Neue Schach-Bücher des Chaturanga-Verlages

Zeitschrift «Caissa» Nummer 2 / 2016

von Walter Eigenmann

caissa-schach-zeitschrift-2-2016-glarean-magazinDer Verlag Chaturanga ist im deutschen Neunkirchen domiziliert und zeichnet sich durch exquisite, thematisch oft abseits des Mainstreams angesiedelte Schach-Produktionen aus – das dokumentieren auch die beiden jüngsten Publikationen dieses noch relativ jungen «Verlages für Liebhaber von Literatur, Kultur und Spiel».
Da ist zum einen die Zeitschrift «Caissa», die der Herausgeber und Chef-Redakteur Mario Ziegler nun in ihrer zweiten Ausgabe vorlegt. Halbjährlich berichtet das Journal «für Schach- und Brettspielgeschichte» über Themata, die man in dieser Konstellation und Qualität (noch) kaum im Internet findet, sondern genuin dem Printmedium vorbehalten scheinen. Ziegler und sein Team beweisen dabei Blick für exquisiten Schach-/Spiele-Stoff und eine treffliche Hand bei der Auswahl kompetenter Autoren. Wie bereits in der Première-Ausgabe der Zeitschrift ließ man sich vom erklärten Grundsatz «Aus vielem das Beste» leiten, das Inhalts- bzw. Autoren-Verzeichnis zeigt das sofort; unter anderem beinhaltet das Heft die Schwerpunkte: «Der Mongredien-Preis 1868-1869 (Robert Hübner), «Die Geschichte der chinesischen Schachidee» (Rainer Schmidt), «Die Schachpartie in Samuel Becketts Roman Murphy» (Bernd-Peter Lange), «Schach und Tarnschriften» (Siegfried Schönle), «Das verklärte Soldatenbild in Brettspielen» (Antonella Ziewacz). Und wiederum illustriert «Caissa» seine umfangreichen Texte mit zahlreichen Abbildungen teils dokumentierender, teils feuilletonistischer Art.
Insgesamt garantiert das Periodikum intellektuellen Lesespaß – keineswegs nur für Schachfreunde! ●
Caissa – Zeitschrift für Schach- und Brettspielgeschichte, Nr.2/2016, 94 Seiten, Chaturanga Verlag, ISSN 2363-8214

Dagobert Kohlmeyer: «Attacke!»

von Walter Eigenmann

attacke-kohlmeyer-chaturanga-review-glarean-magazinDen Berliner Schachautor Dagobert Kohlmeyer muss man der Schachwelt kaum näher vorstellen, der bekannte Publizist schrieb 25 Bücher über das königliche Spiel und übersetzte zahlreiche Werke von Smyslow, Karpow, Kasparow, Kortschnoi oder Jussupow ins Deutsche. Seine jüngste Veröffentlichung im Chaturanga-Verlag titelt «Attacke!» und widmet sich den «Großen Angreifern der Schachgeschichte». Zu Wort bzw. zum Zug kommen darin alle genialen Angriffsspieler von Anderssen und Morphy über Aljechin und Tal bis zu Neshmetdinow und Bronstein.
Der Band ist layouterisch ansprechend gestaltet und zwischendurch gespickt mit etwas «psychologischem» Hintergrundwissen. Allerdings beinhaltet er praktisch ausschließlich Partien und Züge von «historischen» Meisterspielern, deren schachlichen Höhenflüge mittlerweile problemlos mit umfangreicher Kommentierung von jedermann selbst aus dem Netz gezogen werden können. Schade auch, dass Kohlmeyer das 21. Jahrhundert mit Carlsen, Anand & Co. völlig ausklammert. Kommt drittens hinzu, dass heutzutage solche schachlichen «Geschichtsaufbereitungen» immer die Gefahr des Nachplapperns bergen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Kohlmeyer (ebenso wie zahlreiche Schachautoren vor ihm) schwärmt über Morphys 18. schwarzen Zug gegen Bird (London 1858) gleich mit zwei Ausrufezeichen. Doch heutzutage kann jeder schlechtere Vereinsamateur mit Gratis-Programmen wie der Engine «Stockfish» und der Datenbank «Scid» nachweisen, dass der «geniale» Damenzug h3-a3 nicht besser, nur «schöner» ist als das profane Ld6-a3, und dass Morphy mit seinem vorausgehenden Turmopfer f8xf2 den ebenfalls wohl «schönsten», aber objektiv fast schlechtesten aller valablen Züge gespielt hat…

Dieser Befund schmälert keineswegs die On-The-Board-Leistung des Schachgenies Morphy – aber heutige Kommentatoren wie Kohlmeyer täten gut daran, ihre Partie-Anmerkungen immer mit moderner Software gegen zu prüfen, um solche peinlichen Kolportierungen zu vermeiden wie: «Ein unglaubliches Manöver! Die Dame eilt von einer Brettseite zur anderen. Rudolf Teschner schwärmte: ‚Zauber der Geometrie!‘ Wie lange wohl hat Morphy damals über das Turmopfer und den Damenschwenk nachgedacht?» (S.29) Denn neueste Schachsoftware verändert die herkömmliche Schachästhetik komplett – und Schachautoren im Jahre 2016 haben das zu berücksichtigen, wenn sie ernst genommen werden möchten… ●
Dagobert Kohlmeyer: Attacke! – Große Angreifer der Schachgeschichte, 188 Seiten, Chaturanga Verlag, ISBN 978-3-944158-17-4 —-> Leseprobe

Weitere Schach-Rezensionen im Glarean Magazin

13. Version des Schachprogrammes «Shredder»

Neue Auflage eines Urgesteins

von Walter Eigenmann

Shredder-Programmierer Stefan Meyer-Kahlen
Shredder-Programmierer Stefan Meyer-Kahlen

Der deutsche Programmierer Stefan Meyer-Kahlen zählt zu den großen Innovatoren der internationalen Schach-Programmierung. 1993 startete er mit der Arbeit an seinem Shredder-Projekt, das von Anfang an Schach-Interface und -Engine beinhaltete, um dann viele Jahre lang mit seiner Software die Computerschach-Weltmeisterschaften und viele andere internationale Turnier-Events maßgeblich mit zu gestalten bzw. mehrere Male sogar haushoch zu dominieren. Kommt hinzu: Wenn heute die globale Computerschach-Welt sich über einen Interface-Standard freuen kann, der plattformübergreifend die freie und betont simple Einbindung von hunderten verschiedener Schach-Engines erlaubt, so hat sie das ebenfalls Meyer-Kahlen zu verdanken, der im Jahre 2000 federführend – teils gegen erbitterten «Widerstand» der damaligen Interface-Platzhirschen Chessbase und Winboard – gemeinsam mit Roland Huber das sog. UCI-Protokoll entwickelte, welches sich längst als wichtigste Engine-Grundlage aller bedeutenden Graphical User Interfaces (GUI’s) von «Aquarium» und «Arena» über «Fritz» und «HIARCS» bis hin zu «SCID» und «Shredder» etablierte.

In den letzten Jahren wurde es allerdings ruhiger um den Programmierer Meyer-Kahlen, und weil 2009 die letzte Shredder-Version 12 auf dem Markt gekommen war, aber danach jahrelang Funkstille herrschte, glaubten auch seine hartgesottenen Fans nicht mehr wirklich an ein Comeback des 48-jährigen Düsseldorfer Schachsoftware-Entwicklers. Denn die Spielstärke moderner Engines wie «Stockfish», «Komodo», «Houdini», «Fritz» u.a. hatte sich inzwischen mit einer solchen Rasanz erhöht, dass der Anschluss eines Dino’s wie Shredder schlicht undenkbar schien. Vor einigen Wochen hat Meyer-Kahlen nun alle Skeptiker Lügen gestraft: Er stellte seinen Shredder-UCI-Motor in einer von Grund auf neu programmierten 13. Version vor.

In Sachen Graphical User Interface nichts Neues…

Holt man sich als Besitzer der Vorgänger-Version also das 13. Shredder-Interface nach Download & Installation – eine CD-Version wird nicht verkauft – auf den Bildschirm, bemerkt man sofort – nichts! Irritierend: An der Oberfläche scheint sich auch nach so vielen Jahren der Entwicklung praktisch nichts getan zu haben (von ein bisschen Grafik-Politur abgesehen), wie eine Gegenüberstellung beweist:

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Links das Shredder-Interface aus dem Jahre 2009, rechts jenes von 2016… (Vergrößerte Darstellung)

Schaut man dann dem neuen GUI näher unter die Haube, fördert auch das leider nur wenig Neues zutage: Alle Menüs verblieben am selben Ort mit den praktisch selben Funktionen und dem selben Outfit, nur marginale Änderungen mochte der Programmierer seiner visuellen Schnittstelle zwischen User und Engine gönnen. So ist beispielsweise der Menüpunkt «Engineoptionen» bei der neuen Engine sichtlich abgespeckt worden:

shredder-13-engineoptionen

…während sich die 12er Engine noch mit deutlich mehr Parametern durch den Anwender beeinflussen ließ:

shredder-12-engineoptionen

Power-User des Shredder-Motores werden das also wohl nicht als Entschlackung, sondern vielmehr als Verarmung einstufen… Was aber hier wiederum sofort positiv auffällt: Die neue Engine kann nun auch mit dem modernen Syzygy-Endspiel-Tabellarium umgehen, womit sie im Verbund mit den seit je her unterstützten Nalimov-Tablebases sowie den nativen «Shredderbases» Zugriff auf gleich drei unterschiedlich konzipierte Endgame-Bases hat. Da das Shredder-Interface außerdem via FEN-Export den sekundenschnellen Homepage-Zugriff auf die kompletten «Sechssteiner» offeriert, greift der neue Shredder den Endspiel-Forschern unter den Computerschach-Anwendern kräftig unter die Arme.

