Efrat Gal-Ed: «Niemandssprache: Itzig Manger – ein europäischer Dichter»

Prinz der jiddischen Ballade

Günter Nawe

Niemandssprache - Itzik Manger – ein europäischer Dichter - Suhrkamp - Cover«Jiddische Literatur gehört den kleinen Literaturen an und weist einen ungewöhnlichen Reichtum an literarischen Genres auf». So steht es in dem außergewöhnlichen interessanten, wichtigen und schönen Buch der Malerin, Autorin und Jiddistik-Professorin Efrat Gal-Ed. Zu diesem «ungewöhnlichen Reichtum» dieser Literatur hat der jiddischen Dichter Itzik Manger (1901-1969) mit seinem Werk Wesentliches beigetragen. Seine Biografie – «der erste Versuch einer kritischen Biografie» – hat Efrat Gal-Ed jetzt unter dem Titel «Niemandssprache: Itzig Manger – ein europäischer Dichter» veröffentlicht.
Außergewöhnlich ist dieses Buch auf vielerlei Weise. Einmal ist es der Dichter, dem diese Biografie gewidmet ist, zum anderen die typografische «Konstruktion» dieses Buches, die sich an den Talmud anlehnt. «Auf Seitenmitte steht der Haupttext,… um ihn herum, in einer anderen, kleiner gesetzten Schrift, stehen Erörterungen und Auslegungen aus späteren Jahrhunderten…», so erklärt die Autorin ihr typografisches Konzept. Und so war auch der Gestaltungsmodus der jiddischen Bücher, den sich Efrat Gal-Ed für dieses Buch zu Eigen gemacht hat. Die jiddischen Texte werden – wie seinerzeit üblich – zudem in hebräischer Schrift zitiert. Allerdings dann ins Deutsche (in lateinischer Umschrift) «übersetzt». Für den Leser eine Herausforderung, der er sich allerdings gern stellt.
Ist doch das Thema, das auf diese Weise präsentiert wird, von größtem Interesse. Die jiddische Kultur, die Sprache – sie waren doch lange Zeit für viele Menschen von größter Bedeutung. Noch im vorigen Jahrhundert war «Jiddischland» innerhalb Europas ein säkularer Kulturraum – eine Kultur und eine Sprache, die weitestgehend in Vergessenheit geraten ist. Heute sind es leider nur noch etwa 1.5 Millionen Menschen, die Jiddische sprechen.

Itzik Manger
Itzik Manger

Ein Vertreter dieser Kultur war Itzik Manger. Geboren wurde er in Czernowitz, in einer multi-ethnischen Stadt in der Bukowina. Für ihn waren deutsche Kultur und Sprache – wie für viele andere auch: Paul Celan und Rose Ausländer u.a. – der Maßstab, an dem er sich und sein Schaffen orientierte. Dennoch entschied er sich, wie Efrat Gal-Ed schreibt, für das Jiddische als seine «Dichtersprache». Für ihn war sie «herrenlos», war «Jiddisch… «Niemandsprache», war sie «Niemandsliteratur» in einer «Niemandswelt».
In dieser «Niemandswelt» lebte der Itzik Manger. «Der exzentrische Dichter mit seinen originellen Versen, seinen rumänisch-zigeunerischen Weisen, mit seinen Träumen und selbst mit seinen Skandalen erweckt in Warschau großes Interesse, auch über die literarischen Kreise hinaus.», schreibt Efrat Gal-Ed. Er gehörte der einen und anderen literarischen Gruppe an – und war doch irgendwie isoliert. Immer mal wieder denkt er an Selbstmord.
Und er reist: Warschau, wo die zweitgrößte jüdische Gemeinschaft der Welt lebte, und wo er seine wohl glücklichste Zeit verlebte, und Wilna, Krakau und Bukarest, Riga und Berlin und endlich auch nach Paris. Ein unstetes Leben, oft auch abenteuerlich-gefährliches Leben in Kriegs- und Nachkriegszeiten. Und weiter – nach England, nach New York und schließlich nach Israel. In Israel, in Gedera sollte der wohl größte und bedeutendste jiddische Dichter  am 20. Februar 1969 sterben. Israel mit einem großen Begräbnis als einen Helden der jiddischen Literatur.

