Computerschach: NN- und AB-Programme noch gleichauf

Klare Überlegenheit nicht in Sicht

von Walter Eigenmann

Der Hauptzweck der modernen Schachprogrammierung für die Anwender ist die Analyse von (eigenen oder fremden) Partien. Demgegenüber sind Turnier-Statistiken oder KI-Forschung nur „Abfallprodukte“.
Aber von Zeit zu Zeit ist es aufschlussreich, die aktuellen Engines nicht nur zum Analysieren einzusetzen, sondern sie auch mal unter- bzw. gegeneinander zu testen. Haben sich die vielgerühmten neuen NN-Engines mittlerweile vor der AB-Programmierung an die Spitze setzen können? Ein neues Engine-Turnier, ausgetragen auf einem heimischen AMD-Ryzen7-2700X zeigt eine nach wie vor unscharfe Momentaufnahme. Das Fazit gleich vorweggenommen: NN- und AB-Programme sind noch gleichauf.

Modernen Engines beim Spielen zuzusehen erinnert zuweilen an die eigenen Anfänger-Zeiten, als Taktik und Strategie noch ein (Schach-)Buch mit (mindestens) sieben Siegeln waren. Schnell, präzis, komplex, tödlich – die Programme knallen in Millisekunden so ausgefeilte Züge auf das virtuelle Brett, die noch vor 15 Jahren jedem Profi-Kommentator ein Heer von Doppelten Ausrufezeichen entlockt hätten. Wenn er sie denn überhaupt in ihrer ganzen Tiefe kapierte…

30 Halbzüge in einigen Sekunden

Schach-Report NN vs AB Engines - Springer-Umgruppierungen - Schachturniere - Glarean MagazinDenn man vergegenwärtige sich, dass bereits bei einer Bedenkzeit für die ganze Partie von nur vier Minuten diese Silikon-Monster auf flotten PC’s im Durchschnitt bis zu 30 Halbzüge weit (!) pro Zug vorausrechnen können. Und dies mit so raffinierten Algorithmen der Evaluierung und Bewertung, dass sie taktisch sogar bei diesem rasanten Spiel-Tempo kaum je Fehler machen. Zumindest keine, die ein Mensch ohne analytische Zuhilfenahme von eben diesen Programmen erkennen könnte…

Wen wundert’s also, dass heutzutage das häufigste Resultat zwischen Schach-Engines das Remis ist – ungeachtet irgendwelcher ausgeklügelter Opening-Books, welche diese mittlerweile extrem hohe Remis-Rate im Engine-Turnierbetrieb etwas senken sollen, aber nicht maßgeblich können. (Vergl. hierzu auch eigene Turnier-Tests zum Thema Eröffnungsbücher).

Kopf-an-Kopf-Rennen

Die nachfolgende Rangliste wurde generiert von 17 der aktuell stärksten Programme in einem doppelrundigen Turnier. Und die Tabelle zeigt ein Bild, wie es momentan bei vielen Engine-Turnieren in der Computerschach-Szene anzutreffen ist: Die KI-Engine LeelaChess-Zero mit ihren Networks und die Alpha-Beta-Programme (hier vertreten durch SugarR & Brainfish) mit ihren ausgeklügelten Schachalgorithmen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei zahllosen Unentschieden:

Schach-Rangliste Schlusstabelle Engine-Turnier 4+2 AMD-Ryzen7-Glarean Magazin
Hardware: AMD Ryzen7 2700X 3,7 GHz • 1024 Mb Hash • 8Cores/16Threads • GPU RTX2080 Software: GUI Fritz 17 • 4min & 2sec Bedenkzeit pro Engine • 5-Moves-Opening-Book • 5-men-Syzygy-Tablebases

Unbezwingbare Leela (Lc0)

Das NN-Programm Lc0 25.0 mit dem Neuronalen Netz „t60-3010“ erwies sich in dieser Ausmarchung als unschlagbar: Es verlor keine einzige seiner 32 Partien und gewann immerhin deren 10 – eine beeindruckende Leistung, wenn man das extrem starke Gegnerfeld sieht. Mit 12 Siegen als das aggressivste Network erwies sich hier das „t40-1541“ mit Lc0 23.2. Überraschend weiters die noch vor dem einstigen Weltmeister Komodo rangierende neue Chessbase-NN-Engine Fat Fritz.
Insgesamt kann bei den Top-Ten dieses Rankings allerdings nicht von einem Sieger geredet werden, ein Punkt mehr oder weniger entschied über mehrere Ränge vor oder zurück, und zwischen dem erst- und dem zehntplatzierten Programm liegen gerade mal 4 Punkte. (Dass das Turnier keinerlei statistische Aussagekraft beansprucht, muss nicht extra betont werden. En masse „Partien auf Halde“ zu Statistik-Zwecken werden auf Engine-Portalen wie z.B. CCRL produziert.)

Lavieren wie Nimzowitsch

Bahnbrechende Untersuchung zur Schach-Strategie: "Mein System" von Aaron Nimzowitsch
Bahnbrechende Untersuchung zur Schach-Strategie: „Mein System“ von Aaron Nimzowitsch

Wer die knapp 300 Partien analytisch untersucht im Hinblick auf NN-spezifisches Schachverhalten, der wird in verschiedener Hinsicht fündig. Insbesondere fallen diverse positionelle Aspekte der KI-Spielführung ins Auge; einige grundsätzliche Überlegungen zu LeelaChessZero finden sich hier: Künstliche Schach-Intelligenz – Als Autodidakt zur Weltspitze.
Bezüglich des hier fraglichen Engine-Turnieres sei exemplarisch ein spezifisch „strategisches Motiv“ herausgegriffen: Die Umgruppierung. Bereits Nimzowitsch hatte ja – in seinem bahnbrechenden Strategie-Buch „Mein System“ – das Figuren-Umgruppieren als zentralen Bestandteil seines neu eingeführten Schach-Begriff des Lavierens definiert, und mit LeelaChess scheint dieses Stratagem fröhliche Urständ zu feiern. Wohlgemerkt ohne menschliches Zutun…

Virtuose Handhabung des Springers

Computerschach und Springer-Manöver - Leela Chess Zero - Report Glarean Magazin
Der Springer und das PC-Mainboard: Symbiose in Gestalt von Leela Chess Zero

Die Engine Lc0 (bzw. ihre Neuronalen Netze) ist eine grandiose Meisterin im dynamischen Umdisponieren von unvorteilhaft platzierten Figuren hin zur aktiveren Positionierung. In weit höherem Maße als ihre Alpha-Beta-Kolleginnen trachtet Leela nach permanenter Optimierung ihrer Figurenstellungen. Besonders virtuos geht das NN-Programm mit seinen Springern um.

Nachfolgend vier Beispiele dafür, wie geschickt und effizient die Springer-Überführungen auf stärkere Felder vorgenommen werden – sogar noch dann, wenn die taktischen Komplikationen auf dem Brett eigentlich keineswegs eine traditionelle „Ruhesuche“ erlauben:

FEN-String: r2q1rk1/1b2bppp/4pn2/1p1p4/p1pP1B2/PnP1PN1P/1PBNQPP1/3RR1K1 w

FEN-String: r1b1q1k1/1p1p1ppp/1bpPn1n1/p3rB2/7P/PPN3P1/1BPQN3/R3KR2 w Q

FEN-String: 3qkb1r/1r3pp1/1nn1p2p/p2pP2P/1ppP4/1PP2NR1/P2BNPP1/1R1Q2K1 w k

FEN-String: 1b1r3k/ppnqn1p1/4br1p/3p1p2/3Pp3/BPN1PPPB/P1RNQ2P/5RK1 b

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Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Schachturniere auch über das Super-Schach aus China: Das GM-Turnier in Danzhou

… sowie den Report: Ju Wenjun ist die neue Schach-Weltmeisterin

Ausserdem zum Thema Computerschach: Das Duell der Engine-Giganten

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English Translation (NN vs AB)

Clear superiority not in sight

by Walter Eigenmann

The main purpose of modern chess programming for the users is the analysis of (own or foreign) games. In contrast, tournament statistics or AI research are only „waste products“. But from time to time it is instructive not only to use the current engines for analysis, but also to test them among or against each other. Have the much-praised new NN engines meanwhile been able to take the lead before AB programming? A new engine tournament, held on a domestic AMD Ryzen7-2700X, still shows a blurred snapshot. The conclusion immediately anticipated: NN and AB programs are still equally strong.

Watching modern engines at play sometimes reminds one of one’s own beginner times, when tactics and strategy were still a (chess) book with (at least) seven seals. Fast, precise, complex, deadly – in milliseconds the programs slam such sophisticated moves onto the virtual board that 15 years ago any professional commentator would have been able to elicit an army of double exclamation marks. If he even understood them in all their depth…

30 half moves in a few seconds

Just think, if you consider that the whole game takes only four minutes, these silicon monsters can calculate up to 30 half moves per move on average on fast PCs. And this with such sophisticated algorithms of evaluation and scoring that they hardly ever make mistakes tactically, even at this rapid game tempo. At least none that a human being could recognize without the analytical help of these programs…

So it’s not surprising that nowadays the most common result between chess engines is a draw – regardless of any sophisticated opening books which are supposed to reduce the meanwhile extremely high draw rate in engine tournament mode a bit, but cannot do so significantly. (Cf. also own tournament tests on the subject of opening books).

Neck-and-neck race

The following ranking was generated by 17 of the currently strongest programs in a double round tournament. And the table shows a picture as it is currently to be found in many engine tournaments in the computer chess scene: The AI-Engine LeelaChess-Zero with its networks and the Alpha-Beta-Programs (here represented by SugarR & Brainfish) with their sophisticated chess algorithms are fighting a neck-and-neck race in countless draws:

Schach-Rangliste Schlusstabelle Engine-Turnier 4+2 AMD-Ryzen7-Glarean Magazin

Hardware: AMD Ryzen7 2700X 3.7 GHz – 1024 Mb Hash – 8Cores/16Threads – GPU RTX2080 Software: GUI Fritz 17 – 4min & 2sec reflection time per engine – 5-Moves-Opening-Book – 5-men-Syzygy-Tablebases

Indomitable Leela (Lc0)

The NN program Lc0 25.0 with the neural network „t60-3010“ proved to be unbeatable in this selection: It didn’t lose a single one of its 32 games and won 10 of them – an impressive performance considering the extremely strong opponent field. With 12 wins, the most aggressive network proved to be the „t40-1541“ with Lc0 23.2, and surprisingly, the new Chessbase-NN engine Fat Fritz, which is still ahead of the former World Champion Komodo.
All in all, however, there can be no talk of a winner in the top ten of this ranking, one point more or less decided several ranks forward or backward, and there are only 4 points between the first and tenth-placed program. (The fact that the tournament does not claim any statistical significance need not be emphasized. En masse „games on stockpile“ for statistical purposes are produced on engine portals such as CCRL)

Lavieren like Nimzowitsch

Whoever analytically examines the almost 300 games with regard to NN-specific chess behaviour will find something in various respects. Especially various positional aspects of AI chess play catch the eye.
Regarding the engine tournament in question here a specific „strategic motive“ is taken as an example: The regrouping. Nimzowitsch had already defined – in his groundbreaking strategy book „My System“ – the regrouping of pieces as a central component of his newly introduced chess concept of manoeuvring, and with LeelaChess this stratagem seems to celebrate its joyful beginnings. Mind you, without any human intervention…

Virtuoso handling of the knight

The engine Lc0 (or rather its neural networks) is a grandiose master in dynamically repositioning unfavorably placed figures towards more active positioning. To a far greater extent than her alpha-beta colleagues, Leela strives for permanent optimization of her figure positions. The NN program is particularly virtuoso with its knights.

Below are four examples of how skilfully and efficiently the knights are transferred to stronger squares – even when the tactical complications on the board do not allow for a traditional „Quiescence search„: —> (See the games above)

Computerschach: NN- und AB-Programme noch gleichauf

Schachprogramme: Das Duell der Engine-Giganten

Stockfish oder Leela?

von Walter Eigenmann

Seit vielen Monaten und je länger desto stärker beherrscht in der Computerschach-Szene ein Duell die Diskussion: Stockfish gegen Leela. Zwei Schachprogramme, deren Herkunft und Konzeption nicht unterschiedlicher sein könnten, und die sich heute ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern um den ersten Platz unter den modernen Engines.

Konträre Programmieransätze

Gary Linscott - Chess Programmer - Stockfish - Glaraen Magazin
Innovativer Kopf und massgeblich beteiligt sowohl bei Stockfish als auch bei Leela Chess: Der kanadische Computer-Wissenschaftler und Spiele-Programmierer Gary Linscott

Auf der einen Seite haben wir mit dem Open-Source-Programm Stockfish den zurzeit in allen Computerschach-Rankings zuvorderst rangierten Vertreter der sog. Alpha-Beta-Richtung. Die Engine, ursprünglich als Glaurung von Tord Romstod im Jahre 2008 entwickelt, zählt als Freeware mittlerweile auf eine weltweite Entwicklergemeinde, deren wöchentlicher Input – koordiniert von den Programmierern M. Costalba, J. Kiiski und G. Linscott – aus diesem ehemals mittelmässigen UCI-Programm nach und nach ein extrem schnelles und extrem tief rechnendes CPU-Monster geschaffen hat, welches z.B. den amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen – wahrscheinlich das grösste Schachgenie der Geschichte – in einem Match über mehrere Turnierpartien mit ziemlicher Sicherheit in Grund und Boden spielen würde.

Goethe - Schach ist ein Prüfstein des Gehirns - Künstliche Intelligenz mit Computer - Glarean Magazin
Goethe sprach vom Schach noch als von einem „Prüfstein des Gehirns“ – die jüngste Entwicklung der Künstlichen Intelligenz holt das Gehirn in den Computer…

Auf der anderen Seite sorgte in der Szene innerhalb der letzten zwanzig Monate ein ganz anderer Entwicklungsstrang der Programmierung für Furore: Das (ebenfalls frei downloadbare) KI-Schach-Leela-Projekt „Lc0“ mit seiner ausschliesslich Netzwerk-basierten Spielweise ohne jedes „menschliche Knowhow“. (Näheres zu diesem bahnbrechend neuen Ansatz findet sich u.a. hier: Künstliche Schach-Intelligenz Leela Chess Zero – Als Autodidakt zur Weltspitze).
Auch Leela’s atemberaubende Progression wäre nicht möglich gewesen ohne den Einsatz der internationalen Community, die nonstop „selfplayed games“ beisteuert(e) und so das „Wissen“ des KI-Programmes in Form von ständig neuen „Networks“ sukzessive vermehrt. (Mittlerweile dürfte die Grenze von 1,5 Milliarden Traningspartien überschritten sein…)

Turnier mit diversen Derivaten und Netzen

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Wer diese beiden unterschiedlichen Konzepte, ihre deutlich voneinander abweichenden Spielweisen konkret studieren will, kann das anhand spezifisch ausgewählter Aufgaben-Stellungen tun – z.B. mit der ERET-Testsammlung. Oder aber er lässt sie in eigens konzipierten Turnieren gegeneinander antreten – mit unterschiedlichen Bedenkzeiten und unterschiedlichen Konfigurationen hinsichtlich CPU und Datenbanken.

Solch ein grösseres Turnier mit über tausend Partien und 33 teilnehmenden Engines habe ich kürzlich auf meinem AMD-Ryzen7-Rechner ausspielen lassen. Um möglichst ein breites Feld von Stockfish- und Leela-Zweigen vergleichen zu können, wurden neben den Default-Programmen auch diverse Derivate bzw. Network-Entwicklungen der Leela-Chess-Community integriert.

Duell der Engine-Giganten - Stockfish vs Lc0 - Glarean Magazin
Läutet das KI-Schachprogramm Leela Chess Zero bald definitiv das Ende der Herrschaft von Stockfish ein?

