Wer bin ich? (Women Power 15)

Kampfansage gegen süssliche Salonmusik

von Walter Eigenmann

Women Power - Wer bin ich - Komponistin - Personen-Raetsel - Glarean Magazin
Wer bin ich?

Dass ich eine der bedeutendsten Komponistinnen in der Mitte des romantischen 19. Jahrhunderts werden würde, wurde mir alles andere als schon in der Wiege gesungen. Meine Eltern lebten quasi «illegal» getrennt, ich ward also in einer moralisch «zweifelhaften» Umgebung großgezogen, und obendrein war ich noch als Teenager entsetzlich schüchtern.
Doch immerhin entdeckte man meine Hochbegabung, wonach ich erst den bekannten Mozart-Schüler Reicha, dann den einflussreichen Pianisten Hummel als erste Lehrer erhielt.
1821 heiratete ich, widmete mich u.a. auch intensiven kontrapunktischen Barock-Techniken und gab zusammen mit meinem Mann ein monumentales 20-bändiges Sammelwerk alter und neuer Klaviermusik heraus, das in seiner wissenschaftlich-philologischen Orientierung eine eigentliche Kampfansage gegen die damals grassierende süßlich-sentimentale Salonmusik des mondän-versnobten Pariser Publikums darstellte.

Musikalische Emanzipation vom Zeitgeist

Zwar komponierte ich selber in meinen Anfängen so einiges an üblichem Repertoire meiner Zeit, aber im Gegensatz zu vielen damaligen Salonlöwen wie Herz oder Hünten vermied ich eitles Klavier-Passagenwerk ebenso wie tränenseliges Sentiment und parfümierte Phrasen. Noble Zurückhaltung, kontrolliertes Engagement, durchdachte Satztechniken, weit umspannendes Kalkül sowohl in der Kammer- wie in der großräumigen sinfonischen Musik,  – das wurden im Laufe der Jahre meine eigentlichen Markenzeichen. So sehr, dass sich bald auch die Genies jener Tage allmählich über mein Schaffen höchst lobend äußerten – zum Beispiel ein Schumann, der über meine Klaviervariationen op. 17 schrieb: «… so sicher im Umriss, so verständig in der Ausführung, so fertig mit einem Worte… und dies alles leicht und gesangreich!»

Women Power - Wer bin ich - Komponistin - Personen-Raetsel - Notenbeispiel - Glarean Magazin

Solches und weiteres Lob aus berufenem Munde führte schließlich dazu, dass auch kleinere, aber einflussreiche männliche Geister des damaligen Kultur- und Konzertbetriebes das Problem «Frau und Komposition» nicht mehr länger chauvinistisch bewirtschaften konnten, sondern meine Karriere sogar mit einer Professur am heilig-berühmten Pariser Conservatoire beförderten.

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Es ist bedauerlich, dass mein umfangreiches kompositorisches Schaffen inzwischen zwar im französisch sprechenden, auch im osteuropäischen Kulturraum Anerkennung und Konzertaufführungen erlebt, ja teils gar auf Schallplatten eingespielt wurde – aber leider im deutschsprachigen Teil des kulturellen Europa immer noch in quasi feministischer Isolation verharren muss…

Also: Wer bin ich?

Weitere Woman-Power-Beiträge in der Rubrik Wer bin ich?

Das neue Musik-Kreuzworträtsel im Mai 2017

Der Buchstaben-Musik-Rätselspaß !

Copyright© 2017/4 by Walter Eigenmann

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Hanna Bachmann: Klavier-Sonaten von Janacek, Beethoven, Ullmann, Schumann

Ein pianistisch-musikalisches Versprechen

von Walter Eigenmann

Wenn eine erst 24-Jährige das Klavier so spielt wie Hanna Bachmann, so nennt man das fürwahr – auch in unseren Zeiten der Inflation von «Wunderkindern» – eine Entdeckung. Die junge Österreicherin widmete sich während ihres Studiums vornehmlich Beethoven, mit dem sie am Bonner Beethovenfest 2015 debütierte – und nun präsentiert sie mit ihrer ersten CD-Einspielung Janaceks Sonate 1.X.1905, Schumanns zweite Sonate op. 22 und Beethovens «Adieux»-Sonate. In diesen «Klassiker»-Reigen stellt sie außerdem – eine Überraschung – die interessante siebte und letzte Sonate des 1898 geborenen und 1944 in Auschwitz von den Nazis ermordeten österreichisch-ungarischen Komponisten und Pianisten Viktor Ullmann.

Von Beethoven über die Romantik
zur Schönberg-Schule

Beginn des Trio’s aus dem vierten Satz der Klaviersonate Nr. 7 von Viktor Ullmann

Von Beethoven über die Romantik zum Schönberg-Schüler Ullmann also – ist dies das große Spannungsfeld der Pianistin Bachmann, die offensichtlich trotz (oder wegen?) ihrer Jugendlichkeit keine stilistischen Berührungsängste kennt? Und auch keine klaviertechnischen Hürden, sei angemerkt: insbesondere Bachmanns Schumann, auch ihr letzter Ullmann-Satz zeugen von bereits enormer Brillanz, die sich paart mit sensitivem Anschlag und zugleich Klangsinn. Wenn man dieses CD-Debüt von Hanna Bachmann als pianistisches Versprechen nehmen soll, dann wird von dieser jungen Künstlerin noch sehr viel zu hören und zu reden sein.

Die junge, aber pianistisch wie musikalisch sehr gereifte österreichische Pianistin Hanna Bachmann glänzt gleich in ihrem CD-Debüt mit profilierter Werkauswahl und stilistischer Weite. Das deutsche Label TYXart führt Bachmann als feinfühlige Künstlerin mit Sonaten von Beethoven, Janacek, Schumann und Ullmann ein und weckt damit Hoffnungen auf weitere Novitäten dieser Pianistin.

Eine Anerkennung sei an dieser Stelle noch ausdrücklich vermerkt zu dem im regensburgischen Nittendorf domizilierten, erst seit fünf Jahren aktiven Label TYXart, in dessen neuer Serie «Rising Stars» junge Musiker/innen wie eben Hanna Bachmann ein qualitätsvolles Haus für ihre Erstaufnahmen finden. Denn in dem Novitäten-gefluteten Klassik-, überhaupt dem CD-Markt immer neu auf vielversprechende Talente hinzuweisen, das birgt künstlerische und finanzielle Risiken. Diese unbeirrt und über Jahre hinweg auf editorisch hohem Niveau in Kauf zu nehmen verdient Respekt – und alle Neugier des Musikliebhabers! ■

Hanna Bachmann: Klaviersonaten von Janacek, Beethoven, Ullmann und Schumann, TYXart 2016, 73 Min. / ASIN B01NAK28ZN

Computerschach: 1. Gambit-Engine-Turnier

Schachprogramme mit Gambits geprüft

von Walter Eigenmann

Die internationale Computerschach-Anwenderschaft testet seit Jahren fleissig jedes neue Programm im Hinblick auf seine Turnier-Spielstärke, seine analytischen Fähigkeiten, seine schachtechnischen Features. Vor allem ersteres wird höchst emsig betrieben, existieren doch mittlerweile zahllose Ranking-Listen im Netz – zustande gekommen unter allen möglichen und unmöglichen Turnier- bzw. -Match-Bedingungen.

Dabei wird hinsichtlich der Eröffnung in den meisten Fällen ein sog. Opening-Book zugrunde gelegt, das möglichst ausgeglichen und «objektiv» den Programmen während der frühesten Partie-Phase unter die Arme greifen soll. Sehr selten kommt in diesem allgemeinen Turnier-Mainstream hingegen das sog. Gambit zum Zuge: Als Eröffnungskonzept beinhaltet es bekanntlich frühe Bauern- oder gar Figuren-Opfer zwecks schnellerer Entwicklung und/oder zusätzlicher Angriffsmöglichkeiten. Mit einem spezifischen Gambit-Opening-Book kann also der Anwender asymetrische Materialverhältnisse bereits in der Eröffnung schaffen und so den ausgetretenen Pfaden der meist längst aufgearbeiteten «Eröffnungstheorie» aus dem Wege gehen. Im Computerschach hat das außerdem den angenehmen Nebeneffekt, dass dem «Remistod» der heute auf extrem hohem Taktik-Niveau angesiedelten, oft gleich stark spielenden Engines etwas entgegengewirkt werden kann.

Der belgische Book-Cooker Jeroen Noomen

Einer der weltweit besten Opening-Book-Cooker im Computer-Schach: Jeroen Noomen

Ein solches «Gambit-Eröffnungsbuch» speziell für das häufig eingesetzte «Fritz»-Interface entdeckte der Autor kürzlich im Internet: es nennt sich «GambitLines.ctg», stammt von dem bekannten belgischen Engine-Book-Cooker Jeroen Noomen und beinhaltet eine Reihe von «klassischen» Gambit-Zügen, angefangen beim Alapin-Gambit im Sizilianer und das Falkbeer-Gambit über das Königsgambit und das Lettische Gambit bis hin zum Morra-Gambit und dem Mittelgambit im Spanier. (Wer Interesse an diesem Book für die Fritz-Oberfläche hat, kann es hier downloaden. Eine Aufzählung aller verwendeten Gambite findet sich hier.)

Die Stellungen, in die dieses Eröffnungsbuch die Engines entlässt, sind allerdings so spektakulär auch wieder nicht, dass sie Weiß oder Schwarz jeweils in großen materiellen Rückstand versetzten. Dies zeigt nur schon ein Blick auf die recht hohe Anzahl Remis-Partien, die das nachstehende Turnier generierte mit zehn der besten aktuellen Programme – eigentlich ein Bild, das man eher vom ganz normalen Engine-Engine-Betrieb gewohnt ist. Möglicherweise ist das «GambitLines» unterm Strich dann doch etwas zu «zahm» geraten, um das exorbitante Angriffs- und Verteidigungs-Potential der modernen Schachprogramme wirklich zu fordern…

01 Komodo 10.3 (4CPU)        26.5/36 (433.25)
02 Houdini 5.01 (4CPU)       26.5/36 (411.75)
03 Stockfish 8 (4CPU)        25.5/36
04 Fizbo 1.9 (4CPU)          22.0/36
05 Deep Shredder 13 (4CPU)   17.0/36
06 Critter 1.6a (4CPU)       15.5/36
07 Fritz 15 (4CPU)           14.0/36
08 Equinox 3.30 (4CPU)       12.5/36
09 Sting SF 7.3 (4CPU)       11.5/36
10 Chiron 4 (4CPU)           09.0/36

40 Z. in 4 Min & 40 Z. in 4 Min. / 4 Runden Round Robin /
Intel i-7-4790 / 3.6 GHz / 512Mb Hash / Fritz 15-GUI / EGTB

Die 180 Partien lassen sich hier nachspielen und downloaden.

