Christian Born: Mensch und Computer (Cartoons)

Lesezeit für diesen Beitrag: < 1 Minute

Christian Born_Cartoon_Computer1


Christian Born_Cartoon_Computer2


Christian BornChristian Born
Geb. 1957 in Freiburg/D, Ausbildung in verschiedenen Kunstklassen der Malerei, Zeichnung und Graphik, div. Ausstellungen in Deutschland, Illustrationen in verschiedenen Periodika, lebt als freischaffender Illustrator in Freiburg

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Cartoon auch über
Werner Hofmann: Die Karikatur
… sowie die drei Grafik-Cartoons von
Otto Taufkirch: Gezeichnete Wortsprüche

Panoptikum der Musiker-Entgleisungen (Anekdoten)

Lesezeit für diesen Beitrag: 5 Minuten

„Ein purer Dilettant, krank von Anbeginn“

Komponisten beschimpfen Komponisten

von Walter Eigenmann

Wie ist es möglich, dass hochintelligente, oft vielseitig gebildete, in genialster Weise kreative, gesellschaftlich anerkannte und von der Geschichte wie von der Gegenwart millionenfach verehrte Persönlichkeiten sich zu peinlichsten Diffamierungen, gehässigsten Pöbeleien und krassesten Fehlurteilen versteigen können, sobald es nur um die künstlerische Arbeit der „lieben Konkurrenz“ geht? Ist die Musik als emotionalste aller Künste auch die egozentrischste, weil das ohnehin menschlich übliche Mass an Neid und Ignoranz hier allzu schnell und oft gar in pure Irrationlität mittels grösstmöglicher Realitätsverdrängung zu kippen pflegt?

Die grossen Flammen auspusten, damit das kleine Licht heller leuchte

Honore Daumier - Pyrotechnische, charivareske und diabolische Musik - Musiker-Anekdoten - Glarean Magazin
Honore Daumier: „Pyrotechnische, charivareske und diabolische Musik“

Der geistreiche Gentleman Felix Mendelssohn-Bartholdy – seinerseits als Jude gemeinsten Geschmacklosigkeiten z.B. eines Richard Wagner ausgesetzt – umschrieb den Tatbestand elegant-treffend so, dass mancher Komponist eben versuche, „die grossen Flammen auszupusten, damit das kleine Talglicht ein wenig heller leuchte.“ Und vielleicht wohlwollend kann man allenfalls mit Robert Schumann – notabene ein selbstloser Förderer von Brahms, Schubert und Chopin – die (in seiner berühmten „Neuen Zeitschrift für Musik“ geäusserte) Meinung teilen, dass „nur der Genius den Genius ganz versteht“. Was allerdings höchstens erklärt, warum „mindere“, von der Kulturgeschichte mehr oder weniger zurecht „marginalisierte“ Geister à la Kritiker wie Hanslick oder Komponisten wie Pfitzner gegen die „ganz Grossen“ schnödeten, jedoch nicht, warum ein Titane wie Tschaikowsky das Werk eines anderen Titanen wie Brahms locker als „gehaltlose, aufgeblähte Mittelmässigkeit“ abzutun in der Lage war. (Zur Ehrenrettung des Komponisten-Standes sei allerdings nicht verschwiegen, dass – beispielsweise – auch die Literaten-Gilde durchaus die grobe Holzkeule anstelle des feinen Floretts zu schwingen vermag, wie man hier mitschmunzeln kann: Dichter über Dichter).

Dilettanten, Stümper, Notenschmierer

Honore Daumier - Die Strassenmusikanten - Musiker-Anekdoten - Glarean Magazin
Honore Daumier: „Die Strassenmusikanten“

Seien die psychologischen, in der chronologischen Distanz wohl noch schwerer als in der Zeitgenossenschaft nachvollziehbaren Gründe derartig monströser Subjektivität gegenüber objektiv nachweisbarer künstlerischer Gültigkeit jetzt mal dahingestellt, und tauchen wir ein in die durchaus erheiternden, teils auch degoutanten, keineswegs immer „falschen“, aber stets frappanten, jedenfalls seinerzeit aus erbitterter Feindschaft erwachsenen Niederungen der „Dilettanten“, „Stümper“, „Notenschmierer“, „Irrsinnigen“, „Kakaphoniker“ und „Lutschbonbons“. (Die Sammlung, in unterschiedlichsten Quellen wie Briefen, Biographien, Rezensionen u.a. recherchiert, ist natürlich beileibe nicht vollzählig – aber repräsentativ…)

W.A. Mozart über Carl & Anton Stamitz:
„Notenschmierer und Spieler, Säufer und Hurer!“

Heitor Villa-Lobos über W.A. Mozart:
„Leicht zu durchschauende Musik – etwas für Kinder.“

Ludwig van Beethoven über Gioacchino Rossini:
„Kein wahrer Meister gibt auf Rossini acht. Rossini hat keine Form, weil er keine schaffen kann, sie fehlt ihm, nicht weil er es möchte, sondern weil er nur wie ein Stümper handeln kann.“

