Musiker-Anekdoten (1)

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 6 Minu­ten

Sie hören mich wohl gerne singen!“

Ein bunter Strauss von Musik-Anekdoten

von Walter Eigenmann

Gustav Mahler

In einer von Mahler gelei­te­ten Auf­füh­rung gefähr­dete ein Sän­ger durch einen fal­schen Ein­satz die ganze Vor­stel­lung. Wütend rannte Mahler in der Pause in die Gar­de­robe des Ver­bre­chers, aber der hatte sich von innen eingeschlossen.
„Auch noch feig!“ brüllte Mahler in höchs­tem Zorn.

Johannes Brahms

Ein Schü­ler sollte Brahms ein Lied von Schu­bert vor­spie­len. „Zu die­ser Kom­po­si­tion wurde Schu­bert durch den Gedan­ken an eine geliebte Frau inspi­riert. Füh­len Sie sich also ent­spre­chend in das Stück ein.“

Der gefürchtete Musik-Kritiker Hanslick beweihräuchert Johannes Brahms (Zeitgenössische Karikatur)
Der gefürch­tete Musik-Kri­ti­ker Hans­lick beweih­räu­chert Johan­nes Brahms (Zeit­ge­nös­si­sche Karikatur)

Kurz nach­dem der Schü­ler anfing zu spie­len, winkte Brahms schon ab. „Sie haben mich falsch ver­stan­den“, sagte er, „das Lied rich­tet sich an eine Geliebte, nicht an die Schwiegermutter!“

Josef Hellmesberger

Hell­mes­ber­ger war einst bei einem Kom­po­nis­ten zum Mit­tag­essen im Fami­li­en­kreis ein­ge­la­den. Nach dem Essen zog sich der Kom­po­nist zurück, um zu arbeiten.
„Kin­der tut’s beten“, sprach da Hell­mes­ber­ger, „der Vater geht stehlen!“

Josef Haydn

Josef Haydn diri­gierte sein Cello-Kon­zert. Der Cel­list spielte eine selbst­kom­po­nierte Kadenz; sie war end­los lang, irrte durch alle Ton­ar­ten und schien das Thema voll­kom­men ver­ges­sen zu haben. End­lich kam zum Schluss der obli­gate Tril­ler. „Herz­lich will­kom­men daheim!“ rief Haydn dem Solis­ten zu.

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Hans Pfitzner

Hans Pfitz­ner probte das „Chris­telf­lein“. Die Dar­stel­le­rin des Elf­leins sang der Par­ti­tur nach: „Ich bin ja so dumm.“
„Bitte nicht so über­zeu­gend“, rief Pfitz­ner zur Bühne hinauf.

Richard Strauss

Auf einer Probe zur „Salome“ rief Strauss: „Cou­ra­gier­ter, meine Her­ren, cou­ra­gier­ter! Je fal­scher es klingt, desto rich­ti­ger ist’s!“

Hans von Bülow

Hans von Bülow als Dirigent (Böhler)
Hans von Bülow als Diri­gent (Böh­ler)

Kurz vor einem sei­ner Kon­zerte stürmte Hans von Bülow die Treppe hin­auf, rannte um die Ecke, wo er mit einem kor­pu­len­ten Herrn zusam­men­stiess, so dass beide fast zu Fall gekom­men wären. Wütend schrie der Herr: „Esel!“ Ver­bind­lich lächelnd, dabei sei­nen Zylin­der lüf­tend, erwi­derte der Künst­ler: „Bülow.“

Johannes Brahms

Was wird wohl einst auf der Tafel ste­hen, die man Ihnen zu Ehren hier oben anbrin­gen wird?“, fragte ein Freund den Kom­po­nis­ten Johan­nes Brahms, als er mit die­sem vor dem Haus Karls­gasse 4 in Wien stand, das der Meis­ter lange bewohnte. Tro­cken erwi­derte Brahms: „Woh­nung zu vermieten!“

Max Reger als Dirigent beim Erleiden falscher Töne - Glarean Magazin
Max Reger als Diri­gent beim Erlei­den fal­scher Töne (Thiel­mann)

Max Reger

Ein Kri­ti­ker hatte Reger fürch­ter­lich ver­ris­sen. Reger schrieb ihm einen kur­zen Brief:
„Sehr geehr­ter Herr! Ich sitze hier im kleins­ten Raum mei­nes Hau­ses und lese Ihre Kri­tik. Noch habe ich sie vor mir… Hoch­ach­tungs­voll: Max Reger.“

Igor Strawinsky - Zeichnung von Pablo Picasso - Glarean Magazin
Der beschau­li­che Igor Stra­win­sky – Zeich­nung von Pablo Picasso

Igor Strawinsky

Der berühmte Jazz-Kom­po­nist Gershwin wollte ein­mal Stun­den bei Igor Stra­win­sky neh­men. Im Lauf der Unter­hal­tung fragte ihn Stra­win­sky, was er unge­fähr ver­diene. Als Gershwin ant­wor­tete: „Jähr­lich etwa hun­dert­tau­send Dol­lars“, meinte Stra­win­sky: „Da nehme ich bes­ser bei Ihnen Stunden.“

