Graham Burgess: Chess Opening Workbook for Kids

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 7 Minu­ten

400 Eröffnungsstellungen für Schach-Kids

von Thomas Binder

Mit „Chess Ope­ning Work­book for Kids“ kom­plet­tiert der ange­se­hene eng­li­sche Schach-Trai­ner und -Autor Gra­ham Bur­gess seine Eröff­nungs-Tri­lo­gie für Kin­der. Zuvor hatte er in glei­cher Auf­ma­chung die Bücher „Schacher­öff­nun­gen für Kids“ und „Schach für Kids – Eröff­nungs­fal­len“ vor­ge­legt. Es ist zu hof­fen, dass auch vom neu­es­ten Werk sehr bald eine deutsch­spra­chige Aus­gabe erscheint.

Chess Opening Book for Kids - Graham Burgess - Schachbuch-Cover - Gambit Verlag - Glarean Magazin
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Dies­mal hat Bur­gess den Stoff als „Arbeits­buch“ auf­ge­ar­bei­tet. Das bedeu­tet, dass in elf Kapi­teln über 400 Eröff­nungs­stel­lun­gen prä­sen­tiert und jeweils mit einer kon­kre­ten Fra­ge­stel­lung ver­knüpft wer­den. Wir bli­cken in der Regel auf eine Stel­lung, die nach etwa sie­ben bis zehn Zügen ent­stan­den ist, manch­mal auch etwas später.
Wel­che Seite am Zug ist, wird durch die Buch­sta­ben „W“ bzw. „B“ neben dem Dia­gramm ange­zeigt. Für diese Kenn­zeich­nung fehlt in der Schach­li­te­ra­tur offen­bar noch ein Quasi-Stan­dard. Andere Autoren benut­zen (neben der klas­si­schen Text­form) Pfeile oder far­bige Käst­chen. Chess­base (der Markt­füh­rer der Schach­pro­gramme) setzt auf ein run­des schwar­zes oder weis­ses Sym­bol rechts unten neben dem Brett.
Einige wenige Illus­tra­tio­nen von Shane Mer­cer lockern das Buch auf. Davon würde ich mir deut­lich mehr wünschen.

Von Taktik bis Strategie

Chess Opening Workbook for Kids - Graham Burgess - Leseprobe Glarean Magazin
Lese­probe aus „Chess Ope­ning Work­book for Kids“ zum Thema „Ent­wick­lung und Zentrum“

Das Mate­rial ist nach The­men geord­net. Zunächst gibt es tak­ti­sche Kapi­tel, wie Matt, Dop­pel­an­griff, Figu­ren­fang oder Königs­jagd. Unter dem Ober­be­griff „Eröff­nungs­stra­te­gie“ fol­gen dann Ent­wick­lung, Zen­trums­be­herr­schung und Rochade. Das letzte die­ser Kapi­tel ist mit „Does Bxh7+ work?“ über­schrie­ben. Es hätte mei­nes Erach­tens aller­dings in den Tak­tik-Abschnitt gehört. Der Leser soll hier unvor­ein­ge­nom­men ent­schei­den, ob sich das klas­si­sche Läu­fer­op­fer auf h7 oder h2 in der kon­kre­ten Stel­lung lohnt.
Abschlies­send gibt es dann noch einige Test­auf­ga­ben mit Punkt­be­wer­tung – ein offen­bar unaus­rott­ba­res Ele­ment vie­ler Schach­lehr­bü­cher, des­sen Sinn sich mir noch nicht so recht erschlos­sen hat.

Überlegt ausgewählte Aufgaben

Jedes Kapi­tel beginnt mit einer kur­zen Ein­füh­rung ins Thema. Auch hier trifft Bur­gess nach Inhalt und Umfang genau ins Schwarze.
Die Auf­ga­ben – je 6 Dia­gramme auf einer Seite – sind durch­weg sehr über­legt aus­ge­wählt. Es wer­den unter­schied­li­che Schwie­rig­keits­grade bedient, ohne dass unbe­dingt eine Sor­tie­rung nach auf­stei­gen­der Schwie­rig­keit erkenn­bar ist. Im Rah­men des Kapi­tel­the­mas sind die Auf­ga­ben wie­derum recht viel­fäl­tig. Her­vor­zu­he­ben ist auch, dass sich der Leser in man­chen Fäl­len auf die Seite des Ver­tei­di­gers bege­ben muss, der eine the­ma­ti­sche Gefahr abwehrt. Ins­ge­samt bleibt man immer auf einem Niveau, das es dem jun­gen Schach­ta­lent ermög­licht, die Auf­ga­ben ohne Schach­brett „vom Blatt“ zu bear­bei­ten. Genau so muss es ja für eine Vor­be­rei­tung unter tur­nier­na­hen Bedin­gun­gen sein.
Im Anschluss an jedes ein­zelne Kapi­tel fol­gen dann die Lösun­gen. Sie wer­den schmuck­los und ohne wei­tere Dia­gramme prä­sen­tiert. Das for­dert die ambi­tio­nier­ten jun­gen Leser doch etwas mehr her­aus, wenn sie auch hier noch allen Vari­an­ten fol­gen wol­len. Auch wir­ken diese Sei­ten im Kon­trast zu den Auf­ga­ben­blät­tern etwas zu eng bedruckt.