Weitere Artikel zum Thema Computerschach im Glarean Magazin

Neue Testaufgaben für Schach-Programme

Der «Eigenmann Rapid Engine Test» (ERET)

von Walter Eigenmann

Der sog. Eigenmann Rapid Engine Test (ERET) ist eine neue Sammlung von 111 Aufgaben für Schach-Programme. Er wurde konzipiert, um schnell einen ersten Eindruck von der Spielstärke einer neuen Engine ausmachen zu können. Die Computerschach-Anwenderschaft erhält mit diesem ERET erstmals eine Test-Suite an die Hand, deren Ergebnisse innert zehn Minuten eine grobe, aber recht verlässliche Einschätzung eines (neuen) Programms erlauben.

Die 111 Stellungen bzw. ihre Hauptvarianten können hier nachgespielt und als PGN-Datei heruntergeladen werden. Downloadbar ist ausserdem der Test im CBH-Format (für Chessbase-Software) sowie als EPD-Datei für den Import in diverse Schach-GUI’s.

Die Vorzüge des ERET gegenüber älteren Sammlungen sind namentlich:

  • Grosse Bandbreite der Schachmotivik
  • Eindeutigkeit der Lösungen
  • Ausgewogenheit der Partiephasen
  • Mittlerer bis hoher Schwierigkeitsgrad
  • Keine Auswertungsformeln
  • Schnelle Programm-Resultate bereits nach 10 Min.
  • Auch für zukünftige Engine-Generationen tauglich

Die Axiomatik des ERET-Stellungstests

Eine Aufgaben-Sammlung wie der ERET-Stellungstest für Schachprogramme basiert auf einer eigenen Axiomatik.

Diese lässt sich in den folgenden fünf Punkten zusammenfassen:

  1. Die 111 Aufgaben des ERET decken einen grossen Bereich der (computer-)schachlichen Realität ab; diese abgestimmte Kompaktheit der Zusammenstellung ist weder durch Hinzufügungen noch Wegstreichungen antastbar.
  2. Für Computerprogramme (anders als für Menschen) ist eine Schachpartie grundsätzlich eine Sammlung von Einzel-Aufgabenstellungen unter definierten Bedingungen – ein Stellungstest also.
  3. Die Denk- bzw. Rechengeschwindigkeit beim Schachspielen ist eine maßgebliche Komponente der «Spielstärke».
  4. Das vom Test-Autor empfohlene Test-Setting ist ein integraler Bestandteil des Stellungstests.
  5. Unter Berücksichtigung bzw. Wahrung der Punkte 1 bis 4 garantiert der ERET keine 100%ige, aber eine weitgehende Übereinstimmung seiner Testergebnisse mit den durchschnittlichen Resultaten des praktischen Engine-Turnierbetriebes.

Test-Setting / Anmerkungen

Die technische Durchführung des Tests ist einfach und bei den verschiedenen Schach-Interfaces wie z.B. Arena, Shredder, Aquarium oder Fritz im Grundsatz ähnlich, wobei der Autor auf aktueller Computer-Hardware (2017) das folgende Test-Setting empfiehlt:

  • Bedenkzeit: 5-10 Sekunden pro Aufgabe
  • Prozessoren/Threads: 1-4
  • Hash-Memory: 256-512Mb
  • Opening-Books: beliebig
  • Endgame-Tablebases: beliebig
  • Extra Halbzüge: 2-99
  • eret-rochadeangriff-carlsen
    Der ERET-Schachtest für Computer-Programme deckt ein weites Spektrum an Eröffnungs-, Mittelspiel- und Endspiel-Elementen ab. Namentlich enthält er exemplarische Beispiele der folgenden taktischen und positionellen Motive (alphabetisch): Ablenkung – Abtausch – Damenopfer – Entlastung – Entwicklung – Festung – Freibauer – Initiative – Königsangriff – Königssicherheit – Läuferopfer – Linienöffnen -Mobilität – Offene Linien – Positionelles Opfer – Qualitätsopfer – Räumung – Rochadeangriff – Springeropfer – Starke Felder – Unterverwandlung – Vergifteter Bauer – Verteidigung – Zentralisierung – Zentrum – Zugzwang – Zwischenzug (Bild: Die Brennpunkte des weißen Rochadangriffs in einer Fernschachpartie Copie-Patrici 1986)

    Die Anzahl Lösungen einer Engine ergibt deren wichtigstes Testergebnis; dieses erlaubt bereits einen groben Vergleich mit anderen Programmen. Um die Resultate mehrerer Engines noch zu differenzieren, empfiehlt der Autor das Interface «Fritz» ab Version 11, dessen Testergebnisse – aus der CBH- in eine PGN-Datei konvertiert – dann mit dem Freeware-Tool von Dr. Frank Schubert EloStatTS104 abgeglichen werden sollten. Diese mathematisch-statistisch fundierte Methode der Test-Auswertung ist wenn immer möglich vorzuziehen. Außerdem ist bei einer Verwendung des Testes mit «Fritz» die von EloStatTS104 mitgelieferte «Offset»-Test-File zu berücksichtigen: Mit ihm lassen sich die unterschiedlichen Reaktions- bzw. Initialisierungszeiten der Engines unter diesem Interface eruieren, womit nochmals genauere Ergebnisse generiert werden können (siehe hierzu die entspr. Readme-Datei).
    Eine Alternative zum «Fritz»-GUI ist die Freeware-Oberfläche «Arena», die mit zusätzlichen Features beim Automatisierten Stellungstesten aufwartet und auch einen Output der Engine-Berechnungen bietet, allerdings auf jegliche Ranglisten-Generierung verzichtet bzw. nur die Anzahl Lösungen angibt, so dass keine weitergehende Differenzierung der Testergebnisse möglich ist bzw. manuell erfolgen müsste. Andere Benutzeroberflächen bieten ebenfalls nur rudimentäre Optionen bezüglich Stellungstests und sind deshalb für den ERET nur bedingt zu empfehlen.

  • Moderne Rechner mit Multi-Prozessoren- bzw. -Threads-Technik neigen zu Fluktuationen in ihrer Zug-Generierung. Deren Auswirkung in der Praxis wird zwar generell sehr überschätzt, aber wer auf Nummer sicher gehen will, macht pro Engine drei bis fünf Test-Durchläufe und nimmt den Durchschnitt der jeweiligen Lösungszeiten.
  • Um Software-übergreifende Vergleiche zu ermöglichen, sollten die Engines grundsätzlich mit ihren Default-Parametern getestet werden – natürlich abgesehen von Thread-, Hash- oder Tablebase-Einstellungen.
  • Auf schneller Hardware reichen 5 Sekunden pro Aufgabe aus; das entspricht ungefähr der im modernen Engine-Turnier-Betrieb häufig angewendeten Bedenkzeit von 40 Zügen in 4 Minuten. Bei langsameren Rechnern empfehlen sich 7-10 Sekunden.
  • Bei der Generierung von Ranglisten mit dem ERET sollten nicht die absoluten Zahlen-Ergebnisse, sondern vielmehr die Engine-Relationen beachtet werden – so wie bei den Rankings der verschiedenen bekannten Engine-Turnieren auch. Diese können bekanntlich (je nach Turnier-Settings und Berechnungsgrundlage) überraschend unterschiedlich ausfallen – siehe u.a. hier: CEGT, CCRL, FCP, OHCR, SPCC, FGRL
    Ein Vergleich von fünf häufig zitierten Ranglisten im Internet mit den ERET-Ergebnissen findet sich hier (März 2017).
  • Die einzelnen Stellungen hat der Autor hauptsächlich mit den drei Programmen Deep-Shredder 11/12, Critter 1.6 und RybkaWinFinder 2.2 im Hinblick auf ihre taktische Korrektheit untersucht. Ansonsten hat er auf weiteres Einzeltesten bewusst und konsequent verzichtet, um den Test möglichst objektiv und nicht irgendwie «geeicht» auf bestimmte Programme gestalten zu können. (Über entsprechende Resultat-Meldungen aus der Leser- bzw. Anwenderschaft per E-Mail würde sich der Autor also sehr freuen!).
  • Trotz der relativ kurzen Zeit-Vorgabe von 5 Sekunden/Stellung sind die ERET-Aufgaben keineswegs trivial. Viele der Stellungen dürften sogar ganz besondere Knacknüsse auch für heutige Engines sein. Die umfangreichen persönlichen Analysen mithilfe der obengenannten Programme legen den Schluss nahe, dass dieser Test eher im oberen Schwierigkeitsbereich angesiedelt ist. Der Autor ist deshalb zuversichtlich, dass der ERET auch noch in fünf oder zehn Jahren interessant sein wird…

Aktuelle ERET-Rangliste (Mai 2017)   –   Generiert mit EloStatTS104

    Program                                    Elo   +/-  Matches  Score   Av.Op.   S.Pos.   MST1    MST2   RIndex