Hans Richter

Ein Kla­ri­net­tist spielte eine Stelle falsch. Hans Rich­ter klopfte ab und sang ihm die Stelle vor. Das wie­der­holte sich zum zwei­ten und drit­ten Male, bis Rich­ter unge­dul­dig rief: „Sie hören mich wohl gerne singen!“

Franz Liszt

Lisztomania im Konzertsaal (Hosemann)
Lisz­to­ma­nia im Kon­zert­saal (Hosemann)

Liszt spielte in einem Pri­vat­kon­zert vor dem rus­si­schen Kai­ser. Bei einer Pia­nostelle wandte sich die­ser zu sei­nem Adju­tan­ten und gab ihm laut einen Befehl.
Liszt hörte zu spie­len auf und liess die Hände in den Schoss sin­ken. Als der Zar ihn unwil­lig nach dem Grund der Unter­bre­chung fragte, ant­wor­tete Liszt mit höf­li­cher Ver­beu­gung: „Wenn Fürs­ten spre­chen, haben die Die­ner zu schweigen.“

Wilhelm Furtwängler

Wil­helm Furtwäng­ler machte bekannt­lich eigen­ar­tig fah­rige Bewe­gun­gen beim Dir­gie­ren. Ein­mal lei­tete er ein frem­des Orches­ter und schon der erste Ein­satz wollte nicht klap­pen. Da fragte beschei­den der Kon­zert­meis­ter: „Herr Dok­tor, bei wel­chem Zacken von Ihrem Blitz sol­len wir einsetzen?“

Schlafende Violinen

In einer längst ver­ges­se­nen Oper hat­ten Flöte und Harfe eine langaus­ge­dehnte Solo­stelle. Einige Takte vor dem Schluss die­ses Duos befand sich in der Par­ti­tur mit rotem Stift quer durch die ganze Seite geschrie­ben die Bemer­kung: „Hier müs­sen die Vio­li­nen geweckt werden.“

Max Reger

"Max Reger auf dem Pegasus, alle Hindernisse spielend überwindend" (H. Starkloff)
„Max Reger auf dem Pega­sus, alle Hin­der­nisse spie­lend über­win­dend“ (Star­kloff)

Nach einem Kon­zert der Mei­nin­ger Hof­ka­pelle unter­hielt sich eine junge Prin­zes­sin leut­se­lig her­ab­las­send mit Max Reger. Sie wollte vor allem Bescheid erhal­ten über eine Solo­stelle der Fagotte, die ihr beson­de­ren Ein­druck gemacht hatte. Wiss­be­gie­rig fragte sie: „Herr Hof­rat, brin­gen die Leute diese Töne mit dem Mund her­vor?“ Reger erwi­derte: „Das will ich stark hof­fen, König­li­che Hoheit.“

Johannes Brahms

Ein jun­ger Mensch bat Brahms um Prü­fung einer Kom­po­si­tion. Brahms liess sich behag­lich in sei­nen Lehn­stuhl nie­der und rauchte ruhig seine Zigarre, wäh­rend er die Arbeit durch­sah. End­lich frage er ver­son­nen: „Men­schen­s­kind, wo haben Sie denn nur das schöne Noten­pa­pier her?“

Richard Wagner

Richard Wagner zertrümmert das Trommelfell seiner Zuhörer (Gill)
Richard Wag­ner zer­trüm­mert das Trom­mel­fell sei­ner Zuhö­rer (Gill)

Eines Abends ging Wag­ner in Sor­rent spa­zie­ren. Einer der vie­len Dreh­or­gel­spie­ler, der ihn kannte, setzte sofort eine Walze mit dem Braut­zug aus „Lohen­grin“ ein und begann seine Orgel so schnell zu dre­hen, dass die Musik bis zur Unkennt­lich­keit ver­hetzt wurde. Zor­nig stürmte Wag­ner auf ihn zu, packte selbst die Dreh­or­gel und drehte sie so lang­sam und bedäch­tig, dass der Chor im rich­ti­gen Tempo erklang. Dann gab er dem Alten ein gutes Trink­geld mit der Wei­sung, immer in die­sem Tempo zu spielen.
Am ande­ren Mor­gen hing an der Dreh­or­gel ein Schild: „Schü­ler von Richard Wagner.“

Der Musikstudent

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Ein Musik­stu­dent möchte ein Zim­mer mie­ten. Doch die Ver­mie­te­rin weist ihn ab:
„Wir hat­ten ein­mal einen Musik­stu­den­ten hier woh­nen. Der kam erst sehr beet­hoev­lich an, wurde dann mit mei­ner Toch­ter mozärt­lich, brachte ihr einen Strauss mit, nahm sie beim Hän­del und führte sie mit Liszt über den Bach in die Haydn. Er war gar nicht zu brahm­sen, und jetzt haben wir einen Men­dels­sohn und wis­sen nicht wohindemith!“

Lesen Sie im Glarean Maga­zin auch: Neue Musi­ker-Anek­do­ten (2)
… sowie die Anek­do­ten-Samm­lung: Pan­op­ti­kum der Musiker-Entgleisungen

Ein Kommentar

  1. Amü­sant und kurz­wei­lig! Auch wenn man man­ches kennt. Suche noch ein Buch­ge­schenk in die­ser Rich­tung. Könnte jemand etwas empfehlen?

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