Christian Futscher: 100. Geburtsjahr von Astrid Lindgren (Humoreske)

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 6 Minu­ten

Drei Gedichte für Astrid

Christian Futscher

Astrid Lind­gren hat schöne Bücher geschrie­ben. Unver­ges­sen ist zum Bei­spiel „Pippi Lang­strumpf“, das auch ver­filmt wor­den ist. Auch andere Bücher von Astrid Lind­gren sind ver­filmt wor­den, ich denke nur an die „Kin­der von Bul­lerbü“ und andere. Um auf Pippi Lang­strumpf zurück­zu­kom­men: Ich glaube, es gibt wenige Mäd­chen in der gesam­ten Lite­ra­tur, die so stark und gewitzt sind wie sie. Unver­ges­sen auch ihr Pferd, ihr Affe und ihr Haus, die Villa Kun­ter­bunt, von ihren Rechen­küns­ten ganz zu schwei­gen. Ich mache mir die Welt, wie es mir gefällt… oder heisst es: wie sie mir gefällt? Jeden­falls ist das wohl einer der schöns­ten Sätze der  Welt­li­te­ra­tur, da fährt die Eisen­bahn drüber!

Sehr alt geworden

Die weltberühmte Kinderbuch-Autorin Astrid Lindgren an ihrer Schreibmaschine "Halda" - Glarean Magazin
Astrid Lind­gren an ihrer Schreib­ma­schine „Halda“

Astrid Lind­gren ist sehr alt gewor­den, das hat sie sich auch ver­dient. Ich glaube, man kann sogar sagen, sie ist unsterb­lich gewor­den durch das, was sie geschrie­ben hat. Hätte sie nicht geschrie­ben, son­dern nur erzählt, ich meine, hätte sie ihre Phan­ta­sie und ihre Erfin­dungs­gabe nur münd­lich in den Dienst der Unter­hal­tung ihrer Kin­der, Enke­lin­nen, Enkel oder Nich­ten und Nef­fen gestellt, wäre sie nicht unsterb­lich geworden.

Aber was ist das schon, Unsterb­lich­keit? Wer kann denn wirk­lich garan­tie­ren, dass in sagen wir 500 Jah­ren noch ein Hahn nach Astrid Lind­gren krä­hen wird? Ich muss jedoch sagen, ich bin fest davon über­zeugt, dass in 500 Jah­ren noch ein Hahn nach ihr krä­hen wird!

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Ja, ich bin sogar zuver­sicht­lich, dass auch in 1000 Jah­ren noch etli­che Hähne nach ihr krä­hen wer­den! Dank sol­cher Aus­nah­me­ta­lente oder soll ich sagen: über­ra­gen­der Schrift­stel­le­rin­nen wie ihr ist der Fort­be­stand der Lite­ra­tur gesi­chert. Ich habe keine Angst vor einer Ver­nich­tung der Erzähl­kunst, weil die Erzähl­kunst gehört zum Men­schen wie der Busen zur Frau und das Glied zum Mann, um es dras­tisch und deut­lich zu formulieren.

Gedichte für Astrid

Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf alias Pippi Langstrumpf, dargesellt von Inger Nilsson
Lind­grens berühm­teste Figur: Pip­pi­lotta Vik­tua­lia Roll­gar­dina Pfef­fer­minz Efra­ims­toch­ter Lang­strumpf alias Pippi Lang­strumpf, dar­ge­stellt von Inger Nilsson

Astrid Lind­gren war eine Schwe­din, sie wäre am 14. Novem­ber 2007 hun­dert Jahre alt gewor­den. Ich bin noch nicht ein­mal 50, aber das tut nichts zur Sache. Wer jemals etwas von Astrid Lind­gren gele­sen hat, der weiss, dass sie eine grosse Schrift­stel­le­rin war und ist. Ihre Lite­ra­tur lebt nach wie vor, sie erfreut sich bes­ter Gesundheit.
Schon sehr viel Mist ist über Astrid Lind­gren geschrie­ben wor­den, ich will ihr heute ein Gedicht wid­men – ein sehr ein­fa­ches, wie es ihrer per­sön­li­chen  Beschei­den­heit ent­spro­chen hätte, denn sie hat sich zeit­le­bens nie auf­ge­plus­tert wie so viele zweit- und dritt­klas­sige Autoren, die glau­ben, sie seien weiss Gott was und dabei sind sie nichts wei­ter als ein Flie­gen­schiss auf einem Kuh­fla­den oder Ross­ap­fel. Es ist unglaub­lich, wie viele auf­ge­bla­sene Wich­tig­tuer, die keine Ahnung von nichts haben, sich Schrift­stel­ler schimp­fen! Astrid Lind­gren war da anders, ganz anders, nicht zu ver­glei­chen mit die­sen Hohl­köp­fen, die glau­ben, sie seien was bes­se­res als ein Furz im Wind oder ein geschmack­lo­ser Witz.