  1 AsmFish 2017-03-15 (4CPU)                  : 3421    3   8204    68.5 %   3286    72/111    2.0s    3.0s   0.68
  2 Stockfish 170417 (4CPU)                    : 3414    3   7923    67.6 %   3286    67/111    1.9s    3.1s   0.69
  3 Komodo 10.4 (4CPU)                         : 3411    3   8074    67.2 %   3286    68/111    2.0s    3.2s   0.62
  4 Stockfish 8 (4CPU)                         : 3409    3   7946    67.0 %   3286    64/111    1.8s    3.2s   0.68
  5 Brainfish 190317 (4CPU)                    : 3408    3   8080    66.8 %   3286    65/111    1.9s    3.2s   0.64
  6 Houdini 5.01 (4CPU)                        : 3404    4   7617    66.2 %   3288    62/111    1.9s    3.2s   0.64
  7 Komodo 10.3 (4CPU)                         : 3397    4   7774    65.3 %   3287    60/111    1.9s    3.3s   0.60
  8 Stockfish 8 (1CPU)                         : 3390    4   7188    64.3 %   3287    57/111    1.9s    3.4s   0.56
  9 Houdini 5.01 (1CPU)                        : 3384    4   6732    63.4 %   3289    54/111    2.0s    3.4s   0.56
 10 Fizbo 1.9 (4CPU)                           : 3382    4   6725    62.8 %   3291    50/111    1.7s    3.5s   0.56
 11 Komodo 10.4 (1CPU)                         : 3382    4   7094    63.2 %   3288    56/111    2.2s    3.6s   0.46
 12 Komodo 10.3 (1CPU)                         : 3379    4   6718    62.7 %   3289    52/111    1.9s    3.5s   0.55
 13 McBrain 2.1 (1CPU)                         : 3373    4   6558    61.9 %   3289    51/111    2.1s    3.6s   0.49
 14 Stockfish 7 (1CPU)                         : 3372    4   6826    61.8 %   3289    53/111    2.3s    3.7s   0.45
 15 Komodo 10 (1CPU)                           : 3367    4   6220    60.7 %   3292    48/111    2.1s    3.7s   0.51
 16 DeepShredder 13 (4CPU)                     : 3362    4   6205    60.1 %   3291    46/111    2.0s    3.7s   0.44
 17 Houdini 4 (4CPU)                           : 3361    4   6278    59.7 %   3292    45/111    1.9s    3.7s   0.45
 18 Komodo 9.42 (1CPU)                         : 3359    4   6127    59.7 %   3291    45/111    2.1s    3.8s   0.42
 19 Andscacs 0.90 (4CPU)                       : 3358    4   6044    59.4 %   3292    42/111    1.7s    3.7s   0.46
 20 Stockfish 6 (1CPU)                         : 3353    4   5734    58.7 %   3292    42/111    1.9s    3.8s   0.48
 21 Komodo 9.2 (1CPU)                          : 3352    4   5981    58.6 %   3292    44/111    2.2s    3.9s   0.44
 22 Andscacs 0.89 (4CPU)                       : 3349    5   5872    57.9 %   3293    43/111    2.1s    3.8s   0.41
 23 Fritz 15 (4CPU)                            : 3349    4   5935    57.7 %   3294    41/111    2.0s    3.9s   0.39
 24 Komodo 9 (1CPU)                            : 3348    4   5827    57.9 %   3292    40/111    1.9s    3.8s   0.43
 25 Fizbo 1.9 (1CPU)                           : 3346    5   6014    57.3 %   3295    42/111    2.2s    3.9s   0.38
 26 Critter 1.6a (4CPU)                        : 3344    5   5874    57.1 %   3294    41/111    2.2s    3.9s   0.41
 27 Gull 3 (4CPU)                              : 3341    5   5762    56.6 %   3295    40/111    2.1s    3.9s   0.39
 28 Protector 1.9.0 (4CPU)                     : 3340    5   5734    56.6 %   3294    39/111    2.1s    3.9s   0.40
 29 Stockfish 5 (1CPU)                         : 3335    5   5470    55.9 %   3294    41/111    2.4s    4.0s   0.41
 30 Andscacs 0.87 (4CPU)                       : 3333    5   5598    55.4 %   3295    36/111    2.0s    3.9s   0.37
 31 Houdini 4 (1CPU)                           : 3328    5   5181    54.6 %   3296    34/111    1.8s    4.0s   0.45
 32 Fire 5 (1CPU)                              : 3327    5   5277    54.5 %   3296    33/111    1.7s    4.0s   0.37
 33 DeepShredder 13 (1CPU)                     : 3326    5   5315    54.4 %   3296    36/111    2.2s    4.1s   0.28
 34 Booot 6.1 (1CPU)                           : 3325    5   4521    54.1 %   3297    28/111    1.6s    2.7s   0.42
 35 Komodo 8 (1CPU)                            : 3323    5   5271    53.9 %   3296    33/111    2.0s    4.0s   0.37
 36 Andscacs 0.89 (1CPU)                       : 3318    5   5386    53.1 %   3296    34/111    2.3s    4.1s   0.28
 37 Critter 1.6a (1CPU)                        : 3318    5   5234    52.9 %   3298    33/111    2.1s    4.1s   0.35
 38 Andscacs 0.86 (4CPU)                       : 3317    5   5057    52.8 %   3298    32/111    2.1s    4.0s   0.36
 39 Nirvanachess 2.3 (4CPU)                    : 3316    5   5031    52.8 %   3297    33/111    2.1s    4.1s   0.33
 40 Equinox 3.30 (4CPU)                        : 3314    5   5062    52.1 %   3300    32/111    2.0s    4.0s   0.38
 41 Equinox 3.30 (1CPU)                        : 3312    5   5062    51.7 %   3300    31/111    2.1s    4.1s   0.35
 42 Naum 4.6 (4CPU)                            : 3308    5   4886    51.1 %   3300    33/111    2.6s    4.2s   0.34
 43 Andscacs 0.87 (1CPU)                       : 3307    5   4894    51.1 %   3300    31/111    2.2s    4.1s   0.30
 44 Fizbo 1.8 (1CPU)                           : 3305    5   5094    50.9 %   3299    28/111    1.8s    4.2s   0.29
 45 Fritz 15 (1CPU)                            : 3303    5   4899    50.4 %   3300    30/111    2.2s    4.2s   0.30
 46 Spark 1.0 (4CPU)                           : 3302    5   5287    50.2 %   3300    30/111    2.4s    4.3s   0.23
 47 DeepRybka 4.1 (1CPU)                       : 3299    5   4834    49.5 %   3302    27/111    2.0s    4.2s   0.30
 48 Andscacs 0.86 (1CPU)                       : 3298    5   4793    49.9 %   3299    29/111    2.2s    4.1s   0.33
 49 Texel 1.06 (4CPU)                          : 3296    5   4927    49.4 %   3300    28/111    2.1s    4.3s   0.25
 50 Hannibal 1.7 (1CPU)                        : 3295    5   4641    49.2 %   3300    24/111    1.2s    4.2s   0.37
 51 Nirvanachess 2.3 (1CPU)                    : 3295    5   4815    49.2 %   3300    28/111    2.2s    4.3s   0.26
 52 Arasan 19.2 (4CPU)                         : 3294    5   4961    48.8 %   3302    29/111    2.5s    4.3s   0.26
 53 Gull 3 (1CPU)                              : 3293    5   4742    48.9 %   3300    26/111    1.8s    4.2s   0.30
 54 Protector 1.8 (1CPU)                       : 3289    5   4564    48.3 %   3301    25/111    1.9s    4.0s   0.30
 55 Protector 1.9 (1CPU)                       : 3289    5   4668    48.4 %   3300    25/111    1.8s    4.3s   0.27
 56 Protector 1.6 (1CPU)                       : 3287    5   4611    47.8 %   3302    26/111    2.3s    4.2s   0.24
 57 BlackMamba 2.0 (4CPU)                      : 3285    5   4507    47.7 %   3301    25/111    1.9s    4.2s   0.31
 58 iCE 3.0 (1CPU)                             : 3283    5   4559    47.3 %   3302    24/111    1.9s    4.3s   0.28
 59 Fizbo 1.7 (1CPU)                           : 3283    5   4729    47.3 %   3302    23/111    1.7s    4.3s   0.27
 60 DeepGandalf 7.0 (2CPU)                     : 3282    6   4473    46.6 %   3305    22/111    1.6s    4.2s   0.32
 61 Chiron 4 (4CPU)                            : 3278    5   4631    46.5 %   3303    24/111    2.3s    4.3s   0.23
 62 RybkaWinFinder 2.2 (4CPU)                  : 3275    6   4525    45.7 %   3305    22/111    1.9s    4.3s   0.27
 63 DeepJunior 13.3 (1CPU)                     : 3274    6   4482    45.6 %   3305    21/111    1.6s    4.3s   0.28
 64 Chiron 3.01 (4CPU)                         : 3274    5   4528    45.6 %   3305    25/111    2.6s    4.4s   0.22
 65 Nirvanachess 2.2 (1CPU)                    : 3274    5   4506    45.9 %   3302    23/111    2.0s    4.4s   0.21
 66 Crafty 25.2 (4CPU)                         : 3273    6   4223    45.7 %   3303    19/111    2.2s    3.1s   0.18
 67 Texel 1.06 (1CPU)                          : 3272    5   4566    45.5 %   3304    25/111    2.8s    4.5s   0.21
 68 DeepFritz 10 (4CPU)                        : 3271    5   4617    45.2 %   3304    23/111    2.4s    4.4s   0.21
 69 Chiron 2 (1CPU)                            : 3270    6   4550    45.0 %   3305    22/111    2.1s    4.3s   0.18
 70 Wasp 2.00 (4CPU)                           : 3269    5   4507    45.0 %   3304    24/111    2.6s    4.5s   0.24
 71 Rybka 3 (1CPU)                             : 3269    5   4350    45.0 %   3304    21/111    2.0s    4.3s   0.30
 72 Naum 4.6 (1CPU)                            : 3269    6   4312    44.9 %   3304    20/111    1.6s    4.3s   0.29
 73 Chiron 1.5 (1CPU)                          : 3267    6   4486    44.7 %   3304    22/111    2.3s    4.4s   0.20
 74 Hakkapeliitta 3.0 (1CPU)                   : 3261    6   4453    43.8 %   3305    23/111    2.7s    4.4s   0.17
 75 Texel 1.05 (1CPU)                          : 3260    6   4272    43.3 %   3307    22/111    2.4s    4.5s   0.22
 76 Arasan 19.1 (4CPU)                         : 3260    5   4312    43.4 %   3306    21/111    2.4s    4.5s   0.23
 77 LittleGoliath Revival (1CPU)               : 3257    6   4219    42.7 %   3308    17/111    1.5s    4.1s   0.23
 78 Chiron 4 (1CPU)                            : 3255    6   4404    42.8 %   3306    22/111    2.8s    4.5s   0.15
 79 Arasan 19.2 (1CPU)                         : 3253    6   4254    42.5 %   3306    22/111    2.8s    4.5s   0.21
 80 Vajolet 22.2 (1CPU)                        : 3253    6   4236    42.6 %   3305    22/111    2.8s    4.5s   0.16
 81 Nimzo 8 (1CPU)                             : 3253    6   4252    42.1 %   3309    16/111    1.2s    4.3s   0.23
 82 Arasan 19.1 (1CPU)                         : 3253    6   4315    42.4 %   3306    18/111    1.8s    4.4s   0.16
 83 ZappaMexico II (1CPU)                      : 3249    6   3903    41.5 %   3309    15/111    1.1s    3.9s   0.28
 84 TheKing 3.33 (1CPU)                        : 3247    6   4170    41.3 %   3309    16/111    1.6s    4.3s   0.21
 85 Spark 1.0 (1CPU)                           : 3245    6   4276    41.4 %   3306    20/111    2.8s    4.6s   0.16
 86 DeepFritz 10 (1CPU)                        : 3245    6   4106    40.9 %   3309    16/111    1.7s    4.4s   0.22
 87 Naum 4 (1CPU)                              : 3245    6   3950    40.9 %   3308    15/111    1.2s    4.1s   0.24
 88 TheKing 3.50 (4CPU)                        : 3243    6   4103    40.7 %   3308    18/111    2.3s    4.5s   0.18
 89 Senpai 1.0 (1CPU)                          : 3241    6   4112    40.7 %   3307    17/111    2.0s    4.5s   0.19
 90 Dragon 4.6 (1CPU)                          : 3241    6   3786    40.1 %   3311    14/111    1.6s    3.7s   0.19
 91 Fruit 2.3 (1CPU)                           : 3238    6   3909    39.7 %   3311    15/111    1.4s    4.5s   0.26
 92 Ruffian 1.0.1 (1CPU)                       : 3237    6   4116    39.8 %   3309    15/111    1.8s    4.5s   0.19
 93 Spike 1.4 (1CPU)                           : 3228    6   4001    38.5 %   3309    15/111    2.3s    4.4s   0.17
 94 RodentII 0.9.64 (1CPU)                     : 3227    6   3947    38.4 %   3310    17/111    2.8s    4.6s   0.15
 95 Quazar 0.4 (1CPU)                          : 3226    6   3945    38.4 %   3309    15/111    2.2s    4.5s   0.13
 96 Ufim 8.02 (1CPU)                           : 3226    6   3999    38.0 %   3311    14/111    1.9s    4.6s   0.18
 97 Fruit 2.2.1 (1CPU)                         : 3224    6   3899    37.8 %   3311    13/111    1.5s    4.5s   0.22
 98 Amoeba 1.2 (1CPU)                          : 3219    6   3810    37.0 %   3312    14/111    2.2s    4.5s   0.19
 99 Junior 13.8Yokohama (1CPU)                 : 3219    6   3899    37.2 %   3310    12/111    1.1s    4.6s   0.19
100 Gandalf 6.0 (1CPU)                         : 3217    6   3785    36.8 %   3311    13/111    1.9s    4.4s   0.16
101 Anaconda 2.0.1 (1CPU)                      : 3217    6   3875    36.8 %   3311    16/111    2.8s    4.7s   0.16
102 Komodo 1.3 (1CPU)                          : 3216    6   3799    36.8 %   3310    14/111    2.1s    4.6s   0.14
103 Tao 5.7b (1CPU)                            : 3214    6   3778    36.5 %   3310    13/111    2.1s    4.3s   0.19
104 Tao 5.6 (1CPU)                             : 3211    6   3701    36.0 %   3311    12/111    1.7s    4.2s   0.18
105 Deuterium 14.3.34.130 (1CPU)               : 3211    6   3742    36.0 %   3311    12/111    1.6s    4.5s   0.16
106 Wasp 2.00 (1CPU)                           : 3206    6   3767    35.3 %   3312    14/111    2.6s    4.7s   0.15
107 ProDeo 2.3 (1CPU)                          : 3201    6   3771    34.6 %   3312    10/111    1.3s    4.6s   0.12
108 Tao 5.4 (1CPU)                             : 3199    6   3629    34.2 %   3313    10/111    1.7s    4.1s   0.14
109 LoopMP 12.32 (2CPU)                        : 3198    6   3703    33.9 %   3314    10/111    1.6s    4.7s   0.17
110 Wasp 1.25 (1CPU)                           : 3197    6   3623    33.9 %   3313    13/111    2.6s    4.7s   0.13
111 Gaviota 1.0 (1CPU)                         : 3192    6   3641    33.4 %   3312    11/111    2.0s    4.7s   0.15
112 Laser 1.2 (1CPU)                           : 3191    6   3687    33.1 %   3313    10/111    1.9s    4.7s   0.13
113 ChessMind 0.82 (1CPU)                      : 3190    6   3613    33.0 %   3314     9/111    1.3s    4.5s   0.15
114 ProDeo 2.2 (1CPU)                          : 3188    6   3587    32.7 %   3313    11/111    2.8s    4.3s   0.10
115 SmarThink 1.70 (1CPU)                      : 3180    6   3495    31.4 %   3315     8/111    1.1s    4.6s   0.16
116 Ktulu 9 (1CPU)                             : 3180    6   3548    31.5 %   3314     8/111    1.4s    4.6s   0.14
117 Minko 1.3 (1CPU)                           : 3179    6   3503    31.4 %   3315     9/111    1.5s    4.7s   0.15
118 Murka 3 (1CPU)                             : 3175    6   3624    31.1 %   3313     8/111    1.9s    4.7s   0.08
119 Octochess r5190                            : 3144    5   3387    27.1 %   3316     6/111    2.6s    4.8s   0.08



