen hinsichtlich Aufführungsdauer keine Einschränkungen. Die eingereichten Werke müssen nicht unveröffentlicht oder unaufgeführt sein.

Einsende-Schluss ist am 1. Juni 2021, neben dem Ersten Preisträger werden 35 weitere der besten Werke mit einem Preis ausgezeichnet. Hier finden sich die weiteren Details der Ausschreibung (PDF-Datei). ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN auch die Ausschreibung zum Basler Kompositionswettbewerb 2021 für Kammer- und sinfonische Musik

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Das Musik-Kreuzworträtsel im April 2020

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Der Rätsel-Spass mit Musik-Begriffen

Das neue Musik-Kreuzworträtsel im April 2020 wartet mit einer Vielzahl von Begriffen aus der gesamten Welt der Musik auf: Gesucht werden einfache bis schwierige Wörter aus den Sparten Klassik, Pop, Volksmusik und Jazz. Die beiden Rätsel-Seiten können direkt von der PDF-Datei heruntergeladen und ausgedruckt werden. – Die Redaktion wünscht viel Erfolg und Spass!

Musik-Kreuzworträtsel - Music Crossword Puzzle - April 2020 - Glarean Magazin - Walter Eigenmann - Aufgaben und Hinweise

Hier geht’s zur Lösung des Musik-Kreuzworträtsels (—>weiterlesen)

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Saxofour: Oparettet den Jazz (Musik-CD)

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Jazz-Hommage an die Operette

von Horst-Dieter Radke

Der erste Eindruck beim Hören des jüngsten Albums „Oparettet den Jazz“ des Ensembles Saxofour: Gute Laune kommt auf. Es macht Spaß zuzuhören. Die Arrangements sind intelligent und werden gekonnt gespielt. Die Freiheiten, die sich die Solisten nehmen, passen in das Korsett des fix Notierten wunderbar hinein.

Saxofour - Saxophon Quartett Wien - Oparettet den Jazz - Rezension Glarean MagazinFreiheiten nehmen sich die vier Saxofour-Mitglieder aber nicht nur beim Spielen heraus, sondern auch beim Komponieren. Zitate drängen sich schon beim ersten Hören auf, lassen sich aber oft nicht sofort exakt lokalisieren – oder dann, wenn man schon meint, etwas zuordnen zu können, verwandeln sie sich wieder. Je öfter man jedoch die Musik hört, desto eher geht einem hier und da ein Licht auf, auch wenn man sich in Operetten nicht so gut auskennt. Manches hat man dann doch schon gehört. Obwohl ich Musik eher nicht „nebenbei“ höre, überraschte es mich jedenfalls, dass ich die CD mehrfach auflegte, auch wenn ich gerade mit anderem beschäftigt war. Sie macht eben einfach gute Stimmung, und dann geht manches andere auch flotter von der Hand.

Seit 30 Jahren im österreichischen Musikleben

Die Akteure von "Oparettet den Jazz": Das Saxofour-Quartett Florian Bramböck, Klaus Dickbauer, Christian Maurer, Wolfgang Puschnig
Die Akteure von „Oparettet den Jazz“: Das Saxofour-Quartett Florian Bramböck, Klaus Dickbauer, Christian Maurer, Wolfgang Puschnig

Die Musiker – oder wie sie sich auf ihrer Homepages nennen: Musikanten – des Quartetts sind seit fast dreißig Jahren in diesem Ensemble unterwegs, aber auch in anderen Besetzungen aktiv in der österreichischen Musikszene. Und es wird nur geblasen: Kein Drumset, kein Bass und schon gar kein Klavier müssen mittun. Dabei grooven und swingen die vier, dass es eine Freude ist. Es spielen Florian Bramböck (Tenor- und Baritonsaxofon), Klaus Dickbauer (Alt- und Baritonsaxophon, Klarinette und Bassklarinette), Christian Maurer (Sopran- und Tenorsaxophon, Bassklarinette) und Wolfgang Puschnig (Altsaxophon und Flöte).

Humorvolle Titelwahl

Dass die vier auch Spaßvögel sind, hört man nicht nur ihren Arrangements an, sondern kommt auch in den Bezeichnungen zur Geltung, die sie sich als Name für ihr Quartett, als Titel für ihre CDs und vor allem für die Titel ihrer Musikstücke ausgedacht haben. „Komm mit“, das Eingangsstück fordert direkt auf, den vieren bei ihren musikalischen Eskapaden zu folgen, was man ruhig tun darf; man wird zwar verführt, muss dies aber nicht bereuen.

