Robert Seethaler: Der letzte Satz (Gustav-Mahler-Roman)

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Operation gelungen, Patient gestorben

von Christian Busch

Mit ein wenig Verwunderung dürfte die literarische Welt aufnehmen, dass der jüngst so erfolgreiche österreichische Schriftsteller Robert Seethaler sich in seinem neuesten Werk, dem Roman „Der letzte Satz“ mit den letzten Tagen Gustav Mahlers befasst. Gewiss, bereits in bisherigen Werken bewegte Seethaler sich in der Zeit der Jahrhundertwende („Der Trafikant„) oder berührte die Motive Tod („Das Feld“) und Lebensbilanz („Ein ganzes Leben“). Oder liegt es daran, dass über Gustav Mahler bereits Entscheidendes vorliegt? Mahlers 160. Geburtstag am 7. Juli dürfte wohl ebenfalls nicht der Anlass gewesen sein. Viel eher scheint das Interesse an einer überragenden, doch zwiespältigen Künstlerexistenz sein Motiv geworden sein.

Robert Seethaler - Der letzte Satz - Roman über Gustav Mahler - Hanser VerlagWie steht der Künstler, der sich in seiner eigenen Welt seiner Kunst verschrieben hat, zum Leben, zur Natur und zu den Menschen, die er liebt und doch gleichsam vernachlässigen und entbehren muss – und das im Angesicht des nahenden Todes? Seethalers Roman beginnt an Deck des von New York nach Europa kehrenden Schiffes „Amerika“, auf dem Gustav Mahler, von Krankheit und Todesahnung gezeichnet, seine letzte Reise antritt. Dort erleben wir ihn im Gespräch mit dem respektvollen, aber mitleidlosen Schiffsjungen, meist aber – mit Blick auf das endlos offene Meer – allein in seinen Gedanken und Erinnerungen, die um seine letzten Erfolge in München kreisen, seine bahnbrechende Umgestaltung des Wiener Opern- und Musiklebens, den Sommer in den Bergen, den Tod seiner Tochter Marie und natürlich um seine geliebte Frau Alma, die er schon verloren hat.

Fehlende Tiefenschärfe

Gustav und Alma Mahler - Amerika-Reise 1911 - Schiff S.S. Amerika - Glarean Magazin
Gustav und Alma Mahler (rechts) auf ihrer Schiffsreise im April 1911 nach Amerika

Das scheint insgesamt durchaus stimmig und fügt sich zu einem geschlossenen Bild, wird aber weder den Mahler-Liebhaber noch den an der Künstlerexistenz an sich interessierten Leser zufrieden stellen. Denn es fehlt dem 125 Seiten langen Skript an Umfang und Tiefenschärfe, so dass man allenfalls von einer Novelle sprechen kann, die scheinbar vieldeutig – mit Blick auf Mahlers Neunte Sinfonie – auf den „letzten Satz“ hinsteuert, am Ende aber recht eindimensional in sich zusammenfällt. Seethalers Sprache ist dabei fraglos kunstvoll und bedächtig, aber doch auch impressionistisch geglättet mit Oberflächenspiegelung, dramatische Ausbrüche ausschließend, letztlich teilnahmslos.
Dass dabei Mahler aus der personalen Erzählperspektive dargestellt wird, ist zunächst als Ausdruck des Respektes angemessen. Doch dieser Respekt erweist sich im Verlauf der Erzählung als hohl und aufgesetzt. Auch der Schiffsjunge ist eben nur ein gewöhnlicher Schiffsjunge, der nie auch nur einen Ton Mahlerscher Musik vernommen hat und vernehmen wird. Er wird lediglich artig bedauern, dass die Musik des großen Mannes, die er sich als etwas „Großes, Unberechenbares“ vorstellt, verloren ist. Warum behält er das letzte Wort? Der Ignoranz das Wort?

Musiker-Roman ohne Musik

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Damit erweist Seethaler der Kunst und dem Künstler einen Bärendienst. Womit wir beim größten, unverzeihlichen Versäumnis des Skripts sind: Mahlers Werk. Es bleibt völlig ausgespart, von ein paar Vögeln, die Mahler inspiriert haben, sowie einem Faust-Zitat abgesehen. Wie kann man einen Künstler quasi ohne sein Werk darstellen? Wie kann man Mahlers letzte Reise fassen, ohne etwa seine letzte Symphonie in Betracht zu ziehen? Denn so bleibt Seethalers Novelle eben nur die letzte Reise eines kranken Mannes, der gerne noch ein wenig länger gelebt hätte. Das ist banal.
An dieser Stelle bleibt nur der Hinweis auf Guy Wagners deutlich umfangreicheren, vielschichtigeren und akribisch recherchierten Roman mit Dokumenten-Collage Die Heimkehr – Vom Sterben und Leben des Gustav Mahler.

Fazit: Operation gelungen, Patient tot. Robert Seethaler hat sich in seinem neuen Werk sichtbar verhoben, indem er – allen erzählerischen Fähigkeiten zum Trotz – den großen Komponisten, Dirigenten und Opernregisseur Gustav Mahler fernab seiner Musik und gestalterischen Absichten dargestellt hat. Er öffnet daher nicht den Zugang zu ihm, sondern verschließt ihn. Schade. ♦

Robert Seethaler: Der letzte Satz – Roman, Hanser Verlag, 124 Seiten, ISBN 978 3 446 26788 6

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Gustav Mahler auch über die Erste Sinfonie („Der Titan“)

Musik: Zum Tode des Gitarristen Julian Bream (1933-2020)

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Ausnahmemusiker mit grosser Kulturvielfalt

von Horst-Dieter Radke

Am 14. August dieses Jahres starb 87-jährig der englische Gitarrist und Lautenist Julian Bream. Auch wenn manch einer ob des unvermeidlichen Todes und des doch langen Lebens mit den Schultern zuckt: Ich finde es immer wieder bedauerlich, wenn jemand stirbt, den ich zeitlebens sehr geschätzt habe, mag er oder sie noch so alt geworden sein. Dies trifft auf Julian Bream ganz besonders zu.

Erste Erfahrungen mit der Gitarre machte Bream mit der Jazzgitarre seines Vaters. Im Alter von 11 Jahren bekam er eine spanische Gitarre geschenkt, auf der er Unterricht von Boris Perott erhielt. Mit 12 Jahren gewann er einen Preis für sein Klavierspiel, der es ihm ermöglichte, am Royal College of Music zu studieren. Gitarre lernte er autodidaktisch weiter und gab im Alter von 13 Jahren sein erstes Konzertdebüt. Mit 18 Jahren trat er mit der Gitarre in der Londoner Wigmare Hall auf. Während seiner Militärzeit kamen ihm die frühen Erfahrungen auf Vaters Jazzgitarre zu Gute, denn er spielte in dieser Zeit Gitarre in der Royal Artillery Band.

Mit Klassik durch Europa

Nachruf auf den Gitarristen Julian Bream - Glarean Magazin 2020
Julian Bream (15. 7. 1933 – 14. 8. 2020)

Nach seiner Militärzeit nahm er jeden musikalischen Job an, den er bekommen konnte. Er spielte Filmmusik für die BBC und tourte mit klassischem Gitarrenrepertoire durch Europa (ab 1954) und den Rest der Welt (ab 1958). Nebenbei entdeckte er die Laute, passte das Instrumente an seine Bedürfnisse an – er spielte ein relatives großes Instrument, und nicht nur mit einer einzelnen hohen Saite sondern deren zwei –, brachte mit dem Tenor Peter Pears die Lieder von John Dowland wieder in die Konzertsäle und gründete das Julian Bream Consort, das zu den ersten Ensembles gehörte, das alte Musik auf Originalinstrumenten spielte. Er spezialisierte sich jedoch nicht nur auf alte Musik, traf Musiker anderer Kulturen (etwa Ali Akbar Khan und Paco Pena), und spielte auch Kompositionen zeitgenössischer Komponisten, von denen eine ganze Reihe speziell für Bream komponierten. Benjamin Brittens „Nocturnal“, oder Hans Werner Henze die Sonaten „Royal Winter Music“. Die spanische Gitarrenmusik legte er in Einspielungen von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert vor. Seine Einspielungen auf CD sind auch heute noch verfügbar, einzeln und in Sammlungen.

In erster Linie Musiker

Julian Bream war der erste Gitarrist, der mich für die klassische Gitarre einnahm. Segovia ließ mich kalt, und andere waren mir noch nicht untergekommen. Bream war Gitarrist, natürlich, aber in erster Linie Musiker. Er brillierte nicht vordergründig mit stupender Technik, sondern interpretierte die Musik, die Komponisten niedergeschrieben hatten. Seine Technik ist selbstverständlich enorm, man kann keine Begrenzungen hören, aber sie tritt hinter der Musik zurück.

