Wer bin ich? (Women Power 15)

Kampfansage gegen süßliche Salonmusik

von Walter Eigenmann

Women Power - Wer bin ich - Komponistin - Personen-Raetsel - Glarean Magazin
Wer bin ich?

Dass ich eine der bedeutendsten Komponistinnen in der Mitte des romantischen 19. Jahrhunderts werden würde, wurde mir alles andere als schon in der Wiege gesungen. Meine Eltern lebten quasi «illegal» getrennt, ich ward also in einer moralisch «zweifelhaften» Umgebung großgezogen, und obendrein war ich noch als Teenager entsetzlich schüchtern.
Doch immerhin entdeckte man meine Hochbegabung, wonach ich erst den bekannten Mozart-Schüler Reicha, dann den einflussreichen Pianisten Hummel als erste Lehrer erhielt.
1821 heiratete ich, widmete mich u.a. auch intensiven kontrapunktischen Barock-Techniken und gab zusammen mit meinem Mann ein monumentales 20-bändiges Sammelwerk alter und neuer Klaviermusik heraus, das in seiner wissenschaftlich-philologischen Orientierung eine eigentliche Kampfansage gegen die damals grassierende süßlich-sentimentale Salonmusik des mondän-versnobten Pariser Publikums darstellte.

Musikalische Emanzipation vom Zeitgeist

Zwar komponierte ich selber in meinen Anfängen so einiges an üblichem Repertoire meiner Zeit, aber im Gegensatz zu vielen damaligen Salonlöwen wie Herz oder Hünten vermied ich eitles Klavier-Passagenwerk ebenso wie tränenseliges Sentiment und parfümierte Phrasen. Noble Zurückhaltung, kontrolliertes Engagement, durchdachte Satztechniken, weit umspannendes Kalkül sowohl in der Kammer- wie in der großräumigen sinfonischen Musik  – das wurden im Laufe der Jahre meine eigentlichen Markenzeichen. So sehr, dass sich bald auch die Genies jener Tage allmählich über mein Schaffen höchst lobend äußerten – zum Beispiel ein Schumann, der über meine Klaviervariationen op. 17 schrieb: «… so sicher im Umriss, so verständig in der Ausführung, so fertig mit einem Worte… und dies alles leicht und gesangreich!»

Women Power - Wer bin ich - Komponistin - Personen-Raetsel - Notenbeispiel - Glarean Magazin

Solches und weiteres Lob aus berufenem Munde führte schließlich dazu, dass auch kleinere, aber einflussreiche männliche Geister des damaligen Kultur- und Konzertbetriebes das Problem «Frau und Komposition» nicht mehr länger chauvinistisch bewirtschaften konnten, sondern meine Karriere sogar mit einer Professur am heilig-berühmten Pariser Conservatoire beförderten.

Wer bin ich? Banner-Grafik
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Es ist bedauerlich, dass mein umfangreiches kompositorisches Schaffen inzwischen zwar im französisch sprechenden, auch im osteuropäischen Kulturraum Anerkennung und Konzertaufführungen erlebt, ja teils gar auf Schallplatten eingespielt wurde – aber leider im deutschsprachigen Teil des kulturellen Europa immer noch in quasi feministischer Isolation verharren muss…

Also:
Wer bin ich?

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Neue Lyrik-Bücher – kurz belichtet

Nico Bleutge: «Nachts leuchten die Schiffe», Gedichte

von Walter Eigenmann

Nico Bleutge: Nachts leuchten die Schiffe, Gedichte
Nico Bleutge: Nachts leuchten die Schiffe, Gedichte

Wortreich, reflexiv, sprachkräftig, experimentell, bildgewaltig, prosa-isch – das sind nur ein paar der vielen (völlig unzureichenden) Adjektive, die sich dem Leser von Bleutges jüngstem Lyrik-Band aufdrängen. Mit assoziationsreicher, aber gleichwohl instinktsicherer Motivik umkreist der vielfach ausgezeichnete, 1972 geborene Berliner Autor in seinem zehnteiligen Zyklus sein facettenreiches Titel-Thema «Nachts leuchten die Schiffe». Durchaus treffend umschreibt der verlagseigene Werbe-Waschzettel die Intention des Bandes: «Echos und Lesefetzen, eigene und fremde Stimmen, die sich zu einem Dritten formen. Solche Sprachfunde sind für Nico Bleutge wie Kraftfelder, die seine Aufmerksamkeit bündeln… Der Bosporus als Sprungbrett: Öltanker und Containerschiffe, die etwas davon erzählen, wie der weltweite Handel die überkommenen Vorstellungen von Zeit, Transport und Geschwindigkeit verändert hat».

Nico Bleutge (* 1972 in München)
Nico Bleutge (* 1972 in München)

Bleutges Lyrik liest sich nicht (und las sich noch nie) einfach: Lange Wort- und Satz-Ketten, die an ver- bzw. gekappte Kurzprosa erinnern; mehrschichtige Zeitspuren; collagierte «Schauplätze»; abrupte Rhythmuswechsel; exzessive Sprachspiel- und ungebändigte Fabulier-Lust an Wortfarben und Binnenformen – das alles macht die Lektüre anstrengend, lässt die thematischen Fäden immer wieder entgleiten. Doch der Aufwand des Lesers wird belohnt. Es ist unglaublich, welcher sprachliche und inhaltliche Kosmos diesem Lyriker verfügbar ist. «Nachts leuchten die Schiffe» sind keine Gedichte – das ist eine Sinfonie.

Nico Bleutge, Nachts leuchten die Schiffe, Gedichte, 92 Seiten, C.H.Beck-Verlag, ISBN 978-3-406-70533-5

Irène Bourquin: «Schaukelnd im grünen Atem des Meeres», Gedichte

von Walter Eigenmann

Irène Bourquin: Schaukelnd im grünen Atem des Meeres, Gedichte
Irène Bourquin: Schaukelnd im grünen Atem des Meeres, Gedichte

Die Schweizer Dichterin, Theater-Autorin und Kulturjournalistin Irène Bourquin (*1950) hat schon seit vielen Jahren in dem exqusiten Waldgut-Verlag eine besondere verlegerische Heimat gefunden. Dabei bildet das Gedicht einen Schwerpunkt ihrer Arbeit: «Patmos» (2001), «Angepirscht» (2007) und «Türkismänander» (2011) hießen da ihre lyrischen Stationen. Und nun ein neuer Band Gedichte, wieder der pastellfarbene Süden-Sonne-Meer-Topos ganz zentral: «Lago d’Iseo», «Grotte die Toirano», «Bordighera», «Porquerolles», «Cap Taillat», «Tudela» oder «Aiguamolls» nennen sich etwa die Texte, geographisch angesiedelt in Ligurien, der Cote d’Azur, der Provence und in Katalonien.

Irène Bourquin (* 1950 in Zürich)
Irène Bourquin (* 1950 in Zürich)

Sprachlich wird das Niveau unterschiedlich durchgehalten; Vergilbt-konturlose Banalitäten wie: «Noch immer das Meer / in jedem denkbaren Blau / am Horizont / die Schatten der Tanker / wachsen» stehen neben wundervoll melodischen Sprachbildern: «Wie Rauchfahnen / schwarzsilbern / steigt / kahler Wald / ins Licht / Ockergold / die letzten Fackeln».
In seiner bekannt sorgfältigen Art nahm sich der Waldgut-Verlag auch hier sehr liebevoll der Buchherstellung an, indem im Bodoni-Druck mit Bleisatz und Handpressendruck bis hin zur händischen Fadenheftung gearbeitet wurde – ein bibliographisches Unikum heutzutage. Schade nur, dass das zu dünn gewählte Papier jeweils die Rückseiten-Texte durchschimmern lässt. Davon abgesehen: Eine schöne, sowohl literarisch wie drucktechnisch sehr qualitätsvolle Ausgabe, in der zu blättern und zu lesen so etwas wie bibliophile Wellness erzeugt.

