Judith Klinger: Robin Hood (Biographie)

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 4 Minu­ten

Mit Pfeil und Bogen für soziale Gerechtigkeit

von Gün­ter Nawe

Man ist in Zusam­men­hang mit der Geschichte, den Geschich­ten um Robin Hood ver­sucht, den ein­gän­gi­gen Buch­ti­tel des Phi­lo­so­phen Richard David Precht etwas abzu­wan­deln: Wer war er – und wenn ja, wie viele. In der Tat: Robin Hood, der Vogel­freie aus Sher­wood Forest, der Gesetz­lose und Out­law, der Sozi­al­re­bell – grün gewan­det und mit Pfeil und Bogen – ist eine der schil­lernds­ten Figu­ren der mit­tel­al­ter­li­chen Welt. Und er ist es bis heute geblieben.

Vom Outlaw zum Superhelden

Judith Klinger: Robin Hood - Auf der Suche nach einer LegendeVon Robin Hood exis­tiert weder eine bio­gra­phi­sche noch über­haupt eine ein­zige, alles ent­schei­den­den Geschichte, die ihn als Hel­den defi­niert“, lässt uns Judith Klin­ger wis­sen, die sich in ihrem Buch „auf die Suche nach einer Legende“ gemacht hat. Was also bleibt, sind Geschichte und Geschich­ten um diese legen­däre Gestalt, sind Zeug­nisse, die von ihm in viel­fäl­ti­ger Form erzählen
Durch acht Jahr­hun­derte hin­weg lässt Judith Klin­ger, Mit­ar­bei­te­rin am Lehr­stuhl für Medi­ävis­tik am Insti­tut für Ger­ma­nis­tik der Uni­ver­si­tät Pots­dam den Auf­stieg des vogel­freien Out­laws zum Super­hel­den der Popu­lär­kul­tur leben­dig wer­den.  Das Bild von Robin Hood hat sich im Laufe von fast acht Jahr­hun­der­ten oft erstaun­lich gewan­delt. Vor allem aber: „In Robin Hood  ver­kör­pern sich Träume, Träume von sozia­ler Gerech­tig­keit, die in einer Zeit der Hedge­fonds und Ban­ken­kri­sen neue Aktua­li­tät gewin­nen kön­nen. Träume vom Leben im Ein­klang mit der Natur, wie sie die Namens­ge­bung der deut­schen Umwelt- und Natur­schutz­or­ga­ni­sa­tion  Robin Wood beschwört.“, so Judith Klinger.

Erste Spuren im 13. Jahrhundert

Mittelalterlicher Outlaw-Bogenschütze im Dienste der Armen und Verfolgten: Robin Hood
Mit­tel­al­ter­li­cher Out­law-Bogen­schütze im Dienste der Armen und Ver­folg­ten: Robin Hood

Wie aber begann diese zeit­lose Geschichte? Sie wird von Judith Klü­ger aus­ge­hend von der frü­hen mit­tel­al­ter­li­chen Bal­la­den­samm­lung „“A Gest of Robin Hood“ erzählt.  Erste Spu­ren gab es bereits im 13. Jahr­hun­dert. So soll sich hin­ter Robin Hood ein Graf Robert von Hun­tig­don ver­ber­gen. So ist es auf einem Grab­stein aus dem Jahre 1247 zu lesen, der den Tod des Geäch­te­ten mit fol­gen­der Inschrift „beschreibt“: „Hier unter die­sem kleine Grab­stein liegt Robert von  Hun­tig­don. Kein Bogen­schütze war so gut wie er, und die Leute nann­ten ihn Robin Hood. Sol­che Gesetz­lose wie ihn und seine Män­ner wird Eng­land nim­mer­mehr sehen. 24. Dezem­ber 1247“.
Robin Hood war kein Ein­zel­gän­ger. Allen Freun­den der vie­len Geschich­ten sind seine Gefähr­ten, seine „Merry man“ bekannt: Little John, Will Scar­let und Much, spä­ter auch seine Gefähr­tin Marian. Eine ein­zig­ar­tige Gemein­schaft, die zwi­schen Sher­wood Forest, Barns­dale und Not­tig­ham, wo der berühmte She­riff und Feind Robins zu fin­den war, ihrem „Hand­werk“ nach­ge­gan­gen ist.

Wissenschaftliche Suche nach einer Legende

Auf den Spuren eines weltweiten Mythos: Germanistin Dr. Judith Klinger
Auf den Spu­ren eines welt­wei­ten Mythos: Ger­ma­nis­tin Dr. Judith Klinger

Aus Bal­la­den, Zeug­nis­sen und Dich­tun­gen ist das Bild ent­stan­den, das wir heute von ihm haben, ist seine „Vita“ geschrie­ben wor­den – immer wie­der mit neuen Vari­an­ten. Und das hat Gründe. „Robin Hood war immer schon ein Meis­ter der Ver­wand­lung“, schreibt Judith Klin­ger. Mit ihr und anhand der aus­führ­lich zitier­ten Lite­ra­tur kön­nen wir auch den Auf­stieg eines Geäch­te­ten zum Schat­ten­kö­nig und zum einem Hel­den der Moderne nachverfolgen.

Fazit-Rezensionen_Glarean Magazin
Mythos oder Rea­li­tät? Judith Klin­ger hat sich auf eine äus­serst span­nende Suche nach der Legende „Robin Hood“ bege­ben. Sie hat es ver­stan­den, die vie­len his­to­ri­schen Ver­weise zu ent­schlüs­seln, den auf­re­gen­den Weg die­ser Sym­bol­fi­gur vom Out­law zum Sozi­al­re­bell nach­zu­ver­fol­gen und zu zei­gen, wie und auf wel­che Weise er heute noch „Wir­kung“ zeigt: in Lite­ra­tur, Film und Comic.

Judith Klin­ger wird mit „Robin Hood – Auf der Suche nach einer Legende“ den wis­sen­schaft­li­chen Ansprü­chen, die eine sol­che Arbeit erfor­dert, gerecht. Gleich­zei­tig bie­tet sie dem Leser eine äus­serst span­nende und hoch­in­ter­es­sante Lek­türe. So stellt sich eigent­lich die Frage nach dem Erfolg der Suche nicht. Auch nicht mehr die Frage nach Mythos oder Rea­li­tät. Robin Hood hat über die Zei­ten ein sehr rea­les Eigen­le­ben ent­wi­ckelt.  Er wird immer noch eine Legende blei­ben – auch wenn wir dank Judith Klin­ger nun eine Menge mehr über ihn wis­sen. Und er wird damit auch eine Sym­bol­fi­gur blei­ben, die auf viel­fäl­tige Weise in Fil­men, Büchern, Com­pu­ter­spie­len und Comics weiterlebt. ♦

Judith Klin­ger: Robin Hood – Auf der Suche nach einer Legende, 208 Sei­ten, Lam­bert Schnei­der Ver­lag, ISBN 978-3-650-40054-3

Lesen Sie im Glarean Maga­zin auch über die
Bio­gra­phie: Karl May und seine Zeit (Bil­der & Texte)

… und über die Bio­gra­phie von
Tho­mas O. H. Kai­ser: Klaus Mann

Ein Kommentar

  1. Schö­ner, infor­ma­ti­ver Bei­trag – zu einer sym­pa­thi­schen Figur! Werde mir nach vie­len Jah­ren mal wie­der einen der neue­ren Filme dar­über über den Grü­nen ansehen 🙂

Kommentare sind willkommen! (Keine E-Mail-Pflicht)