Julian Bream - Gitarrenmusik aus drei Jahrhunderten - Glarean Magazin
Legendäres Bream-Album auf Vinyl: „Gitarrenmusik aus drei Jahrhunderten“

Meine Begegnung mit diesem Ausnahmegitarristen geschah folgendermaßen: Als Schüler war ich immer knapp bei Kasse, doch einmal hatte ich Dank eines kurzen Jobs etwas mehr Geld als üblich in der Tasche und ging in einen Plattenladen. Heraus kam ich mit einer Kassette, die zwei LPs von Julian Bream enthielt. Titel: „Gitarrenmusik aus drei Jahrhunderten“. Ursprünglich wollte ich etwas von Jimi Hendrix oder ähnliches kaufen. Da man sich damals aber die Platten noch im Laden anhörte und die Kassette von Bream vor der Ecke ‚Rock/Pop‘ stand, kam ich gar nicht erst bis dahin. Ich hörte nur bis zum dritten Stück („Tombeau sur la mort de M. Comte de Logy“ von S.L. Weiß, nach zwei Stücken von Bach), danach gab es kein Überlegen, kein ‚Für und Wider‘ mehr. Mein finanzieller Etat war wieder auf dem üblichen Niveau, und ich zog mit den neuen Platten heimwärts.

Die Laute der Gitarre angepasst

Tatsächlich enthielten die beiden Platten der Kassette wenig originäres Gitarrenrepertoire. Da war unweigerlich das d-moll Präludium von Bach, da war Villa-Lobos mit seinem Choros Nr. 1. Und da waren die Spanier Torróba, Albéniz, de Falla und Turina, von denen nur der erste tatsächlich für die Gitarre geschrieben hatte, die Musik der anderen Spanier von den Gitarristen aber schon so vereinnahmt war wie die Lautenmusik von Bach. Zusätzlich fand sich auf den Platten aber auch Musik von Domenico Scarlatti, Maurice Ravel, Luigi Boccherini, Joaquin Rodrigo und Benjamin Britten. Letzterer mit dem Nocturnal, das er nach Motiven Dowlands extra für Julian Bream geschrieben hatte.

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Aber, ob nun für Gitarre komponiert oder nur für Gitarre arrangiert – die Musik klang authentisch, und Willkürlichkeiten wie bei Segovia, bei aller interpretatorischen Freiheiten die sich Bream nahm, konnte man nicht finden. Bald darauf bekam ich mit „The Woods so Wild“ eine LP geschenkt, auf der Bream Laute spielte. Auch das hat mich damals berührt und für die Laute interessiert, die ich nur am Rande und eher oberflächlich beachtet hatte bis dahin. Heute weiß ich, dass Bream kein originärer Lautenist war, dass er das Instrument seiner Gitarrentechnik angepasst hat. Ich höre trotzdem noch ab und an seine Lauten-Alben, weil auch da das Phänomen, dass er als Musiker unabhängig vom Instrument das Werk darbietet, trotz allem überzeugt. In letzter Konsequenz ziehe ich das aller vermeintlichen Werktreue vor.

Gitarrenmusik als Trost und Freude

Nun ist er also abgetreten. Sein letztes Konzert liegt schon 18 Jahre zurück. Die beiden Schallplatten höre ich nicht mehr so oft wie seine CDs, aber sie sind mit mir durch all die Jahrzehnte meines Lebens gegangen und waren mir oft und oft Genuss, Entspannung, Trost und Freude, das wird auch sicher so bleiben. Und jedes Mal wenn ich sie höre, höre ich Musik und nur nebenbei Gitarre. Ich bedauere seinen Tod sehr, auch wenn ich weiß, dass er letztendlich für jeden unvermeidlich ist. ♦

Lesen Sie zum Thema Klassische Gitarrenmusik auch über Jakob Banso: Connect – Electronic Works For Guitar

Das neue grosse Musik-Kreuzworträtsel im Juli 2020

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Puzzle-Spass aus allen Bereichen der Musik

von Walter Eigenmann

Das neue grosse Musik-Kreuzworträtsel im Juli 2020 sucht wieder nach Begriffen aus allen Bereichen der Musik. Dabei hält unser Crossword Puzzle viele einfache, aber auch zahlreiche schwierige Aufgaben aus Pop und Rock, Folk und Jazz, Klassik und Schlager parat.
Downloaden Sie das Kreuzworträtsel mit der Funktion „PDF herunterladen“ und drucken Sie die Datei aus – aber ohne sofort auf der separaten Seite mit den Lösungen zu kiebitzen… 😉

Das GLAREAN wünscht heftiges Rätsel-Vergnügen!

Musikrätsel Glarean Magazin - Crossword Puzzle Music - Juni 2020 - Aufgaben und Lösungen

Knobeln Sie im GLAREAN MAGAZIN auch das Musik-Kreuzworträtsel im April 2020

Neuronale Forschung mit japanischen und westlichen Musikern

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Östliche und westliche Musiker-Gehirne im Vergleich

von Walter Eigenmann

Arbeiten die Gehirne von japanischen Klassik-Musikern anders als jene von westlichen oder von Nichtmusikern? Eine neue Studie untersuchte die spezifischen Arten neuronalen Verhaltens bei den Teilnehmern, wenn sie ungewohnten Rhythmen und nicht-rhythmischen Melodie-Mustern ausgesetzt waren. Ausgebildete Musiker zeigten im Vergleich zu Nichtmusikern eine größere Fähigkeit zur Rhythmus-Vorhersage – mit subtileren Unterschieden zwischen denen, die in japanischer oder westlicher klassischer Musik ausgebildet waren. Diese Forschung könnte Auswirkungen haben auf weitere Studien über den kulturellen Einfluss auf das Lernen und die Gehirnentwicklung überhaupt.

„Musik ist allgegenwärtig und unverzichtbar in unserem täglichen Leben. Musik kann uns belohnen, uns trösten und uns emotional befriedigen“, sagt Projekt-Assistenzprofessor Tatsuya Daikoku vom Internationalen Forschungszentrum für Neurointelligenz der Universität Tokio. „Es ist also keine Überraschung, dass die Wirkung von Musik auf das Gehirn gut erforscht ist. Viele Studien konzentrieren sich jedoch auf westliche klassische Musik, Pop, Jazz usw., während unsere Studie die erste ist, die neuronale Mechanismen bei Praktikern der japanischen klassischen Musik, bekannt als Gagaku-Musikstil, untersucht“.

Japanische Musik ohne regelmässiges Taktmuster

Musik ohne regelmässiges Taktmuster: Das japanische Rhythmus-Instrument Binzasara
Musik ohne regelmässiges Taktmuster: Das japanische Rhythmus-Instrument Binzasara

Viele japanische Aufführungskünste, wie z.B. im Noh- oder Kabuki-Theater, beinhalten Musik, die nicht unbedingt einem regelmäßigen Taktmuster folgt, wie dies bei der westlichen klassischen Musik typischerweise der Fall ist. Das heißt, die japanische klassische Musik dehnt sich manchmal aus oder zieht Beats ohne mathematische Regelmäßigkeit zusammen. Dieses Zeitintervall wird oft als MA bezeichnet – ein wichtiger Begriff in der gesamten japanischen Kultur ist.

Daikoku und sein Forschungspartner, Assistenzprofessor Masato Yumoto von der Graduierten-Schule für Medizin, untersuchten, wie verschiedene Gruppen von ausgebildeten Musikern und Nichtmusikern auf unterschiedliche Rhythmusmuster reagierten. Die Idee war, herauszufinden, wie die musikalische Ausbildung das statistische Lernen, die Art und Weise, wie unser Gehirn sequenzielle Informationen – in diesem Fall Rhythmen – interpretiert und antizipiert, beeinflussen könnte.

Rhythmus-Lernen in der linken Gehirn-Hemisphäre

Hirnströme von Musikern untersucht: Magnetoenzephalographie
Hirnströme von Musikern untersucht: Magnetoenzephalographie

Die Forscher zeichneten die Hirnaktivität der Teilnehmer direkt auf, indem sie eine Technik namens Magnet-Enzephalographie verwendeten, bei der magnetische Signale im Gehirn untersucht werden. Anhand der Daten konnten Daikoku und Yumoto feststellen, dass das statistische Lernen der Rhythmen in der linken Hemisphäre des Gehirns der Teilnehmer stattfand. Und, was wichtig ist: Es gab ein höheres Aktivitätsniveau bei denjenigen mit musikalischer Ausbildung, sei es in der japanischen oder der westlichen klassischen Musik.