Igor Strawinsky über Ludwig van Beethoven:
„Ich verstehe nicht, wie ein Mann von solchen Fähigkeiten derart häufig in solche Banalitäten verfallen konnte. Ein spätes und schreckliches Beispiel ist der erste Satz der Neunten Sinfonie. Wie konnte ein Beethoven sich zufrieden geben mit derart viereckiger Pharasierung, so pedantischer Durchführung, so armseliger Erfindung und offensichtlich falschem Pathos.“

Giacomo Puccini über Igor Strawinsky:
„‚Sacre du Printemps‘ – reinste Kakophonie! Indessen zeigt sich eine gewisse Originalität und ein bestimmtes Mass an Talent. Doch im Ganzen genommen könnte es die Schöpfung eines Irrsinnigen sein.“

Richard Strauss über Hugo Wolf:
„Ein purer Dilettant, krank von Anbeginn.“

Honore Daumier - Nach einer Stunde Wagner auf allgemeinen Wunsch - Musiker-Anekdoten - Glarean Magazin
Honore Daumier: „Nach einer Stunde Wagner auf allgemeinen Wunsch“

Arnold Schönberg über Richard Strauss:
„Künstlerisch interessiert er mich heute gar nicht, und was ich seinerzeit von ihm gelernt hatte, habe ich, Gottseidank, missverstanden…“

Ferruccio Busoni über Arnold Schönberg:
„Anarchistisch, eine willkürliche Nebeneinanderstellung.“

Johannes Brahms über Anton Bruckner:
„Bruckner ist ein armer, verrückter Mensch, den die Pfaffen von St. Florian auf dem Gewissen haben.“

Peter Tschaikowsky über Johannes Brahms:
„Was für eine gehaltlose Mischung ist doch die Musik von Brahms. Es empört mich immer, wenn diese aufgeblähte Mittelmässigkeit für genial gehalten wird.“

Nikolaj Rimskij-Korsakow über Peter Tschaikowsky:
„Seine Musik zeugt von schlechtem Geschmack.“

Erik Satie über Maurice Ravel:
„Ravel lehnt die Ehrenlegion ab, doch seine ganze Musik gehört dort hinein…“

Camille Saint-Saens über Max Reger:
„Das fängt nicht an, das hört nicht auf, das dauert nur.“

Max Reger über Gustav Mahler:
„Mir erscheint Mahler als der Meyerbeer unserer Zeit! Es ist bei beiden die echt semitisch grosse Intelligenz, bei beiden das Arbeiten mit Affektmitteln äusserlicher Natur und bei beiden das Fehlen jeglichen Stils.“

Gustav Mahler über Max Bruch:
„Ein Logarithmentafel-Exponent.“

Honore Daumier - Ein Orchester in einem sehr feinen Haus in dem man sich das Vergnügen leistet Operette zu spielen - Musiker-Anekdoten - Glarean Magazin
Honore Daumier: „Ein Orchester in einem sehr feinen Haus, in dem man sich das Vergnügen leistet Operette zu spielen“

Claude Debussy über Edvard Grieg:
„Er ist nicht mehr als ein geschickter Musiker, der um die Wirkung besorgter ist als um wahre Kunst. Ein mit Schnee gefülltes Lutschbonbon.“

Alexander Skrjabin über Claude Debussy:
„Ich kann Ihnen zeigen, wie man diese Art französischer Grimasse zustandebringt. Nehmen Sie irgendwelche offenen Quinten, lösen Sie sie mit einem übermässigen Quartsextakkord auf und fügen Sie einen Turm von Terzen hinzu, bis Sie genug Dissonanz beisammen haben, und wiederholen Sie dann die ganze Sache in einem anderen ‚Schlüssel‘, so können Sie so viel ‚Debussy‘ fabrizieren, wie Sie wollen…“

Bedrich Smetana über Antonin Dvorak:
„Ein talentiert Musikant, nichts weiter.“

Honore Daumier - Parade du Charivari - Musiker-Anekdoten - Glarean Magazin
Honore Daumier: „Parade du Charivari“

Maurice Ravel über Camille Saint-Saens:
„Saint-Saens hat während des Krieges allerhand Musik komponiert. Hätte er statt dessen Granathülsen gedreht, wäre es vielleicht ein Gewinn für die Musik gewesen.“

Georg Bizet über Guiseppe Verdi:
„Man hat kürzlich eine neue Oper von Verdi gespielt. Ekelerregend!“

Richard Wagner über Franz Schubert:
„Ein drittrangiges Talent – philiströse Sonaten.“

Guiseppe Verdi über Hector Berlioz:
„Berlioz war ein armer, kranker Mensch, der gegen alle wütete, heftig und bösartig war. Er konnte sich nicht mässigen; es fehlte ihm die Ruhe und die Ausgewogenheit, aus der sich erst die vollendeten Kunstwerke ergeben.“

Hector Berlioz über Richard Wagner:
„Er ist verrückt, völlig verrückt!“

Lesen Sie im Glarean Magazin auch die
Musiker-Anekdoten (1)