Neue Trainings-Optionen

Im Zeitalter der buchstäblich übermenschlichen schachlichen Dominanz der heutigen Engine-Software gegenüber dem Menschen (inkl. der Top-10 der Weltspitze) haben alle modernen Schach-Interfaces das stufenweise Runterschrauben der maschinellen Spielstärke auf das taktisch relativ primitive Niveau des Menschenschachs bzw. die vielfältigsten interaktiven Trainingsmöglichkeiten in petto. Auch Shredder hat nun in seiner 13. Version einen sog. «Trainings-Modus» integriert: Im «Eröffnungstraining» spielt der Anwender gezielt die klassischen Eröffnungspositionen gegen das Programm aus, während im «Endspieltraining» das Spiel des Users ab ausgewählten Konstellationen – vom «Mattsetzen» mit diversem Material über Positionen mit «Ungleichen Figuren» und «Figuren gegen Bauern» bis hin zu den «Praktische Endspielen» – vorsieht.
Ein bekanntes, aber wegen seiner Exklusivität durchaus auch hier nochmals erwähnenswertes Shredder-Feature ist der sog. «Triple-Brain»-Modus: Zwei (möglichst unterschiedliche, aber spielstarke) Engines werden bei der gleichzeitigen Analyse juriert von einem internen «dritten Gehirn», das als Entscheidermodul aufgrund seiner prozentualen Bewertungsskala darüber befindet, welcher Zug die beste Alternative darstellt.
Der Schreibende schätzt persönlich noch eine dritte Shredder-Spezialität, die bei der interaktiven Analyse sehr hilfreich sein kann, nämlich die sog. «Stellungswert-Bestimmung»: Der Anwender kann jeder Stellung manuell einen Wert zuweisen bzw. direkt in die Notation schreiben, was dann Shredder bei der gesamten Analyse mit berücksichtigt, um so Zeit&Speicher für die weitere Berechnung in Summierung des ganzen Variantenbaumes  zu sparen.

Shredder im internationalen Vergleich

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Hübsches neues Trainings-Feature bei Shredder 13: Der User hat sofort für Vorgabe-Partien eine ganze Palette von Konstellationen verfügbar – hier z.B. eine Drei-Züge-Vorgabe mit Weiß

Was kann das aktuelle Shredder-GUI sonst noch, was andere nicht können? Eigentlich nichts – oder positiv formuliert: Shredder 13 kann alles, was von einer modernen Schach-Schnittstelle verlangt wird. Standard sind da u.a: Organisation von div. Engine-Turnierformen, automatisierte Stellungs- & Partien-Analysen, Intergrierung und Optimierung von Opening-Books, Einbindung und Anpassung unterschiedlichster Engines, differenziertes Layout-Angebot, Zugstatistiken & Partienprofil, div. Notationsformen, Endspiele-Abruf direkt aus dem GUI heraus,  u.v.a. (Eine Übersicht auf alle Shredder-Optionen findet sich hier).
Doch das alles sind heutzutage selbstverständliche Basics. Andere bekannte Oberflächen wie «Fritz», «Aquarium», «Arena» oder «SCID» bieten für deutlich weniger Geld (bzw. überhaupt kostenlos) in allen oben genannten Bereichen deutlich mehr. Obwohl also insgesamt Shredders Graphical User Interface sichtlich zurückgeblieben ist und den hohen Pauschal-Verkaufspreis von 100 Euro für das Gesamtpaket DeepShredder13-GUI&Engine eigentlich kaum legitimiert, muss doch eines ebenfalls deutlich gesagt sein: Shredder gehört noch immer zu den stabilsten Oberflächen des gesamten Computerschach-Zirkus‘. Im Gegensatz zu manch anderer Software der Shredder-Konkurrenz habe ich in den letzten Jahren trotz regelmäßiger Beschäftigung mit dem Programm nicht einen einzigen (!) Absturz erlebt mit Shredder, während sonstige GUI’s bei schlampig programmierten Engines oder sonstiger Hardware-Unpässlichkeit sich durchaus zwischendurch mal mit Freezed-Screens verabschieden. Die Integration unterschiedlichster Motoren und Memory-Konstellationen hat Meyer-Kahlen vorbildlich gelöst; Engine-Kollisionen, Turnier-Abbrüche, Speicher-Konflikte, Protokoll-Schwächen u.a. kann man getrost vergessen. Shredder mag (für manche: zu) spartanisch daherkommen, aber Verlässlichkeit ist gerade bei Schach-Software eine der höchsten Tugenden…

Extrem starker Shredder-Motor

Das zweite Standbein eines Gesamtpaketes wie «Shredder» ist neben dem GUI natürlich die eigene Engine, der rechnende Motor. Und wenn schon die Oberfläche kein Kaufargument hat, so doch unbedingt diese «DeepShredder»-UCI-Engine 13, dies sei gleich vorweggenommen. Der Shredder-Programmierer hat seinem – nach eigenem Bekunden komplett neu geschriebenen – Motor in der Zwischenzeit eine Steigerung der Spielstärke von sage und schreibe zwischen 250-300 Ranking-Punkten verpasst (je nach Liste) und die Engine auf mind. Platz 5 der einschlägigen «Weltranglisten» gehievt – siehe u.a. hier oder hier.

Die beiden Grundlagen dieses schachlichen Erfolges sind nach meinem ersten Eindruck bzw. ersten Untersuchungen einerseits die enorm gesteigerte taktische Durchschlagskraft und andererseits die nochmals erhöhte Endspielstärke.
Ein paar Beispiele (auf AMD FX-8350 / 4 GHz / 1024 MB Hash / 4 Cores / Fritz-15-GUI), die man hier auch nachspielen und als PGN-Files downloaden kann:

Die 12. Shredder-Version ebenso wie die meisten anderen Spitzenprogramme sind in der nachfolgenden Stellung blind für das Hauptmotiv Zweite/Siebte Reihe – im Gegensatz zum neuen Shredder 13, der den Schlüsselzug Dxd7 nach wenigen Sekunden auf den Screen bringt:

shredder-piket-smirin-glarean-magazin
Piket – Smirin 1993 ( r2r2q1/2Rn2bk/b2N2pp/pQ2p3/4Pp2/B4N1P/5PP1/2R3K1 w )

Analysis by Deep Shredder 13 x64:
31.Dxd7 Txd7 32.Txd7 Tb8 33.Tcc7 Kh8 34.Sh4 Kh7 35.Sdf5 Tb1+ 36.Kh2 gxf5 37.Sxf5 Th1+ 38.Kxh1 Db3 39.Txg7+ Kh8 40.Sxh6 Db1+
+/= (0.54 ++)  Tiefe: 27/43   00:00:04  24358kN
+- (2.41 ++)  Tiefe: 28/59   00:00:44  296MN, tb=456

Shredder 13 vermeldet in der folgenden Stellung das Matt ebenfalls praktisch sofort (wenn auch nicht mit korrekter Anzahl der Züge):

shredder-matt-in-15-glarean-magazin
VanBreukelen 1990: Matt in 15 ( 8/3P3k/n2K3p/2p1n3/1b4N1/2p1p1P1/8/3B4 w )

Analysis by Deep Shredder 13 x64:
1.Sf6+ Kg7 2.Sh5+ Kg6 3.Lc2+ Kxh5 4.d8D Sc4+ 5.Kd5 Kg4 6.Dh4+ Kf3 7.Kxc4 Kf2 8.Df4+ Kg2 9.Le4+ Kh2 10.Dxe3 Kh3 11.Df2 Kg4 12.Df4+ Kh3 13.Dh4#
= (0.08 ++)  Tiefe: 24/42   00:00:02  15938kN, tb=17098
+- (#13)  Tiefe: 36/65   00:00:16  133MN, tb=285316

In einer Computer-Partie vor einigen  Jahr ergab sich folgende Stellung, die ein Pseudo-Läuferopfer enthält, das Weiß nachhaltige Initiative sichert. Deep Shredder 13 tut sich mit dem Lösungszug Lh6 wesentlich leichter als fast alle seine Konkurrenten:

shredder-nn-compgame-glarean-magazin
N.N. CompGame 2011 ( r2qkb1r/pp2nppb/2n1p3/1B1p3N/3N2PP/2P5/PP3P2/R1BQK2R w KQkq )

Analysis by Deep Shredder 13 x64:
14.Lh6 Le4 15.f3 Txh6 16.fxe4 e5 17.Sb3 a6 18.Le2 Td6 19.Dc2 d4 20.0-0-0 Tc8 21.Thf1 Sb4 22.Dd2
= (-0.24 ++)  Tiefe: 17/35   00:00:01  7586kN
= (-0.14 –)  Tiefe: 27/54   00:00:42  285MN

Ein äußerst druckvolles Mittelspiel

In der praktischen Engine-Partie spielt der neue Motor insgesamt äußerst druckvoll im späteren Mittelspiel und vermag herausgespielte Vorteile gewinnbringend ins Endspiel zu transferieren, wo dann die hervorragenden Tablebase-Anbindungen zum Tragen kommen; zwei illustrative Beispiele (Intel i7-4790 / 4 Cores / 1024 MB Hash / 5-moves-Book / 15min pro Engine):

