Claudia Praxmayer: Bienenkönigin (Roman-Thriller)

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 3 Minuten

Das Mädchen, das die Bienen liebt

von Sigrid Grün

Im Frühling 2017 hat „Die Geschichte der Bienen“, der dystopische Roman der norwegischen Schriftstellerin Maja Lunde, die Bestenlisten gestürmt. Bienen und Bienensterben sind Themen, die auf dem Buchmarkt eine immer größere Rolle spielen, da es ja tatsächlich ein bedrohliches Insektensterben gibt. Die Gründe sind vielfältig: Vom übermäßigen Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft und in Gärten über Bienenkrankheiten bis hin zum Schrumpfen der Lebensräume gibt es viele Gefahren, die der Honigbiene Apis mellifera drohen.
Die gebürtige Salzburgerin Claudia Praxmayer hat Biologie studiert und kennt sich mit Bienen aus. Sie hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht und legt mit „Bienenkönigin“ ihr Debüt im Bereich Jugendbuch vor. Damit schließt sie eine Lücke, denn über das Bienensterben gibt es bisher kaum Literatur für Jugendliche.

Für Jugendliche und Erwachsene konzipiert

Bienenkönigin - Roman-Thriller - Claudia Praxmayer - Rezension im Glarean MagazinMein Sohn ist 13 Jahre alt, liest aber auch gerne schon Bücher für Erwachsene. Wir haben das Buch beide gelesen und kamen unabhängig voneinander zu einem sehr ähnlichen Urteil.
Worum geht es? Mel ist 19 und weiß nicht so recht, welche Richtung ihr Leben nehmen soll. Die Mutter, eine Professorin, möchte dass aus ihrer Tochter eine erfolgreiche Akademikerin wird, der Vater, ein Restaurantbesitzer, spricht sich dafür aus, dass Mel ihre Leidenschaft fürs Kochen zum Beruf macht. Die Eltern sind getrennt, und es kommt immer wieder zu Konflikten wegen Mels Zukunft.
Die junge Frau lebt in einer WG namens „Beehive“ (Bienenstock) in San Francisco. Im Garten des Hauses, in dem sie mit drei Mitbewohnern lebt, gibt es einen Bienenschwarm in einem hohlen Apfelbaumstamm. Mel hatte schon ihr ganzes Leben lang ein besonderes Verhältnis zu Bienen. In ihrem Nacken wächst ihr ein Bienenpelz, und sie kann mit den Tieren kommunizieren. Diese Fähigkeit hat sie von ihrer Großmutter geerbt, die bereits verstorben ist.

Von High-Tech-Roboter-Bienen

Claudia Praxmayer - Bienenkönigin - Biologin - Glarean Magazin
Biologin & Thriller-Debütantin aus Salzburg: Claudia Praxmayer

Mels Welt gerät aus den Fugen, als sie eines Tages am Bienenstock im Apfelbaum eine schockierende Entdeckung macht… Ein Eindringling ist vom Bienenvolk im Garten getötet worden. Doch die schwarze Drohne entpuppt sich nicht nur als Drohne im Sinne einer männlichen Biene, sondern als High-Tech-Roboter-Biene. Wer steckt hinter dieser Erfindung und was hat das zu bedeuten? Diesen Fragen gehen Mel und ihre Mitbewohner nach – und stoßen dabei auf eine Sache, die nicht nur angsteinflößend ist…

Claudia Praxmayer hat eine Sprache und einen Stil, die im Jugendbuch absolut überzeugen können. In diesen Punkten kann sie sich durchaus mit Isabel Abedi messen. Zudem können junge Leserinnen und Leser einiges über die Honigbiene und ihre Gefährdung lernen.

FAZIT: Zwar hat der Thriller „Bienenkönigin“ der österreichischen Biologin und Roman-Debütantin Claudia Praxmayer ein paar dramaturgische Längen, was die Spannung zuweilen drosselt. Andererseits pflegt die Autorin aber eine Sprache und einen Stil, die nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche absolut überzeugen vermögen. Zudem können junge Leserinnen und Leser einiges über die Honigbiene und deren Gefährdung durch die Umweltverschmutzung lernen.

Leider hat das Buch einige dramaturgische Schwächen und weist Längen auf. Anfangs klingt das Ganze ziemlich vielversprechend, doch die Geschichte versandet dann zu oft in alltäglichen Belanglosigkeiten. Auch die Lovestory hätte spannender inszeniert werden können. Sowohl mein Sohn als auch ich haben relativ lange gebraucht, bis wir durch waren, weil wir uns teilweise zum Weiterlesen überwinden mussten. Wir wollten beide wissen, wie die Geschichte endet, aber der Weg dorthin war manchmal etwas steinig…
Zusammengefasst: Wenngleich „Bienenkönigin“ von Claudia Praxmayer sprachlich-stilistisch durchaus überzeugen konnte, waren es doch gar viele Längen, die gerade bei einem Thriller die Spannung zu sehr rausnehmen. Das Thema ist wichtig und für Jugendliche gut aufbereitet. Aber die Geschichte tritt leider zu oft auf der Stelle. Gerade Jugendliche kann das schnell frustrieren. ♦

Claudia Praxmayer: Bienenkönigin, Roman-Thriller (ab 14 J.), 352 Seiten, cbj Jugendverlag Randomhouse, ISBN 978-3-570-16533-1

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Tiere in Romanen auch über
Jose Saramago: Die Reise des Elefanten

…sowie von Sigrid Grün über den Roman von
Bachtyar Ali: Die Stadt der weißen Musiker

Weitere Internet-Artikel zum Thema Biene und Bienensterben:

Der Glarean-Herausgeber auf Instagram:

...und wie ist Ihre Meinung zu diesem Beitrag?