„Wir erwarteten, dass Musiker im Vergleich zu Nichtmusikern ein starkes statistisches Lernen von ungewohnten Rhythmussequenzen aufweisen würden. Dies wurde in früheren Studien beobachtet, die sich mit Reaktionen auf unbekannte Melodien befassten. Also war dies an sich keine solche Überraschung“, sagte Daikoku. „Was aber wirklich interessant ist, ist dass wir Unterschiede in den neuronalen Reaktionen zwischen denjenigen feststellen konnten, die in japanischer oder westlicher klassischer Musik ausgebildet wurden“.

Gehirnentwicklung bei unterschiedlichen Erziehungskulturen

Diese Unterschiede zwischen japanischen und westlichen klassischen Musikern sind offenbar viel subtiler und zeigen sich in der neuronalen Verarbeitung von Komplexität im Rhythmus höherer Ordnung. Obwohl es nicht der Fall ist, dass die eine oder andere Kultur besser oder schlechter als die andere abschneidet, impliziert diese Erkenntnis, dass unterschiedliche kulturelle Erziehung und Bildungssysteme einen spürbaren Einfluss auf die Gehirnentwicklung haben können.

Japanische Musikerin mit der Bambusflöte Shakuhachi - Glarean Magazin
Japanische Musikerin mit der Bambusflöte Shakuhachi

„Diese Forschung ist Teil eines größeren Puzzles, das wir erforschen wollen – das der Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen den Sprachen und der Musik der Kulturen, und wie sie das Lernen und die Entwicklung beeinflussen“, sagte Daikoku. „Wir untersuchen auch die Musik als Mittel zur Behandlung von Entwicklungsstörungen wie etwa Sprachstörungen. Ich persönlich hoffe, dass das Interesse an klassischer japanischer Musik wieder erwacht; vielleicht wird diese Studie diejenigen, die mit solcher Musik nicht vertraut sind, dazu inspirieren, diesen wichtigen Teil der japanischen Kulturgeschichte zu hören und zu schätzen“. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Aussereuropäische Musik auch über Oruç Güvenç: Heilende Musik aus dem Orient

NIPOS-Kompositionswettbewerb 2021 für Kinderchor

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Gesucht: Neue Kinderlieder

Im Rahmen seines jährlichen Musik-Contests „Opus Ignotum“ schreibt das tschechische National Information and Consulting Centre for Culture NIPOS einen internationalen Kompositionswettbewerb 2021 für Kinderchor aus.

Die Werke sollten hauptsächlich für eine der drei Sprachen Tschechisch, Slowakisch oder Latein komponiert sein, und sie werden für drei unterschiedliche Alterskategorien ausgeschrieben. Je nach Kategorie darf die Dauer eines Liedes zwischen zwei und vier Minuten betragen.

Kinderchor-Musik-Children Choir - Glarean MagazinDie Kompositionen können a cappella oder dann mit Klavier oder anderen allgemein erhältlichen Instrumenten begleitet sein. Einsende-Schluss ist am 31. Mai 2021, hier finden sich die weiteren Einzelheiten (PDF) der Ausschreibung. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musik-Ausschreibungen auch über den Kompositionswettbewerb für Klavier und Orchester der Universität Oldenburg


English Translation

Wanted: New children’s songs

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As part of its annual music contest „Opus Ignotum“, the Czech National Information and Consulting Centre for Culture NIPOS is launching an international composition competition 2021 for children’s choir.

The works should be mainly composed for one of the three languages Czech, Slovak or Latin, and they are announced for three different age categories. Depending on the category, the duration of a song may be between two and four minutes. The compositions can be accompanied a cappella or then with piano or other generally available instruments. The closing date for entries is 31 May 2021. Click here for further details (PDF) of the call for entries. ♦

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Holger Falk u.a: Il Gondoliere Veneziano (Musik-CD)

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Venezianischer Gondel-Traum

von Horst-Dieter Radke

„Il Gondoliere Veneziano“ mit Arien von Cerruti, Tartini und Vivaldi nimmt den Hörer mit auf eine klangschöne, zauberhafte Reise durch die berühmte Lagunen-Stadt. Dabei werden gar live in Venedig aufgenommene Toncollagen integriert. Eine CD von und aus einer Stadt, die von Klängen und Musik lebt.

Il Gondoliere Veneziano - Holger Falk - Ensemble Nuovo Aspetto - Duo Merzouga - Tartini - VivaldiBei unserem letzten Venedigbesuch vor fünf Jahren sind wir nicht Gondel gefahren. Wir haben auch keinen Gondoliere singen gehört. Mitgenommen haben wir trotzdem den Eindruck, dass Venedig eine Stadt der Klänge ist, und zwar sehr unterschiedlicher. Morgens, wenn die Stadt sich langsam füllt, klingt sie anders als mittags, wenn der Strom der Touristen die Stadt fast zum Platzen bringt. Und zur gleichen Zeit wieder anders, wenn man ausweicht in Bereiche, die von den Tagesbesuchern nicht frequentiert werden, oder man mit dem Vaporetto zu entfernten Bereichen flieht. Abends, wenn die meisten die Stadt verlassen haben, meint man, sie habe ihre eigene Stimme zurückbekommen.

Auf den Wassern des Canale Grande

Beim Hören dieser CD entstand das Bild des Venedigs in mir, dass ich erlebt habe. Das liegt nicht unwesentlich an den Toncollagen, die vom Klang Duo Merzouga (Eva Pöpplein und Janko Hanushevsky) in Venedig aufgenommen und teilweise elektronisch ergänzt wurden. Es liegt natürlich auch an der Musik.

Bariton-Sänger Holger Falk - Glarean Magazin
Bariton Holger Falk (geb. 1972)

Bariton Holger Falk singt Lieder, welche die Gondoliere ehemals gesungen haben könnten. Zu hören sind sie in den Kanälen der Lagunenstadt schon lange nicht mehr, doch waren sie im 18. Jahrhundert in ganz Europa berühmt, und einige Sammlungen wurden veröffentlicht. Aus diesen bedient sich der Sänger reichlich, mischt auch noch anderes darunter, zum Beispiel eine Arie von Tartini. Diese ist ein ganz besonderer Leckerbissen, denn von Tartini gibt es sonst fast nur Instrumentalmusik zu hören.

Holger Falk wird bei seinen mit Engagement vorgetragenen Liedern – wozu durchaus auch ein schrilles Lachen gehört oder ein beiläufiges Vor-sich-hin-singen – vom Ensemble Nuovo Aspetto begleitet, einige singt er auch a capella. Dazwischen gibt es Instrumentalsätze von Vivaldi. Ein Programm, das zeigt, was Venedig ist: Eine Stadt, die von Klängen und Musik lebt.

Vielfältige Musik-Informationen

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Zu loben ist auch das ausführliche Booklet. Es enthält nicht nur Informationen zur Produktion und zu den Künstlern, sondern auch einiges über den musikalischen Hintergrund. Sogar Herr von Goethe kommt zu Wort, mit Auszügen aus seiner „Italienischen Reise„. Besonders schön ist, dass auch die Liedertexte enthalten sind, neben dem Original jeweils auch eine deutsche und englische Übersetzung. So weiß man, wovon Holger Falk so mitreißend singt: Von einer nächtlichen Gondelfahrt, von Liebe und Liebesverlust und von Armut. Am Ende weiß man mehr über die vergangene Musik der Gondoliere. Mag sie auf den Kanälen in Venedig nicht mehr zu hören sein – dass sie den Weg wieder in die Konzertsäle oder wenigstens auf die hauseigene Musikanlage gefunden hat, ist zu begrüßen.

Dieses Programm ist geeignet für ein breites Publikum, nicht nur für Liebhaber Alter Musik. In Zeiten, in denen die persönliche Reisefreiheit durch eine Pandemie eingeschränkt ist, verhilft diese CD zu einer virtuellen Reise an die Adria. Das ist mehr, als man von einer CD mit Alter Musik erwarten kann. ♦

Holger Falk (Bariton), Nuovo Aspetto, Duo Merzouga: Il Gondoliere Veneziano – A musical voyage through Venice, Audio-CD

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Italienische Klassik auch über Giuseppe Tartini: 4-parts Sonatas and Sinfonias (CD)

Michael Daugherty: This Land Sings

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Auf den Spuren von Woody Guthrie

von Horst-Dieter Radke

Woody Guthrie (1912 – 1967) ist der amerikanische Liedermacher schlechthin. Aber auch bei uns ist er kein Unbekannter. Sein „This Land is Your Land“ war seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts fast so häufig in geselliger Runde bei Lagerfeuer und Gitarrenbegleitung zu hören, wie „Heute hier, morgen dort“ von Hannes Wader. Eine CD von Michael Daugherty mit dem Titel „This Land Sings“ und dem Untertitel „Inspired by the Life and Times of Woody Guthrie“ weckt deshalb Erwartungen, die, das sei gleich vorweg gesagt, sowohl enttäuscht als auch übertroffen werden.