Deep Shredder 13 – Stockfish 8
1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 Nge7 4. Nc3 d6 5. d4 Bd7 6. d5 Nb8 7. Qe2 a6 8. Bxd7+ Nxd7 9. Be3 g6 10. O-O-O Bg7 11. g4 b5 12. a3 h5 13. gxh5 Rxh5 14. h4 Qb8 15. Ng5 b4 16. axb4 Qxb4 17. Rd3 Bf6 18. Qf3 Rb8 19. Nd1 Qb7 20. Kb1 a5 21. Ra3 c6 22. Rb3 Qc7 23. dxc6 Nxc6 24. Rxb8+ Qxb8 25. Nc3 Bxg5 26. hxg5 Rxh1+ 27. Qxh1 Nb4 28. b3 Qc7 29. Kb2 Nc5 30. Qh8+ Ke7 31. Qa8 Ne6 32. Nd5+ Nxd5 33. exd5 Nd4 34. c3 Ne2 35. Qc6 Qxc6 36. dxc6 d5 37. Bc5+ Kd8 38. Bb6+ Kc8 39. Bxa5 d4 40. c4 d3 41. b4  1-0

Komodo 10.2 – Deep Shredder 13
1. e4 c5 2. c3 Nf6 3. e5 Nd5 4. g3 d6 5. exd6 e6 6. Nf3 Bxd6 7. d4 Nc6 8. dxc5 Bxc5 9. Bg2 O-O 10. O-O b6 11. c4 Nf6 12. a3 a5 13. Nc3 Ba6 14. b3 Qe7 15. Qc2 Bb7 16. Bb2 Rad8 17. Na4 Nd4 18. Nxd4 Bxg2 19. Kxg2 Bxd4 20. Bxd4 Rxd4 21. Rfd1 Qb7+ 22. f3 Rxd1 23. Rxd1 b5 24. Nc3 bxc4 25. bxc4 Qc6 26. Qe2 Qc5 27. Nb5 g6 28. Qd3 Rc8 29. Qc3 e5 30. a4 Kg7 31. Nd6 Rc6 32. Qd3 h5 33. h3 h4 34. g4 Rb6 35. Rd2 Rb4 36. Qa3 Kg8 37. Rd1 Qb6 38. Qc3 Rxa4 39. Qc2 Qb4 40. Qf2 Qb8 41. Qc2 Rb4 42. Qc3 Rb2+ 43. Kg1 Rb3 44. Qxe5 Rxf3 45. Rf1 Nd7 46. Qd5 Qb6+ 47. Kg2 Rg3+ 48. Kh1 Rxh3+ 49. Kg2 Rg3+ 50. Kh1 Qe3 51. Qxf7+ Kh8 52. Qf4 Qxf4 53. Rxf4 Ne5 54. Nf7+ Nxf7 55. Rxf7 Rxg4 56. Rc7 a4 57. Kh2 g5 58. c5 Rc4 59. Ra7 Rxc5 60. Rxa4 Kg7 61. Ra6 Rc2+ 62. Kh3 Rc3+ 63. Kg2 h3+ 64. Kh2 Kf7 65. Ra8 g4 66. Rh8 Rc2+ 0-1

Stefan Meyer-Kahlen als Engine-Programmierer beeindruckend zurückgekehrt

Fazit-Rezensionen_Glarean Magazin
Die neue Schach-Software „Deep Shredder 13“ ist als Gesamtpaket mit gemischten Gefühlen zu beurteilen. Einerseits ist bedauerlich, dass der Programmierer offenbar seine sämtlichen zeitlichen und programmiertechnischen Ressourcen über Jahre hinweg praktisch ausschließlich für den neuen Motor und nicht auch für eine Aktualisierung, Modernisierung und Erweiterung seiner m.E. veralteten Oberfläche genutzt hat. Andererseits zeichnen das spröde, ja fast rudimentäre Shredder-GUI auch Stabilität und intuitive Einfachheit der Menü-Strukturierung aus; in Verbindung mit ein paar exklusiven Shredder-Features mag dies das verstaubte Interface aufwiegen. Ich persönlich kann guten Gewissens weder einen Kauf empfehlen noch von einem Kauf abraten – der Leser/Anwender mag entscheiden, welchen der Aspekte er angesichts eines doch stolzen Kaufpreises wie stark gewichtet.

Zusammengefasst: Shredder 13 ist als Gesamtpaket mit gemischten Gefühlen zu beurteilen. Einerseits ist bedauerlich, dass der Programmierer offenbar seine sämtlichen zeitlichen und programmiertechnischen Ressourcen über Jahre hinweg praktisch ausschließlich für den neuen Motor und nicht auch für eine Aktualisierung, Modernisierung und Erweiterung seiner m.E. veralteten Oberfläche genutzt hat. Andererseits zeichnen das spröde, ja fast rudimentäre Shredder-GUI auch Stabilität und intuitive Einfachheit der Menü-Strukturierung aus; in Verbindung mit ein paar exklusiven Shredder-Features mag dies das verstaubte Interface aufwiegen. Ich persönlich kann guten Gewissens weder einen Kauf empfehlen noch von einem Kauf abraten – der Leser/Anwender mag entscheiden, welchen der Aspekte er angesichts eines doch stolzen Kaufpreises wie stark gewichtet. (Eventuell wäre der Shredder-Macher gut beraten, seine neue Engine losgekoppelt mit deutlich nach unten korrigiertem Verkaufspreis anzubieten, wie das seine nächsten kommerziellen Konkurrenten Komodo und Houdini ja so erfolgreich vormachen?)
Fest steht jedenfalls aber, dass sich Stefan Meyer-Kahlen als Engine-Programmierer beeindruckend zurück gemeldet hat und schachlich nun wieder in den Top-Five mitmischt. Wenn künftige Shredder-Versionen in Sachen Oberfläche aufholen und auch die Engine weiterhin gepusht wird, dürfte Shredder dereinst wieder das werden, was er lange Jahre hindurch war: Eines der Referenz-Programme im Computerschach. ♦

Stefan Meyer-Kahlen: Deep Shredder 13, Schach-Software (Online-Download) 2016

Weitere Schach-Rezensionen im Glarean Magazin

14. Version der Schach-Datenbank «Chessbase»

«Chessbase» goes Analysis

von Walter Eigenmann

Chessbase 14 - Schach-DatenbankDas Datenbank-Flaggschiff der deutschen Schach-Firma Chessbase erfuhr kürzlich eine neue, seine 14. Fassung. Die renommierteste (und kostspieligste) Software der traditionsreichen Hamburger Schachprogramm-Schmiede, nämlich eben «Chessbase», legt diesmal – neben diversen Neuerungen – den Schwerpunkt auf die schachanalytischen Seiten des Partien-Sammelns und -Verwertens.
Um ein erstes Fazit meiner Besichtigung von «Chessbase 14» gleich vorwegzunehmen: Das Programm keineswegs kaufen müssen all jene Adepten des Königlichen Spiels, die einfach ein paar hunderttausend Partien verwalten, ihre Sammlung nach Dubletten absuchen, Spielernamen vereinheitlichen, Eröffnungsbücher zusammenstellen, nach Kombinationen oder Patzereien fahnden oder ihre eigenen On-the-board-Verbrechen auf Verbesserungen hin durchleuchten wollen. Das sind heutzutage Basics des Daten-Handlings, und hierzu genügen auch durchaus qualitätsvolle Freeware‘s wie z.B. «SCID» oder «Arena» sowie ein paar starke Gratis-Engines wie «Stockfish» oder «Gull» – dafür wäre ein 380 Euro teures Premium-Paket wie «Chessbase» der reine schachliche (und finanzielle) Overkill.
Wer hingegen in die höheren, in professionelle Sphären des modernen Umganges mit Schach-Datenbanken und deren globale Online- bzw. Cloud-Einbindung eingeweiht sein bzw. bleiben möchte, für den ist CB-14 tatsächlich eine Option.

Diverse Neuerungen in Chessbase 14

Ob dabei nun all den Verbesserungen und Novitäten, die der Hersteller selber für seine neue Software reklamiert, auch tatsächlich jener Stellenwert zukommt, die einen Kauf nahelegen, lasse ich dahingestellt. Denn Chessbase führt in seiner Werbung für CB-14 einiges an, das man so oder ähnlich auch bei vergleichbaren Konkurrenz-Produkten findet. Manches aber ist im frischgebackenen «Chessbase» so neu- bzw. so einzigartig, dass das Paket enorm attraktiv wird. Wie immer bei neuen Features in bekannten Programmen entscheidet ja aber auch das subjektiv begründete Anwender-Profil über «Sinn und Unsinn» eben dieser neuen Optionen.
Im einzelnen sieht die entspr. Novitäten-Liste bei «Chessbase 14» durchaus beeindruckend aus:

Wichtiger Bestandteil des Partien-Filters in «Chessbase»: Die differenzierte «Manöver-Suche» gestattet auch das Herausfiltern komplexer Mehrfach-Zugfolgen.
Wichtiger Bestandteil des Partien-Filters in «Chessbase»: Die differenzierte «Manöver-Suche» gestattet auch das Herausfiltern komplexer Mehrfach-Zugfolgen.