Efrat Gal-Ed
Efrat Gal-Ed

Als Dichter war Itzik Manger unverwechselbar. In unzähligen Gedichten und Balladen hat er eine Welt beschrieben, die mit dem Holocaust untergegangen ist. Vor allem die Welt des osteuropäischen, des nichtassimilierten Judentums. Auf diese Weise wurde er berühmt – zumindest bis zur Zeit seines Exils. Danach verlor sich seine Stimme, trotz großen Erfolgs in Amerika.
Nicht nur von Efrat Gal-Ed zitierten Gedichte und Balladen belegen seine literarischen Qualitäten. Ergänzend zu dieser großartigen Biografie empfiehlt sich die Lektüre des ebenfalls von der Biografin herausgegebenen und übertragenen Bandes «Dunkelgold: Gedichte» (Jiddisch und deutsch).
Der Sohn eines Schneiders wurde zum jiddischen Troubadour, zum «Prinzen der jiddischen Ballade». Volkspoesie war die Quelle seines Schaffens. Auf diese Weise blieb Manger erdgebunden, blieb er mit seiner Poesie im Hier und Jetzt. Zuhause, als Kind hatte er die Volkslieder gehört. «Was für eine Orgie an Farbe und Klang. Ein verlassenes Erbe, Gold, das als Niemandsgut mit Füßen getreten wurde.» Er hat diesen Schatz gehoben.
Und so «klingt» es dann bei ihm:
«Stiller Abend. Dunkelgold. / Ich sitz beim Gläschen Wein. / Was ist geworden aus meinen Tagen? / Ein Schatten und ein Schein – / ein Augenblick von Dunkelgold / soll in mein Lied hinein.»

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Mit der Biografie des jiddischen Dichters Itzik Manger hat die Autorin Efrat Gal-Ed einen vergessenen europäischen Autoren des 20. Jahrhunderts ins literarische Gedächtnis zurück geholt. Und sie hat mit ihrem außergewöhnlichen Buch nicht nur eine spannende Lebens- und Autorengeschichte erzählt, sondern auch eine kleine, aber bedeutsame Literatur- und Kulturgeschichte geschrieben.

Sein poetisches Credo: «Der Künstler muss in menschlichen Kategorien denken, er muss nicht nur Mitgefühl mit dem Opfer haben, sondern in menschlichen Kategorien den Mörder verstehen, seine Motive, seine Pathologie, sein gesamtes Nervensystem». Auch das ist Itzik Manger.
Sein vielfältig verflochtenes, sein abenteuerliche und immer gefährdetes Leben hat die Autorin Gal-Ed in ihrem Buch beschrieben. Eigentlich sind es zwei Bücher. Denn Efrat Gal-Ed hat nicht nur die Biografie des Dichters geschrieben, den sie – und das wird in diesem Buch ganz deutlich – als europäischen Dichter begreift; sie hat diese Lebensgeschichte verwoben mit der Literatur- und Kulturgeschichte einer Zeit, in der die jiddisch-säkulare Kultur Osteuropas eine bedeutende Rolle spielte.
Der vergessene Dichter Itzik Manger – Efrat Gal-Ed hat ihn der Vergessenheit entrissen, ihm mit Empathie, profunder Kenntnis und wissenschaftlicher Akribie ein wunderbares Denkmal gesetzt. ■

Efrat Gal-Ed: Niemandssprache. Itzik Manger – ein europäischer Dichter, Suhrkamp Verlag, 784 Seiten, ISBN 978-3-633-54269-7

Judith Klinger: «Robin Hood – Auf der Suche nach einer Legende» (Biographie)

Mit Pfeil und Bogen für soziale Gerechtigkeit

Günter Nawe

Judith Klinger - Robin Hood - Cover - Glarean MagazinMan ist in Zusammenhang mit der Geschichte, den Geschichten um Robin Hood versucht, den eingängigen Buchtitel des Philosophen Richard David Precht etwas abzuwandeln: Wer war er – und wenn ja, wie viele. In der Tat: Robin Hood, der Vogelfreie aus Sherwood Forest, der Gesetzlose und Outlaw, der Sozialrebell – grün gewandet und mit Pfeil und Bogen – ist eine der schillerndsten Figuren der mittelalterlichen Welt. Und er ist es bis heute geblieben.
«Von Robin Hood existiert weder eine biographische noch überhaupt eine einzige, alles entscheidenden Geschichte, die ihn als Helden definiert», lässt uns Judith Klinger wissen, die sich in ihrem Buch «auf die Suche nach einer Legende» gemacht hat. Was also bleibt, sind Geschichte und Geschichten um diese legendäre Gestalt, sind Zeugnisse, die von ihm in vielfältiger Form erzählen
Durch acht Jahrhunderte hinweg lässt Judith Klinger, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mediävistik am Institut für Germanistik der Universität Potsdam den Aufstieg des vogelfreien Outlaws zum Superhelden der Populärkultur lebendig werden.  Das Bild von Robin Hood hat sich im Laufe von fast acht Jahrhunderten oft erstaunlich gewandelt. Vor allem aber: «In Robin Hood  verkörpern sich Träume, Träume von sozialer Gerechtigkeit, die in einer Zeit der Hedgefonds und Bankenkrisen neue Aktualität gewinnen können. Träume vom Leben im Einklang mit der Natur, wie sie die Namensgebung der deutschen Umwelt- und Naturschutzorganisation  Robin Wood beschwört.», so Judith Klinger.

