5. Wort-Bild-Meditation über „Das schwarze Quadrat“

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 3 Minu­ten

Die Offenbarungen des Schwarzen Quadrats

Glaube, Liebe, Hoffnung, Kunst

Bernd Giehl (Texte)  &  Hubertus Graef (Fotos)

Das Gemälde Das Schwarze Qua­drat von Kasi­mir Male­witsch wurde zum ers­ten Mal 1915 bei der letz­ten futu­ris­ti­schen Aus­stel­lung in Petro­grad (St. Peters­burg) gezeigt und gilt seit­her als eine der Iko­nen der Male­rei des 20. Jahrhunderts.
In der dama­li­gen Aus­stel­lung wurde es an der höchs­ten Stelle einer Ecke des Raums mit der Bild­flä­che leicht schräg nach unten befes­tigt, umge­ben von ande­ren Bil­dern des Malers.
Das Schwarze Qua­drat nahm damit die Posi­tion ein, die in einem tra­di­tio­nel­len rus­si­schen Haus einer reli­giö­sen Ikone vor­be­hal­ten ist.

Das Schwarze Quadrat - Kasimir Malewitsch - Glarean Magazin
Das Schwarze Qua­drat von Kasi­mir Malewitsch

Kasi­mir Male­witsch sel­ber zu sei­nem Werk: „Als ich den ver­zwei­fel­ten Ver­such unter­nahm, die Kunst vom Gewicht der Dinge zu befreien, stellt ich ein Gemälde aus, das nicht mehr war als ein schwar­zes Qua­drat auf einem weis­sen Grund­feld… Es war kein lee­res Qua­drat, das ich aus­stellte, son­dern viel­mehr die Emp­fin­dung der Gegenstandslosigkeit.“

Das Schwarze Qua­drat steht im Zen­trum eines vier­tei­li­gen, medi­ta­ti­ven Zyklus‘ mit Tex­ten und Bil­dern des Bad-Mari­en­ber­ger Pfar­rers und Schrift­stel­lers Bernd Giehl und des Göt­tin­ger Digi­tal­künst­lers Huber­tus Graef. Unter dem Titel „Offen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats“ ver­eint das Werk zahl­rei­che je kor­re­spon­die­rende Wort-Bild-Kom­bi­na­tio­nen zu den The­mata „Glaube, Liebe, Hoff­nung, Kunst“.

Autor Bernd Giehl schreibt zur Ent­ste­hungs­ge­schichte: „Auf der Suche nach einem Titel für das gemein­same Werk fie­len mir ein paar Zei­len aus mei­nem Gedicht­zy­klus ‚Zwie­ge­spräch‘ ein: ‚Ver­bor­gen seit jeher / Ver­steckt unter tau­send Mas­ken / Kein Wort so miss­braucht wie die­ses / Das Schwarze Qua­drat / Eine Offen­ba­rung / Ver­gli­chen mit dir / Wes­sen Stimme hörte Mose / Im Dorn­busch in der Wüste?‘
Sowohl in den Gedich­ten wie auch in den Bil­dern geht es um Grenz­erfah­run­gen, die manch­mal, viel­leicht nicht immer, mit Glau­ben zu tun haben“.

Als Erst­ver­öf­fent­li­chung die­ser „Offen­ba­run­gen des Schwar­zen Qua­drats“ publi­ziert das Glarean Maga­zin in unre­gel­mäs­si­ger Folge acht Aus­züge des ins­ge­samt 68 Sei­ten umfas­sen­den Wort-Bild-Pro­jek­tes. (we)


Kobold

(Für LH)

Wir­belnd
im Wind
tanzend
ekstatisch
ein Umriss im Feuer
sich bildend
und wie­der vergehend

Ein Kobold, ein Schatten
zur Nacht
komm, tanz mit mir
lern Leichtigkeit
ver­giss die Erde
los, flieg mit mir
nach Utopia

Elfen wer­den kommen
Speise brin­gen von Luft
wer­den wir leben
im Feuer
und mit ihm
nichts
wird uns halten

nur der Wind
wird wehen
wohin er will.
Komm
tanz mit mir.

*

Sitzt in der Ecke
zer­schliss­nes Selbstbild
im Arm
kann nicht reden

tanzt nicht
zün­det kein Feuer an
wir­belt nicht mal
den Wind.

Kein Schmet­ter­ling
zum Verspeisen
Asche im Mund. Die Welt
ist erloschen

Kobold friert
erbärmlich.

*

Ist wie­der obenauf
hat Asche ausgespuckt
macht Feuer
unter mei­nem Aller­wer­tes­ten so
dass Ich hopse
wie ihm das gefällt.

So ein … Kerl
möcht ihm die Ohren lang
und‘ s Fell möchte ich ihm
was will man alles –
ach was
ich trink ‘nen Schnaps
und Kobold
hockt belei­digt in der Ecke.

Hubertus Graef: Autos in der Nacht (Kobold) - Fotografie
Huber­tus Graef: Autos in der Nacht (Kobold) – Fotografie

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN auch über das „Schwarze Qua­drat“ Num­mer 3

Außer­dem zum Thema Neue Lyrik über Cees Noote­boom: „Abschied“

Ein Kommentar

  1. Diese Text /Bild Kom­bi­na­tion finde ich aus­ge­spro­chen gelun­gen. Man kann sich so rich­tig das umher­wim­meln des Kobol­des vorstellen.Ein Kobold der im Schat­ten der Nacht mit der Leich­tig­keit einer Elfe gleich alles andere Ver­ges­sen lässt und uns in die Uto­pia mit­nimmt. Gefällt mir sehr gut. Welch eine Inspi­ra­tion muss Bernd Giehl hier wohl gehabt haben?

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