Willkommen beim Glarean Magazin!

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Willkommen beim GLAREAN MAGAZIN und viel Spass auf dem Trip durch die ganze Welt der Literatur, des Schachs, des Rätsels und der Musik!


Musik-Elektroenzephalographie in der Demenz-Forschung

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Musik-Technik im Dienste der Demenz-Prognostizierung

von Walter Eigenmann

An der Universität Tel Aviv haben Forscher eine Methode der Musik-Elektroenzephalographie entwickelt, bei der musikalische Tests und ein tragbares Instrument zur Messung der Hirnaktivität eingesetzt werden, um den kognitiven Abbau im Alter zu erkennen. Einer entspr. Studie zufolge kann diese Methode, die auf der Messung von 15 Minuten elektrischer Aktivität im Gehirn während der Ausführung einfacher musikalischer Aufgaben beruht, problemlos auch von Klinik-Mitarbeitern ohne spezielle Ausbildung angewendet werden.

Gemäß der israelischen Forscher-Gruppe unter der Leitung des Neurowissenschaftlers Prof. Dr. Nathan Intrator ermöglicht die neue Methode eine routinemäßige Überwachung und frühzeitige Erkennung des kognitiven Verfalls, um eine Behandlung zu ermöglichen und eine rasche, schwere Verschlechterung zu verhindern. Prophylaktische Tests dieser Art seien bei einer Reihe von physiologischen Problemen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Brustkrebs allgemein anerkannt, bisher sei jedoch noch keine Methode entwickelt worden, die eine routinemäßige, zugängliche Überwachung des Gehirns auf kognitive Probleme ermöglicht.“ Die Forscher merken weiter an, dass Tests dieser Art angesichts der steigenden Lebenserwartung und der damit verbundenen Zunahme der älteren Bevölkerung besonders wichtig sind.

Musik-Elektroenzephalographie als Demenz-Prävention

Musikwissenschaft - Elektroenzephalogramm - Gehirn-Test - Demenzprävention - Glarean Magazin
Musikwissenschaft – Elektroenzephalogramm – Gehirn-Test – Demenzprävention – Glarean Magazin

Im Rahmen der Studie entwickelten die Forscher eine bahnbrechende Methode, bei der ein neu entwickeltes tragbares Gerät zur Messung und innovativen Analyse der Elektroenzephalographie (EEG) mit einem speziell entwickelten kurzen Musiktest von etwa 12-15 Minuten Dauer kombiniert wurde. Während des Tests wird die Testperson mit einem Klebeband an das tragbare EEG-Gerät angeschlossen, wobei drei Elektroden auf der Stirn angebracht werden.
Die Versuchsperson führt eine Reihe von musikalisch-kognitiven Aufgaben nach akustischen Anweisungen aus, die automatisch über Kopfhörer gegeben werden. Die Aufgaben umfassen kurze, von verschiedenen Instrumenten gespielte Melodien, zu denen die Versuchspersonen verschiedene Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ausführen sollen. So sollen sie beispielsweise jedes Mal einen Knopf drücken, wenn eine beliebige Melodie gespielt wird, oder nur, wenn die Geige spielt. Außerdem beinhaltet der Test eine mehrminütige, musikalisch geführte Meditation, die das Gehirn in einen Ruhezustand versetzen soll, da dieser Zustand bekanntermaßen die Gehirnfunktion in verschiedenen Situationen anzeigt.

Positive Stimmung mittels Musik

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Die auf musikalische Kognition spezialisierte Musikwissenschaftlerin (und Cellistin) Neta Maimon erklärt dazu, dass Musik einen großen Einfluss auf verschiedene Zentren im Gehirn hat. Einerseits ist Musik dafür bekannt, dass sie die Stimmung schnell anregt, insbesondere bei positiven Emotionen. Andererseits kann Musik in verschiedenen Situationen kognitiv anspruchsvoll sein und die vorderen Teile des Gehirns aktivieren, insbesondere wenn wir versuchen, uns auf verschiedene Aspekte der Musik zu konzentrieren und gleichzeitig eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen.

Laut Maimon können, wenn diese beiden Fähigkeiten kombiniert werden, kognitive Tests erstellt werden, die zwar komplex, aber dabei angenehm und leicht durchzuführen seien. Darüber hinaus fördere positive und einigermaßen rhythmische Musik die Konzentration und die Ausführung der Aufgabe. So habe beispielsweise der berühmte „Mozart-Effekt„, der zeigt, dass sich die Leistung bei Intelligenztests nach dem Hören von Mozarts Musik verbessert, eigentlich nichts mit Mozarts Musik selber zu tun hat, sondern mit der Tatsache, „dass Musik eine positive Stimmung erzeugt und uns in einen Zustand versetzt, der für die Durchführung von Intelligenz- und Kreativitätstests optimal ist“. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Musik und Gehirn auch über Lutz Jäncke: Macht Musik schlau?


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Werner van Gent – Leben zwischen Krieg und Musik (Dokumentarfilm)

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Die Grenzen des Journalismus

von Katka Räber

Werner van Gent – Leben zwischen Krieg und Musik“ ist ein Dokumentarfilm mit allen Facetten, die ein derartiges filmisches Dokument bieten kann: Geschichtliche Bildersequenzen, die fesseln; das berufliche Leben einer äußerst spannenden Persönlichkeit; eine diskussionsanregende Gedankenebene. All das erfüllt der Film über den holländisch-schweizerischen Journalisten Werner van Gent, der bis vor kurzem vier Jahrzehnte lang sehr eindrücklich, stets unaufgeregt und sehr glaubwürdig aus den Kriegsgebieten u.a. des Nahen Ostens, aus Afghanistan, Pakistan, Syrien, Ex-Jugoslawien berichtet hat.

Mit verschiedenen Stilmitteln nähert sich der Film dem Protagonisten: Historische Aufnahmen aus seinen Berichterstattungen; Mitschnitte aus dem jetzigen Leben; seine Stimme aus dem Off mit Gedanken über das Leben allgemein, über Krieg und Frieden, Recht und Unrecht, Freuden und Frustrationen des Journalismus. Im Film begegnen wir außerdem van Gents Gattin Amalía, einer Griechin, die ebenfalls im Journalismus arbeitet. Und zwischen diesen zahllosen Begegnungen, Berichten und Interviews immer wieder musikalische Ein- und Rückblenden, besonders der Violinistin Patricia Kapatschinskaja, die Werner van Gent als Amateur-Cellist sehr bewundert.

Filmisches Mosaik

Werner Van Gent - Journalist - Dokumentarfilm 2022 - Glarean Magazin
Glaubwürdig, engagiert, objektiv: Berichterstatter Werner Van Gent

Der Dokumentarfilm selber ist ein filmisches Meisterwerk, der vorführt, wie auch schwierige, oft unmenschliche Tatsachen und Begebenheiten gezeigt werden können in Verbindung mit dem Leben eines sehr engagierten Journalisten und seiner Gattin. Ein Dokument, das aufzeigt, was journalistische Arbeit beinhaltet, welche Gefahren, aber auch Freundschaften auf der ganzen Welt sie mit sich bringt, welche Herausforderungen sich hinter den uns erreichten Nachrichten verbergen. Ein Film auch, der einerseits Hoffnung macht, weil es Journalistinnen und Journalisten gibt, die sich einsetzen für eine möglichst wahrhaftige Berichterstattung auch aus gefährdetsten und gefährlichsten Regionen dieser Welt, aus Kriegsgebieten nämlich, die es leider immer gab und heute nicht weniger gibt. Einer dieser glaubwürdig, engagiert und gleichzeitig objektiv berichtenden Medienschaffenden ist Van Gent.