Robin Hood - Glarean Magazin
Mittelalterlicher Outlaw-Bogenschütze im Dienste der Armen und Verfolgten: Robin Hood

Wie aber begann diese zeitlose Geschichte? Sie wird von Judith Klüger ausgehend von der frühen mittelalterlichen Balladensammlung «»A Gest of Robin Hood» erzählt.  Erste Spuren gab es bereits im 13. Jahrhundert. So soll sich hinter Robin Hood ein Graf Robert von Huntigdon verbergen. So ist es auf einem Grabstein aus dem Jahre 1247 zu lesen, der den Tod des Geächteten mit folgender Inschrift «beschreibt»: «Hier unter diesem kleine Grabstein liegt Robert von  Huntigdon. Kein Bogenschütze war so gut wie er, und die Leute nannten ihn Robin Hood. Solche Gesetzlose wie ihn und seine Männer wird England nimmermehr sehen. 24. Dezember 1247».
Robin Hood war kein Einzelgänger. Allen Freunden der vielen Geschichten sind seine Gefährten, seine «Merry man» bekannt: Little John, Will Scarlet und Much, später auch seine Gefährtin Marian. Eine einzigartige Gemeinschaft, die zwischen Sherwood Forest, Barnsdale und Nottigham, wo der berühmte Sheriff und Feind Robins zu finden war, ihrem «Handwerk» nachgegangen ist.

Judith Klinger - Glarean Magazin
Auf den Spuren eines weltweiten Mythos: Germanistin Dr. Judith Klinger

Aus Balladen, Zeugnissen und Dichtungen ist das Bild entstanden, das wir heute von ihm haben, ist seine «Vita» geschrieben worden – immer wieder mit neuen Varianten. Und das hat Gründe. «Robin Hood war immer schon ein Meister der Verwandlung», schreibt Judith Klinger. Mit ihr und anhand der ausführlich zitierten Literatur können wir auch den Aufstieg eines Geächteten zum Schattenkönig und zum einem Helden der Moderne nachverfolgen.

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Mythos oder Realität? Judith Klinger hat sich auf eine äußerst spannende Suche nach der Legende «Robin Hood» begeben. Sie hat es verstanden, die vielen historischen Verweise zu entschlüsseln, den aufregenden Weg dieser Symbolfigur vom Outlaw zum Sozialrebell nachzuverfolgen und zu zeigen, wie und auf welche Weise er heute noch «Wirkung» zeigt: in Literatur, Film und Comic.

Judith Klinger wird mit «Robin Hood – Auf der Suche nach einer Legende» den wissenschaftlichen Ansprüchen, die eine solche Arbeit erfordert, gerecht. Gleichzeitig bietet sie dem Leser eine äußerst spannende und hochinteressante Lektüre. So stellt sich eigentlich die Frage nach dem Erfolg der Suche nicht. Auch nicht mehr die Frage nach Mythos oder Realität. Robin Hood hat über die Zeiten ein sehr reales Eigenleben entwickelt.  Er wird immer noch eine Legende bleiben – auch wenn wir dank Judith Klinger nun eine Menge mehr über ihn wissen. Und er wird damit auch eine Symbolfigur bleiben, die auf vielfältige Weise in Filmen, Büchern, Computerspielen und Comics weiterlebt. ■

Judith Klinger: Robin Hood – Auf der Suche nach einer Legende, 208 Seiten, Lambert Schneider Verlag, ISBN 978-3-650-40054-3

Thomas O. H. Kaiser: «Klaus Mann – Ein Schriftsteller in den Fluten der Zeit»

Gute Recherche – in schlechte Form gegossen

Bernd Giehl

Kaiser - Klaus Mann - Biographie - Cover - Glarean MagazinSagen wir es einmal so: Es hätte was werden können. Ein richtig gutes Buch hätte es werden können. Eines, das auch Interesse bei einem Leser weckt, der Klaus Mann nur als den berühmten Sohn eines noch berühmteren Vaters kennt. Vermutlich hätte der Autor dazu nur dem Vorbild von Marcel Reich-Ranicki folgen müssen, der einen Aufsatz über Klaus Mann mit folgenden Sätzen einleitet: «Er war homosexuell. Er war süchtig. Er war der Sohn von Thomas Mann. Also war er dreifach geschlagen.» So erweckt man Aufmerksamkeit und zwingt den Leser förmlich dazu weiterzulesen.

Dass Klaus Manns Leben es wert ist, nacherzählt zu werden, zeigt Autor Dr. Thomas O.H. Kaiser auf fast jeder Seite. Geboren als ältester Sohn des berühmten Schriftstellers Thomas Mann – nur seine Schwester Erika war ein Jahr älter – wächst Klaus Mann in großbürgerlichen Verhältnissen auf. Der Vater darf nicht gestört werden – er ist schließlich ein wichtiger Mann, der ein «Werk» schafft –; die Mutter ist oft leidend und einmal für mehrere Monate in einem Lungensanatorium in der Schweiz.