MST1  : Mean solution time  (solved positions only)
MST2  : Mean solution time  (solved and unsolved positions)
RIndex: Score according to solution time ranking for each position

AMD 8350-FX - 5sec/move - 512Mb Hash - Fritz 15 - Windows 10 / 64bit

Der Output jeder Engine bei jeder Aufgabenstellung – auf die hundertstel Sekunde genau – lässt sich hier downloaden (Mai 2017 – PGN-Datei).

Weiterführende Links

  • Für jene Leser, die sich näher mit der Thematik Computerschach-Stellungstests befassen möchten, nachfolgend ein paar weiterführende Links:
  • Dr. Frank Schubert: Lösung eines alten Problems – Autor Schubert untersucht zuerst die seinerzeit gängigen Auswerteverfahren verschiedener bekannter Stellungstests und stellt dann einen mathematisch neuen, dem FIDE-Elo-Verfahren ähnlichen Ansatz zur Differenzierung von Test-Ergebnissen vor. In einem historischen Exkurs wird auch Bezug genommen auf noch vor einigen Jahren gebräuchliche Tests von Autoren wie Bednorz, Schumacher, Gurevich oder Scheidl. Zum Schluss stellt Schubert seine eigene Methode vor, «welche die Schwächen der bisherigen Formeln beseitigt und erstmalig auf einer soliden schachlichen Theorie basiert.»
  • Lars Bremer: Was Stellungstests testen – IT-Journalist und Programmierer Bremer repliziert darin auf den seinerzeit heftig umstrittenen CSS-WM-Test von M. Gurevich, wobei er ebenso unverhohlen wie amüsant in die Trick-Kiste greift, um seine Test-kritische These zu untermauern: Er löscht mit einem eigens dafür geschriebenen Tool in dem als Gesamtheit konzipierten Test jeweils so lange einzelne Aufgaben, bis immer wieder Top-Resultate der zufällig gewählten (ggf. schwachen) Engine resultieren, womit Bremer den zufälligen Charakter von Test-Ergebnissen beweisen möchte. Aber da selbstverständlich ein umfangreicher und durchdachter Stellungstest immer kompakt gemeint ist, seine Aufgaben aufeinander abgestimmt sind und darum nicht einfach willkürlich zusammengestrichen werden können, ist der ganze Artikel eher satirisch denn wissenschaftlich einzustufen und darum ein einziger «Quatsch» (Zitat) – aber dennoch witzig zu lesen.
  • Lars Bremer: Chaos-System Deep Engine – Ein sehr viel «seriöserer» und informativer Artikel des obigen Autors zur Problematik des «Zufälligen Zuges» bei Deep-Engines. Mit seinem «Fazit» bezüglich der Aussagekraft von Stellungstests bei MP-Rechnern ist der Schreibende zwar nicht einverstanden: Ausgedehnte Untersuchungen könnten sehr wohl dokumentieren, dass ein durchdachtes Design eines Stellungstestes diesen «MP-Effekt» zwar nicht restlos ausschalten, aber entscheidend abfedern kann, so dass er bezüglich Ranking schliesslich auch statistisch irrelevant wird. Doch Bremer erklärt das Phänomen aus der Sicht des Programmierers äusserst anschaulich und auch für Laien nachvollziehbar. Es wird erklärt, warum sich moderne «Deep»-Programme zuweilen völlig nicht-deterministisch, ja «chaotisch» verhalten beim Ausspielen von Zügen.
  • Tord Romstad (Stockfish): Eine kurz zusammengefasste Erklärung dieses «MP-Effektes» findet sich auch in einem Interview, das Frank Quisinsky vor Jahren mit Tord Romstad, dem verantwortlichen Stockfish-Programmierer, sowie dessen Co-Autoren geführt hat. Zitat: «Wenn ein Schachprogramm eine Position, irgendwo tief innerhalb des Suchbaums, untersucht, macht es Gebrauch bzw. erinnert sich an frühere bereits untersuchte Positionen der gleichen Suche. Die Zugbeschneidung, Verkürzung oder Verlängerung hängen davon ab, welche Positionen vorher überprüft wurden und wie die Ergebnisse der Untersuchung dieser Positionen waren. Der Großteil der Informationen, der für eine Entscheidung verwendet wird, liegt im Arbeitsspeicher. Der Arbeitsspeicher steht allen Prozessoren zur Verfügung.
    Solange es nur einen Thread gibt, ist alles zu 100% reproduzierbar. Aber bei mehreren Threads beginnen seltsame Dinge zu geschehen, weil diese Threads nie synchron mit gleicher Geschwindigkeit aktiv sein können. Immer wieder wird eine CPU für ein paar Millisekunden eine Pause einlegen müssen und das Betriebssystem weist dann sofort eine andere Aufgabe zu. Das geschieht zufällig und ist nicht vorhersehbar, eine Kontrolle gibt es hierfür nicht. Als Konsequenz erreicht jeder Prozessor eine bestimmte Position eher zufällig und das wirkt sich dann auf die Suche nach Entscheidungen zur aktuellen Position aus.»
  • Chess Programming Wiki: Test-Positions – Diese informative Seite verlinkt eine Vielzahl interessanter Artikel zur Thematik «Stellungstest» bzw. zu deren Autoren und stellt eine Fundgrube dar für jene, die sich mit der Materie näher befassen möchten. Gleichzeitig bietet die Webseite einen umfassenden Überblick auf die Historie und listet sogar interessante Forum-Beiträge aus früheren Jahren auf.

