Veröffentlicht am 2. September 2026
Reimer Boy Eilers: Letzter (5.) Band des Magellan-Romanzyklus
Reimer Boy Eilers hatte eigens ein Reisestipendium ergattert, um vor Ort auf den Philippinen zu recherchieren. Es hat sich gelohnt. Wir baden bei „Mit Magellan (Band5: Der Unheilstern)“ in Sprache, in seiner Lust, freudig zu formulieren und zu fabulieren. Es ist eine der Zeit angemessene, erhabene Redeweise im historischen Gewand, garniert mit einigen Kraftausdrücken, Latein, Spanisch, Friesisch und Begriffen der Molukken wie Maci Maci.
Nun also sind wir am
Ende der langen Reise Magellans angekommen. Allein das ist Grund genug, auf über 500 Seiten alle Abenteuer der Mannschaft und des portugiesischen Kapitäns Magellan, der für Spaniens Krone Teile der Neuen Welt entdeckte und erobern sollte, mitzuerleben. Immerhin wurde der von ihm entdeckte Wasserweg zwischen Atlantischem und Pazifischem Ozean am Fusse Chiles und Argentiniens nach dem Entdecker benannt. Alles Weitere ist verblassende Geschichte…
Das Ende einer epischen Reise
„Das Flaggschiff gab Signale, die drei Karavellen drehten bei und lagen beinahe still in den Wassern der Visayas. Nach Tagen auf See und mehr noch nach einem langen Törn ist das Beidrehen ein seltsames, erregendes Ereignis. Eine unnatürliche Stille senkt sich über das Schiff, das Rauschen und Gurgeln vorbeiströmenden Wassers ist verstummt, der Wind harft nicht mehr durchs Rigg, das Schiff rollt und stösst gelegentlich mit einer ungewohnten Bewegung, und der Rumpf knarrt und ächzt wie ein alter Mann in seinem Lehnstuhl, alles ungehörte, fremde Geräusche während der Fahrt.“ (S. 119)
Die Protagonisten Pay Edel und sein Seemannskumpel Qivitoq aus Grönland sowie Al Gharb, der Schwarze Mönch, der Dolmetsch und andere Nebenfiguren wie der Ritter Pigaffeta tauchen wieder auf. Dazu kommen ganz neu Radschas der Inselwelten sowie Prinzessinnen und Prinzen und die versammelte einheimische Bevölkerung als Objekt der Begierde von Handel und Wandel sowie dem Goldrausch der Eindringlinge aus dem Alten Europa unterworfen.
Christliche Seefahrt, Goldgier, Eroberung

Die sogenannte Christliche Seefahrt wird entlarvt: „In einer bösen Stunde ist es das Schlimmste, die herzlose Frommheit frommer Männer zu erleben, und hier ging sie folgendermassen in den Worten des Schiffsschreibers: ‚Alle Völker der Welt wurden von Gott einem Mann namens Petrus anvertraut, damit er ihr Oberhaupt sei und alle ihm gehorchen. Seine Nachfolger wurden Päpste genannt, und einer dieser Nachfolger machte als Herr der Welt diese Inseln und das Festland dem König von Spanien und seinen Nachfolgern zum Geschenk, wie es in bestimmten Dokumenten, die ihr lesen könnt, wenn ihr es nachprüfen wollt, nachzuprüfen ist.‘“ Natürlich konnte kein Bewohner der Neuen Welt diese Dokumente lesen und niemand verstand das Abrakadabra, so der Erzähler weiter, „es war der formalen Abwicklung dieses Rechtsaktes nur förderlich, weil es keine Einsprüche gab.“ (Seiten 95-96)
Kielholen, Kussflecken, Massentaufen, Massaker

Es geht bunt voran von Mann über Bord, Kussflecken, zu Kielholen und Massentaufen Einheimischer über Zaubertinte, Bambuspaläste und Massaker zu einem (nicht) vorhersehbaren Ende der Grossen Fahrt – alle Register werden gezogen. Zum Schluss gibt es einen Nachtrag mit Personal (Charakteren), Schiffsnamen und Routen und einem Glossar. Fein auch die Grafiken, Bilder, Miniaturen, Stiche und Fotos von Masken, die das aktuelle Geschehen auf den Seiten untermalen. Kapitel sind kurzweilig und mit Sinnsprüchen überschrieben. Lesende brauchen dennoch einen langen Atem …
Spannend bis zuletzt ist die Frage: Werden Pay Edel vom Hilligen Land (Helgoland) und seine Freunde und Schiffsgenossen das Chaos überdauern und jemals zurück in die alte Heimat kommen?
Bestechend – wir stechen in See mit dem Autor, ja seinem literarischen Alter Ego – und am Ende der epischen Reise glauben, ja fühlen wir es, wir wissen, wir waren dabei. Herrlich, dieses Grand Finale! ♦
Reimer Boy Eilers: Mit Magellan – Band 5 (Der Unheilstern), Kulturmaschinen Verlag, 544 Seiten, ISBN 978-3-96763-301-6
Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Historische Romane auch das Interview mit Rebecca Gablé
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