Klaus Mann
Originär, schwul, genial: Klaus Mann (1906-1949)

Und so wachsen Klaus Mann und seine fünf Geschwister in der Obhut von allerlei Dienstmädchen auf. Seine Distanz zum Vater ist entsprechend groß; wo Thomas Mann durch und durch bürgerlich ist, gibt Klaus Mann den Bohemien. Wo der Vater versucht, seine Homosexualität zu verbergen, lebt der Sohn sie offen aus. Er wird Schriftsteller wie sein Vater und tritt so in offene Konkurrenz zu einem, der sich selbst in der Nachfolge Goethes sieht und schon mit 54 Jahren den Nobelpreis bekommt. Er will alles vom Leben und legt sich dabei – anders als der Vater – keine Zügel an. In vielem, auch in seiner Drogensucht ist er maßlos. Grenzen existieren nicht für ihn. Das hat er spätestens in dem halben Jahr an der Odenwaldschule ausgetestet, wo er – vom Unterricht freigestellt – tun und lassen konnte, was er wollte (1922/23). Und dann kommen, als Klaus Mann gerade mal 27 Jahre alt ist, die Nazis an die Macht und die haben für einen bekennenden Schwulen und eher links orientierten Schriftsteller, der in seinen Werken tabuisierte Themen wie Homosexualität und Inzest behandelte, natürlich keine besonderen Sympathien, so dass Klaus Mann, ebenso wie sein Vater Thomas und sein Onkel Heinrich Mann – auch dieser ein berühmter Schriftsteller – im Frühjahr 1933 ins Exil geht.

Es ist ein spannendes Leben, das Kaiser sich zum Thema genommen hat. Wie schon gesagt: Es hätte etwas werden können. Nur hätte Thomas Kaiser in dem Fall seinem Hang zur Ausschweifung Zügel anlegen müssen. Natürlich kann man im Vorwort das Interesse an seinem Forschungsgegenstand begründen, nur sollte man dann nicht bei der Suche nach den verschwiegenen Außenstellen der Konzentrationslager in Südniedersachsen, der Heimat des Autors beginnen. Von dort ist es ein weiter Weg bis zum Schriftsteller Klaus Mann. Womöglich wäre das ja nicht der Erwähnung wert, wenn es nicht symptomatisch wäre für dieses Buch. Der Autor findet kein tragendes Prinzip, um seinen Stoff zu gliedern. 800 Fußnoten auf 380 Seiten Text – das ist zumindest ein Indiz, dass hier etwas nicht in Ordnung sein kann. Und wenn man dann noch sieht, dass die Fußnoten um ein Mehrfaches länger sind als der Text, sollte man sich vielleicht doch einmal überlegen, ob hier das Verhältnis noch stimmt.

Fazit-Rezensionen_Glarean Magazin
Es ist schade um den Stoff, den sich Klaus-Mann-Biograph Thomas O.H. Kaiser vorgenommen hat. Denn Autor Kaiser hat offensichtlich genau recherchiert und viel Mühe aufgewandt, um den Spuren seines Helden quer durch Europa zu folgen. Es steckt eine Menge Arbeit in diesem Buch. Leider hat der Autor aber nicht die Form gefunden, das Leben von Klaus Mann so zu präsentieren, dass man bis zum Ende durchhält.

Diese Fußnoten haben etwas Eigenartiges. Manchmal sind es Nebengedanken, die dem Autor ebenfalls noch wichtig sind (wie das auch sonst bei Fußnoten oft der Fall ist), oft jedoch fächern sie einen Gedanken des Haupttextes noch einmal auf. Man fragt sich dann, warum der Autor ihren Inhalt nicht einfach in den Haupttext übernommen hat. Manches hätte er sich auch einfach sparen können, so z.B. die ausführlichen Informationen zu den verschiedenen Nazis, die er erwähnt, die aber keine besondere Rolle im Leben von Klaus Mann spielen, anderes dagegen ist für das Verständnis der Hauptpersonen wichtig. Und so macht er es dem Leser schwer, der keine allzu große Lust hat, einen halben Satz des Haupttextes zu lesen, dann zur Fußnote zu springen, dann wieder einen Halbsatz zu lesen, ehe er sich mit der nächsten Fußnote auseinandersetzen muss. Auf diese Weise vergrault man auch gutwillige Leser.
Es ist schade um diesen Stoff. Thomas O. H. Kaiser hat offensichtlich genau recherchiert und viel Mühe aufgewandt, um den Spuren seines Helden quer durch Europa zu folgen. Es steckt eine Menge Arbeit in diesem Buch. Leider hat der Autor aber nicht die Form gefunden, das Leben von Klaus Mann so zu präsentieren, dass man bis zum Ende durchhält. ■

Thomas O. H. Kaiser: Klaus Mann – Ein Schriftsteller in den Fluten der Zeit, 500 Seiten, Books on Demand, ISBN 978-3738611410

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Interessante Buch- und DVD-Neuheiten – kurz vorgestellt

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Therese Bichsel: «Grossfürstin Anna» – Roman

