Dana Fuchs: Borrowed Time

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 4 Minuten

Knochenhart-gradliniger Southern Rock

von Horst-Dieter Radke

Das neue Album „Borrowd Time“ von Dana Fuchs fegt gleich mit dem ersten Song sämtlichen Staub aus den Regalen, in denen die Boxen stehen. Meine Güte, ein Live-Album und viel zu laut aufgenommen, ist mein erster Eindruck. Dieser täuscht! Zu laut nimmt man ja heutzutage sowieso auf, und das Album wurde im Studio fabriziert.

Die US-amerikanische Sängerin Dana Fuchs zählt hierzulande nicht zu den sehr bekannten Größen, tourt aber inzwischen auch über den europäischen Kontinent, wobei die skandinavischen Länder noch überwiegen.
Dass man dabei in den Lobpreisungen und Pressemeldungen immer Bezug nimmt zu anderen Künstlern, sie gar als legitime Nachfolgerin von Janis Joplin sieht, ist eher, wie ich meine, eine Last, die man ihr aufbürdet.

Hart und schnörkellos

Dana Fuchs: Borrowed Time (Musik-CD)Was man auf diesem Album zu hören bekommt, ist knochenharter Southern-Rock ohne große Schnörkel. Das ist Musik, die sowieso laut daherkommt – die Art der Aufnahme passt also. Jon Diamond, ihr Gitarrist seit 2003, ist so stark in den Vordergrund gemischt worden, dass die Stimme der Sängerin dagegen ankämpfen muss. Aber sie kann das – und daher auch der erste Eindruck eines Live-Albums. So klingt das garantiert auch, wenn sie mit Ihrer Band auf der Bühne steht. Schade, dass ich vorerst keine Gelegenheit haben werde, das einmal zu prüfen. Die CD weckt zumindest Lust darauf.

Abwechslungsreiche Songs

Erfreulicherweise finden sich keine gecoverten Songs auf dem Album. Sämtliche Titel wurden Dana Fuchs und Jon Diamond teilweise mit Hilfe anderer Bandmitglieder geschrieben. Bedauerlicherweise liegen dem Album keine Texte bei. Da sie bei dieser Art Musik nicht immer gut zu verstehen sind, wäre das eine Hilfe für nicht muttersprachliche Hörer gewesen.

Anzeige Amazon: 6 Jazz-Stücke für Klavier - Walter Eigenmann
Anzeige

Die Zusammenstellung ist gut. Nach dem Opener „Double Down On Wrong“, der ein Fetzer ist, folgt etwas verhaltener „Blues Mist Road“, der jedoch ab der Mitte auch von der schmutzigen Gitarrenarbeit der beiden Gitarristen lebt.
„Call My Name“ ist eine langsame Ballade, bei der ausnahmsweise auch der Text gut verstanden wird. Bei „Save me“ wiederum ist zu hören, wie gut die Rhythmussektion (Bass und Drums) zusammen harmoniert.

Dana Fuchs - Glarean Magazin
Gradlinig, schnörkellos: Dana Fuchs (geb. 1976)

Das folgende „Curtain Close“ wird von den beiden Gitarristen dominiert. Der knarzende Telecaster-Sound lässt Melodie und Stimme fast in den Hintergrund treten. „Borrowed Time“ dann, der titelgebende Song, beginnt verhalten mit Akustik-Gitarre, die dann von den E-Gitarren überlagert wird, die sich aber nicht in den Vordergrund drängen. Statt Solospiel gibt es in der Mitte des Songs einen melodiösen Riff.
„Nothing You Own“ ist wieder eine Ballade, in der die E-Gitarren sich mit Arpeggien begnügen. Die Lead-Gitarre zeigt gegen Ende, dass es nicht viele Töne braucht, um ein ansprechendes Solo zu spielen.
„Not Another Second On You“ setzt da wieder ein, wo der erste Titel aufgehört hat. Bei „Lonely Lie“ zeigt Jon Diamond, dass er auch eine gute Mundharmonika spielen kann; sonst braucht es für diesen Song nur noch eine Akustik-Gitarre. „Last To Know“ rockt wieder los, als gälte es ein Publikum bis zum Überglühen einzuheizen. Das letzte Stück „Star“ dreht dann mit den verzerrten Telecaster noch einmal etwas mehr auf.

Routine und Spielfreude

The Allman Brothers Band - Glarean Magazin
Legendäre Formation des Southern Rock in den 1970er Jahren: The Allman Brothers Band

Dana Fuchs‘ rauhe Stimme ist wandlungsfähiger, als es bei den ersten Stücken den Anschein hat. Das fällt vor allem bei den Balladen auf. Die Gitarrenarbeit von Jon Anderson und dessen Partner Kenny Tudrick mag beim ersten Eindruck etwas einseitig daherkommen, bei genauerem und öfterem Hinhören merkt man aber doch, dass sie differenziert spielen können. Natürlich ist da der gradlinige, nicht sehr komplizierte Southern-Rock, aber den bringen sie mit viel Routine, Enthusiasmus und vor allem großer Spielfreude, die mit manch guten Einfällen durchsetzt ist.

Wer ein erfrischend neues, wenn auch nicht neuartiges Rockalbum hören möchte, ist bei Dana Fuchs und ihrer Mannschaft an der richtigen Adresse. Vor allem ist es kein Album, das man ein- oder zweimal hört und dann wieder vergisst. Es gewinnt vielmehr beim wiederholten Hören. Wer gradlinigen Southern-Rock mag, bei dem stellt sich hier die gute Laune automatisch ein. ♦

Dana Fuchs: Borrowed Time, Ruf-Records, Audio-CD, 50 Minuten

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Rock Musik auch über Birgit Fuß: Jim Morrison (Musiker-Biographie)

… sowie über Mathias Löffler: Rock & Jazz Harmony (Lehrbuch)


Kommentare sind willkommen! (Keine E-Mail-Pflicht)