■ Eingabemodus zur Erfassung von Partien: Chessbase kann nun auf einen «speziellen Eingabemodus» beim Partien-Erfassen gesetzt werden, wobei der Variantendialog immer auftaucht und ein neuer «modusfreier Dialog» zur Eingabe der Bedenkzeit verfügbar ist. Beim Feature «Neue Partie» behält das Programm gemäß Hersteller «mehr Turnierinformationen».
■ Die schnelle Orientierung in umfangreich kommentierten Partien wird in CB-14 durch stärkere farbige Markierung der Haupt-, Unter- und Nebenvarianten verbessert, wobei Varianten auf gleicher Ebene auch die gleiche Farbe haben; Alternativen sind so besser aufzuspüren.
■ Kommentar-Diagramme können bei CB-14 jetzt direkt in die Notation eingebettet werden. Auch die bekannten «Trainingsfragen», nicht zuletzt im Schulschach häufig angewandtes Feature von «Chessbase», werden durch die direkte Einbindung von Diagrammen aufgewertet: Eine Trainingsfrage besteht aus einem Diagramm und Lösungslinks, die man anklicken kann, sowie Hilfen, die in die Notation eingebettet sind.
■ Das Speichern & Ersetzen von Partien wird ab «Chessbase 14» nun neu geregelt. Denn bisher haben alle CB-Versionen beim «Speichern» die neue Partie-Version ans Ende der jeweiligen Partienliste in den Datenbanken angehängt, und «Ersetzen» hat die Partie ohne Duplizierung einfach ersetzt. Für langjährige «Chessbase»-User ist also die folgende radikale Änderung wichtig:  Eine Partie «Speichern» heißt nun, dass man die bestehende Version der Partie ersetzt, während man mit «Als neue Partie speichern» die Partie an eine beliebige Datenbank anhängen kann, wobei ein Shortcut es erlaubt, Datenbanken auszuwählen, die man vor kurzem genutzt hat.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Chessbase sein natives Datenbank-Format «CBH» optimiert hat, um «sehr schnelles Speichern (=Ersetzen) von Partien in großen Datenbanken» zu ermöglichen.
■ Seit «Chessbase 13» ist die (teils differenzierte) Web-Anbindung von Datenbanken ja herausragende Option – und «Chessbase 14» rüstet in dieser Sparte nochmals nach: Es gibt jetzt die neue Cloud-Funktion «Cloud Clip». Originalton Chessbase: «Hier werden Partien von ChessBase.com, Fritz.Chessbase.com und Tactics.Chessbase.com automatisch gespeichert, wenn man mit seinem ChessBase Account angemeldet ist. Das ist besonders in Verbindung mit der Chessbase-Nachrichtenseite nützlich: Wenn Sie auf eine Partie klicken, während Sie einen Artikel auf Chessbase.com oder Chessbase.de lesen, dann steht die Partie schon in ChessBase 14 zur Verfügung. Download ist nicht mehr notwendig.»
■ Längst fällig war meiner Ansicht nach der generalisierte Log-in zu allen CB-Account-Funktionen
■ Die jüngste Chessbase-Software (z.b. «Fritz» und «Chessbase») setzt auf Microsoft‘s «DirectXI» auf, was «Ansicht und Geschwindigkeit von 3D-Brettern bedeutend verbessert», wie Chessbase meint.
■ Neu ist in «Chessbase 14» die Möglichkeit, die persönlichen Suchmasken des Anwenders zu speichern – eine Option, die der Schreibende schon lange in «Chessbase» vermisste.
■ Neu ist ebenfalls, dass auch die Online-Datenbank beim Nachspielen einer Partie automatisch aktualisiert wird.
■ «Chessbase» exportiert jetzt Diagramm-Listen auch als Word-Datei, womit zeitsparend umfangreiches Trainings-Material generiert werden kann.

«Chessbase» goes Analysis

Dies alles sind neue Optionen, die den Alltag von Schach-Power-Usern durchaus verbessern können – und auch Optionen, die man in vergleichbarer kommerzieller Software (z.B.  «Chess Assistant» bzw. «Aquarium») teilweise vergeblich sucht. In Verbindung mit den bereits bekannten Online-«Chessbase»-Möglichkeiten – siehe hierzu auch die entspr. Rezension der Version 13 von Mario Ziegler im Glarean Magazin – haben die beiden Hauptprogrammierer Matthias Wüllenweber und Matthias Feist sich etliche Mühe gegeben, das Einsatzgebiet (und damit auch den Mehrwert) ihrer neuen Software merklich zu erweitern.
Die eigentlichen beiden Novitäten-Highlights von «Chessbase 14» liegen aber auf einem Gebiet, das man eigentlich zuerst gar nicht mit einem Datenbank-Programm assoziiert bzw. das man bis jetzt eher bei expliziten Engine-Interfaces wie «Fritz» oder «Shredder» oder «Arena» u.a. beheimatet wähnte, nämlich der Partien-Analyse. Nun hatten zwar schon die «Chessbase»-Vorgänger rudimentäre analytische Automationen, beispielsweise die sog. «Tiefe Analyse» und die «Cloud-Analyse» (inkl. das seit CB-13 bekannte «Let‘s Check»), doch jetzt geht die Version 14 dem Anwender mit zwei bemerkenswerten weiteren Optionen zur Hand: Der sog. «Taktischen Analyse» sowie der sog. «Assisted Analyses».

Die Taktische Analyse

Physiker, Programmierer, Chessbase-Gründer, Schach-Fan: Der junge Matthias Wüllenweber am Atari
Physiker, Programmierer, Chessbase-Gründer, Schach-Fan: Der junge Matthias Wüllenweber am Atari

Lassen wir vorausgehend Chessbase selber zu Worte kommen darüber, was unter dem neuen Feature «Taktische Analyse» zu verstehen sei:
«Taktische Analyse ist die umfassendste automatische Partienanalyse, die es gibt. Sie arbeitet mit den folgenden schachlichen Mitteln:

■ Eröffnungstheorie
■ Starke Züge, Kombinationen, Opfer und Doppelangriffe
■ Fehler, Patzer und kritische Momente, in denen sich die Bewertung ändert
■ Schwache Züge, die in der Partie nicht gespielt wurden (Warum kann ich da nicht nehmen?) und oft taktisch widerlegt werden können
■ Drohungen und Angriffsmotive
■ Verteidigungsideen
■ Initiative
■ Angriff
■ Manöver und Figurenstellung
■ Kompensation
■ Endspielklassifikation
■ Unlogische Partieergebnisse
■ Partien werden mit Varianten, Sprache, Schachsymbolen und Diagrammen kommentiert.»

Soweit die Chessbase-eigene Werbung – und wie sieht das in realiter aus? Ich habe mal die 8. Partie der aktuell laufenden Schach-Weltmeisterschaft 2016 zwischen Weltmeister M. Carlsen und Herausforderer S. Karjakin in New York genommen – siehe folgende PGN…

[Event „WCh 2016“] [Site „New York USA“] [Date „2016.11.21“] [Round „8“] [White „Carlsen, M.“] [Black „Karjakin, Sergey“] [Result „0-1“] [ECO „E14“] [WhiteElo „2853“] [BlackElo „2772“] [PlyCount „104“]

1. d4 Nf6 2. Nf3 d5 3. e3 e6 4. Bd3 c5 5. b3 Be7 6. O-O O-O 7. Bb2 b6 8. dxc5 Bxc5 9. Nbd2 Bb7 10. Qe2 Nbd7 11. c4 dxc4 12. Nxc4 Qe7 13. a3 a5 14. Nd4 Rfd8 15. Rfd1 Rac8 16. Rac1 Nf8 17. Qe1 Ng6 18. Bf1 Ng4 19. Nb5 Bc6 20. a4 Bd5 21. Bd4 Bxc4 22. Rxc4 Bxd4 23. Rdxd4 Rxc4 24. bxc4 Nf6 25. Qd2 Rb8 26. g3 Ne5 27. Bg2 h6 28. f4 Ned7 29. Na7 Qa3 30. Nc6 Rf8 31. h3 Nc5 32. Kh2 Nxa4 33. Rd8 g6 34. Qd4 Kg7 35. c5 Rxd8 36. Nxd8 Nxc5 37. Qd6 Qd3 38. Nxe6+ fxe6 39. Qe7+ Kg8 40. Qxf6 a4 41. e4 Qd7 42. Qxg6+ Qg7 43. Qe8+ Qf8 44. Qc6 Qd8 45. f5 a3 46. fxe6 Kg7 47. e7 Qxe7 48. Qxb6 Nd3 49. Qa5 Qc5 50. Qa6 Ne5 51. Qe6 h5 52. h4 a2 0-1

… und sie dieser «Taktischen Analyse» unterzogen mit folgenden Rahmenbedingungen: Intel i7-4790 CPU / 3.6 GHz / 5s pro Zug / Stockfish8 / 4 Cores / 2 GB Hash / Nalimov-EGT / LiveBook

Nach knapp 15 Minuten des Backward-Berechnens generierte das Programm folgenden Output (wobei das Layout des Prints noch der Überarbeitung bedürfte):

Stockfish-Analyse mit Chessbase 14 - Screenshot / PDF-Ausdruck
Stockfish-Analyse mit Chessbase 14 – Screenshot / PDF-Ausdruck
Stockfish-Analyse mit Chessbase 14 - Screenshot / PDF-Ausdruck (2)
Stockfish-Analyse mit Chessbase 14 – Screenshot / PDF-Ausdruck (2)

Wie man sieht, resultiert aus dieser vollautomatischen Untersuchung ein Notations-Bild, das der professionellen Kommentierung durch Großmeister in Schach-Büchern und -Zeitschriften verblüffend nahe kommt: Klare Variantengliederung, die schachlichen Hotspots mit Diagrammen strukturiert, die Verbalisierungen prägnant-treffend (und farblich hervorgehoben), Einbeziehung von Eventualzügen bzw. Alternativen, Abwechslung der Semantik usw.