Computerschach-Beiträge im Glarean Magazin

Das neue Musik-Kreuzworträtsel im Januar 2017

Der Buchstaben-Musik-Rätselspaß !

musik-raetsel-januar-2017

Copyright© 2017/01 by Walter Eigenmann

Rätsel ausdrucken (pdf)

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14. Version der Schach-Datenbank «Chessbase»

«Chessbase» goes Analysis

Walter Eigenmann

chessbase-14-glarean-magazinDas Datenbank-Flaggschiff der deutschen Schach-Firma Chessbase erfuhr kürzlich eine neue, seine 14. Fassung. Die renommierteste (und kostspieligste) Software der traditionsreichen Hamburger Schachprogramm-Schmiede, nämlich eben «Chessbase», legt diesmal – neben diversen Neuerungen – den Schwerpunkt auf die schachanalytischen Seiten des Partien-Sammelns und -Verwertens.
Um ein erstes Fazit meiner Besichtigung von «Chessbase 14» gleich vorwegzunehmen: Das Programm keineswegs kaufen müssen all jene Adepten des Königlichen Spiels, die einfach ein paar hunderttausend Partien verwalten, ihre Sammlung nach Dubletten absuchen, Spielernamen vereinheitlichen, Eröffnungsbücher zusammenstellen, nach Kombinationen oder Patzereien fahnden oder ihre eigenen On-the-board-Verbrechen auf Verbesserungen hin durchleuchten wollen. Das sind heutzutage Basics des Daten-Handlings, und hierzu genügen auch durchaus qualitätsvolle Freeware‘s wie z.B. «SCID» oder «Arena» sowie ein paar starke Gratis-Engines wie «Stockfish» oder «Gull» – dafür wäre ein 380 Euro teures Premium-Paket wie «Chessbase» der reine schachliche (und finanzielle) Overkill.
Wer hingegen in die höheren, in professionelle Sphären des modernen Umganges mit Schach-Datenbanken und deren globale Online- bzw. Cloud-Einbindung eingeweiht sein bzw. bleiben möchte, für den ist CB-14 tatsächlich eine Option.

Diverse Neuerungen in Chessbase 14

Ob dabei nun all den Verbesserungen und Novitäten, die der Hersteller selber für seine neue Software reklamiert, auch tatsächlich jener Stellenwert zukommt, die einen Kauf nahelegen, lasse ich dahingestellt. Denn Chessbase führt in seiner Werbung für CB-14 einiges an, das man so oder ähnlich auch bei vergleichbaren Konkurrenz-Produkten findet. Manches aber ist im frischgebackenen «Chessbase» so neu- bzw. so einzigartig, dass das Paket enorm attraktiv wird. Wie immer bei neuen Features in bekannten Programmen entscheidet ja aber auch das subjektiv begründete Anwender-Profil über «Sinn und Unsinn» eben dieser neuen Optionen.
Im einzelnen sieht die entspr. Novitäten-Liste bei «Chessbase 14» durchaus beeindruckend aus:

manoever-suche-chessbase-14-glarean-magazin
Wichtiger Bestandteil des Partien-Filters in «Chessbase»: Die differenzierte «Manöver-Suche» gestattet auch das Herausfiltern komplexer Mehrfach-Zugfolgen.

■ Eingabemodus zur Erfassung von Partien: Chessbase kann nun auf einen «speziellen Eingabemodus» beim Partien-Erfassen gesetzt werden, wobei der Variantendialog immer auftaucht und ein neuer «modusfreier Dialog» zur Eingabe der Bedenkzeit verfügbar ist. Beim Feature «Neue Partie» behält das Programm gemäß Hersteller «mehr Turnierinformationen».
■ Die schnelle Orientierung in umfangreich kommentierten Partien wird in CB-14 durch stärkere farbige Markierung der Haupt-, Unter- und Nebenvarianten verbessert, wobei Varianten auf gleicher Ebene auch die gleiche Farbe haben; Alternativen sind so besser aufzuspüren.
■ Kommentar-Diagramme können bei CB-14 jetzt direkt in die Notation eingebettet werden. Auch die bekannten «Trainingsfragen», nicht zuletzt im Schulschach häufig angewandtes Feature von «Chessbase», werden durch die direkte Einbindung von Diagrammen aufgewertet: Eine Trainingsfrage besteht aus einem Diagramm und Lösungslinks, die man anklicken kann, sowie Hilfen, die in die Notation eingebettet sind.
■ Das Speichern & Ersetzen von Partien wird ab «Chessbase 14» nun neu geregelt. Denn bisher haben alle CB-Versionen beim «Speichern» die neue Partie-Version ans Ende der jeweiligen Partienliste in den Datenbanken angehängt, und «Ersetzen» hat die Partie ohne Duplizierung einfach ersetzt. Für langjährige «Chessbase»-User ist also die folgende radikale Änderung wichtig:  Eine Partie «Speichern» heißt nun, dass man die bestehende Version der Partie ersetzt, während man mit «Als neue Partie speichern» die Partie an eine beliebige Datenbank anhängen kann, wobei ein Shortcut es erlaubt, Datenbanken auszuwählen, die man vor kurzem genutzt hat.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Chessbase sein natives Datenbank-Format «CBH» optimiert hat, um «sehr schnelles Speichern (=Ersetzen) von Partien in großen Datenbanken» zu ermöglichen.
■ Seit «Chessbase 13» ist die (teils differenzierte) Web-Anbindung von Datenbanken ja herausragende Option – und «Chessbase 14» rüstet in dieser Sparte nochmals nach: Es gibt jetzt die neue Cloud-Funktion «Cloud Clip». Originalton Chessbase: «Hier werden Partien von ChessBase.com, Fritz.Chessbase.com und Tactics.Chessbase.com automatisch gespeichert, wenn man mit seinem ChessBase Account angemeldet ist. Das ist besonders in Verbindung mit der Chessbase-Nachrichtenseite nützlich: Wenn Sie auf eine Partie klicken, während Sie einen Artikel auf Chessbase.com oder Chessbase.de lesen, dann steht die Partie schon in ChessBase 14 zur Verfügung. Download ist nicht mehr notwendig.»
■ Längst fällig war meiner Ansicht nach der generalisierte Log-in zu allen CB-Account-Funktionen
■ Die jüngste Chessbase-Software (z.b. «Fritz» und «Chessbase») setzt auf Microsoft‘s «DirectXI» auf, was «Ansicht und Geschwindigkeit von 3D-Brettern bedeutend verbessert», wie Chessbase meint.
■ Neu ist in «Chessbase 14» die Möglichkeit, die persönlichen Suchmasken des Anwenders zu speichern – eine Option, die der Schreibende schon lange in «Chessbase» vermisste.
■ Neu ist ebenfalls, dass auch die Online-Datenbank beim Nachspielen einer Partie automatisch aktualisiert wird.
■ «Chessbase» exportiert jetzt Diagramm-Listen auch als Word-Datei, womit zeitsparend umfangreiches Trainings-Material generiert werden kann.

«Chessbase» goes Analysis

Dies alles sind neue Optionen, die den Alltag von Schach-Power-Usern durchaus verbessern können – und auch Optionen, die man in vergleichbarer kommerzieller Software (z.B.  «Chess Assistant» bzw. «Aquarium») teilweise vergeblich sucht. In Verbindung mit den bereits bekannten Online-«Chessbase»-Möglichkeiten – siehe hierzu auch die entspr. Rezension der Version 13 von Mario Ziegler im Glarean Magazin – haben die beiden Hauptprogrammierer Matthias Wüllenweber und Matthias Feist sich etliche Mühe gegeben, das Einsatzgebiet (und damit auch den Mehrwert) ihrer neuen Software merklich zu erweitern.
Die eigentlichen beiden Novitäten-Highlights von «Chessbase 14» liegen aber auf einem Gebiet, das man eigentlich zuerst gar nicht mit einem Datenbank-Programm assoziiert bzw. das man bis jetzt eher bei expliziten Engine-Interfaces wie «Fritz» oder «Shredder» oder «Arena» u.a. beheimatet wähnte, nämlich der Partien-Analyse. Nun hatten zwar schon die «Chessbase»-Vorgänger rudimentäre analytische Automationen, beispielsweise die sog. «Tiefe Analyse» und die «Cloud-Analyse» (inkl. das seit CB-13 bekannte «Let‘s Check»), doch jetzt geht die Version 14 dem Anwender mit zwei bemerkenswerten weiteren Optionen zur Hand: Der sog. «Taktischen Analyse» sowie der sog. «Assisted Analyses».

Die Taktische Analyse

matthias-wuellenweber-glarean-magazin
Physiker, Programmierer, Chessbase-Gründer, Schach-Fan: Der junge Matthias Wüllenweber am Atari

Lassen wir vorausgehend Chessbase selber zu Worte kommen darüber, was unter dem neuen Feature «Taktische Analyse» zu verstehen sei:
«Taktische Analyse ist die umfassendste automatische Partienanalyse, die es gibt. Sie arbeitet mit den folgenden schachlichen Mitteln:

■ Eröffnungstheorie
■ Starke Züge, Kombinationen, Opfer und Doppelangriffe
■ Fehler, Patzer und kritische Momente, in denen sich die Bewertung ändert
■ Schwache Züge, die in der Partie nicht gespielt wurden (Warum kann ich da nicht nehmen?) und oft taktisch widerlegt werden können
■ Drohungen und Angriffsmotive
■ Verteidigungsideen
■ Initiative
■ Angriff
■ Manöver und Figurenstellung
■ Kompensation
■ Endspielklassifikation
■ Unlogische Partieergebnisse
■ Partien werden mit Varianten, Sprache, Schachsymbolen und Diagrammen kommentiert.»