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„Borstenvieh“ wiederum klingt kratziger, als es dann daherkommt. Das Bariton-Saxophon führt das Vieh gut durch das Stück und lässt sich auch nicht aus der Bahn bringen durch die (es umtanzenden) anderen Saxophone.
„Lippen schweigen“ vielleicht, das Holz der vier Bläser jedoch nicht, weshalb die Lippen auch da in Bewegung sind. „Schenkt man“ der Musik des Quartetts ausreichend Beachtung, wird man schnell erkennen, was in diesem Stück wo verschenkt wird. Zeller sei dank, obwohl der eigentlich als Mitkomponist hätte erwähnt werden müssen, so deutlich ist das Zitat. Andererseits aber auch das Ergebnis so originell, dass man dies nicht zwingend einfordern muss.
Mit dem Titel „Arie vom toten Hund“ ist man dann fast schon bei Frank Zappa angelangt.

Gekonnte Arrangements, gekonntes Zusammenspiel, gekonnte Improvisationen, Spaß der auch beim Zuhörer ankommt – das ist „Oparettet den Jazz“. Ich wüsste nicht, wem von dieser CD abgeraten werden sollte – allenfalls denjenigen, die sich die Griesgrämigkeit absolut nicht vertreiben lassen wollen. Alle anderen dürften ihre Freude an diesem Saxofour-Album haben. ♦

Saxofour: Oparettet den Jazz, Div. Komponisten, Audio-CD, 1h-2min, Naxos Deutschland

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Saxophon-Musik auch über das Pindakaas-Quartett: Ballads of Good Life

Basler Kompositionswettbewerb 2021

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Neue Werke für Kammer- oder Sinfonieorchester

Basel Composition Competition - Basler Kompositionswettbewerb 2021 - Musik-Ausschreibungen Glarean Magazin
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Für das Frühjahr 2021 wird zum dritten Mal in Zusammenarbeit mit der Paul Sacher Stiftung der Basler Kompositionswettbewerb (Basel Composition Competition BCC) ausgeschrieben. Eingereicht werden können unveröffentlichte und unaufgeführte Werke für Kammer- oder Sinfonieorchester.

Die von einer Jury unter der Leitung von Michael Jarrell prämierten Stücke werden in öffentlichen Konzerten vom Kammerorchester Basel, dem Sinfonieorchester Basel sowie der Basel Sinfonietta uraufgeführt. Die Dauer eines Werkes soll zwischen 10 bis 20 Minuten betragen, bezüglich Alter und Nationalität der Komponistinnen und Komponisten bestehen keine Einschränkungen.

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Der Wettbewerb ist mit einem Preisgeld von insgesamt 100’000 Franken dotiert. Die Anmeldefrist läuft am 31. Juli 2020 ab, hier finden sich die weiteren Einzelheiten der Ausschreibung (PDF).

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN auch die Ausschreibungen zum Alvarez-Kompositionswettbewerb & Martirano-Kompositionswettbewerb

… sowie zum Thema Neue Musik über die neue CD von Saxofour: Oparettet den Jazz

Kai Koch (Hrsg): Handbuch Seniorenchorleitung

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Richtig schön singen bis ins
hohe Alter

von Walter Eigenmann

Die Statistiken der deutschsprachigen Chorverbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz dokumentieren deutlich: Immer mehr ältere Menschen singen bis ins hohe Alter, sei es in kleineren oder grösseren Formationen. Für die Dirigenten solcher 60plus-Chöre ergeben sich neben musikalischen, didaktischen und organisatorischen auch ganz spezifische psychologische Herausforderungen. Ein neues „Handbuch Seniorenchorleitung“ widmet sich umfassend den vielen Aspekten einer fundierten modernen Seniorenchor-Betreuung.

Kai Koch - Handbuch Seniorenchorleitung - Grundlagen - Erfahrungen - Praxis - Musik-Rezensionen Glarean MagazinHerausgeber Prof. Dr. Kai Koch, selber langjähriger Seniorenchor-Leiter, hatte 2017 im Rahmen seiner Dissertation erstmals empirische Erkenntnisse zu didaktischen Fragestellungen der Seniorenchorleitung publiziert, nun bündelt er mit seinem „Handbuch“ ein 200-seitiges Kompendium mit Beiträgen von mehr als 20 fachlich ausgewiesenen Autorinnen und und Autoren. Dabei gliedert er den Band in die vier übergreifenden Themenfelder „Stimme und Stimmbildung“, „Seniorenchorkonzeption“, „Probenarbeit-Seniorenchorleitung“ und „Perspektiven und Tendenzen“.