Irène Bourquin, Schaukelnd im grünen Atem des Meeres, Gedichte, 64 Seiten, Waldgut Verlag, ISBN 978-3-03740-655-7

Andreas Krohberger: «Ein Strauß schwarzer Rosen», Gedichte über Sehnsucht, Sex und Liebe

von Walter Eigenmann

Andreas Krohberger: Ein Strauß schwarzer Rosen, Gedichte über Sehnsucht, Sex und Liebe
Andreas Krohberger: Ein Strauß schwarzer Rosen, Gedichte über Sehnsucht, Sex und Liebe

Gewiss, dem studierten Germanisten Andreas Krohberger (*1952 in Schorndorf/D) merkt man die stetige Beschäftigung mit eigenen und fremden Gedichten an. Nicht nur, dass der umtriebige Koch-, Wein- und Gartenbuch-Autor in div. Verlagen einiges an Lyrik publizierte; ein Text wie: «Scharf wie ein Raubtier / riecht die Luft / nahe bei dir / und meine Zunge kostet / den öligen Tau / im blühenden Klee / vielblättriger, saftiger Klee / ein Zittern / und raue, kehlige Laute / treffen auf salzige Haut / Unfassbar / was Liebe / für dich ist / für mich» hat durchaus Imagination und Rhythmus.

Andreas Krohberger (*1952 in Schorndorf)
Andreas Krohberger (*1952 in Schorndorf)

Aber dann wieder in der gleichen Sammlung «Ein Strauß schwarzer Rosen» sehr viel Herz-/Schmerz-Langeweile, haarscharf am Kitsch vorbeischrammende Verse, oft gelesene Worthülsen, Unspektakuläres im schlechtesten Sinne. Als Beispiel für Ähnliches: «Immer wenn du gehst / du / die ich nicht liebe / bleibt doch von deiner Wärme / etwas zurück unter der Decke / von deinem Duft / auf meinen Lippen / im Herzen ein wenig / von deinem Lächeln / und wie ein feiner Stich / die Angst / du könntest nie / gar nie / mehr kommen» – das ist Deutscher-Schlager-Zeugs, vorgetäuschte Plakat-Emotionen, an der gebrochenen Komplexität des Untertitel-Themas peinlich vorbeigeschrieben. Trotz schöner Bilder ab und zu: Ein entbehrliches Buch.

Andreas Krohberger, Ein Strauß schwarzer Rosen, Gedichte über Sehnsucht Sex und Liebe, 52 Seiten, Edition Fischer Verlag, ISBN 978-3864550881

Rainer Wedler: «einen Fremden grüßt man nicht», Gedichte (2011-2016)

von Walter Eigenmann

Rainer Wedler: Einen Fremden grüßt man nicht, Gedichte 2011 - 2016
Rainer Wedler: Einen Fremden grüßt man nicht, Gedichte 2011 – 2016

Wer die literarische Arbeit des 75-jährigen deutschen Schriftstellers Rainer Wedler längere Zeit verfolgte, dem fällt die zentrale Bedeutung auf, die dem Lyrischen im Schaffen dieses Autors zukommt. Roman, Novelle, Erzählung: die größeren Formen der Belletristik sind das ureigene Gebiet Wedlers – aber dem kurzen Wenigzeiler, dem kleinen Text-Bild, dem unscheinbaren Zehn- oder Zwanzig-Sätzer gilt seine besondere Liebe, auch seine sprachlich nochmals gesteigerte Achtsamkeit.
«einen Fremden grüßt man nicht» breitet auf üppigen 144 Gedichte-Seiten als Zusammenfassung der letzten fünf Jahre ein lyrisches Kleinod nach dem anderen aus, ein packendes Sprach-Blitzlicht neben dem nächsten, aufs Wesentliche zurechtgefeilte Konzentrate allesamt, deren Handschrift sehr akkurat, sehr virtuos, sehr überlegt – und sehr unbestechlich ist. Da findet sich null Geschwätzigkeit, immer Klarheit und Notwendigkeit, jedem Gedicht haftet ein zwingendes So-und-nicht-anders an.

Sauberer Umgang des Künstlers mit dem Material Sprache

Rainer Wedler (*1942 in Karlsruhe)
Rainer Wedler (*1942 in Karlsruhe)

Wobei ja nicht von einem knöchern-klappernden Handwerk – komme es noch so virtuos daher – die Rede ist, das dem Dichten alles Blut austreibt zugunsten reibungslosen Betriebs, sondern von der sauberen Ernsthaftigkeit im Umgang des Künstlers mit dem Material Sprache. Dass im Schreiben Wedlers kein Leben, sondern hauptsächlich Professionalität sei, ist eh keine Gefahr. Denn einem wie ihm, der einst als Schiffsjunge durch türkische, algerische und afrikanische Meere fuhr, später als Historiker, Germanist und Philosoph ausgerechnet über Burleys «liber de vita» promovierte, um anschließend jahrelang vor Generationen moderner Schuljugendlicher über Literatur nachzudenken, einem solchen stieß genug Leben zu, um eben dieses zu guter Letzt als geschliffenes Gedicht, als ausgefeiltes Sprachgebilde, gegossen in präzis abgewogene Sätze, also in ganz anderer Form auferstehen zu lassen.

„Das Verschwinden der Wörter ist nicht aufzuhalten“

Wedlers Befund ist dabei eindeutig: «das Verschwinden der Wörter / ist nicht aufzuhalten / wenn wir sie nicht mehr schmecken / können / ihr Fleisch verdorrt / fällt ab / wo soll da die Seele wohnen / die neuen Wörter kommen / als Fabrikware / für den schnellen Gebrauch», und überhaupt: «die Bilder schiebt der Automat / ein Euro / vier Bilder / die Tänzerin tanzt / der Turner turnt / die Sängerin singt / der Jongleur jongliert / das Licht geht aus / du meinst / das ist das Leben». Denn «die Zeichen der Kunst» sind mittlerweile auch nur Mahnmale des Todes: «der Pilot / des Jagdbombers / versteht sich / als Künstler / das Ich herausnehmen / Distanz gewinnen / die Bombe platzieren / dass die Menschenmenge aufplatzt / wie ein bunter Klecks». Manches in Wedlers Lyrik hat einen melancholischen Touch, der leer schlucken lässt, und der weniger der sog. Altersweisheit denn doch einiger Resignation zu entspringen scheint.
Andererseits, wenn es eine Konstante im literarischen Schaffen dieses Autoren gibt über all die Jahre hinweg, dann ist es dieses wohlmeinende Augenzwinkern, diese verständnisvolle Verschmitztheit, dieser lächelnde Na-sowas-Humor, den nicht mal diese jüngste, grundsätzlich dem Nachsinnen gewidmete Lyrik-Sammlung auszutreiben vermochte. Zu Lachen gibt es nichts in Wedlers Gedichten – aber wenigstens das (versteckte, ja zuweilen verschleierte) Erkennen der Lächerlichkeit des «homo homini lupus»: «mit dem Thorazeiger / den schwermütigen Vorhang lüften / an den Fransen hängen Glöckchen / im Wind / betet der Hodscha / im Osten / geht die Sonne auf / heute umarmen / die Beschnittenen den Vorhäutigen / Abraham dreht sich um und kann endlich ruhig schlafen». Denn wie heißt es in einem der Buch-Kapitel, das lauter «Liebesgedichte» enthält? «am Ende / lasse ich den Tag / grußlos stehen / und geh ins Haus / wo mich die Dinge nicht erwarten / sie sprechen nicht mehr / mit mir / ich lass die späte Nacht herein / kann man die Liebe aus dem Fernster werfen?»