Anlehnungen mit Eigenständigkeit

Michael Daugherty: This Land Sings - Inspired by the Life and Times of Woody Guthrie - NaxosDie Enttäuschung liegt darin, dass Musik von Woody Guthrie fast nicht zu hören ist, es sei denn als Zitat. Das liegt aber auch daran, dass Musik von Woody Guthrie nicht immer von ihm selbst war, sondern „ausgeliehen“ von anderen. Die Ouvertüre, mit der die CD beginnt, zitiert unüberhörbar „This Land is Your Land“. Doch der Komponist Michael Daugherty stellt im Booklet klar, dass es eine alte Volksmelodie ist, die sich nicht nur Woody Guthrie für sein Lied, sondern zuvor auch schon die Carter-Family ausgeliehen hatten. Diese Praxis übt dann der Komponist bei vielen Beiträgen selbst, ohne dabei an Eigenständigkeit im Ergebnis zu verlieren.

Auf Amerikas staubigen Straßen

Komponist Michael Daugherty auf den Spuren von Woody Guthrie
Komponist Michael Daugherty auf den Spuren von Woody Guthrie

Michael Daugherty (geb. 1954) ist einer der meistgespielten US-Komponisten. Für „This Land Sings“ hat er sich, so schreibt er im Booklet, auf die Spuren von Woody Guthrie gemacht, ist überall dort entlang gezogen, wo ehemals auch der amerikanische Liedermacher auf staubigen Straßen unterwegs war.
Zurückgekehrt von dieser Reise schrieb er seine eigenen „originellen“ Lieder, wie er im typischen amerikanischen Selbstbewusstsein zur Kenntnis gibt. Das Ganze war eine Auftragsarbeit, für die er sich um viel Authentizität bemüht. Der Wechsel von instrumentalen und vokalen Stücken habe er der Praxis der damals üblichen Radiosendungen abgeschaut. Das instrumentale Ensemble minimierte er, um einen Hinweis auf die damalige Wirtschaftskrise zu geben. Lediglich Violine, Klarinette/Bassklarinette, Fagott, Trompete/Flügelhorn, Posaune, Kontrabass und Schlagzeug gibt er den beiden Sängern zur Seite und erweitert gelegentlich selbst mit der Mundharmonika.
Dass Woody Guthries Instrument – die Gitarre – fehlt, stört nicht eine Sekunde. Annika Socolofsky (Sopran) und John Daugherty (Bariton; nicht mit dem Komponisten verwandt) singen die Lieder, und insbesondere die Sopranistin gibt dem ganzen oft eine Stimmung, die an die Songs und die Zeit von Woody Guthrie erinnert. Der Bariton alleine – so gut er an sich ist – hätte das nicht geschafft.

Michael Daugherty - This Land Sings - Woody Guthrie - Begin Overture - Full Score - Glarean Magazin
Beginn der „Ouvertüre“ zu „This Land Sings“ von Michael Daugherty

Guthrie-ferne Zitate

Komponist Daugherty greift auf Melodien der amerikanischen Volksmusik zurück, schreckt aber auch nicht vor Woody-Guthrie-fernen Zitaten zurück, etwa in „Marfa Lights“, wo er das berühmte „Aranjuez-Konzert“ von Rodrigo zitatmäßig einbaut. Der Komponist stellt sich allerdings einen am Rio Grande entlang wandernden Woody Guthrie dabei vor. Im Grunde braucht man die Kommentare des Komponisten nicht, um Vergnügen an dieser musikalischen Hommage zu bekommen und ihre Intention zu verstehen. Im Nachhinein zu lesen, was er sich dabei gedacht hat und mit den eigenen Vorstellungen nach dem ersten Hören abzugleichen ist jedoch keine schlechte Sache.

Kleines Ensemble macht große Musik

Sopranistin Annika Socolofsky, Bariton John Daugherty und Alan Miller (Dirigent des Ensemble Dogs of Desire) performen im Wechsel von instrumentalen und vokalen Songs
Sopranistin Annika Socolofsky, Bariton John Daugherty und Alan Miller (Dirigent des Ensemble Dogs of Desire) performen im Wechsel von instrumentalen und vokalen Songs

Das „kleine Ensemble“ klingt in manchen Stücken so voll, dass man ein größeres Orchester dahinter wähnt. Besonders reizvolle finde ich aber die Songs, die tatsächlich minimalistisch daherkommen, etwa „Bread and Roses“, das nur von Sopran und Fagott getragen wird. Daugherty widmet es den Millionen Frauen, die für Gleichberechtigung kämpften und schließlich 1920 das Wahlrecht durchsetzen konnten. Ein Duett ist auch „This Trombone Kills Facists“, das die Posaune mit dem Schlagzeug ausführt und „“My Heart is Burning“, das Mundharmonika und Kontrabass austragen. Zahlreiche Stücke werden von dem Ensemble Dogs of Desire unter ihrem Dirigenten Alan Miller engagiert unterstützt.

Lebendig und spontan

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Diese CD enttäuscht jene, die erwarten, darauf viel von Woody Guthrie zu hören; das ist nicht der Fall. Aber man kann, wenn man gut zuhört, einiges über ihn hören. Und in dieser Beziehung übertrifft die CD zumindest meine Erwartung. Insbesondere das Ganze im Zusammenhang er-hört ist eine überdurchschnittlich gelungene Hommage, die bei allen Bezügen und Zitaten viel Eigenständigkeit in Komposition und Tonsprache aufweist. Obwohl ich Lieblingslieder darauf habe, werde ich die CD wohl künftig ausschließlich komplett hören, weil vor allem so das musikalische Bild vom Leben und der Zeit Woody Guthries erzeugt wird.

Die CD ist zu empfehlen. Die Kompositionen sind originell, selbst dort, wo fremdes Material verwendet wird. Die ausführenden Musiker schaffen ein hervorragendes Klangbild, das die beiden Sänger kongenial ergänzt. Es ist keine spontane Musik, sondern durchkomponierte, doch es klingt nicht steif und akademisch, sondern sehr lebendig. ♦

Michael Daugherty: This Land Sings – Inspired by the Life and Times of Woody Guthrie, Dogs of Desire (Alan Miller), Audio-CD, Spielzeit 01:05:21, Naxos CD-Label

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musik zwischen Klassik und Pop auch über die CD von Richard Harvey: Evensong – New Choral Music

… sowie zum Thema Folk über die CD Insomnia des Harriet Quartets

Weitere Internet-Artikel über Michael Daugherty


English Translation

On the trail of Woody Guthrie

by Horst-Dieter Radke

Woody Guthrie (1912 – 1967) is the American songwriter par excellence. But he is no stranger to us either. His „This Land is Your Land“ has been heard since the seventies of the last century almost as often in convivial company around campfires and with guitar accompaniment. A CD by Michael Daugherty with the title „This Land Sings“ and the subtitle „Inspired by the Life and Times of Woody Guthrie“ therefore raises expectations which, let it be said right away, will be both disappointed and exceeded.

Leanings with independence

The disappointment lies in the fact that music by Woody Guthrie is almost never heard, except as a quote. But this is also because music by Woody Guthrie was not always from himself, but „borrowed“ from others. The overture with which the CD begins unmistakably quotes „This Land is Your Land“. But composer Michael Daugherty makes it clear in the booklet that it is an old folk melody that not only Woody Guthrie borrowed for his song, but also the Carter family before. The composer himself then practices this practice in many of his contributions, without losing any independence in the result.

On America’s dusty streets

Michael Daugherty (born 1954) is an American composer and teacher. As he writes in the booklet, he has followed in the footsteps of Woody Guthrie, has moved along wherever the American singer-songwriter once walked on dusty roads. Returning from this journey, he wrote his own „original“ songs, as he states in typical American self-confidence. The whole thing was a commissioned work, for which he strives for a lot of authenticity. The alternation of instrumental and vocal pieces he had copied from the practice of radio broadcasts at the time. He minimized the instrumental ensemble in order to give a hint at the economic crisis of the time. Only the violin, clarinet/bass clarinet, bassoon, trumpet/flügelhorn, trombone, double bass and percussion are given to the two singers‘ side, and occasionally he himself expands with the harmonica.
The fact that Woody Guthrie’s instrument – the guitar – is missing does not bother him for a second. Annika Socolofsky (soprano) and John Daugherty (baritone; not related to the composer) sing the songs, and the soprano in particular often gives the whole thing a mood reminiscent of the songs and the time of Woody Guthrie. The baritone alone – as good as he is in himself – would not have been able to do this.