… sowie die Musik-Satire von
Nils Günther: Der gemeine Orchesterdirigent

Wer bin ich? – Cartoons (Oktober 2008)

Lesezeit für diesen Beitrag: 2 Minuten

Ein Abgrund an Visionen

von Walter Eigenmann

Ein berühmter Schriftsteller und Zeitgenosse beschrieb mich einmal so: „Er lachte wenig, deklamierte wenig, rauchte wenig, und er trank wenig. Er sass an seinem Tisch, ein Blatt Papier vor sich, eine Feder oder einen Stift in der Hand, manchmal lächelte er, und er zeichnete unentwegt. Was brachte er zu Papier? Er selber wusste es nicht. Eine Laune, die an Wahnsinn grenzte, führte seinen Stift.“
Meine Gegner und Anhänger schwankten zwischen Furcht vor und Bewunderung für mein künstlerisches Werk. Die bizarren Irrationalitäten, die zynischen Perversionen, die grotesken Hybriditäten, die aus jedem Strich meiner illusionären Illustrationen schiessen, stiessen und stossen noch heute auf Ehrfurcht wie Angst. Zumal den „Reichen und Mächtigen dieser Erde“ blieb angesichts meiner bitterbösen Karikaturen jedes Lachen im Halse stecken.

Alle Dimensionen von Raum und Zeit überschritten

Und je länger ich lebte und zeichnete, je phantastischer meine zahllosen Schwarz-Weiss-Werke wurden, desto deutlicher überschritt ich alle Dimensionen von Raum und Zeit: „Ein Abgrund an Visionen, durch eine verzweifelte Lustigkeit kaum gemildert, tat sich den Zeitgenossen, tut sich den Nachfahren auf“, meinte einer meiner Biographen. Die nachstehende kleine Galerie verdeutlicht, wovon die Rede ist.

Also: Wer bin ich?

Wer bin ich? (Oktober 2008) - Glarean Magazin (Beispiel-Zeichnung 2)
Wer bin ich? (Oktober 2008) – Glarean Magazin (Beispiel-Zeichnung 1)
Wer bin ich? (Oktober 2008) - Glarean Magazin (Beispiel-Zeichnung 2)
Wer bin ich? (Oktober 2008) – Glarean Magazin (Beispiel-Zeichnung 2)
Wer bin ich? (Oktober 2008) - Glarean Magazin (Beispiel-Zeichnung 3)
Wer bin ich? (Oktober 2008) – Glarean Magazin (Beispiel-Zeichnung 3)
Wer bin ich? (Oktober 2008) – Glarean Magazin (Beispiel-Zeichnung 4)

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema „Cartoons-Karikaturen“ auch von Christian Born: Mensch und Computer
… sowie in der Rubrik „Kopf des Monats“ von Simone Frieling: Gabriel García Márquez lässt Bücher regnen

Ausserdem zum Thema Cartoons über die Graphic Novel von Julian Voloj & Sören Mosdal: Basquiat

Otto Taufkirch: Drei Gezeichnete Wortsprüche

Lesezeit für diesen Beitrag: 2 Minuten

Drei gezeichnete Wortsprüche

Wer ohne Sinn, hat Zeit für Sinne

Wer ohne Sinn, hat Zeit für Sinne (Otto Taufkirch)
Wer ohne Sinn, hat Zeit für Sinne (Otto Taufkirch)

Ein wohler Esel braucht kein Eis

Ein wohler Esel braucht kein Eis (Otto Taufkirch)
Ein wohler Esel braucht kein Eis (Otto Taufkirch)

Nichts ist ausserhalb

Nichts ist ausserhalb (Otto Taufkirch)
Nichts ist ausserhalb (Otto Taufkirch)

Otto TaufkirchOtto Taufkirch

Geb. 1942; Maler, Zeichner und Lyriker; zahlreiche Ausstellungen in Deutschland, Italien, Frankreich und Portugal; diverse Lyrik-Publikationen; lebt in Lauf/D

Lesen Sie im Glarean Magazin auch von
Otto Taufkirch: Zwei Wort-Bilder

… sowie zum Thema Bild und Literatur von
Simone Frieling: Peter Handke (Scherenschnitt)

Neue Musiker-Anekdoten (2)

Lesezeit für diesen Beitrag: 5 Minuten

„Wie soll man pfeifen, wenn man gähnt?“

Ein neuer Strauss von Musiker-Anekdoten

von Walter Eigenmann

Hans von Bülow

Bei einer Probe ermahnte Hans von Bülow den Chor: „Wollen Sie bitte nicht gestikulieren wie Kannibalen! Wir spielen die Hugenotten und nicht die Hottentotten!“

Niccolo Paganini

Ein Pianist rühmte sich, seine Konzerte seien so überfüllt, dass ein Teil des Publikums in den Gängen stehn müsse.
„Das ist noch gar nichts“, erwiderte Paganini. „Bei meinen Konzerten muss ich selber stehn.“