Altersbedingte Veränderungen der Singstimme

Bekanntlich sind stimmliche Veränderungen im Alter bei allen Menschen zu beobachten, treffen aber Chorsingende natürlich ganz besonders. Ab ca. dem 60. Lebensjahr verlieren manche Sängerinnen und Sänger an Höhe, die Stimmdynamik ist oft eingeschränkt, die Hörfähigkeit nimmt ab, die Intonationstrübungen nehmen hingegen zu, eine gewisse vokale Brüchigkeit tritt oft auf, teils verbunden mit unkontrolliertem Vibrato.

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Diesen medizinischen bzw. stimmphysiologischen Aspekten begegnen Herausgeber Koch und die bekannte Stimmtherapeutin Christiane Hrasky mit verschiedenen Stimmbildungskonzepten. Vorgestellt werden eine ganze Reihe von themenspezifischen Übungen, vom bewussten Training aller involvierten Körperregionen über atemtherapeutische Ansätze bis hin zu gruppendynamischen Trainingseinheiten.
Manche der hier behandelten Themenfelder überschneiden sich mit grundsätzlichen stimmbildnerischen Bereichen der Chorleitung, andere sind gezielt auf das Segment 60plus zugeschnitten. Zahlreiche Notenbeispiele illustrieren die stimmliche Stützarbeit in den einzelnen Stimmdisziplinen.

Von der Gründung bis zum Konzertprojekt

Handbuch Seniorenchorleitung - Kai Koch - Leseprobe 1 - Glarean Magazin
Leseprobe 1 aus „Handbuch Seniorenchorleitung“ (Kai Koch, Bosse Verlag) – Mausklick auf das Bild zum Vergrössern

Dorothea Haverkamp beginnt ihr interessantes Referat „Singen im aktiven Ruhestand“ mit berechtigten Fragen wie: „Singen mit älteren Menschen – Top oder Flop? Braucht es einen solchen Chor? Wenn ja, für wen genau? Ist das nicht Konkurrenz zu bereits bestehenden Chören? Impliziert die Bezeichnung ‚Seniorenchor‘ eine (negative) Ausgrenzung der Teilnehmenden?“

Diesen Fragestellungen sowie weiteren Problembereichen der Organisation und Führung widmet sich der zweite Abschnitt des Buches. Finanzierung, Werbung, Zielgruppe, Probeneinstieg, Stimmverteilung, Auftrittsmöglichkeiten, Konzertvorbereitung sind hier etwa die wichtigsten Stichworte. Dirigentenspezifisch werden Themata wie Qualifikationslehrgänge, Zeitumfang, Fortbildung u.a. angesprochen.

Kai Koch - Musikgeragogiker - Glarean Magazin
Musikgeragogiker Kai Koch: „Singen in einem Senioren-Chor ist kein Abstieg, sondern eine attraktive Alternative“

Anhand verschiedener „Modellchöre“ werden sodann konkrete, bereits bestehende Projekte wie z.B. „Sing mit, bleib fit“ in Nordrhein-Westfalen, der Berliner Senioren-Rock-/Popchor „High Fossility“ oder der Tübinger Senioren-Pop-chor „Off Track“ vorgestellt. Autor Michael Betzner-Brandt stellt im Hinblick auf „Popmusik im Seniorenchor“ dabei klar: „Die Rolle des Chorleiters im Rock- und Popchor 60plus ist eher mit der eines Trainers beim Fussball zu vergleichen als mit einem klassischen Dirigenten.“ So führt der Autor aus, dass sogar eine gemeinhin eher bei Jugendchören anzutreffende Warm-up-Technik wie z.B. die Body-Percussion durchaus auch bei Seniorenchören nützlich und erfrischend angewandt werden kann.

Das Themenfeld dieses umfangreichen Buchabschnittes weiten schliesslich verschiedene Autoren noch aus mit dem Einbezug von Aspekten wie dem „Chorsingen auf dem Land“, den „Altersgrenzen in Chören“ oder mit einem Exkurs über das „Singen im Alter“ im modernen Kino-Film. Nicht ausgeklammert werden auch das Singen von Älteren mit Kindern/Jugendlichen oder die spezielle Problematik, die ein 60plus-Chor mit demenziell erkrankten Mitgliedern (Alzheimer, Formen der Neurodegeneration) darstellt.

