Julietta Fix: Drei Gedichte

Ein Fest

Ein Fest

Da steht ei­ner den du kennst
am Rand, an den Zaun ge­lehnt,
die Hände in den Ta­schen

Da streift ein leich­ter Wind
über den Platz und wir­belt Sand
auf bis un­ter die Ach­seln

Da duf­tet es nach Früch­ten
ge­ba­cke­nem Brot und Hu­mus
auf den Bän­ken sit­zen Fremde

Da geht dir ein Lied durch den
Kopf von ir­gend­wo­her nach ir­gend
wo­hin rutscht es weg

Da stehst du auf und lehnst dich
an den Zaun, ver­gräbst die Hände
in den Ta­schen

Die in­nere Be­hörde

Das Spre­chen ist ein Tier
und das Ofen­rohr der Bote
Ges­tern aß ich die Krü­mel
vom Tisch und mor­gen
fange ich mit den Stuhl­bei­nen
an.

Als die Tage noch 24 Stun­den
bar­gen, schlie­fen die di­cken
Kä­fer in den Ka­cheln.
Heute sprengt die Sonne
die Pan­zer, lässt Luft an die
Haut.

Schwach ist das Licht, seh­nig
der Bo­gen über den Au­gen. In­nen
weht eine Fahne, Zei­chen aus
Zei­ten in de­nen das Wich­tigste
nicht ge­schah. Ein Tau­send­füß­ler
er­in­nert sich.

Hoch oben auf der Straße die
den ro­ten Staub auf­wir­belt zieht
eine Ka­ra­wane. Esel sind sto­isch.
Die Tage wer­den kür­zer. Der Pan­zer
strickt sich ein neues Kleid. Au­ßen
nichts.

Platz

Im Vor­haus brennt die Zug­luft. Kahle
Wände die Röh­ren un­ter Putz. Das Licht
scheint un­er­bitt­lich.

Sil­ber­fi­sche in den Fu­gen amü­sie­ren sich
in  kal­ki­gem Was­ser. Feste fei­ern wie sie fal­len.

Das Tempo zeigt Ge­duld. In den dunk­len
Trep­pen­häu­sern se­geln bunte Kis­sen
von oben nach un­ten.

Platz be­deu­tet nicht un­be­dingt Platz.


Julietta Fix

Ju­li­etta Fix

Geb. 1957 in Würzburg/D, Prosa- und Ly­rik-Ver­öf­fent­li­chun­gen in Buch-An­tho­lo­gien und Zeit­schrif­ten, lebt als freie Au­to­rin und Her­aus­ge­be­rin von Fix­Poe­try in Ham­burg

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