Christian Petzold: Undine (Film)

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 3 Minu­ten

Die Abgründe der Liebe

von Katka Räber

Undine, die Was­ser­frau, Rusalka oder der Was­ser­geist… Wenn sie sich in einen Men­schen ver­liebt und die­ser die Liebe durch Untreue ver­rät, muss sie, der Sage nach, den Gelieb­ten töten und sel­ber wie­der ins Was­ser zurück­keh­ren. Chris­tian Pet­zold schuf mit „Undine“ einen Film über die Abgründe der Liebe, die nicht nur im All­täg­li­chen lie­gen, die viel tie­fer, in der Unter­welt, in den Untie­fen, in den alten Mythen lie­gen, in denen auch erträumte Wahr­hei­ten statt­fin­den. Und er besetzt die bei­den Haupt­prot­ago­nis­ten mit den Dar­stel­lern aus sei­nem erfolg­rei­chen Film ‚Tran­sit’.

Undine - Spielfilm von Christian PetzoldDie heu­tige Undine ist bei Regis­seur Chris­tian Pet­zold eine junge Kunst­his­to­ri­ke­rin, die öffent­li­che Vor­träge über die Stadt­ent­wick­lung von Ber­lin hält. Wir erfah­ren sogar einige Fak­ten über die Rekon­struk­tion des Schlos­ses aus dem 17. Jahr­hun­dert, wobei die Ver­gan­gen­heit in die Gegen­wart gehievt wird und damit, wie gesagt, ech­ten Fort­schritt unmög­lich macht.
In der ers­ten Szene sehen wir Undine, der ihr bis­he­ri­ger Freund mit­teilt, er werde sie ver­las­sen. Lange Ein­stel­lun­gen, fast wort­los, die Bli­cke spre­chen für sich. Undine warnt ihren schei­den­den Freund Johan­nes, sie müsse ihn töten, falls er sie ver­lässt, denn er hätte geschwo­ren, sie bis ans Lebens­ende zu lie­ben. Da kommt die Sage ins Spiel, die schon von Fried­rich de la Motte Fou­qué, von Inge­borg Bach­mann, in der Musik von Peter Tschai­kow­ski oder von Antonín Dvořák auf­ge­grif­fen wurde.

Filmisch meisterhafte Magie

Undine - Christian Petzold - Film 2020 - Rezension Glarean Magazin
Das (Unter-)Wasser als Ver­bin­dungs­ele­ment einer lei­den­schaft­li­chen Liebe im Film „Undine“ von Chris­tian Petzold

Durch einen glück­li­chen Zufall trifft bei Pet­zold der Indus­trie­tau­cher Chris­toph in einem Café die gerade ver­las­sene Undine und er zer­schlägt in sei­ner ver­lieb­ten Zer­streut­heit durch ein Miss­ge­schick ein Aqua­rium, und von da an ver­bin­det das Ele­ment Was­ser die bei­den mit einer lei­den­schaft­li­chen Liebe. Die Sze­nen, in denen rea­lis­ti­sche Bege­ben­hei­ten des All­tag in Bild­ma­gie umge­wan­delt wer­den, sind hier fil­misch meis­ter­haft vom Kame­ra­mann Hans Fromm umgesetzt.
Span­nend und sehr sinn­lich ent­wi­ckelt sich diese neue Liebe zwi­schen Undine und dem Indus­trie­tau­cher. Das Ele­ment Was­ser ver­bin­det die bei­den Lie­ben­den auf eine schick­sal­hafte Weise, meta­pho­risch und real. Doch mit der Zeit ahnt Chris­toph, dass Undine ein Geheim­nis trägt. Undine bestrei­tet dies, was sie spä­ter bereut, doch es wirkt sich schick­sal­haft auf die Wei­ter­ent­wick­lung aus.

Unterschiedliche Liebesformen

Zur glei­chen Zeit hat Chris­toph einen schwe­ren Berufs­un­fall, und Chris­tophs Assis­ten­tin Monika, die ihn schon lange heim­lich liebt, erweist sich als seine treue Beglei­te­rin. In Gestalt die­ser bei­den Frauen tref­fen zwei unter­schied­li­che Lie­bes­for­men auf­ein­an­der. Rea­lis­ti­sche und traum­hafte Bil­der im Was­ser des Stau­sees wie auch auf dem Tro­cke­nen las­sen uns die­ses sich zuspit­zende Lie­bes­drama nicht so schnell vergessen.

Glaubwürdige Schauspiel-Präsenz

Regisseur Christian Petzold - Film Undine 2020 - Film-Rezensionen Glarean Magazin
Mär­chen­haf­tes, doch glaub­wür­di­ges Lie­bes­drama: Regis­seur Chris­tian Petzold

Undine, ver­kör­pert von Paula Beer, die man z.B. aus dem Film „Frantz“ von Fran­çois Ozon, aber auch wie bereits erwähnt aus Pet­zolds „Tran­sit“ kennt, dort auch bereits an der Seite von Franz Rogow­ski, der hier sehr glaub­wür­dig den fein­füh­li­gen Indus­trie­tau­cher wie­der­gibt, sowie seine Tau­cher­as­sis­ten­tin Monika, von Maryam Zaree dar­ge­stellt. Sie alle tra­gen durch ihre glaub­wür­dige Schau­spiel­prä­senz zum Gelin­gen die­ses Mythen­stof­fes bei, der ein Lie­bes­drama schil­dert, lei­den­schaft­lich und glaub­wür­dig, trotz sei­ner Mär­chen­haf­tig­keit, an die heu­tige Zeit ange­passt. Ein Film vol­ler Zärt­lich­keit und viel­schich­ti­ger Anspie­lun­gen an die Geheim­nisse der Liebe. Span­nend, sexy, tief­grün­dig und auf­wüh­lend zugleich. ♦

Chris­tian Pet­zold (Regie): Undine (2020) – Spiel­film 90 Min – Mit Paula Beer, Franz Rogow­ski, Maryam Zaree, Jacob Matschenz

Lesen Sie im Glarean Maga­zin zum Thema Spiel­film auch über „And Then We Danced“ von Levan Akin

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