Arcangelo Corelli

Teufelsgeiger Paganini
Teufelsgeiger Niccolo Paganini

Arcangelo Corelli war nicht nur ein bedeutender Komponist, sondern auch ein grosser Geiger. Eines Tages sollte er in einem Privathaus ein Konzert geben. Er hatte schon begonnen, doch einige Gäste plauderten ruhig weiter. Da unterbrach sich Corelli und sagte: „Verzeihung, aber ich fürchte, dass ich die Unterhaltung störe!“

Franz Liszt

Liszt und der grosse Tenor Rubini gaben in einer bedeutenden Provinzstadt Frankreichs ein Konzert. Doch es waren kaum fünfzig Personen im Saal. Dennoch sang Rubini herrlich, und Liszt spielte wie immer.
Am Ende des Konzerts wandte sich Liszt zum Publikum und sagte: „Meine Herren und meine Dame — denn ich sehe nur eine einzige – darf ich mir erlauben, Sie jetzt zum Abendessen einzuladen?“
Das Publikum war verblüfft, nahm die Einladung aber an. Das Abendessen kostete Liszt etwa zwölfhundert Francs, doch am nächsten Abend war der Saal überfüllt.

Zauberer Liszt
Zauberer Liszt

Als Liszt einmal in Bellagio war, machte er einen Ausflug nach Mailand und ging in das Verlagshaus Ricordi. Da gerade niemand da war, setzte er sich ans Klavier und spielte. Im Nu stürzte Ricordi aus seinem Zimmer und rief: „Das ist Liszt oder der Teufel selber!“

Gasparo Spontini

Der Komponist und Dirigent Spontini hatte sich einen seltsamen Dirigierstab machen lassen. Aus Ebenholz, sehr lang und an den beiden Enden grosse Kugeln. Er schwang ihn wie ein Szepter. Als Richard Wagner den Stock bestaunte, erklärte ihm Spontini:
„Den Stock brauche ich, um zu herrschen, nicht um zu dirigieren. Ich dirigiere nur mit den Augen. Mit dem linken die Streicher, mit dem rechten die Bläser…“

Gioachino Rossini

Feuerwerker Rossini
Feuerwerker Rossini

Im Jahre 1854 sandte Baron Rothschild an Rossini einen Korb der prächtigen Trauben seines Weinguts. Da erwiderte Rossini: „Vielen Dank, mein lieber Baron, Ihre Trauben sind vorzüglich. Aber ich geniesse den Wein eigentlich nie in Pillenform.“
Rothschild verstand und schickte Rossini eine Kiste seiner berühmtesten Weine.

Ein Freund besuchte Rossini und sah, wie der Komponist gerade auf ein Bild die Widmung schrieb:
<Für Pillet-Will, der heute auf dem Gebiet der Musik meinesgleichen ist!>
„Was für eine Übertreibung, Maestro!“ rief der Freund. „Pillet-Will Ihresgleichen!“
„Natürlich“, erwiderte Rossini. „Ich komponiere ja nicht mehr.“

Charles Gounod

Gounod kam von einer sehr schlechten Aufführung seines Requiems nach Hause. Seine Freunde wollten ihn trösten:
„Machen Sie sich nichts draus; eines Tages wird man Ihr Requiem einwandfrei aufführen.“
„Ja“, erwiderte er, „und das wird mein Todestag sein. Aber auch der Tag meiner Rache, denn ich werde zu meinen Kritikern sagen: <Seht ihr? Ihr seid tot, und ich lebe!>“

Hector Berlioz

Kriegsherr Berlioz
Kriegsherr Berlioz

Berlioz war bei Adelina Patti zu Tische geladen. Es gab eine grossartige Pastete, aber die Patti quälte Berlioz, sie wolle ein Autogramm haben: „Wenn Sie mir etwas in mein Album schreiben, so bekommen Sie einen Kuss oder noch eine Pastete!“
Daraufhin schrieb Berlioz in das Album: „Bitte um die Pastete !“

Pietro Mascagnis

Über den Misserfolg von Mascagnis Oper „Silvano“ schrieb ein Kritiker: „Bevor der Vorhang sich hob, applaudierte das Publikum, weil es Vertrauen hatte. Nachdem der Vorhang gefallen war, applaudierte es in der Hoffnung, der zweite Akt werde besser sein. Nach Ende des zweiten und letzten Aktes aber applaudierte es aus Mitleid.“

Bei der Aufführung von Mascagnis „Isabeau“ in Parma wurde der Tenor nach einer Arie ausgepfiffen. Das Publikum war völlig entfesselt. Mascagni, der in der Kulisse stand, flüsterte dem Unglücklichen etwas zu, und daraufhin trat der Tenor noch einmal an die Rampe und rief: „Still! Sonst wiederhole ich die Arie!“ Daraufhin beruhigte sich das Publikum im Nu.