Guthrie-far quotations

Composer Daugherty draws on melodies from American folk music, but he does not shy away from quotations from Woody Guthrie, for example in „Marfa Lights“, where he incorporates Rodrigo’s famous „Aranjuez Concerto“ as a quotation. The composer, however, imagines a Woody Guthrie walking along the Rio Grande. Basically, you don’t need the composer’s comments to take pleasure in this musical homage and to understand its intention. But to read afterwards what he had in mind and to compare it with his own ideas after the first listening is not a bad thing.

Small ensemble makes great music

The „small ensemble“ sounds so full in some pieces that one would think there is a larger orchestra behind it. But I find the songs that really come across as minimalistic particularly appealing, such as „Bread and Roses“, which is only carried by soprano and bassoon. Daugherty dedicates it to the millions of women who fought for equal rights and were finally able to enforce the right to vote in 1920. A duet is also „This Trombone Kills Facists“, which performs the trombone with the drums, and „“My Heart is Burning“, which features harmonica and Contrabass.

Lively and spontaneous

This CD disappoints those who expect to hear much of Woody Guthrie on it; this is not the case. But you can hear a lot about him if you listen well. And in this respect the CD at least exceeds my expectations. Especially the whole thing heard in context is an above-average homage, which shows a lot of independence in composition and sound language despite all references and quotations. Although I have my favourite songs on it, I will probably only listen to the CD in its entirety in the future, because this is how the musical picture of Woody Guthrie’s life and time is created.

The CD is to be recommended. The compositions are original, even where foreign material is used. The performing musicians create an excellent sound image that congenially complements the two singers. It is not spontaneous music, but through-composed, but it does not sound stiff and academic, but very lively. ♦

(Links & Pictures above)

Kompositionswettbewerb 2020 für Klavier und Orchester

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Klavierkonzerte mittleren Schwierigkeitsgrades

Klavier-Musik - Piano-Noten - Glarean MagazinDas Institut für Musik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg schreibt seinen 20. internationalen Kompositionswettbewerb aus. Eingesandt werden können Werke für Klavier und Orchester. Es ist möglich, mehrere Partituren einzureichen, die jeweilige Aufführungsdauer sollte maximal zehn Minuten betragen. Der Wettbewerb bezweckt, das Repertoire für zeitgenössische Musik mittleren Schwierigkeitsgrades zu erweitern.

Die Kompositionen dürfen weder veröffentlicht noch aufgeführt worden sein. Es gibt keine Altersbegrenzung, auch die inhaltliche Ausrichtung der Werke ist freigestellt. Einsende-Schluss ist am 31. Dezember 2020, hier finden sich die weiteren Einzelheiten der Ausschreibung. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN auch die Ausschreibung zum Internationalen Kompositions-Wettbewerb Ise-Shima-Art 2021


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The Institute for Music of the Carl von Ossietzky University Oldenburg is announcing its 20th international composition competition. Works for piano and orchestra can be submitted. It is possible to submit more than one work, the respective performance duration should not exceed ten minutes. The competition aims to expand the repertoire for contemporary music of medium difficulty.

The compositions must not have been published or performed. There is no age limit, and the content of the works is also optional. The deadline for entries is 31 December 2020. (See the links above) ♦

Neurowissenschaft: Musik als soziales Experimentierfeld

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 4 Minuten

Herzen im gruppendynamischen Gleichtakt

von Walter Eigenmann

Im Alltag sind bekanntlich Gruppen- und Zusammenarbeit von großer Bedeutung. Welchen positiven Einfluss auf die physiologische, psychische und soziale Synchronität der Menschen kann dabei die Musik entwickeln? Über die Wechselwirkung von Musik und Zusammenarbeit gibt eine neue Studie zum Thema „Musik als soziales Experimentierfeld“ der Bar-Ilan-Universität im israelischen Ramat Gan Auskunft.

In der Chormusik ist das Phänomen längst bekannt: Beim gemeinsamen Musizieren beginnen die Herzen der Sängerinnen und Sänger nach kurzer Zeit in einen Gleichtakt zu verfallen. Nicht zuletzt die musikalisch synchronisierte Atmung löst hier den Effekt aus.
Doch wie funktioniert eine solche erhöhte physiologische Synchronität ausserhalb vorgegebener musikalischer Zielsetzungen? Und welche Aufgabenaspekte der Herzfunktion können durch eine solche bewusste Synchronität die Gruppenleistung verbessern?

„Herzen, die zusammen trommeln, schlagen zusammen“

Herz-Synchronisation durch Musik - Glarean Magazin
Gruppendynamische Synchronisation der Herzen durch Musik-Rhythmen

Die interdisziplinäre israelische Studie, veröffentlicht in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Scientific Reports“, berichtet über die Entdeckung, dass beim Zusammentrommeln Aspekte der Herzfunktion von Gruppenmitgliedern – insbesondere das Zeitintervall zwischen den einzelnen Schlägen (IBI) – synchronisiert werden.
Diese physiologische Synchronisation wurde während einer neuartigen musikalischen Trommelaufgabe aufgezeichnet, die speziell für die Studie in einer Zusammenarbeit zwischen Sozial-Neuro-Wissenschaftlern und Wissenschaftlern der Musikabteilung entwickelt wurde.

51 Gruppen mit je drei Teilnehmern

An dem Schlagzeugspiel nahmen 51 Gruppen mit drei Teilnehmern teil, in denen IBI-Daten kontinuierlich gesammelt wurden. Die Teilnehmer wurden gebeten, ihr Schlagzeugspiel – auf einzelnen Schlagzeugpads innerhalb eines elektronischen Schlagzeugsets, das von der Gruppe gemeinsam benutzt wurde – an ein Tempo anzupassen, das der Gruppe über Lautsprecher präsentiert wurde.
Für die Hälfte der Gruppen war dabei das Tempo konstant und vorhersehbar, so dass das daraus resultierende Schlagzeugspiel und sein Output synchron sein sollten. Bei der anderen Hälfte änderte sich das Tempo ständig und war praktisch nicht nachvollziehbar, so dass das daraus resultierende Trommeln und der musikalische Output asynchron sein sollten.
Diese Aufgabenstellung ermöglichte es den Forschern, den Grad der Verhaltenssynchronisation beim Trommeln zwischen den Gruppenmitgliedern zu manipulieren und die Dynamik der Veränderungen des IBI für jeden Teilnehmer während des gesamten Experiments zu beurteilen.

Gezielter physiologischer Gleichtakt

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Im Anschluss an diese strukturierte Trommelaufgabe wurden die Teilnehmer gebeten, das Trommeln frei miteinander zu improvisieren. Die Gruppen mit hoher physiologischer Synchronität in der strukturierten Aufgabe zeigten in der freien Improvisationssitzung mehr Koordination beim Trommeln.

Die Analyse der Daten zeigte, dass die Trommelaufgabe in den Gruppen eine physiologische Synchronisation hervorrief, die über das hinausging, was zufällig erwartet werden konnte. Ausserdem lassen die Verhaltenssynchronisation und die verbesserte physiologische Synchronisation beim Trommeln jeweils auf einzigartige Weise eine erhöhte Erfahrung von Gruppenzusammenhalt voraussagen. Und schließlich zeigten die Forscher, dass eine höhere physiologische Synchronität auch eine erhöhte Gruppenleistung zu einem späteren Zeitpunkt bei einer anderen Gruppenaufgabe vorhersagt.

Aus Synchronität resultiert Kooperationsfähigkeit

Ilanit Gordon - Psychologin - Neurowissenschaftlerin - Israel - Glarean Magazin
„Verstärktes Gefühl des Zusammenhalts zwischen Gruppenmitgliedern“: Neurowissenschaftlerin Ilanit Gordon

„Unsere Ergebnisse präsentieren einen multimodalen verhaltensbezogenen und physiologischen Bericht darüber, wie die Synchronisation zur Bildung der Gruppenbindung und der daraus folgenden Kooperationsfähigkeit beiträgt“, sagt Dr. Ilanit Gordon, Leiterin des Labors für soziale Neurowissenschaften an der Psychologischen Fakultät der Bar-Ilan-Universität. „Eine Manipulation der Verhaltenssynchronität und der sich abzeichnenden physiologischen Koordination in IBI zwischen Gruppenmitgliedern sagt ein verstärktes Gefühl des Zusammenhalts zwischen den Gruppenmitgliedern voraus“.