Die Romane des Schriftstellers Wedler und die Lyrik des Dichters Wedler sind keine Mainstream-Literatur, und sie werden nie in einer «Spiegel-Bestenliste» auftauchen. Aber schön, dass dieser nachdenkliche, blitzgescheite, voller exquisiter Überraschungen steckende, mit allen Wassern des sprachlichen Handwerks gewaschene, darob trotzdem quirlig-agil schreibende, immerzu reflektierende und gleichwohl lebensvolle Autor schreibt und schreibt. Nicht unverdrossen – aber unbeirrt. Eine wertvolle, nötige literarische Stimme, die zurecht in dem innovativen Ludwigsburger Pop-Verlag einen ständigen Sitz gewonnen hat. Empfehlung!

Rainer Wedler, einen Fremden grüßt man nicht, Gedichte (2011–2016), 142 Seiten, Pop Verlag, ISBN 978-3-86356-176-5

Das Schach-Osterei 2017

Weiss zieht und gewinnt

(Erstveröffentlichung)

Walter Eigenmann: Das Schach-Osterei 2017 - Studie (Glarean Magazin)
Walter Eigenmann: Das Schach-Osterei 2017 – Studie (Glarean Magazin)

Urdruck/Copyright: Walter Eigenmann (Glarean Magazin 4/2017)

Frohe Ostern!

Lösung

Hanna Bachmann (Piano): Janacek, Beethoven, Ullmann, Schumann

Ein pianistisch-musikalisches Versprechen

von Walter Eigenmann

Hanna Bachmann: Sonaten von Janacek, Beethoven, Ullmann, SchumannWenn eine erst 24-Jährige das Klavier so spielt wie Hanna Bachmann, so nennt man das fürwahr – auch in unseren Zeiten der Inflation von «Wunderkindern» – eine Entdeckung. Die junge Österreicherin widmete sich während ihres Studiums vornehmlich Beethoven, mit dem sie am Bonner Beethovenfest 2015 debütierte – und nun präsentiert sie mit ihrer ersten CD-Einspielung Janaceks Sonate 1.X.1905, Schumanns zweite Sonate op. 22 und Beethovens «Adieux»-Sonate. In diesen «Klassiker»-Reigen stellt sie außerdem – eine Überraschung – die interessante siebte und letzte Sonate des 1898 geborenen und 1944 in Auschwitz von den Nazis ermordeten österreichisch-ungarischen Komponisten und Pianisten Viktor Ullmann.

Von Beethoven über die Romantik
zur Schönberg-Schule

Beginn des Trio's aus dem vierten Satz der Klaviersonate Nr. 7 von Viktor Ullmann
Beginn des Trio’s aus dem vierten Satz der Klaviersonate Nr. 7 von Viktor Ullmann

Von Beethoven über die Romantik zum Schönberg-Schüler Ullmann also – ist dies das große Spannungsfeld der Pianistin Bachmann, die offensichtlich trotz (oder wegen?) ihrer Jugendlichkeit keine stilistischen Berührungsängste kennt? Und auch keine klaviertechnischen Hürden, sei angemerkt: insbesondere Bachmanns Schumann, auch ihr letzter Ullmann-Satz zeugen von bereits enormer Brillanz, die sich paart mit sensitivem Anschlag und zugleich Klangsinn. Wenn man dieses CD-Debüt von Hanna Bachmann als pianistisches Versprechen nehmen soll, dann wird von dieser jungen Künstlerin noch sehr viel zu hören und zu reden sein.

Förderung junger und vielversprechender Künstler

Die Pianistin Hanna Bachmann glänzt gleich in ihrem CD-Debüt mit profilierter Werkauswahl und stilistischer Weite.
Die junge, aber pianistisch wie musikalisch sehr gereifte österreichische Pianistin Hanna Bachmann glänzt gleich in ihrem CD-Debüt mit profilierter Werkauswahl und stilistischer Weite. Das deutsche Label TYXart führt Bachmann als feinfühlige Künstlerin mit Sonaten von Beethoven, Janacek, Schumann und Ullmann ein und weckt damit Hoffnungen auf weitere Novitäten dieser Pianistin.

Eine Anerkennung sei an dieser Stelle noch ausdrücklich vermerkt zu dem im regensburgischen Nittendorf domizilierten, erst seit fünf Jahren aktiven Label TYXart, in dessen neuer Serie «Rising Stars» junge Musiker/innen wie eben Hanna Bachmann ein qualitätsvolles Haus für ihre Erstaufnahmen finden. Denn in dem Novitäten-gefluteten Klassik-, überhaupt dem CD-Markt immer neu auf vielversprechende Talente hinzuweisen, das birgt künstlerische und finanzielle Risiken. Diese unbeirrt und über Jahre hinweg auf editorisch hohem Niveau in Kauf zu nehmen verdient Respekt – und alle Neugier des Musikliebhabers! ■

Hanna Bachmann: Klaviersonaten von Janacek, Beethoven, Ullmann und Schumann, TYXart 2016, 73 Min. / ASIN B01NAK28ZN

Das 1. Engine-Gambit-Turnier 2017 (Computerschach)

Schachprogramme mit Gambits geprüft

von Walter Eigenmann

Die internationale Computerschach-Anwenderschaft testet seit Jahren fleissig jedes neue Programm im Hinblick auf seine Turnier-Spielstärke, seine analytischen Fähigkeiten, seine schachtechnischen Features. Vor allem ersteres wird höchst emsig betrieben, existieren doch mittlerweile zahllose Ranking-Listen im Netz – zustande gekommen unter allen möglichen und unmöglichen Turnier- bzw. -Match-Bedingungen.

Dabei wird hinsichtlich der Eröffnung in den meisten Fällen ein sog. Opening-Book zugrunde gelegt, das möglichst ausgeglichen und «objektiv» den Programmen während der frühesten Partie-Phase unter die Arme greifen soll. Sehr selten kommt in diesem allgemeinen Turnier-Mainstream hingegen das sog. Gambit zum Zuge: Als Eröffnungskonzept beinhaltet es bekanntlich frühe Bauern- oder gar Figuren-Opfer zwecks schnellerer Entwicklung und/oder zusätzlicher Angriffsmöglichkeiten. Mit einem spezifischen Gambit-Opening-Book kann also der Anwender asymetrische Materialverhältnisse bereits in der Eröffnung schaffen und so den ausgetretenen Pfaden der meist längst aufgearbeiteten «Eröffnungstheorie» aus dem Wege gehen. Im Computerschach hat das außerdem den angenehmen Nebeneffekt, dass dem «Remistod» der heute auf extrem hohem Taktik-Niveau angesiedelten, oft gleich stark spielenden Engines etwas entgegengewirkt werden kann.

Der belgische Book-Cooker Jeroen Noomen

Einer der weltweit besten Opening-Book-Cooker im Computer-Schach: Jeroen Noomen
Einer der weltweit besten Opening-Book-Cooker im Computer-Schach: Jeroen Noomen

Ein solches «Gambit-Eröffnungsbuch» speziell für das häufig eingesetzte «Fritz»-Interface entdeckte der Autor kürzlich im Internet: es nennt sich «GambitLines.ctg», stammt von dem bekannten belgischen Engine-Book-Cooker Jeroen Noomen und beinhaltet eine Reihe von «klassischen» Gambit-Zügen, angefangen beim Alapin-Gambit im Sizilianer und das Falkbeer-Gambit über das Königsgambit und das Lettische Gambit bis hin zum Morra-Gambit und dem Mittelgambit im Spanier. (Wer Interesse an diesem Book für die Fritz-Oberfläche hat, kann es hier downloaden. Eine Aufzählung aller verwendeten Gambite findet sich hier.)