Alexander Borodin

Vor einem Petersburger Gericht stritten sich einmal zwei junge Komponisten. Jeder behauptete, der andere habe ihm eine Melodie gestohlen. Borodin wurde als Sachverständiger berufen.
„Wer von den beiden ist also der Geschädigte?“ fragte der Gerichtspräsident.
„Weder der eine noch der andere“, entschied Borodin lächelnd, „sondern mein Freund Mussorgski.“

Opernstar Massent
Opernstar Massent

Jules Massenet

Die Oper eines jungen Komponisten war durchgefallen.
„Nun“, trösteten ihn seine Freunde, „wenigstens hat man dich nicht ausgepfiffen.“
„Wie soll man pfeifen“, bemerkte Massenet, „wenn man gähnt?“

David Popper

Der berühmte Cellist David Popper war auch ein sehr witziger Mann. Kam ein Kollege von einer Tournee heim und fragte Popper:
„Raten Sie, wieviel ich verdient habe!“
„Die Hälfte“, erwiderte Popper.
„Wovon die Hälfte?“ fragte der Kollege verdutzt.
„Von dem, was Sie mir erzählen werden“, meinte Popper.

Claude Debussy

Impressionist Debussy
Impressionist Debussy

Debussy hatte gar nichts für Massenets Musik übrig. Er schrieb einem Freund: „In meinem Hotel ist eine Dame, die Tag für Tag eine Oper von Massenet singt. Das ist eine Diät, die ihr der Arzt verschrieben haben muss.“

Franz Schalk

Beim Dirigenten der Wiener Hofoper, Franz Schalk, stellte sich ein gut empfohlener junger Mann vor.
„Was wollen Sie eigentlich werden?“ fragt ihn Schalk. „Geiger oder Pianist?“
„Kapellmeister“, erwidert schüchtern der junge Mann.
„Bravo“, sagt Schalk. „Ich habe mir gleich gedacht, dass Sie nicht arbeiten wollen!“

Moritz Moszkowski

Der Breslauer Komponist Moszkowski sagte: „Die Franzosen sind geschaffen, um Musik zu komponieren, die Italiener, um sie vollendet zu singen, die Deutschen, um sie vollendet zu spielen, die Engländer, um zuzuhören, und die Amerikaner, um zu bezahlen!“

„Ein Glück, dass es Klavierlehrer gibt“, meinte Moszkowski einmal. „Sonst würden die Schüler allzu grosse Fortschritte machen.“

Erich Kleiber

Hut-Schnauzer Toscanini
Hut-Schnauzer Toscanini

Der Dirigent Erich Kleiber ruft bei der Probe zu „Carmen“ dem stimmgewaltigen Bariton auf der Bühne zu: „Hören Sie, mein Lieber, Sie haben hier nicht den Stier zu singen, sondern den Stierkämpfer!“

Arturo Toscanini

Toscanini hatte als hoher Achtziger einen zehnjährigen Kontrakt unterschrieben. Als er an sein Pult tritt, sieht er wehmütig auf das Orchester hinunter und sagt: „Traurig zu denken, dass viele von Ihnen nicht mehr da sein werden, wenn der Kontrakt abläuft!“ ♦

Lesen Sie im Glarean Magazin auch die
Anekdoten aus der Welt der Literatur (1)
…und die dritte Staffel der
Neuen Musiker-Anekdoten
.
Silke Aichhorn - Lebenslänglich frohlocken - Skurriles aus dem Alltag einer Harfenistin - Hörmusik
Anzeige AMAZON

Werner Hofmann: Die Karikatur – Von Leonardo bis Picasso

Lesezeit für diesen Beitrag: 2 Minuten

Von der Sitten-Zeichnung bis zum Comic

von Walter Eigenmann

Des Wiener Kunsthistorikers Werner Hofmanns berühmter Klassiker „Die Karikatur* erschien erstmals vor 50 Jahren. Nun legt die Europäische Verlagsanstalt seine unbestrittene Referenz in Sachen Karikatur-Historie („Von Leonardo bis Picasso*) in einer erweiterten Fassung neu auf.
Hofmann breitet dabei das gesamte Spektrum des gesellschaftlichen, politischen und privaten Karikierens und dessen stilistischen bzw. zeichnungstechnischen Derivate aus: Der Band dokumentiert und analysiert das überzeichnende Porträt ebenso wie die (kleine) Bildgeschichte, das graphische Ornament wie die Phantasie-Gestalt, die satirische Sitten-Zeichnung wie den modernen Comic – sofern nur all diese stilistischen oder inhaltlichen Ausprägungen Hofmanns Diktum zu unterstreichen vermögen, dass Karikatur zuallerst subversiv, rebellisch und anarchisch sei.