Musik als experimentelle Plattform der sozialen Interaktion

Musik-Therapeut Avi Gilboa - Music Therapy - Musikwissenschaftler Israel - Glarean Magazin
„Musik als experimentelle Plattform der sozialen Interaktion“: Therapeut Avi Gilboa

Co-Autor der Studie Prof. Avi Gilboa formuliert die Perspektiven der Forschungsergebnisse noch weitergehend: „Wir glauben, dass das gemeinsame Musizieren eine vielversprechende experimentelle Plattform für die Umsetzung ökologischer und vollständig interaktiver Szenarien darstellt, die den Reichtum und die Komplexität der menschlichen sozialen Interaktion erfassen. Diese Ergebnisse sind aufgrund der entscheidenden Wichtigkeit von Gruppen für das Handeln, die Identität und den sozialen Wandel in unserer Welt von besonderer Bedeutung“.

Quelle Bar-Ilan Universität: „Herzen, die zusammen trommeln, schlagen zusammen – Gruppentrommeln stimuliert die verhaltensmäßige und physiologische Synchronisation, die zur Bildung sozialer Bindungen und einer daraus folgenden Kooperationsfähigkeit beiträgt“, Israel 2020 ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musik und Medizin über neue Forschungsergebnisse bezüglich Musik in der Gruppe

… sowie zum Thema Musik und Gesundheit über Stressreduzierung durch Musikhören

Ich unterstütze das ehrenamtliche Kultur-Projekt GLAREAN MAGAZIN mit einer Spende:

Das neue Musik-Kreuzworträtsel im Mai 2020

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Gesucht: Musik-Begriffe

von Walter Eigenmann

Seit vielen Jahren sind Musik-Kreuzworträtsel im GLAREAN MAGAZIN feste Tradition. Auch im Mai 2020 wird wieder nach geläufigen und seltenen Musik-Begriffen gefahndet – viel Spass!

Musik-Kreuzworträtsel - Mai 2020 - Aufgaben-Hinweise - Copyright Walter Eigenmann - Glarean Magazin

Zum Ausdrucken des Rätsels: —> „PDF herunterladen“ (Menü-Leiste)

Hier findet sich die Lösung des Rätsels: —> „Weiterlesen“

Das Rätsel darf – unter Link-Quellenangabe – gerne zu schulischen bzw. musikpädagogischen Zwecken kostenlos verwendet werden.

Knobeln Sie im GLAREAN MAGAZIN auch das Musik-Kreuzworträtsel im Juni 2018

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Sandra Lied Haga (Cello): Tschaikowsky und Dvorak (CD)

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Sensibles Gespür für die intimen Passagen

von Christian Busch

Die junge norwegische Cello-Virtuosin Sandra Lied Haga (geb. 1994 in Oslo) legt im CD-Label Simax/Naxos mit Tschaikowskis „Rococo Variationen“ und Dvoraks Cello-Konzert ein beeindruckendes Album-Debüt vor, das einige andere renommierte Aufnahmen in verschiedener Hinsicht übertrumpft.

„Fragt nach dem Zauber nicht,
der mich erfüllt!
Ihr könnt die Seligkeit ja doch nicht fassen,
die seine Liebe mich hat fühlen lassen,
die Liebe, die nur mir, mir einzig gilt.“

Sandra Lied Haga (Cello): Tschaikowsky und Dvorak (CD) - Musik-Rezension
Sandra Lied Haga (Cello): Tschaikowsky und Dvorak

Aus diesem von Antonin Dvorak um die Jahreswende 1887/1888 vertonten Lied „Lasst mich allein“ von Ottilie Kleinschrod spricht ein seliges, in seiner unvergleichlichen Liebe ruhendes Herz, das sich – zum Schutz seiner kostbaren Liebe – der Welt verschließt. Es ist das Lieblingslied von Dvoraks Schwägerin, der Gräfin Josefine Kaunic – und der Schlüssel zu Dvoraks berühmtem, 1895 in der Neuen Welt komponierten Konzert für Violoncello und Orchester op. 104 in h-moll.
Heimweh, Bestürzung über die schwere Erkrankung seiner Jugendliebe, aber auch optimistische Aufbruchsstimmung standen bei Dvoraks bedeutender Komposition mit symphonischen Ausmaßen Pate. Als er vom Tode seiner ehemaligen Klavierschülerin erfährt, ändert er seine Partitur und integriert das schon im 2. Satz zitierte Lied auch in das Finale – das Konzert wird nun endgültig zum Hohelied der Liebe.

Aus Norwegens unendlicher Weite stammend

Sandra Lied Haga - Violoncello - Glarean Magazin
Technische Brillanz und sensitive Empathie: Die Cellistin Sandra Lied Haga

Aus der unendlich weiten Perspektive norwegischer Landschaft stammend, war Sandra Lied Haga schon im Alter von drei Jahren Teilnehmerin des Förderprogramms junger Talente am Barrat Due Institute of Music in Oslo und wurde, längst auf vielen internationalen Festivals präsent, jüngst mit dem Equinor Classical Music Award 2019 ausgestattet. Ihr zur Seite steht in dieser Aufnahme mit Konzertmitschnitten vom Februar und März 2019 aus der Great Hall des Moskauer Konservatoriums das State Academic Symphony Orchestra of Russia „Evgeny Svetlanov“ unter der Leitung von Terje Mikkelsen.

Und was man dort hört, ist schlicht überwältigend. Schon die konzentrierte, maßvolle, bedächtige, aber niemals schleppende Einleitung lässt erkennen, dass es nicht um ein paar schmissige Effekte oder das bloße Auskosten „schöner Stellen“ geht, sondern um den Spannungsbogen, den „großen Atem“ und die Seele des Werks.
Man staunt darüber, wenn Lied Haga ihren Part mit unverbrauchter Natürlichkeit, sicherem Instinkt und großer Virtuosität zu einer überzeugenden, faszinierend schönen und berührenden Darbietung gestaltet. Fernab von Routine und Klischees gelingt ihr der fließende Übergang von den extrovertierten Ausbrüchen bis zu den Momenten der wunderbar intimen, gesanglichen Introspektive.

Hohelied der Liebe

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Der zweite, aus dem Liedmotiv geformte Satz mutet wie ein inniges Liebesduett – über den Ozean hinweg – an, zunächst scheinbar zerbrochen, dann intensiviert durch die Nachricht der Erkrankung. Dass gerade die lyrischen Stellen – auch dank der großartigen Partnerschaft zwischen Orchester und Solisten – besonders gelungen sind, liegt an der insgesamt sehr stimmigen und werkgetreuen Deutung Lied Hagas, die – von Mikkelsen und dem Orchester auf den vielzitierten „Händen getragen“ – dem Werk mit feinem Gespür und beglückender Sensibilität begegnet. Doch ragen diese berückend schön gespielten Momente nicht heraus, sondern sondern fügen sich nahtlos in die geschlossene und stimmige Darbietung. Es entspinnt sich ein über drei Sätze andauernder, intensiver Dialog, der Dvoraks letztes großes Werk als „Hohe(s) Lied der Liebe“ geradezu neu entdeckt.

Blick für das Wesentliche

Peter Tschaikowski - Faksimile Titelseite Variationen über ein Rokoko-Thema - Cello-Part - Glarean Magazin
Handschriftliches Faksimile der Titelseite von Tschaikowskis „Variationen über ein Rokoko-Thema“ (Cello-Part gewidmet dem Cellisten G. Fitzenhagen)

Mit demselben unverstellten Blick für das Wesentliche nehmen die Ausführenden auch Peter Tschaikowskys „Rokoko-Variationen“ ins Visier. Konzeptionell folgerichtig greifen sie dabei auf das Original zurück, statt auf die auf Wunsch von Tschaikowskys Cellisten Wilhelm Fitzenhagen geänderte Fassung, welche dem Solisten eine größere Bühne der Selbstdarstellung bot.
Auch hier bestaunen wir den klaren, natürlich-schönen Ton der jungen Norwegerin, die in großem Einvernehmen mit Orchester und Dirigent die Reminiszenz des Komponisten an eine andere Zeit, nämlich die Klangwelt des 18. Jahrhunderts (vor allem die des jungen W.A. Mozart) zum Leben erweckt.