Junge Leser und Trainer als Zielgruppen

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Das Work­book wen­det sich pri­mär an die im Titel ange­spro­che­nen „Kids“, wobei ich die Alters­un­ter­grenze bei 10 Jah­ren anset­zen würde. Da es aber keine wirk­lich auf Kin­der zuge­schnit­te­nen Ele­mente ent­hält, kön­nen selbst ältere Jugend­li­che unbe­fan­gen damit arbei­ten. Ja – man kann es mit wach­sen­der Spiel­stärke und Erfah­rung sicher auch mehr­fach zur Hand neh­men. Neben den jun­gen Lesern sind deren Trai­ner eine genauso wich­tige Ziel­gruppe. Sie kön­nen den hier vor­ge­leg­ten Auf­ga­ben­schatz in ihren Unter­richt ein­bauen oder für indi­vi­du­elle Auf­ga­ben­stel­lun­gen nut­zen. Gerade Trai­ner mit wenig Lite­ra­tur im Hin­ter­grund (z.B. in Schul­schach­grup­pen) fin­den für klei­nes Geld einen rie­si­gen Auf­ga­ben­vor­rat zum Eröffnungsspiel.

Geeignet auch fürs Selbststudium

Aus der Sicht des Trai­ners ist es aller­dings etwas schade, dass die ein­lei­ten­den Züge vor der Dia­gramm­stel­lung nicht ange­ge­ben wer­den. Ja – das hätte etwas Platz gekos­tet, würde aber zusätz­li­che Ein­satz­mög­lich­kei­ten im Trai­ning bzw. bei der Wett­kampf­vor­be­rei­tung eröff­nen. Dass die Par­tie­stel­lun­gen ohne Quel­len ange­ge­ben sind, wirkt auf den ers­ten Blick unge­wohnt, aber es geht eben um Eröff­nungs­stel­lun­gen, die so in der Tur­nier­pra­xis unge­zählte Male auf dem Brett waren.
Fazit: „Chess Ope­ning Work­book for Kids „ist eine sinn­volle Ergän­zung zu den bis­her vor­lie­gen­den Eröff­nungs­bü­chern für Kin­der des glei­chen Autors. Sowohl für das Selbst­stu­dium als auch den Ein­satz im Trai­ning ist der Band, der über 400 Auf­ga­ben mit ange­mes­sen erklär­ten Lösun­gen ent­hält, her­vor­ra­gend geeignet. ♦

Gra­ham Bur­gess: Chess Ope­ning Work­book for Kids – Schach­lehr­buch für Kin­der, 128 Sei­ten, Gam­bit Publi­ca­ti­ons, ISBN 978-1911465379, 2019

Lese­probe (PDF)

Lesen Sie im Glarean Maga­zin zum Thema Jugend-Schach­bü­cher auch über das Lehr­buch des Cir­con Ver­lag: Schach­tricks für Kinder

… sowie zum Thema „Schach­spie­len online“ über Ste­fan Breuer: Online-Schach für Ama­teur- und Hobbyspieler


English Translation

400 Opening Positions for Chess Kids

With „Chess Ope­ning Work­book for Kids“ the renow­ned Eng­lish chess trai­ner and aut­hor Gra­ham Bur­gess com­ple­tes his ope­ning tri­logy for child­ren. Pre­viously he had pre­sen­ted the books „Chess Ope­ning Work­book for Kids“ and „Chess for Kids – Ope­ning Traps“ in the same lay­out. It is to be hoped that a Ger­man-lan­guage edi­tion of his latest work will also be published very soon.