Die Emmentaler Schriftstellerin und Journalistin Therese Bichsel (*1956) ist seit 1997 v.a. als gut recherchierende und literarisch gewandte Porträtistin historischer Frauengestalten im Bewusstsein der literarischen Öffentlichkeit. Nun legt sie – wiederum im Zytglogge Verlag – die Roman-Biographie der Prinzessin Juliane von Sachsen-Coburg vor – jener Anna Feodorowna (1781-1860), die später als russische Grossfürstin an die Seite eines Enkels von Katharina der Grossen verheiratet wird, dann aber aus St. Petersburg flieht und in der Schweiz heimliche Geliebte und Mutter zweier Kinder wird. Bichsel rollt das Schicksal der 14-Jährigen Prinzessin Juliane einfühlsam und historisch informativ auf bis hin zu den wenigen glücklichen Tagen der schließlich geschiedenen russischen Fürstin Anna auf ihrem prächtigen Gut «Elfenau» nahe der Berner Aare. Die Autorin selber zur Entstehungsgeschichte ihres Buches: «Vor einiger Zeit stiess ich auf Anna Feodorowna und war bald fasziniert von dieser Frau, ihren schwierigen Männerbeziehungen und ihrem Kampf um die unehelichen Kinder in einer Zeit des Umbruchs.» – Eine willkommene Bereicherung des an Interessantem momentan nicht so reichen Genres «Historischer Roman».  ■

Therese Bichsel: Grossfürstin Anna – Flucht vom Zarenhof in die Elfenau, Roman, 304 Seiten, Zytglogge Verlag, ISBN 978-3-7296-0851-1

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DVD-Dokumentation: «Glenn Gould – Genie und Leidenschaft»

Das kanadische Musik-Phänomen Glenn Gould steht im Mittelpunkt des Dokumentarfilms «Genie und Leidenschaft», unlängst in einer Doppel-DVD (inkl. eines «internationalen Director’s Cut») bei «Mindjazz Pictures» erschienen. Das Video präsentiert vielschichtig und über weite Strecken eindringlich präsentiert das Leben und Werk einer der faszinierendsten Persönlichkeiten der jüngeren Musikgeschichte. Pianist Gould – «Der Mann mit dem Mantel und dem Stuhl» – ist bis heute Gegenstand sowohl internationaler Verehrung als auch unablässiger klavierinterpretatorischer Forschung, und auch 30 Jahre nach seinem Tode scheint die Faszination für diesen Ausnahmekünstler noch nicht nachgelassen zu haben. Der Film beinhaltet unveröffentlichtes Archivmaterial, Interviews mit Gould-Freunden sowie Ausschnitte aus bisher noch nicht publizierten privaten Bild- und Tonaufnahmen. – Die beiden DVDs bringen die (so facettenreiche wie zerrissene) Pianisten-Ausnahmerscheinung Glenn Gould mit all ihrer Widersprüchlichkeit und musikalischen Obsession, aber auch mit ihrer intellektuellen Vielschichtigkeit und interpretatorischen Tiefe nahe. Empfehlenswert. ■

Glenn Gould – Genie und Leidenschaft, Dokumentarfilm von Michele Hozer und Peter Raymont, Mindjazz Pictures, Doppel-DVD, 84 Min. & Bonusmaterial 106 Min.

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Ken Follett: «Winter der Welt» – Roman

Die Irrungen und Wirrungen des Zweiten Weltkrieges, seine globalen wie einzelmenschlichen Schicksale nimmt Englands wohl berühmtester Bestseller-Autor Ken Follett («Die Nadel») diesmal als historisches Panorama her für seinen jüngsten Wälzer «Winter der Welt». Der über 1000-seitige Roman – Übersetzung: Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher – ist als der zweite Teil einer «Jahrhundert-Saga»  gedacht – nach «Sturz der Titanen» –  und breitet episch vor zeitgeschichtlich dramatischem Hintergrund mannigfaltige Handlungsstränge mit zahllosen fiktiven wie realen historischen Persönlichkeiten aus. Für manche Leserschichten aspruchsvollerer Belletristik mag Ken Follett (*1949) teils etwas geschwätzig, teils etwas rührselig daherschreiben. Für die in die Millionen gehende Fan-Gemeinschaft des produktiven – und übrigens auch sozial sehr engagierten -, dabei äußerst detailreichen Schriftstellers ist selbstverständlich «Winter der Welt» das literarische Muss dieses Herbstes. ■

Ken Follett, Winter der Welt, Roman, Lübbe Verlag, 1020 Seiten, ISBN 978-3-7857-2465-1

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Inge Grolle: «Die jüdische Kauffrau Glikl» (Biographie)

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«Aus vielen Sorgen und Nöten und Herzeleid»

Günter Nawe

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Sie war eine deutsch-jüdische Kauffrau, eine erfolgreiche Unternehmerin und Perlenhändlerin. Sie lebte von 1646 bis 1724, geboren in Hamburg und gestorben in Metz. Sie hieß eigentlich korrekt «Glikl bas Judah Leib» (Tochter des Judah Leib), wurde aber eher bekannt als «Glückl von Hameln», benannt nach dem Herkunftsort ihres Mannes Chajim: Hameln.
Glikl führte ein außergewöhnliches und exemplarisches Leben, über das sie in erster Linie ihren Kindern berichtete – und durch einen Glücksfall auch der Nachwelt. So liegen sowohl der Urtext ihrer Erinnerungen in westjiddischer Sprache (und hebräischen Schriftzeichen) – in «Weiberdeutsch», wie es etwas despektierlich hieß – vor als auch mehrere Übertragungen. Zuletzt kam dieses Verdienst 1913 Alfred Feilchenfeld zu. Eine Neuausgabe erfolgte 1994, der Fassung von Bertha Pappenheim, eine Nachfahrin der «unbekannten Jüdin» Glikl, durch Viola Roggenkamp.