Sandra Lied Haga legt also mit diesen zwei Romantik-Einspielungen ein großartiges Debütalbum vor. Ihr Ton ist von natürlicher „nordischer“ Klarheit, doch ebenso zeigt sie ein sensibles Gespür für die intimen Passagen dieser Standardwerke des romantischen Repertoires. Sie erliegt nie der Versuchung einer Selbstdarstellung, sondern dringt werkgetreu zum Kern der Werke vor, auch dank ihrer gleichwertigen Partner. Damit stellt sie so manche Aufnahme renommierter Künstler und Plattenlabels in den Schatten. Eine schöne Entdeckung. ♦

Peter Tchaikovsky: Variations on a Rococo Theme op. 33 (Original Version); Antonin Dvorak: Celle Concerto in B Minor op. 104 – Sandra Lied Haga (Cello), The State Academic Symphony Orchestra of Russia ‘Evgeny Svetlanov‘, Terje Mikkelsen, Simax Classics (Naxos)

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Cello-Musik auch über Sol Gabetta: Cello-Konzert von Edward Elgar


English Translation

Sensitive feeling for the intimate passages

The young Norwegian cello virtuoso Sandra Lied Haga (born in Oslo in 1994) makes an impressive album debut on the Simax/Naxos CD label with Tchaikovsky’s „Rococo Variations“ and Dvorak’s Cello Concerto, outdoing several other renowned recordings in various ways.

„Don’t ask about the magic,
that fills me!
You can’t believe the bliss,
that his love made me feel,
the love that is only for me, only for me.“

From this song „Leave me alone“ by Ottilie Kleinschrod, set to music by Antonin Dvorak at the turn of 1887/1888, speaks a blessed heart, resting in its incomparable love, which – to protect its precious love – closes itself off from the world. It is the favourite song of Dvorak’s sister-in-law, Countess Josefine Kaunic – and the key to Dvorak’s famous Concerto for Violoncello and Orchestra op. 104 in B minor, composed in the New World in 1895.
Homesickness, dismay at the serious illness of his childhood love, but also an optimistic mood of departure were the inspiration for Dvorak’s important composition of symphonic dimensions. When he learns of the death of his former piano pupil, he changes his score and integrates the song quoted in the second movement into the finale – the concerto now finally becomes the Song of Songs of Love.

Coming from Norway’s infinite vastness

Coming from the infinitely wide perspective of the Norwegian landscape, Sandra Lied Haga was already at the age of three a participant in the Young Talent Promotion Programme at the Barrat Due Institute of Music in Oslo and, long since present at many international festivals, was recently awarded the Equinor Classical Music Award 2019. In this recording of concert recordings of February and March 2019 from the Great Hall of the Moscow Conservatory, she is accompanied by the State Academic Symphony Orchestra of Russia „Evgeny Svetlanov“ conducted by Terje Mikkelsen.

And what you hear there is simply overwhelming. Even the concentrated, measured, thoughtful, but never sluggish introduction makes it clear that it is not about a few snappy effects or the mere savouring of „beautiful passages“, but about the tension, the „great breath“ and the soul of the work.
One is amazed when Lied Haga shapes her part with unspent naturalness, sure instinct and great virtuosity to a convincing, fascinatingly beautiful and touching performance. Far away from routine and clichés, she succeeds in making the smooth transition from the extroverted outbursts to the moments of the wonderfully intimate vocal introspection.

Song of Love

The second movement, formed from the song motif, seems like an intimate love duet – across the ocean – at first seemingly broken, then intensified by the news of illness. The fact that the lyrical passages in particular – also thanks to the great partnership between orchestra and soloists – are particularly successful is due to the overall very coherent and faithful interpretation of Haga’s song, which – carried by Mikkelsen and the orchestra on the much-quoted „hands“ – meets the work with fine feeling and delightful sensitivity. However, these enchantingly beautifully played moments do not stand out, but rather fit seamlessly into the closed and coherent performance. An intensive dialogue develops over three movements, which almost rediscovers Dvorak’s last great work as the „Song of Love“.

An eye for the essential

With the same undisguised eye for the essential, the performers also take aim at Peter Tchaikovsky’s „Rococo Variations“. Conceptually logical, they fall back on the original, instead of the version modified at the request of Tchaikovsky’s cellist Wilhelm Fitzenhagen, which offered the soloist a larger stage for self-expression.
Here, too, we marvel at the clear, naturally beautiful tone of the young Norwegian who, in great agreement with orchestra and conductor, brings to life the composer’s reminiscence of another time, namely the sound world of the 18th century (especially that of the young W.A. Mozart).

Sandra Lied Haga thus presents a great debut album with these two romantic recordings. Her tone is of natural „Nordic“ clarity, but she also shows a sensitive feeling for the intimate passages of these standard works of the romantic repertoire. She never succumbs to the temptation of self-portrayal, but penetrates the core of the works faithfully, also thanks to her equal partners. In this way she outshines many a recording by renowned artists and record labels. A beautiful discovery. ♦

Peter Tchaikovsky: Variations on a Rococo Theme op. 33 (original version); Antonin Dvorak: Celle Concerto in B Minor op. 104 – Sandra Lied Haga (cello), The State Academic Symphony Orchestra of Russia ‚Evgeny Svetlanov“, CD-Label Naxos

(Links and Pictures above)

Zitat der Woche: Brauchen wir Musik? (Hans G. Bastian)

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Brauchen wir Musik?

„Angesichts der ständigen Wissensexplosion kann die stetig höher gelegte Messlatte an berufsqualifizierenden Persönlichkeitsmerkmalen für einen Arbeitsplatz nicht überraschen. Politik, Wirtschaft und Industrie fokussieren im Sinne von Schlüsselqualifikationen: Extraversion als Kontaktfähigkeit, Verträglichkeit als Teamfähigkeit, Gewissenhaftigkeit als Verantwortungsbereitschaft, emotionale Stabilität als seelische Belastbarkeit in Stress-Situationen.

Hans Günther Bastian - Kinder optimal fördern, mit Musik - Intelligenz, Sozialverhalten und gute Schulleitstungen durch Musikerziehung
Hans Günther Bastian: Kinder optimal fördern – mit Musik

Ist also Musik nicht ein ideales Medium und Forum zur effektiven Förderung eben dieser Persönlichkeitsmerkmale? Sie fordert und fördert Extraversion im ausdrucksstarken Spiel, Teamfähigkeit im Ensemblemusizieren, Gewissenhaftigkeit gegenüber dem musikalischen Werk und der Musiksozietät, emotionale Stabilität im Podiumsstress der Kunstdarbietung, Intelligenz in der kongenialen Interpretation eines musikalischen Werkes.

Hans Günther Bastian - Musikpädagoge - Glarean Magazin
Hans Günther Bastian

Wenn ein Künstler (so Jascha Heifetz) die Nerven eines Stierkämpfers, die Konzentration eines buddhistischen Mönchs und die Chuzpe einer Nachclubbesitzerin braucht, dann wird Musik diese Eigenschaften auch ausprägen, und sie werden dem Menschen nicht nur in der Musik selbst zum Vorteil sein.“

Aus Prof. Dr. Hans Günther Bastian: Kinder optimal fördern mit Musik – Intelligenz, Sozialverhalten und gute Schulleistungen durch Musikerziehung, Schott Verlag, 3. Aufl. 2003

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN auch das Zitat der Woche über „Musik und Emotionen“: Warum klingt Dur manchmal so traurig wie Moll?

… sowie zum Thema Musik und Neurowissenschaft: Musik als soziales Experimentierfeld

Humanmedizin: Musik und Herzinfarkt (Musikforschung)

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Stressreduzierung durch Musikhören

von Walter Eigenmann

Auch wenn die Wissenschaftler in aller Welt noch über zahllose Details streiten – hinsichtlich des Gesamtbefundes sind sie sich einig: Musik hat einen enorm positiven Effekt auf die körperliche und seelische Befindlichkeit des Menschen. Zahllose Studien aus vielen Fachgebieten von der Neuropsychologie über die Schulpädagogik und Kultursoziologie bis hin zur Anthropologie und Gerontologie beschäftigen sich mit dem Bezugsfeld Mensch-Musik, und alle dokumentieren sie den teils erheblichen therapeutischen Einfluss des Musikhörens bzw. Musizierens auf den Menschen. Eine neue Langzeit-Untersuchung belegt nun, welche Wechselwirkung Musik und Herzinfarkt haben.

