Tania Krätschmar: Die Rückkehr der Apfelfrauen (Roman)

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 4 Minu­ten

Unterhaltsamer Frauenroman

von Sigrid Grün

Die Rück­kehr der Apfel­frauen“ ist die Fort­set­zung des Best­sel­lers „Eva und die Apfel­frauen“ von Tania Krät­sch­mar. Bei die­sen Büchern han­delt es sich um unter­halt­same Frau­en­ro­mane, deren Prot­ago­nis­tin­nen nicht etwa 30, son­dern um die 50 sind.
Nun sind „Frau­en­ro­mane“ nicht so mein Genre, popu­läre Lite­ra­tur inter­es­siert mich hin­ge­gen sehr, weil es etwas über kul­tu­relle Wer­tig­kei­ten aus­sagt. (Die Zeit­schrift „Land­lust“ erfreut sich immer noch gros­ser Beliebt­heit, mit einer Auf­lage von knapp 900.000 ver­kauf­ten Exem­pla­ren über­holte sie vor eini­gen Jah­ren sogar den „Stern“). The­men wie Land­le­ben oder länd­li­ches Woh­nen sind sehr beliebt und zeu­gen vom Wunsch, aus der Kom­ple­xi­tät des All­tags aus­zu­stei­gen und ein ein­fa­che­res, natur­ver­bun­de­nes Leben zu führen.
Genau diese Sehn­sucht befrie­digt auch Tania Krät­sch­mar mit ihrem Roman um fünf Freun­din­nen um die 50, die mit ver­ein­ten Kräf­ten ein Pro­blem lösen – und selbst­ver­ständ­lich geht es auch um die Liebe.

Kinder-Stil bei Erwachsenen-Büchern

Tania Krätschmar - Die Rückkehr der Apfelfrauen - Roman - Blanvalet - Glarean MagazinDie Ein­fach­heit ist bei die­sem Roman Pro­gramm. Spra­che und Stil erin­nern eher an popu­läre Kin­der- und Jugend­bü­cher, wie  die „Fünf Freunde“-Reihe von Enid Bly­ton. Ich mag die­sen Stil bei „Erwach­se­nen­bü­chern“ nicht, wes­halb ich vor allem den Beginn der Geschichte als nerv­tö­tend empfand.
Die Freun­din­nen sind zunächst in Vene­dig unter­wegs, bis Eva, die seit vier Jah­ren gemein­sam mit ihrem Mann Loh in Bran­den­burg einen Hof bewirt­schaf­tet, einen Anruf aus der Hei­mat bekommt. Die Apfel­ernte muss drin­gend erle­digt wer­den, weil ein wich­ti­ger Ter­min im Apfel­gar­ten ansteht, bei dem dar­über ent­schie­den wird, ob in der ver­schla­fe­nen Ort­schaft Wann­see (nicht zu ver­wech­seln mit dem Ber­li­ner Bezirk) ein Baum­haus­ho­tel ent­ste­hen darf…

Klischee-Probleme Familie und Übergewicht

Tania Krätschmar - Rezension im Glarean Magazin
Tania Krät­sch­mar

Evas vier Freun­din­nen – Nele, Marion, Doro­thee und Julika – ent­schlies­sen sich getreu dem Motto „Einer für alle und alle für einen“, Eva zu hel­fen. Und so rei­sen die fünf zurück ins herbst­li­che Deutsch­land, wo sich auch noch die Schul­schild­kröte Alexis zu ihnen gesellt. Vor Ort zeigt sich schnell, dass die Apfel­ernte nicht das ein­zige Pro­blem ist: Neben dem para­die­si­schen Apfel­gar­ten hat der fiese Unter­neh­mer Borg Sei­del einen häss­li­chen Bau hoch­ge­zo­gen, der ein­mal eine pri­vate Spiel­bank wer­den soll. Und schon ist er da: Der Kampf Gut gegen Böse. Dazwi­schen taucht noch ein geheim­nis­vol­ler Frem­der mit ganz schön viel Natur­wis­sen auf, den Nele attrak­ti­ver fin­det, als sie möchte. Und jede ein­zelne Frau bringt noch ihre klei­nen und gros­sen All­tags­sor­gen und –pro­bleme mit. Das sind bei Frauen natür­lich Frei­be­ruf­lich­keit, Fami­lie und Über­ge­wicht! Es sind Kli­schees, die bedient wer­den, weil Kli­schees genauso sim­pel funk­tio­nie­ren wie eine rela­tiv vor­her­seh­bare Hand­lung und die ein­fa­che Sprache.

Spannender Roman in heiler Welt

FAZIT: Wer Frau­en­ro­mane mag, die einem den Aus­stieg aus dem All­tag ermög­li­chen, moderne Mär­chen, die auf alle Fälle gut aus­ge­hen, und bei denen man keine Sekunde über irgend etwas nach­den­ken muss, wer also See­len­trös­ter sucht, die einen von den Pro­ble­men der Welt ablen­ken, wird mit der „Rück­kehr der Apfel­frauen“ von Tania Krät­sch­mar ein paar schöne und auch span­nende Stun­den ver­brin­gen. Wer andere Ansprü­che an Lite­ra­tur hat, wird ver­mut­lich ohne­hin zu einem ande­ren Buch greifen…

Es ist ein moder­nes Mär­chen vor einer Sehn­sucht­s­ku­lisse: Die heile Welt im bran­den­bur­gi­schen Bul­lerbü muss vor dem üblen Plan des Böse­wichts bewahrt wer­den – und ich glaube, ich ver­rate auch nicht zu viel, wenn ich sage, dass am Ende alles gut wird. Nie­mand liest so einen Roman, um sich zum Schluss dar­über zu ärgern, dass der böse Bau­un­ter­neh­mer erfolg­reich alles ver­saut hat, den Traum vom Apfel­blü­ten­ho­tel, von unbe­rühr­ter Natur und natür­lich von der gros­sen Liebe!

Trotz der vor­her­seh­ba­ren Hand­lung muss man aber doch zuge­ben, dass die Autorin einen span­nen­den Roman geschrie­ben hat, so wie die „Fünf Freunde“-Bände auch span­nend sind. Man liest wei­ter und weiss, dass es mit dem Bösen unmög­lich ein gutes Ende neh­men wird. Und das ist viel­leicht mal ganz nett, in eine heile Traum­welt abzu­tau­chen, in der auf jeden Fall das Gute gewinnt. Mein bevor­zug­tes Genre ist es nicht, aber inter­es­sant war die Lek­türe allemal. ♦

Tania Krät­sch­mar: Die Rück­kehr der Apfel­frauen – Roman, 352 Sei­ten, Blan­va­let Ver­lag, ISBN: 978-3-734-10628-6

Lesen Sie im Glarean Maga­zin zum Thema „Frauen-Lite­ra­tur“ auch über die Antho­lo­gie von A. Dja­fari & J. Boos: Voll­mond hin­ter fahl­gel­ben Wolken

…sowie über den Som­mer-Roman von Alan Schwein­gru­ber: Simona

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