Stellt man diesem Output jenen gegenüber, den das zweite bekannte Chesbase-Flaggschiff «Fritz»  unter identischen Bedingungen (bis auf die «Referenz-Datenbank») mittels der sog. «Vollanalyse» nach ca. 19 Min. zeitigt, ergibt sich ein deutlich kargeres, hinsichtlich der langweiligen verbalen Wiederholungen sogar merklich schlechteres Bild:

Stockfish-Analyse mit Fritz 15 - Screenshot / PDF-Ausdruck
Stockfish-Analyse mit Fritz 15 – Screenshot / PDF-Ausdruck

Zur Entschuldigung von «Fritz» – hier in seiner aktuellen 15. Version – muss natürlich erwähnt werden, dass «Fritz» im Gegensatz zu «Chessbase» seit jeher als Engine-Interface und nicht als Datenbank konzipiert wurde; die beiden Programme haben unterschiedliche Philosophien und je unterschiedliche Stärken.

Chessbase auf dem Weg zur vollautomatischen Buch-Analyse

Fazit bezüglich der «Taktischen Analyse» bei «Chessbase 14»: Wenn die Entwickler dieses neue Feature weiter professionalisieren und u.a. insbesondere seine Semantik noch vielfältiger, differenzierter, origineller, also irgendwie «menschlicher» gestalten, dann ist der Tag nicht mehr fern, da ganze Partien-Bücher praktisch vollautomatisch, ohne schachliche Mithilfe des Menschen – der ja ohnehin taktisch höchst fehleranfällig kommentiert – generiert werden können. Nimmt man noch die im Computerschach-Zeitalter immer häufigere Auffassung hinzu, dass es eigentlich keine (vom Menschen zu entdeckende) «Schach-Strategie» mehr gibt, sondern nur noch «nicht ganz durchgerechnete Taktik», dann steht der Überschwemmung des Schachbücher-Marktes mit rein maschinell erzeugten Partien-Sammlungen bald nichts mehr im Wege. Ein erschreckendes Szenario, mit hunderten von arbeitslosen Großmeistern & Schach-Autoren und -Verlagen, eine Verarmung der gesamten Schachszene? Oder doch eine Erweiterung, eine Vertiefung, ja Professionalisierung des Umganges mit Schachpartien? Die Zukunft wird es zeigen…

Der «Analyse-Assistent»

Während die «Taktische Analyse» vollautomatisch abläuft und vom Menschen nur wenige Klicks des Voreinstellens benötigt, kommt das zweite Analyse-Instrument des neuen «Chessbase 14» als komplett interaktives Features daher: die sog. «Assisted Analysis». Hier steht die kommentierende Visualisierung der schachlichen Verflechtungen im Vordergrund: Kandidatenzüge werden farblich differenziert, durch pures Anklicken je hierarchisch dargestellt, erwartete Gegenzüge werden mit Pfeilen kenntlich gemacht, die Best-Moves pro Stellung sind mit einfachen Figuren-Mausklicks live visualisierbar, u.a.

Das Hauptfenster der sog. Assisted Analysis mit ihrer hierarchischen Colorierung von (hier Springer-) Kandidatenzügen.
Das Hauptfenster der sog. Assisted Analysis mit ihrer hierarchischen Colorierung von (hier Springer-) Kandidatenzügen.

Das Potential dieses interaktiv «assistierten» Werkzeuges dürfte insbesondere die Fernschach-Spieler unter den «Chessbase»-Nutzern interessieren, hier sehe ich eines der hauptsächlichen Anwendungsfelder. Möglicherweise ist diese Ausweitung des persönlichen Analysierens, das die Zugauswahl differenziert bei gleichzeitiger taktischer Balance, eine der Möglichkeiten, dem drohenden «Remis-Tod» des Spitzen-Fernschachs entgegenzutreten. Geht man davon aus, dass das moderne Großmeister-Fernschach ohne Software-Unterstützung heute undenkbar ist, eröffnen solche neuen Programmier-Ansätze durchaus auch neue Perspektiven.
Wen die Details dieser neuen «Assisted Analyses» näher interessieren, dem sei das Youtube-Video empfohlen, das Programmierer Matthias Wüllenweber selber ins Netz gestellt hat.

«Chessbase 14»: Kaufen oder nicht kaufen?

Das jüngste Programm aus dem Hause Chessbase ist nicht gratis: Der Download des Standard-Pakets schlägt mit 100 Euro zu Buche, für das «Startpaket» will Chessbase 190 Euro, und das vollumfängliche «Premium» reißt ein fettes Loch von sogar fast 400 Euro ins Portemonnaie. (Zu den Inhalten der einzelnen Pakete siehe hier )
Wie eingangs erwähnt: Otto Normalverbraucher braucht dieses hochprofessionelle Programm, dessen Feature-Reichtum und -Vielfalt seinesgleichen sucht, keineswegs: Allein die Einarbeitungszeit in eine so komplexe Software steht in keinem Verhältnis zum realen Nutzen, den ein durchschnittlicher Vereinspieler mit seinen 1600 Elo-Punkten je daraus ziehen könnte. (Wobei «Chessbase» im Vergleich etwa zu seinem traditionellen Markt-Kontrahenten «Chess Assistant» meines Erachtens immer noch sehr viel User-freundlicher daherkommt). Dem «gewöhnlichen» Schachspieler reicht irgend eine der «Fritz»-Versionen 11 bis 15 oder eines der zahlreichen Freeware-GUI‘s mit ihrer relativ simplen PGN-  bzw. Gratis-Engine-Anbindung völlig.

Fazit-Banner Glarean Magazin
Neben seinen bisherigen Möglichkeiten, die mittlerweile kaum mehr Wünsche offenlassen hinsichtlich eines professionellen Handlings von Schachpartien zeichnet sich mit dem jüngsten «Chessbase 14» ein willkommener Trend ab weg vom rein technischen Verwalten von Schach-Partien hin zu den schachanalytischen Aspekten des Umgangs mit nicht nur dem mittlerweile unüberschaubaren Fundus an Gratis-Partienmaterial, sondern auch mit allen Bereichen der privaten Beschäftigung mit Schach. Mit «Chessbase 14» schickt sich Schach-Software endgültig an, zum ebenbürtigen Partner des Menschen zu werden. Auf die weitere Entwicklung dieses Zweiges der Schach-Programmierung darf man gespannt sein…

Das weltweit große Heer der ambitionierten Turnier-Spieler hingegen wird sich auch «Chessbase 14» unter den Weihnachtsbaum 2016 legen wollen. Denn neben seinen bisherigen Möglichkeiten, die mittlerweile kaum mehr Wünsche offenlassen hinsichtlich eines professionellen Handlings mit Schachpartien – eine Übersicht auf das enorme Funktionen-Angebot findet sich hier – zeichnet sich mit «Chessbase 14» ein willkommener Trend ab weg vom rein technischen Verwalten von Schach-Partien hin zu den schachanalytischen Aspekten des Umgangs mit nicht nur dem mittlerweile unüberschaubaren Fundus an Gratis-Partienmaterial, sondern auch mit allen Bereichen der privaten Beschäftigung mit Schach. Mit «Chessbase 14» schickt sich Schach-Software endgültig an, zum ebenbürtigen Partner des Menschen zu werden. Auf die weitere Entwicklung dieses Zweiges der Schachprogrammierung darf man gespannt sein…

Matthias Wüllenweber, Matthias Feist: Chessbase 14 – Schach-Datenbank, DVD & Online-Download

«Caissa»-Zeitschrift (Schach & Brettspiele) gegründet

Ein neues Magazin für die schachhistorische Forschung

von Walter Eigenmann

Caissa- Cover-Erstausgabe-Glarean MagazinWer im Online-Jahre des Herrn 2016 ein neues Print-Medium auf den Markt wirft, das ausgerechnet Schachhistorie zum Gegenstand hat, ist entweder verrückt, oder naiv, oder ein Chess-Junkie, oder Millionär, oder das alles zusammen. Der Neunkirchener Althistoriker Dr. Mario Ziegler ist (wahrscheinlich) nichts von alledem – und trotzdem wagten er und seine Mitarbeiter vom Chaturanga-Verlag, mit «Caissa» eine halbjährliche 100-seitige «Zeitschrift für Schach- und Brettspielgeschichte» ins Leben zu rufen. Vor kurzem präsentierte Ziegler im Verbund mit dem Salzburger Co-Herausgeber Prof. Dr. Rainer Buland nun die erste «Caissa»-Nummer.

Wer soll «Caissa» – nicht zu verwechseln mit der gleichnamen ehemaligen «Schachrundschau Caissa», die 1955 mit der Deutschen Schachzeitung fusionierte – eigentlich lesen? In seinem Vorwort zur Erstausgabe umreißt der Initiant und Chefredakteur Mario Ziegler die Intention des Magazins: «Caissa will eine Plattform schaffen, auf der Forschungsergebnisse der unterschiedlichsten Disziplinen im Bereich der Schach- und Brettspiel-Geschichte präsentiert werden können und dadurch ein Bild vom gegenwärtigen Stand der Forschung deutlich wird». Die Zeitschrift solle «die gesamte Schach- und Brettspiel-Geschichte von den ersten Anfängen bis in die jüngste Vergangenheit, einschliesslich Verweisen auf Brettspiele in der Kunst und Literatur» berücksichtigen.

