Ernst Halter: Mermaid (Roman)

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Liebe wuchert nicht für die Zukunft, sie verschwendet sich jetzt

oder

Einverleibung gleich Kommunion gleich Zeit als Ewigkeit gleich Seele gleich das Gute

von Dr. Karin Afshar

Ein Gedanke fällt mir zu, während ich das gerade eingetroffene Buch zur Hand nehme und mir seinen Einband anschaue – Amor und Psyche ineinander versinkend: Man muss merken, wann man am Ende der Hoffnung angekommen ist. Über diese Grenze hinaus verliert man Lebenszeit. – Damit beginne ich zu lesen. [K.A.]

In „Mermaid“ von Ernst Halter geht es um Liebe und Besessenheit, auch um Erotik und Leidenschaft. Ein (nicht ganz glücklich) verheirateter Mann lässt sich auf ein Abenteuer ein… Das ist miserabel banal ausgedrückt! Zweiter Versuch: Ein Mann und eine Frau verfallen einander und können nicht wieder voneinander lassen. Nomaden sind beide, Suchende (nach sich selbst), und werden aneinander zu Grenzgängern und auch -verletzern. Es geht um das Entgrenzen in der gegenseitigen Hingabe; am Ende – soviel sei verraten – um die Entfesselung des Zerstörerischen. Engelssturz – aus dem Jenseits ins Diesseits. Untergang – das Diesseits mit Kraterzugängen zur Unterwelt.

Stella alias Persephone von Rosetti

Ernst Halter - Mermaid - Roman - Cover - Glarean MagazinStella, die häufig in Deutschland zu tun hat und aus Zürich stammt, lebt in Mailand und ist Kunsthistorikerin. Sie arbeitet als Jurorin und Ausstellungskuratorin für Museen und Galerien, ist erfolgreich und auf dem öffentlichen Parkett gewandt. Eine schöne Frau, die sich zu kleiden weiß und ihre Ausstrahlung auch einsetzt. Privat – ist sie kompliziert, mal Kindfrau, mal dominierend, mal unterwürfig, zweifelnd, unsicher, kokettierend. Präraffaelitisch – ich erinnere mich, das Wort an einer Stelle gelesen zu haben. Das trifft es. Die Persephone von Rosetti – in Blond allerdings, ich glaube, Stella ist blond.
Elias, Sohn einer dänischen Mutter, ist Lektor, schreibt Bücher, übersetzt, veröffentlicht Gedichte – ein Literat, ein Mann der Worte. Er ist mit Ellen, einer Engländerin, die eine traumatisierende Kindheit hinter sich hat und an Depressionen leidet, verheiratet und bewohnt mit ihr ein Haus (wo, ist mir nicht erinnerlich). Von Elias habe ich kein Gesicht, auch kein Alter, keine Körpersprache. Er bleibt unphysisch und ein Schemen.

Erschreckend wie ein dunkler Zauber

Dante Gabriel Rossetti: Proserpine (Persephone)
Dante Gabriel Rossetti: Proserpine (Persephone)

Stella und Elias lernen sich in Frankfurt kennen (einem Ort, in dem beide fremd sind) und treffen sich von nun an in Hotels, abgelegenen Pensionen, in Burgen und Schlössern, in Wäldern, entlang von Bahnlinien, auf Bergen, in Tälern, in der Schweiz, in Deutschland, das Elias mehr entspricht, während sie mit dem schroffen Land ihre Schwierigkeiten hat. Im Laufe der Geschichte wird sie sagen: „Ecco la Cimmeria tedesco, orsi, mammuti…. Cerco di convincermi della tua realtá. Dieses Germanien – ich weiß kein besseres Wort – ist so unwiderstehlich und erschreckend wie ein dunkler Zauber…“
Verzauberung. Verwünschung. Gibt es die eine Liebe? Oder verschiedene? Eine für die eine Frau und eine für die andere? Und Frauen? Lieben sie immer gleich? Ernst Halter – in diesem April 80 geworden – lässt seinen Helden und seine Heldin dies erkunden. Er schickt sie aus, die Antwort den Tiefen des ewigen, zeitlosen Meeres zu entreißen und an den Strand der Gegenwart zu werfen. Da ist sie – die Meerjungfrau aus dem Reiche Neptuns, die, um in der Gegenwart sein zu können, sich mit einem Sterblichen verbinden muss. Natürlich nicht zufällig legt der Autor Elias als Namen für Stella Mermaid in den Mund. Aber sie ist auch Tulipan, Estelle, Regina Macondo, Madonna dell’adulterio, Stella blu, … der blauen Augen wegen. (Blau sind auch die Augen von Dämonen.) Und dann tauchen noch andere Namen auf: Venus und Ishtar. Ich kläre weiter unten auf, woher hier der Wind weht.