Karikatur bedeutet Skepis

Die Karikatur - Werner Hofmann - Cover - Glarean MagazinDenn, so Hofmann: „Karikatur bedeutet Skepsis: Zweifel daran, dass Logik und Vernunft imstande seien, den Dingen der Welt eine erschöpfende Sinngebung zu leihen. Der Karikaturist erblickt unter der Oberfläche der Welt und hinter den Kulissen ihres Schauspiels die verwirrende Szenerie einer ‚verkehrten Welt‘. Er hüllt sich in das Narrenkleid des Spötters, in dessen Scherzen sich der Unsinn in Tiefsinn verkehrt.*

Sozialpolitische Hintergründe der Karikaturen beleuchtet

Überzeugend vermag Hofmann in Bild und Wort jenen langen, über weite Strecken auch von der Kunsttheorie irrtümlich marginalisierten Weg der Karikatur aufzuzeigen, der sie „allmählich aus ihrer Randlage herausholte und ihre Sprach-Mittel der Verzerrung dem Vokabular der ‚Hochkunst‘ einfügte.*

Pablo Picasso (1881-1973): „Besuch im Atelier*

Anhand von 83 Tafeln mit Werken von Da Vinci bis Picasso und von Bruegel bis Paul Klee entschlüsselt der Autor – auf hohem sprachlichem Niveau übrigens – zum einen den kulturhistorischen Standort der einzelnen Zeichnungen, Radierungen, Lithographien oder Stiche, zum anderen auch die sozialpolitischen und -philosophischen Hintergründe der zahllosen Sujets im Laufe einer 500-jährigen Geschichte des „normenverletzenden* Zeichnens.
Eine ungeheur kenntnis- wie aufschlussreiche Tour d’horizont Hofmanns, eine sehr dankenswerte Edition auch, die ein halbes Jahrhundert nach ihrer „Vernissage* keineswegs an Subversivität verloren hat, und die gerade dem modernen TV-Comedy-geschädigten Publikum buchstäblich die Augen öffnet. ♦

Werner Hofmann, Die Karikatur von Leonardo bis Picasso, Europäische Verlagsanstalt, 282 Seiten, ISBN 978-3865726421

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Humor & Kultur auch über die Biographie von
Boehnke & Sarkowicz: Grimmelshausen (Biographie)

Musiker-Anekdoten (1)

Lesezeit für diesen Beitrag: 5 Minuten

„Sie hören mich wohl gerne singen!“

Ein bunter Strauss von Musik-Anekdoten

von Walter Eigenmann

Gustav Mahler

In einer von Mahler geleiteten Aufführung gefährdete ein Sänger durch einen falschen Einsatz die ganze Vorstellung. Wütend rannte Mahler in der Pause in die Garderobe des Verbrechers, aber der hatte sich von innen eingeschlossen.
„Auch noch feig!“ brüllte Mahler in höchstem Zorn.

Johannes Brahms

Ein Schüler sollte Brahms ein Lied von Schubert vorspielen. „Zu dieser Komposition wurde Schubert durch den Gedanken an eine geliebte Frau inspiriert. Fühlen Sie sich also entsprechend in das Stück ein.“

Der gefürchtete Musik-Kritiker Hanslick beweihräuchert Johannes Brahms (Zeitgenössische Karikatur)
Der gefürchtete Musik-Kritiker Hanslick beweihräuchert Johannes Brahms (Zeitgenössische Karikatur)

Kurz nachdem der Schüler anfing zu spielen, winkte Brahms schon ab. „Sie haben mich falsch verstanden“, sagte er, „das Lied richtet sich an eine Geliebte, nicht an die Schwiegermutter!“

Josef Hellmesberger

Hellmesberger war einst bei einem Komponisten zum Mittagessen im Familienkreis eingeladen. Nach dem Essen zog sich der Komponist zurück, um zu arbeiten.
„Kinder tut’s beten“, sprach da Hellmesberger, „der Vater geht stehlen!“

Josef Haydn

Josef Haydn dirigierte sein Cello-Konzert. Der Cellist spielte eine selbstkomponierte Kadenz; sie war endlos lang, irrte durch alle Tonarten und schien das Thema vollkommen vergessen zu haben. Endlich kam zum Schluss der obligate Triller. „Herzlich willkommen daheim!“ rief Haydn dem Solisten zu.

Hans Pfitzner

Hans Pfitzner probte das „Christelflein“. Die Darstellerin des Elfleins sang der Partitur nach: „Ich bin ja so dumm.“
„Bitte nicht so überzeugend“, rief Pfitzner zur Bühne hinauf.

Richard Strauss

Auf einer Probe zur „Salome“ rief Strauss: „Couragierter, meine Herren, couragierter! Je falscher es klingt, desto richtiger ist’s!“

Hans von Bülow

Hans von Bülow als Dirigent (Böhler)
Hans von Bülow als Dirigent (Böhler)

Kurz vor einem seiner Konzerte stürmte Hans von Bülow die Treppe hinauf, rannte um die Ecke, wo er mit einem korpulenten Herrn zusammenstiess, so dass beide fast zu Fall gekommen wären. Wütend schrie der Herr: „Esel!“ Verbindlich lächelnd, dabei seinen Zylinder lüftend, erwiderte der Künstler: „Bülow.“

Johannes Brahms

„Was wird wohl einst auf der Tafel stehen, die man Ihnen zu Ehren hier oben anbringen wird?“, fragte ein Freund den Komponisten Johannes Brahms, als er mit diesem vor dem Haus Karlsgasse 4 in Wien stand, das der Meister lange bewohnte. Trocken erwiderte Brahms: „Wohnung zu vermieten!“