Trotz Gambit-Book viele Remis-Partien

Die Stellungen, in die dieses Eröffnungsbuch die Engines entlässt, sind allerdings so spektakulär auch wieder nicht, dass sie Weiß oder Schwarz jeweils in großen materiellen Rückstand versetzten. Dies zeigt nur schon ein Blick auf die recht hohe Anzahl Remis-Partien, die das nachstehende Turnier generierte mit zehn der besten aktuellen Programme – eigentlich ein Bild, das man eher vom ganz normalen Engine-Engine-Betrieb gewohnt ist. Möglicherweise ist das «GambitLines» unterm Strich dann doch etwas zu «zahm» geraten, um das exorbitante Angriffs- und Verteidigungs-Potential der modernen Schachprogramme wirklich zu fordern…

01 Komodo 10.3 (4CPU)        26.5/36 (433.25)
02 Houdini 5.01 (4CPU)       26.5/36 (411.75)
03 Stockfish 8 (4CPU)        25.5/36
04 Fizbo 1.9 (4CPU)          22.0/36
05 Deep Shredder 13 (4CPU)   17.0/36
06 Critter 1.6a (4CPU)       15.5/36
07 Fritz 15 (4CPU)           14.0/36
08 Equinox 3.30 (4CPU)       12.5/36
09 Sting SF 7.3 (4CPU)       11.5/36
10 Chiron 4 (4CPU)           09.0/36

40 Z. in 4 Min & 40 Z. in 4 Min. / 4 Runden Round Robin /
Intel i-7-4790 / 3.6 GHz / 512Mb Hash / Fritz 15-GUI / EGTB

Die 180 Partien lassen sich hier nachspielen und downloaden.

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Neue Testaufgaben für Schach-Programme

Der «Eigenmann Rapid Engine Test» (ERET)

von Walter Eigenmann

Der sog. Eigenmann Rapid Engine Test (ERET) ist eine neue Sammlung von 111 Aufgaben für Schach-Programme. Er wurde konzipiert, um schnell einen ersten Eindruck von der Spielstärke einer neuen Engine ausmachen zu können. Die Computerschach-Anwenderschaft erhält mit diesem ERET erstmals eine Test-Suite an die Hand, deren Ergebnisse innert zehn Minuten eine grobe, aber recht verlässliche Einschätzung eines (neuen) Programms erlauben.

Die 111 Stellungen bzw. ihre Hauptvarianten können hier nachgespielt und als PGN-Datei heruntergeladen werden. Downloadbar ist ausserdem der Test im CBH-Format (für Chessbase-Software) sowie als EPD-Datei für den Import in diverse Schach-GUI’s.

Die Vorzüge des ERET gegenüber älteren Sammlungen sind namentlich:

  • Grosse Bandbreite der Schachmotivik
  • Eindeutigkeit der Lösungen
  • Ausgewogenheit der Partiephasen
  • Mittlerer bis hoher Schwierigkeitsgrad
  • Keine Auswertungsformeln
  • Schnelle Programm-Resultate bereits nach 10 Min.
  • Auch für zukünftige Engine-Generationen tauglich

Die Axiomatik des ERET-Stellungstests

Eine Aufgaben-Sammlung wie der ERET-Stellungstest für Schachprogramme basiert auf einer eigenen Axiomatik.

Diese lässt sich in den folgenden fünf Punkten zusammenfassen:

  1. Die 111 Aufgaben des ERET decken einen grossen Bereich der (computer-)schachlichen Realität ab; diese abgestimmte Kompaktheit der Zusammenstellung ist weder durch Hinzufügungen noch Wegstreichungen antastbar.
  2. Für Computerprogramme (anders als für Menschen) ist eine Schachpartie grundsätzlich eine Sammlung von Einzel-Aufgabenstellungen unter definierten Bedingungen – ein Stellungstest also.
  3. Die Denk- bzw. Rechengeschwindigkeit beim Schachspielen ist eine maßgebliche Komponente der «Spielstärke».
  4. Das vom Test-Autor empfohlene Test-Setting ist ein integraler Bestandteil des Stellungstests.
  5. Unter Berücksichtigung bzw. Wahrung der Punkte 1 bis 4 garantiert der ERET keine 100%ige, aber eine weitgehende Übereinstimmung seiner Testergebnisse mit den durchschnittlichen Resultaten des praktischen Engine-Turnierbetriebes.

Test-Setting / Anmerkungen

Die technische Durchführung des Tests ist einfach und bei den verschiedenen Schach-Interfaces wie z.B. Arena, Shredder, Aquarium oder Fritz im Grundsatz ähnlich, wobei der Autor auf aktueller Computer-Hardware (2017) das folgende Test-Setting empfiehlt:

  • Bedenkzeit: 5-10 Sekunden pro Aufgabe
  • Prozessoren/Threads: 1-4
  • Hash-Memory: 256-512Mb
  • Opening-Books: beliebig
  • Endgame-Tablebases: beliebig
  • Extra Halbzüge: 2-99
  • eret-rochadeangriff-carlsen
    Der ERET-Schachtest für Computer-Programme deckt ein weites Spektrum an Eröffnungs-, Mittelspiel- und Endspiel-Elementen ab. Namentlich enthält er exemplarische Beispiele der folgenden taktischen und positionellen Motive (alphabetisch): Ablenkung – Abtausch – Damenopfer – Entlastung – Entwicklung – Festung – Freibauer – Initiative – Königsangriff – Königssicherheit – Läuferopfer – Linienöffnen -Mobilität – Offene Linien – Positionelles Opfer – Qualitätsopfer – Räumung – Rochadeangriff – Springeropfer – Starke Felder – Unterverwandlung – Vergifteter Bauer – Verteidigung – Zentralisierung – Zentrum – Zugzwang – Zwischenzug (Bild: Die Brennpunkte des weißen Rochadangriffs in einer Fernschachpartie Copie-Patrici 1986)

    Die Anzahl Lösungen einer Engine ergibt deren wichtigstes Testergebnis; dieses erlaubt bereits einen groben Vergleich mit anderen Programmen. Um die Resultate mehrerer Engines noch zu differenzieren, empfiehlt der Autor das Interface «Fritz» ab Version 11, dessen Testergebnisse – aus der CBH- in eine PGN-Datei konvertiert – dann mit dem Freeware-Tool von Dr. Frank Schubert EloStatTS104 abgeglichen werden sollten. Diese mathematisch-statistisch fundierte Methode der Test-Auswertung ist wenn immer möglich vorzuziehen. Außerdem ist bei einer Verwendung des Testes mit «Fritz» die von EloStatTS104 mitgelieferte «Offset»-Test-File zu berücksichtigen: Mit ihm lassen sich die unterschiedlichen Reaktions- bzw. Initialisierungszeiten der Engines unter diesem Interface eruieren, womit nochmals genauere Ergebnisse generiert werden können (siehe hierzu die entspr. Readme-Datei).
    Eine Alternative zum «Fritz»-GUI ist die Freeware-Oberfläche «Arena», die mit zusätzlichen Features beim Automatisierten Stellungstesten aufwartet und auch einen Output der Engine-Berechnungen bietet, allerdings auf jegliche Ranglisten-Generierung verzichtet bzw. nur die Anzahl Lösungen angibt, so dass keine weitergehende Differenzierung der Testergebnisse möglich ist bzw. manuell erfolgen müsste. Andere Benutzeroberflächen bieten ebenfalls nur rudimentäre Optionen bezüglich Stellungstests und sind deshalb für den ERET nur bedingt zu empfehlen.