Handbuch Seniorenchorleitung - Kai Koch - Leseprobe 2 - Glarean Magazin
Leseprobe 2 aus „Handbuch Seniorenchorleitung“ (Kai Koch, Bosse Verlag)

Probleme der Senioren-Probenarbeit

Womit wir bei den didaktisch-konkreten Problemen der wöchentlichen Probenarbeit mit dem Seniorenchor und damit beim für manche Dirigenten relevantesten Kapitel dieses „Handbuches“ wären. Herausgeber Koch und seine Co-Autoren stellen dabei spezifische Herausforderungen an die Chorleitung in den Fokus: Repertoire-Auswahl, Methodik, Hörtraining, Stimmhygiene, Konzertaufbau, Unterstützungsmedien (Übe-CD, Trainings-Video u.a.) lauten die Stichworte. Sogar das eher verdrängte, aber im 60plus-Verein natürlich ständig präsente Thema „Tod & Beerdigung im Seniorenchor“ streift der Band mit Hinweisen für sensibel agierende Dirigenten.

Der 60plus-Chor in der Öffentlichkeit

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Ein vierter und letzter Buchabschnitt widmet sich u.a. dem Problemkreis „Seniorenchöre in der Öffentlichkeit“ und gibt Antworten auf Fragen im Zusammenhang mit der PR-Arbeit, der Programmgestaltung, der medialen Präsentation oder auch der Zusammenarbeit mit anderen 60plus-Chören. Ausserdem gehen die Autoren Kai Koch, Theo Hartogh und Nina Ruckhaber den Anforderungen einer adäquaten geragogischen Ausbildung von Chorleiter/innen nach, während Franz Josef Ratte einen Überblick gibt auf die aktuelle Senioren-Chorliteratur.

Besonders konkret wird Herausgeber Koch schliesslich, wenn er unterm Titel „Forderungen und Perspektiven“ einen 11-Punkte-Plan vorstellt, der u.a. ein breiteres intergeneratives Singangebot in Deutschland und seinen Nachbarländern fordert. Ebenso wichtig sei zudem eine verstärkte Etablierung des Seniorchorleitens in der Ausbildung von haupt- oder nebenberuflichen Chordirigenten. Und schliesslich müssten entspr. administrative Stellen in den Verbänden und staatlichen Organisationen geschaffen werden, die der extrem hohen soziokulturellen und präventiven Bedeutung des Chorsingens im Alter gerecht werden.
Abgerundet wird das Handbuch durch ein umfangreiches Verzeichnis von bereits erschienenen Einzelpublikationen zum Thema sowie durch einige Hinweise auf geeignete Lieder- und Arrangements-Sammlungen.

Alle Aspekte des Themas aufgegriffen

Der Münchner Musikpädagoge und -geragogik-Forscher Kai Koch und seine über 20 Mitreferenten legen mit ihrem „Handbuch Seniorenchorleitung“ zweifellos nicht nur das längst fällige, kompakte musikgeragogische Buch-Debüt in Sachen „Dirigieren von 60plus-Chören“ vor, sondern auch ein sehr willkommenes Kompendium für alle, die verantwortlich mit älteren Singenden in Verein und Verband umgehen wollen. Die zahlreichen fundierten Einzelberichte über konkrete Erfahrungen aus dem Chor-Alltag von älteren Menschen ergänzen realitätsnah die theoretisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse und chordidaktischen Trainingsanleitungen. Dem Buch ist Verbreitung zu wünschen in sämtlichen Kreisen des organisierten Seniorengesangs. ♦

Kai Koch (Hrsg): Handbuch Seniorenchorleitung – Grundlagen, Erfahrungen, Praxis, 192 Seiten, Bosse Verlag, ISBN 9783764928674

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musik und Alter auch über Theo Hartogh: Musizieren im Alter (Arbeitsfelder und Methoden)

… sowie zum Thema Musik und Hirnforschung über Lutz Jäncke: Macht Musik schlau? (Neue Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften und der kognitiven Psychologie)

Simone Frieling: Ludwig van Beethoven (Scherenschnitt)

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Zum 250. Geburtsjahr eines zeitlosen Komponisten