Das Resultat dieser Matches – welche selbstverständlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder statistische Relevanz erheben wollen – zeigt jenes Bild, das aufgrund zahlreicher anderer Computerschach-Turniere zu erwarten war: Auch im Spätsommer 2019 kann noch immer nicht eindeutig ausgemacht werden, wer nun genau aufs Siegespodest gehievt werden kann. Stockfish und Leela sind, was ihre Turnier-Performance anbelangt, momentan gleich stark, wiewohl ihr Schachstil sehr unterschiedlich daherkommt.
Was hingegen als ziemlich sicher gelten darf, ist der Befund, dass die beiden engsten Verfolger, nämlich die zwei kommerziell vermarkteten Programme Komodo und Houdini mittlerweile distanziert sind. Bis vor ca. einem halben spielten diese beiden Engines noch auf Augenhöhe mit dem Sieger-Duo.


Exkurs: Der „menschlich“ spielende Computer

Der AI-Engine Leela wird ein quasi „menschliches Schachverständnis“ nachgesagt; ihr Schach erinnere an „planvolles“ und „kreatives“ Spiel, wie man es bei Grossmeistern kennt und liebt. (Allerdings müssten die Begriffe „Plan“ und „Strategie“ heutzutage überholt bzw. neu definiert werden; das enorm tiefe, weil ausgeklügelt selektive Berechnen auch der aktuellen konservativen Alpha-Beta-Programme zeigt ein taktisch fast fehlerloses, aber durch keinerlei schöpferisches Planen charakterisiertes Schachspielen; ihre Zugfolgen basieren rein auf raffinierten Bewertungsalgorithmen und selektiven Cut-Techniken. Was früher der Mensch „Strategie“ nannte, entpuppt sich mit Computern oft als blosse „Taktik“…)

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Woher kommt also der „humanoide“ Nimbus der neuen KI-Programme wie Alpha-Zero, Leela-Zero oder Allie u.a? Gilt womöglich das Paradoxon, dass Lc0 darum so „menschlich“ spielt, weil der Mensch bei seiner Entwicklung jar gar nicht involviert war?! (Am Anfang der Schach-AI-Forschung standen nur die nackten Spielregeln, ansonsten keinerlei implentiertes Schachwissen.)

Das folgende Partien-Beispiel – generiert auf meinem AMD-Ryzen7-Rechner in einem Match Leela vs Komodo (mit PermantBrain on) – mag veranschaulichen, dass das Etikett „Menschliches Spiel“ bei modernen AI-Schachprogrammen so völlig nicht aus der Luft gegriffen ist.
Nach den Zügen…

… kam diese Stellung aufs Brett:

Leela - Komodo - Königswanderung - Glarean Magazin
Das KI-Programm Leela Chess Zero mit Weiss gegen den amtierenden Computerschach-Weltmeister Komodo

Die Position ist im leichten materiellen Ungleichgewicht, aber zugleich so festgefahren, dass keine Partei vorwärtskommt. Friedliche Gemüter würden hier durchaus nicht zu Unrecht an ein Remis denken.

Doch Weiss hat einen langfristigen Plan in petto: Der König wird nach a2 überführt. Dort blockiert er einerseits den schwarzen Freibauern und löst gleichzeitig die Wache des Turmes ab, der dadurch für Angriffszwecke mobil wird. Hinzu kommt, dass Springer in solch fixierten Bauernstellungen den Läufern und sogar Türmen überlegen sein können – trotz Minus-Bauerneinheit ist also die Partiestellung für Weiss „strategisch“ gewonnen.
Es folgte eine Lehrbuch-mässige Verwertung durch das AI-Programm Leela:

34. Kg3 Kd8 35. Kf2 Ke7 36. Ke2 Rd8 37. Kd3 Ra5 38. Kc2 Bd7 39. Ne4 Ra6 40. Kb1 Kf8 41. Ka2 und Schwarz ist chancenlos gegen den Turm-unterstützten Bauernhebel c4-c5 (oder wie in der Partie gegen z.B. Läufertausch inkl. g-Linie-Öffnen mit Attacke gegen den Rückständigen g7)  1-0
(Hier lässt sich die Original-Partie downloaden / CBH-Format -ZIP-Datei)

Strategie oder Taktik?

Matthew Sadler - Game Changer - Alpha Zero's Groundbreaking
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Die Frage ist nun, ob diese Königswanderung auf dem Leela-Mist alleine gewachsen ist, oder ob der gleiche „Plan“ auch bei konventionellen Engines im Output des „Denkprozesses“ auftaucht. Hierzu habe ich mal einige der besten Programme exakt 5 Sekunden lang auf die Stellung angesetzt (mit je 16 Threads) und ihre Hauptvarianten verglichen (unter „Fritz-16“ auf einem AMD-Ryzen-7):

Analysis by Stockfish 10:

34.Kg2 Kd8 35.Kf2 Ke7 36.Se4 Td8 37.Ke2 Ta6 38.Le6 g6 39.Kd3 Tb8 40.Kc2 gxh5 41.Sf5+ Kd8 42.Sfxd6 hxg4 43.Lxg4 Lg6 44.Lf5 Lxf5 45.Sxf5 Kc7
Weiss steht deutlich besser: +/- (1.34) Tiefe: 25/39 00:00:05 102MN, tb=15


Analysis by Houdini 6.03:

34.Kg3 Kd8 35.Kf3 Kc7 36.Se4 a2 37.Ke2 Ta3 38.Kd2 Txb3 39.Txa2 Ta3 40.Tb2 Ta5 41.Le6 Tba8 42.Sf5 Ta2 43.Kc2
Weiss steht etwas besser: +/= (0.41 ++) Tiefe: 20/41 00:00:05 122MN, tb=2056


Analysis by Komodo 12.3:

34.Ta2 Kd8 35.Kg2 Ke7 36.Kf3 Ta6 37.Le6 Kf8 38.Sf5 Td8 39.Se4 Tb6 40.Kf2 Ta6 41.Kg2 Tb6 42.Kh3 Ta6 43.Kg3 Tb6 44.Kg2 Ta6 45.Kf2 Tb6 46.Ke3 Ta6 47.Kd2 Tb6 48.Kd3 Ta6 49.Ke2 Tb6 50.Kf3 Ta6 51.Ke3 Tb6 52.Ke2 Ta6 53.Kd3 Tb6 54.Sd2
Weiss steht etwas besser: +/= (0.64) Tiefe: 32 00:00:05 89390kN, tb=2


Analysis by Ethereal 11.50:

34.Kg3 Lf7 35.Kf3 Tb6 36.Ke2 Te8 37.Kd3 Td8 38.Se4 Th8 39.Kc2 Ta6 40.Kd2 Tb6 41.Kd3 Ta8 42.Lh7 Kf8 43.Sf5 Td8 44.Kc2 Ta6 45.Kd3 Tb6
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.00) Tiefe: 22/36 00:00:00 11065kN, tb=3


Analysis by Fire 7.1:

34.Kg2 Ta6 35.Kf3 Td8 36.Se4 Lf7 37.Ke2 Te8 38.Kd3 Td8 39.Ta2 Tb6 40.Ta1 Th8 41.Ta2 Tf8 42.Lh7 Td8 43.Sf5+ Kf8 44.Se3 Ta6 45.Lf5 Ke7 46.Lh7 Kf8
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.00) Tiefe: 26 00:00:04 44069kN, tb=300


Analysis by Xiphos 0.5.4:

34.Lg6 Ld7 35.Lf5 Td8 36.Kg2 Ta7 37.Se4 Tc7 38.Lxd7 Tcxd7 39.Sf5+ Kf8 40.Kf3 Kf7 41.Ke3 Ke8 42.Kd3 Kf7 43.Ke2 Kf8 44.Kf3
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.00) Tiefe: 29 00:00:04 95544kN


Analysis by Deep Shredder 13:

34.Se4 a2 35.Le6 g6 36.hxg6 Lxg6 37.Lf5 Le8 38.c5 dxc5 39.d6+ Kd8 40.Sxc5 Ta5 41.Se6+ Kd7 42.Sg7+ Kc6 43.Tc1+ Tc5 44.Le4+ Kd7 45.Ta1 Ta5 46.Sc4 Ta6
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.21 ++) Tiefe: 27/48 00:00:05 100MN, tb=38


Wie ersichtlich haben die Engines zwar die ersten paar Stationen der Königswanderung durchaus auf ihrem Radar, weil ihre Programmierer ihnen eingebleut haben, dass der König im Endspiel vom Rande ins Zentrum geführt werden sollte. Aber die zwei finalen Ziel-Züge des Königs (Kb1 und Ka2) tauchen bei keinem dieser starken Alpha-Beta-Programme im Output auf.
Kommt hinzu, dass (deswegen) ihre Stellungsbewertung nicht über ein „Weiss steht besser“ hinauskommt, ja sogar Remis-Einschätzungen werden ausgegeben. (Hier findet sich eine Analyse der Partie-Fortsetzung nach 34.Se4).

Ganz anders Leela Chess Zero, der Urheber der Stellung. Ich habe einige aktuelle Lc0-Networks darauf angesetzt – den schönsten, quasi „lupenreinen“ Output habe ich beim NW „T40B.2-106“ gefunden:

Analysis by LC0 v0.22 (T40B.2-106):

34.Kg2 Kd8 35.Kf1 Kc7 36.Ke2 Ta5 37.Kd3 Lf7 38.Se4 Lg8 39.Kc2 Lf7 40.Kb1 Lg8 41.Ka2 Lf7 42.Tc1
Weiß steht deutlich besser: +- (2.21) Tiefe: 8/20 00:00:05 236kN

Der wesentliche Unterschied zu den konventionellen Progammen ist, dass Leela diese Line nicht eigentlich berechnen muss (wie die geringe Ply-Tiefe von 8/20 und die minimale Knotenzahl zeigen), sondern diesen „Plan“ nach nur 5 Sekunden „weiss“ und sofort eine Gewinn-Bewertung auswirft. (Es ist umgekehrt nicht auszuschliessen, dass nach langem Rechnen auch andere herkömmliche Engines genug Tiefe erreichen und einen vergleichbaren Output liefern).

Auch wenn gerade bei Leela Chess Zero die Interface-Angaben bezüglich Rechentiefe und Stellungsbewertung stets mit Vorsicht zu geniessen sind: Ein solcher Mainline-Output in dieser Stellung ist beeindruckend. Ich persönlich kann nachvollziehen, wenn derartigem Schach von Menschen das Etikett „menschlich“ verpasst wird – also eben nicht „taktisch“, sondern „strategisch“…

Leela der Königsbezwinger

Um ganz vorne mitmischen zu können, muss allerdings Leela nicht nur „positionell“, sondern auch angriffstechnisch auf der Höhe sein, damit nicht nur halbe Remis-Punkte, sondern ganze Punkte eingefahren werden können. Und in der Tat: Leela Chess Zero ist – mit seinen jüngeren Networks – einer der stärksten Königsangreifer im aktuellen Engine-Zirkus. Aus dem Nichts ist dieses Programm imstande, tödliche Attacken zu reiten – wie weiland der „Magier aus Riga“, Ex-Weltmeister Michael Tal (wenn auch nicht so spekulativ wie dieser…).
Ein paar Partien-Zitate illustrieren Leelas Durchschlagskraft im Angriff:

FEN-String: r2q1rk1/5p2/p1np1npp/bpp1p3/4P1PB/2PP1NNP/bPB1QP2/2KR3R w – – 0 18

FEN-String: r2q1rk1/1b1nbppp/pn1p4/1ppPp3/4P3/2P1BN1P/PPBN1PP1/R2Q1RK1 w – – 0 13

FEN-String: r1b2r2/pp1qnpkp/2np2p1/2p1p1P1/2P5/2NP1N2/PP2PPBP/R1Q2RK1 b – – 0 14

FEN-String: 1rb1r1k1/1pqn1pb1/p2p1npp/2pP4/P3P2B/2N5/1P1NBPPP/1R1Q1RK1 w – – 0 16


Alpha-Beta- und NN-Schach gleich stark

Die nachstehende Turnier-Rangliste ist das Ergebnis der folgenden Hardware-/Software-Turnierspezifikationen:

– CPU: AMD Ryzen 7 2700X (8CPU/16Threads)
– GPU: GeForce RXT 2080
– Memory/Engine: 1024 MB
– Interface: Fritz 16
– Engines: Defaults 8Threads/Engine
– Leela-Engines: 4Threads (CUDNN-FP-16)
– Bedenkzeit: 2 Min. + 2 Sek. / Engine
– Eröffnungsbuch: 5-moves-Book (M.Scheidl)
– Endspiel-DB: Syzygy (5-men)
– PermanentBrain: On
– Anzahl Partien: 1056
– Anzahl Weiss-Siege: 360 (34,1%)
– Anzahl Schwarz-Siege: 287 (27,2%)
– Anzahl Remisen: 409 (38,7%)
– ECO A: 191 Partien
– ECO B: 229 Partien
– ECO C: 175 Partien
– ECO D: 296 Partien
– ECO E: 165 Partien
– Partie-Dubletten: keine
– Zeitüberschreitungen: fünf (Raubfish)
(Raubfish spielte mit einem experimentellen Setting:
„Analysis ICC“ & „Deep Analysis ICC“ ON)

 

Programm-Turnier Stockfish vs Leela - Best Chess Engines August-2019 Blitz-Tournament - Glarean Magazin
Schachprogramme: Das Duell der Engine-Giganten – Stockfish oder Leela? (Computer-Turnier August 2019)

Die schachlichen Top Shots

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Abschliessend hier aus diesem Turnier noch ein halbes Dutzend schachlicher Top Shots, die nicht nur besonders ästhetisch sind, sondern auch demonstrieren, zu welchen Glanzzügen moderne Schachprogramme in der Lage sind, auch wenn sie – wenngleich auf flotter Hardware – nur einige Sekunden pro Zug verfügbar haben. Mit durchschnittlichen Rechentiefen von 25-30 Halbzügen spielen heutzutage die Engines auch in Blitzpartien auf einem Niveau, das früher von ihren Vorgängern erst nach stundenlangen Partien (und auch nur annähernd…) erreicht wurde.

Der knappe Turniersieger Brainfish spielte übrigens quasi ausser Konkurrenz mit (war aber als eine Art Referenz gedacht): Im Gegensatz zu allen anderen, die ausser der Vorgabe von 5 Eröffnungszügen keinerlei eigene Opening Books benutzen durften, erhielt Brainfish gleich zwei Default-Bücher, nämlich sein integrales „Cerebellum“ sowie ein spezifisches NN-Book namens „Cerebellum Leela Net„. Dieses Duo erwies sich dann als unwiderstehlich…

♥ Hier lassen sich alle Original-Partien des Turnieres downloaden im CBH- und PGN-Format (zip-File)

Mausklick auf einen Zug oder eine Variante öffnet das Analyse-Fenster mit Download-Option

FEN-String: r1b1k3/p3p1b1/2p3p1/1q1p1pPr/N2PnB1p/7P/PP2PPB1/R2Q1RK1 w q – 0 16

FEN-String: r2q1rk1/pppnbpp1/2npb2p/1B6/4P3/2N1QN1P/PPPB1PP1/R3K2R w KQ – 0 12

FEN-String: r1bqk2r/pp2bpp1/2n4p/2pnp3/7P/1P1P1NP1/P3PPB1/RNBQ1RK1 b kq – 0 9

FEN-String: r2q1rk1/1b1nbppp/1n1p4/pppPp3/4P1P1/2P1BN1P/PPBN1P2/R2Q1RK1 w – – 0 14

FEN-String: 8/2b1k3/2p5/4p3/2P1N3/2B2KP1/1P2RP2/r2r4 w – – 0 49

FEN-String: r3r1k1/3b1ppp/8/1p1p4/nPpP1BP1/4P2P/P4P2/1NQ3K1 b – – 0 24

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Computerschach-Partien auch über
die neue Version der Schach-Datenbank Chessbase (15)

… sowie zum Vergleich mit älteren Engines-Ranglisten:
Die grosse Computerschach-Datenbank COMP 2007

Interessante News-Links zum Thema Schach:

Schachprogramme: Das Duell der Engine-Giganten

Künstliche Schach-Intelligenz: Leela Chess Zero

Als Autodidakt zur Weltspitze

von Walter Eigenmann

Seit längerer Zeit wird die Computerschach-Welt von einem Thema in Atem gehalten: Das KI-Projekt Leela Chess Zero (LC0). Wer mit dieser bahnbrechenden, ja sensationellen neuen Entwicklung im Bereich „Künstliche Schach-Intelligenz“ noch nicht vertraut ist, dem sei als Einstieg der informative Artikel von Conrad Schormann im Portal „Perlen vom Bodensee“ empfohlen: Leela wollte spielen, die Weltspitze kniff. Weiters findet sich hier ein guter Überblick auf den aktuellsten Stand der KI-Dinge: Chess Programming Wiki.
Der „neuronal“ orientierten Schachprogrammierung liegt die sogenannte Monte-Carlo-Technik zugrunde, deren schachspezifische Anwendung hier ganz gut erklärt wird: Monte Carlo statt Alpha-Beta.