Im Heimlichen unheimlich nahe

Ernst Halter (*1938 in Zofingen/Schweiz)
Ernst Halter (geb.1938 in Zofingen/Schweiz)

Auf einem Meer, dessen Oberfläche sie trägt, dessen Oberfläche abwechselnd Stella und Elias selbst sind (er schreibt „auf ihr“ seine Gedichte), treibt die Beziehung, die Stella und besonders Elias zukunftstragend zu gestalten sich nicht trauen. Unter der Oberfläche dieses Meeres des Noch-nicht-Gewordenen und des Schon-wieder-Entwordenen ist die Zeit noch ungeteilt. Halt – ungeteilte Zeit ist nicht Zeit; denn Eigenschaften von Zeit sind Gegenwart und Vergangenheit. Wir bewegen uns in diesem Ozean im Ungeteilten und im Ewigen – mit uns die beiden Liebenden, die sich in ihrer ewigen und dann wieder abgrundtiefen Umarmung im ständigen Umherziehen im Heimlichen unheimlich nahe kommen und einem Schiffbruch entgegensteuern.

Das Wesen der Liebe verwebt Ernst Halter also mit Zeit: mit der Anwesenheit des Vergänglichen und der Abwesenheit des Ewigen, oder umgekehrt. Das Ewige existiert allerdings nicht, denn es west außerhalb der Zeit. Der englische Gruß: Sein unerschaffenes Licht leuchtet außer jeder Zeit, es ist mitleidlos und erlischt nach einem einzigen Nu.

Als Leser durch das Tor des Wenn geschoben

Die Grenze oder Zäsur, die wir in „Mermaid“ finden werden, wird formell durch den Briefwechsel mit einem längst toten Schriftsteller gezeichnet. Dieser weist unseren Autor auf seine Denkfehler hin, wirft ihm Scheinlogik vor, und dass er den Leser um seine Freiheit bringe. Ein ganz und gar wirksamer Kniff ist das, den der Autor Ernst Halter hier anwendet. Indem er als „Erzähler-Schreiber“ dieser außenstehenden Person (die ihn als „sich als Gott aufführenden Erzähler“ bezeichnet) antwortet, verteidigt er seinen Plot, für den er die schwierigste, nämlich die „normale Variante des Liebesthemas“ gewählt hat.
Wir als Leser (jetzt in den Fortgang der Geschichte einbezogen), die längst heraufgezogene Peripetie und Katastrophe und die Protagonisten werden durch das Tor des Wenn geschoben. Dieses Tor steht für die Schwelle zum Nie-Realisierten. Doch wir wären nicht Menschen, wenn wir für Stella und Elias nicht doch noch auf die Wendung zum Guten hofften – irgendwie. Schriftsteller wissen dergleichen, und so hält es auch Ernst Halter und schreibt uns auf die angedeuteten vier bösen Wörter hin.
Eine neptunisch-schillernde Geschichte mit Untiefen – ich schaue sie aus der strukturellen Richtung an. „Mermaid“ spricht in vielen Stimmen, deren Gegensätzlichkeiten und Dualitäten der Autor-Erzähler dem Leser zur Zusammensetzung überlässt.