Lindgren - Die Kinder von Bullerbü - Glarean Magazin
Sze­nen­foto aus „Die Kin­der von Bullerbü“

Hier jetzt aber das Gedicht für Astrid Lind­gren, ein ein­fa­ches Gedicht ihr zu Ehren, und das geht so:

Astrid Lind­gren
Astrid Lindgren
Astrid Lindgren
Astrid Lindgren

Der Titel des Gedich­tes wäre nach­zu­tra­gen, er lau­tet ganz ein­fach: „Astrid Lindgren“.

Und ich will ihr noch ein zwei­tes Gedicht schrei­ben, wie­der ihr zu Ehren, eine kleine Spie­le­rei, denn auch sie war ver­spielt, das sieht man an ihren   ver­spiel­ten Tex­ten, wo Sprach­spiele eine grosse Rolle spielen:

Astrid Lind­kren
Arsch­tritt Lindcreme
Ast im Lindbrenn
Ast im Lindgrün
Ich schreibe ihren Namen
Wie es mir gefällt

Ich hoffe, die Gedichte hät­ten ihr gefal­len! Die zweite Zeile in dem Gedicht ohne Titel ist übri­gens in kei­ner Weise despek­tier­lich gemeint, son­dern über­mü­tig, lebens­froh und pip­pif­rech, um es so zu sagen! Und weil aller guten Dinge drei sind, hier noch ein drit­tes Gedicht für Astrid Lind­gren, dies­mal ein etwas anders gestrick­tes als die vor­he­ri­gen, auch ein­fach gehal­ten, aber mit ein­deu­tig mehr Tief­gang. Es drückt sich darin, mehr als in den vori­gen bei­den, das lyri­sche Ich aus, das emp­fin­dende, möchte ich hin­zu­fü­gen, ja, ich möchte sogar in aller Beschei­den­heit ergän­zen: das tief emp­fin­dende! Der nor­male Pro­sa­fluss der nor­ma­len All­tags­spra­che ist ver­ab­schie­det wor­den, es heisst jetzt: Grüss Gott, Spra­che des Gedichts, zur Lyrik gehö­rend, ergiesse dich über uns arm­se­lige Stamm­ler, Stot­te­rer, Stümper…
Ich will Sie aber nicht län­ger auf die Fol­ter span­nen. Das dritte Gedicht für die von mir hoch geschätzte und ver­ehrte Astrid Lind­gren hat den Titel „Wie das Leben so spielt“ und geht so:

Lausebengel Michel aus Lönneberga - Szenenfoto mit Darsteller Jan Ohlsson
Lau­se­ben­gel Michel aus Lön­ne­berga – Sze­nen­foto mit Dar­stel­ler Jan Ohlsson

Astrid Lin­gren wurde sehr alt

Sie starb mit 96
Ihr Bru­der hiess Gunnar
Ihre Schwes­tern Stina und Ingegerd
Auch alle schon tot
Gun­nar wurde 68 Jahre alt
Stina 91 und Inge­gerd 81
(Wenn ich mich nicht ver­rech­net habe)
Ob die Schauspielerin
Die Pippi Lang­strumpf gespielt hat
Noch lebt?

Schon mög­lich

Bzw. keine Ahnung
Astrid Lind­gren hatte einen Sohn
Der hiess Lars, genannt Lasse
Der wurde nur 60
Sie hat ihn deut­lich überlebt
Ach, ach, ach!

Ich hätte Astrid Lind­gren gern ken­nen gelernt, aber das hat nicht sol­len sein. Na ja.
Ich hoffe, mit die­sem Essay und den drei Gedich­ten den einen oder ande­ren auf­ge­rüt­telt zu haben. So wie Astrid Lind­gren immer alle  auf­ge­rüt­telt hat, vor allem die Kin­der. Mögen die Bücher von Astrid Lind­gren noch in 10’000 Jah­ren die Her­zen und Köpfe der Lese­rin­nen und Leser erfreuen.
Danke für die Aufmerksamkeit. ♦


Christian FutscherChris­tian Futscher

Geb. 1960 in Feldkirch/A, Stu­dium der Ger­ma­nis­tik und Roma­nis­tik in Salz­burg, Prosa- und Lyrik-Publi­ka­tio­nen in Büchern und Zeit­schrif­ten, Trä­ger ver­schie­de­ner Lite­ra­tur-Preise und -Sti­pen­diate, lebt in Wien

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… sowie die Gro­teske von Kon­rad Vogel: Introkubus

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