  • Moderne Rechner mit Multi-Prozessoren- bzw. -Threads-Technik neigen zu Fluktuationen in ihrer Zug-Generierung. Deren Auswirkung in der Praxis wird zwar generell sehr überschätzt, aber wer auf Nummer sicher gehen will, macht pro Engine drei bis fünf Test-Durchläufe und nimmt den Durchschnitt der jeweiligen Lösungszeiten.
  • Um Software-übergreifende Vergleiche zu ermöglichen, sollten die Engines grundsätzlich mit ihren Default-Parametern getestet werden – natürlich abgesehen von Thread-, Hash- oder Tablebase-Einstellungen.
  • Auf schneller Hardware reichen 5 Sekunden pro Aufgabe aus; das entspricht ungefähr der im modernen Engine-Turnier-Betrieb häufig angewendeten Bedenkzeit von 40 Zügen in 4 Minuten. Bei langsameren Rechnern empfehlen sich 7-10 Sekunden.
  • Bei der Generierung von Ranglisten mit dem ERET sollten nicht die absoluten Zahlen-Ergebnisse, sondern vielmehr die Engine-Relationen beachtet werden – so wie bei den Rankings der verschiedenen bekannten Engine-Turnieren auch. Diese können bekanntlich (je nach Turnier-Settings und Berechnungsgrundlage) überraschend unterschiedlich ausfallen – siehe u.a. hier: CEGT, CCRL, FCP, OHCR, SPCC, FGRL
    Ein Vergleich von fünf häufig zitierten Ranglisten im Internet mit den ERET-Ergebnissen findet sich hier (März 2017).
  • Die einzelnen Stellungen hat der Autor hauptsächlich mit den drei Programmen Deep-Shredder 11/12, Critter 1.6 und RybkaWinFinder 2.2 im Hinblick auf ihre taktische Korrektheit untersucht. Ansonsten hat er auf weiteres Einzeltesten bewusst und konsequent verzichtet, um den Test möglichst objektiv und nicht irgendwie «geeicht» auf bestimmte Programme gestalten zu können. (Über entsprechende Resultat-Meldungen aus der Leser- bzw. Anwenderschaft per E-Mail würde sich der Autor also sehr freuen!).
  • Trotz der relativ kurzen Zeit-Vorgabe von 5 Sekunden/Stellung sind die ERET-Aufgaben keineswegs trivial. Viele der Stellungen dürften sogar ganz besondere Knacknüsse auch für heutige Engines sein. Die umfangreichen persönlichen Analysen mithilfe der obengenannten Programme legen den Schluss nahe, dass dieser Test eher im oberen Schwierigkeitsbereich angesiedelt ist. Der Autor ist deshalb zuversichtlich, dass der ERET auch noch in fünf oder zehn Jahren interessant sein wird…

Aktuelle ERET-Rangliste (Mai 2017)   –   Generiert mit EloStatTS104

    Program                                    Elo   +/-  Matches  Score   Av.Op.   S.Pos.   MST1    MST2   RIndex