Musik als Heimat

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Van Gent und seine Frau sind Weltbürger. Er: Der Sohn eines Holländers und einer Schweizerin. Sie: Eine Griechin. Van Gents Vater ist im Zweiten Weltkrieg als junger Mann wegen Transportierens von antifaschistischen Flugblättern in ein Konzentrationslager gekommen, das er überlebte, und worüber er erst am Lebensende gesprochen hat. Auch diese Ebene wird in den vielschichtigen, farbigen Film-Teppich sehr geschickt eingewoben.
Wir folgen van Gents jetzigem Leben nach seiner Pensionierung nach Athen, wo das Paar heute lebt, nachdem sie verschiedene Domizile bewohnten, aber immer wieder in der kargen Landschaft der Insel Tinos Ruhe und Erholung fanden, in ihrem Haus, das sie vor vielen Jahren gekauft haben.
Die Musik, die nach van Gents Worten „Heimat“ für ihn bedeutet, unterstützt im Leben wie im Film immer wieder seine Worte. Denn aus ihr schöpfte er stets die Kraft weiterzumachen, trotz der unmenschlichen Kriege an so vielen Orten der Welt – „um den Glauben an den Menschen nicht zu verlieren“.

Trotz Elend noch an Gott glauben?

Patricia Kopatchinskaja - Violine - Glarean Magazin
Musik als Versöhnung: Die Violinistin Patricia Kopatchinskaja

Der Schweizer Nachrichtensprecher Florian Inhauser fragt ihn im Film, ob man im Wissen um so viel Schreckliches in der Welt noch an Gott glauben kann. Van Gent antwortet mit dem Zitat eines Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg: „Jetzt weiß ich, dass es einen Gott gibt. Er trägt eine braune Uniform.“ Es sei enttäuschend, dass in der Welt nicht die Vernunft siegt.
Im Film sehen wir beispielsweise das Begräbnis von Mikis Theodorakis (September 2021), dem auch politisch engagierten griechischen Musiker, der vielen Menschen Hoffnung brachte. Musik kann auch Werner van Gent eine gewisse Versöhnung bringen.
Der Film schafft es auf jeden Fall, diese ganze Vielfalt auf eine sehr berührende und doch informative Art zusammenzuführen. Ich wünsche dieser Dokumentation viel Publikum, egal ob im Kino oder am Fernsehen. ♦

Michael Magee (Regie): Werner van Gent – Leben zwischen Krieg und Musik (Dokumentarfilm), ca. 60 Minuten

Lesen Sie zum Thema Politischer Dokumentarfilm auch über F. Chiquet & M. Affolter: Die Pazifistin

Interview mit dem Komponisten Bernhard Lang

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„Jede neue Partitur sieht in die Zukunft“

Jakob Leiner stellte ein paar Fragen an den österreichischen Komponisten Bernhard Lang

Bernhard Lang wurde 1957 in Linz geboren, und der 65-jährige Komponist weist aktuell ein nicht nur zahlenmäßig, sondern auch stilistisch beeindruckendes Oeuvre vor. Der mehrfach ausgezeichnete und häufig aufgeführte Komponist schreibt für den Konzertsaal, für das Musiktheater und für den Film.

Glarean Magazin: Guten Tag, Herr Lang, wie verhält sich aktuell das Wetter dort, wo Sie gerade sind?

Bernhard Lang: Überraschende Frage – der Jahreszeit entsprechend.

Komponist Bernhard Lang - Glarean Magazin
Komponist Bernhard Lang (*1957)

Als Komponist können Sie auf ein in seiner Vielfalt geradezu betörendes Gesamtwerk zurückblicken, das sich natürlich noch weiter fortsetzt. An was arbeiten Sie derzeit?

Ich arbeite derzeit an Radical Loops, einem Stück für 6 Violinen, Schlagzeug und Playback.

Sie sind im Jazz und elektronischer Musik genauso zu Hause wie in der zeitgenössischen Avantgarde. Langweilt Sie die Etikettierung von Musik oder halten Sie sie für notwendig?

Kategorisierungen muss man rational bzw. wissenschaftlich begründen: Solange es solche objektiven Begründungen gibt, sind Differenzierungen sinnvoll, wenn nicht, sind sie redundant.

Sie arbeiten häufig mit Stilmitteln der Recyclage, der „Über- und Fortschreibung“. Aus welcher musikhistorischen Haltung heraus komponieren Sie?

Die Überarbeitung/Überschreibung ist eines der ältesten Prinzipien in der Geschichte der notierten Musik und reicht bis zum Gedanken des Remixens (vgl. die Transformation eines römischen Chorals in die Tenorstimme eines Messesatzes).

Welchen Raum nimmt die Ironie samt Schattenseiten in Ihrer Arbeit ein?

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Ironie ist ein romantischer Begriff und geht von der Erkenntnis eines verlorenen Ideals aus; explizit spielt das eher in den Musiktheatern eine Rolle, etwa im Reigen. Die „Schattenseite“ der Ironie müsste man vielleicht zuvorderst erst definieren.

„Playing Trump“ heißt eine Ihrer sogenannten „Cheap Operas“, deren Uraufführung begeistert aufgenommen wurde. Was liegt Ihnen näher: Vernichtungswut oder Spieltrieb?

Vernichtungswut ist mir unbekannt, Spieltrieb motorisiert mich allezeit, jedoch in Kombination mit sehr strengen strukturellen Überlegungen.

Ein weiterer Aspekt Ihrer Karriere ist die umfangreiche Lehrtätigkeit u.a. an der Kunstuniversität Graz. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Zukunftsherausforderungen für künstlerisch ausbildende Institutionen?

Zitat aus "Loops for Edgar Froese" für Klavier vierhändig und Zuspielung von Bernhard Lang (2017)
Zitat aus „Loops for Edgar Froese“ für Klavier vierhändig und Zuspielung von Bernhard Lang (2017)

Die größte Herausforderung ist sicherlich, dass die kommenden Generationen zunehmend den Bezug zum eigenständigen Produzieren von Musik verlieren, Singen, Spielen, Üben inbegriffen: Die notwendige Disziplin am Instrument wird jetzt vehement von Handy und vor allem von der Playstation konkurriert. Wer aber selbst keine musikalische Ausbildung hat, dem wird immer der Zugang zu komplexeren Musikformen fehlen.

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Das Multidisziplinäre scheint für Sie von besonderem Reiz zu sein, insbesondere die Beschäftigung mit Tanz und Tanztheater. Was kann körperlich ausgedrückt werden, was der Musik fehlt?

Ich würde eher formulieren: Tanz kann in der Musik bereits vorhandene Momente verstärken, etwa Bewegung.

Gibt es wiederkehrende Routinen, wie Sie sich einem Stoff künstlerisch nähern?

Ja, das vorausgehende wissenschaftliche Studium der Texte, deren Analyse.

Bernhard Lang wurde 1957 in Linz/A geboren, und der 65-Jährige weist aktuell ein nicht nur nominell, sondern auch stilistisch beeindruckendes Oeuvre vor. Lang studierte Musik am Bruckner-Konservatorium in Linz sowie Philosophie und Germanistik in Graz. Dort begann auch seine Auseinandersetzung mit Elektronischer Musik und Computertechnologie. Seit 1999 lebt er freischaffend in Wien.
Der mehrfach ausgezeichnete und häufig aufgeführte Komponist schreibt für den Konzertsaal, für das Musiktheater und für den Film.

Sie studierten ebenso Philosophie und Germanistik, sind also durchaus text- und schriftaffin, was sich ebenso in Ihren zahlreichen Vertonungen niederschlägt. Zuerst das Wort, dann die Musik?

Das lässt sich nicht auf alle Stücke und Genres verallgemeinern, im Falle des Musiktheaters ist es sicher der Text, der vorangeht, wenn nicht zuerst schon ein Konzept im Raum steht. Bei einem Stück für Orgel ist es dann etwa der Klang, der das Konzept formt.

Für unsere jüngere Leserschaft: Welcher Rapper / welche Rapperin wäre Ihre Herzensempfehlung?

Tricky, Snoop Dog, Cypress Hill.

Herr Lang, wie klingt eigentlich die Musik der Zukunft?