Neun Stimmen, neun Handlungslinien

Neun Stimmen, neun Linien meine ich gefunden zu haben. Sie treten in Form von unterschiedlichen „Textsorten“ oder Handlungssequenzen mit verschiedenen ineinanderfließenden Erzähltempi auf.
Da ist die Stimme von Stella, die in einem Bewusstseinsstrom über die Beziehung und die Geschehnisse spricht. Daneben gibt es Auszüge aus Briefen und elektronischer Post von Stella an Elias, von ihm an sie. Es gibt eine auktoriale Linie, die hineinschlüpft in das Subjektive von Elias oder Stella (Bilder des Innen-wie Außenseins, Bei-sich-Seins und Außer-Sich-Seins wechseln sich ab). Auch Ellen, Elias‘ skizzenhaft in Erscheinung tretende Ehefrau, erhält eine Stimm-Linie. Traumsequenzen sind eine nächste Linie. Hier und da stößt aus dem Unsichtbaren eine Rahmen-Handlungslinie nach oben an die Oberfläche: Elias aus dem OFF, aus dem post mortem und in neuem Leben.
Eine offene Textstruktur, in der die einzelnen Kapitel autonom für sich stehen könnten. Könnten, denn sie bestehen durchaus nicht – ähnlich den Verbindungen in einem Rhizom – aus isolierten Einheiten. Wie komme ich denn bloß auf Rhizom? In der Biologie bezeichnet ein Rhizom einen Wurzeltyp, der morphologisch als Nebeneinander-/Ineinanderwachsen von Sprossen oder Stängeln oder Trieben beschrieben wird. Ein Rhizom kann sowohl über- als auch unterirdisch in alle Richtungen wachsen. Es wuchert. – Die Linien dieses „Gebildes“ ohne Hierarchie und Ordnung bilden ein Geflecht, in dem alles mit allem verbunden ist. An verschiedenen Stellen wächst etwas nach oben und durchbricht die grenzende Kruste. Die auf der Oberfläche sichtbaren Triebe haben nur scheinbar nichts miteinander zu tun. Autonomie – eine Illusion.

Offenes, nicht polarisierendes Schreiben

"Nomadentum und Schizophrenie" des multiplen Schreibens: Cover von "Mille Plateaux - Capitalisme et schizophrénie" (Deleuze & Guattari 1980)
„Nomadentum und Schizophrenie“ des multiplen Schreibens: Cover von „Mille Plateaux – Capitalisme et schizophrénie“ (Deleuze & Guattari 1980)

Deleuzes & Guattaris „écriture nomade et rhizomatique”1) ist eine „écriture migrante” – ein offenes, nicht abgrenzendes und nicht polarisierendes Schreiben. Das Nomadische und die Nicht-Zugehörigkeit sind ein starkes Motiv in einer solchen Literatur. Nomadisches, rhizomatisches Schreiben setzt die Vielheit, das Multiple, überwindet die Dualität und „lebt“ die Aufhebung der Sukzessivität und Linearität eines Textes. Nomadentum und Schizophrenie. Ein Schizo2) ist der, der mit vielen Stimmen spricht, der mit den Maskierungen spielt und immer unterwegs ist. Er verfehlt sein Ziel, weil er keines mehr hat. Das Verfehlen selbst ist zum Ziel geworden.
Ozean einerseits und Rhizom andererseits. Das Unendliche und das Gewebe mit den vielen Eingängen. Und in dieser Unstruktur Halters Landschafts und Ortsbeschreibungen. Sie sind detailliert, Wegbeschreibungen ähnlich, so dass ich mich frage, warum er die Örtlichkeiten dermaßen redundant beschreibt und benennt. Die Antwort: Sie sind Metaphern für unsere beiden Suchenden – die Landschaften, die Orte sind die beiden Suchenden. Ihre Stimmungen korrespondieren und sind in Resonanz mit den aufgesuchten Orten. Schriftstellerische Zauberei. Sie seien dem Leser ans Herz gelegt.

Virtuoser Rückblick und Abschied

Auch auf die Anspielungen auf Ereignisse der Geschichte an Orten, an denen Elias und Stella sich aufhalten und über die sie sprechen, sei begeistert verwiesen. Allesamt Puzzleteile für das Gesamtbild. Kein Wort ist hier zufällig gesetzt. Mir will darüber hinaus scheinen, Ernst Halter bezieht sich auf eigene ältere Werke – ist nur ein Verdacht, dem ich noch nachgehen werde. Lässt mich sofort an Jean Sibelius denken, der in seiner Siebten, seiner letzten Sinfonie, seine vorherigen in Zitaten noch einmal hat Revue passieren lassen. Abschied, große Virtuosität, und die Einsicht: Alles ist miteinander verbunden, wir leben auf „1000 Plateaus“.
Bleiben wir weiter im Strukturellen: Vier Sprachen begegnen dem Leser. Deutsch als Erzählsprache ist die Sprache der Ausgesprochenheit, Deutlichkeit, sie kann nicht anders. Gleichzeitig verwendet Halter sie in lyrischster Weise als Elias‘ Trägersubstrat, die seine und Stellas Unausweichlichkeit andeutet und beschwört.