  1 AsmFish 2017-03-15 (4CPU)                  : 3421    3   8204    68.5 %   3286    72/111    2.0s    3.0s   0.68
  2 Stockfish 170417 (4CPU)                    : 3414    3   7923    67.6 %   3286    67/111    1.9s    3.1s   0.69
  3 Komodo 10.4 (4CPU)                         : 3411    3   8074    67.2 %   3286    68/111    2.0s    3.2s   0.62
  4 Stockfish 8 (4CPU)                         : 3409    3   7946    67.0 %   3286    64/111    1.8s    3.2s   0.68
  5 Brainfish 190317 (4CPU)                    : 3408    3   8080    66.8 %   3286    65/111    1.9s    3.2s   0.64
  6 Houdini 5.01 (4CPU)                        : 3404    4   7617    66.2 %   3288    62/111    1.9s    3.2s   0.64
  7 Komodo 10.3 (4CPU)                         : 3397    4   7774    65.3 %   3287    60/111    1.9s    3.3s   0.60
  8 Stockfish 8 (1CPU)                         : 3390    4   7188    64.3 %   3287    57/111    1.9s    3.4s   0.56
  9 Houdini 5.01 (1CPU)                        : 3384    4   6732    63.4 %   3289    54/111    2.0s    3.4s   0.56
 10 Fizbo 1.9 (4CPU)                           : 3382    4   6725    62.8 %   3291    50/111    1.7s    3.5s   0.56
 11 Komodo 10.4 (1CPU)                         : 3382    4   7094    63.2 %   3288    56/111    2.2s    3.6s   0.46
 12 Komodo 10.3 (1CPU)                         : 3379    4   6718    62.7 %   3289    52/111    1.9s    3.5s   0.55
 13 McBrain 2.1 (1CPU)                         : 3373    4   6558    61.9 %   3289    51/111    2.1s    3.6s   0.49
 14 Stockfish 7 (1CPU)                         : 3372    4   6826    61.8 %   3289    53/111    2.3s    3.7s   0.45
 15 Komodo 10 (1CPU)                           : 3367    4   6220    60.7 %   3292    48/111    2.1s    3.7s   0.51
 16 DeepShredder 13 (4CPU)                     : 3362    4   6205    60.1 %   3291    46/111    2.0s    3.7s   0.44
 17 Houdini 4 (4CPU)                           : 3361    4   6278    59.7 %   3292    45/111    1.9s    3.7s   0.45
 18 Komodo 9.42 (1CPU)                         : 3359    4   6127    59.7 %   3291    45/111    2.1s    3.8s   0.42
 19 Andscacs 0.90 (4CPU)                       : 3358    4   6044    59.4 %   3292    42/111    1.7s    3.7s   0.46
 20 Stockfish 6 (1CPU)                         : 3353    4   5734    58.7 %   3292    42/111    1.9s    3.8s   0.48
 21 Komodo 9.2 (1CPU)                          : 3352    4   5981    58.6 %   3292    44/111    2.2s    3.9s   0.44
 22 Andscacs 0.89 (4CPU)                       : 3349    5   5872    57.9 %   3293    43/111    2.1s    3.8s   0.41
 23 Fritz 15 (4CPU)                            : 3349    4   5935    57.7 %   3294    41/111    2.0s    3.9s   0.39
 24 Komodo 9 (1CPU)                            : 3348    4   5827    57.9 %   3292    40/111    1.9s    3.8s   0.43
 25 Fizbo 1.9 (1CPU)                           : 3346    5   6014    57.3 %   3295    42/111    2.2s    3.9s   0.38
 26 Critter 1.6a (4CPU)                        : 3344    5   5874    57.1 %   3294    41/111    2.2s    3.9s   0.41
 27 Gull 3 (4CPU)                              : 3341    5   5762    56.6 %   3295    40/111    2.1s    3.9s   0.39
 28 Protector 1.9.0 (4CPU)                     : 3340    5   5734    56.6 %   3294    39/111    2.1s    3.9s   0.40
 29 Stockfish 5 (1CPU)                         : 3335    5   5470    55.9 %   3294    41/111    2.4s    4.0s   0.41
 30 Andscacs 0.87 (4CPU)                       : 3333    5   5598    55.4 %   3295    36/111    2.0s    3.9s   0.37
 31 Houdini 4 (1CPU)                           : 3328    5   5181    54.6 %   3296    34/111    1.8s    4.0s   0.45
 32 Fire 5 (1CPU)                              : 3327    5   5277    54.5 %   3296    33/111    1.7s    4.0s   0.37
 33 DeepShredder 13 (1CPU)                     : 3326    5   5315    54.4 %   3296    36/111    2.2s    4.1s   0.28
 34 Booot 6.1 (1CPU)                           : 3325    5   4521    54.1 %   3297    28/111    1.6s    2.7s   0.42
 35 Komodo 8 (1CPU)                            : 3323    5   5271    53.9 %   3296    33/111    2.0s    4.0s   0.37
 36 Andscacs 0.89 (1CPU)                       : 3318    5   5386    53.1 %   3296    34/111    2.3s    4.1s   0.28
 37 Critter 1.6a (1CPU)                        : 3318    5   5234    52.9 %   3298    33/111    2.1s    4.1s   0.35
 38 Andscacs 0.86 (4CPU)                       : 3317    5   5057    52.8 %   3298    32/111    2.1s    4.0s   0.36
 39 Nirvanachess 2.3 (4CPU)                    : 3316    5   5031    52.8 %   3297    33/111    2.1s    4.1s   0.33
 40 Equinox 3.30 (4CPU)                        : 3314    5   5062    52.1 %   3300    32/111    2.0s    4.0s   0.38
 41 Equinox 3.30 (1CPU)                        : 3312    5   5062    51.7 %   3300    31/111    2.1s    4.1s   0.35
 42 Naum 4.6 (4CPU)                            : 3308    5   4886    51.1 %   3300    33/111    2.6s    4.2s   0.34
 43 Andscacs 0.87 (1CPU)                       : 3307    5   4894    51.1 %   3300    31/111    2.2s    4.1s   0.30
 44 Fizbo 1.8 (1CPU)                           : 3305    5   5094    50.9 %   3299    28/111    1.8s    4.2s   0.29
 45 Fritz 15 (1CPU)                            : 3303    5   4899    50.4 %   3300    30/111    2.2s    4.2s   0.30
 46 Spark 1.0 (4CPU)                           : 3302    5   5287    50.2 %   3300    30/111    2.4s    4.3s   0.23
 47 DeepRybka 4.1 (1CPU)                       : 3299    5   4834    49.5 %   3302    27/111    2.0s    4.2s   0.30
 48 Andscacs 0.86 (1CPU)                       : 3298    5   4793    49.9 %   3299    29/111    2.2s    4.1s   0.33
 49 Texel 1.06 (4CPU)                          : 3296    5   4927    49.4 %   3300    28/111    2.1s    4.3s   0.25
 50 Hannibal 1.7 (1CPU)                        : 3295    5   4641    49.2 %   3300    24/111    1.2s    4.2s   0.37
 51 Nirvanachess 2.3 (1CPU)                    : 3295    5   4815    49.2 %   3300    28/111    2.2s    4.3s   0.26
 52 Arasan 19.2 (4CPU)                         : 3294    5   4961    48.8 %   3302    29/111    2.5s    4.3s   0.26
 53 Gull 3 (1CPU)                              : 3293    5   4742    48.9 %   3300    26/111    1.8s    4.2s   0.30
 54 Protector 1.8 (1CPU)                       : 3289    5   4564    48.3 %   3301    25/111    1.9s    4.0s   0.30
 55 Protector 1.9 (1CPU)                       : 3289    5   4668    48.4 %   3300    25/111    1.8s    4.3s   0.27
 56 Protector 1.6 (1CPU)                       : 3287    5   4611    47.8 %   3302    26/111    2.3s    4.2s   0.24
 57 BlackMamba 2.0 (4CPU)                      : 3285    5   4507    47.7 %   3301    25/111    1.9s    4.2s   0.31
 58 iCE 3.0 (1CPU)                             : 3283    5   4559    47.3 %   3302    24/111    1.9s    4.3s   0.28
 59 Fizbo 1.7 (1CPU)                           : 3283    5   4729    47.3 %   3302    23/111    1.7s    4.3s   0.27
 60 DeepGandalf 7.0 (2CPU)                     : 3282    6   4473    46.6 %   3305    22/111    1.6s    4.2s   0.32
 61 Chiron 4 (4CPU)                            : 3278    5   4631    46.5 %   3303    24/111    2.3s    4.3s   0.23
 62 RybkaWinFinder 2.2 (4CPU)                  : 3275    6   4525    45.7 %   3305    22/111    1.9s    4.3s   0.27
 63 DeepJunior 13.3 (1CPU)                     : 3274    6   4482    45.6 %   3305    21/111    1.6s    4.3s   0.28
 64 Chiron 3.01 (4CPU)                         : 3274    5   4528    45.6 %   3305    25/111    2.6s    4.4s   0.22
 65 Nirvanachess 2.2 (1CPU)                    : 3274    5   4506    45.9 %   3302    23/111    2.0s    4.4s   0.21
 66 Crafty 25.2 (4CPU)                         : 3273    6   4223    45.7 %   3303    19/111    2.2s    3.1s   0.18
 67 Texel 1.06 (1CPU)                          : 3272    5   4566    45.5 %   3304    25/111    2.8s    4.5s   0.21
 68 DeepFritz 10 (4CPU)                        : 3271    5   4617    45.2 %   3304    23/111    2.4s    4.4s   0.21
 69 Chiron 2 (1CPU)                            : 3270    6   4550    45.0 %   3305    22/111    2.1s    4.3s   0.18
 70 Wasp 2.00 (4CPU)                           : 3269    5   4507    45.0 %   3304    24/111    2.6s    4.5s   0.24
 71 Rybka 3 (1CPU)                             : 3269    5   4350    45.0 %   3304    21/111    2.0s    4.3s   0.30
 72 Naum 4.6 (1CPU)                            : 3269    6   4312    44.9 %   3304    20/111    1.6s    4.3s   0.29
 73 Chiron 1.5 (1CPU)                          : 3267    6   4486    44.7 %   3304    22/111    2.3s    4.4s   0.20
 74 Hakkapeliitta 3.0 (1CPU)                   : 3261    6   4453    43.8 %   3305    23/111    2.7s    4.4s   0.17
 75 Texel 1.05 (1CPU)                          : 3260    6   4272    43.3 %   3307    22/111    2.4s    4.5s   0.22
 76 Arasan 19.1 (4CPU)                         : 3260    5   4312    43.4 %   3306    21/111    2.4s    4.5s   0.23
 77 LittleGoliath Revival (1CPU)               : 3257    6   4219    42.7 %   3308    17/111    1.5s    4.1s   0.23
 78 Chiron 4 (1CPU)                            : 3255    6   4404    42.8 %   3306    22/111    2.8s    4.5s   0.15
 79 Arasan 19.2 (1CPU)                         : 3253    6   4254    42.5 %   3306    22/111    2.8s    4.5s   0.21
 80 Vajolet 22.2 (1CPU)                        : 3253    6   4236    42.6 %   3305    22/111    2.8s    4.5s   0.16
 81 Nimzo 8 (1CPU)                             : 3253    6   4252    42.1 %   3309    16/111    1.2s    4.3s   0.23
 82 Arasan 19.1 (1CPU)                         : 3253    6   4315    42.4 %   3306    18/111    1.8s    4.4s   0.16
 83 ZappaMexico II (1CPU)                      : 3249    6   3903    41.5 %   3309    15/111    1.1s    3.9s   0.28
 84 TheKing 3.33 (1CPU)                        : 3247    6   4170    41.3 %   3309    16/111    1.6s    4.3s   0.21
 85 Spark 1.0 (1CPU)                           : 3245    6   4276    41.4 %   3306    20/111    2.8s    4.6s   0.16
 86 DeepFritz 10 (1CPU)                        : 3245    6   4106    40.9 %   3309    16/111    1.7s    4.4s   0.22
 87 Naum 4 (1CPU)                              : 3245    6   3950    40.9 %   3308    15/111    1.2s    4.1s   0.24
 88 TheKing 3.50 (4CPU)                        : 3243    6   4103    40.7 %   3308    18/111    2.3s    4.5s   0.18
 89 Senpai 1.0 (1CPU)                          : 3241    6   4112    40.7 %   3307    17/111    2.0s    4.5s   0.19
 90 Dragon 4.6 (1CPU)                          : 3241    6   3786    40.1 %   3311    14/111    1.6s    3.7s   0.19
 91 Fruit 2.3 (1CPU)                           : 3238    6   3909    39.7 %   3311    15/111    1.4s    4.5s   0.26
 92 Ruffian 1.0.1 (1CPU)                       : 3237    6   4116    39.8 %   3309    15/111    1.8s    4.5s   0.19
 93 Spike 1.4 (1CPU)                           : 3228    6   4001    38.5 %   3309    15/111    2.3s    4.4s   0.17
 94 RodentII 0.9.64 (1CPU)                     : 3227    6   3947    38.4 %   3310    17/111    2.8s    4.6s   0.15
 95 Quazar 0.4 (1CPU)                          : 3226    6   3945    38.4 %   3309    15/111    2.2s    4.5s   0.13
 96 Ufim 8.02 (1CPU)                           : 3226    6   3999    38.0 %   3311    14/111    1.9s    4.6s   0.18
 97 Fruit 2.2.1 (1CPU)                         : 3224    6   3899    37.8 %   3311    13/111    1.5s    4.5s   0.22
 98 Amoeba 1.2 (1CPU)                          : 3219    6   3810    37.0 %   3312    14/111    2.2s    4.5s   0.19
 99 Junior 13.8Yokohama (1CPU)                 : 3219    6   3899    37.2 %   3310    12/111    1.1s    4.6s   0.19
100 Gandalf 6.0 (1CPU)                         : 3217    6   3785    36.8 %   3311    13/111    1.9s    4.4s   0.16
101 Anaconda 2.0.1 (1CPU)                      : 3217    6   3875    36.8 %   3311    16/111    2.8s    4.7s   0.16
102 Komodo 1.3 (1CPU)                          : 3216    6   3799    36.8 %   3310    14/111    2.1s    4.6s   0.14
103 Tao 5.7b (1CPU)                            : 3214    6   3778    36.5 %   3310    13/111    2.1s    4.3s   0.19
104 Tao 5.6 (1CPU)                             : 3211    6   3701    36.0 %   3311    12/111    1.7s    4.2s   0.18
105 Deuterium 14.3.34.130 (1CPU)               : 3211    6   3742    36.0 %   3311    12/111    1.6s    4.5s   0.16
106 Wasp 2.00 (1CPU)                           : 3206    6   3767    35.3 %   3312    14/111    2.6s    4.7s   0.15
107 ProDeo 2.3 (1CPU)                          : 3201    6   3771    34.6 %   3312    10/111    1.3s    4.6s   0.12
108 Tao 5.4 (1CPU)                             : 3199    6   3629    34.2 %   3313    10/111    1.7s    4.1s   0.14
109 LoopMP 12.32 (2CPU)                        : 3198    6   3703    33.9 %   3314    10/111    1.6s    4.7s   0.17
110 Wasp 1.25 (1CPU)                           : 3197    6   3623    33.9 %   3313    13/111    2.6s    4.7s   0.13
111 Gaviota 1.0 (1CPU)                         : 3192    6   3641    33.4 %   3312    11/111    2.0s    4.7s   0.15
112 Laser 1.2 (1CPU)                           : 3191    6   3687    33.1 %   3313    10/111    1.9s    4.7s   0.13
113 ChessMind 0.82 (1CPU)                      : 3190    6   3613    33.0 %   3314     9/111    1.3s    4.5s   0.15
114 ProDeo 2.2 (1CPU)                          : 3188    6   3587    32.7 %   3313    11/111    2.8s    4.3s   0.10
115 SmarThink 1.70 (1CPU)                      : 3180    6   3495    31.4 %   3315     8/111    1.1s    4.6s   0.16
116 Ktulu 9 (1CPU)                             : 3180    6   3548    31.5 %   3314     8/111    1.4s    4.6s   0.14
117 Minko 1.3 (1CPU)                           : 3179    6   3503    31.4 %   3315     9/111    1.5s    4.7s   0.15
118 Murka 3 (1CPU)                             : 3175    6   3624    31.1 %   3313     8/111    1.9s    4.7s   0.08
119 Octochess r5190                            : 3144    5   3387    27.1 %   3316     6/111    2.6s    4.8s   0.08



