Musik in der Gruppe: Neue Forschungsergebnisse

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Musikalischer Ausdruck und Bewegungspräzision

von Walter Eigenmann

Um herauszufinden, wie Musiker während einer Performance in Probe und Konzert intuitiv ihre Werkauffassung miteinander koordinieren und im Stillen vorhersagen, wie ihre Kollegen die Musik ausdrücken werden, hat ein Forscherteam der McMaster University eine neue Untersuchungstechnik entwickelt. Die unlängst in der Zeitschrift Scientific Reports veröffentlichten Forschungsergebnisse dokumentieren, wie Musiker ihre Bewegungen synchronisieren, damit sie genau im richtigen Moment spielen, und zwar als interpretatorische Einheit.

Emotionen koordiniert ausdrücken

Kammermusik - Orchester-Ensemble - Streicherkonzert - Violinen - Musizieren - Glarean Magazin
Musikwissenschaftlerin Laurel Trainor: „Erfolgreiches Musizieren in der Gruppe ist ein sehr komplexes Unterfangen“

„Erfolgreiches Musizieren in der Gruppe ist ein sehr komplexes Unterfangen“, erklärt Laurel Trainor, Leiterin der Studie und Direktorin des Institute for Music and the Mind an der McMaster University, wo die Arbeit durchgeführt wurde: „Wie koordinieren sich Musiker untereinander, um ausdrucksstarke Musik zu spielen, die sich in Tempo und Dynamik verändert? Um dies zu erreichen, müssen sie antizipieren, was Ihre Mitmusiker als nächstes tun werden, damit Sie die motorischen Bewegungen so planen können, dass sie die gleichen Emotionen koordiniert ausdrücken können. Denn wenn man darauf wartet, was der Mitmusiker gleich tun wird, ist es zu spät…“, sagt die Studienleiterin.

Capture-Marker messen Musiker-Bewegungen

Motions Capture Technik - Bewegungserforschung - Glarean Magazin
Die Motion Capture Technik arbeitet mit Körper-Markern, um Bewegungsabläufe computertechnisch präzise auszuwerten (Bild: Wikimedia)

Für ihre Untersuchung wandten sich die Forscher an das renommierte Kammermusik-Ensemble Gryphon Trio. Jedes der drei Mitglieder wurde dabei mit Motion-Capture-Markern ausgestattet, damit seine Bewegungen aufgezeichnet werden konnten, während das Trio glückliche oder traurige Musikausschnitte spielte – einmal mit musikalischem Ausdruck, einmal ohne. Mit Hilfe mathematischer Techniken maßen die Forscher dann, wie stark die Bewegungen der drei Musiker die Bewegungen der anderen voraussagten.

Bessere Antizipation dank Ausdrucksstärke

Das grundsätzliche Ergebnis: Die Musiker konnten – unabhängig davon, welche Stücke sie spielten – die Bewegungen immer dann besonders stark antizipieren, wenn sie besonders ausdrucksstark spielten. Der Co-Autor der Studie Andrew Chang dazu: „Unsere Arbeit zeigt, dass wir die Kommunikation von Emotionen zwischen Musikern messen können, indem wir ihre Bewegungen im Detail analysieren, und dass das Erreichen eines gemeinsamen Emotionsausdrucks als Gruppe viel nonverbale Kommunikation erfordert“.

Die Forscher schlagen vor, diese neuartige Technik auch auf andere Situationen anzuwenden, beispielsweise auf die Kommunikation zwischen nonverbalen Patienten und ihrer Familie bzw. ihren Pflegekräften. Ausserdem sei geplant, diese Testtechnik auch in einer Studie über „romantische Anziehungskraft“ einzusetzen: „Die ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die bei Körperschwankungen gemessene Kommunikation Vorhersagen darüber erlaubt, welche Paare sich wieder sehen wollen“, sagt Andrew Chang… ♦

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