Defizite in der aktuellen Schach-Geschichtsforschung

Schach-Mario-Ziegler-Glarean-Magazin
«Die gesellschaftliche Bewertung des Spiels für ganze Epochen der Geschichte steht noch aus»: «Caissa»-Initiant und -Herausgeber Mario Ziegler (*1974)

Dabei ortet Ziegler Defizite in der aktuellen Schachgeschichts-Forschung, z.B. die mangelnde Institutionalisierung der zahlreichen, aber in ihrer Vereinzelung wirkungslosen Solo-Projekte: Es existierten bedeutende nationale und internationale «Gruppierungen, die sich den verschiedenen Aspekten der Brettspiele und insbesondere des Schachspiels widmen – eine Vernetzung all dieser Bemühungen sucht man jedoch nach wie vor vergeblich». Die meisten dieser Initiativen seien privatem Engagement geschuldet, vermisst werde ein «übergeordnetes Konzept». Auch im universitären Bereich würden die Brettspiele als Forschungsgegenstand kaum wahrgenommen: «Auch wenn immer wieder Teilaspekte in den Blick genommen werden, so ist doch bezeichnend, dass etwa die gesellschaftliche Bewertung des Spiels für ganze Epochen der Geschichte noch nicht aufgearbeitet ist». Explizite Zielgruppen von «Caissa» sind dementsprechend «Bibliotheken, Wissenschaftler und interessiertes Fachpublikum im Bereich der Geschichts-, Sprach- und Kulturwissenschaften».

Breites thematisches Spektrum

Seite_Hübner
«Caissa»-Autor und Großmeister Robert Hübner arbeitete akribisch diverse Partien des legendären Matches Blackburne-Steinitz von 1822 auf und recherchierte erstmals verschollen geglaubte Notationen

Welches thematisch vielfältige Untersuchungsfeld sich dabei für «Caissa» auftut, stellt bereits die Première-Ausgabe des Magazins unter Beweis: Vom ersten «Wettkampf zwischen Blackburne und Steinitz» (Autor: Robert Hübner) über ein Portrait des bedeutenden ungarischen Schachspielers und Redakteurs Laslo Toth (Ivan Bottlik) bis hin zur «NS-Ideologie im Brettspiel» (Antonella Ziewacz) und einem Rückblick auf die «Wendejahre 1989-90 in der Zeitschrift ‚Schach’» (Bernd Gräfrath) deckt die Erstausgabe ein schachhistorisch wie -wissenschaftlich ebenso heterogenes wie informatives Spektrum ab. Hinzu kommen die unverzichtbaren Rezensionen und Verlags-Ankündigungen einschlägiger Fachliteratur, vor allem aber zahllose, durchwegs sorgfältig gewählte und qualitativ hervorragende Bild-Dokumentationen zu jedem Artikel.

Die internationale Ausrichtung des Bandes unterstreichen dabei jene Beiträge, die nicht nur in englischer Sprache kurz zusammengefasst, sondern gleich ausschließlich im englischen Original abgedruckt werden. Zu erwähnen ist hier ein schöner Essay von Peter J. Monté, der den mythischen bzw. gött-lichen Urgünden des Schachspiels in den altpersischen, -griechischen und -römischen Kulturen in Wort und Bild nachspürt, sowie ein komplett englisch verfasster Abriss von Adrian Harvey «Social participation in the game of chess», der kenntnisreich das Schachspiel als bedeutender Teil der «gehobenen» Freizeitkultur im England des 18. Jahrhunderts bis in unsere heutigen Tage der schachlichen «Durchdringung» aller Gesellschaftsschichten untersucht.

Das Schach in Büchern des Deutschen Barock und der frühen Neuzeit

Seite_Schönle
Schachhistoriker Siegfried Schönle fahndete umfangreich und wissenschaftlich exakt dokumentiert nach Spuren und Belegen zum Schachspiel in Drucken aus dem 17. Jahrhundert

Im Zentrum dieser Erstausgabe steht aber die 44-seitige «annotierte Bibliographie» über das «Schach in Büchern aus der Zeit des Deutschen Barocks und der frühen Neuzeit» des Kasseler Schachliteratur-Sammlers Siegfried Schönle. Mit Akribie und umfangreichem Quellen-Nachweis stellt der Autor eine Fülle von Büchern bzw. Reprints aus dieser Zeit mit explizitem Schachbezug zusammen, dokumentiert fast alle entspr. Publikationen mit Cover- und/oder Detail-Bebilderung, stellt den allgemein-kulturellen und literarisch-belletristischen Spuren der Buch-Inhalte nach, fördert schachkulturell Belangloses ebenso wie schachhistorisch Richtungsweisendes zutage und dokumentiert so einen illustren, ja manchmal bizarren Bilderbogen des Phänomens Schach im Werk zahlreicher Forscher und Schriftsteller jener Zeit.

Printtechnisch und typographisch erlesene Qualität

Seite_Ziewacz
«Gesellschaftsspiele spiegeln den Zeitgeist einer Epoche wieder und sind dadurch historische Quellen für Ansichten und Entwicklungen einer Gesellschaft»: Antonella Ziewacz beleuchtet den Kulturmissbrauch des Spiels während der Nazi-Diktatur

So vielfältig der historische Mix dieser ersten, in einer Startauflage von 5’000 Exemplaren gedruckten «Caissa»-Nummer daherkommt, so sehr hält dabei das Outfit des Bandes mit. Das im dreispaltigen Layout präsentierte und durchwegs farbig bebilderte Heft ist sowohl vom Print als auch von der Typographie her äussert qualitätsvoll aufgezogen. Sogar die detailverliebte Partien-Kommentierung eines Robert Hübner mit ihrer Varianten-Verschachtelung kommt problemlos lesbar daher, wobei die weinrote Farbe der Diagrammdrucke eine schöne optische Finesse darstellt. Man merkt dem Heft auf jeder Seite den professionellen Anspruch an, den Herausgeber und Druckerei an dieses Magazin stellen. Ein special compliment geht an dieser Stelle auch an R. Dobicki & S. Schäfer für das erlesene Grafikdesign.

Fazit-Rezensionen_Glarean Magazin
Die neugegründete Zeitschrift «Caissa» widmet sich der historisch-wissenschaftlichen Forschung des Schachs und der Brettspiele. Die Erstausgabe dokumentiert eindrücklich ein breites thematisches Spektrum und eine erlesene Qualität sowohl in drucktechnischer wie in grafischer Hinsicht. Für die historisch-wissenschaftlich Interessierten unter den Schach-Adepten ist «Caissa» zweifellos das neue Referenz-Printmedium.

Wer als Amateur- oder Turnier-Spieler mal schachkulturell über den Rand seines kleinen 64-feldrigen Brettes hinausblicken wollte, der griff bis heute vorzugsweise zu einem anderen, ebenfalls qualitätsvollen Schach-Periodikum, nämlich «Karl». Seit kurzem wird also nun mit «Caissa» auch für die historisch-wissenschaftlich Interessierten unter den Schach-Adepten eine willkommene und qualitativ professionelle Ergänzung zur Verfügung stehen, die zumal mit einem Einzelpreis von 15 Euro pro Band das Budget absolut fair belastet. Für diese Leserschicht ist «Caissa» zweifellos das neue Referenz-Printmedium – auch oder gerade in unseren modernen Tagen der kurzlebigen Live-Turnier-News und des Blog-Häppchen-Schachs… ■

Mario Ziegler (Hrsg.): Caissa – Zeitschrift für Schach- und Brettspielgeschichte Nummer 1/2016 (Erstausgabe), 94 Seiten, Chaturanga Verlag, ISSN 2363-8214

Sojka-Streichquartett: Böhmische Kammermusik

Ersteinspielungen böhmisch-mährischer Vorklassik-Quartette

von Walter Eigenmann

String Chamber Music - Sojka Quartet - Kammel u.a. - TYXart - CoverDankenswerterweise überzeugen kleinere CD-Labels wie das vor vier Jahren gegründete deutsche TYXart immer wieder mit CD-Produktionen, die einerseits mit stilstischen Konzeptionen völlig abseits des kommerziellen Mainstreams agieren, aber gleichzeitig auf hohe künstlerische und aufnahmetechnische Qualität Wert legen. Ein gutes Beispiel dieses Anspruches von TYXart-Gründer und -Recording-Producer Andreas Ziegler stellt auch die jüngste TYXart-Kammermusik-Produktion dar, die böhmisch-mährische Komponisten des 18. Jahrhunderts mit ausgesuchten und kaum aufgeführten, kompositorisch aber exquisiten Streichquartetten vorstellt. Dabei präsentiert das Prager Sojka Quartet mit Martin Kos und Martin Kaplan (Violinen), Josef Fiala (Viola) und Hana Vitkova (Violoncello) als Ersteinspielungen drei Quartette von Antonin Kammel, Florian L. Gassmann und Anton Zimmermann sowie die C-Dur-Sonate von Franz Koczwara für 2 Violen und Cello.

Technisch filigran und fein durchgehört

Weitgefächerter böhmischer Spät-Barocker und Wiener-Vorklassik-Wegbereiter: Florian Leopold Gassmann (1729-1794)
Weitgefächerter böhmischer Spät-Barocker und Wiener-Vorklassik-Wegbereiter: Florian Leopold Gassmann (1729-1794)

Das durchwegs technisch filigran und fein durchgehört musizierende Sojka stellt gerade mit den beiden Quartetten des Haydn-Wegbereiters Kammel (op. 7/2) sowie des kompositorisch sehr weitgefächerten Spätbarocken und Martini-Schülers Gassmann (Nr.2/1804) zwei besonders exemplarische Werke des böhmisch-mährischen Musik-Erbes vor, welches die Mannheimer Schule um Stamitz bis hinein zur Wiener Frühklassik teils initiierte, teils vervollständigte. Auch mit Zimmermanns F-Dur-Quartett (op.3/3) präsentieren die vier Sojka-Streicher ein die Originalität böhmischer Kammer-Komponisten eindrücklich dokumentierende Ersteinspielung, deren ungewöhnliche, variative Satzfolge und die spieltechnisch virtuose Anforderungen stellende Architektonik hervorragend herausgearbeitet werden.