MST1  : Mean solution time  (solved positions only)
MST2  : Mean solution time  (solved and unsolved positions)
RIndex: Score according to solution time ranking for each position

AMD 8350-FX - 5sec/move - 512Mb Hash - Fritz 15 - Windows 10 / 64bit

Der Output jeder Engine bei jeder Aufgabenstellung – auf die hundertstel Sekunde genau – lässt sich hier downloaden (Mai 2017 – PGN-Datei).

Weiterführende Links

  • Für jene Leser, die sich näher mit der Thematik Computerschach-Stellungstests befassen möchten, nachfolgend ein paar weiterführende Links:
  • Dr. Frank Schubert: Lösung eines alten Problems – Autor Schubert untersucht zuerst die seinerzeit gängigen Auswerteverfahren verschiedener bekannter Stellungstests und stellt dann einen mathematisch neuen, dem FIDE-Elo-Verfahren ähnlichen Ansatz zur Differenzierung von Test-Ergebnissen vor. In einem historischen Exkurs wird auch Bezug genommen auf noch vor einigen Jahren gebräuchliche Tests von Autoren wie Bednorz, Schumacher, Gurevich oder Scheidl. Zum Schluss stellt Schubert seine eigene Methode vor, «welche die Schwächen der bisherigen Formeln beseitigt und erstmalig auf einer soliden schachlichen Theorie basiert.»
  • Lars Bremer: Was Stellungstests testen – IT-Journalist und Programmierer Bremer repliziert darin auf den seinerzeit heftig umstrittenen CSS-WM-Test von M. Gurevich, wobei er ebenso unverhohlen wie amüsant in die Trick-Kiste greift, um seine Test-kritische These zu untermauern: Er löscht mit einem eigens dafür geschriebenen Tool in dem als Gesamtheit konzipierten Test jeweils so lange einzelne Aufgaben, bis immer wieder Top-Resultate der zufällig gewählten (ggf. schwachen) Engine resultieren, womit Bremer den zufälligen Charakter von Test-Ergebnissen beweisen möchte. Aber da selbstverständlich ein umfangreicher und durchdachter Stellungstest immer kompakt gemeint ist, seine Aufgaben aufeinander abgestimmt sind und darum nicht einfach willkürlich zusammengestrichen werden können, ist der ganze Artikel eher satirisch denn wissenschaftlich einzustufen und darum ein einziger «Quatsch» (Zitat) – aber dennoch witzig zu lesen.
  • Lars Bremer: Chaos-System Deep Engine – Ein sehr viel «seriöserer» und informativer Artikel des obigen Autors zur Problematik des «Zufälligen Zuges» bei Deep-Engines. Mit seinem «Fazit» bezüglich der Aussagekraft von Stellungstests bei MP-Rechnern ist der Schreibende zwar nicht einverstanden: Ausgedehnte Untersuchungen könnten sehr wohl dokumentieren, dass ein durchdachtes Design eines Stellungstestes diesen «MP-Effekt» zwar nicht restlos ausschalten, aber entscheidend abfedern kann, so dass er bezüglich Ranking schliesslich auch statistisch irrelevant wird. Doch Bremer erklärt das Phänomen aus der Sicht des Programmierers äusserst anschaulich und auch für Laien nachvollziehbar. Es wird erklärt, warum sich moderne «Deep»-Programme zuweilen völlig nicht-deterministisch, ja «chaotisch» verhalten beim Ausspielen von Zügen.
  • Tord Romstad (Stockfish): Eine kurz zusammengefasste Erklärung dieses «MP-Effektes» findet sich auch in einem Interview, das Frank Quisinsky vor Jahren mit Tord Romstad, dem verantwortlichen Stockfish-Programmierer, sowie dessen Co-Autoren geführt hat. Zitat: «Wenn ein Schachprogramm eine Position, irgendwo tief innerhalb des Suchbaums, untersucht, macht es Gebrauch bzw. erinnert sich an frühere bereits untersuchte Positionen der gleichen Suche. Die Zugbeschneidung, Verkürzung oder Verlängerung hängen davon ab, welche Positionen vorher überprüft wurden und wie die Ergebnisse der Untersuchung dieser Positionen waren. Der Großteil der Informationen, der für eine Entscheidung verwendet wird, liegt im Arbeitsspeicher. Der Arbeitsspeicher steht allen Prozessoren zur Verfügung.
    Solange es nur einen Thread gibt, ist alles zu 100% reproduzierbar. Aber bei mehreren Threads beginnen seltsame Dinge zu geschehen, weil diese Threads nie synchron mit gleicher Geschwindigkeit aktiv sein können. Immer wieder wird eine CPU für ein paar Millisekunden eine Pause einlegen müssen und das Betriebssystem weist dann sofort eine andere Aufgabe zu. Das geschieht zufällig und ist nicht vorhersehbar, eine Kontrolle gibt es hierfür nicht. Als Konsequenz erreicht jeder Prozessor eine bestimmte Position eher zufällig und das wirkt sich dann auf die Suche nach Entscheidungen zur aktuellen Position aus.»
  • Chess Programming Wiki: Test-Positions – Diese informative Seite (anmeldepflichtig) verlinkt eine Vielzahl interessanter Artikel zur Thematik «Stellungstest» bzw. zu deren Autoren und stellt eine Fundgrube dar für jene, die sich mit der Materie näher befassen möchten. Gleichzeitig bietet die Webseite einen umfassenden Überblick auf die Historie und listet sogar interessante Forum-Beiträge aus früheren Jahren auf. ♦