Jede neue Partitur sieht in die Zukunft. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Komposition auch das Interview mit Christian Henking: „Jeder Routine ausgewichen“

… sowie das Interview mit der Komponistin Kathrin Denner: „Kultur ist wichtiger denn je“



Das Schach-Kreuzworträtsel im August 2022

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Die ganze Welt des Schachs im Rätsel-Puzzle

Die Welt des Schachs, wie wir es schon seit hunderten von Jahren kennen, ist bevölkert von spannenden Partien, genialen Kombinationen, großartigen Persönlichkeiten, auch skurrilen Figuren, und von abertausenden interessanter theoretischer und biographischer Print- und Online-Werke.
Diese ganze Fülle spiegelt sich im neuen August-Kreuzworträtsel des GLAREAN MAGAZINS wider.
Wir wünschen viel Spaß und erfolgreiches Schach-Knobeln!  ♦

Schach-Kreuzworträtsel August 2022 - Chess Cross Puzzle - Glarean Magazin - Walter Eigenmann_Seite_1

Schach-Kreuzworträtsel August 2022 - Chess Cross Puzzle - Glarean Magazin - Walter Eigenmann_Seite_2

Hier das Rätsel drucken (PGN)







Hier findet sich die Lösung—> „Weiterlesen“

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Schach-Partien – Kombinationen – Stellungen – Lösungen

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Partien – Kombinationen – Stellungen – Lösungen

Schachgesellschaft Luzern:
Vereinsmeisterschaft 2022

2. Runde

Mausklick auf einen Zug oder eine Variante öffnet ein Analyse-Fenster; dort kann die Partie auch als PGN-Datei runtergeladen werden (Klick auf Button ganz rechts).

1. Runde

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Schweizerische Mannschafts-Meisterschaft 2022

Schachgesellschaft Luzern: 3. Runde

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Schachgesellschaft Luzern: 4. Runde

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Sommer-Gedicht des Tages von Wakayama Bokusui (Tanka)

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Weiße Wolken zwei

Das japanische Kurzgedicht Tanka ist eine über 1’300 Jahre alte, reimlose Lyrik-Form mit 31 gewichteten Silben (Moren) im Rhythmus 5-7-5 (Oberstollen) und 7-7 (Unterstollen).
Unser neues Sommer-Gedicht des Tages „Weiße Wolken“ stammt von dem japanischen Lyriker Wakayama Bokusui. Er lebte von 1885 bis 1928 und zählt zu den wichtigsten Tanka-Dichtern anfangs des 20. Jahrhunderts. ♦


Sommer-Wolken-Tanka-Gedicht - GLAREAN MAGAZIN     Weiße Wolken zwei

fanden sich und mussten jäh

    auseinandergehn;

beide schwanden bald dahin;

nur der blaue Himmel blieb.

Lesen Sie im Glarean Magazin auch das Gedicht des Tages von Raoul Hausmann: Nichts

… sowie zum Thema „Herbst“ das Gedicht des Tages von Otto Zur Linde: Herbstsonne – Wolken – Die Birke

Zitat der Woche über das Lernen aus Fehlern (Karl Popper)

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Über das Lernen aus Fehlern

Karl Popper

Karl Popper - Zitat der Woche - Lernen aus Fehlern - Glarean Magazin

Wir können aus unseren Fehlern lernen; darum ist es unsere Pflicht, aus unseren Fehlern zu lernen.

aus Karl Popper: Das Elend des Historizismus, Tübingen 1965

Lesen Sie zum Thema Lernen auch unser Zitat der Woche von Felix Stalder: Kultur der Digitalität


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Das neue leichte Sudoku-Quartett im Juli 2022

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Der unbeschwerte Zahlen-Puzzle-Spass

von Walter Eigenmann

Ein bisschen Logik, ein bisschen Vorstellungskraft, ein bisschen Erinnerungsvermögen – mehr ist nicht nötig, um in Sachen Sudoku-Rätsel eine Menge Denksport-Spaß zu haben.
Das GLAREAN MAGAZIN wünscht viel Erfolg beim Knobeln des Sudoku-Quartetts im Juli 2022!

Neue leichte Sudoku-Puzzles - Juli 2022 - Glarean Magazin - Aufgaben
Das neue leichte Sudoku-Quartett im Juli 2022

Rätsel zum Ausdrucken (pdf)

Sudoku – die Regeln

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Ein Sudoku besteht aus 9 x 9 Feldern, die zusätzlich in 3 x 3 Blöcken mit 3 x 3 Feldern aufgeteilt sind.
Jede Zeile, jede Spalte und jeder Block soll alle Zahlen von 1 bis 9 jeweils genau einmal enthalten.
In ein paar der Felder sind bereits Zahlen vorgegeben. Bei einem Sudoku darf es nur eine mögliche Lösung geben, und diese muss rein logisch gefunden werden können.

Knobeln Sie im Glarean Magazin zum Thema Rätsel auch das Sudoku-Quartett vom Juli 2019

… sowie das Sudoku-Quartett vom Oktober 2017 mit unterschiedlich schwierigen Rätsel-Aufgaben

Auflösung der 4 Rätsel —> (weiterlesen)

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Walter Eigenmann: Sechs Jazz-Stücke für Klavier

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Sechs Jazz-Stücke für Klavier

Sechs Jazz-Stücke für Klavier - Walter Eigenmann„Sechs Jazz-Stücke für Klavier“ entstanden im Frühjahr 2021. Sie kreisen alle um den Ton C als melodisch-motivisches, aber nicht-tonales Zentrum.
Neben je charakteristischer, bevorzugt aus dem Jazz stammender Rhythmik sind die formale Durchsichtigkeit und die relativ einfache Nachvollziehbarkeit der vertikalen Strukturen für den Hörer die zwei wichtigsten Intentionen des Komponisten.
Spezifische Jazz-Standards werden keine verwendet, eher arbeiten die Stücke mit motivischen und harmonischen Annäherungen an ein grundlegendes „Jazz-Fluidum“, indem gewisse Jazz-Charakteristika stilisiert werden.
Die Schwierigkeitsgrade erstrecken sich von leicht bis sehr schwierig. ♦

Walter Eigenmann: Sechs Jazz-Stücke für Klavier, 24 Seiten, ISBN 978-3-347-33632-2


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Peter Biro: Die wahre Natur der Entenvögel (Humoreske)

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Die wahre Natur der Entenvögel

Peter Biro

Lange Zeit hat man den Mantel des Schweigens bzw. das Grabtuch der Verleugnung über die wahre Natur der Entenvögel gebreitet. Sehr lange sogar, wenn man bedenkt, dass bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert erste Vermutungen darüber angestellt wurden, dass diese Wasservögel von außerirdischer Provenienz sein könnten.

Humoreske: Die wahre Natur der Entenvögel - Konspiratives Ententreffen (Collage von Peter Biro)
Konspiratives Ententreffen (Collage von Peter Biro)

Der erste, der diese Feststellung handschriftlich auf einer Serviette des Bistros „L´Aubaine en Ville“ aufgezeichnet und anderntags bei einer Zusammenkunft der Pariser Beutelrattenforscher – sogar nonverbal mittels pantomimischer Darstellung – ausgesprochen hatte, war kein Geringerer als Antoine Horst D´Oevre, der berühmteste Astralornithologe seiner Zeit, namentlich der Epoche der ausgehenden Gasbeleuchtung.
Aufgrund seiner jahrelangen Beobachtungen am Rande des benachbarten Weihers hatte er jene bahnbrechende Einsicht gewonnen, und gleich da, im feuchten Röhricht beschlossen, etwas gegen die sich abzeichnende Bedrohung zu unternehmen. Er brachte den Mut auf, seine Theorie über die spektakuläre Herkunft und den heimtückischen Auftrag des Entenvolkes im Kreise seiner Zunftkollegen bekanntzumachen. Die Allgemeinheit hingegen wurde geflissentlich übergangen und über das unheimliche Wesen der globalen Entenschaft im Unklaren gelassen. Im Gegenteil, man unternahm von Seiten der Eingeweihten alles, um diese Vögel zu verharmlosen und sie lediglich als Quelle von Fleisch, Eiern und Daunen zu portraitieren.