This time Bur­gess has worked up the mate­rial as a „work­book“. This means that over 400 ope­ning posi­ti­ons are pre­sen­ted in ele­ven chap­ters, each lin­ked to a spe­ci­fic ques­tion. As a rule we look at a posi­tion that was crea­ted after about seven to ten moves, some­ti­mes a little later.
Which side is the move is indi­ca­ted by the let­ters „W“ or „B“ next to the dia­gram. Appar­ently there is still no quasi-stan­dard for this mar­king in chess lite­ra­ture. Other aut­hors use (bes­i­des the clas­si­cal text form) arrows or colou­red boxes. Chess­base (the mar­ket lea­der of chess pro­grams) uses a round black or white sym­bol at the bot­tom right of the board.
A few illus­tra­ti­ons by Shane Mer­cer loo­sen up the book. I would like to see much more of that.

From tactics to strategy

The mate­rial is arran­ged by topic. First there are tac­ti­cal chap­ters, such as Matt, dou­ble attack, figure cat­ching or king hun­ting. Under the gene­ric term „ope­ning stra­tegy“, deve­lo­p­ment, centre con­trol and cast­ling fol­low. The last of these chap­ters is titled „Does Bxh7+ work? In my opi­nion, howe­ver, it would have belon­ged in the tac­tics sec­tion. The rea­der should decide here wit­hout pre­ju­dice whe­ther the clas­sic run­ner sacri­fice on h7 or h2 is wort­hwhile in the con­crete position.
Finally there are some test exer­ci­ses with point scoring – an appar­ently ine­ra­di­ca­ble ele­ment of many chess text­books, the sense of which I have not yet quite understood.

Thoughtfully selected exercises

Each chap­ter beg­ins with a short intro­duc­tion to the topic. Here too, Bur­gess hits the mark in terms of con­tent and scope.
The tasks – 6 dia­grams on each page – have been carefully cho­sen throug­hout. Dif­fe­rent levels of dif­fi­culty are used, wit­hout neces­s­a­rily being sor­ted accor­ding to ascen­ding dif­fi­culty. Within the chap­ter topic the tasks are again quite varied. It should also be empha­si­zed that in some cases the rea­der has to take the side of the defen­der who defends a the­ma­tic dan­ger. All in all one always stays on a level that allows the young chess talent to work on the tasks „off the page“ wit­hout a chess­board. This is exactly how it has to be for a pre­pa­ra­tion under tour­na­ment conditions.
Each chap­ter is fol­lo­wed by the solu­ti­ons. They are pre­sen­ted unador­ned and wit­hout fur­ther dia­grams. This chal­lenges the ambi­tious young rea­ders a little bit more, if they want to fol­low all vari­ants. Also, these pages appear a little too tightly prin­ted in con­trast to the task sheets.

Young readers and trainers as target groups

The work­book is pri­ma­rily aimed at the „kids“ men­tio­ned in the title, wher­eby I would set the age limit at 10 years. Howe­ver, since it does not con­tain any ele­ments that are really tail­o­red to child­ren, even older teen­agers can work with it wit­hout any bias. Yes – with incre­asing play­ing strength and expe­ri­ence you can cer­tainly use it seve­ral times. Bes­i­des young rea­ders, their trai­ners are an equally important tar­get group. They can incor­po­rate the wealth of tasks pre­sen­ted here into their les­sons or use it for indi­vi­dual tasks. Espe­ci­ally coa­ches with little lite­ra­ture in the back­ground (e.g. in school chess groups) will find a huge pool of tasks for the ope­ning game for little money.

Also suitable for self-study

From the trainer’s point of view, howe­ver, it is a bit of a pity that the intro­duc­tory moves are not indi­ca­ted before the dia­gram is drawn. Yes – this would have taken up some space, but would have ope­ned up addi­tio­nal pos­si­bi­li­ties for trai­ning or com­pe­ti­tion pre­pa­ra­tion. The fact that the party posi­ti­ons are given wit­hout sources may seem unu­sual at first sight, but it is about ope­ning posi­ti­ons, which have been on the board count­less times in practice.

Con­clu­sion: „Chess Ope­ning Work­book for Kids „is a useful addi­tion to the exis­ting ope­ning books for child­ren by the same aut­hor. The volume, which con­ta­ins over 400 tasks with appro­pria­tely explai­ned solu­ti­ons, is excel­lently sui­ted for both self-study and training. ♦
(Tho­mas Bin­der, http://www.glarean-magazin.ch)

Ein Kommentar

  1. Danke für die erhel­lende Betrach­tung, Herr Bin­der! Schade, dass noch keine deut­sche Fas­sung käuf­lich ist! Bin jetzt nicht sooo mit dem eng­li­schen… 😉 Aber ich kann war­ten, gemäss Ihrer Review lohnt sich das War­ten ja! Gruss: Malte

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