Computerschach-Beiträge im Glarean Magazin

Neue Schach-Bücher des Chaturanga-Verlages

Zeitschrift «Caissa» Nummer 2 / 2016

von Walter Eigenmann

caissa-schach-zeitschrift-2-2016-glarean-magazinDer Verlag Chaturanga ist im deutschen Neunkirchen domiziliert und zeichnet sich durch exquisite, thematisch oft abseits des Mainstreams angesiedelte Schach-Produktionen aus – das dokumentieren auch die beiden jüngsten Publikationen dieses noch relativ jungen «Verlages für Liebhaber von Literatur, Kultur und Spiel».
Da ist zum einen die Zeitschrift «Caissa», die der Herausgeber und Chef-Redakteur Mario Ziegler nun in ihrer zweiten Ausgabe vorlegt. Halbjährlich berichtet das Journal «für Schach- und Brettspielgeschichte» über Themata, die man in dieser Konstellation und Qualität (noch) kaum im Internet findet, sondern genuin dem Printmedium vorbehalten scheinen. Ziegler und sein Team beweisen dabei Blick für exquisiten Schach-/Spiele-Stoff und eine treffliche Hand bei der Auswahl kompetenter Autoren. Wie bereits in der Première-Ausgabe der Zeitschrift ließ man sich vom erklärten Grundsatz «Aus vielem das Beste» leiten, das Inhalts- bzw. Autoren-Verzeichnis zeigt das sofort; unter anderem beinhaltet das Heft die Schwerpunkte: «Der Mongredien-Preis 1868-1869 (Robert Hübner), «Die Geschichte der chinesischen Schachidee» (Rainer Schmidt), «Die Schachpartie in Samuel Becketts Roman Murphy» (Bernd-Peter Lange), «Schach und Tarnschriften» (Siegfried Schönle), «Das verklärte Soldatenbild in Brettspielen» (Antonella Ziewacz). Und wiederum illustriert «Caissa» seine umfangreichen Texte mit zahlreichen Abbildungen teils dokumentierender, teils feuilletonistischer Art.
Insgesamt garantiert das Periodikum intellektuellen Lesespaß – keineswegs nur für Schachfreunde! ●
Caissa – Zeitschrift für Schach- und Brettspielgeschichte, Nr.2/2016, 94 Seiten, Chaturanga Verlag, ISSN 2363-8214

Dagobert Kohlmeyer: «Attacke!»

von Walter Eigenmann

attacke-kohlmeyer-chaturanga-review-glarean-magazinDen Berliner Schachautor Dagobert Kohlmeyer muss man der Schachwelt kaum näher vorstellen, der bekannte Publizist schrieb 25 Bücher über das königliche Spiel und übersetzte zahlreiche Werke von Smyslow, Karpow, Kasparow, Kortschnoi oder Jussupow ins Deutsche. Seine jüngste Veröffentlichung im Chaturanga-Verlag titelt «Attacke!» und widmet sich den «Großen Angreifern der Schachgeschichte». Zu Wort bzw. zum Zug kommen darin alle genialen Angriffsspieler von Anderssen und Morphy über Aljechin und Tal bis zu Neshmetdinow und Bronstein.
Der Band ist layouterisch ansprechend gestaltet und zwischendurch gespickt mit etwas «psychologischem» Hintergrundwissen. Allerdings beinhaltet er praktisch ausschließlich Partien und Züge von «historischen» Meisterspielern, deren schachlichen Höhenflüge mittlerweile problemlos mit umfangreicher Kommentierung von jedermann selbst aus dem Netz gezogen werden können. Schade auch, dass Kohlmeyer das 21. Jahrhundert mit Carlsen, Anand & Co. völlig ausklammert. Kommt drittens hinzu, dass heutzutage solche schachlichen «Geschichtsaufbereitungen» immer die Gefahr des Nachplapperns bergen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Kohlmeyer (ebenso wie zahlreiche Schachautoren vor ihm) schwärmt über Morphys 18. schwarzen Zug gegen Bird (London 1858) gleich mit zwei Ausrufezeichen. Doch heutzutage kann jeder schlechtere Vereinsamateur mit Gratis-Programmen wie der Engine «Stockfish» und der Datenbank «Scid» nachweisen, dass der «geniale» Damenzug h3-a3 nicht besser, nur «schöner» ist als das profane Ld6-a3, und dass Morphy mit seinem vorausgehenden Turmopfer f8xf2 den ebenfalls wohl «schönsten», aber objektiv fast schlechtesten aller valablen Züge gespielt hat…

Dieser Befund schmälert keineswegs die On-The-Board-Leistung des Schachgenies Morphy – aber heutige Kommentatoren wie Kohlmeyer täten gut daran, ihre Partie-Anmerkungen immer mit moderner Software gegen zu prüfen, um solche peinlichen Kolportierungen zu vermeiden wie: «Ein unglaubliches Manöver! Die Dame eilt von einer Brettseite zur anderen. Rudolf Teschner schwärmte: ‚Zauber der Geometrie!‘ Wie lange wohl hat Morphy damals über das Turmopfer und den Damenschwenk nachgedacht?» (S.29) Denn neueste Schachsoftware verändert die herkömmliche Schachästhetik komplett – und Schachautoren im Jahre 2016 haben das zu berücksichtigen, wenn sie ernst genommen werden möchten… ●
Dagobert Kohlmeyer: Attacke! – Große Angreifer der Schachgeschichte, 188 Seiten, Chaturanga Verlag, ISBN 978-3-944158-17-4 —-> Leseprobe

Weitere Schach-Rezensionen im Glarean Magazin