In wenigen Monaten von 0 auf 98

Leela Chess Zero LC0 Logo - Glarean MagazinDie unglaublichen Fortschritte der Netzwerk-gestützten Engine „Leela-Chess-Zero“ (LC0) lassen erahnen, dass es mit der Dominanz des bisherigen Alpha-Beta-Ansatzes in der Schachprogrammierung – momentan am erfolgreichsten manifestiert im weltweit führenden Programm Stockfish – schon bald vorbei sein dürfte. Denn innert wenigen Monaten hat sich dieses Open-Source-Projekt, zu Beginn nur gerade mal mit den Schachregeln vertraut gemacht, mithilfe seiner Algorithmen bzw. selbsterlernter Networks (sprich aufgrund von Millionen Partien gegen sich selbst) vom lächerlichen Anfänger zum Super-Großmeister entwickelt, der nicht nur die gesamte Schach-Weltelite bei den Menschen, sondern auch alle seine digitalen „Artgenossen“ schlagen kann. Als reiner Autodidakt ohne alle Wissens-Implentierung durch den Menschen zur absoluten Weltspitze: Das ist einzigartig in der ca. 30-jährigen Geschichte der Schachprogrammierung.

Menschliches Computerschach

Stockfish Chess Engine Logo - Glarean Magazin
Sind wegen Leela Chess die Tage des berühmtesten Fisches der Schachgeschichte bald gezählt?

Für Schachspieler liegt der besondere Reiz von Leela’s Spiel-Stil in der beinahe „menschlich“ zu nennenden Partie-Anlage dieser KI-Software. Wo die herkömmlichen Taktik-Programme wie Stockfish, Houdini oder Kommodo (um nur die drei aktuell stärksten Alpha-Beta-Engines zu nennen) möglichst breit und möglichst tief rechnen (raffinierte Cut-und Bewertungs-Techniken inklusive), spielt ein Neuronal-Netz-Programm wie Leela „auf Position“: Aktivität, Mobilität, Aggressivität und damit verbunden eben Originalität sind die Stichworte, die einem bei der Analyse von NN-Partien spontan einfallen.
Die konservativen Materialwerte (aufgrund der Bauer-Grundeinheit), wie sie bei AB-Engines bedeutungsvoll sind für die Stellungseinschätzung und Zuggenierung, scheinen beim NN-Schach eine nur geringe Rolle zu spielen, denn hier zählt vielmehr das „Potential“ der Bauern- und Figurenkonstellationen. Dementsprechend findet man in Leela-Partien kaum je „totes Material“; hier ist alles „im Fluss“, permanent sind Umgruppierungen im Gange, Randspringer und- bauern sind an der Tagesordnung, das Zentrum hat seine „zentrale“ Bedeutung eingebüsst, Doppelbauern kommen zuhauf vor, das Qualitäts- als positionelles Opfer ist häufig, und oberste Priorität hat jeweils mit maximalem Druck das eigentliche Spiel-Ziel des Schachs: Der Königsangriff.

Leela = Michael Tal des Computerschachs?

Natürlich ist solch ein Schach hochattraktiv im Vergleich zum traditionellen Computerschach, dessen staubtrockenes bzw. Remis-trächtiges Sicherheitsspiel – wenngleich auf extrem hohem technischem Niveau – allenfalls noch für perfektionistische Fernschach-Freunde theoretisch-analytische Hilfestellung bietet, ansonsten wegen seiner überirdischen Genauigkeit das „breite Schachvolk“ längst nicht mehr erreicht.

Michael Tal - Schachweltmeister - Glarean Magazin
Ist Leela Chess eine digitale Reinkarnation des berühmten Schachmagiers Michael Tal?

Ist also Leela die Reinkarnation der „Kreativität“ im Computerschach? Eine Art Michael Tal unter den Schachengines? Der legendäre lettisch-russische Schachweltmeister (1936-1992) spielte bekanntlich das bislang wohl spekulativste wie spektakulärste Menschen-Schach der Geschichte, seine Materialopfer „aus dem Nichts heraus“ waren berüchtigt, und je wissenschaftlicher und analytischer ein Tal-Gegner spielte, umso sicherer wurde er eine Beute des „Magiers aus Riga“.
Romantikern unter den Schachspielern sei diese interessante Parallele also durchaus gestattet – aber ein gravierender Unterschied besteht: Leela’s Opfer sind immer korrekt. Ein Computer hypnotisiert nicht, er rechnet…

Das Angriffsspiel „aus dem Nichts heraus“ ist aber definitiv ein Markenzeichen auch des NN-Programmes. Die folgende Stellung wurde generiert in einer TCEC-Partie gegen Houdini, der aktuellen Nummer Zwei der konservativen Engine-Ranglisten hinter der Schach-Freeware Stockfish. Setzt man diese Position den herkömmlichen Programmen zur Bewertung vor, stufen sie die schwarze Stellung als völlig ausgeglichen ein, schwächere Engines sehen gar Schwarz im Vorteil:

FEN r1r5/1b1n3k/1n1q1ppp/3Pp3/ppP1P2P/5QR1/1BBN1PP1/2R3K1 w

Leela-Chess-Zero - LC0 vs Houdini - Königsangriff - Glarean Magazin
Strategische Weitsicht im Königsangriff dank Neuronalem Netzwerk: Das KI-Schachprogramm Leela Chess Zero (LC0)

Houdini 6.03:
27.Ld1 a3 28.La1 h5 29.Sf1 Sxc4 30.Txg6 Kxg6 31.Dxh5+ Kg7 32.Sg3 (…)
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.00) Tiefe: 28/54 00:00:47 743MN, tb=10

Komodo 12.3:
27.Dg4 Tg8 28.h5 gxh5 29.Df5+ Kh8 30.Dxh5 Txg3 31.Dxh6+ Kg8 32.fxg3 (…)
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.06 ++) Tiefe: 30 00:00:30 320MN, tb=3

Stockfish 10:
27.Ld1 h5 28.Sf1 De7 29.Se3 De8 30.Sf5 a3 31.Lc3 bxc3 32.Sd6 (…)
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.19 ++) Tiefe: 31/50 00:00:31 302MN, tb=18

Ethereal 11.25:
27.Ld1 a3 28.La1 h5 29.De3 Dc5 30.Lxh5 Dxe3 31.Lxg6+ Kh6 32.fxe3 (…)
Die Stellung ist ausgeglichen: = (0.00) Tiefe: 26/55 00:00:42 468MN, tb=1

Ganz anders sieht das Leela, dessen Algorithmen & Statistikauswertung nicht das taktische, sondern das positionell-strategische Potential der weissen Stellung sieht und eine für Weiss positive Bewertung auswirft:

Leela Chess Zero 21.1 (41800):
27.h5 g5 28.Df5+ Kh8 29.f4 a3 30.La1 De7 31.Ld1 exf4 32.Tb3
Weiss steht deutlich besser: +/- (1.41) Tiefe: 15/45 00:00:31 375kN

Der Partieverlauf gab Leela’s NN-Analyse recht, Houdini’s furchterregende Freibauernwalze auf dem Damenflügel verblasst angesichts der weissen Schläge gegen den schwarzen König:

Aktuell dürfte Leela der bei weitem erfolgreichste Königsangreifer des ganzen modernen Engine-Zirkus‘ sein. Kein Wunder: Seine entspr. Angriffstechniken sind statistisch millionenfach abgesichert…

Ein Strauss von Leela-Topshots

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Wer der Freeware-NN-Engine Leela – das kommerzielle Programm Komodo mit seiner „Monte-Carlo-Tree-Search“ (MCTS) verfolgt den ähnlichen Ansatz, und beide fahren sie im Kielwasser des KI-Google-Projektes Alpha-Zero – bei der Arbeit zusehen will, hat entweder die Möglichkeit, sich die neuesten Partien der inoffiziellen Computerschach-Weltmeisterschaft Top Chess Engine Championship (TCEC) runterzuladen, oder aber er organisiert sich seine Engine-Turniere gleich selber auf dem heimischen Desktop oder Notebook.

Letzteres setzt allerdings – diese Warnung ist zwingend – eine überdurchschnittliche Hardware voraus; insbesondere die Grafik-Karte sollte mindestens von der Qualität einer RTX 2060 sein, andernfalls ist die Verwendung von Leela reine Zeitverschwendung. Denn die Hauptberechnungen absolviert die NN-Engine nicht auf der Platinen-CPU, sondern auf der Grafik-GPU.

Die folgenden Stellungen bzw. „Lösungszüge“ generierte Leela gegen unterschiedliche Engine-Gegner auf meinem heimischen AMD-Ryzen-7 2700x mit einer GeForce-RTX-2080-Karte bei Blitz-Bedenkzeiten von 5-20 Minuten/Engine (mit „Permanent-Brain-On“ und einem 5-Züge-Eröffnungsbuch).

Diese sieben Lösungszüge haben eines gemeinsam: Sie werden von Leela allesamt je im 1-Sekunden-Bereich gefunden. Eine Leistung, die meinen Recherchen zufolge von keinem anderen (AB-)Programm erreicht wird.
Noch ist die Entwicklung in vollem Gange. Auf die weitere Progression des neuronalen Schach-Projektes Leela Chess Zero blickt die gesamte Schachwelt. ♦

FEN rbbq1r2/1p3pk1/1P1p2pp/p2Pp3/P3Rn2/2P2NNP/5PP1/1R1Q1BK1 w

LC0 - Houdini - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Weiss am Zuge


FEN 5r2/2r1q2k/1p1pb1p1/b2B4/P1P1pP1p/4Q1RP/4N1P1/5R1K w

LC0 - Komodo - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Weiss am Zuge


FEN 3r1rk1/1p1nq1bp/p2ppnp1/2p5/2P5/2N1P2P/PP2BPP1/1RBQ1RK1 w

LC0 - Andscacs - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Weiss am Zuge


FEN 6r1/4nr1k/p2R4/P7/1PP1N3/4b1p1/1B4PN/7K b

Stockfish - LC0 - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Schwarz am Zuge


FEN 1rr1b1k1/2q2pp1/2nppb1p/p7/Pp2PP1P/1N3BP1/RPPRQ3/3N3K b

Komodo - LC0 - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Schwarz am Zuge


FEN 3rrbk1/1pq2pp1/p1b5/2np2Pp/P2B1P1P/1PN4B/2P2Q2/R2R2K1 b

Andscacs - LC0 - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Schwarz am Zuge


FEN 3rr1k1/1pqn1pp1/2pbpn1p/p2p4/P4P1N/1P1PP1P1/1BPNQ2P/R4R1K w

LC0 - Xiphos - Leela Chess Artikel 2019 - Glarean Magazin
Weiss am Zuge

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Alle Analysen lassen sich als PGN-Datei downloaden: Mausklick in die Notation und Button rechts unten im Analyse-Fenster („Download the game“)


Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Computerschach auch
15. Version der Schachdatenbank Chessbase erschienen

sowie zum Thema Online-Schach den Report
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Künstliche Schach-Intelligenz: Leela Chess Zero

15. Version der Schach-Datenbank Chessbase erschienen

Was bietet Chessbase 15 Neues?

von Walter Eigenmann

Der gleichnamige Hersteller der kommerziellen Schach-Datenbank Chessbase bietet seit Ende 2018 deren mittlerweile 15. Version an. Was hat der Markführer diesmal seinem Flaggschiff an neuen Features verpasst?

Das Hamburger Software-Haus um Matthias Wüllenweber legte ja die Grundsteine seiner aktuell dominanten Position auf dem Schachsoftware-Markt schon vor Jahrzehnten mit „Fritz“ und eben „Chessbase“. Dementsprechend ein so ausgereiftes Produkt wie „CB“ immer wieder mit Novitäten zu bereichern ist kein leichtes Unterfangen, und ob bei jeder neuen Version die zusätzlich implentierten Features auch tatsächlich je als innovativ und nachhaltig bezeichnet werden dürfen, liegt häufig alleine „im Auge des Betrachters“. In der Entscheidungsgewalt des Anwenders ist auch die Abwägung, ob die üppige Preisgestaltung bei Chessbase 15 – das Profi-Premiumpaket schlägt immerhin mit stolzen 470 Euro zu Buche – einigermaßen fair korreliert mit den gebotenen Inhalten der Software.

Chessbase-15 - Cover - Rezension Glarean MagazinBei vielen tausenden von Turnierspielern der höheren Ligen ist diese Frage allerdings obsolet: Erfolgreiches Training heute ist ohne Chessbase & Co. unmöglich, zur Vorbereitung auf die potentielle Turnier-Gegnerschaft ist die permanente und ständig aktualisierte Arbeit mit gut sortierten Datenbanken und deren ausgefeilten Analyse- und Such-Funktionen unumgänglich.

Die wichtigsten Novitäten

Was hat denn nun Chessbase 15 Neues zu bieten, das man in der Vorgänger-Version 14 vermisste? Die wichtigsten Novitäten sind meines Erachtens:

A) Die „Optionen“ offerieren nun für die deklarierte „Standardengine“ eine sog. „Schnellanalyse“: Das Programm zeigt anhand der Stellungsbewertung in grafischer Form den Partienverlauf an, der Anwender erkennt damit auf Anhieb, an welcher Stelle die „Partie gekippt“ ist. Diese Berechnung des Bewertungsprofils soll gemäss Chessbase auf schnellen Rechnern verzögerungsfrei im Hintergrund ablaufen. Originalton Chessbase: „Natürlich stellt diese Schnellanalyse keinen Ersatz für eine tiefschürfende Analyse dar, ist aber bei der schnellen Sichtung von Partien, vor allem unkommentierten Partien, extrem hilfreich“. (Dieses Feature haben „Fritz“ u.a. Interfaces schon länger; CB-15 differenziert es noch mit einer Einstellung „Endlos“).

B) Im „Start“-Menü erfährt das Brettfenster einer konkreten Partie eine deutliche Aufwertung durch das Feature „Replay Training“ (Nachspieltraining). (Der Reiter „Training“ war unter CB-14 an der gleichen Stelle noch ziemlich unergiebig). Nun interagiert der User in einer Stellung direkt, erhält eine „Stellungseinschätzung“ und „Tipps“, kann bei „Richtigem Rechnen“ Punkte sammeln etc. – Anpassung der Einstellungen inklusive:

Chessbase-15 - Replay Training - Rezension Glarean Magazin
Das neue Chessbase-Feature „Replay Training“ (Nachspieltraining) offeriert dem User „Tipps“ zur Stellungseinschätzung und ermöglicht interaktives Üben.