Dieser außergewöhnlichen Frau hat jetzt Inge Grolle ein «Lebensbild» gewidmet. Die Autorin, sie studierte Geschichte, Germanistik und Romanistik, hat sich durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen einen Namen gemacht. Ihr besonderes Interesse gilt der hamburgischen Sozial- und Frauengeschichte. Ihre Arbeit über die Kauffrau Glikl hat sie entlang der bekannten biografischen Fakten gerschrieben, immer aber in den Konzext von Zeit und Zeitumständen gestellt.

Bertha Pappenheim im Kostüm der Glikl. Pappenheim, eine entfernte Verwandte Glikls, übersetzte und veröffentlichte 1910 deren Memoiren. (Nach einem Gemälde von L. Pilichowski)

So ist Grolles Buch für den Leser ein faszinierendes Porträt der Glikl von Hameln und gleichzeitig ein spannendes Zeitpanorama. Wie lebte Glikl von Hameln, und wie lebten Juden Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts in Deutschland? In den Erinnerungen der Glikl können wir es nachlesen. Sie hatten geschäftlichen Erfolg, genossen zum Beispiel als «Hofjuden» Anerkennung. Sie waren insgesamt und als Familie im Besonderen gefährdet als Juden und Kaufleute. Es gab Krankheiten wie die Pest. Und es gab religiöse Umbrüche und Irritationen (zum Beispiel das Auftreten dess Sabbatai Zwi), die sich auf das religiöse Leben der Juden auswirkten. Es gab staatliche Restriktionen und persönliche Verfolgungen.

Das alles hat Glikl nicht nur miterlebt, sondern auch aufgeschrieben. Sie, Mutter von 12 Kindern, dreißig Jahre mit Chajim verheiratet, später als selbständige Geschäftsfrau mit internationalen Verbindungen tätig, schildert sehr ausführlich die äußeren Umstände ihres Lebens. Sie gibt aber auch einen Blick in ihre Seelenlage – «Aus vielen Sorgen und Nöten und Herzeleid». Sie, die aufopferungsvolle Frau und Mutter, findet ihren Halt im Glauben an einen Gott, der sie hält, obwohl «sündig», und dem sie sich in jeder Siuation ihres Lebens anvertraut. Dass sie, nach einer zweiten und nicht sehr glücklichen Ehe, verarmt starb, macht ihre persönliche Tragik aus.

nge Grolle erinnert uns mit ihrem Lebensbild der Kauffrau Glikl von Hameln nicht nur an eine faszinierende Frau, sondern gibt auch ein sehr differenziertes Zeitbild. Die Lebenswelt der Glikl war geprägt von Zeitgeist und Zeitumständen und kann so als exemplarisch gelten. Inge Grolles sehr empfehlenswerte Arbeit ist es auch.

Dies alles ist bei Inge Grolle zu lesen. Und mehr. Die jüdischen Sitten und Gebräuche werden uns ebenso nahegebracht wie das Rollenverständnis von Mann und Frau in der jüdischen Lebenswelt – vor allem aber das Selbstverständnis einer jüdischen Frau in der damaligen Zeit.
So erzählt Inge Grolle von der Geschichte und den Geschichten.der Glikl, die uns mit ihren Aufzeichnungen auch ein höchst wichtiges literarisches Zeugnis hinterlassen hat. Und es ist sehr schön, dass die Autorin einige dieser von Glikl erzählten Geschichten an das Ende ihres Buches gestellt hat. Von einer «märchenhaften Atmosphäre altjiddischer Erzählkunst» ist die Rede (I.G.). Und weiter: «Inmitten von Glikls biografischem Bericht ist die sprachliche Suggestion der Geschichten manchmal so stark, dass die dramatischen Ereignisse ihres eigene Lebens fast selbst den Charakter eines alten Exempels annehmen.» Dem ist von Seiten des Lesers nichts hinzuzufügen. ▀

Inge Grolle: Die jüdische Kauffrau Glikl (1646-1724), 194 Seiten, Edition Temmen Hamburg, ISBN 978-3-8378-2017-1

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Martin Tamcke: «Tolstojs Religion»

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Suche nach einem gültigen Lebensentwurf

Jan Neidhardt

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Lew Nikolajewitsch Tolstoj (1828-1910) zählt zu den bekanntesten russischen Schriftstellern und zu den größten Autoren der Weltliteratur überhaupt. Der Sohn einer russischen Adelsfamilie war dem Realismus verpflichtet und beschäftigte sich in seinem Werk insbesondere mit dem Gegenstand des Sinns des menschlichen Daseins.
In «Tolstojs Religion» stellt sich der Theologe Martin Tamcke einer Annäherung an ein für Tolstoj lebensbeherrschendes Thema: der Spiritualität und dem «richtigen Leben». Tolstoj war von der Absicht getrieben einen für ihn gültigen moralischen Lebensentwurf zu entwickeln, der auf Basis seiner Religiosität bestehen sollte. Zentral war für ihn hierbei die Suche nach der Begegnung mit Gott. Ein Mensch, der sich derart intensiv wie Tolstoj auf die Suche nach dem Schöpfer begibt, wird auch an der Auseinandersetzung mit den offiziellen Vertretern der Kirche (besonders im Russland der damaligen Zeit) nicht vorbeikommen.