Max Reger

Ein Kritiker hatte Reger fürchterlich verrissen. Reger schrieb ihm einen kurzen Brief:
„Sehr geehrter Herr! Ich sitze hier im kleinsten Raum meines Hauses und lese Ihre Kritik. Noch habe ich sie vor mir… Hochachtungsvoll: Max Reger.“

Igor Strawinsky

Der berühmte Jazz-Komponist Gershwin wollte einmal Stunden bei Igor Strawinsky nehmen. Im Lauf der Unterhaltung fragte ihn Strawinsky, was er ungefähr verdiene. Als Gershwin antwortete: „Jährlich etwa hunderttausend Doller“, meinte Strawinsky: „Da nehme ich besser bei Ihnen Stunden.“

Hans Richter

Ein Klarinettist spielte eine Stelle falsch. Hans Richter klopfte ab und sang ihm die Stelle vor. Das wiederholte sich zum zweiten und dritten Male, bis Richter ungeduldig rief: „Sie hören mich wohl gerne singen!“

Franz Liszt

Lisztomania im Konzertsaal (Hosemann)
Lisztomania im Konzertsaal (Hosemann)

Liszt spielte in einem Privatkonzert vor dem russischen Kaiser. Bei einer Pianostelle wandte sich dieser zu seinem Adjutanten und gab ihm laut einen Befehl.
Liszt hörte zu spielen auf und liess die Hände in den Schoss sinken. Als der Zar ihn unwillig nach dem Grund der Unterbrechung fragte, antwortete Liszt mit höflicher Verbeugung: „Wenn Fürsten sprechen, haben die Diener zu schweigen.“

Wilhelm Furtwängler

Wilhelm Furtwängler machte bekanntlich eigenartig fahrige Bewegungen beim Dirgieren. Einmal leitete er ein fremdes Orchester und schon der erste Einsatz wollte nicht klappen. Da fragte bescheiden der Konzertmeister: „Herr Doktor, bei welchem Zacken von Ihrem Blitz sollen wir einsetzen?“

Schlafende Violinen

In einer längst vergessenen Oper hatten Flöte und Harfe eine langausgedehnte Solostelle. Einige Takte vor dem Schluss dieses Duos befand sich in der Partitur mit rotem Stift quer durch die ganze Seite geschrieben die Bemerkung: „Hier müssen die Violinen geweckt werden.“

Max Reger

"Max Reger auf dem Pegasus, alle Hindernisse spielend überwindend" (H. Starkloff)
„Max Reger auf dem Pegasus, alle Hindernisse spielend überwindend“ (Starkloff)

Nach einem Konzert der Meininger Hofkapelle unterhielt sich eine junge Prinzessin leutselig herablassend mit Max Reger. Sie wollte vor allem Bescheid erhalten über eine Solostelle der Fagotte, die ihr besonderen Eindruck gemacht hatte. Wissbegierig fragte sie: „Herr Hofrat, bringen die Leute diese Töne mit dem Mund hervor?“ Reger erwiderte: „Das will ich stark hoffen, Königliche Hoheit.“

Johannes Brahms

Ein junger Mensch bat Brahms um Prüfung einer Komposition. Brahms liess sich behaglich in seinen Lehnstuhl nieder und rauchte ruhig seine Zigarre, während er die Arbeit durchsah. Endlich frage er versonnen: „Menschenskind, wo haben Sie denn nur das schöne Notenpapier her?“

Richard Wagner

Richard Wagner zertrümmert das Trommelfell seiner Zuhörer (Gill)
Richard Wagner zertrümmert das Trommelfell seiner Zuhörer (Gill)

Eines Abends ging Wagner in Sorrent spazieren. Einer der vielen Drehorgelspieler, der ihn kannte, setzte sofort eine Walze mit dem Brautzug aus „Lohengrin“ ein und begann seine Orgel so schnell zu drehen, dass die Musik bis zur Unkenntlichkeit verhetzt wurde. Zornig stürmte Wagner auf ihn zu, packte selbst die Drehorgel und drehte sie so langsam und bedächtig, dass der Chor im richtigen Tempo erklang. Dann gab er dem Alten ein gutes Trinkgeld mit der Weisung, immer in diesem Tempo zu spielen.
Am anderen Morgen hing an der Drehorgel ein Schild: „Schüler von Richard Wagner.“

Der Musikstudent

Anzeige AMAZON: In medias res - Walter Eigenmann - Aphorismen
Anzeige

Ein Musikstudent möchte ein Zimmer mieten. Doch die Vermieterin weist ihn ab:
„Wir hatten einmal einen Musikstudenten hier wohnen. Der kam erst sehr beethoevlich an, wurde dann mit meiner Tochter mozärtlich, brachte ihr einen Strauss mit, nahm sie beim Händel und führte sie mit Liszt über den Bach in die Haydn. Er war gar nicht zu brahmsen, und jetzt haben wir einen Mendelssohn und wissen nicht wohindemith!“