Fliehen durch Sommer und Schnee,
der Tod belagert die Straßen
zwischen Umarmung und Abschied,
Vögel löchern die Dämmerung,
die ruhelose Nacht
wimmert und graut ohne Mond.
Verschwinden unter vier Augen,
trinken einander auf einen Zug,
die Lust
siegeln mit Schweigen.3)

Ausgeprägter Zeigecharakter von Sprache

Italienisch ist Stellas Gefühlssprache, ihr Liebesgeflüster, aber auch ihre dunklen Momente, Ahnungen und ihre Drohungen. Es sind „hingeworfene Bröckchen“, meist kurze Ausrufe, Imperative, Bewertungen. Sofern der Leser nicht Italienisch spricht, findet er im Anhang des Buches ein alphabetisches Wörterverzeichnis (darin auch die anderen Sprachen). Der so unterschiedliche Klang von Deutsch und Italienisch, und die Wechsel von der einen Stimmung in die andere, signalisieren einerseits die Spaltung, die sich durch die Protagonisten, ihre Wünsche und ihre Sucht zieht, andererseits den brückenden Zeigecharakter von Sprache in seiner schönsten Ausprägung.
Hier und da wird auch auf Französisch (Sprache der Bildung und Contenance) und Englisch (Ellens Muttersprache, stiff upper lip; und ihrer Rolle entsprechend – hier für das Depressive, das Verquälte verwendet) gesprochen. Dezente Stilmittel, Anzeige der Verwobenheit, der Vielfalt.
Die „Farbe“ der Sprache der Liebenden, ihr Verhältnis zueinander und die Vielzahl der Stimmen lässt das Hohelied Salomos, jene Liebeslieder, die in nicht alltäglichen Bildern, aber mit wiederkehrenden Motiven Vereinigung und Trennung, Begehren und Erfüllung, eben Liebesgeflüster besingen, anklingen. Doch ich frage mich beim Lesen immer dringender, ob Mermaid ein Lied auf die Liebe ist. Haben wir es überhaupt mit einem Liebesroman zu tun?
„Mermaid“ ist alles andere als eine klassische Dreiecksgeschichte mit den „üblichen“ Schuldgefühlen, dem Dilemma des Mannes zwischen Geliebter und Ehefrau, der Angst vor dem Entdecktwerden oder vor eventuellen Forderungen der Geliebten – das ist allenfalls das vordergründige Thema, das in vielen Romanen mal mehr, mal weniger tiefgehend psychologisch aufgearbeitet wird.

Quadratur einer tiefgründigen Vierecksgeschichte

Schatten der literarischen Protagonisten: Die schön-zerstörerische Göttin Lilith
Schatten der literarischen Protagonisten: Die schön-zerstörerische Schwarze Venus Lilith

„Mermaid“ ist eine tiefgründige Vierecksgeschichte. Schauen wir bei Carl Gustav Jung nach: In einer Liebesbeziehung gehen Mann und Frau sowie die Anima eines Mannes (sein Frauenbild bzw. seine weiblichen Anteile in sich) und der Animus der Frau (ihr Männerbild bzw. ihr männlicher Anteil) ein überkreuzendes Quaternio4) ein. Dieses Motiv liegt im Falle von Stella und Elias anders vor. Es sind nicht Anima und Animus, sondern ihre Schatten, ihre Dämonen, die eine Verbindung eingehen.5) Venus und Ishtar, zwei Göttinnen aus unterschiedlichen Mythologien, treffen in Stella aufeinander. Venus-Maria-Eva: die guten Mutterfiguren; in Lilith allerdings findet sich mit der Göttin Ishtar/Inanna das Dunkle, Dämonische, das körperliche Begehren und das Zerstörerische. Sie ist die Schwarze Venus.6)
Wenn nun in dieser „Quadratur“ das Schattenpaar über die Zeit bestimmt, wenn das Unbewusste und Verdrängte über das bewusste Paar-Ich in seiner Verzweiflung die Vorherrschaft übernimmt, werden die beiden Liebenden aneinander böse.
Geschehen wird das, wenn sie in voranschreitender Entfremdung keine Beziehung mehr aufnehmen können. „Böse“ ist das Ungelebte, das verdrängte Gute; das Böse lockt. Die Nixen und die Undinen aus dem Wasser versprechen die verdrängte Erfüllung und wollen dafür das Leben, und nicht weniger, des Anderen. Wird es ihnen versagt, tritt Poseidon als Rächer auf den Plan.