Soweit die Chessbase-eigene Werbung – und wie sieht das in realiter aus? Ich habe mal die 8. Partie der aktuell laufenden Schach-Weltmeisterschaft 2016 zwischen Weltmeister M. Carlsen und Herausforderer S. Karjakin in New York genommen – siehe folgende PGN…

[Event „WCh 2016“]
[Site „New York USA“]
[Date „2016.11.21“]
[Round „8“]
[White „Carlsen, M.“]
[Black „Karjakin, Sergey“]
[Result „0-1“]
[ECO „E14“]
[WhiteElo „2853“]
[BlackElo „2772“]
[PlyCount „104“]

1. d4 Nf6 2. Nf3 d5 3. e3 e6 4. Bd3 c5 5. b3 Be7 6. O-O O-O 7. Bb2 b6 8. dxc5 Bxc5 9. Nbd2 Bb7 10. Qe2 Nbd7 11. c4 dxc4 12. Nxc4 Qe7 13. a3 a5 14. Nd4 Rfd8 15. Rfd1 Rac8 16. Rac1 Nf8 17. Qe1 Ng6 18. Bf1 Ng4 19. Nb5 Bc6 20. a4 Bd5 21. Bd4 Bxc4 22. Rxc4 Bxd4 23. Rdxd4 Rxc4 24. bxc4 Nf6 25. Qd2 Rb8 26. g3 Ne5 27. Bg2 h6 28. f4 Ned7 29. Na7 Qa3 30. Nc6 Rf8 31. h3 Nc5 32. Kh2 Nxa4 33. Rd8 g6 34. Qd4 Kg7 35. c5 Rxd8 36. Nxd8 Nxc5 37. Qd6 Qd3 38. Nxe6+ fxe6 39. Qe7+ Kg8 40. Qxf6 a4 41. e4 Qd7 42. Qxg6+ Qg7 43. Qe8+ Qf8 44. Qc6 Qd8 45. f5 a3 46. fxe6 Kg7 47. e7 Qxe7 48. Qxb6 Nd3 49. Qa5 Qc5 50. Qa6 Ne5 51. Qe6 h5 52. h4 a2 0-1

… und sie dieser «Taktischen Analyse» unterzogen mit folgenden Rahmenbedingungen: Intel i7-4790 CPU / 3.6 GHz / 5s pro Zug / Stockfish8 / 4 Cores / 2 GB Hash / Nalimov-EGT / LiveBook

Nach knapp 15 Minuten des Backward-Berechnens generierte das Programm folgenden Output (wobei das Layout des Prints noch der Überarbeitung bedürfte):

chessbase-14-taktische-analyse-5sec-stockfish8_seite_1

chessbase-14-taktische-analyse-5sec-stockfish8_seite_2

Wie man sieht, resultiert aus dieser vollautomatischen Untersuchung ein Notations-Bild, das der professionellen Kommentierung durch Großmeister in Schach-Büchern und -Zeitschriften verblüffend nahe kommt: Klare Variantengliederung, die schachlichen Hotspots mit Diagrammen strukturiert, die Verbalisierungen prägnant-treffend (und farblich hervorgehoben), Einbeziehung von Eventualzügen bzw. Alternativen, Abwechslung der Semantik usw.

Stellt man diesem Output jenen gegenüber, den das zweite bekannte Chesbase-Flaggschiff «Fritz»  unter identischen Bedingungen (bis auf die «Referenz-Datenbank») mittels der sog. «Vollanalyse» nach ca. 19 Min. zeitigt, ergibt sich ein deutlich kargeres, hinsichtlich der langweiligen verbalen Wiederholungen sogar merklich schlechteres Bild:

fritz-15-vollanalyse-5sec-stockfish8

Zur Entschuldigung von «Fritz» – hier in seiner aktuellen 15. Version – muss natürlich erwähnt werden, dass «Fritz» im Gegensatz zu «Chessbase» seit jeher als Engine-Interface und nicht als Datenbank konzipiert wurde; die beiden Programme haben unterschiedliche Philosophien und je unterschiedliche Stärken.

Fazit bezüglich der «Taktischen Analyse» bei «Chessbase 14»: Wenn die Entwickler dieses neue Feature weiter professionalisieren und u.a. insbesondere seine Semantik noch vielfältiger, differenzierter, origineller, also irgendwie «menschlicher» gestalten, dann ist der Tag nicht mehr fern, da ganze Partien-Bücher praktisch vollautomatisch, ohne schachliche Mithilfe des Menschen – der ja ohnehin taktisch höchst fehleranfällig kommentiert – generiert werden können. Nimmt man noch die im Computerschach-Zeitalter immer häufigere Auffassung hinzu, dass es eigentlich keine (vom Menschen zu entdeckende) «Schach-Strategie» mehr gibt, sondern nur noch «nicht ganz durchgerechnete Taktik», dann steht der Überschwemmung des Schachbücher-Marktes mit rein maschinell erzeugten Partien-Sammlungen bald nichts mehr im Wege. Ein erschreckendes Szenario, mit hunderten von arbeitslosen Großmeistern & Schach-Autoren und -Verlagen, eine Verarmung der gesamten Schachszene? Oder doch eine Erweiterung, eine Vertiefung, ja Professionalisierung des Umganges mit Schachpartien? Die Zukunft wird es zeigen…

Der «Analyse-Assistent»

Während die «Taktische Analyse» vollautomatisch abläuft und vom Menschen nur wenige Klicks des Voreinstellens benötigt, kommt das zweite Analyse-Instrument des neuen «Chessbase 14» als komplett interaktives Features daher: die sog. «Assisted Analysis». Hier steht die kommentierende Visualisierung der schachlichen Verflechtungen im Vordergrund: Kandidatenzüge werden farblich differenziert, durch pures Anklicken je hierarchisch dargestellt, erwartete Gegenzüge werden mit Pfeilen kenntlich gemacht, die Best-Moves pro Stellung sind mit einfachen Figuren-Mausklicks live visualisierbar, u.a.

assisted-analysis-chessbase-14-glarean-magazin
Das Hauptfenster der sog. Assisted Analysis mit ihrer hierarchischen Colorierung von (hier Springer-) Kandidatenzügen.

Das Potential dieses interaktiv «assistierten» Werkzeuges dürfte insbesondere die Fernschach-Spieler unter den «Chessbase»-Nutzern interessieren, hier sehe ich eines der hauptsächlichen Anwendungsfelder. Möglicherweise ist diese Ausweitung des persönlichen Analysierens, das die Zugauswahl differenziert bei gleichzeitiger taktischer Balance, eine der Möglichkeiten, dem drohenden «Remis-Tod» des Spitzen-Fernschachs entgegenzutreten. Geht man davon aus, dass das moderne Großmeister-Fernschach ohne Software-Unterstützung heute undenkbar ist, eröffnen solche neuen Programmier-Ansätze durchaus auch neue Perspektiven.
Wen die Details dieser neuen «Assisted Analyses» näher interessieren, dem sei das Youtube-Video empfohlen, das Programmierer Matthias Wüllenweber selber ins Netz gestellt hat.

«Chessbase 14»: Kaufen oder nicht kaufen?

Das jüngste Programm aus dem Hause Chessbase ist nicht gratis: Der Download des Standard-Pakets schlägt mit 100 Euro zu Buche, für das «Startpaket» will Chessbase 190 Euro, und das vollumfängliche «Premium» reißt ein fettes Loch von sogar fast 400 Euro ins Portemonnaie. (Zu den Inhalten der einzelnen Pakete siehe hier )
Wie eingangs erwähnt: Otto Normalverbraucher braucht dieses hochprofessionelle Programm, dessen Feature-Reichtum und -Vielfalt seinesgleichen sucht, keineswegs: Allein die Einarbeitungszeit in eine so komplexe Software steht in keinem Verhältnis zum realen Nutzen, den ein durchschnittlicher Vereinspieler mit seinen 1600 Elo-Punkten je daraus ziehen könnte. (Wobei «Chessbase» im Vergleich etwa zu seinem traditionellen Markt-Kontrahenten «Chess Assistant» meines Erachtens immer noch sehr viel User-freundlicher daherkommt). Dem «gewöhnlichen» Schachspieler reicht irgend eine der «Fritz»-Versionen 11 bis 15 oder eines der zahlreichen Freeware-GUI‘s mit ihrer relativ simplen PGN-  bzw. Gratis-Engine-Anbindung völlig.

Fazit-Rezensionen_Glarean Magazin
Neben seinen bisherigen Möglichkeiten, die mittlerweile kaum mehr Wünsche offenlassen hinsichtlich eines professionellen Handlings von Schachpartien zeichnet sich mit dem jüngsten «Chessbase 14» ein willkommener Trend ab weg vom rein technischen Verwalten von Schach-Partien hin zu den schachanalytischen Aspekten des Umgangs mit nicht nur dem mittlerweile unüberschaubaren Fundus an Gratis-Partienmaterial, sondern auch mit allen Bereichen der privaten Beschäftigung mit Schach. Mit «Chessbase 14» schickt sich Schach-Software endgültig an, zum ebenbürtigen Partner des Menschen zu werden. Auf die weitere Entwicklung dieses Zweiges der Schach-Programmierung darf man gespannt sein…

Das weltweit große Heer der ambitionierten Turnier-Spieler hingegen wird sich auch «Chessbase 14» unter den Weihnachtsbaum 2016 legen wollen. Denn neben seinen bisherigen Möglichkeiten, die mittlerweile kaum mehr Wünsche offenlassen hinsichtlich eines professionellen Handlings mit Schachpartien – eine Übersicht auf das enorme Funktionen-Angebot findet sich hier – zeichnet sich mit «Chessbase 14» ein willkommener Trend ab weg vom rein technischen Verwalten von Schach-Partien hin zu den schachanalytischen Aspekten des Umgangs mit nicht nur dem mittlerweile unüberschaubaren Fundus an Gratis-Partienmaterial, sondern auch mit allen Bereichen der privaten Beschäftigung mit Schach. Mit «Chessbase 14» schickt sich Schach-Software endgültig an, zum ebenbürtigen Partner des Menschen zu werden. Auf die weitere Entwicklung dieses Zweiges der Schachprogrammierung darf man gespannt sein…

Matthias Wüllenweber, Matthias Feist: Chessbase 14 – Schach-Datenbank, DVD & Online-Download

Das neue Musik-Kreuzworträtsel im November 2016

Der Schwedenrätsel-Musik-Spaß !

kreuz-musik-nov-2016-aufgaben

Copyright© 2016/11 by Walter Eigenmann

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Das neue Musik-Kreuzworträtsel im September 2016

Der Buchstaben-Musik-Rätselspaß !

kreuz-musik-sept-2016-aufgaben

Copyright© 2016/09 by Walter Eigenmann

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Computer-Schach: Die neue Engine-Test-Suite «Nightmare II»

30 Albträume für Schachprogramme

von Walter Eigenmann

Fidelity Chess Challenger 1 - Glarean Magazin
Vorbei die schönen Anfangsjahre des Computerschachs in den 1970er und -80er Jahren, als jeder Amateur die Blechkisten – hier ein früher «Chess Challenger» von Fidelity Electronics – mit einfachen Bauernopfern bezwingen konnte…

Anfangs 2005 veröffentlichte der Autor auf seiner damaligen Website und in div. Internet-Foren eine Datensammlung namens «Nightmare», die 30 Teststellungen für Schach-Computer-Programme beinhaltete. Diese vornehmlich taktisch geprägten Aufgaben aus den Bereichen Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel avancierten aufgrund ihres hohen Schwierigkeitgrades schnell zu einer damals recht häufig genutzten Sammlung, wenn es darum ging, neue Schachprogramme im Hinblick auf ihre Schlagkraft beim Aufspüren anspruchsvoller Kombinationen zu prüfen.
Heute, mehr als zehn Jahre später, zeigt sich die Spielstärke der modernen Schach-Engines so deutlich verbessert, dass eine Nachfolge-Suite «Nightmare II» angezeigt war, welche den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben nach oben korrigierte: Alle Teststellungen wurden nun durch noch komplexere ersetzt, insgesamt beinhaltet die neue «Nightmare»-Suite erneut 30 Puzzles des höchsten Schwierigkeitsgrades.

