Veröffentlicht am 17. Mai 2026
Vier Gedichte: Hydra – Daumen – Kopflos – Abgebrochen
der Daumen
gab das Tempo vor
bis es auf den Boden klatschte
das neue Buch
ein später Rückfall in die späte Jugend
ich streichle den Rücken
lese den Titel mit unruhigen Fingern
entschuldige mich
Hydra
aus Holz
ihre nackten
Arme steigen ins Nichts
im dichten Wald
hat sie mich zu Boden gebracht
ich hab sie an mich gedrückt
beflüstert
jetzt am Fenster
droht sie allem Lebendigen
kopflos
grübeln
bis die Adern schwellen
der Salzwind die Daumen lähmt
spring aus der Nacht
der Menschenpark nimmt dich nicht auf
und nirgends eine Brücke
aus der Unschärfe eines Gedichts
radier dich aus
abgebrochen
die morschen Bäume
im Niemandsland
schmaler der Weg
der scharfe Regen treibt die zerrissenen Blätter
vor sich her
ein kleines Reh sucht
meine Augen
den Lidschlag nimmt es an
schwarz mischt sich ein die Amsel
der Regen plustert sich auf
ich verabschiede mich mit kalten Händen
Rainer Wedler
Geb. 1942, nach dem Abitur als Schiffsjunge in die Türkei, nach Algerien und Westafrika; Studium der Germanistik, Geschichte, Politik, Philosophie, Promotion über Burleys „Liber de vita“, zahlreiche Lyrik-, Kurzprosa- und Roman-Veröffentlichungen, in Büchern und Zeitschriften
Lesen Sie im Glarean Magazin auch über Rainer Wedler: Die Versuche des Rudolph Anton R.
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