Rhythmisch agil und doch klanglich satt

Innovative Kammermusiker mit stilistisch vielseitigem Repertoire: Das Sojka Quartet (Prag)
Innovative Kammermusiker mit stilistisch vielseitigem Repertoire: Das Sojka Quartet (Prag)

Die Affinität des Sojka-Quartetts zu diesem böhmischen Erbe des frühen 18. Jahrhunderts überrascht umso mehr, als die vier Musiker bis anhin eher mit Wiener Klassik, vor allem aber mit moderner tschechischer Kammermusik (Samiec, Cervinka, Pexidr u.a.) sowie mit Interpretationen der Zweiten Wiener Schule (Schönberg, Webern u.a.) in Erscheinung getreten sind, und sie unterstreicht damit eindrücklich die künstlerische Flexibilität und stilistische Spannweite dieser Streicher-Formation. Das Quartett interpretiert grundsätzlich mit rhythmischer Agilität und trotzdem betont sattem Quartett-Klang, der wohl nicht nur der Aufnahmetechnik, sondern auch dem leicht halligen Aufnahmeort (Oberpfälzischer Bezirk-Festsaal) geschuldet ist.

Das Sojka verbindet dabei geglückt das melodisch Leicht-Unbeschwerte des böhmischen Kolorits mit dem dynamisch kraftvoll nachgezeichneten Zugriff in den Kopfsätzen, und es findet dann wieder schön mitschwingendes Melos in den ruhigen Teilen. In einzelnen Passagen mag der Glanz der Geigenhöhen etwas zu kurz kommen zugunsten der füllig-dunklen Tiefen, aber das dürfte auf klanggeschmacklicher Präferenz des Sojka-Quartetts basieren.
Abgerundet wird die ebenso interessante wie überraschende CD-Publikation durch ein informatives, mehrsprachiges, das musikhistorische Umfeld der Quartette und ihrer Komponisten kurz beleuchtendes Booklet. Kaufempfehlung! ■

FAZIT: Das Prager Sojka-Streichquartett stellt in dem kleinen, aber feinen Klassik-Label TYXart seltene, jedoch exqusite Kammermusiken von bedeutsamen böhmisch-mährischen Komponisten der Frühklassik vor: Kammel, Gassmann, Koczwara und Zimmermann. Die interessante CD-Produktion enthält ausschließlich Ersteinspielungen, das Quartett musiziert dabei filigran und mit doch betont füllig-sattem Streicherklang. Eine empfehlenswerte Novität.

Sojak Quartet: String Chamber Music by 18th Century Bohemian Composers – Kammel, Gassmann, Koczwara, Zimmermann – TYXart 2016

Weitere Musik-Rezensionen im Glarean Magazin

15. Version des Chessbase-Schachprogrammes «Fritz»

Fritz der Fünfzehnte

von Dr. Mario Ziegler

Mit dem Slogan «Neuer Fritz, neuer Freund» wirbt die Hamburger Software-Firma ChessBase für das neueste Pferd in ihrem Stall, die aktuelle Version des Schachprogramms Fritz. Wer sich ernsthaft mit Schach beschäftigt und dabei den Computer nicht völlig vernachlässigt, wird bereits eigene Erfahrungen mit der einen oder anderen Vorgängerversion gemacht haben – nicht umsonst ist der seit 1991 existierende Fritz das verbreitetste Schachprogramm überhaupt.
In meiner nachfolgenden Besprechung werde ich mich folglich nicht auf die unzähligen nützlichen Funktionen beziehen, die Fritz 15 mit seinen Vorgängern gemeinsam hat. Es ist völlig unstrittig, dass ein Schachfreund, der noch keinen einen älteren Fritz besitzt, bei Fritz 15 bedenkenlos zugreifen kann. Wie sieht es aber aus, wenn man schon die Vorgängerversion auf dem heimischen PC installiert hat? Lohnt sich auch dann der Umstieg trotz erheblichen Kaufpreises?

„Fritz“ massiv in Richtung Internet

Zunächst etwas zu den Testbedingungen, die in der immer komplexer werdenden Technikwelt des 21. Jahrhunderts zunehmende Bedeutung gewinnen. Ich habe Fritz (und natürlich auch die zum Vergleich herangezogene Engine Houdini 4) auf einem AMD FX-8320 Eight-Core Prozessor mit 32 GB RAM und Windows 8.1 betrieben.

Gleich der Startbildschirm fällt auf – alles so anders und ungewohnt:

Ungewohnter Startbildschirm des neuen "Fritz 15"
Ungewohnter Startbildschirm des neuen „Fritz 15“

Bereits dieser Bildschirm macht deutlich, wohin es vermutlich in der Zukunft bei Fritz noch stärker gehen wird: Gefragt sind die Angebote im Internet, sei es als Trainingsfeatures, sei es in Form von Cloud-Datenbanken. Auch der Videobereich ist selbstverständlich von Interesse, erhält man hier doch Zugriff auf die zahlreichen Videolektionen und Übertragungen, die ChessBase mittlerweile dem Premium-Nutzer zur Verfügung stellt. Im Leistungspaket von Fritz 15 sind 6 Monate kostenloser Premium-Zugang enthalten.

Startbildschirm der ChessBase-Mediathek von "Fritz 15"
Startbildschirm der ChessBase-Mediathek von „Fritz 15“

Doch auch über diesen Aspekt möchte ich mich nicht weiter auslassen, auch wenn die spielerischen und didaktischen Möglichkeiten des ChessBase-Servers Playchess sicher für viele Nutzer ein entscheidendes Kriterium darstellen werden. Aber diese Möglichkeiten können natürlich auch auf anderem Wege als durch den Erwerb von Fritz 15 erworben werden. Was bringt Fritz also selbst Neues mit sich?

Ex-„Rybka“-Programmierer nun für „Fritz“-Motor verantwortlich

Sofort springt der Name des Programmierers ins Auge. Vasik Rajlich, internationaler Schachmeister und durch die Erfolge seines früheren Programms Rybka weithin in der Szene bekannt, zeichnet für den «Motor» von Fritz 15 verantwortlich. Nach den Plagiatsvorwürfen gegen ihn im Zusammenhang mit der angeblichen Verwendung des Codes zweier anderer Engines für Rybka und der nachfolgenden Aberkennung der Computerschach-Weltmeisterschaften 2006-2010 durch die International Computer Games Association war es still um Rajlich geworden. Nun meldet er sich also mit einer neuen prestigeträchtigen Engine zurück.
Die Spielstärke des Programms liegt bei… keine Ahnung! Die Rangliste des Schwedischen Schachcomputervereins SSDF führte Fritz 15 zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Rezension noch nicht, und ich als absoluter Nicht-Schachcomputer-Experte maße mir nicht an, durch irgendwelche Tests eine Angabe über die Spielstärke des Programms machen zu wollen. Bei Elozahlen jenseits der 3300 (!!), die die SSDF-Liste für die Spitzenprogramme vermerkt, dürften hier kleine Unterschiede auch allenfalls für die absolute Weltspitze im Nah- oder Fernschach von Interesse sein. Im Übrigen verweise ich auf die Rezension des Kollegen Uwe Bekemann auf dem Schach-Ticker vom 23. Januar 2016, wo auf diese Frage näher eingegangen wird. Ich fand es lediglich interessant, dass bei einer längeren Daueranalyse (Rechenzeit ca. eine Stunde) einer Partie zweier «alter Meister» Fritz 15 zu deutlich anderen Bewertungen kam als mein Houdini 4:

"Fritz"-Analysebildschirm bei Spassky-Simagin
„Fritz“-Analysebildschirm bei Spassky-Simagin

In dieser Situation wählte Simagin die Umgruppierung 36…Ld8, die etwa Mark Dworetzki und Artur Jussupow mit einem Rufzeichen schmücken: «Wie kann Schwarz die Position verstärken? Verfrüht wäre 36…h4? 37.g4. Simagin findet einen ausgezeichneten Plan. Er führt seinen Läufer nach c7 und baut damit eine Dame-Läufer-Batterie auf, die dem weißen König gefährlich werden kann. Die Bauerndurchbrüche gewinnen danach an Kraft.» (aus: Positionelles Schach – Wie man sein Stellungsgefühl trainiert, Hombrechtikon/Zürich, Olms 1996).
Wie zu sehen, ziehen beide Engines den Zug 36…Ld8 in Betracht, favorisieren aber jeweils einen anderen. Interessant ist nun, dass Fritz 15 mit immerhin nennenswertem Abstand von 0,14 Bauerneinheiten die sofortige Transformation der Stellung durch 36…cxb4 vorschlägt, während Houdini diesen Zug noch nicht einmal unter seinen Top 5 führt. Und wer hat nun Recht – sofern man das überhaupt sagen kann? Ich griff Fritz‘ Vorschlag auf, ließ Schwarz auf b4 nehmen und kam nach wenigen Zügen, über die beide Engines sich einig waren, zu folgender Stellung:

"Fritz"-Analysebildschirm bei Spassky-Simagin
„Fritz“-Analysebildschirm bei Spassky-Simagin

Hier ließ ich die Engines wiederum eine Stunde rechnen, und siehe da, Houdini schwenkte auf die Linie von Fritz ein und sah Schwarz nun ebenfalls merklich im Vorteil. Achtungserfolg für Fritz, aber ich betone noch einmal, dass ich damit keinerlei Aussage über die Spielstärke oder Analysefähigkeit der Engines treffen möchte. Für den normalsterblichen Schachspieler sind beide sicherlich absolut erste Wahl.