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Kurz zusammengefasst, so führte D´Oevre mittels ausdrucksstarker Gestikulation aus, handelte es sich bei Enten um eine raffiniert getarnte und vorsorglich eingeschmuggelte Art von Aliens, die den Planeten Erde auskundschaften und für eine spätere Übernahme durch die außerirdische Zivilisation der Paraktoplygischen Blefulanten – eine Antoine bestens bekannte, außergalaktische Lebensform – vorbereiten sollten. Unsere so harmlos ausschauenden Enten vermögen dank ihrer Mobilität in alle Winkel sämtlicher irdischen Klimazonen vorzudringen, diese gründlich zu erforschen und ihre Erkenntnisse an die außerirdischen Auftraggeber weiterzuleiten.
Dank ihrer Vielseitigkeit können sie sich überall ungeniert fortbewegen: An Land nennt man das „watscheln“, auf dem Wasser tun sie „paddeln“, und in der Luft sieht man sie gruppenweise „flattern“. Die lustig taumelnde Fortbewegung an Land gestalten sie als ein geschicktes Täuschungsmanöver, um die Menschen von Vermutungen abzuhalten, sie könnten eine Gefahr für die menschliche Zivilisation darstellen. Sie bauen dabei auf das weit verbreitete menschliche Vorurteil, dass jemand, der mit dem Bürzel wedelt, ein harmloser Zeitgenosse sein muss.

Verdeckte Ermittlungen: Abgetauchte Ente

Dergestalt in alle Himmelsrichtungen beweglich, also a) watschelnd, b) paddelnd und c) flatternd, haben die Enten und ihre willigen Kollaborateure alle Einzelheiten der Erdoberfläche samt Flussauen, Binnenseen, essbaren Materialien, Bodenschätzen und geeigneten Landeplätzen ausgekundschaftet. Ihre Erkenntnisse wiederum leiteten sie mittels eines Geheimcodes – den wir naiverweise als unverständliches „Geschnatter“ wahrnehmen – an ihre böswilligen Auftraggeber weiter. Letztere wiederum verarbeiten die ankommenden Entenrufe zu nützlichen Informationen zuhanden ihrer Militärstrategen, die damit die Eroberung der Erde bestens planen können.

Außerirdische Strategen: Flugente
Außerirdische Strategen: Flugente

Auf ihren riesigen Pipekalumpischen Schautafeln und mittels dreidimensionaler Animationen bringen die außerirdischen Strategen ihre Invasionspläne zur interplanetaren Darstellung. So können die Alien-Verantwortlichen ihre Vorgehensweise üben und in mannigfachen Variationen durchspielen.
Wann der Zugriff auf unseren Planeten erfolgen wird, das wissen wir natürlich nicht, denn die Wege des Herrn Cthulkus, des obersten Ovulators im paraktoplygischen Himmelreich des Exoplaneten P.H.1890 Craftlove, sind unergründlich. Dies zumindest gemäß dem gelenkigen Horst D´Oevre, der obendrein meint, dass die Invasion unmittelbar bevorsteht. Oder mit anderen Gesten ausgedrückt, dass es sich dabei nur noch um Jahrhunderte handeln kann.

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Es ist schon befremdlich, wie falsch wir betreffend der Anatidae genannten Entenvögel lagen. Laut „Brehms Tierleben“ sind diese in 47 Gattungen und 150 Arten unterteilt. Die bekanntesten darunter sind die Stockenten, Krickenten, Tangenten und Pekingenten. Während die Stockenten sich in städtischem Umfeld bewegen und höhere Gebäude nach geeigneten Beobachtungsposten untersuchen, studieren Krickenten die Eignung von Sportstadien als mögliche Versammlungsorte für Alien-Kommandos. Die Tangenten kennen sich besonders gut mit kurvenreichen Gewässern aus, die hervorragende Versteckmöglichkeiten für heimlich gelandete Landefähren bieten. Pekingenten wiederum haben sich auf das Auskundschaften von asiatischen Restaurants spezialisiert, die bekanntlich überall vorkommen, und als unauffällige Eintrittspforten für die außerirdische Invasion dienen können. Die ersten alienischen Landungstruppen würde man gut und gerne für chinesisches Küchenpersonal halten, und ihnen auf diese Weise einen erleichterten Zugang zu unseren sensiblen Installationen ermöglichen. Erst wenn es zu spät ist, werden die hinter den Reiskochern hervorkriechenden Enterkommandos ihre Tarnung als chinesische Gastronomen abwerfen, und unsere aus ihrer Perspektive lächerlich veralteten Waffen mit ihren fortschrittlichen Glutamatkanonen verschmoren.

Die vier wichtigsten Entenarten: Stockente, Krickente, Pekingente und Tangente
Die vier wichtigsten Entenarten (von oben nach unten): Stockente, Krickente, Pekingente und Tangente

Nun stellt sich die Frage: was können wir dagegen unternehmen? Die Enten gnadenlos bejagen, sie bis in die entferntesten Weiher verfolgen und nacheinander abschießen? Das ist gewiss eine Möglichkeit – aber wie sich das bei früheren Kampagnen zur Schädlingsbekämpfung herausgestellt hat, doch keine nachhaltige Lösung. Es würden selbst bei größtem Jagderfolg einige Exemplare übrigbleiben und als unentdeckte sog. „Kundschafter des kosmischen Friedens“ die Invasoren mit nützlichen Informationen beliefern.
Oder sollten wir uns mit unserem Schicksal abfinden und weiterhin so tun, als wüssten wir nichts? Sollten wir uns nur hie und da eine Entenmahlzeit gönnen, uns auf deren Daunen ausruhen und ihre Eier zu Ostern bemalen, gerade so als wären sie nichts weiter als harmlose Wasservögel? Ich sage, nein, und nochmals nein! Das dürfen wir nicht tun! Damit würden wir unsere Nachkommen dem wildfremden kosmischen Gesindel ausliefern und sie einem ungewissen Schicksal überlassen. Also was dann?

Da wir vom technischen, zivilisatorischen und gastronomischen Standpunkt aus betrachtet im Hintertreffen liegen, müssen wir die Sache schlau angehen. Unsere menschliche, verschlagene Raffinesse ist den Paraplygischen Blefulanten völlig unbekannt. Sie können sich die menschliche Hinterlist, die während der Entwicklungsgeschichte der Primaten evolutionär entstand und zur höchsten Vollendung verfeinert wurde, nicht vorstellen. Damit könnten wir den Invasoren beikommen, indem wir im Vorfeld den einen Oberbefehlshaber der weltweiten Entenvögel erwischen, festnehmen und ihn nach angemessener Behandlung umdrehen. Das heißt, ihn mit abwechselnder B´nB (das ist Belohnung und Bestrafung) gefügig machen und ihn veranlassen, falsche Informationen an den Blefulanten-Generalstab zu schnattern.

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Die beste, für Enten geeignete kombinierte B´nB besteht gemäß Horst D´Oevre aus der abwechselnden Anwendung von Zuckermais und Peitsche, am besten durch zwei versierte Verhörende im Sinne eines Good-Cop-Bad-Cop-Duos. Es gibt nichts Schlimmeres für eine Ente als ihren glattrasierten Bürzel mit einer eingefetteten Fuchssehnenpeitsche bearbeitet zu bekommen – da würde selbst der zäheste Friedenskundschafter alles gestehen und bereitwillig mitmachen. Und der Verlockung durch lauwarmen Zuckermais können sie allesamt nicht widerstehen.

Das Problem ist nur: Wie können wir herausfinden, wer dieser Oberbefehlshalber des Entenvolkes, das heißt, wer wohl der Buntgefiederte Omnipot(e)nte Großerpel ist? Hierfür müssen wir eine konzentrierte, groß angelegte Suchaktion organisieren, bei der alle verfügbaren Astralornithologen als lizenzierte Entenanalysten zum Einsatz kämen. Sie müssten dann vorderhand mit einer App ausgestattet sein, welche selbst die unscheinbarsten Merkmale des Großerpels erkennen und deren unzweideutige Entdeckung – eigentlich Ent(e)deckung – anzeigt. Diese auf der Kombination von Qualitätsoptik und Künstlicher Intelligenz basierende Technologie ist durch mehrere Pat(e)nte geschützt und funktioniert zuverläßig selbst auf größere Ent(e)fernungen.

