Das Zitat der Woche über „Musik und Emotionen“

Warum klingt Dur manchmal so traurig wie Moll?

Nach dem für die Zwi­schen­do­mi­nan­te be­schrie­be­nen Prin­zip er­klärt sich auch die für die Wis­sen­schaft ver­wun­der­li­che Tat­sa­che, dass Dur­ak­kor­de bis­wei­len eben­so trau­rig klin­gen kön­nen wie Moll­ak­kor­de, wenn sie als Do­mi­nan­te ei­ner Moll­ton­art er­schei­nen. Die sonst üb­li­che emo­tio­na­le Dur-Moll-Kon­trast­wir­kung ist dann näm­lich voll­stän­dig erloschen:

Franz Schubert - Liederzyklus Die schöne Müllerin - Zitat Vorspiel Die liebe Farbe - Glarean Magazin
Die do­mi­nan­ti­schen Dur­ak­kor­de im zwei­ten Takt des Vor­spiels von „Die lie­be Far­be“ aus dem Zy­klus „Die schö­ne Mül­le­rin“ (hier rot ge­kenn­zeich­net) klin­gen eben­so trau­rig wie die Moll­har­mo­nien des ers­ten Tak­tes, da sie de­ren emo­tio­na­le Wir­kung übernehmen.

Iden­ti­fi­zie­ren wir uns bei ei­ner Moll­to­ni­ka mit ei­nem Ge­fühl des Nicht-Ein­ver­stan­den-Seins und bei de­ren Dur­do­mi­nan­te […] mit ei­nem Wil­len ge­gen den Wie­der-Ein­tritt der Moll­to­ni­ka, dann er­gibt sich für die Do­mi­nan­te eine Si­tua­ti­on, die – kon­se­quent for­mu­liert – fol­gen­der­mas­sen be­schrie­ben wer­den kann:

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Bei der Do­mi­nan­te ei­ner Moll­to­ni­ka iden­ti­fi­zie­ren wir uns mit ei­nem Ge­fühl des Nicht-Ein­ver­stan­den-Seins mit ei­nem Ge­fühl des Nicht-Ein­ver­stan­den-Seins. Die An­wen­dung un­se­rer Theo­rie auf die Har­mo­nie­fol­ge Do­mi­nan­te-Moll­to­ni­ka führt also zu ei­ner Art Pleonasmus.
Das er­klärt nun, dass der Har­mo­nie­wech­sel Moll­to­ni­ka-Do­mi­nan­te-Moll­to­ni­ka nur ei­nen ge­mein­sa­men emo­tio­na­len Ge­halt ver­mit­teln kann, näm­lich den der Moll­to­ni­ka, also wie im obi­gen Schu­bert-Bei­spiel ei­nen traurigen“. ♦

Zi­tiert nach Bernd & Da­nie­la Wil­limek: Mu­sik und Emo­tio­nen – Stu­di­en zur Stre­be­ten­denz-Theo­rie, Deut­scher Wis­sen­schafts­ver­lag 2019

Le­sen Sie im Glarean Ma­ga­zin zum The­ma Mu­sik­psy­cho­lo­gie auch über Ko­gni­ti­ve For­schung: Mu­sik als Universalsprache

… so­wie über Chris­toph Drös­ser: Hast du Töne? (War­um wir alle mu­si­ka­lisch sind)

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