Kommodo 10 - Glarean Magazin
… während heutzutage ein kleines 2-MB-Programm wie der amtierende Weltmeister «Komodo» mit fast der gesamten menschlichen Grossmeister-Gilde aufräumt

Als Quellen dienten dabei v.a. meine eigenen umfangreichen (teils früheren) Recherchen in verschiedenen Datenbanken, hie und da wurde auch eine besonders interessante Stellung in einschlägigen Computerschach-Foren entdeckt. Weiters durchforstete ich einige neuere Buchpublikationen – darunter namentlich Veröffentlichungen von John Nunn und John Watson – sowie internationale Schach-Magazine. Die schwierigsten, spricht tiefsten Kombinationen finden sich aber naturgemäß in modernen Studien-Sammlungen sowie in den Datenbanken der aktuellen Fernschach-Server.

Beispiel-Stellung Kasparov-Andersson - Glarean Magazin
Das menschliche Vorstellungsvermögen zu reproduzieren ist für Maschinen oft unmöglich, und wenn dann noch Glanzzüge eines Schachgenies wie Garry Kasparov gefunden werden sollen, ist meist Endstation für Programme – wie z.B. in der obigen Stellung (aus Kasparov-Andersson, Reykjavik 1988), wo ein absoluter Winner versteckt ist. Weiß zieht und gewinnt – findet Ihr Lieblingsprogramm die Lösung innerhalb einer Minute?

Meine persönliche Einschätzung der neuen «Nightmare»-Aufgaben als besonders anspruchsvolle beruht im wesentlichen auf Stichproben mit wenigen führenden Engines im Computerschach-Bereich. Die Analysen erarbeitete ich vorwiegend mit dem Freeware-Programm «AsmFish» (einem schnellen Assembler-Derivat von «Stockfish»), dessen Stellungsbewertung meines Erachtens zu den momentan zuverläßigsten der aktuellen Engine-Szene gehört, sowie mit dem (bereits etwas älteren) Interface «Deep Shredder», das ein besonders nützliches Feature aufweist, nämlich die sog. «Computerassistierte Partieanalyse»: Für jeden bereits untersuchten Varianten-Zug lässt sich dessen «Stellungswert» abspeichern, womit die interaktive Analyse bzw. die Eliminierung unproduktiver Variantenzweige merklich beschleunigt wird.

Schach-Erkenntnisse aufgrund von Stellungstests

Es gibt heutzutage nicht mehr allzu viele Stellungstypen, die von modernen Schachprogrammen grundsätzlich nicht innerhalb von ca. 30 Sekunden gelöst werden könnten – auch ohne dass man mittels «Special-Tuning» ihrer Voreinstellungen ( = Rumschrauben an ihren Parametern) extra «schummeln» müsste.
Gleichwohl ist es gerade anhand von solchen Stellungstests interessant herauszufinden, welches Programm bei welchen Positionen auf Anhieb reüssiert oder nicht – Erkenntnisse, die dann wiederum z.B. in der taktischen Nachbearbeitung von eigenen Turnierpartien oder als Unterstützung im Fernschach zugute kommen können.

Fernschach-Partie Smith-Gach - Glarean Magazin
Die modernen Engines mögen noch so tief rechnen – der sog. «Horizont-Effekt» holt sie doch immer wieder ein: Dass in der obigen Stellung (aus einer Fernschach-Partie Smith-Gach 1999) der Weiße einfach nur die Damen tauschen und dann das Bauern-Endspiel nach Hause schaukeln kann, sehen auch viele Spitzenprogamme (noch) nicht.

Meine subjektive Vorgabe an eine moderne Engine ist darum: Wenn ein Programm (mit den implentierten Default-Einstellungen ihres Programmierers) auf aktueller Durchschnitts-Hardware eine korrekte Teststellung nicht innerhalb einer Minute lösen kann, hat sie Verbesserungspotential…
Jenen Schachfreunden, die mit «Nightmare II» eigene Engine-Tests durchführen wollen, empfehle ich also eine Bedenkzeit von 30-60 Sekunden pro Stellung mit ca 1 GB Hash auf einem Rechner mit mind. 2 Cores (64-Bit) und mind. 2.1-GHz-Prozessor (optional zuzüglich Endspiel-Tablebases). –

English Summary
In 2005 I published a collection of test positions for chess engines, called «Nightmare». It was a set of 30 very difficult Puzzles. Today, more than ten years later, the modern engines are much stronger. So I created a new collection with 30 new hard positions. I found them in books, in chess forums, in studies databases a.o. (You can download all 30 positions as a EPD-File for your own experiments; with a fairly fast CPU, you should try 60 seconds per puzzle/engine ). Have fun with «Nightmare II» !

Ich habe die ganze Sammlung als EPD-File aufbereitet (siehe Download-Link unten); dieses kann man bei eigenen Experimenten den Test-Engines zum Lösen vorsetzen. Besonders geeignete Schach-Interfaces hierzu sind u.a. «Arena», «Fritz» und «Shredder». Wer zudem alle 30 Aufgaben bzw. Analysen interaktiv online nachspielen will, kann das via untenstehenden Link ebenfalls tun.

Genetische Defekte der Schachprogramme

Test-Empfehlung
♦ Bedenkzeit pro Stellung/Engine: 60 Sekunden ♦ Hash-Memory: mind. 1 GB ♦ Prozessor: mind. 2 CPU/Cores & mind. 2.1-GHz-Prozessor

Die 30 Teststellungen von «Nightmare II» sind nicht prinzipiell unlösbar für Computer, und bei jeder Stellung dürfte wohl irgend eine Engine irgendwann fündig werden. Aber «Nightmare II» ist mit Sicherheit für Schachprogramme insgesamt ein einziger Albtraum, weil alle Puzzles den Finger in die vier größten, sich gegenseitig bedingenden, ja quasi genetischen Defizite des computergestützten Schachs legen: Zugzwang, Horizonteffekt, Rechentiefe und Stellungsbewertung.  Den beiden letzteren Baustellen ist die heutige Schachprogrammierung bereits sehr fortgeschritten zu Leibe gerückt; insbesondere die taktische Durchschlagskraft sorgt schon längst dafür, dass der Mensch gegen die Maschine inzwischen chancenlos ist. Ein paar letzte Bastionen bleiben noch – wie «Nightmare II» recht eindrücklich dokumentiert…
Der Autor wünscht viel Spaß bei eigenen Engine-Experimenten! ♦

EPD-Download

Online nachspielen

«Caissa»-Zeitschrift für Schach- und Brettspiel-Geschichte gegründet

Ein neues Magazin für die schachhistorische Forschung

Walter Eigenmann

Caissa- Cover-Erstausgabe-Glarean MagazinWer im Online-Jahre des Herrn 2016 ein neues Print-Medium auf den Markt wirft, das ausgerechnet Schachhistorie zum Gegenstand hat, ist entweder verrückt, oder naiv, oder ein Chess-Junkie, oder Millionär, oder das alles zusammen. Der Neunkirchener Althistoriker Dr. Mario Ziegler ist (wahrscheinlich) nichts von alledem – und trotzdem wagten er und seine Mitarbeiter vom Chaturanga-Verlag, mit «Caissa» eine halbjährliche 100-seitige «Zeitschrift für Schach- und Brettspielgeschichte» ins Leben zu rufen. Vor kurzem präsentierte Ziegler im Verbund mit dem Salzburger Co-Herausgeber Prof. Dr. Rainer Buland nun die erste «Caissa»-Nummer.

Wer soll «Caissa» – nicht zu verwechseln mit der gleichnamen ehemaligen «Schachrundschau Caissa», die 1955 mit der Deutschen Schachzeitung fusionierte – eigentlich lesen? In seinem Vorwort zur Erstausgabe umreißt der Initiant und Chefredakteur Mario Ziegler die Intention des Magazins: «Caissa will eine Plattform schaffen, auf der Forschungsergebnisse der unterschiedlichsten Disziplinen im Bereich der Schach- und Brettspiel-Geschichte präsentiert werden können und dadurch ein Bild vom gegenwärtigen Stand der Forschung deutlich wird». Die Zeitschrift solle «die gesamte Schach- und Brettspiel-Geschichte von den ersten Anfängen bis in die jüngste Vergangenheit, einschliesslich Verweisen auf Brettspiele in der Kunst und Literatur» berücksichtigen.

Schach-Mario-Ziegler-Glarean-Magazin
«Die gesellschaftliche Bewertung des Spiels für ganze Epochen der Geschichte steht noch aus»: «Caissa»-Initiant und -Herausgeber Mario Ziegler (*1974)

Dabei ortet Ziegler Defizite in der aktuellen Schachgeschichts-Forschung, z.B. die mangelnde Institutionalisierung der zahlreichen, aber in ihrer Vereinzelung wirkungslosen Solo-Projekte: Es existierten bedeutende nationale und internationale «Gruppierungen, die sich den verschiedenen Aspekten der Brettspiele und insbesondere des Schachspiels widmen – eine Vernetzung all dieser Bemühungen sucht man jedoch nach wie vor vergeblich». Die meisten dieser Initiativen seien privatem Engagement geschuldet, vermisst werde ein «übergeordnetes Konzept». Auch im universitären Bereich würden die Brettspiele als Forschungsgegenstand kaum wahrgenommen: «Auch wenn immer wieder Teilaspekte in den Blick genommen werden, so ist doch bezeichnend, dass etwa die gesellschaftliche Bewertung des Spiels für ganze Epochen der Geschichte noch nicht aufgearbeitet ist». Explizite Zielgruppen von «Caissa» sind dementsprechend «Bibliotheken, Wissenschaftler und interessiertes Fachpublikum im Bereich der Geschichts-, Sprach- und Kulturwissenschaften».

Breites thematisches Spektrum

Seite_Hübner
«Caissa»-Autor und Großmeister Robert Hübner arbeitete akribisch diverse Partien des legendären Matches Blackburne-Steinitz von 1822 auf und recherchierte erstmals verschollen geglaubte Notationen

Welches thematisch vielfältige Untersuchungsfeld sich dabei für «Caissa» auftut, stellt bereits die Première-Ausgabe des Magazins unter Beweis: Vom ersten «Wettkampf zwischen Blackburne und Steinitz» (Autor: Robert Hübner) über ein Portrait des bedeutenden ungarischen Schachspielers und Redakteurs Laslo Toth (Ivan Bottlik) bis hin zur «NS-Ideologie im Brettspiel» (Antonella Ziewacz) und einem Rückblick auf die «Wendejahre 1989-90 in der Zeitschrift ‚Schach’» (Bernd Gräfrath) deckt die Erstausgabe ein schachhistorisch wie -wissenschaftlich ebenso heterogenes wie informatives Spektrum ab. Hinzu kommen die unverzichtbaren Rezensionen und Verlags-Ankündigungen einschlägiger Fachliteratur, vor allem aber zahllose, durchwegs sorgfältig gewählte und qualitativ hervorragende Bild-Dokumentationen zu jedem Artikel.