Die größte außerirdische Bedrohung seit dem Terminator: Als Ente getarnte Aliens
Die größte außerirdische Bedrohung seit den Predators: Als Enten getarnte Aliens

Antoine Horst D´Oevre hat inzwischen seinen ent(e)ressierten Zunftkollegen mittels Grimassensprache ausrichten lassen, dass er ent(e)schlossen sei, sich persönlich an die Spitze dieser außerordentlich wichtigen Ent(e)wicklung zu stellen. Gerne zeigt er allen interessierten Entenjägern seinen ent(e)zückenden neuen Ententöter, den er sich neulich zugelegt hat, nachdem er sich den Kaufpreis von seiner bescheidenen Leibr(e)nte abgespart hatte. Aber die Rettung der Menschheit geht vor, und Antoine drückt tanzend seine Zuversicht darüber aus, dass wir den Obererpel erwischen können. Er meint, der Trick sei, sobald dieser ent(e)tarnt wurde, ihn nicht mehr ent(e)kommen zu lassen.
Aber jetzt ist es noch zu früh für eine Ent(e)warnung. Es gibt viel zu tun, und von einer Ent(e)spannung sind wir noch weit ent(e)fernt. Hoffen wir, dass unser Plan gelingen wird, und wir im Erfolgsfall unisono verkünden können: „Ente gut, alles gut!“ ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN auch die Humoreske von Peter Biro: Schreibblockade oder Der Förster und die Jägerin

Außerdem im GLAREAN zum Thema Ente über Carsten Priebe: Reise durch die Aufklärung – „Eine Ente erobert die Welt“


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Computerschach: EAS-Messung der Engine-Aggressivität

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Elo ist nicht (mehr) alles

von Stefan Pohl

Bekanntlich hat die Spielstärke der besten Schachprogramme jedes menschliche Maß und Schachverständnis schon weit hinter sich gelassen. Auch wenn bei Engines die Elo-Berechnung als Lieferant für absolute Werte nicht unumstritten ist, so ist doch klar, daß die 3’500-Elo-Marke von den besten Engines wie Stockfish u.a. mit Sicherheit bereits deutlich überschritten wurde. Auch die Programme der erweiterten Spitze liegen immer noch deutlich über 3’000 Elo, womit selbst ein menschlicher Weltmeister absolut chancenlos wäre. Ein neues Tool EAS misst demgegenüber nicht die Elo-Performance, sondern die Engine-Aggressivität.

Leader bei der Turnier-Performance, aber nicht in Sachen Aggressivität: Die Freeware-Schach-Engine Stockfish
Leader bei der Turnier-Performance, aber nicht in Sachen Aggressivität: Die Freeware-Schach-Engine Stockfish

Um der herkömmlichen Elo-Messung im Computerschach eine weitere Mess-Qualität zur Seite zu stellen, habe ich ein Tool entwickelt für schnelle Opfer-Suche in Partien – es wurde im GLAREAN MAGAZIN bereits vorgestellt. Nun liegt eine deutlich erweiterte und verbesserte Version dieses Tools vor, das Tool „Engines Aggressiveness Statistics“ EAS. Es ermöglicht die Aggressivität der Engines zu messen und dieser einen numerischen Wert – den sog. EAS-Score – zuzuweisen. Denn in Zeiten der überstarken Schachprogramme ist es für den Schachspieler interessant, möglichst aggressiv spielende Engines für Analysen oder das eigene Spiel gegen die Engines zu finden, denn das superstarke Engine-Schach wird ansonsten zwar immer besser, aber auch zunehmend steriler und damit für den Menschen auch langweiliger.

Kurz und aggressiv

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Wie funktioniert das EAS-Tool? Es sind aus dem Internet etliche Engine-Ranglisten bzw. Partien-Sammlungen downloadbar, deren Betreiber Schach-Engines gegeneinander spielen lassen und daraus eine Elo-Rangliste der Engines generieren. Ich selbst führe ebenfalls eine solche Rangliste, die sich auf die besten ca. 40 Engines konzentriert: Die sog. SPCC-Rangliste, die ca. 180’000 Partien umfasst (!) Daraus errechnet nun das EAS-Tool für jede Engine die Zahl jener Gewinnpartien, in denen die Engine ein Opfer gespielt hat, sowie die Zahl der besonders kurzen Gewinnpartien. Diese Zahlen werden dann in prozentualen Bezug zu der Zahl der insgesamt von dieser Engine erspielten Gewinnpartien gesetzt.
Damit ist es auch für schwächere Engines (mit weniger Gewinnpartien) möglich, einen hohen EAS-Score zu erreichen, da mit weniger Gewinnpartien auch weniger Opferpartien und Kurzsiege für einen hohen EAS-Score nötig sind. Dies ist sehr wichtig, da die Engine-Spielstärke ja nicht mit gemessen werden oder sonstwie in die Auswertung einfließen soll.
Zusätzlich vergibt das Tool mehr Punkte für höherwertige Opfer als für einfache Bauernopfer, und mehr Punkte für Kurzpartien, je nachdem wie kurz sie sind.

Aggressivität vs Performance

Aus diesen EAS-Scores läßt sich nun sehr einfach eine eigene EAS-Rangliste erstellen, die die Engines gemäß ihrer Aggressivität ordnet. Diese findet sich ebenfalls auf der Website des Autors, mit einer zusätzlichen Gegenüberstellung des klassischen Elo-Rankings:

Ranking Vergleich - Performance vs EAS - Glarean Magazin
Die Top-20 im Vergleich „Elo-Performance vs Engine-Aggressivität“

Wie man sehen kann, ist nun z.B. die unumstrittene Top-Engine Stockfish (SPCC-Ranking rechts) in der EAS-Rangliste (links) nur im gehobenen Mittelfeld zu finden. An ihrer Spitze steht stattdessen – mit großem Vorsprung – die nur Insiderkreisen bekannte Freeware-Engine Velvet 4.

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Enthalten ist auf der Webseite außerdem eine Beschreibung der genauen Aufschlüsselung der Punktevergabe. Die EAS-Tools sowie eine neuere, verbesserte Version des oben erwähnten Opfersuch-Tools können dort kostenlos heruntergeladen werden. ♦

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Computerschach auch: Komodo Dragon 3 bei Chessbase erschienen


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Der Wolfgang-Jacobi-Kompositionspreis 2023

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Gesucht: Neue Werke für Akkordeon

Akkordeon-Musik - Glarean MagazinDer internationale Wolfgang-Jacobi-Kompositionswettbewerb 2023 wird vom Deutschen Harmonika-Verband in Kooperation mit dem Deutschen Akkordeonlehrer-Verband für Komponistinnen und Komponisten aus aller Welt. Ziel ist es, „Komponistinnen und Komponisten dazu anzuregen, sich mit dem Instrument Akkordeon zu beschäftigen. Dabei ist es wünschenswert, sich mit der Kompositionstechnik Wolfgang Jacobis auseinanderzusetzen und ein Thema oder Themenfragment Jacobis aufzunehmen“.

Die Teilnahme ist unabhängig vom Alter und von der Nationalität, es steht ein Preisgeld von 3’000 Euro zur Verfügung. Einsende-Schluss ist am 1. Oktober 2022, hier finden sich die weiteren Einzelheiten der offiziellen Ausschreibung (PDF). ♦


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Ulrich Becher: Murmeljagd (Roman)

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 5 Minuten

Botschaft an die Menschheit

von Alexandra Lavizzari

Anlässlich des 100. Geburtstages von Ulrich Becher im Januar 2010 legte der Frankfurter Verlag Schöffling und Co. den sprachwuchtigen, 1969 erschienenen Exilroman „Murmeljagd“ nach Jahrzehnten der Vergessenheit neu auf, und nun erscheint das Buch im Taschenbuchformat beim Diogenes Verlag in Zürich mitsamt einem brillanten Nachwort von Eva Menasse.

