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Der „Gute Doktor“ und seine intelligenten Roboter

Heute vor … Jahren: Der Technik-Visionär Isaak Asimov wird geboren

Walter Eigenmann · 2. Januar 2008

Am 2. Januar 1920 wird im russischen Petrovichi der US-amerikanische Science-Fiction-Schriftsteller Isaak Asimov geboren. Asimovs Roboter-Storys sind seit Jahrzehnten Glanz-Stücke und Vorbild zugleich des SF-Genres. Der Weit- und Vorausblick Asimovs feiert gerade in unserer Zeit der Künstlichen Intelligenz ein „Combeback“.

Der Bestseller-Autor Isaak Asimov propagiert bereits in seiner frühen, erstmals 1942 erschienenen Erzählung „Runaround“ drei grundlegende Gesetze der Robotik: 1. Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen; 2. Ein Roboter muss den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum ersten Gesetz; 3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerspricht. Später, z.B. in der berühmten, 1950 publizierten Kurzgeschichten-Sammlung „Ich, der Roboter“ handelt Asimov verschiedene Aspekte dieser Gesetze ab und variiert bzw. erweitert sie.

Visionärer Schriftsteller und produktiver Universalgelehrter

Cover-Bild der "Galaxy"-Erstausgabe 1950 von Isaac Asimov
Cover-Bild der „Galaxy“-Erstausgabe 1950 von Isaac Asimov

Das umfangreiche und vielschichtige Oeuvre Isaak Asimovs inspiriert schon zu dessen Lebzeiten eine Fülle von Nachfolgern und Werken, und nicht nur in der SF-Szene, sondern in fast allen künstlerischen Bereichen, von der Literatur bis zum Theater, von der Malerei bis zum Film. Asimov selbst wirkt bei einer Vielzahl von Projekten und Organisationen mit. Ab 1979 ist er beispielsweise „Special Science Consultant“ bei der Entstehung des Film-Kassenschlagers „Star Trek“ (Bild rechts), ausserdem ernennen ihn der bekannte Hochintelligenten-Verein „Mensa“ und die internationale „Skeptiker-Vereinigung“, eine „Gesellschaft zur Förderung von wissenschaftlichem und skeptischem Denken“, zu ihrem Ehren-Vizepräsidenten. 1985 wird er Präsident der „American Humanist Association“ – eine Position, die er bis zu seinem Tode innehat.

Epochales Zukunfts-Epos: Die „Foundation“-Trilogie

Doch wohl kein Werk Asimovs hat die Science-Fiction-Literatur so nachhaltig geprägt wie die Foundation-Trilogie – beginnend mit der gleichnamigen Kurzgeschichte 1942, später als Romanzyklus erweitert. Im Zentrum steht „Psychohistorik“, eine fiktive Wissenschaft, die mathematisch die Zukunft ganzer Zivilisationen vorhersagbar macht. Der Mathematiker Hari Seldon entwickelt diese Theorie, um den unvermeidlichen Untergang des Galaktischen Imperiums nicht zu verhindern, sondern die folgende „barbarische“ Dunkelzeit von 10’000 auf lediglich 1’000 Jahre zu verkürzen. Dazu gründet er die Foundation am Rand der Galaxis – ein Sammelsurium von Wissenschaftlern, die als Keimzelle einer neuen Zivilisation dienen sollen.

Was Asimovs Foundation so einzigartig macht: Technologie und Wissenschaft stehen im Mittelpunkt der Handlung, nicht Raumschiffe oder Aliens. Die Trilogie ist im Grunde ein gesellschaftliches Gedankenexperiment – eine Analyse von Macht, Geschichte und menschlichem Kollektivverhalten. Die Schreibweise ist dabei charakteristisch nüchtern: Asimov verzichtet bewusst auf pathetische Helden und aufwendige Tech-Beschreibungen. Stattdessen dominiert Dialog und Logik, genau wie in seinen Robotergeschichten.

Die Trilogie erhielt 1966 den Hugo Award als „beste Science-Fiction-Serie aller Zeiten“ – eine Auszeichnung, die bis heute einzigartig bleibt. Mit über 20 Millionen verkauften Exemplaren allein im englischsprachigen Raum ist sie eines der erfolgreichsten Science-Fiction-Werke des 20. Jahrhunderts.

500 Bücher und 1’600 Essays

Der in New York aufwachsende, ab 1951 als Dozent für Biochemie an der medizinischen Fakultät der Universität Boston lehrende Asimov gibt seine Professur 1958 auf, um hauptberuflich zu schreiben. Insgesamt veröffentlicht der vielseitig interessierte und äusserst produktive Autor in der Folge über 500 Bücher und mehr als 1’600 Essays, darunter auch verschiedentlich über die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz.

Isaac Asimov an einer internationalen Konferenz im November 1974 in Newark
Isaac Asimov an einer internationalen Konferenz im November 1974 in Newark

Am Anfang: SF-Pulps

Ein oft übersehener biographischer Umstand illustriert, warum Asimovs Werk so klar und nüchtern wirkt: Nach der Emigration der Familie 1923 aus Petrowitschi nach Brooklyn wuchs er in einem Umfeld auf, in dem sein Vater zeitweise Candy Stores betrieb und dort auch Zeitschriften verkaufte. In diesen Läden lernte der junge Asimov früh die Science-Fiction-Pulps kennen; später schrieb er selbst, dass diese Lektüre und vor allem die Brooklyn Public Library seine Entwicklung entscheidend geprägt hätten. Die bekannte Anekdote, er habe seinen Vater damit besänftigt, alles mit „Science“ im Titel müsse bildend sein, gehört zur Asimov-Überlieferung und sollte entsprechend vorsichtig kolportiert werden.

Der „Gute Doktor“

Das Spektrum des Asimovschen Schaffens beschränkt sich bei weitem nicht auf Science Fiction. Vielmehr entwickelt sich der „Gute Doktor“, wie ihn seine nach Millionen zählende Anhänger- bzw. Leserschaft inzwischen nennt, zu einer Art modernem Universalgelehrten: Ein Lehrbuch der Biochemie, Bücher über die Bibel und William Shakespeare, Werke über die griechische und römische Geschichte und Sachbücher über naturwissenschaftliche Themen aus fast allen Gebieten gehören zu seinem Oeuvre.
Isaac Asimov stirbt am 6. April 1992 an Herz- und Nierenversagen als Folge einer Aids-Infektion, die er sich 1983 durch eine Bluttransfusion (anlässlich einer Bypass-Operation) zugezogen hatte. ♦

Lesen Sie zum Thema Visionär auch über Aldous Huxley: „Form in der Zeit“ (Essays Band 2)

Ausserdem den Essay von Dominik Riedo über Philip K. Dick und seine visionäre Meisterschaft als Science-Fiction-Autor


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