Lesen Sie im Glarean Magazin auch: Neue Musiker-Anekdoten (2)
… sowie die Anekdoten-Sammlung: Panoptikum der Musiker-Entgleisungen

Diogenes-Verlag: Tintenfass Nr. 31 (Satiren)

Lesezeit für diesen Beitrag: 3 Minuten

„Was zum Teufel ist mit Gott los?“

von Walter Eigenmann

In seiner 31. Ausgabe (!) will jetzt das legendäre, im Schweizer Diogenes-Verlag jährlich zur Frankfurter Buchmesse frisch aufgefüllte „Tintenfass“ ganz hoch hinaus. Genau genommen bis in den Himmel – allerdings mit gelegentlichen Abstechern zur Hölle. Denn das just erschienene neue „Magazin für den überforderten Intellektuellen“ widmet sich dezidiert einer Frage, die gerade Intellektuelle seit Nietzsches Befund, dass Gott tot sei, permanent (über-)fordert: „Was zum Teufel ist mit Gott los?“

Das Who-is-Who der -ismen

Tintenfass Nr. 31 - Was zum Teufel ist mit Gott los - Diogenes Verlag - Glarean MagazinEine Frage wahrlich gott-losen, ja teuflischen Ausmasses, und eine, die zu beantworten man eine Armada von Geistesgrössen aller Zeiten, Kontinente und Stile aufzufahren gezwungen ist. Was die beiden Herausgeber Daniel Kampa und Winfried Stephan denn auch 414 üppig vollgeschriebene und -gezeichnete Buchseiten lang tun. Das Autorenverzeichnis liest sich beinahe wie das Who-is-Who des Theismus, Atheismus und Agnostizismus der neueren Geistesgeschichte. Da steht ein Gespräch mit Bernhard Schlink über „Ethikunterricht in der Schule“ neben einem Aufsatz von Ludwig Marcuse über „Kann man heute noch beten?“; Satiren wie H.G. Wells‘ „Jimmy Glotzauge, der Gott“ neben Tiefgründigem wie Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“; Chaplins berühmte Schlussrede aus seinem „Diktator“ neben Lessings noch berühmterer „Ringparabal“; ein Interview mit Woody Allen („Kunst ist der Katholizismus der Intellektuellen“) neben einem vielseitigen Sammelsurium von „ehrfürchtigen und weniger ehrfürchtigen“ Gebeten von Teresa v. Avila bis Hans M. Enzensberger; oder der „Brief aus dem Gefängnis“ von KZ-Opfer Graf von Moltke neben Prosa-ischem der Regisseurin Doris Dörrie („Burberry-Blues“).

Sinnstiftendes und Übersinnliches

Karikaturist Bosc: Zurechtlegung des Glaubens (Tintenfass Nr. 31 - Diogenes Verlag)
Karikaturist Bosc: Zurechtlegung des Glaubens (Tintenfass Nr. 31 – Diogenes Verlag)

Das Motto des neuen „Tintenfasses“, nämlich „Sinnstiftendes und Übersinnliches“, verspricht also keineswegs zuviel. Kommt noch hinzu, was in den Diogenes-Tintenfässern immer hinzukommt, nämlich eine Fülle von exquisit-handverlesenen Zeichnungen, Cartoons und Illustrationen, welche dem religiösen Wort dort weiterhelfen, wo es Bilder braucht. Und seien es solche respekt- bis pietätlosen Schwarz-Weiss-Maliziösitäten wie beispielsweise von Bosc (oben) oder Ungerer (links).

Karikaturist Tomi Ungerer: Anbetung des Autos (Tintenfass Nr. 31 - Diogenes Verlag)
Karikaturist Tomi Ungerer: Anbetung des Autos (Tintenfass Nr. 31 – Diogenes Verlag)

Wobei die stilistische und inhaltliche Vielfalt des Bild-nerischen jenem des Wort-lichen in nichts nachsteht. Jedenfalls „zeichnet“ ein wahrhaft bunter Haufen von (teils berühmten) humoristischen Philosophen und philosophierenden Humoristen für das Unsinnige im scheinbar Sinnigen verantwortlich; dieses „Tintenfass“ ist nicht nur tief, sondern auch breit.
Wer also nicht Theologie-Systeme, sondern den süffisanten Widerspruch, und nicht kitschige Pietà, sondern kritische Nachdenklichkeit, und schon gar nicht religiösen Gehorsam, sondern aufgeklärte Ehrfurcht verbunden mit verständnisvollem Augenzwinkern fürs Menschlich-Allzumenschliche sucht, der liegt genau richtig mit diesem eindrücklichen, editorial sehr gelungenen Panoptikum „über Gott und die Welt“.

Tintenfass (Magazin für den überforderten Intellektuellen), Nr.31 (Was zum Teufel ist mit Gott los), Diogenes Verlag, 416 Seiten, ISBN 978-3-257-22031-5

Lesen Sie im Glaran Magazin auch von
Walter Eigenmann: Über die Satire

… sowie in der Rubrik „Wer bin ich?“ die
Cartoons vom Oktober 2008: Ein Abgrund an Visionen