Die internationale Ausrichtung des Bandes unterstreichen dabei jene Beiträge, die nicht nur in englischer Sprache kurz zusammengefasst, sondern gleich ausschließlich im englischen Original abgedruckt werden. Zu erwähnen ist hier ein schöner Essay von Peter J. Monté, der den mythischen bzw. gött-lichen Urgünden des Schachspiels in den altpersischen, -griechischen und -römischen Kulturen in Wort und Bild nachspürt, sowie ein komplett englisch verfasster Abriss von Adrian Harvey «Social participation in the game of chess», der kenntnisreich das Schachspiel als bedeutender Teil der «gehobenen» Freizeitkultur im England des 18. Jahrhunderts bis in unsere heutigen Tage der schachlichen «Durchdringung» aller Gesellschaftsschichten untersucht.

Das Schach in Büchern des Deutschen Barock und der frühen Neuzeit

Seite_Schönle
Schachhistoriker Siegfried Schönle fahndete umfangreich und wissenschaftlich exakt dokumentiert nach Spuren und Belegen zum Schachspiel in Drucken aus dem 17. Jahrhundert

Im Zentrum dieser Erstausgabe steht aber die 44-seitige «annotierte Bibliographie» über das «Schach in Büchern aus der Zeit des Deutschen Barocks und der frühen Neuzeit» des Kasseler Schachliteratur-Sammlers Siegfried Schönle. Mit Akribie und umfangreichem Quellen-Nachweis stellt der Autor eine Fülle von Büchern bzw. Reprints aus dieser Zeit mit explizitem Schachbezug zusammen, dokumentiert fast alle entspr. Publikationen mit Cover- und/oder Detail-Bebilderung, stellt den allgemein-kulturellen und literarisch-belletristischen Spuren der Buch-Inhalte nach, fördert schachkulturell Belangloses ebenso wie schachhistorisch Richtungsweisendes zutage und dokumentiert so einen illustren, ja manchmal bizarren Bilderbogen des Phänomens Schach im Werk zahlreicher Forscher und Schriftsteller jener Zeit.

Printtechnisch und typographisch erlesene Qualität

Seite_Ziewacz
«Gesellschaftsspiele spiegeln den Zeitgeist einer Epoche wieder und sind dadurch historische Quellen für Ansichten und Entwicklungen einer Gesellschaft»: Antonella Ziewacz beleuchtet den Kulturmissbrauch des Spiels während der Nazi-Diktatur

So vielfältig der historische Mix dieser ersten, in einer Startauflage von 5’000 Exemplaren gedruckten «Caissa»-Nummer daherkommt, so sehr hält dabei das Outfit des Bandes mit. Das im dreispaltigen Layout präsentierte und durchwegs farbig bebilderte Heft ist sowohl vom Print als auch von der Typographie her äussert qualitätsvoll aufgezogen. Sogar die detailverliebte Partien-Kommentierung eines Robert Hübner mit ihrer Varianten-Verschachtelung kommt problemlos lesbar daher, wobei die weinrote Farbe der Diagrammdrucke eine schöne optische Finesse darstellt. Man merkt dem Heft auf jeder Seite den professionellen Anspruch an, den Herausgeber und Druckerei an dieses Magazin stellen. Ein special compliment geht an dieser Stelle auch an R. Dobicki & S. Schäfer für das erlesene Grafikdesign.

Fazit-Rezensionen_Glarean Magazin
Die neugegründete Zeitschrift «Caissa» widmet sich der historisch-wissenschaftlichen Forschung des Schachs und der Brettspiele. Die Erstausgabe dokumentiert eindrücklich ein breites thematisches Spektrum und eine erlesene Qualität sowohl in drucktechnischer wie in grafischer Hinsicht. Für die historisch-wissenschaftlich Interessierten unter den Schach-Adepten ist «Caissa» zweifellos das neue Referenz-Printmedium.

Wer als Amateur- oder Turnier-Spieler mal schachkulturell über den Rand seines kleinen 64-feldrigen Brettes hinausblicken wollte, der griff bis heute vorzugsweise zu einem anderen, ebenfalls qualitätsvollen Schach-Periodikum, nämlich «Karl». Seit kurzem wird also nun mit «Caissa» auch für die historisch-wissenschaftlich Interessierten unter den Schach-Adepten eine willkommene und qualitativ professionelle Ergänzung zur Verfügung stehen, die zumal mit einem Einzelpreis von 15 Euro pro Band das Budget absolut fair belastet. Für diese Leserschicht ist «Caissa» zweifellos das neue Referenz-Printmedium – auch oder gerade in unseren modernen Tagen der kurzlebigen Live-Turnier-News und des Blog-Häppchen-Schachs… ■

Mario Ziegler (Hrsg.): Caissa – Zeitschrift für Schach- und Brettspielgeschichte Nummer 1/2016 (Erstausgabe), 94 Seiten, Chaturanga Verlag, ISSN 2363-8214

Das neue Musik-Kreuzworträtsel im Juli 2016

Der Buchstaben-Musik-Rätselspaß !

Glarean Magazin - Musikrätsel - Juli 2016.Copyright© 2016/07 by Walter Eigenmann

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Sojka-Streichquartett: Böhmische Kammermusik des frühen 18. Jahrhunderts

Ersteinspielungen böhmisch-mährischer
Vorklassik-Quartette

Walter Eigenmann

String Chamber Music - Sojka Quartet - Kammel u.a. - TYXart - CoverDankenswerterweise überzeugen kleinere CD-Labels wie das vor vier Jahren gegründete deutsche TYXart immer wieder mit CD-Produktionen, die einerseits mit stilstischen Konzeptionen völlig abseits des kommerziellen Mainstreams agieren, aber gleichzeitig auf hohe künstlerische und aufnahmetechnische Qualität Wert legen. Ein gutes Beispiel dieses Anspruches von TYXart-Gründer und -Recording-Producer Andreas Ziegler stellt auch die jüngste TYXart-Kammermusik-Produktion dar, die böhmisch-mährische Komponisten des 18. Jahrhunderts mit ausgesuchten und kaum aufgeführten, kompositorisch aber exquisiten Streichquartetten vorstellt. Dabei präsentiert das Prager Sojka Quartet mit Martin Kos und Martin Kaplan (Violinen), Josef Fiala (Viola) und Hana Vitkova (Violoncello) als Ersteinspielungen drei Quartette von Antonin Kammel, Florian L. Gassmann und Anton Zimmermann sowie die C-Dur-Sonate von Franz Koczwara für 2 Violen und Cello.

Technisch filigran und fein durchgehört

Florian L. Gassmann
Weitgefächerter böhmischer Spät-Barocker und Wiener-Vorklassik-Wegbereiter: Florian Leopold Gassmann (1729-1794)

Das durchwegs technisch filigran und fein durchgehört musizierende Sojka stellt gerade mit den beiden Quartetten des Haydn-Wegbereiters Kammel (op. 7/2) sowie des kompositorisch sehr weitgefächerten Spätbarocken und Martini-Schülers Gassmann (Nr.2/1804) zwei besonders exemplarische Werke des böhmisch-mährischen Musik-Erbes vor, welches die Mannheimer Schule um Stamitz bis hinein zur Wiener Frühklassik teils initiierte, teils vervollständigte. Auch mit Zimmermanns F-Dur-Quartett (op.3/3) präsentieren die vier Sojka-Streicher ein die Originalität böhmischer Kammer-Komponisten eindrücklich dokumentierende Ersteinspielung, deren ungewöhnliche, variative Satzfolge und die spieltechnisch virtuose Anforderungen stellende Architektonik hervorragend herausgearbeitet werden.

Rhythmisch agil und doch klanglich satt

Sojka Quartet - Cover-Picture - Glarean Magazin
Innovative Kammermusiker mit stilistisch vielseitigem Repertoire: Das Sojka Quartet (Prag)

Die Affinität des Sojka-Quartetts zu diesem böhmischen Erbe des frühen 18. Jahrhunderts überrascht umso mehr, als die vier Musiker bis anhin eher mit Wiener Klassik, vor allem aber mit moderner tschechischer Kammermusik (Samiec, Cervinka, Pexidr u.a.) sowie mit Interpretationen der Zweiten Wiener Schule (Schönberg, Webern u.a.) in Erscheinung getreten sind, und sie unterstreicht damit eindrücklich die künstlerische Flexibilität und stilistische Spannweite dieser Streicher-Formation. Das Quartett interpretiert grundsätzlich mit rhythmischer Agilität und trotzdem betont sattem Quartett-Klang, der wohl nicht nur der Aufnahmetechnik, sondern auch dem leicht halligen Aufnahmeort (Oberpfälzischer Bezirk-Festsaal) geschuldet ist.

Fazit-Rezensionen_Glarean Magazin
Das Prager Sojka-Streichquartett stellt in dem kleinen, aber feinen Klassik-Label TYXart seltene, jedoch exqusite Kammermusiken von bedeutsamen böhmisch-mährischen Komponisten der Frühklassik vor: Kammel, Gassmann, Koczwara und Zimmermann. Die interessante CD-Produktion enthält ausschliesslich Ersteinspielungen, das Quartett musiziert dabei filigran und mit doch betont füllig-sattem Streicherklang. Eine empfehlenswerte Novität.

Das Sojka verbindet dabei geglückt das melodisch Leicht-Unbeschwerte des böhmischen Kolorits mit dem dynamisch kraftvoll nachgezeichneten Zugriff in den Kopfsätzen, und es findet dann wieder schön mitschwingendes Melos in den ruhigen Teilen. In einzelnen Passagen mag der Glanz der Geigenhöhen etwas zu kurz kommen zugunsten der füllig-dunklen Tiefen, aber das dürfte auf klanggeschmacklicher Präferenz des Sojka-Quartetts basieren.
Abgerundet wird die ebenso interessante wie überraschende CD-Publikation durch ein informatives, mehrsprachiges, das musikhistorische Umfeld der Quartette und ihrer Komponisten kurz beleuchtendes Booklet. Kaufempfehlung! ■

Sojak Quartet: String Chamber Music by 18th Century Bohemian Composers – Kammel, Gassmann, Koczwara, Zimmermann – TYXart 2016

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