Ulrich Becher: Murmeljagd - Roman - Taschenbuch Diogenes VerlagAls Sohn eines deutschen Rechtsanwalts und einer Schweizer Pianistin in Berlin geboren, sprengte Ulrich Becher sowohl biografisch als auch literarisch Grenzen. Selber musisch begabt wie die Mutter und auch genügend malerisches Talent beweisend, um vom anspruchsvollen George Grosz als Schüler akzeptiert zu werden, entschied sich Becher indessen für das Studium der Rechtswissenschaften und schrieb sich gleichzeitig mit dem 1932 bei Rowohlt erschienen Novellenband Männer machen Fehler in die höchsten literarischen Ränge.
Die Zeiten waren für Bechers radikale politische Gesinnung jedoch nicht günstig; sein literarisches Début fiel 1933 der Bücherverbrennung zum Opfer und beendete vorläufig seine vielversprechende Schriftstellerkarriere.

Ein Leben im Exil

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Fortan war ihm auf lange Zeit keine Ruhe mehr gegönnt; der Flucht nach Österreich folgte nach dem ‚Anschluss‘ das Gesuch um eine Schweizer Aufenthaltsbewilligung, welches die Behörden aufgrund seiner militanten antifaschistischen Haltung ablehnten. Wohl oder übel musste Becher seine Exilreise fortsetzen, und zwar zuerst nach Brasilien und 1944 schließlich zu den Schwiegereltern nach New York. Erst 1954 kehrte Becher nach Europa zurück, wo er sich in Basel niederließ und bis zu seinem Tod im Jahr 1990 produktiv aber zunehmend zurückgezogen lebte.

Spannende Langatmigkeit

"Fulminant, meisterhaft, unvergesslich": Schriftsteller Ulrich Becher (1910-1990)
„Fulminant, meisterhaft, unvergesslich“: Schriftsteller Ulrich Becher (1910-1990)

Nach zahlreichen Novellen, Romanen und Bühnenstücken, die im Exil entstanden und zum größten Teil im Rowohlt Verlag erschienen, schrieb Becher in Basel sein fuminantes Meisterwerk „Murmeljagd“, eine Mischung aus Politthriller, Satire und Abenteuerroman, die Leserinnen und Leser unvergesslich skurrile Figuren und Situationen beschert und mit einer vor lauter Dialekteinsprengseln nur so funkelnden Erzählsprache verzaubert.

Ausufernde Phantasie

Bechers ausufernde Fantasie mag bisweilen unsere Geduld und Konzentration strapazieren; handkehrum liest sich die dramatische Flucht des Journalisten Albert Trebla aus dem von den Nazis besetzten Österreich ins schweizerische Engadin wie ein spannender Krimi, sterben ihm doch nach und nach Freunde und Bekannte auf unerklärliche Weise weg und tauchen auf seinem Weg immer wieder Menschen mit dubiosen Absichten auf.
Trebla (ein Palindrom für Albert) ist das Murmeltier des Romantitels; er hetzt mit seiner Frau Xane in einer Zeitspanne von nur einem Monat im Jahre 1938 durch grandios beschriebene Berglandschaften, versteckt sich, überall Gefahr witternd und – mählich in den Wahn getrieben – sogar ins harmlose Pfeifen von Murmeltieren geheime Botschaften der ihn jagenden Nazis hineinlesend.

Wider den Krieg

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Handelt es sich bei „Murmeljagd“ um eine monumentale Autobiografie? Die Passagen, die von Treblas Problemen mit der Schweizer Fremdenpolizei handeln, verleiten zu dieser Annahme, doch Becher wollte, wie er seinem Bruder schrieb, weit über sein persönliches Schicksal hinaus „die fetten sieben Jahre des Hitlerregimes“ anprangern und die verheerenden psychischen Folgen ständiger Lebensangst auf das Befinden von verfolgten Regimegegnern darlegen. Inzwischen weiß man auch, dass Becher mit Trebla nicht sich selbst porträtiert hat, sondern den Maler Axl Leskoschek, der, wie Becher selbst, nach Brasilien emigiert war.

Unvergessliche Schilderungen

Voll des Lobes über Ulrich Bechers "Murmeltier": Poetik-Dozentin Eva Manesse
Voll des Lobes für Ulrich Bechers „Murmeltier“: Poetik-Dozentin Eva Manesse

Eva Menasse ist voll des Lobes für „Murmeljagd“: „Der Zug-Transport der jüdischen und kommunistischen Häftlinge nach Dachau – unvergesslich. Unvergesslich der letzte Ritt des Roda-Roda nachgebildeten Zirkusartisten im KZ – allein für diese Szene hätte Becher den Büchnerpreis verdient, den er natürlich nie bekam; wie gesagt, es fühlte sich keiner zuständig.“
Menasse liefert damit eine der möglichen Erklärungen, weshalb „Murmeljagd“ nach Erscheinen so schnell in Vergessenheit geriet. Aufgrund seines Lebenswegs konnte dem Autor weder Deutschland noch die Schweiz oder Österreich wirklich Heimat sein; er war und blieb letztlich ein Fremder, wo immer er sich aufhielt, auch wenn sein Werk geografisch präzise verankert ist.

Universelle Botschaft

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Eine andere Erklärung mag man in der Zeit sehen, in der Becher seinen Exilroman veröffentlichte. Der zweite Weltkrieg lag bereits zu weit zurück, um die Leserschaft als literarisches Thema noch zu fesseln. Schriftsteller wie Handke und Böll schrieben zu jener Zeit sogenannte Nachkriegsliteratur, man wollte die Gegenwart protokollieren, vielleicht auch endlich vorwärts blicken, nachdem man sich, wie irrtümlicherweise angenommen, bereits bis zum Überdruss mit der Nazivergangenheit auseinandergesetzt hatte.

Ein Roman wie „Murmeljagd“ mag eine Zeit lang in der Flut von Publikationen untergehen; es ist aber eines dieser Bücher, die still und geheim ihren Weg ins Bewusstsein der Bevölkerung zurückfinden, weil sie bei aller Groteske und Skurrilität eine universelle Botschaft an die Menschheit übermittelt. Dem Schöffling und Diogenes Verlag sei Dank dafür, Bechers Botschaft zur weiteren Verbreitung zu verhelfen; sie ist heute mehr denn je von brennender Aktualität. ♦

Ulrich Becher: Murmeljagd – Roman, Diogenes Verlag, 708 Seiten, ISBN 978-3-89561-452-1

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Nachkriegsliteratur auch über den Roman von Christian Berkel: Ada


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Harald Schneider-Zinner: Strategieschule (Schach)

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 7 Minuten

Die Kunst, das Spiel zu planen

von Mario Ziegler

Die Frage stellt sich jedem Schachspieler in jeder Partie: Wie ist eine gegebene Stellung zu beurteilen? Soll man sie eher strategisch spielen oder stehen taktische Überlegungen im Vordergrund? Diesen Fragen widmet sich der österreichische Internationale Meister Harald Schneider-Zinner in seinem zweibändigen Werk „Strategieschule“ auf DVD.