Modern, aktuell, anspruchsvoll

Wann fängt die Obsession an, wo hört die Entfremdung auf? Komisches Wort: Entfremdung. Bedeutet doch eigentlich, dass man sich bekannter wird, weil man sich vom Fremdsein entfernt! Nach dem Moment ihrer Ent-Deckung bricht sich aus beiden dämonisch Böses seinen Weg in die Gegenwart. Das Ungeteilte zerfällt beinahe feixend, springt in die Zeit! Jetzt sind sie in der Profanität einer ganz normalen, die Endlichkeit in sich tragenden Affäre angekommen, in der das offene Ringen mit den eigenen Schatten bestimmend wird. Wie sich dies in der Geschichte ausgestaltet, verrate ich natürlich nicht.

FAZIT: „Mermaid“ von Ernst Halter ist ein Roman, der mehrfach in die Hand genommen werden will, so viele Ebenen und Verbindungen, Verweise auf die Notwendigkeit der Läuterung enthält er. Ein modernes, aktuelles, anspruchsvolles Buch – und für so manche Leser wohl nicht ungefährlich…

Jeder einzelne Leser wird mit einer anderen Antwort als sein Nachbarleser aus der Geschichte herauskommen, wenn er die letzte Zeile von „Mermaid“ gelesen hat. Habe einer Bekannten von meiner Lektüre erzählt. Sie meinte, sie wolle das Buch lieber nicht lesen – vermutlich würde es bei ihr Minen, die sie sehr tief versenkt hat, zünden. So sehe ich es auch: Für einige Leser kann es ein gefährliches Buch sein, denn es könnte sie mit all dem, was sie im Leben ausgelassen haben und das sie ruhen lassen möchten, konfrontieren. Meerjungfrauen sind nicht ungefährlich.

Über den Schweizer Schriftsteller Ernst Halter habe ich absichtlich nichts geschrieben, außer, dass er 2018 seinen 80. Geburtstag feierte. Es heißt, er lebe sehr zurückgezogen und sei ein „sträflich unterschätzter Autor“. „Mermaid“ ist sein bislang letztes Buch, und mit ihm dürfte die Unterschätzung ein für alle Mal der Vergangenheit angehören. Thema und Umsetzung sind mehr als modern und aktuell, sehr anspruchsvoll. Ein Buch, das mehrfach in die Hand genommen werden will, so viele Ebenen und Verbindungen, Verweise auf die Notwendigkeit der Läuterung enthält es.
Ich wünsche allen Lesern einen spannenden Gang durch die schönen Landschaften und die lehrreichen Abgründe… Mögen Sie gewandelt herauskommen! ♦

1) Deleuze, Gilles & Guattari, Félix : Mille Plateaux, 1980
2) Deleuze, Gilles & Guattari, Félix: Kafka. Für eine kleine Literatur, Berlin 1976
3) S. 149
4) C. G. Jung, Psychologie der Übertragung, in: Hurwitz, Lilith – die erste Eva, S. 163
5) Gelesen bei Siegmund Hurwitz, Lilith – die erste Eva, Daimon Verlag, 1980, 2011: In der arabischen Literatur sind der Karin und die Karina als die Schattengefährten bekannt, S. 161 ff.
6) Über Lilith und die vielfältige Literatur über sie sei auf S. Hurwitz verwiesen

Ernst Halter: Mermaid, Roman, 346 Seiten, Klöpfer & Meyer Verlag Tübingen, ISBN 978-3-86351-463-1

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