Die Plan-Findung aus Eröffnungsvarianten heraus

C) Der „Plan Explorer“ des gleichen Notationsfensters ist eine weitere Novität von CB-15. Dieser Explorer ist im Zusammenhang mit dem Eröffnungstudium interessant und listet resultierende Mittelspielpositionen auf, dokumentiert also die unterschiedlichen „Pläne“ einer Eröffnungsvariante. Originalton Chessbase:

Chessbase-15 - Plan Explorer - Rezension Glarean Magazin
Der neue „Plan Explorer“ will die unterschiedlichen „Pläne“ einer Eröffnungsvariante auflisten

D) Die Brett-Ansicht selber ist um die Option „Ray Tracing“ erweitert worden: Sie soll – neben dem bisherigem „3D-Brett“ – eine „möglichst realistische Darstellung von 3D Ansichten“ generieren. Voraussetzung ist allerdings eine leistungsfähige Rechnerausstattung (sprich eine Grafikkarte der jüngeren Generation, beispielsweise RTX u.ä.):

Chessbase-15 - Ray Tracing - Rezension Glarean Magazin
Das spezielle „Ray Tracing“ strebt in Chessbase 15 eine „möglichst realistische Darstellung von 3D Ansichten“ an

Suche nach Verteidungs- oder Angriffsmustern

E) Das Menü „Report“ enthielt in der Vorgänger-Version bereits die Optionen „Ähnliche Strukturen“ und „Ähnliche Züge“; hinzu kommt jetzt die Suche nach „Ähnlichen Mustern“. Damit kann in einer Referenzdatenbank nach vergleichbaren Verteidigungs- oder Angriffsmustern gefahndet werden.
Aktuell scheint dieses Feature noch rudimentär zu sein; man darf gespannt sein, ob Chessbase diesen durchaus interessanten Ansatz in Folge-Versionen noch weiter entwickelt:

Chessbase-15 - Muster-Suche - Rezension Glarean Magazin
Nach vergleichbaren Verteidigungs- oder Angriffsmustern in Datenbanken wird mit dem neuen Feature „Ähnliche Muster“ gesucht.

F) Starke Erweiterung erfuhr die Suchmaske mit den Partien-Filtern: Nun lassen sich die Datenbanken gezielt nach expliziten Manövern wie Spiess, Röntgenangriff, Überlastung, Hinlenkung, Räumung, Grundreihe u.v.a. absuchen. Damit erleichtert CB-15 wesentlich z.B. die Stoffaufbereitung in der Schachpädagogik:

Chessbase-15 - Filter-Suche - Rezension Glarean Magazin
Differenzierte Suche nach spezifischen Manövern erleichtert z.B. die Arbeit in der Schachpädagogik

G) Chessbase 15 ist nochmals merklich schneller geworden im Vergleich zu seinen Vorgängern. Die komplette „Sortierung“ einer Datenbank mit 1,4 Mio. Partien (= Neuaufbau nach Datum, Eröffnungen, Turniere, Kommentare, Spieler-Index etc.) dauerte unter CB-15 auf einem eher gemächlichen AMD FX-8350 knapp drei Minuten; für die gleiche Base unter identischen Bedingungen benötigte CB-14 noch fünf Minuten (!)

„Big Database“ oder „Megabase“

H) Erneut um zig-tausende Partien gewachsen ist die mit CB gelieferte eigentliche Datenbank (je nach CB-Paket die sog. „Big Database“ oder die umfangreich kommentierte „Megabase 2019“). Sie enthält nun ca. 7,5 Mio Games (bis Oktober 2018).

FAZIT: Chessbase auch in seiner jüngsten Version 15 ist vom günstigen „Starter“ bis zur Premium-Profi-Variante ein sehr ausgereiftes, stabiles und vielfältiges Produkt, das sich die prominente Stellung auf dem Schachsoftware-Markt durch jahrelange Entwicklung und ständige Erweiterungen nicht zu unrecht erobert hat. Chessbase ist nicht die einzige Software dieser Art, und die Konkurrenz wartet mit teils ebenso attraktiven Optionen auf – aber seine weltweite Verbreitung unter der professionellen und semiprofessionellen Spielerschaft ist nachvollziehbar.

Eine Empfehlung pro oder kontra Kauf ist (wie eingangs angetönt) nicht vorbehaltlos abzugeben, zu heterogen ist das Interessenfeld bei der breiten Anwenderschaft. Wer unter den ambitionierten Vereinsspielern noch kein „Chessbase“ hat und mit den bei „Fritz“ implentierten Datenbank-Funktionen unzufrieden ist, der schlägt jetzt bei der Download-Variante des Starterpakets zu. Der Elo-bewusste semiprofessionelle Turnier- und Mannschaftsspieler wird sich zweifellos auch diese neue CB-Version zulegen. Wer schließlich als Amateur schon eine der CB-Nummern 12 bis 14 auf dem Cover prangen hat, kann verlustlos die Version 16 abwarten. Diese dürfte allerdings wohl erst in zwei bis drei Jahren erscheinen… ♦

Chessbase Hamburg: Chessbase 15 – Schach-Datenbank, (Software-DVD & Online-Download)

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Computerschach auch über das Schachprogramm „Fritz 16“

15. Version der Schach-Datenbank Chessbase erschienen

Karsten Müller: Endspiele der Weltmeister (Schach-DVD)

Schmackhaftes Endspiel-Potpourri aus der Weltmeister-Küche

von Ralf Binnewirtz

Das Endspiel als letzte Phase der Partie mag Anfängern als weniger wichtig oder gar langweilig erscheinen im Vergleich zu Eröffnung und Mittelspiel. In Wirklichkeit sind beide Attribute unzutreffend. Denn ungezählte Partien wurden erst im Endspiel aufgrund profunder Kenntnisse dieses Partiestadiums entschieden. Die großen Meister der Vergangenheit und Gegenwart waren bzw. sind fast ausnahmslos herausragende Könner im Endspiel. Ihrem Können auf diesem Gebiet spürt der deutsche GM Karsten Müller in seinem neuen DVD-Kurs „Endspiele der Weltmeister“ nach.

Ein Schwächeln im Endspiel hat zuweilen den Werdegang von Schachgrößen schicksalhaft beeinflusst: So hat David Bronstein 3 seiner 5 Verluste im WM-Kampf gegen Botwinnik 1951 einer schwachen Endspielführung zu verdanken. Er hat diese „Niederlage“ (d.h. kein Titel für den Herausforderer bei Gleichstand am Matchende) für den Rest seines Lebens nicht mehr verwunden. Ein eindringlicher Apell, das Studium des Endspiels nicht zu vernachläßigen!

Anerkannter Endspiel-Experte: Karsten Müller

Karsten Müller - Endspiele der Weltmeister - Rezension Glarean Magazin
Karsten Müller – Endspiele der Weltmeister – Rezension Glarean Magazin

Großmeister Karsten Müller aus Hamburg, ein weltweit anerkannter Endspiel-Experte und promovierter Mathematiker, ist bereits vielfach und erfolgreich als Schachautor hervorgetreten: Im konventionellen Printbereich, in Online-Kolumnen (wie im US-amerikanischen ChessCafe und bei ChessBase) sowie auf Trainings-DVDs, erwähnt sei hier seine komplette Endspielschule, die auf 14 DVDs einzeln oder im Gesamt-Bundle bei ChessBase erschienen ist.
Mit seiner neuesten DVD widmet sich Müller den Endspielkünsten der sechs letzten Weltmeister ‒ ohne Berücksichtigung der FIDE-Weltmeister 1993-2005. Auch so ist die DVD reichhaltig bestückt mit Videosequenzen (Gesamtspielzeit 9 Std. 37 Min) und Partiedatenbanken. In bewährter Manier ist ein interaktives Training mit Video-Feedback integriert, das dem passiven Zuhörer eine aktive Mitarbeit nahelegt.
Die besagten sechs Weltmeister werden auf der DVD in chronologischer Abfolge in separaten Kapiteln präsentiert, die Oberfläche ist übersichtlich gestaltet und intuitiv bedienbar, und zu jedem Video ist die zugehörige (kommentierte) Partie (oder das Partiefragment) aus einer Datenbank zum nochmaligen Nachspielen aufrufbar.

Videoclips zu Endspielen von sechs Weltmeistern

Zur Einstimmung ist den Weltmeister-Kapiteln ein Einführungsvideo vorangestellt, in dem Karsten Müller einen kurzen Überblick gibt zu dem, was den Nutzer auf der DVD erwartet.

Bobby Fischer

Robert Bobby Fischer - Schach-Weltmeister - Glarean Magazin
Schach-Genie und Endspiel-Virtuose mit Turm&Läufer gegen Turm&Springer: Robert James „Bobby“ Fischer (1943-2008)

Die Videos zu Fischers Endspielen sind unterteilt in 4 (Unter-)Kapitel: 1) Theoretische Endspiele (5 Videoclips), 2) Turmendspiele (9 Clips), 3) Das Fischer-Endspiel (6 Clips), 4) Berühmte Partien, Rätsel, Mysterien (5 Clips).
Bobby Fischer gilt als universeller Spieler, dessen Stil von Pragmatismus, einem unablässigen Drang zur Initiative und einem unbedingten Siegeswillen geprägt war, Charakteristika, die sich natürlich auch in seinen Endspielen wiederfanden. Er besaß eine Vorliebe für das Läuferpaar, und die Konstellation Turm + Läufer gegen Turm + Springer gehörte zu seinen Spezialitäten. Zahlreiche Endspiele mit dieser Materialverteilung, von Karsten Müller als „Fischer-Endspiele“ hervorgehoben, hat er mit der Läuferseite zum Sieg geführt. Insbesondere in den Kandidatenkämpfen mit Mark Taimanow (Vancouver 1971) und auch Tigran Petrosjan (Buenos Aires 1971) hat er seine Gegner damit an den Rand der Verzweiflung gebracht. Diesen Endspielen ist auf der DVD ein besonderes Kapitel (Nr. 3) gewidmet. Bei den berühmten/mysteriösen Partien (Kap. 4) dürften die erste Matchpartie gegen Boris Spasski (Reykjavik 1972) mit Fischers riskantem Bauernraub auf h2 und die 13. Matchpartie auf besonderes Interesse stoßen; letztere mit einem faszinierenden Endspiel (Türme + ungleichfarbige Läufer), in dem Spasski schließlich unter dem zunehmenden Druck kollabierte.

Screenshot Karsten Müller - Endspiele der Weltmeister - Rezension Glarean Magazin
Aufgeräumte DVD-Oberfläche im bekannten Chessbase-Standard-Look: Brett mit Partie-Notation und Video-Fenster

Anatoli Karpow

Mit 12 Videoclips und 2 interaktiven Tests.
Nicht nur wegen seiner grandiosen Endspielbehandlung hat Anatoli Karpow schon zu Lebzeiten Legendenstatus erreicht. Über zwei Jahrzehnte gehörte er zur absoluten Weltspitze, seine WM-Kämpfe gegen Viktor Kortschnoi und Garri Kasparow sind Teil des kollektiven Schachgedächtnisses geworden, seine zahllosen Turniersiege haben Rekordmarken gesetzt. Seine Endspieltechnik war phantastisch, häufig gelang es ihm, mikroskopische Stellungsvorteile zum Sieg zu verdichten. Er verstand es wie kaum ein Zweiter, seine Figuren auf die wirkungsvollsten Felder zu setzen, gleichzeitig die Figuren des Gegners maximal einzuschränken und so das Spiel völlig zu dominieren. Sein Gespür für Harmonie und Koordination der Figuren war unübertrefflich. Exemplarisch genannt sei das phantastische Springer-Läufer-Endspiel gegen Kasparow (WM-Match Moskau 1984, 9. Partie) mit einer scheinbar einfachen Stellung, die aber ungeahnte Tiefen aufweist und mit der sich etliche Großmeister analytisch befasst haben ‒ sogar Karsten Müller musste eine erste Beurteilung revidieren. Kasparow verliert die Partie, weil er versteckte Ressourcen zum Remis nicht nutzen kann, während Karpow mit teilweise genialen Manövern aufwartet.

Garri Kasparow

Garri Kasparow - Schach-Weltmeister - Glarean Magazin
Legende schon zu Lebzeiten und faszinierender Endspiel-Könner: Ex-Schach-Weltmeister Garri Kasparow (Geb. 1963)

Mit 12 Videoclips und 1 interaktiven Test.
Garri Kasparow ist fraglos zu den stärksten Schachspielern aller Zeiten zu zählen, auch wenn die Expertenmeinungen über den absoluten Spitzenplatz subjektiv divergieren mögen. Er ist wohl den meisten in Erinnerung für seinen aggressiv-dynamischen Stil in Eröffnung und Mittelspiel und seine akribische Vorbereitung auf Wettkämpfe ‒ seine 5 WM-Matches mit Karpow sind legendär und füllen immer wieder stattliche Bände. [Aktuell ist eine neue Chronik dieser Wettkämpfe von Jan Timman angekündigt.] Zudem gilt er als der erste, der den Computer professionell für die Vorbereitung zu nutzen wusste. Auch im Bereich der Endspiele hat er faszinierende Leistungen gezeigt, von denen natürlich nur die Spitze des Eisbergs für die DVD aufbereitet werden konnte. Als Beispiele will ich die beiden klassischen Turmendspiele nennen, die er gegen Kortschnoi (Barcelona 1989 und London 1983) gewann, sowie seine Doppelturmendspiele, die er gegen Topalow (Las Palmas 1996 und Linares 1999) nach dramatischem Verlauf für sich entscheiden konnte.

Wladimir Kramnik

Unterteilt in 4 (Unter-)Kapitel: 1) Kramniks Technik (2 Videoclips), 2) Endspiele mit Turm und Springer gegen Turm und Läufer (2 Clips), 3) Strategische Initiative (7 Clips), 4) Kramnik vs. Kasparow (2 Clips); dazu 2 interaktive Tests.
Wladimir Kramnik startete seine steile und spektakuläre Schachkarriere als solider Positionsspieler, einerseits geprägt vom Stil Karpows, andererseits von Kasparows Methoden der theoretischen Vorbereitung. Auch Kramnik ist bekannt dafür, mit großer Zähigkeit aus kleinsten Vorteilen einen Gewinn herauszukitzeln, sein Spielstil ist vornehmlich auf strategische Initiative gerichtet. Für seine Fähigkeiten im Endspiel ist er berühmt. Bereits im Kindesalter hat er sich für Endspiele begeistert, daher konnte er in Botwinniks Schachschule früh seine diesbezüglichen Fähigkeiten demonstrieren. Die DVD kann lediglich anhand einer kleinen Auswahl zeigen, wie später zahllose Großmeister der höchsten Kategorie seinem Endspielkönnen Tribut zahlen mussten.
Kramniks Name wird für immer mit der schachhistorischen Leistung verknüpft sein, einen Kasparow entthront zu haben, ohne seinem großen Gegner einen einzigen Sieg zu gestatten! Zwei Endspiel-Leckerbissen aus der WM London 2000 werden von Karsten Müller vorgestellt.

