Duden: Neues Wörterbuch der Szenesprachen

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 3 Minu­ten

Sprache zwischen Mitteilung und Beziehung

von Wal­ter Eigenmann

Der all­ge­meine Sprach­ge­brauch reflek­tiert bekannt­lich gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen sehr nach­hal­tig, und am unmit­tel­bars­ten, für ein kon­ven­tio­nel­les Sprach­ver­ständ­nis mög­li­cher­weise am pro­vo­ka­tivs­ten doku­men­tiert sich die­ser Wan­del in den (zumal jugend-)sprachlichen Main­streams des Inter­nets. Typi­sche Web-2.0-Ausprägungen wie „Twit­ter“ oder „Face­book“, als Social-Net­works eng­lisch-glo­bal und omni­prä­sent, schaf­fen hier nicht nur einen Zwang zur Ver­knap­pung des Aus­drucks, son­dern auch zur Indi­vi­dua­li­sie­rung, gleich­zei­tig Pla­ka­ti­vie­rung von Spra­che. Nicht mehr Refle­xion bzw. Infor­ma­tion im her­kömm­li­chen Sinne ste­hen hier an ers­ter Stelle, son­dern Codie­rung, ver­bun­den mit maxi­ma­ler Subjektivität.

Sprache als Identitätsstifterin und Abgrenzungsmöglichkeit

Duden - Das neue Wörterbuch der SzenesprachenDoch noch immer, unab­hän­gig von Stil und Gram­ma­tik, stif­tet Spra­che vor allem Iden­ti­tät, eigent­lich auch Abgren­zung – bei Grup­pen, bei über­re­gio­na­len Zusam­men­schlüs­sen, bei gan­zen Bevöl­ke­rungs­schich­ten. In die­ser Situa­tion einer gewis­sen Her­me­tik der ver­schie­de­nen „Social Lifes“ und einer die Kom­mu­ni­ka­tion der Gene­ra­tio­nen behin­dern­den, teils radi­ka­len Hete­ro­ge­ni­tät des Wort­schat­zes kom­men „Über­set­zungs­hil­fen“ wie das jüngst erschie­nene „DUDEN-Wör­ter­buch der Sze­nespra­chen“ gerade recht.

Wer als über Vier­zig­jäh­ri­ger und damit oft der „ange­sag­ten“ Slangs völ­lig Unkun­di­ger quasi den seman­ti­schen Anschluss sucht, kriegt damit nun ein Wör­ter­buch in die Hand, das ihn zwar auch nicht jün­ger, aber viel­leicht auf­ge­schlos­se­ner macht… Basis die­ses neuen Szene-Dic­tion­aires aus dem Hause DUDEN bil­det ein auf der deut­schen Platt­form Szenesprachenwiki.de inter­ak­tiv erstell­tes und suk­ses­sive ange­häuf­tes Online-Wör­ter­buch. In Zusam­men­ar­beit mit dem „Trend­büro“ hat man nun das Begriffs­ma­te­rial in ein hand­li­ches Taschen­buch gegos­sen und es dabei sechs gesell­schaft­li­chen „Sce­nes“ zuge­ord­net: „Social Life“, „Techlife“, „Night­life“, „Sty­le­life“, „Serious Life“ und „Media­life“.

Authenzität und Vielfalt

OVERCHICKED: Wenn das it-Girl den Schmacko links lie­gen lässt und mit dem Hässlo aus­geht, ist Letz­te­rer defi­ni­tiv overchicked.“

Die bei­den her­aus­ge­ben­den Orga­ni­sa­tio­nen schlu­gen dabei einen neuen, durch­aus ein­leuch­ten­den Weg der redak­tio­nel­len Auf­be­rei­tung ein: Die Benut­ze­rin­nen und Benut­zer (prä­gnant-moder­ner: „User“…) hat­ten die Mög­lich­keit, mit ihren per­sön­li­chen Wort­fa­vo­ri­ten bzw. Kom­men­ta­ren direk­ten Ein­fluss auf die Ent­ste­hung des Wör­ter­bu­ches zu neh­men. Bei die­sem Vor­ge­hen garan­tiert der Band natür­lich ein Höchst­mass an Authen­zi­tät und Viel­falt, wenn­gleich nicht zwangs­läu­fig auch Ver­bind­lich­keit und Reprä­sen­tanz. Sicher aber ist damit eine ganz spe­zi­elle Facette von „Wör­ter­buch“ ent­stan­den, deren Unter­hal­tungs- den Infor­ma­ti­ons­wert fast noch über­steigt: Das Buch doku­men­tiert eine sprach­bild­ne­ri­sche Viel­falt, eine krea­tive Wort-Phan­ta­sie, eine Leben­dig­keit der Spra­ch­emo­tio­na­li­tät und eine Assi­mi­lia­ti­ons­fä­hig­keit v.a. des Angli­ka­ni­schen, die den Unvor­be­rei­te­ten erst befrem­den mag, dann aber zuneh­mend fas­zi­niert (siehe die Lese­pro­ben im Anhang). Die Lek­türe gerät so zum unter­wei­sen­den Nach­schla­ge­werk, aber auch zur sprach­lich lust­vol­len Hori­zont­er­wei­te­rung. Sehr nütz­lich, sehr amü­sant! „Out-Of-The-Box“, sozusagen… ♦

DUDEN & Trend­büro, Das neue Wör­ter­buch der Sze­nespra­chen, Duden­ver­lag Mann­heim, 208 Sei­ten, ISBN 978-3411710928

Leseproben

Leseprobe 2 aus: Duden - Wörterbuch der Szenesprache
Lese­probe aus: Duden – Wör­ter­buch der Szenesprachen

Lesen Sie im Glarean Maga­zin zum Thema Spra­che auch
über den neuen DUDEN: Rechtschreibung

… sowie über Pier­an­gelo Maset: Wör­ter­buch des tech­no­kra­ti­schen Unmenschen

Ein Kommentar

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