Simone Frieling - Ludwig van Beethoven - Scherenschnitt - Grafik - Glarean Magazin
„Musik ist so recht eine Vermittlung des geistigen Wesens zum sinnlichen.“ Ludwig van Beethoven (17. Dezember 1770 – 26. März 1827)

Farbiger Scherenschnitt: Ludwig van Beethoven aus Anlass seines
250. Geburtsjahres

Copyright 2/2020 by Simone Frieling

Weitere Scherenschnitte von Simone Frieling im GLAREAN MAGAZIN

Lesen Sie zum Thema Beethoven ausserdem über den Musik-Kalender 2020 der Edition Momente: Beethoven und ich

Musik-Psychologie: Das Mikrotiming im Rhythmus

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Was bringt den Jazz wirklich zum Swingen?

von Walter Eigenmann

Dem Phänomen des Swing widmeten Duke Ellington und Irving Mills bereits 1931 einen speziellen Song, dessen erste Liedzeile bezeichnenderweise lautete: „It Don’t Mean a Thing, If It Ain’t Got That Swing“. Doch bis heute ist die Frage, was genau eine Jazz-Performance zum Swingen bringt, nicht wirklich geklärt. Ein Team des Göttinger Max-Planck-Institutes hat nun mit einer empirischen Studie die Rolle des sog. Mikrotiming im „Swing-Feeling“ bei 160 Profi- und Amateurmusikern untersucht.

Das Thema Mikrotiming in Jazz-/Pop-/Rock-Rhythmen wurde bislang unter Musikwissenschaftlern kontrovers diskutiert. Als Mikrotiming-Abweichungen werden die winzigen Abweichungen von einem bestimmten Rhythmus bezeichnet. Zum Verständnis: Jazz-, Rock- und Popmusik können den Zuhörer buchstäblich mitreißen, indem sie ihn dazu bringen, unwillkürlich mit den Füßen zu klopfen oder den Kopf im Takt des Rhythmus zu bewegen. Zusätzlich zu diesem Phänomen, das als „Groove“ bekannt ist, verwenden Jazzmusiker den Begriff Swing seit den 1930er Jahren nicht nur als Musik-Stil, sondern auch als rhythmisches Phänomen.

Was ist Swing?

Musik-Swing-Rhythmus - Ternäre und Binäre Achtelnoten - Glarean Magazin
Der erste Swing-Ton wird etwas länger gehalten (Ternärer Rhythmus)

Bis heute fällt es den Musikern jedoch schwer zu verbalisieren, was Swing eigentlich ist. Bill Treadwell beispielsweise schrieb in der Einleitung zu seinem „What is Swing?“: „Man kann es fühlen, aber man kann es nicht erklären“. Musiker und viele Musikfans haben also durchaus ein intuitives Gespür dafür, was Swing bedeutet. Doch bisher haben Musikwissenschaftler vor allem nur eines seiner (ziemlich offensichtlichen) Merkmale eindeutig charakterisiert: Aufeinanderfolgende Achtelnoten werden nicht einfach gleich lange gespielt, sondern die erste Note (der sog. „Swing-Ton“) ist etwas länger gehalten als die zweite. Das „Swing-Verhältnis“, d.h. das Verhältnis der Dauer dieser beiden Töne liegt häufig nahe bei 2:1, und es hat sich herausgestellt, dass es bei höheren Tempi eher kürzer und bei niedrigeren Tempi eher länger wird.

Mal genau nach Takt, mal ganz „entspannt“

Musikwissenschaft - Theo Geisel - Referat Rhythmus und Algorithmus - Glarean Magazin
Dr. Theo Geisel bei einem musikwissenschaftlichen Referat über Rhythmus und Algorithmus in Göttingen

Musiker und Musikwissenschaftler diskutierten schon immer auch die rhythmische Schwankung als eines der besonderen Merkmale des Swing. So spielen Solisten beispielsweise gelegentlich für kurze Zeiträume deutlich nach dem Takt, oder sie spielen „entspannt“, um den Fachjargon zu verwenden. Aber ist dies für das Swing-Gefühl notwendig, und welche Rolle spielen viel kleinere Zeitschwankungen, die sich der bewussten Aufmerksamkeit selbst erfahrener Zuhörer entziehen?
Einige Musikwissenschaftler sind seit langem der Meinung, dass es nur solchen Mikrotiming-Abweichungen (zum Beispiel zwischen verschiedenen Instrumenten) zu verdanken ist, dass der Jazz „swingt“. Forscher des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation und der Universität Göttingen rund um Theo Geisel kamen kürzlich aufgrund ihrer empirischen Studie zu einem anderen Ergebnis. Sie vermuten, dass Jazzmusiker den Swing etwas mehr spüren, wenn das Swing-Verhältnis während einer Aufführung möglichst wenig schwankt.