Viswanathan Anand

Viswanathan Anand - Schach-Weltmeister - Glarean Magazin
Der „Tiger von Madras“ als genialer Endspiel-Künstler: Ex-WM Viswanathan Anand (Geb. 1969)

Mit 8 Videoclips und 1 interaktiven Test.
Der Inder Viswanathan Anand konnte in seiner frühen schachlichen Entwicklung zwar nicht auf die sowjetrussische Schachschule zurückgreifen, dafür auf ein außergewöhnliches Naturtalent, das ihm eine phänomenale Intuition bescherte. Von Kramnik wird ihm außerdem eine singuläre Eigenschaft unter sämtlichen Schachspielern bescheinigt: die magisch anmutende Fähigkeit, ein Gegenspiel unmittelbar, praktisch aus dem Nichts zu kreieren. (Carsten Hensel: Wladimir Kramnik, Göttingen 2018, S. 244f.) Die Endspieltechnik gehörte anfangs nicht zu seinen ausgesprochenen Stärken, aber dieses Defizit hat er durch kontinuierliche Verbesserung ausgeräumt, so dass sein Stil, der als dynamisch-universell einzustufen ist, keine ersichtlichen Schwächen aufweist. Im Mittelspiel überrascht der „Tiger von Madras“ häufig mit genialen taktischen Geistesblitzen, und auch der Zeitpunkt für eine günstige Abwicklung ins Endspiel pflegt ihm nicht zu entgehen. Im Endspiel zeigt er eine gewisse Vorliebe für den Springer, den er virtuos zu handhaben versteht. Weitere Beispiele auf der DVD belegen, dass ihm auch mit Läufern und Schwerfiguren beeindruckende Endspielleistungen gelungen sind.

Magnus Carlsen

Magnus Carlsen - Schach-Weltmeister - Glarean Magazin
Vom Wunderkind zum aktuell weltbesten Schachspieler mit Endspiel-Klasse: Weltmeister Magnus Carlsen (Geb. 1990)

Mit 10 Videoclips und 2 interaktiven Tests.
Anders als bei seinem Vorgänger Vishy Anand räumt Magnus Carlsen der computergestützten eröffnungstheoretischen Vorbereitung keinen Vorrang ein. Ihm genügt es, eine spielbare Stellung zu erhalten, die er im Mittel- und Endspiel dank seines überlegenen intuitiven Schachverständnisses erfolgreich behandeln kann. Vorzugsweise inszeniert er ein lang anhaltendes positionelles Druckspiel, um gegnerische Fehler zu provozieren, zugleich ist er (wie Karpow) in der Lage, seine Figuren höchst harmonisch zu koordinieren. Ein starker Kampfgeist, Zähigkeit und körperliche Fitness tragen dazu bei, langwierige Endspiele scheinbar ermüdungsfrei am Brett durchzustehen ‒ die sich irgendwann einstellenden Fehler des Gegners weiß er dann gnadenlos zu bestrafen. Im Endspiel (2)T + L vs. (2)T + L bei gleichfarbigen Läufern treten Carlsens Stärken besonders hervor, Karsten Müller hat für diesen Typ die Bezeichnung „Carlsen-Endspiele“ vorgeschlagen und kommentiert auf der DVD einige musterhafte Beispiele. Dass zwei vorentscheidende Siege Carlsens in seinem ersten WM-Kampf gegen Anand (Chennai 2013, 5. u. 6. WM-Partie auf der DVD) aus Endspielfehlern seines Gegners resultierten, unterstreicht nochmals die Bedeutung der letzten Partiephase.

Rückschau auf 50 Jahre Endspielgeschichte

FAZIT: Karsten Müller hat für die DVD „Endspiele der Weltmeister“ eine lehr- und abwechslungsreiche Auswahl von Endspielen kommentiert, die die letzten sechs klassischen Weltmeister in ihren Spielstilen und mit ihren Fähigkeiten in der Führung des Endspiels charakterisieren. Damit wird dem Nutzer eine Praxis der Endspiele auf höchstem Niveau präsentiert und zugleich die historische Entwicklung des Endspiels über ein halbes Jahrhundert nachvollzogen, die zahlreiche Highlights aufweist. Ein interaktives Training mit Video-Feedback verstärkt und festigt den Lerneffekt. Die durchweg didaktisch gelungene Darstellung des Materials im zweckdienlichen audiovisuellen Format verdient eine nachdrückliche Empfehlung.

Wie aus der vorstehenden Beschreibung hervorgeht, präsentiert die DVD eine attraktive Auswahl von Endspielen, die die „klassischen“ Weltmeister der letzten rund 50 Jahre in Turnieren und Wettkämpfen gespielt haben. Die Endspiele werden von Karsten Müller didaktisch ansprechend erläutert bzw. in angemessener Tiefe analysiert. Eine systematische Darstellung von Endspielen ist hierbei natürlich nicht zu erwarten. Müllers Anliegen besteht eben darin, die Kunst des Endspiels, wie sie von den herausragenden Vertretern unseres Spiels praktiziert und häufig in Perfektion vorgetragen wurde, anhand von Beispielen zu vermitteln und dabei im Verein mit interaktiven Trainingseinheiten einen nachhaltigen Lerneffekt zu erzielen. Der Nutzer sollte fundamentale Endspielkenntnisse mitbringen, wenn er die Inhalte der DVD mit Gewinn verarbeiten will.
Es ist klar, dass sich die Spielweisen und Stärken der Weltmeister im Endspiel mehr oder weniger unterscheiden, aber gelegentlich bestehen auch deutliche Parallelen (wie bei Carlsen und Karpow). Weiterhin haben historische Entwicklungen (zunehmende Computer-Nutzung, Wegfall des Partieabbruchs und der Analyse von Hängepartien, Endspiel-Datenbanken) das Spiel in der Praxis tiefgreifend verändert und die Notwendigkeit erhöht, sich ein ausgefeiltes Endspielwissen zu erarbeiten bzw. das vorhandene Wissen auszubauen. Karsten Müller scheint mit dieser DVD thematisch Neuland betreten zu haben, ein ähnliches Werk, das weltmeisterliche Endspiele über einen längeren Zeitraum vergleichend beleuchtet, ist mir nicht bekannt. ♦

Karsten Müller: Endspiele der Weltmeister ‒ Von Fischer bis Carlsen, Fritz-Trainer Endspiele, DVD ChessBase, ISBN 978-3-86681-682-4

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Schach-Endspiele auch über Karsten Müller: Schachendspiele für Kids

… sowie über András Mészáros: 1000 Schach-Endspiel-Studien

Karsten Müller: Endspiele der Weltmeister (Schach-DVD)

ChessBase: Fritz-Trainer Vol. 10 – Mikhail Botvinnik (DVD)

Multimediales Schachtraining mit weltmeisterlichem Flair

von Ralf Binnewirtz

„Lerne von den Klassikern!“ ‒ diesem beachtenswerten Ratschlag hat sich das Hamburger Unternehmen ChessBase in seiner DVD-Reihe Master Class im Multimedia-Format angenommen. Soll es doch tatsächlich noch etliche Spieler selbst auf Meisterniveau geben, die zwar Magnus Carlsen kennen, aber mit seinen Vorläufern bis hin zu Steinitz oder Morphy kaum etwas anfangen können. Die besagte Serie verspricht Abhilfe, indem sie die führenden Schachmeister der Vergangenheit und Gegenwart in Videos porträtiert und dabei deren Strategien, Gewinntechniken und die verschiedenen Phasen ihrer Partien in der Analyse hochrangiger Experten erhellt. Zugleich wird mit regelmäßig eingestreuten Testfragen der Leser zur Mitarbeit animiert, so dass dieser nicht nur die legendären Schachgrößen mit ihren spezifischen Stärken (und wenigen Schwächen) kennenlernt, sondern auch für die eigene Partieführung von einem Training nach weltmeisterlichen Vorbildern profitiert.

Schachlegende Botwinnik

Chessbase Fritz-Trainer Vol. 10 - Mikhail Botvinnik - Glarean MagazinDie aktuelle Ausgabe ist dem 6. Weltmeister und Patriarchen der sowjetischen Schachschule, Michail Botwinnik, gewidmet. [Ich verwende in meinem Text die deutsche (aussprachenahe) Transkription russischer Eigennamen, auch wenn auf der DVD durchgängig die englische Transkription gepflegt wird.] Michail Botwinnik (1911-1995), dessen Kurzbiografie von Johannes Fischer beigesteuert wird (übernommen aus der Schachzeitschrift KARL 3/2005), war Weltmeister über einen Zeitraum von 15 Jahren (mit kurzen Unterbrechungen 1957/58 und 1960/61) und über 30 Jahre der Vorkämpfer der Sowjetunion. Manchen Schachfreunden mag er als Persönlichkeit langweilig oder ‒ als Erzkommunist aus Überzeugung ‒ alles andere als sympathisch erscheinen. Seine Bedeutung für das Schach dürfte indes unbestritten sein, zumal er auch als Autor, Theoretiker und Schachlehrer Außergewöhnliches geleistet hat. Die von ihm nach beendeter Schachkarriere etablierte Botwinnik-Schachschule haben viele künftige Großmeister und einige spätere Weltmeister (Karpow, Kasparow, Kramnik) durchlaufen.

Eine der charismatischsten Persönlichkeiten der Schachgeschichte: Weltmeister Michael Botwinnik (1911-1995)
Eine der charismatischsten Persönlichkeiten der Schachgeschichte: Weltmeister Michael Botwinnik (1911-1995)

Michael Botwinnik hat als Erster die individuelle Vorbereitung auf seine Gegner zur Perfektion getrieben und seine gesamte Lebensweise mit regelmäßiger sportlicher Ertüchtigung und einer nahezu spartanischen Ernährung den eigenen Fitness-Ansprüchen unterworfen. Seine Analysen nach Partieabbruch oder -ende waren äußerst akribisch und schonungslos objektiv hinsichtlich eigener Fehler, seine Endspieltechnik war überragend. Ein großer Teil seines Erfolgs resultierte fraglos aus einer nie erlahmenden Bereitschaft zu harter Arbeit. Wer mehr biografische Details über Botwinnik erfahren möchte als diese DVD zu bieten vermag, ist mit dem ausgezeichneten Werk von Andrew Soltis Mikhail Botvinnik. The Life and Games of a World Chess Champion (McFarland, 2014) gut bedient. Gegenüber dem Buch hat die DVD bekanntlich unschlagbare Vorteile, sobald es um interaktive Trainingsmöglichkeiten oder um ein schnelles Nachspielen von Partien und Analysen am Bildschirm geht.

Videoclips in 4 Gruppen

Befassen wir uns mit dem Herzstück der DVD, den Videoclips, die thematisch in 4 Gruppen gegliedert sind, für die jeweils verschiedene Experten verantwortlich zeichnen. Die gesamte Videospielzeit der deutschen Version beträgt beachtliche 8 Std. 8 Min. (Verlagsangabe).

1. Eröffnungen (8 Clips)

Diesen Teil bestreitet der in Paris lebende Schweizer GM Yannick Pelletier. Er behandelt in 6 Videos die von Botwinnik besonders häufig gespielten Eröffnungen sowie spezielle Strukturen, eingerahmt von einem Einführungsvideo und einer abschließenden Zusammenfassung. Die 6 Clips thematisieren nacheinander: Holländisch; Halbslawisch; Grünfeld-Indisch; Mit Schwarz gegen 1.e4 [Französisch; Caro-Kann]; Karlsbader Struktur; Vorposten.
Dass Botwinnik zur Eröffnungstheorie zahlreiche eminente Beiträge geliefert hat, ist hinlänglich bekannt. Beispielhaft erinnert sei nur an die komplexe, seinen Namen tragende Botwinnik-Variante in Halbslawisch (5…dxc4), die zu den schärfsten Eröffnungssystemen zählt und bis heute wagemutige Spielernaturen fasziniert und inspiriert. Aber Botwinnik hat nicht nur durch konkrete Ideen und Varianten die Theorie bereichert. Sein Bestreben war vor allem darauf gerichtet, langfristige Strategien zu entwickeln, um aus der Eröffnung typische Situationen und Strukturen im Mittelspiel zu erreichen, die er dann aufgrund seiner profunden Vorarbeit mit Leichtigkeit zu behandeln wusste. Seine tiefen strategischen Pläne reichten zuweilen bis ins Endspiel. Auf dem Feld der vorbereitenden (aber auch nachträglichen) Analyse konnte Botwinnik seine systematisch-wissenschaftliche Arbeitsweise zur Geltung bringen, die sich als wegweisend und vorbildhaft für nachfolgende Generationen erweisen sollte. – Als Zugabe enthält die DVD das Eröffnungsrepertoire von Botwinnik als Variantenbaum („Botvinnik-Powerbooks“).

2. Strategie (7 Clips)

Der Strategie-Part wurde von dem rumänischen GM Mihail Marin aufbereitet, der längst zu den weltbesten Schachautoren zählt. Nach einem einleitenden Video, das einen Überblick über den positionellen aber keineswegs zurückhaltenden Stil Botwinniks gibt, folgen 6 Videos, die einzelne Partien aus Botwinniks Laufbahn präsentieren bzw. nach positionellen Gesichtspunkten sezieren.
Am Anfang steht die legendäre Partie gegen Capablanca (AVRO 1938) mit der unvergesslichen „Links-Rechts-Kombination“, die in zahllosen Partiesammlungen verewigt wurde. Botwinniks tiefe strategische Konzeption triumphiert hier über die kürzeren Teilpläne des Kubaners. Auch taktisch ist der Stratege Botwinnik gemeinhin auf der Höhe, aber er startet seine Kombinationen erst, wenn die positionellen Grundlagen hierzu geschaffen wurden. Nur ausnahmsweise schreckt er vor der eigenen Courage zurück, wenn er aussichtsreiche Opfer zugunsten positioneller Lösungen meidet, die ebenfalls zum Gewinn reichen ‒ so geschehen in der Partie gegen Larsen 1967.
Die Videopräsentationen dieses Teils sind mit interaktiven Trainingsfragen angereichert. Bei der Eingabe von falschen Antwortzügen erfolgt ein kurzes Feedback, wonach der Löser einen neuen Versuch unternehmen kann. Alternativ kann er sich auch die Lösung anzeigen lassen. Daher kann die DVD von Spielern beliebiger Spielstärke genutzt werden, auch der Verlag gibt diesbezüglich keine Einschränkungen an. – Die Partien sind außerdem in einer separaten Datenbank „Botvinnik_strategy“ zu finden, die Kommentierung liegt hier nonverbal anhand von zahlreichen Varianten vor.

Chessbase Fritz-Trainer Vol. 10 - Mikhail Botvinnik - Screenshot - Glarean Magazin
Vielfältige Inhalte und umfangreiches Trainingsmaterial von einem legendären Vorkämpfer des „Sowjet-Schachs“: Screenshot der Chessbase-DVD „Mikhail Botvinnik“

3. Taktik (20 Clips)

Den Taktik-Teil hat der Hamburger IM Oliver Reeh übernommen, der zwanzig Botwinnik-Partien bzw. Partie-Fragmente aus dem Zeitraum 1926 bis 1968 ausgewählt hat, die für ein interaktives Taktik-Training prädestiniert erscheinen. Neben der bereits erwähnten Partie gegen Capablanca 1938 sind hier zwei weitere klassische Perlen Botwinnikscher Spielkunst zu finden, die mit ihren Opfer-Reigen an frühere romantische Zeiten erinnern: die Partie gegen Tschechower 1935 und eine weitere „Unvergängliche“ gegen Portisch 1968. Die vollständigen Partien zum Nachspielen sind wieder in einer Datenbank „Botvinnik_tactics“ verfügbar, hier sind auch kurze Textkommentare (in Deutsch und Englisch) eingestreut.

