Interview mit dem Komponisten Bernhard Lang

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 4 Minu­ten

Jede neue Partitur sieht in die Zukunft“

Jakob Leiner mit ein paar Fragen an den österreichischen Komponisten Bernhard Lang

Bern­hard Lang wurde 1957 in Linz gebo­ren, und der 65-jäh­rige Kom­po­nist weist aktu­ell ein nicht nur zah­len­mä­ßig, son­dern auch sti­lis­tisch beein­dru­cken­des Oeu­vre vor. Der mehr­fach aus­ge­zeich­nete und häu­fig auf­ge­führte Kom­po­nist schreibt für den Kon­zert­saal, für das Musik­thea­ter und für den Film.

Glarean Maga­zin: Guten Tag, Herr Lang, wie ver­hält sich aktu­ell das Wet­ter dort, wo Sie gerade sind?

Bern­hard Lang: Über­ra­schende Frage – der Jah­res­zeit entsprechend.

Komponist Bernhard Lang - Glarean Magazin
Kom­po­nist Bern­hard Lang (*1957)

Als Kom­po­nist kön­nen Sie auf ein in sei­ner Viel­falt gera­dezu betö­ren­des Gesamt­werk zurück­bli­cken, das sich natür­lich noch wei­ter fort­setzt. An was arbei­ten Sie derzeit?

Ich arbeite der­zeit an Radi­cal Loops, einem Stück für 6 Vio­li­nen, Schlag­zeug und Playback.

Sie sind im Jazz und elek­tro­ni­scher Musik genauso zu Hause wie in der zeit­ge­nös­si­schen Avant­garde. Lang­weilt Sie die Eti­ket­tie­rung von Musik oder hal­ten Sie sie für notwendig?

Kate­go­ri­sie­run­gen muss man ratio­nal bzw. wis­sen­schaft­lich begrün­den: Solange es sol­che objek­ti­ven Begrün­dun­gen gibt, sind Dif­fe­ren­zie­run­gen sinn­voll, wenn nicht, sind sie redundant.

Sie arbei­ten häu­fig mit Stil­mit­teln der Recy­clage, der „Über- und Fort­schrei­bung“. Aus wel­cher musik­his­to­ri­schen Hal­tung her­aus kom­po­nie­ren Sie?

Die Überarbeitung/Überschreibung ist eines der ältes­ten Prin­zi­pien in der Geschichte der notier­ten Musik und reicht bis zum Gedan­ken des Remi­xens (vgl. die Trans­for­ma­tion eines römi­schen Cho­rals in die Tenor­stimme eines Messesatzes).

Wel­chen Raum nimmt die Iro­nie samt Schat­ten­sei­ten in Ihrer Arbeit ein?

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Iro­nie ist ein roman­ti­scher Begriff und geht von der Erkennt­nis eines ver­lo­re­nen Ide­als aus; expli­zit spielt das eher in den Musik­thea­tern eine Rolle, etwa im Rei­gen. Die „Schat­ten­seite“ der Iro­nie müsste man viel­leicht zuvor­derst erst definieren.

Play­ing Trump“ heißt eine Ihrer soge­nann­ten „Cheap Operas“, deren Urauf­füh­rung begeis­tert auf­ge­nom­men wurde. Was liegt Ihnen näher: Ver­nich­tungs­wut oder Spieltrieb?

Ver­nich­tungs­wut ist mir unbe­kannt, Spiel­trieb moto­ri­siert mich alle­zeit, jedoch in Kom­bi­na­tion mit sehr stren­gen struk­tu­rel­len Überlegungen.

Ein wei­te­rer Aspekt Ihrer Kar­riere ist die umfang­rei­che Lehr­tä­tig­keit u.a. an der Kunst­uni­ver­si­tät Graz. Wo lie­gen Ihrer Mei­nung nach die Zukunfts­her­aus­for­de­run­gen für künst­le­risch aus­bil­dende Institutionen?

Zitat aus "Loops for Edgar Froese" für Klavier vierhändig und Zuspielung von Bernhard Lang (2017)
Zitat aus „Loops for Edgar Froese“ für Kla­vier vier­hän­dig und Zuspie­lung von Bern­hard Lang (2017)

Die größte Her­aus­for­de­rung ist sicher­lich, dass die kom­men­den Gene­ra­tio­nen zuneh­mend den Bezug zum eigen­stän­di­gen Pro­du­zie­ren von Musik ver­lie­ren, Sin­gen, Spie­len, Üben inbe­grif­fen: Die not­wen­dige Dis­zi­plin am Instru­ment wird jetzt vehe­ment von Handy und vor allem von der Play­sta­tion kon­kur­riert. Wer aber selbst keine musi­ka­li­sche Aus­bil­dung hat, dem wird immer der Zugang zu kom­ple­xe­ren Musik­for­men fehlen.

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Das Mul­ti­dis­zi­pli­näre scheint für Sie von beson­de­rem Reiz zu sein, ins­be­son­dere die Beschäf­ti­gung mit Tanz und Tanz­thea­ter. Was kann kör­per­lich aus­ge­drückt wer­den, was der Musik fehlt?

Ich würde eher for­mu­lie­ren: Tanz kann in der Musik bereits vor­han­dene Momente ver­stär­ken, etwa Bewegung.

Gibt es wie­der­keh­rende Rou­ti­nen, wie Sie sich einem Stoff künst­le­risch nähern?

Ja, das vor­aus­ge­hende wis­sen­schaft­li­che Stu­dium der Texte, deren Analyse.

Bern­hard Lang wurde 1957 in Linz/A gebo­ren, und der 65-Jäh­rige weist aktu­ell ein nicht nur nomi­nell, son­dern auch sti­lis­tisch beein­dru­cken­des Oeu­vre vor. Lang stu­dierte Musik am Bruck­ner-Kon­ser­va­to­rium in Linz sowie Phi­lo­so­phie und Ger­ma­nis­tik in Graz. Dort begann auch seine Aus­ein­an­der­set­zung mit Elek­tro­ni­scher Musik und Com­pu­ter­tech­no­lo­gie. Seit 1999 lebt er frei­schaf­fend in Wien.
Der mehr­fach aus­ge­zeich­nete und häu­fig auf­ge­führte Kom­po­nist schreibt für den Kon­zert­saal, für das Musik­thea­ter und für den Film.

Sie stu­dier­ten ebenso Phi­lo­so­phie und Ger­ma­nis­tik, sind also durch­aus text- und schrift­af­fin, was sich ebenso in Ihren zahl­rei­chen Ver­to­nun­gen nie­der­schlägt. Zuerst das Wort, dann die Musik?

Das lässt sich nicht auf alle Stü­cke und Gen­res ver­all­ge­mei­nern, im Falle des Musik­thea­ters ist es sicher der Text, der vor­an­geht, wenn nicht zuerst schon ein Kon­zept im Raum steht. Bei einem Stück für Orgel ist es dann etwa der Klang, der das Kon­zept formt.

Für unsere jün­gere Leser­schaft: Wel­cher Rap­per / wel­che Rap­pe­rin wäre Ihre Herzensempfehlung?

Tri­cky, Snoop Dog, Cypress Hill.

Herr Lang, wie klingt eigent­lich die Musik der Zukunft?

Jede neue Par­ti­tur sieht in die Zukunft. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Kom­po­si­tion auch das Inter­view mit Chris­tian Hen­king: „Jeder Rou­tine ausgewichen“

… sowie das Inter­view mit der Kom­po­nis­tin Kath­rin Den­ner: „Kul­tur ist wich­ti­ger denn je“



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