Veröffentlicht am 12. September 2026
BECAÀRIA – Schweizer Spielfilm, Regie: Eric Bernasconi
„Becaària“ bedeutet im Tessiner Dialekt so viel wie „jemand, der in die Berge kommt, um frische Luft zu schnuppern – ein Greenhorn, ein Faulpelz“. Dass dieser Schweizer Film die Seele und das Herz öffnet, mag im ersten Moment kitschig tönen. Doch der Gewinn des Prix du Public 2026 in Solothurn bestätigt, dass es sich lohnt, für diese Romanverfilmung von Eric Bernasconi ins Kino zu gehen.
Der Film nach dem Buch von Giorgio Genetelli erzählt die Geschichte eines Sommers im Jahr 1977 in einem Tessiner Bergdorf: Eine Coming-of-Age-Geschichte über Mario, der zwar musikalisch und zeichnerisch begabt ist, sich wegen seiner Schüchternheit aber kaum durchzusetzen vermag – weder bei seiner Schwarm-Mitschülerin noch in der Schule.
Grossartige Darstellung jugendlicher Befindlichkeiten
Der Film überzeugt durch gut gewählte Sequenzen, eine feinfühlige Kameraführung und vor allem durch die hervorragenden Hauptdarsteller: Francesco Tozzi glänzt als Mario, Sinéad Thornhill überzeugt als Bauerntochter Prisca. Prisca ist nur gelegentlich im Dorf, da sie in Locarno zur Kindergärtnerin ausgebildet wird. Die Natürlichkeit, mit der die beiden ihre Liebe entdecken und wie Mario seiner erwachenden Männlichkeit begegnet, ist erfrischend und berührend. Das macht den Film zu einem zarten, grossen Gefühlskino.
Durch den Dorfarzt, der ihm später auch ein schicksalhaftes Geheimnis offenbart, lernt Mario, Verantwortung zu übernehmen und eigene Entscheidungen zu treffen. Bei jedem Arztbesuch erfährt er etwas Neues über das Leben und reift schrittweise heran. Nach diesen dramatischen Sommerwochen verlässt der 17-Jährige das Bergdorf als entschlossener junger Mann – ganz anders als der scheue Jüngling, den sein autoritärer Vater einst zu der Bauernfamilie geschickt hatte, um das harte Leben kennenzulernen.
Eigene Erfahrungen

Als Jugendliche habe ich in einer ähnlichen Zeit im Wallis vergleichbare Erfahrungen gemacht, als ich meine Französischkenntnisse aufbessern sollte. Der Film zeigt auf sinnliche Weise den Zusammenprall der städtischen Lebensweise mit der traditionellen Ländlichkeit.
„Becaària“ ist ein starkes, künstlerisch aufgearbeitetes Stück Schweizer Geschichte, das zwar vor 50 Jahren spielt, dessen Thematik des Erwachsenwerdens aber bis heute zeitlos bleibt. Feinfühlig, behutsam und doch heiter-rebellisch – ein Film, der für jedes Alter ans Herz geht. Oder wie der Schweizer Filmkritiker Michael Sennhauser in seinem Podcast „Kino Cappuccino“ treffend meinte: „Man kann ‚Becaària‘ nicht nicht mögen.“
Eric Bernasconi (Regie): Becaària, Schweizer Spielfilm, 108 Minuten, 2026
Lesen Sie im Glarean Magazin weitere Besprechungen interessanter Schweizer Filme
Das Glarean Magazin auf Instagram
Wenn Sie die Arbeit des GLAREAN MAGAZINS unterstützen möchten, können Sie dies hier tun:
👉 Unterstützung via PayPal (Walter Eigenmann)
Vielen Dank.
Entdecke mehr von Glarean Magazin
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