4. Endspiele (14 Clips)

Der letzte Video-Teil wird von dem renommierten Hamburger Endspielexperten GM Karsten Müller präsentiert. Er beginnt mit zwei interaktiven Tests aus Botwinniks Endspielen (zuerst ein großartiger „Mauerbrecher“, anschließend sehen wir einen zum Remis verteidigenden Botwinnik). Es folgen 12 Clips, in denen Müller die großartigen Fähigkeiten Botwinniks in dieser Partiephase kommentiert (ohne interaktive Tests). Das berühmteste der hier gebrachten Beispiele ist sicherlich das Endspiel Botwinnik ‒ Bobby Fischer von der Olympiade Varna 1962, das nach nächtlicher Analyse der Hängepartie durch das russische Team und für Fischer schockierend mit Remis endete. Auch hier gibt es wieder eine separate Datenbank „Botvinnik_endgames“ mit den 14 kommentierten Endspielen.
Als weiteres Zusatzmaterial auf der DVD sind zu nennen: Eine Datenbank mit 1235 Botwinnik-Partien (teilweise und unterschiedlich ausführlich kommentiert mit Varianten/Text), die Tabellen von den Turnieren mit Botwinniks Beteiligung aus dem Zeitraum 1931 bis 1969, sowie eine Datenbank mit 410 Trainingsfragen aus 103 Botwinnik-Partien, hier kann der ambitionierte Löser maximal 883 Punkte erzielen. Zum Arbeiten mit den Datenbanken ist der ChessBase Reader 2017 von der DVD oder bei Chessbase zu installieren (sofern nicht ohnehin bereits auf dem PC des Lesers vorliegend).


Exkurs: Botwinnik vs Fischer

W.E./Im Jahre 1962 kam es anlässlich der 15. Schach-Olympiade im bulgarischen Varna bei der Begegnung Sowjetunion vs USA zu einem legendären Duell zweier Titanen der Schachgeschichte (ein Youtube-Video hält das Partie-Ende der beiden fest): Am 1. Brett traf der Vorkämpfer des kommunistischen Russland Michael Botwinnik auf das amerikanische Schachgenie Robert „Bobby“ James Fischer. Der amtierende Weltmeister Botwinnik war damals mit seinen 51 Jahren bereits nicht mehr ganz auf der Höhe seiner Meisterschaft (und wurde ein Jahr später von T. Petrosjan auf dem Thron endgültig abgelöst), doch die beiden unterschiedlichen Spieler lieferten sich einen erbitterten (und in der Folge vielfach kommentierten) Kampf, der legendär in die Schachgeschichte einging.

Zwei Giganten des Schachs an der Olympiade 1962 im Endspiel der Partie, die remis endete: Botvinnik vs Fischer
Zwei Giganten des Schachs an der Olympiade 1962 im Endspiel ihrer Partie, die remis endete: Botvinnik vs Fischer

Der Spielstil der zwei Genies spiegelte sich unmittelbar in ihren Partieanlagen. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und unterbreitete diese Partie der beiden Ex-Weltmeister dem inoffiziellen Weltmeister des aktuellen Computerschachs, nämlich dem Freeware-Schach-Programm Stockfish (Assembler-Version). Das Equipment bzw. Setting dieser sog. Taktischen Analyse mit der Datenbank Chessbase 14 war: AMD-FX8350-8Cores-4Ghz-64bit (Engine AsmFish-20180723 / 20sec / 4G Hash).

Diese Partie wurde (wie gesagt) oft und teils sehr unterschiedlich analysiert von zahlreichen Großmeistern in Büchern und im Internet; deren Kommentare zu vergleichen mit dem Output einer Schach-Engine, gegen die in einem Match zu reüssieren weder ein Botwinnik noch ein Fischer auch nur den Hauch einer Chancen hätte, ist nicht ohne Interesse und Reiz… Ich gebe hier die Computer-Analyse unverändert 1:1 wieder, der Leser mag sie all den anderen Kommentaren gegenüberstellen und ihre Bewertungen vergleichen mit jenen der humanoiden Beurteilungen. Man beachte übrigens die Einschätzung des Programmes, was die Zug-„Genauigkeit“ der zwei Gegner anbelangt: Botwinnik erreichte hier 62%, Fischer „nur“ 55%…

Botvinnik - Fischer Varna 1962 (Stockfish-Analyse CB14) - Glarean Magazin

Hier der Link zu einer interaktiven Partie-Analyse und
zum Download der Partie


Botwinniks Dominanz

FAZIT: Das auf der DVD „Fritz-Trainer 10: Mikhail Botvinnik“ versammelte Material umfasst alle Turnier- und Matchpartien von Botwinnik und sogar einige Simultanpartien, somit einen Großteil seines schachlichen Erbes. Die personelle Besetzung in den Videoclips mit vier prominenten und bewährten Experten verbürgt hohe fachliche Kompetenz, die sprachliche Präsentation ist generell eingängig und angenehm im Tempo. Ergänzt durch hochwertige Zugaben (Biografie, Taktiktraining etc.), bietet sich die DVD an, einen der erfolgreichsten Weltmeister der Schachgeschichte kennenzulernen, seine Partien zu studieren und durch die interaktive Teilnahme an den Tests und Trainingsaufgaben das Niveau der eigenen Partieführung zu verbessern.

Die Ursachen der Überlegenheit Botwinniks über Großmeister vergleichbaren Talents sind schon weitgehend aus dem vorstehend Gesagten ableitbar. Auch wenn er sich selbst nur als „primus inter pares“ gesehen hat, besaß Botwinnik doch entscheidende Vorteile durch seine mit wissenschaftlicher Methodik erarbeiteten Vorbereitungen auf Partie und Gegner, durch die präparierten langfristigen Pläne bis weit ins Mittelspiel, wo seine weniger gut vorbereiteten Gegner nur noch orientierungslos (re)agieren konnten. Seine tiefschürfenden Arbeiten verhalfen ihm wohl auch zu der wertvollen Fähigkeit, Stellungsanalogien in verwandten, scheinbar anders gearteten Stellungen direkt am Brett zu erfassen und zu nutzen (siehe dazu auch A. Jussupow: „Botwinniks Spiel“, in KARL 3/2005). Botwinniks Erfolge basierten zudem auf einem enormen Fleiß, einer unbeirrbaren Zielstrebigkeit und einer eisernen Selbstdisziplin. Sein Spielstil war universell, wenn auch vorwiegend positionell ausgerichtet, und er zeigte keine nennenswerten Schwächen. Lediglich seine berufliche Tätigkeit als Elektroingenieur hinderte ihn daran, eine konstant gute Form aufrechtzuerhalten. Als eine neue Generation von Schachspielern seine Methoden der Vorbereitung adaptierte, büßte er seinen Vorsprung allmählich ein, letztlich musste er auch seinem zunehmenden Alter Tribut zollen. Jedenfalls dürfte die jahrzehntelange sowjetische Hegemonie im Weltschach nach dem 2. Weltkrieg zu einem wesentlichen Teil auf die Pionierarbeit Botwinniks zurückzuführen sein. ♦

Chessbase: Mikhail Botvinnik – Fritz-Trainer Master Class Vol. 10, DVD-Training, ISBN 978-3-86681-649-7

Lesen Sie im Glarean Magazin auch  über
Claire Summerscale: Schach – So wirst du zum Profi

ChessBase: Fritz-Trainer Vol. 10 – Mikhail Botvinnik (DVD)

Computerschach: Fritz 16 erschienen

In Hamburg nichts Neues

von Walter Eigenmann

Der Hamburger Schachsoftware-Hersteller Chessbase ist zuverläßig, wenn es darum geht, die Kundschaft mit pünktlicher Lieferung zufrieden zu stellen: „Alle Jahre wieder“ ein paar Wochen vor der weihnächtlichen Bescherung wird der weltweiten Schachgemeinde ein neuer „Fritz“ empfohlen… Frühere „Fritz“-Neuauflagen legten dabei durchaus zuweilen kräftig nach in Sachen neue Features oder bezüglich interessante Novitäten auf den Gebieten Partie-Analyse, Datenbank-Handling oder Online-Anbindung.

Wenig Neues beim Neuen

Der neue Startbildschirm von "Fritz 16": Freundlich, einladend, übersichtlich strukturiert
Der neue Startbildschirm von „Fritz 16“: Freundlich, einladend, strukturiert

Heuer wird der „Fritz“-Anwender bei seiner Suche nach Neuem im aktuellen „Fritz“-Paket allerdings deutlich weniger fündig als beispielsweise bei Vorgänger-Versionen wie Fritz 12 oder Fritz 15. Die 16. Ausgabe ist definitiv kein großer Wurf: Zu wenig der Verbesserungen in Menü und Outfit, kaum neue Features, und auch kaum eine schachliche Verbesserung der „hauseigenen“ Engine (für die wiederum der einstige „Rybka“-Programmierer Vasik Rajlich verantwortlich zeichnet).

Stagnierende Entwicklung der Fritz-Engine

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Apropos Engine: Der originale Fritz-Motor zählt, obwohl längst nicht mehr an der absoluten Spitze des Engine-Zirkus‘ mitmischend, nach wie vor zu den extrem starken Engines, die jeden menschlichen Großmeister in Grund und Boden spielen, und die für den analysierenden wie selber spielenden Schachfreund verlässliche Partner sind. Immerhin hat mit V. Rajlich einer der begabtesten Programmierer der Szene Hand an „Fritz16.exe“ angelegt.
Für die zweite Garnitur der Top-10 ist jedenfalls der neue „Fritz“ durchaus ein ernst zu nehmender Gegner, wie nachstehende Partie gegen die aktuelle Nummer Vier zeigt. Um auch gleich ein Beispiel für die neue „Vollanalyse“ der GUI zu bringen, wurde das Game eben dieser sog. Taktischen Analyse (siehe unten) unterworfen (hier mit dem Stockfish-Derivat AsmFish).

Fritz 16 - Shredder 13 - Match 5 Min - 4Cores

Analyse-Feature von „Chessbase 14“ ins Boot geholt

So ganz ohne Neuerung kommt aber natürlich auch dieser jüngste „Fritz“ nicht daher. Zwei Novitäten sind’s im Wesentlichen, die unter dem vielen Bewährten als echter Mehrwert auffallen. Da ist einmal, wie oben erwähnt, die „Taktische Analyse“, die erstmals bei der Datenbank „Chessbase 14“ integriert und nun auch zu „Fritz“ herübergeholt wurde, wobei dieses interessante CB-Feature bei Fritz 16 nach wie vor unterm Menü-Punkt „Vollanalyse“ firmiert.

Neu: Blindspielen gegen „Fritz“

Eine zweite „Fritz“-Neuheit ist die „Einfache Partie“ (Easy Play), die bereits via Startbildschirm als eigenständiges Interface für persönliche Partien gegen das Programm aufrufbar ist. Hier wiederum fällt dann die neue Option „Blindspielen“ bzw. „Unterstütztes Rechentraining“ auf.
Daneben hat auch dieser neue „Fritz“ mehr oder weniger nützliche Gimmick-News vorzuweisen – beispielsweise die Option „Partieformular entziffern“, die Probleme mit unleserlichen Zugnotationen lösen soll.

Die Trainings-Menüleiste von "Fritz 16" mit den bekannten Features für das persönliche Schach-Üben
Die Trainings-Menüleiste von „Fritz 16“ mit den bekannten Features für das persönliche Schach-Üben

Nullrunde als Chance für Fritz 17

Fazit: Fritz 16 muss niemand kaufen, der die 15. Version schon auf der Festplatte hat. Chessbase ist bekannt für wirklich innovative Schachsoftware und eine sehr mehrwertige Produkte-Palette, und die Firma bedient die Schachfreunde regelmäßig mit Novitäten, wie sie andere nicht aufweisen können. Doch mit dem aktuellen „Fritz“ scheint eine Art Pflichtauflage bewerkstelligt worden zu sein, damit das Weihnachtsgeschäft 2017 nicht völlig an einem vorbei geht… (Wer überhaupt noch keinen „Fritz“ installiert hat, für den ist die Nummer 16 selbstverständlich unbedingt eine Option: Er erhält damit eines der mächtigsten und online bestintegriertesten Schachpakete der Welt).

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Kurzum: Wenn Chessbase diese „Denkpause“ nutzt, um dann mit Fritz 17 ein umso interessanteres „neues“ Produkt anzubieten, hat sich dieser „Nullmove“ vielleicht doch noch gelohnt. Die Schachgemeinde erwartet in Sachen „Fritz“ keine Revolutionen (mehr), aber ein bisschen Evolution darf es jeweils schon sein… Man ist also durchaus gespannt, was in Hamburg noch alles an zukünftigem Mehrwert im „Fritz“-Köcher steckt. Bei der nächsten „Fritz“-Version 2018 dann aber nochmals einen solchen Minimalismus abzuliefern könnte der Reputation dieser „altehrwürdigen“ Schachsoftware ernsthaften Schaden zufügen… ♦

Chessbase / Hamburg: Fritz 16 – Schachprogramm (Interface mit Datenbank, Engine, Online-Anbindung), DVD

Lesen Sie im Glarean Magazin auch über den direkten „Fritz“-Konkurrenten:
Shredder 13 erschienen

.

Muster-Inserat Glarean Magazin

Computerschach: Fritz 16 erschienen

Computerschach: Die besten Engines der Welt

Schachprogramme: Wie sie spielen, wie sie siegen

von Walter Eigenmann

Seit den ersten erhältlichen Schachcomputern Ende der 1970er Jahre hat die Schachwelt nun ein über drei Dezennien dauerndes, progressives Programmieren gesehen, und dieses hat (im Verbund mit stetig verbesserter Hardware) inzwischen ein Niveau erreicht, das die Engines – also die rechnenden „Motoren“ – zu absoluten Überfliegern macht. Es dürfte heutzutage keinen einzigen Menschen mehr geben – den amtierenden Schach-WM Magnus Carlsen eingeschlossen -, der ein reguläres Match über 20 Partien unter FIDE-Bedingungen gegen eine der 10 besten Engines der Welt auch nur ausgeglichen gestalten könnte.

Extrem weit und extrem genau berechnen heute die Programme bereits auf handelsüblichen PC’s ihre Züge, und auch wenn nach wie vor schachliche Defizite bei den Engines auszumachen sind – siehe hierzu auch im Glarean Magazin: Die Test-Suite „Nightmare 2“ für Schachprogramme -, so ist in einer „normalen“ Partie die bestenfalls kreative, aber in ihrer Kapazität und Unbeständigkeit hoffnungslos defizitäre humanoide Denkweise absolut chancenlos. (Man vergleiche dazu auch das Aufsehen erregende (Vorgabe-)Match des Programmes „Komodo“ gegen den amerikanischen Super-Großmeister Hikaru Nakamura im Januar 2016, als das Taktik-Genie Nakamura trotz massiver Benachteiligung seines elektronischen Gegners eine Niederlage nicht vermeiden konnte).

Nicht gegen, sondern mit der Maschine spielen

Fidelity Chess Challenger 1 (Chicago Januar 1977)
Fidelity Chess Challenger 1 (Chicago Januar 1977)

Den einzelnen Schachspieler kümmert das allerdings (zurecht) nicht (mehr) – die enorme sportliche Leistung z.B. an einer Tour de France wird ja nicht abgewertet dadurch, dass man mit dem Motorrad schneller und leichter von Düsseldorf nach Paris kommt… Im Gegenteil: Wenn der Mensch nicht gegen, sondern mit der Maschine Schach spielt, zeitigt dies schachlich enorm gültige Ergebnisse, sei’s in der Analyse eigener Partien, oder sei’s im Fernschach, wo der mehr oder weniger smarte Umgang des FS-Meisters mit seinem „Engine-Park“ über Sieg oder Niederlage entscheidet. (Siehe hierzu im Glarean Magazin auch das Interview mit dem Fernschach-Großmeister Arno Nickel).

No Opening-Books, no Endgame-Tablebases

Das Ergebnis einer 30-jährigen Entwicklung in der Schachprogrammierung: Die Freeware-Engine Stockfish
Das fulminante Ergebnis einer 30-jährigen Entwicklung in der Schach-Programmierung: Die Freeware-Engine Stockfish

Der Mensch gegen die Maschine: ein ungleicher Kampf, sogar dann noch, wenn der Mensch Bauern oder Züge als Vorgaben erhält. Der Mensch mit der Maschine: das ist heutzutage die angesagte Kombination, wenn es darum geht, der „schachlichen Wahrheit“, dem analytischen Erkenntnisgewinn in Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel möglichst nahe zu kommen. Doch wie steht es mit: Maschine gegen Maschine? Wie sehen da die Hierarchien aus? Welches sind denn die absoluten Überflieger-Engines?