Dem Swing-Geheimnis auf der Spur

Die Unzufriedenheit mit der Tatsache, dass das Wesen des Swing ein Geheimnis bleibt, war die Motivation der Forscher unter der Leitung von Theo Geisel, emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation, die Studie durchzuführen: „Wenn Jazzmusiker es spüren, aber nicht genau erklären können“, sagt Geisel, der selber Jazz-Saxophonist ist, „dann sollten wir die Rolle der Mikro-Timing-Abweichungen operativ charakterisieren können, indem wir erfahrene Jazzmusiker Aufnahmen mit den originalen und systematisch manipulierten Timings auswerten lassen“.

Auswertung verschiedener Timing-Manipulationen

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Dementsprechend nahm das Team zwölf Stücke auf, die über vorgenerierte präzise Bass- und Trommelrhythmen von einem professionellen Jazz-Pianisten gespielt wurden, wobei das Timing auf drei verschiedene Arten manupuliert wurde. Zum Beispiel eliminierten sie alle Mikro-Timing-Abweichungen des Pianisten während des gesamten Stücks, d.h. sie „quantisierten“ seine Darbietung. Weiters wurde die Dauer der Mikrotiming-Abweichungen verdoppelt, und bei der dritten Manipulation kehrten sie diese um.
Wenn der Pianist also einen Swing-Ton 3 Millisekunden vor dem durchschnittlichen Swing-Ton für dieses Stück in der Originalversion spielte, verschoben die Forscher den Ton um den gleichen Betrag, d.h. 3 Millisekunden hinter dem durchschnittlichen Swing-Ton, in der umgekehrten Version.
Anschliessend bewerteten 160 Berufs- und Laienmusiker in einer Online-Umfrage, inwieweit die manipulierten Stücke natürlich oder fehlerhaft klangen, und insbesondere hatten sie den Grad des Swing in den verschiedenen Versionen einzustufen.

Swing-Coolness bei den Profis

„Wir waren überrascht“, sagt Theo Geisel über das Ergebnis dieser Untersuchung, „denn im Durchschnitt bewerteten die Teilnehmer an der Online-Umfrage die quantisierten Versionen, d.h. diejenigen ohne Mikrotiming-Abweichungen, als etwas schwungvoller als die Originale. Mikrotiming-Abweichungen sind also kein notwendiger Bestandteil des Swingings“, so Theo Geisel.

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Der „King of Swing“: Benny Goodman (1909-1986)

Stücke mit verdoppelten Mikrotiming-Abweichungen wurden von den Befragungsteilnehmern als am wenigsten schwungvoll bewertet. „Entgegen unserer ursprünglichen Erwartung hatte die Umkehrung der zeitlichen Mikrotiming-Abweichungen nur bei zwei Stücken einen negativen Einfluss auf die Bewertungen“, sagt York Hagmayer, Psychologe an der Universität Göttingen. Die Wirkungsstärke des Swingens, die jeder Teilnehmer den Stücken zuschrieb, hing auch von dem individuellen musikalischen Hintergrund der Teilnehmer ab. Unabhängig von Stück und Version gaben professionelle Jazzmusiker im Allgemeinen etwas niedrigere Swing-Bewertungen ab als die Amateure.

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Am Ende der Studie fragten die Forscher die Teilnehmer nach ihrer Meinung darüber, was ein Musikstück ausserdem zum Swingen bringt. Die Befragten nannten weitere Faktoren wie dynamische Interaktionen zwischen den Musikern, Akzentuierung und das Zusammenspiel von Rhythmus und Melodie. „Es wurde deutlich, dass zwar der Rhythmus eine große Rolle spielt, aber auch andere Faktoren, die in der weiteren Forschung untersucht werden sollten, wichtig sind“, sagt Annika Ziereis, die zusammen mit George Datseris Autorin der betreffenden Publikation der Studie ist. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Jazz-Musik auch über
Jean Kleeb: Classic goes Jazz