Literarisch leidenschaftliche Suche nach den menschlichen Grundwerten: Erste Manuskript-Seite von «Krieg und Frieden»

Das Buch macht sehr gut deutlich, wie Tolstoj letztlich hier keine Antworten fand. Die Auseinandersetzung war immer stärker von Kritik geprägt und führte schließlich zu seiner Exkommunizierung durch die orthodoxe Kirche. Auch Tolstoj selbst wurde durch seine Suche nach einem Lebensentwurf immer wieder vor persönliche Schwierigkeiten gestellt. So stellte er fest, dass ein gültiger Lebensentwurf immer im Verlauf eines bereits gelebten Lebens entsteht, welches meist den moralischen Ansprüchen nicht genügen kann.

Die «menschlichen Grundfragen» anhand von Tolstoj beleuchtet: Martin Tamcke

Martin Tamcke schildert diese Schwierigkeiten sehr anschaulich und gut nachvollziehbar. Details oder eine Chronologie der Lebensgeschichte Lew Tolstojs spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle, es werden bestimmte Aspekte des Lebens und Werks des Autors beleuchtet, und das Buch setzt beim Leser schon gewisse Grundkenntnisse voraus. Tolstoj erscheint hier nicht unbedingt in einem ganz neuen Licht, doch Leben und Lebensbetrachtung werden in Hinblick auf das Religiöse gut erfahrbar.

«Tolstojs Religion» von Martin Tamcke ist eine gelungene Auseinandersetzung mit Tolstojs Suche nach dem «richtigen Leben», insbesondere im Hinblick auf sein religiöses Fragen. Tolstoj wird als Mensch mit sehr menschlichen Problemen gezeigt - eine interessante Ergänzung zu den originalen Werken des großen russischen Schriftstellers.

Was ich persönlich zudem spannend fand, sind die Entwicklungen in der russisch-orthodoxen Kirche und die Macht der Zensur im 19. bis frühen 20. Jahrhundert. Martin Tamckes Anspruch, Tolstoj «nicht zu einer Autorität für alternative religiöse Konzepte zu küren […], sondern ihn vor den gleichen menschlichen Grundfragen zu sehen, die sich vielen von uns auch heute stellen», wird in diesem Buch sehr gut eingelöst, da der Bezug auch zum heutigen Leben hergestellt werden kann, insbesondere hinsichtlich der vielen Möglichkeiten, die sich uns heute zu bieten scheinen. Das Buch erlaubt Vergleiche anzustellen, und es regt an Dinge zu hinterfragen… ■

Martin Tamcke: Tolstojs Religion –  Eine spirituelle Biographie, Insel / Suhrkamp Verlag, 154 Seiten, ISBN 978-3458174837

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Peter Gülke: «Robert Schumann – Glück und Elend der Romantik»

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«Was er bedeute und wolle»

Günter Nawe

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Das ist das Schöne an Gedenktagen, dass sie immer wieder Dichter, Denker, Maler oder Komponisten aus der Gefahr der Vergessenheit erretten oder neue und anders gewichtete Aspekte von Leben und Werk an das Licht einer interessierten Öffentlichkeit bringen. In diesem Jahr waren und sind es vor allem Komponisten wie Chopin, Mahler und Robert Schumann, die Aufmerksamkeit erregten und zu vielfältigen Würdigungen Anlass gaben und geben.
Eine sehr gewichtige neue Arbeit ist Robert Schumann gewidmet. Von ihr soll hier die Rede sein – und von seinem (aus der Fülle vieler «Wortmeldungen») herausragenden Biografen Peter Gülke.
Gülke, Kapellmeister, Musikwissenschaftler und Musikdirektor in Dresden und Weimar, ist eine Ausnahmeerscheinung sowohl als Musiker wie auch als Autor umfangreicher Musikliteratur. Und das eben bekommt seiner großen Biografie – oder soll man besser sagen: seinem biografischen Essay – besonders gut. «Robert Schumann – Glück und Elend der Romantik» ist deshalb auch keine chronologische Abfolge von Lebens- und Werkdaten, sondern eine thematisch gegliederte, musikologisch orientierte Arbeit.