Der Autor dieses Beitrages hat, um das herauszufinden, von seinem häuslichen Intel-Computer mal ein Turnier mit über 30 der aktuell besten Programme ausspielen lassen. Als User-Interface (= die „Software-Haube“, unter der die 31 „Motoren“ agierten) diente die bekannte und häufig benützte Schach-Oberfläche „Fritz 15“. Das Turnier wurde als 2-rundiges Round-Robin angelegt, total spielte also jede der 31 Engines 60 Partien, insgesamt generierte das Turnier über 900 Games.

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Dabei kamen weder Eröffnungsbücher noch Endspiel-Tabellen zum Einsatz; die Programme hatten also nicht nur das Mittel-, sondern auch das Endspiel und die ganze Eröffnung völlig autonom zu gestalten. Dafür wurde mit dem Modus „Permanent Brain = On“ jene Option aktiviert, die selbstverständlich stets in von Menschen ausgetragenen Turnieren „angewendet“ wird, nämlich das Berechnen auch dann, wenn der Gegner am Zuge ist.

Vor- und Nachteile von Kurz-Bedenkzeiten

Befremden mag vielleicht die mit nur zwei Minuten allzu kurz scheinende Bedenkzeit pro Engine. Doch diesbezüglich gelten angesichts heutiger Hardware-Möglichkeiten andere Gesetze: Die Programme rechneten, wie anhand des Partien-Downloads nachgeprüft werden kann, im Mittelspiel durchschnittlich zwischen 16-20 Halbzüge (!) weit – das generiert schachlich äußerst hochwertige Partien bzw. schließt minderwertige oder gar Patzer-Züge aus, wie sie bekanntlich in menschlichen (auch Großmeister)-Turnieren gang und gäbe sind.

Bei total zwei Minuten Bedenkzeit pro Programm sind „Panik-Züge“ zumal im späteren Endspiel nicht gänzlich auszuschließen – und erst recht, wo weder vielzügige Eröffnungsvorgaben noch 5-7-men-Tablebases verfügbar sind. Meine entspr. Turnier-Recherche hat aber relativ wenige Games zutage gefördert, in denen eine Engine eine deutliche Gewinnstellung wegen „Sofort-Ziehens“ zum Verlust verdarb. Denn man muss sich vergegenwärtigen, dass moderne Programme in Sekunden-Bruchteilen zig-tausende von Stellungen berechnen – und dies mit raffiniertesten Algorithmen bzw. hochselektiven Verfahren. Heutige Engines spielen „intelligent“ Schach, auch im Hunderstel-Sekunden-Bereich. Partie-Verluste aufgrund von Zeitüberschreitungen kamen nicht vor; allerdings zeitigte das Turnier naturgemäß einige „Seeschlangen“.
Der gewichtige Vorteil von betont kurzen Bedenkzeiten in Computer-Partien ist natürlich die große Anzahl Partien, die recht schnell generiert werden können, um so statistisch relevante Werte zu erhalten.

Das Triumvirat Stockfish-Houdini-Komodo

Der Waran als grosser Feind des Fisches: Das Schachprogramm Komodo von Grossmeister Larry Kaufmann & Co.
Der Waran als grosser Feind des Fisches: Das Schachprogramm Komodo von Grossmeister Larry Kaufmann & Co.

Die untenstehende Rangliste bestätigt einen Befund, den bereits zahlreiche andere Anwender mit ihren privaten Turnieren aufzeigten: Die drei Engines Stockfish, Houdini und Komodo sind zurzeit konkurrenzlos. Die Gegnerschaft mit 7-10 Punkten auf Distanz zu halten scheint nur auf den ersten Blick knapp; in diesem Klassefeld ist das vielmehr eine deutliche Marke.

Welches dieser drei Programme nun ultimativ auf dem obersten Podest steht, lässt sich nicht abschließend sagen, weil das stark vom Design der jeweils ausgerichteten Turniere abhängt. Je nach Hard- und Software kann jedes Mitglied dieses Triumvirats das fragliche Ranking dominieren. Und da die Updates des Trios je im ca. Halbjahr-Takt erfolgen, wechseln sie sich in den vielen privaten Ranglisten der Anwender immer wieder ab auf dem Platz Eins.
Fest steht aber, dass sie aktuell alle anderen Programme deutlich distanzieren im Engine-Engine-Betrieb. Erfreulich ist dabei, dass mit Stockfish 8 unter den vier besten Motoren auch einer ist, der den Usern komplett kostenlos zur Verfügung gestellt wird, während Komodo, Houdini und Shredder gekauft werden müssen.
Apropos: Hier findet sich ein ständig aktualisierter Überblick auf hunderte von Schach-Engines sowie deren Urheber und Geschichte inkl. Download-Adressen.

Shredder und Andscacs als zweite Garnitur

Schach-Programmierer Stefan Meyer-Kahlen
Jahrelang die Nummer Eins, nun als „Zweite Garnitur“ unterwegs: Schach-Programmierer Stefan Meyer-Kahlen

Die „zweite Garnitur“ des aktuellen Engine-Parkes wird von Shredder und Andscacs gebildet. Diese beiden Programme sind auch jene, die dem Spitzentrio am gefährlichsten nahe kommen und ihm regelmäßig Remisen abtrotzen können. Insbesondere die Gratis-Engine Andscacs, inzwischen dem Kommerz-Programm Shredder in Sachen Spielstärke ebenbürtig, leistet sich allenfalls gegen schwächere die eine oder andere Niederlage mehr. Beide sind als „solide“ bekannt, wobei Shredder in seiner aktuellen Version auch taktisch enorm zugelegt hat. (Siehe hierzu auch die entspr. Rezension im Glarean Magazin).

Starke Motoren auch in der 3. und 4. Liga

Die dritte Liga setzt sich aus 15 sehr starken modernen Motoren von Fire bis Naum zusammen. Darunter übrigens auch Rybka, das lang Zeit die komplette Gegnerschaft in Grund und Boden spielte. Diese Engines mögen mit den Top-Four des Feldes nicht ganz mithalten können, aber sie spielen noch immer ein Schach, gegen das jeder menschliche Gegner mehrheitlich chancenlos wäre. „Stärke“ ist in der Welt des Königlichen Spiels ein extrem relativer Begriff…

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Schließlich sind in der vierten Reihe zahlreiche einst hochinteressante Programme anzutreffen: Fritz, Hiarcs, Junior, Spike, Zappa – das waren vor Jahren äußerst klangvolle Namen, welche die Szene mit ihrem teils sehr originellen und kraftvollen Spielstil wesentlich beeinflussten. Auch dies ein deutlicher Hinweis darauf, welchen gewaltigen Fortschritt das Computerschach in den letzten 15 Jahren an den Tag gelegt hat. So landete in diesem Turnier mit Gandalf eine Engine auf dem letzten Platz, die in den späteren 1990er Jahren mit ihrer originellen Spielweise und ihren Turniererfolgen für Aufsehen sorgte. (Zu Gandalfs „Ehrenrettung“ muss erwähnt werden, dass dieses Programm aktuell nur zwei Cores unterstützt).

Exkurs: Stockfish

Der zurzeit wohl kompletteste, in manchen privaten Ranglisten gar als die Nummer Eins geführte Motor ist sicher Stockfish (aktuelle Version: Nummer 8). Seine überall dokumentierte, beeindruckende Turnier-Performance beweist, dass das Programm kaum Schwächen hat. Es spielt äußerst sicher, rechnet extrem tief und behandelt alle drei Partiephasen (bzw. deren Übergänge) ausgewogen.

Diese Einschätzung lässt sich an ausgesuchten Teststellungen leicht verifizieren. (Apropos: Alle nachfolgenden Charakterisierungen beziehen sich auf die Standard-Einstellungen der Engines. Denn Abweichungen von den Default-Werten oder auch speziell „getunte“ Programm-Derivate vermögen im Computer-„Turnieralltag“ meist nicht zu reüssieren und sind darum allenfalls für Spezial-Analysen interessant).
Hinweis: Mausklick in die 12 nachstehenden Notationen aktiviert ein Analyse-Fenster und ermöglicht zudem einen PGN-Download der Partie:

Der Linienöffner

Linienöffen – Zentrumshebel – Rochadeangriffe – das sind u.a. die zentralen Begriffe, mit denen man die Schwerpunkte von Stockfishs hauptsächlichen Stärken umreißen könnte.
Den folgenden Angriff findet das Programm sofort – im Gegensatz zu vielen seiner Kontrahenten:
2rr2k1/1bq2ppp/p2n2P1/1p1pb3/3N3P/3BB3/PPPQ4/1K1R3R w – – 0 24

Bei nachstehendem Zentrumshebel – ein Klassiker in der GM-Praxis – tun sich die meisten Engines schwer. Nicht so Stockfish, der das linienöffnende Brecheisen f2-f4 sofort spielt:

r1b1kq1r/1p1n2bp/p2p2p1/3PppB1/Q1P1N3/8/PP2BPPP/R4RK1 w kq – 0 16

Dank seiner Fähigkeit des enorm tiefen und selektiven Rechnens ist Stockfish hervorragend im Umgruppieren von Figuren – wie z.B. in dem folgenden Springermanöver, das in eine gefährliche Initiative mündet. Andere Programme sind in solchen Stellungen überfordert:

r3rbk1/1p3p1p/2pn1pb1/3p4/p2P2PN/2NBPP2/PP3K1P/2RR4 w – – 0 20

Probleme hat Stockfish in gewissen Endspiel-Stellungen – beispielsweise finden die meisten starken Programme den nachfolgenden Lösungszug sofort, während Stockfish (trotz Endgame-TB-Hilfe) im Trüben stochert:

4kr2/5p1K/3p1Q2/1p4P1/4P3/1PP5/7b/8 w – – 0 1

Exkurs: Komodo

Die Engine Komodo (aktuelle Version: 11.2) gilt in der Szene als „menschlichstes“ Programm, das für ein betont „positionelles“ Computerschach steht: Stille Züge, Qualitätsopfer „auf Position“, Zwischenzüge, nachhaltiges Druckspiel – das sind u.a. die spontanen Stichworte, die einem beim Beobachten von Komodo-Games einfallen. Selbstverständlich spielt aber Komodo auch taktisch auf einem extrem hohen Level, und seine Königsangriffe zählen immer wieder zu den Highlights der Partien.
Dass Komodo „menschlich“ spiele, mag kein Zufall sein; im Gegensatz zu anderen starken Engines programmiert im Komodo-Team seit Jahren mit Larry Kaufmann ein bekannter Großmeister mit, dessen Schach-Wissen spürbar in die Algorithmen des Motors eingeflossen sein dürfte.

Der Menschliche

Komodo kann (natürlich) auch spektakuläre Züge finden, aber es sind seine druckvollen Zwischen- bzw. Stillen Züge, mit denen das Programm die Gegnerschaft immer wieder „erdrückt“. Als Beispiel für viele ähnliche Fälle sei die folgende Position angeführt, wo mit dem Qualitätsopfer h3 eine nachhaltige Initiative gesichert wird. Während Komodo den Zug sofort spielt, tappt die Konkurrenz teils minutenlang im Dunkeln:

2rr2k1/pp2pp1p/1n1q2pb/1B1PRb2/3P1Nn1/1QN5/PP1B1PPP/4R1K1 w – – 0 16

 Starke Felder okkupiert Komodo so schnell wie kaum ein anderes Programm. Als Beispiel diene eine Stellung Komodo’s gegen das starke Gull, in der ein Turm-Vorposten vernichtend etabliert wird:

2r1r1k1/3b1pb1/p6p/P2Pn1p1/3NP3/q2p2P1/3Q2BP/BR3R1K b – – 0 29

 

Anands prächtiges Springeropfer gegen Karjakin in Wijk aan Zee 2006 öffnet Tür und Tor gegen den feindlichen König – doch auch starke Programme tun sich schwer damit. Nicht so Komodo, der es in Sekundenschnelle sieht und auch sofort als Gewinnzug deklariert:

q3nrk1/4bppp/3p4/r3nPP1/4P2P/NpQ1B3/1P4B1/1K1R3R b – – 0 24

Schwer tut sich die Engine zuweilen in taktisch zugespitzten Opfer-Kombinationen gegen die Rochade. Während in der folgenden Stellung der Turmeinschlag von Top-Programmen sofort gespielt wird, hat ihn Komodo nach einer halben Minute immer noch nicht:

1r3rk1/6p1/p1pb1qPp/3p4/4nPR1/2N4Q/PPP4P/2K1BR2 b – – 0 24

Exkurs: Houdini

Der Endspieler

Houdini in seiner aktuellen Version 5.01 ist der König des Endspiels im Engine-Zirkus. Das Programm hat nicht nur eine höchst effiziente Tablebases-Anbindung, sondern offenbar auch ein überdurchschnittliches Endspiel-Wissen. In dieser Partiephase gewinnt es Stellungen, die andere Spitzenprogramme zum Remis verderben. Auch Houdini ist natürlich ein Super-Taktiker (und sein „Tactical“-Derivat sieht atemberaubende Kombinationen), aber sein Endspiel straft so manche Remis-Prognose Lügen. Hier nur drei Stellungen, deren Potential bzw. Gewinnzüge Houdini sofort sieht, während die Konkurrenz minutenlang ahnungslos ist:

4Q3/4n1r1/6Pp/1B6/8/8/6r1/5K1k w – – 0 1

 Nach ca. einer halben Minute zeigt Houdini in der folgenden Endspiel-Stellung nicht nur den Lösungszug, sondern auch die definitive Gewinn-Bewertung an. Davon können andere Engines nur träumen…

5Bkq/1p6/1ppR3P/5K2/Pn6/8/P1PP4/8 w – – 0 1

 

Egal welchen Motor man auf nachfolgende Stellung ansetzt: alle stehen sie wie der Esel vorm Berg bei dieser Stellung, obwohl ihnen alle möglichen Endgame-Tablebases zur Verfügung stehen. Nicht so Houdini…

8/2p1q3/p3P3/2P4p/1PBP2kP/2N3P1/7K/8 w – – 0 1

 Auch Houdini hat natürlich seine Defizite: bei sehr tiefen bzw. komplexen Kombinationen scheint es zuweilen blind zu sein. Nur ein Beispiel: Das folgende herrliche Damenopfer von Smagin (gegen Sahovic in Biel 1990) finden Stockfish & Co. in maximal 30 Sekunden, während Houdini sich sehr viel länger Zeit lässt:

r2qk2r/ppp1b1pp/2n1p3/3pP1n1/3P2b1/2PB1NN1/PP4PP/R1BQK2R w KQkq – 0 12

.