„Fritz“-Modus „Freund“ passt sich dem Menschen

Das Spiel gegen Fritz hat angesichts der Spielstärke heutiger Computer nur noch den Charakter eines Trainings: Eine Chance hat man als Mensch (vielleicht von Magnus Carlsen und wenigen Anderen abgesehen) sowieso nicht mehr. Umso wichtiger ist es heute, dem Menschen nicht die Lust am Spiel zu verderben, ihm also eine Chance zu lassen. Bereits seit langem beinhaltet Fritz den «Freund»-Modus, der sich der Stärke des menschlichen Partners anpasst. Nun lässt Fritz auch eine Signallampe leuchten, sobald er einen Fehler einstreut (im folgenden Screenshot ließ Sf3-d2 natürlich den Figurengewinn durch …f5-f4 zu).

Die blinkende Lampe am unteren Rand weist auf den taktischen Fehler hin
Die blinkende Lampe am unteren Rand weist auf den taktischen Fehler hin

Auf Grund der Ergebnisse aus diesen Partien berechnet das Programm eine Wertungszahl des Menschen für die verschiedenen Partiephasen:

Auswertung zweier Freundschaftspartien. Offensichtlich gibt es noch Steigerungspotential...
Auswertung zweier Freundschaftspartien. Offensichtlich gibt es noch Steigerungspotential…

Wie aussagekräftig diese Statistik nun ist, muss jeder für sich entscheiden, denn logischerweise sagt eine schwache Wertungszahl im Mittelspiel noch nicht viel aus (hat man taktisch gepatzt oder eine strategische Stellung misshandelt?).

Zahlreiche Trainingsfunktionen bei „Fritz 15“

Die Trainingsfunktionen von Fritz sind zahlreich. An neuen Elementen ist mir besonders das Rechentraining aufgefallen, wo – analog zur praktischen Partie – die Variante im Kopf berechnet werden muss. Die Züge werden per Maus eingegeben, auf dem Bildschirm aber nicht angezeigt.

Stellung der Partie Bowdler-Philidor, London 1788. Na, wie war denn gleich noch mal die Variante nach Sxh7?
Stellung der Partie Bowdler-Philidor, London 1788. Na, wie war denn gleich noch mal die Variante nach Sxh7?

Nach Beendigung des Trainings nimmt das Programm eine Bewertung der Berechnung vor.

Ein weiteres nettes Feature ist die Vorgabepartie:

Auch wenn ein Mehrbauer (oder auch mal ein -springer?) gegen Fritz noch lange keine Sieggarantie bedeutet, vermittelt er doch ein gutes Gefühl...
Auch wenn ein Mehrbauer (oder auch mal ein -springer?) gegen Fritz noch lange keine Sieggarantie bedeutet, vermittelt er doch ein gutes Gefühl…
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Für wen lohnt sich die Neuanschaffung des jüngsten, des 15. «Fritz»-Schachpaketes? Hier sehe ich die Zielgruppe diesmal nicht so sehr bei den «Profis», die von Neuerungen bei früheren Versionen wie etwa der Cloud sicher eher profitierten als die Hobby- und Vereinsspieler. Doch gerade für diese stellt Fritz 15 etliche interessante neue Funktionen bereit, die für das Training eingesetzt werden können oder auch einfach nur Spaß machen. Wer nicht sowieso schon eine aktuellere Software aus dem Haus ChessBase besitzt, kann angesichts der Möglichkeiten, die der Playchess-Server und die Mediathek bieten, bei einem Kauf ohnehin nicht viel falsch machen.

Zum Schluss also wie immer die Gretchenfrage: Für wen lohnt sich die Neuanschaffung? Hier sehe ich die Zielgruppe diesmal nicht so sehr bei den «Profis», die von Neuerungen bei früheren Versionen wie etwa der Cloud sicher eher profitierten als die Hobby- und Vereinsspieler. Doch gerade für diese stellt Fritz 15 etliche interessante neue Funktionen bereit, die für das Training eingesetzt werden können oder auch einfach nur Spaß machen. Wer nicht sowieso schon eine aktuellere Software aus dem Haus ChessBase besitzt, kann angesichts der Möglichkeiten, die der Playchess-Server und die Mediathek bieten, bei einem Kauf ohnehin nicht viel falsch machen. ■

Fritz 15, DVD-Schach-Software, ChessBase, ISBN 978-3-86681-483-7

Weitere Schach-Rezensionen im Glarean Magazin

Neue Schach-Bücher von W. Uhlmann und A. Schulz

Wolfgang Uhlmann: «Meine besten Partien»

von Walter Eigenmann

Wolfgang Uhlmann - Meine besten Partien - Cover - Glarean MagazinNeben dem westdeutschen Unzicker ist der ostdeutsche Uhlmann der zweite der beiden berühmten Wolfgangs, die jahrelang das deutsche Schach hüben bzw. drüben ab den 1960er Jahren als Vorkämpfer dominierten. Eine eigene umfangreiche Partien-Buch-Monographie des inzwischen 80-jährigen Ex-DDR-Spielers Wolfgang Uhlmann aus Dresden war schon längst fällig. (Übrigens war Uhlmann bei seinem bislang letzten Einsatz in der deutschen Bundesliga am 15. März 2015 79 Jahre alt und damit der älteste Spieler, der jemals in der auf höchstem Schach-Niveau spielenden 1. Bundesliga zum Einsatz kam…)

Ausgehend von seinen «historischen» Begegnungen u.a. mit den Weltmeistern Euwe, Botwinnik, Smyslow, Petrosjan, Tal, Spasski, Fischer, Karpow, Anand und Khalifman breitet der nach wie vor auch als Schach-Theoretiker und -Kolumnist tätige Autor in seiner Partien-Sammlung «Meine besten Partien» die schönsten Games seiner an Schach-Erfolgen reichen Karriere aus. Uhlmann garniert natürlich alle Partien nicht nur mit theoretischen Kommentaren, sondern auch biographischen, psychologischen oder anekdotischen Anmerkungen. Angereichert wird der eher schlicht gestaltete Band mit einer Reihe bislang unveröffentlichter Fotos.
Insgesamt ein schachliches Zeitdokument über eine längst vergangene, aber auf Schritt und Tritt noch immer präsente Schach-Epoche – und ein ganz persönlicher Rückblick einer beeindruckenden Spieler-Persönlichkeit. ♦

Wolfgang Uhlmann: Meine besten Partien, – 324 Seiten, Verlag Chaturanga, ISBN 978-3-944158-07-5


André Schulz: «Das grosse Buch der Schach-Weltmeisterschaften»

von Walter Eigenmann

Andre Schulz - Das grosse Buch der Schach-Weltmeisterschaften - Glarean MagazinDer Online-Schach-Redakteur, -Feuilleton-Autor und -Video-Moderator André Schulz ist mit M. Wüllenweber und M. Feist einer der bestimmenden Köpfe der Hamburger Schachsoftware-Firma Chessbase. Verantwortlich auch für den medialen Auftritt des Unternehmens versorgt er seit bald 20 Jahren die internationale Szene mit News, Interviews und Analysen aus allen theoretischen, gesellschaftlichen und biographischen Bereichen der Schachwelt. Nun tritt er erstmals auch als Buch-Autor in Erscheinung – und dies gleich mit einem «Einstieg ganz oben», mit einem «großen Buch» über die 46 Titelkämpfe der Schach-Weltmeisterschaften «von Steinitz bis Carlsen».

Interessante psychologische Hintergründe der Weltmeisterschaften

Der Band füllt – trotz thematisch verwandter und bedeutender anderer Publikationen wie z.B. Schonbergs «Die Grossmeister des Schach» (1982), Kasparows 7-bändigem «Meine großen Vorkämpfer» (2006) oder Stolzes «Umkämpfte Krone» (1992) – eine Lücke im Schachbuch-Regal zu den Weltmeisterschaften. Denn Schulz trug insbesondere zu den biographisch-psychologischen wie schach-politischen Hintergründen der WM-Begegnungen der letzten Jahre seit Kasparows Regentschaft – also die (persönlich miterlebte) Zeit von Kramnik, Anand und Carlsen – eine Fülle an Insider-Wissen und «Backstage-News» zusammen, die man hier teils zum ersten Mal erfährt. Aber auch zu den Legenden Capablanca, Aljechin oder Lasker bis hin zur russischen Hegemonie wider das Schachgenie Bobby Fischer grub der Chessbase-Mann tief in der Biographien-Kiste und förderte zahlreiches Amüsantes wie Wissenswertes, dabei oft noch Unveröffentlichtes zu Tage.
Jede WM-«Epoche» ist mit einer charakteristischen, teils mit Computerhilfe, teils mit eigenen Theorien kommentierten Partie sowie mit Bildmaterial illustriert. Letzteres vermag in fotoqualitativer Hinsicht unterschiedlich zu überzeugen, doch insgesamt punktet diese instruktive Schach-Historie mit einer sorgfältigen Typographie, einer ansprechenden layouterischen Gestaltung, mit solider Buch-Fadenbindung und stabilem Hardcover-Einband, wobei der Preis für ein Buch in dieser Qualität moderat ausgefallen ist. Eine schön konzipierte und unterhaltsame Novität für all jene Schach-Freunde, die es mehr nach «Psycho-Futter» denn nach trockener Eröffnungstheorie gelüstet. ♦

André Schulz: Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften – 46 Titelkämpfe von Steinitz bis Carlsen, 352 Seiten, Verlag New In Chess, ISBN 978-90-5691-637-4

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