Martin Grubinger: Drums `N` Chant (CD)

Hohe Affinität zur Spiritualität verlangt

von Chris­tian Schütte

Die gre­go­ria­ni­schen Ge­sänge von Mön­chen in viel­fäl­tigs­ter Weise auf Ton­trä­gern zu pro­du­zie­ren ist wahr­lich keine No­vi­tät mehr. Wie im Bei­heft zu die­ser neuen Auf­nahme mit dem Per­kus­sio­nis­ten Mar­tin Gru­bin­ger so­wie Mön­chen der Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei Müns­ter­schwar­zach und wei­te­ren Mu­si­kern zu­recht hin­ge­wie­sen wird, tra­gen sol­che neuen Kir­chen­mu­sik-Pro­duk­tio­nen oft­mals allzu sehr die Züge von sphä­ri­scher Wohl­fühl­mu­sik, was an Sinn und Zweck der gre­go­ria­ni­schen Ge­sänge weit vor­bei­geht.

Kombination von Gregorianik und Instrumentalelementen

Drums 'n' Chant - Martin Grubinger - Deutsche GrammophonGru­bin­ger wollte diese CD nun trotz­dem und ganz an­ders pro­du­zie­ren, hat es er­folg­reich ge­schafft, den «Hü­ter der Gre­go­ria­nik in Müns­ter­schwar­zach», Pa­ter Rha­ba­nus, zur Ko­ope­ra­tion zu über­zeu­gen. Da­bei sind Gre­go­ria­nik-Auf­nah­men be­nutzt wor­den, die mit den Mön­chen aus Müns­ter­schwar­zach schon vor ei­ni­ger Zeit ent­stan­den und von der Deut­schen Gram­mo­phon als Ar­chiv­auf­nah­men pro­du­ziert wur­den. Mar­tin Gru­bin­ger hat dazu eine Reihe von Mu­si­kern ge­win­nen kön­nen, wei­tere Per­cus­sio­nis­ten, aber auch zum Bei­spiel den Obo­is­ten Al­brecht Mayer und an­dere In­stru­men­ta­lis­ten. Ent­stan­den ist so eine Kom­bi­na­tion der vor­han­de­nen gre­go­ria­ni­schen Ge­sänge mit neu kom­po­nier­ten In­stru­men­tal- und Per­cus­sions­ele­men­ten.

Percussion und Instrumente klanglich zu dominant

Perkussionist Grubinger und Benediktiner Rhabanus
Per­kus­sio­nist Gru­bin­ger und Be­ne­dik­ti­ner Rha­ba­nus

Das Bei­heft zur CD ver­rät, Mar­tin Gru­bin­ger wolle, dass sich der Hö­rer mit den In­hal­ten be­schäf­tige, sich auf die Texte kon­zen­triere. Im­mer­hin sind die la­tei­ni­schen Texte dazu mit ab­ge­druckt. In ei­ni­gen Stü­cken ist das auch un­be­dingt not­wen­dig, da Per­cus­sion und In­stru­mente so stark im klang­li­chen Vor­der­grund ste­hen, dass ein Ver­ste­hen des Tex­tes ohne Mit­le­sen kaum mög­lich ist.

Ethnomusikalische Öffnung des Genres

Ne­ben klas­si­schem Schlag­werk hat Gru­bin­ger sich ganz be­wusst dazu ent­schie­den, auch In­stru­mente aus der afri­ka­ni­schen und der ara­bi­schen Mu­sik zu ver­wen­den – um zu zei­gen, dass die ka­tho­li­sche Kir­che eine in der gan­zen Welt ver­brei­tete Ge­mein­schaft ist, die nicht an ei­nen be­stimm­ten kul­tu­rel­len Raum ge­bun­den ist. So sind die Ge­sänge über­wie­gend von ei­ner sehr prä­gnan­ten In­stru­men­tal­be­glei­tung ge­prägt, im­mer wie­der gibt es aus­ge­dehnte Soli der Per­cus­sion oder der Me­lo­die-In­stru­mente.
Diese stark in­stru­men­tal be­stimmte Seite der Ein­spie­lung bringt im­mer wie­der die Ge­wich­tung des Tex­tes, das Ver­hält­nis von Text und Be­glei­tung in Ge­fahr. Grund­lage sind und blei­ben die gre­go­ria­ni­schen Ge­sänge, eine mu­si­ka­li­sche Aus­drucks­form, die eben durch die Rein­heit des Vo­ka­len be­sticht und lebt, darum keine Er­gän­zun­gen braucht. Auch wenn das klang­li­che Er­geb­nis durch­aus hö­ren­des In­ter­esse weckt, ge­ra­ten ins­ge­samt die Texte und da­mit die un­be­dingt not­wen­dige Ba­sis die­ser Mu­sik zu sehr in den Hin­ter­grund.

Experimentelle Verknüpfung von Klängen und Stilrichtungen

Auch wenn das klangliche Ergebnis durchaus Hörinteresse weckt, geraten insgesamt die Texte und damit die unbedingt notwendige Basis dieser Musik manchmal zu sehr in den Hintergrund. «Drums `N` Chant» hat experimentellen Charakter, verknüpft schwierig vermittelbare Klänge&Stilrichtungen - ist aber dadurch gewiss als Stil-Experiment beachtenswert.
Auch wenn das klang­li­che Er­geb­nis durch­aus Hörin­ter­esse weckt, ge­ra­ten ins­ge­samt die Texte und da­mit die un­be­dingt not­wen­dige Ba­sis die­ser Mu­sik manch­mal zu sehr in den Hin­ter­grund. «Drums `N` Chant» hat ex­pe­ri­men­tel­len Cha­rak­ter, ver­knüpft schwie­rig ver­mit­tel­bare Klänge&Stilrichtungen – ist aber da­durch ge­wiss als Stil-Ex­pe­ri­ment be­ach­tens­wert.

Diese Auf­nahme ist mehr un­ter dem Be­griff Welt­mu­sik zu fas­sen, hat vor al­lem ex­pe­ri­men­tel­len Cha­rak­ter und ver­knüpft Klänge und Stil­rich­tun­gen mit­ein­an­der, die schwie­rig mit­ein­an­der in Be­zie­hung zu set­zen sind. Und ob­wohl im Book­let stets be­tont bleibt, Pa­ter Rha­ba­nus sei von dem Pro­jekt über­zeugt wor­den, so bleibt doch die Frage zu­rück, wie in en­ge­ren und auch wei­te­ren Krei­sen von Men­schen mit wie auch im­mer ge­ar­te­ter ho­her Af­fi­ni­tät zur Kir­che, zur Gläu­big­keit und zur Strenge diese CD tat­säch­lich an­kommt. Zwei­fel und Ab­leh­nung soll­ten hier viel­leicht ein­kal­ku­liert wer­den… ■

Mar­tin Gru­bin­ger / Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei Müns­ter­schwar­zach: Drums `N` Chant, Au­dio-CD, Deut­sche Gram­mo­phon / Uni­ver­sal

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin zum Thema „Neue Kir­chen­mu­sik“ auch über Kurt Es­ter­mann: Missa bre­vis (Kir­chen­mu­sik)

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