Musik und Körper

Verschluss Herzgefässe - Kardiologie - Report Musik und Herzinfarkt 2020 - Glarean Magazin
Ursache des Herzinfarktes: Verschluss von Herzkranzgefässen

In den letzten Jahren mischten und mischen sich verstärkt auch spezifische humanmedizinische Forschungen und Befunde mit empirisch verifizierten Daten in die Diskussion ein, inwiefern Musik auch direkt auf körperliche Defizite einwirke. Eine jüngst vom American College of Cardiology veröffentlichte Studie dokumentiert jetzt beispielsweise den therapeutischen Effekt des Musikhörens bei Patienten mit einer sog. Frühen Postinfarkt-Angina-Pectoris.

Wie diese Untersuchung des Belgrader Kardiologen und Hauptautoren Prof. Dr. Predrag Mitrovic ausführt, überleben in den USA ca. 700’000 Menschen einen Herzinfarkt, und es wird geschätzt, dass etwa jeder neunte dieser Herzinfarkt-Überlebende innerhalb der ersten 48 Stunden nach dem Infarkt an Brustschmerzen und Angstzuständen leidet.
Gemäss der Studie deutet nun alles darauf hin, dass Musik (in Kombination mit medikamentösen Standard-Therapien) eine einfache, zugängliche, auch häusliche Massnahme sein könnte, um diese Symptome zu reduzieren und kardiale Folgeereignisse zu verhindern.
Mitrovic dazu: „Aufgrund unserer Ergebnisse glauben wir, dass Musiktherapie allen Patienten nach einem Herzinfarkt helfen kann, nicht nur den Patienten mit einer frühen Postinfarkt-Angina. Sie ist auch sehr einfach und kostengünstig umzusetzen.“

Medikamente mit oder ohne Musik

Predrag Mitrovic - Kardiologe Serbien - Report Musik und Herzinfarkt 2020 - Glarean Magazin
Kardiologe Prof. Dr. Predrag Mitrovic (Serbien): „Musiktherapie kann allen Patienten nach einem Herzinfarkt helfen“

Die Forscher um Predrag Mitrovic rekrutierten dabei 350 Patienten, bei denen in einem medizinischen Zentrum in Belgrad ein Herzinfarkt und eine Frühe Postinfarkt-Angina diagnostiziert wurde. Eine Hälfte der Personen wurde nach dem Zufallsprinzip für eine Standardbehandlung eingeteilt, während die andere Hälfte zusätzlich zur Standardbehandlung an regelmäßigen Musiksitzungen teilnahm. Bei den meisten Patienten umfasste die Standardbehandlung eine Vielzahl von Medikamenten wie Nitrate, Aspirin, gerinnungshemmende Medikamente, Betablocker, Statine, Kalziumkanalblocker, blutdrucksenkende Medikamente und das angina-reduzierende Medikament Ranolazin.
Patienten, die zusätzlich eine Musiktherapie erhielten, wurden zunächst einem Test unterzogen, um festzustellen, auf welche Musikrichtung ihr Körper wahrscheinlich positiv reagieren würde. Die Teilnehmer hörten neun 30-Sekunden-Musiksamples, die sie als beruhigend empfanden, während die Forscher den Körper jedes Teilnehmers hinsichtlich unwillkürlicher Reaktionen auf die Musikproben aufgrund der Erweiterung/Verengung der Pupillen untersuchten. Danach wurde eine Feinabstimmung der persönlichen Auswahl vorgenommen, indem die Patienten über das optimale Musiktempo und die optimale Tonalität bestimmten.

Musiktherapie wirksamer als Standardbehandlung

Daraufhin wurden die betr. Teilnehmer gebeten, sich diese von ihnen selber getroffene Musikauswahl täglich 30 Minuten lang anzuhören, wann immer es für sie am bequemsten war, idealerweise in Ruhe und mit geschlossenen Augen.
Sieben Jahre lang setzten dann die Patienten diese täglichen Hörsitzungen fort und dokumentierten sie in einem Protokoll. Im ersten Jahr kehrten sie alle drei Monate und danach jährlich zur Nachuntersuchung ins medizinische Zentrum zurück.

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Nach sieben Jahren erwies sich die Musiktherapie als wirksamer als die Standardbehandlung allein im Hinblick auf die Verringerung von Angst, Schmerzempfindung und Schmerzbelastung. Die Patienten mit Musiktherapie hatten Durchschnitts-Angstwerte, die um ein Drittel unter denen der Standardbehandlung lagen, und sie berichteten über um etwa ein Viertel geringere Angina-Symptome.
Diese Patienten wiesen auch signifikant niedrigere Raten bestimmter Herzerkrankungen auf, darunter eine 18-prozentige Senkung der Rate der Herzinsuffizienz, eine 23-prozentige Senkung der Rate nachfolgender Herzinfarkte, eine 20-prozentige Senkung der Rate der Notwendigkeit einer Koronararterien-Bypass-Operation sowie eine 16-prozentige Senkung der Rate des Herztodes.

Stressreduktion dank Musik

Musik als Stressredundans im Sympathischen Nervensystem - Kardiologie - Report Musik und Herzinfarkt 2020 - Glarean Magazin
Musik als Stressreduktor im Sympathischen Nervensystem

Was ist grundsätzlich der medizinische Grund dieser positiven Effekte? Mitrovic führt aus, dass die Musik wirken kann, indem sie dazu beiträgt, der Aktivität des Sympathischen Nervensystems entgegenzuwirken, also dem Teil des Nervensystems, der die „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ steuert, wenn eine Person mit einer Stresssituation konfrontiert ist. Da diese die Herzfrequenz und den Blutdruck erhöht, kann eine sympathische Reaktion das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belasten: „Ungelöste Ängste können eine Zunahme der Aktivität des Sympathischen Nervensystems bewirken, was zu einer Zunahme der kardialen Arbeitsbelastung führt“, meint Mitrovic.
Er meint darum, dass regelmässige Sitzungen mit Musikhören diese Kaskade von Ereignissen unterbrechen können, indem sie die mit Angina pectoris verbundenen Ängste nach einem Herzinfarkt reduzieren.
Das Forscherteam plant nun, die Daten weiter zu analysieren, um zu bestimmen, ob die Musiktherapie für bestimmte Untergruppen von Patienten, wie z.B. solche in einem bestimmten Alterssegment oder solche mit anderen Gesundheitszuständen wie z.B. Diabetes Vorteile zeigen könnte. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Bezugsfeld Musik-Medizin-Naturheilkunde auch über Oruç Güvenç: Heilende Musik aus dem Orient

sowie zum Thema Musikpsychologie über Christoph Drösser: Hast du Töne?

Internationaler Kompositions-Wettbewerb Ise-Shima-Art 2021

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Neue Musik-Werke jeglicher Besetzung gesucht

Ise-Shima-Art Committee - Musik-Wettbewerb - Music Composition Contest - Ausschreibungen Glarean MagazinDas japanische Ise-Shima-Art-Komitee, eine Kunst- und Kulturinstitution der gleichnamigen weltberühmten Tourismus-Region, schreibt seinen ersten internationalen Kompositionswettbewerb aus. Unbesehen ihrer Herkunft oder ihres Alters können Komponistinnen und Komponisten Partituren einreichen, die stilistisch und besetzungstechnisch frei gewählt werden können.

Vom Solowerk bis zum grossen Orchesterstück sind alle Genres und Formationen möglich, ebenso bestehen hinsichtlich Aufführungsdauer keine Einschränkungen. Die eingereichten Werke müssen nicht unveröffentlicht oder unaufgeführt sein.

Einsende-Schluss ist am 1. Juni 2021, neben dem Ersten Preisträger werden 35 weitere der besten Werke mit einem Preis ausgezeichnet. Hier finden sich die weiteren Details der Ausschreibung (PDF-Datei). ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN auch die Ausschreibung zum Basler Kompositionswettbewerb 2021 für Kammer- und sinfonische Musik

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Das Musik-Kreuzworträtsel im April 2020

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Der Rätsel-Spass mit Musik-Begriffen

Das neue Musik-Kreuzworträtsel im April 2020 wartet mit einer Vielzahl von Begriffen aus der gesamten Welt der Musik auf: Gesucht werden einfache bis schwierige Wörter aus den Sparten Klassik, Pop, Volksmusik und Jazz. Die beiden Rätsel-Seiten können direkt von der PDF-Datei heruntergeladen und ausgedruckt werden. – Die Redaktion wünscht viel Erfolg und Spass!

Musik-Kreuzworträtsel - Music Crossword Puzzle - April 2020 - Glarean Magazin - Walter Eigenmann - Aufgaben und Hinweise

Hier geht’s zur Lösung des Musik-Kreuzworträtsels (—>weiterlesen)

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