Strategieschule Band 1+2: Die Kunst des Tauschens - Fritztrainer: Interaktives Video-Schachtraining) DVD-ROM – Harald Schneider-Zinner„Strategie ist die Kunst, das Spiel zu planen. Strategie befasst sich mit den allgemeinen Plänen zum siegreichen Abschluss der Partie oder zum Erreichen eines Zieles in einem Partieteil. Strategische Züge sind gewöhnlich positionell; sie helfen, eine Stellung zu schaffen, in der der Plan ausgeführt werden kann.“ Mit diesen Worten fassen Ex-Weltmeister Max Euwe und Walter Meiden in ihrem Klassiker „Meister gegen Amateur“ das Wesen der Strategie im Schachspiel zusammen. Ist der lernwillige Schachenthusiast erst einmal über die Anfangsgründe des Spiels hinweggeschritten, so kommt unweigerlich der Moment, wo er sich auf das Gebiet der Strategie wagen muss. Im Vergleich zur Taktik, wo die Ideen offensichtlicher sind und das Ziel im Gewinn von Material oder dem Angriff gegen den gegnerischen König besteht, sind strategische Überlegungen subtiler: Existieren langfristige Schwächen? Empfiehlt sich der Abtausch der einen oder anderen Figur? Kann man ein bestimmtes Endspiel anstreben? Und noch grundsätzlicher: Wie ist eine gegebene Stellung zu beurteilen? Soll man sie eher strategisch spielen oder stehen taktische Überlegungen im Vordergrund?

International renommierter Trainer

Harald Schneider-Zinner - Schach-Rezensionen Glarean Magazin
International gefragter Schach-Trainer: Harald Schneider-Zinner

Der Autor der vorliegenden „Strategieschule“ Harald Schneider-Zinner (geb. 1968) zählt zu den profiliertesten Schachtrainern des deutschsprachigen Raums. Zu seinen Schülern gehören die österreichischen Spitzenspieler Valentin Dragnev und Felix Blohberger, und als Trainer der Frauen-Nationalmannschaft führte er das ÖSB-Team zu herausragenden Resultaten (4.-9. Platz bei der Mannschafts-Europameisterschaft 2015, 2. Platz beim Mitropa-Cup 2018).
Seit 2010 leitet er die Trainerausbildung in Österreich. Kurz gesagt: Schneider-Zinner kann auf eine reiche Erfahrung von der Grundlagenarbeit bis hin zum Leistungssport zurückgreifen.

„Stehe ich besser oder schlechter?“

Wie oft steht man in einer Partie vor der Frage, wie genau man eine Stellung angehen soll! Stehe ich besser oder schlechter? Soll ich die Position statisch oder dynamisch behandeln? Wie soll ich meine Bedenkzeit investieren? Diesen und weiteren Fragen geht Schneider-Zinner an Hand von Klassikern, aber auch sehr vielen neueren Beispielen aus der Weltspitze und dem österreichischen Schach nach.
Aus der Vielzahl der nützlichen Themen (Hebel, Planfindung, typische Springer- und Läufermanöver, Prinzip der überzähligen Figur) möchte ich mit der „Schwerfiguren-Regel“, ein vielleicht etwas weniger bekanntes Prinzip herausgreifen. Sie besagt, dass im Fall einer ungleichen Anzahl von Schwerfiguren derjenige Spieler mit mehr Schwerfiguren einen Abtausch dieser Figuren vornehmen sollte. Die verbleibenden Schwerfiguren können sich dann besser entfalten.

Hier ein Beispiel aus einer Blitzpartie des Autors:

bast (2448) – Harald Schneider-Zinner (2455)
Internet-Blitzpartie 3+2

Bast - Schneider-Zinner Harald - Internet-BlitzMateriell ist die Stellung etwa gleich, aber die schwarzen Türme sind optimal postiert. Nach besagter Schwerfiguren-Regel muss Weiß nun den Tausch seines letzten Turms vermeiden: 30.Td3+ Ke7 und nun sollte 31.Te3 erfolgen, wonach der Bauer c2 wegen des Abzugsschachs 32.Lb3+ natürlich tabu ist. Schwarz steht auch hier wohl besser, muss aber noch sehr lange hart arbeiten. Nach dem Partiezug 31.Txd8? Kxd8 32.c3 Tc5 konnte Schwarz seinen Turm weiter aktivieren und stand auf Gewinn.

Aspekte des Abtausches

Im 2. Band stehen die verschiedenen Aspekte des Abtauschs (Wann soll man überhaupt tauschen? Welche Richtlinien gilt es zu beachten? Wie kann man durch Abtausch offene Linien oder schwache Felder ausnutzen? usw.) im Mittelpunkt. Jede DVD wird durch 20 Aufgaben zur eigenständigen Bearbeitung abgerundet.

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Wie bei den Trainings-DVDs von ChessBase üblich präsentiert der Autor seine Themen in Form eines Videos. An geeigneten Stellen wird der Zuschauer aufgefordert, das Video anzuhalten und sich eigene Gedanken zu machen. Schneider-Zinner hat eine angenehme Art des Vortrags. Er versetzt sich in den „Gesprächspartner“ und bezieht ihn soweit möglich ein. Das Material ist gut ausgewählt und wird überzeugend präsentiert.

Engines – ja oder nein?

Inwieweit ein stärkeres Eingehen auf die Vorschläge der Engines notwendig gewesen wäre, ist eine schwierige Frage. In einer früheren Rezension verweist GM Prusikin darauf, „dass einige Beispiele der strengen Computerprüfung nicht standhalten – wobei es sich freilich darüber streiten lässt, ob bzw. inwiefern das von Bedeutung ist.“

Hierzu ein Beispiel:

Loek van Wely – Magnus Carlsen
Wettkampf Schragen 2006, 3. Partie

Van Wely Loek - Carlsen Magnus (35...Kf5) - 1.DiagrammSchneider-Zinner zeigt diese Partie unter der Fragestellung, wie viele Züge ein starker Spieler vorausrechnet. Seiner Meinung nach musste Carlsen in der folgenden Partiephase nur kurze Sequenzen kalkulieren, die er an die Spielweise seines Gegners anpasste. Prägnant formuliert Schneider-Zinner: „Schach spielt sich in Teilplänen ab“. Es folgte: 22…a5 23.La3 a4 24.Sb5 axb3 25.axb3 Sc5 26.Tb1 Se4 27.Td7 h5 28.Lc1 Td8 29.Txd8+ Txd8 30.Le3 Sd2 31.Lxd2 Txd2 32.h4 Kh7 33.Kf1 Kg6 34.Kg2 Le7 35.Sc3 Kf5

Van Wely Loek - Carlsen Magnus (35...Kf5)Carlsen hat seit dem letzten Diagramm offenkundig viele Fortschritte gemacht: Durch den Hebel …a7-a5–a4 wurde die weiße Struktur am Damenflügel geschwächt, Schwarz konnte seinen König und seinen Turm aktivieren und die verwundbaren weißen Bauern ins Visier nehmen. Dabei gelang es dem künftigen Weltmeister – damals noch ein Teenager – meisterlich, weißes Gegenspiel im Keim zu ersticken.

An dieser Stelle spielte van Wely mit 36.Sa4 einen Zug, der nach Meinung der Engines (verwendet wurden Fritz 15, Houdini 6.02 und Stockfish 14.1) nicht im Entferntesten die beste Fortsetzung darstellt. Sie favorisieren statt dessen 36.Te1, 36.b4 und 36.Kf1. Schneider-Zinner geht auf keinen dieser Züge ein, sondern legt lediglich dar, dass 36.Kf3?? natürlich an der Gabel 36…Td3+ scheitert und 36.Td1 ebenfalls nicht besonders attraktiv ist: 36.Td1 Txd1 37.Sxd1 Ke4 „und der viel aktivere König und der Läufer, der im Spiel an beiden Flügeln stärker ist als der Springer, entscheiden die Partie“ (Schneider-Zinner im Video). Die Partie ging weiter mit 36…Lf6 37.Sxb6 Ld4 38.Sc8 Kg4 39.Tf1 Lc5 40.b4 Lxb4 41.Sb6 Lc5 42.Sa4 Ld4 43.c5 Tc2 und Schwarz stand auf Gewinn.

