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Lacrimosa – Gliwice – Einmal anheben

Tanja Dückers: Lacrimosa – Drei Gedichte

Gastautor · 21. Juli 2009

Gliwice (Gleiwitz)

Verrostete Eisenbahnwaggons
Unkraut auf dem Bahnsteig
kniehohes Gedankenversteck
Auf dem allerletzten Meter Bahnsteig
nicht-mehr-hier und noch-nicht-fort
dieser frisch geputzte Glaskasten
mit der Leuchtenden

Marienfigur

Lacrimosa

Das weisse Zelt
der Nacht ist fast vorüber
Auf der leeren Zirkusbühne
gestreifte Hosen Nasen und Perücken
irgendwo ein Funkeln
violette Perlen im Sand
künstliches Vergissmeinnicht
vergissmichnicht
vergissruhigmich
verpissdichnicht
verpissdichruhig

Allein vor Dixielandtoiletten

Einmal anheben

die Strasse  die Lastwagen  die Mülltonnen  die Wörterbücher
die Kniekehlen  die Süchte  die Zipfelmützen  die Fotoalben
die Benzinkanister die Philister das Treibgut die Langsamkeit
die Denkzettel die verkehrsberuhigten Zonen die Hundescheisse

einmal

hoch damit


Tanja Dückers

Geb. 1968 in Berlin/West; Studium der Kunstgeschichte, Amerikanistik und Germanistik, zahlreiche belletristische und essayistische Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften, lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Berlin

Lesen Sie zum Thema Neue Lyrik auch:

Wolfgang Luley: Am Puls der Wörter (Drei Gedichte)


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