«Innige Verbindung von Musik und Dichtung»: Die von Schumann gegründete «Neue Zeitschrift für Musik» (1834)

Wichtig erscheint Gülke, die große romantische Gestalt des Komponisten darzustellen, der zwischen kreativem Überschwang und dem Zwang zu schöpferischen Vollendung seiner Kompositionen zu sehen ist. «Unter den Großen war er der Ungeduldigste. Entweder gelingt etwas sofort, oder es gelingt nie – das war die Prämisse seiner Arbeit, ausgewiesen durch kaum glaubliche, nur Mozart und Schubert vergleichbare Geschwindigkeit und Sicherheit im Vollbringen» – so Peter Gülke.

Leidenschaftlich war dieser Robert Schumann, der am 8. Juni 1810 in Zwickau geboren wurde, der im Alter von 44 Jahren dem Wahnsinn verfiel und am 29. Juli 1856 in einer Nervenheilanstalt in Bonn-Endenich verstarb, in vieler Hinsicht. Eine Pianistenlaufbahn wegen eines ruinierter Fingers blieb ihm verwehrt. Stattdessen widmete er sich ausführlicher Lektüre von Jean Paul und E. T. A. Hoffmann, Hölderlin und Poe, sowie der Abfassung von beachtlichen und beachtete Musikkritiken. Und schließlich dem Komponieren.
Eine sehr genaue Zeittafel ist übrigens dem Buch von Gülke angefügt. Leben und Werk – auch hier wird es deutlich – ist bei Robert Schumann eng verflochten. Das zu analysieren und zu bewerten hat sich Peter Gülke zur Aufgabe gemacht – und diese hervorragend gelöst.

Schumanns Arbeitszimmer in Leipzig

Klavierwerke, Lieder, Sinfonien, Opern und ein Requiem – vielseitiger und umfangreicher ging es kaum. Und das von einem wilden, kreativen, ja versoffenen Genie. Gülke: «Auf der einen Seite war er störrisch, hochfahrend und stolz. Aber auf der anderen Seite war er ebenso oft wahnsinnig, oft zerknirscht, tief enttäuscht und in unendliche Depressionen versunken. Das geht unglaublich stark hin und her bei ihm». So gegensätzlich wie der Mensch ist auch sein Werk. «Die Träumerei» und manche Lieder wurden und werden unter dem Rubrum «romantisch» gehört – trotz vieler artifizieller Eigenheit und Raffinessen.

Zum «romantischen» Schumann gehört natürlich die Ehe mit Clara Schumann, auch wenn diese Ehe alles andere als nur romantisch war. Wenn zwei geniale Künstler zusammenkommen, bringt das zwangsläufig Interessenkonflikte, die ausgelebt und ausgekämpft werden müssen. So auch bei Robert und Clara, der er in unzähligen Liedern permanent Liebeserklärungen macht. Robert Schumann war im wahrsten Sinne eine zerrissene Persönlichkeit. Und Gülke weiß das – und lässt es uns wissen. Glück und Elend der Romantik also am Beispiel des Robert Schumann.

Peter Gülke

Dies alles erzählt Peter Gülke – er ist schließlich Musikwissenschaftler – unter dem Gesichtspunkt des Werkverständnisses. Und so wird das immense Werk des Robert Schumann ausführlich interpretiert. Denn, so Schumann selbst: «Es affiziert mich alles, was in der Welt umgeht, Politik, Literatur, Menschen – über alles denke ich in meiner Weise nach, was sich dann durch die Musik Luft machen, einen Ausdruck suchen will.»
Gülke hat sich mit den musikalischen und vielen ästhetischen Aspekten auseinandergesetzt. Er war den vielen Einflüssen auf der Spur und hat sie gefunden.

Ein brillanter Essay, eine großartige Monografie. Peter Gülke hat die Persönlichkeit Robert Schumanns eloquent, sprachlich geschliffen, vor allem aber mit großer Sachkenntnis – sowohl was das Biografische als auch das Werk mit seinen vielen Facetten angeht – dargestellt.

Peter Gülke hat in seiner neuen Biographie die Persönlichkeit Robert Schumanns eloquent, sprachlich geschliffen, vor allem aber mit großer Sach- und Fachkenntnis dargestellt – sowohl was das Biografische als als auch das Werk und dessen viele Facetten angeht. Ein brillanter Essay!

Robert Schumann hat, wie Gülke schreibt, «ein geordnetes Haus hinterlassen». Und er zitiert den Komponisten: «Man hüte sich als Künstler, den Zusammenhang mit der Gesellschaft zu verlieren, sonst geht man unter wie ich.» Peter Gülke hat stellvertretend den «Zusammenhang mit der Gesellschaft», mit uns, den Lesern, wieder hergestellt. Und etwas erreicht, was Schumann verwehrt blieb. Dem Besucher Joseph Joachim hat Schumann am Ende «zugeraunt», «er müsse von Endenich weg, denn die Leute verstünden ihn gar nicht, was er bedeute und wolle.» Wie wahr! ■

Peter Gülke: Robert Schumann – Glück und Elend der Romantik, 268 Seiten, Paul Zsolnay Verlag, ISBN 978-3-552-05492-9

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Leseproben

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