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An diesem Partieverlauf wird deutlich, worin das Potential der Computervorschläge im 36. Zug liegt:
1) 36.Te1 mit der Idee Te1–e3 setzt den Turm zur Deckung des verwundbaren Bauern b3 ein und bringt die Möglichkeit Te3–f3+ ins Spiel.
2) 36.Kf1 ist ein „unmenschlicher“ Zug, der den eigenen König passiver stellt und dem gegnerischen Monarchen den Weg nach f3 freimacht. Aber er ermöglicht auch das Manöver Sc3–e2, das den Druck des schwarzen Turms auf den Bauern f2 abfedert.
3) Mit 36.b4 möchte Weiß seine Bauernmehrheit in Gang setzen. Die taktische Rechtfertigung ist, dass nach 36…Tc2 37.Sd1 der Bauer c4 wegen der Gabel auf e3 tabu ist.

Denken in (Teil-)Plänen

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Nach allen diesen Möglichkeiten steht Schwarz besser, aber nach keiner so gut wie in der Partie. Hätte man also im Detail auf sie eingehen müssen? Wenn eine umfassende Analyse der Partie vorgenommen werden soll, muss die Antwort natürlich „ja“ lauten. Doch darum geht es dem Autor nicht, er möchte ja gerade zeigen, dass in dieser Partie nicht die konkrete Variantenberechnung, sondern das Denken in (Teil-)Plänen im Vordergrund stand. Unter diesem Aspekt lenken vielleicht Computerzüge, die auf taktischen Details wie der Gabelmöglichkeit auf e3 basieren, vom Kern des Themas ab. Wie in vielen anderen Bereichen der Lehr- und Trainingstätigkeit steht hinter allem die Frage der didaktischen Reduzierung.

Etwas verwundert hat mich die hohe Zahl der Schreibfehler in den Analysen. Auch wenn sie den Wert des Trainingsmaterials nicht beeinträchtigen, wären sie doch mit geringem Aufwand zu vermeiden gewesen.

Grundlegende Themen der Schachstrategie

Die „Strategieschule“ hat mich überzeugt. Dem Zuschauer werden viele grundlegende Themen der Schachstrategie präsentiert, wobei die praktische Relevanz an vorderster Stelle steht. Als Zielgruppe sehe ich fortgeschrittene Spieler mit einer Spielstärke ab ca. 1500 DWZ. Zudem finden selbstverständlich Trainer eine Vielzahl von durchweg prägnanten Beispielen. Über die Notwendigkeit, in den Analysen noch weiter ins Detail zu gehen, kann man streiten – ohnehin ist jeder Benutzer natürlich angehalten, sich zu den Beispielen eigene Gedanken zu machen und diese durch Analyse mit dem Computer zu überprüfen. ♦

Harald Schneider-Zinner: Strategieschule – Band 1 & 2, DVD Chessbase Hamburg

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema „Fritztrainer“ auch über Vasily Smyslov – Master Class Band 14


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Khaled Khalifa: Keiner betete an ihren Gräbern (Roman)

Lesezeit für diesen Beitrag: ca. 4 Minuten

Freundschaft über Religionsgrenzen hinweg

von Sigrid Grün

70 Jahre syrische Geschichte erzählt der 1964 in Aleppo geborene Autor Khaled Khalifa. Er ist während des Krieges in Damaskus geblieben und publizierte seine Werke im Ausland, um der Zensur zu entgehen. In „Keiner betete an ihren Gräbern“ erzählt er von der symbolträchtigen Freundschaft über Religionsgrenzen hinweg und berichtet von der Geschichte eines Landes, das zunächst Teil des Osmanischen Reiches war, anschließend unter französischer Kontrolle stand und 1946 schließlich vollständig unabhängig wurde.

Keiner betete an ihren Gräbern - Khaled Khalifa - Roman1907: Der Euphrat ist über die Ufer getreten und die Überschwemmung zerstört das Dorf Hosch Hanna bei Aleppo. Nur wenige Menschen überleben die Flutkatastrophe. Als der Großgrundbesitzer Hanna Gregorus und der Pferdezüchter Zakaria Bayazidi aus der Zitadelle, die zu einem privaten Freudenhaus umfunktioniert wurde, in ihr Dorf zurückkehren, müssen sie den Tod ihrer Kinder und den Verlust ihres Eigentums verkraften. Auch Hannas Frau Josephine ist ertrunken. Hanna und Zakaria blieben aufgrund ihrer Vergnügungssucht verschont.

Sündiger Lebensstil

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Hanna stellt sich die Frage, ob das die Strafe Gottes für den sündigen Lebensstil ist, dem er und sein Freund frönten: „Hanna fühlte sich wie ein Kind, das gerade in ein anderes Leben ohne Vergangenheit hineingeboren worden war. Eine neue, unbeschriebene Seite, die die Erinnerung an ein Leben voller Trubel, Vergnügungen und Schmerzen hinter sich ließ, das nun sein Ende gefunden hatte. Er fühlte sich schuldig und sehnte sich nach seinem Sohn und dem Gesicht seiner lieben Frau, die ein Leben an seiner Seite ertragen hatte.“
Zakaria, der seinen Freund in einem derart verängstigten Zustand nicht ertragen kann, hilft bei der Bestattung der Toten mit: „Die Gräber der Christen lagen in einer Reihe neben denen der Muslime, daneben in einer geraden dritten Reihe die Gräber der Unbekannten und Fremden.“

Christlich-muslimisch-jüdische Freundschaft

Khaled Khalifa
Khaled Khalifa

Das zentrale Motiv dieses Romanes von Khaled Khalifa ist die religionsübergreifende Freundschaft zwischen dem Christen Hanna, dem Muslim Zakaria und dem Juden Azar. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten Angehörige verschiedener Ethnien und Religionsgemeinschaften in der Region. Ähnlich wie knapp 100 Jahre später in Jugoslawien vor Ausbruch des Krieges lagen zwar Spannungen in der Luft, aber es herrschte ein Klima der gegenseitigen Akzeptanz.
Vor allem Hanna und Zakaria sind auf eine besondere Weise miteinander verbunden. Sie sind zusammen aufgewachsen, da die Eltern des Christen Hanna bei einem Massaker ums Leben kamen, als Hanna noch ein Kind war. Auf dieses Ereignis nimmt auch der Titel Bezug. Zakarias Familie nimmt das christliche Waisenkind bei sich auf.
Als Erwachsener begibt sich Hanna schließlich auf die Spur seiner Familie und stößt im Rahmen von Ausgrabungen auf die Reste einer christlichen Kirche, die noch vom Massaker zeugt, bei dem seine Angehörigen ums Leben kamen. Hanna lässt an der Stelle ein Kloster errichten, doch verklären will er sich nicht lassen: „Er wollte kein Heiliger werden. […] Stattdessen hatte er leidenschaftlich ein Leben gelebt, das voller Fehler und Dummheiten war.“

Opulentes orientalisches Erzählen

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Das Buch, das von den Jahren 1881 bis 1951 erzählt, allerdings nicht chronologisch, zeigt auf, von welchen Spannungsfeldern das Leben der Menschen in und um Aleppo geprägt war. Da ist zunächst mal das Spannungsfeld zwischen den Ethnien und Religionen, aber auch das zwischen Männern und Frauen. Während die Frauen nämlich ihre Jungfräulichkeit wie einen Schatz hüten, geben sich die Männer unbeschwert dem Vergnügen hin.

Khaled Khalifa hat einen überbordenden Roman verfasst, in dem das opulente orientalische Erzählen eine große Rolle spielt. Das ausufernde Figureninventar stellt fast durchgehend eine Überforderung dar, weshalb ich dringend empfehle, die vierseitige Auflistung der Figuren im Anhang gründlich zu studieren – am besten, bevor man mit der Lektüre überhaupt beginnt.
Wer sich nicht von der ausführlichen Erzählweise abschrecken lässt, wird hier ein spannendes Buch zur Geschichte einer Region finden, über die wir viel zu wenig wissen. ♦

Khaled Khalifa: Keiner betete an ihren Gräbern, Roman, aus dem Arabischen von Larissa Bender, 544 Seiten, Rowohlt Verlag, ISBN 978-3498002046

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Religion auch über Umm-El-Banine Assadoulaeff (Banine): Kaukasische Tage (Autobiographie)

… sowie zum Thema Islam über Salman Rushdie: Orient versus Okzident?


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