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Fazit: Wenn hier nur die drei unbestrittenen Top-Engines aus einem bunten Pool von vielen Dutzend hervorragenden Schachprogrammen besonders aufgeführt werden, ist das durchaus ein bisschen unfair gegenüber all den (zumeist) als Amateur-Programmierer tätigen Engine-Machern, deren kostenlos downloadbaren Engines viel zur Lebendigkeit des aktuellen Computerschachs beitragen. Andererseits haben sich nun mal all jene User, die ihre eigenen Partien möglichst zuverlässig analysiert haben wollen, und erst recht alle Fernschach-Spieler, die interaktiv effiziente Unterstützung beim Computer suchen, halt unter eben vielen Dutzend „Angeboten“ für die möglichst „stärksten“ Motoren zu entscheiden. Diese heißen gegenwärtig unbestritten Stockfish, Komodo und Houdini. Und vieles spricht dafür, dass dieses Triumvirat auch in absehbarer Zukunft das internationale Computerschach beherrschen wird. ♦

Rangliste

    Programm               Punkte    (TB)

01. Houdini 5.01           54.0 / 60
02. Stockfish 8            52.5 / 60
03. Komodo 11.01           51.0 / 60
04. Deep Shredder 13       44.0 / 60
05. Andscacs 0.91          43.5 / 60
06. Fire 5                 40.0 / 60
07. Gull 3.1               39.5 / 60
08. Fizbo 1.9              39.0 / 60
09. Chiron 4.0             38.5 / 60
10. Protector 1.9          37.5 / 60
11. Equinox 3.3            35.5 / 60
12. Critter 1.6a           34.5 / 60
13. NirvanaChess 2.4       34.0 / 60
14. Fritz 15               33.5 / 60
15. Deep Rybka 4.1         32.5 / 60
16. Bouquet 1.8            31.0 / 60
17. Hannibal 1.7           30.0 / 60
18. Texel 1.06             28.5 / 60
19. Sting SF 8.1           27.0 / 60
20. Arasan 20.2            26.0 / 60 (589.75)
21. Naum 4.6               26.0 / 60 (579.75)
22. Deep Hiarcs 14         23.5 / 60
23. Pedone 1.5             23.0 / 60
24. Spike 1.4              18.5 / 60
25. Senpai 1.0             17.5 / 60
26. Spark 1.0              16.5 / 60
27. Zappa Mexiko II        15.0 / 60
28. Deep Junior Yokohama   14.0 / 60
29. Deep Onno 1-2-70       12.0 / 60
30. Deep Sjeng WC2008      11.0 / 60
31. Deep Gandal 7.0        01.0 / 60
    (Hier findet sich die Turnier-Kreuztabelle für alle Begegnungen).

Hardware
Intel i7-4790 / 3.6 GHz / 8 Cores / x64-Prozessor / 1MB Hash-Memory pro Engine

Software
 Interface: Fritz 15 / Keine Eröffnungsbücher / Keine Endspiel-Datenbanken / Windows 10

Turnier
 2min Bedenkzeit pro Engine / "Permanent Brain" on / 4 Cores pro Engine

Hier lassen sich alle Partien downloaden (PGN- & CBH-CBV-Format - zip-Datei)

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Computerschach auch über Neue Testaufgaben für Programme (ERET-Stellungstest)

Möchten Sie selber Schach spielen? Dann gehen Sie im Glarean Magazin zu unserem kostenlosen Spielsaal: Lust auf eine Partie Schach?

Computerschach: Die besten Engines der Welt

Roland Stuckardt: Too clever is dumb (Schach-Essay)

Too clever is dumb

Kleine Philosophie des Schwindelns

von Roland Stuckardt

Entgegen der landläufigen Meinung gehört das spekulative Spiel zum Wesenskern des Schachs. Schließlich kommt bereits der Ausgangsstellung ein spieltheoretischer Wert (also 1–0,½–½ oder 0–1) zu, der sich unweigerlich einstellen würde, wenn beide Seiten stets der (glücklicherweise niemandem bekannten) Linie perfekten Spiels folgten. Sollte etwa die Grundposition für eine der Parteien gewonnen sein, so bleibt zumindest der anderen Partei gar nichts anderes übrig, als auf spekulatives Spiel zu setzen… Die folgende kleine Philosophie „Too clever is dumb“ geht ein paar (computer-)schachlichen und kulturellen Implikationen des Schwindelns nach.

In einer frühen Computerschachpartie zwischen dem amerikanischen Programm Duchess und seinem berühmten sowjetrussischen Rivalen Kaissa, die auf der Second World Computer Chess Championship 1977 in Toronto aufeinander trafen, trug sich Unerwartetes zu, das die Programmierteams und das Fachpublikum gleichermaßen elektrisierte:

Bild: Computerschach-Partie Duchess-Caissa (Toronto 1977)
Duchess-Caissa – Toronto 1977 – Schwarz am Zug

In dieser Stellung spielte Kaissa den Zug 34… Te8 und stellte damit seinen Turm en prise, anstelle mit dem nahe liegenden und von jedermann antizipierten 34…Kg7 zu antworten. Ein Programmierfehler? Ein Übermittlungsfehler? Oder doch eine grundlegende konzeptionelle Schwäche des noch experimentellen Schachalgorithmus? Zunächst konnte sich keiner der anwesenden Experten, zu denen immerhin Michael Botwinnik, Eduard Lasker und Hans Berliner gehörten, diesen vermeintlichen Missgriff erklären. Mit einem Minusturm kämpfte Kaissa in aussichtsloser Lage noch 14 Züge weiter, um sich schließlich geschlagen zu geben.

Der vermeintliche Patzer

Erst die Post-Mortem-Analyse brachte ans Licht, dass Kaissa mit 34…Te8 nicht wirklich falsch, ja sogar in formalem Sinne goldrichtig lag. Nachdem dessen Entwickler zunächst noch geraume Zeit nach einer technischen Ursache des vermeintlichen Patzers fahndeten, kam schließlich jemand auf die Idee, in der kritischen Stellung einfach einmal die nahe liegende Entgegnung 34…Kg7 zu spielen und Kaissa nach der besten weißen Fortsetzung zu befragen. Und siehe da: Nach kurzem Nachdenken brachte das Programm das herrliche Damenopfer 35.Df8+!! und kündigte ein Matt in 5 Zügen an: 35…Kxf8 36. Lh6+ Lg7 37. Tc8+ Dd8 38. Txd8+ Te8 39. Txe8#.
Aus technischer Sicht funktionierte Kaissa also bestens: Mit dem Turmopfer 34…Te8 verschaffte es der weißen Dame die Kontrolle über das Feld f8 und wendete somit das Matt vorerst ab. Das Programm tat genau das, was von ihm zu erwarten war – dies sogar so gut, dass es selbst den Schachexperten zunächst entging.

Ein Fall für spekulatives Spiel

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Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack, der uns davon Abstand nehmen lässt, den Zug 34…Te8 mit einem Ausrufezeichen zu versehen. Vermutlich hätten es die meisten starken Schachspieler dennoch mit der unter Anlegung technischer Maßstäbe inkorrekten Fortsetzung 34…Kg7!? versucht – dies selbst dann, wenn sie selbst bereits die versteckt in der Stellung liegende Ressource gesehen haben, denn es besteht die berechtigte Hoffnung, dass der Gegner das Matt nicht sieht und eine andere Fortsetzung als 35.Df8+ wählt. Mit anderen Worten: Die Stellung bietet die perfekte Gelegenheit zu einem Erfolg versprechenden Schwindelversuch bzw. – etwas gewählter ausgedrückt – zu spekulativem Spiel. Denn viel ist hier wirklich nicht zu verlieren, da die nach 34…Te8 entstehende Stellung ja ebenfalls bereits aufgabereif ist. Und letztendlich spielt es keine Rolle, ob wir nach 35 oder 48 Zügen kapitulieren müssen.
Dem Computerschachexperten Peter Jansen (1990) folgend, mag man in Bezug auf spekulatives Spiel noch feiner unterscheiden zwischen Schwindeln (Konfrontation des Gegners mit einer Stellung, in der der beste Zug nicht nahe liegend ist) und dem Stellen einer Falle (Konfrontation des Gegners mit einer Stellung, in der der nahe liegende Zug nicht der beste ist). Das konstitutive Merkmal spekulativen Spiels ist es, dass wir im Allgemeinen einen gewissen Einsatz leisten, indem wir von der Linie des optimalen Spiels abweichen, um eine Stellung herbeizuführen, in der wir darauf spekulieren, dass der Gegner fehlgreift und wir letztendlich doch profitieren.

Wissen ist Macht

Francis Bacon - Wissen ist Macht - Schwindeln im Schach - Glarean Magazin
Francis Bacon: „Wissen ist Macht“

Die Moral von der Geschicht’ ist bemerkenswert: Im Schach gilt, dass man sich bisweilen um Chancen bringt, wenn man von seinem Mehrwissen unreflektiert Gebrauch macht. Wie das Beispiel gezeigt hat, sollte man in bestimmten Situationen auch den Wahrnehmungshorizont der Gegenseite beachten, um seine Erfolgsaussichten zu maximieren. Die Devise lautet: Kenne Deinen Gegner! Natürlich sind stets auch die Rahmenbedingungen zu beachten. Die Erfolgsaussichten spekulativen Spiels sind umso höher, je schwächer die Spielstärke des Gegners ist, je weniger Restzeit sich noch auf dessen Uhr befindet und – insofern wir gegen einen Menschen spielen – je länger die Partie bereits andauert. Ferner: Stehen wir ohnehin bereits auf Verlust? Müssen wir unbedingt gewinnen oder wenigstens remisieren? Selbst Schachmotoren der Spitzenklasse sind derlei Abwägungen fremd: In der obigen Partie die schwarzen Steine führend, sehen sie die Ressource 35.Df8+ in Millisekunden und verschwenden deshalb keine weitere Suchzeit an die unter der Maßgabe beiderseitig optimalen Spiels unsinnige Fortsetzung 34…Kg7.

Maximierung der Gesamtausbeute

Wir befinden uns also in einer paradoxen Situation: Der prinzipiell segensreiche Zustand der relativen Erleuchtung erlegt uns die zusätzliche Bürde auf, sorgfältig abzuwägen, wie wir von unserem Wissensvorsprung situationsabhängig am besten Gebrauch machen, um den Gesamterfolg nicht unnötig zu schmälern. Nota bene: Insofern dieser Wissensvorsprung existiert – denn falls unser Gegner ebenfalls den Durchblick hat, können wir uns das Spekulieren natürlich ersparen. Positiv gewendet: Je genauer wir wissen, wer unser Gegenüber ist und wie sich die Gesamtsituation darstellt, desto höher natürlich auch unsere Erfolgsaussichten, passgenaue Gelegenheiten zu spekulativem Spiel zu finden, um so die erwartete Gesamtausbeute zu maximieren.

Algorithmisches Schwindeln

Was heißt dies nun für das Computerschach? Die elementare Lektion ist die, dass wir mit formell optimalem Spiel, wie es in den Standardalgorithmen des Computerschachs angelegt ist, womöglich nicht das optimale Ergebnis erzielen. Zwar gewinnt man bisweilen den Eindruck, als beherrschten Schachmotoren bereits die Technik des Schwindelns.

So spielte etwa in der folgenden Stellung (aus einer Partie der Turnierserie CCRL 40/40 – 2015)

Bagatur 1.3a 64bit - Fischerle 0.9.65 64-bit - CCRL/2015 - Schwarz am Zug
Bagatur 1.3a 64bit – Fischerle 0.9.65 64-bit – CCRL/2015 – Schwarz am Zug

das Programm Fischerle 57…Txg4 anstelle des näher liegenden 57…Kf6xg6, um nach 58.h5? vermöge 58…Txg5! 59.fxg5 Kxg5 ½–½ in ein Remis (Randbauer und Läufer der falschen Farbe) abzuwickeln. Jedoch handelt es sich bei 57…Txg4 nicht um einen Schwindelversuch im engeren Sinne, da Fischerle diesen Zug nur deshalb spielt, weil er in der Ausgangsstellung die Gefahr, die von den drei verbundenen Freibauern ausgeht, bereits als zentral einschätzt. Tatsächlich rechnete das Programm hier mit dem Läuferrückzug 58.Lb1, d. h. es setzte nicht gezielt auf den Fehlgriff 58.h5? des Gegners, wie es bei echtem spekulativem Spiel der Fall gewesen wäre. Und bei dem anschließenden 58…Txg5! handelt es sich schlichtweg um die Wahrnehmung einer elementaren Endspielressource.

Vermutete Schwächen des Gegners bewirtschaften

Per definitionem ist spekulatives Spiel im engeren Sinne somit dadurch gekennzeichnet, dass man bewusst von der Linie optimalen Spiels abweicht (also einen Einsatz leistet), jedoch darauf hofft, dass der Gegner die widerlegende optimale Fortsetzung nicht findet und insgesamt draufzahlt. Wir unternehmen hierbei den Versuch, bekannte oder vermutete Schwächen des spezifischen Gegners zu bewirtschaften. Das entsprechende Wissen, auf das wir uns stützen, kann generischer (die gesamte Gegnerklasse betreffende) oder spezifischer (den einzelnen Opponenten betreffende) Natur sein. Eine Schachengine könnte etwa in Matches gegen Menschen dynamische, ausgeprägt taktische Stellungen mit vielen nicht stillen Zugmöglichkeiten anstreben; in umgekehrter Richtung entspricht dem die bekannte Strategie menschlichen Anti-Computer-Schachs, wo geschlossene, positionelle Systeme bevorzugt werden, in denen die Fähigkeit zur längerfristigen Planung erfolgskritisch ist.

Spekulatives Spiel gegen Schachmotoren

Auch gegen die Klasse der maschinellen Gegner gehört also spekulatives Spiel zum kleinen Einmaleins. Weiters kann hier auf opponentenspezifisches Wissen zurückgegriffen werden. Zwar basieren die heutigen Spitzenengines auf einer Menge gemeinsamer Kerntechniken der effizienten Spielbaumsuche, die diese in jedem Falle zu taktischen Riesen machen. Andererseits unterscheiden sich die Schachmotoren noch immer hinsichtlich der individuellen Suchhorizonte, die in spezifischen Positionen erreicht werden: Welche Varianten werden besonders tief untersucht? Welche Varianten werden nur mit eingeschränkter Suchtiefe betrachtet? Technisch ausgedrückt: Es kommen unterschiedliche Kombinationen von Sucherweiterungen und Suchreduktionen zum Einsatz. Mischung und Feinabstimmung dieser Techniken der variablen Suchtiefe bestimmen nun entscheidend den Spielstil und somit mittelbar die spezifischen Stärken und Schwächen eines Programms.
Die Konsequenz hieraus ist, dass auch in Matches zwischen Schachengines prinzipiell Chancen bestehen, per Rückgriff auf entsprechendes Detailwissen über das spezifische gegnerische Programm in Erfolg versprechender Weise spekulatives Spiel zu betreiben. Betrachten wir hierzu folgende Stellung (Position #213, Sammlung Win at Chess, Fred Reinfeld) mit Weiß am Zug:

Fred Reinfeld - Win at Chess - Position 213
Fred Reinfeld – Win at Chess – Position 213

Diese Position verkörpert ein zentrales Beispiel aus einer wissenschaftlichen Publikation zu Deep Thought, dem Vorgänger des Systems Deep Blue. Ausgestattet mit einer nach damaligen Maßstäben einzigartigen Sucherweiterungstechnik namens Singular Extensions gelang es diesem System bereits 1989, das tief in der Stellung verborgene Matt in 18 Zügen1) (beginnend mit dem Turmopfer 1.Txh7!!) in 65 Sekunden zu finden. Insofern unser Schachmotor über diese aufwändige und heute nur von wenigen Programmen implementierte Strategie verfügen sollte, wird er diese siegreiche Zugfolge in wenigen Sekunden finden.

Qualität des Wissens über den Gegner entscheidet

Schach Kasparov vs Deep Throught - Chess Men vs Computer - Glarean Magazin
New York 1989: Human-Weltmeister Garry Kasparov spielt gegen Computer-Weltmeister Deep Thought. Das Programm spielte mit der Sucherweiterungstechnik „Singular Extensions“

Stellen wir uns nun andererseits vor, dass wir in einer hypothetischen Vorgängerstellung mit der schwarzen Dame auf b3 und einem weißem Springer auf b1 die schwarzen Steine führen. Die Singular Extensions ermöglichen es uns, recht rasch zu sehen, dass Weiß nach 0…Dxb1 über die genannte Gewinnkombination verfügt. Ausgestattet mit dem Wissen, dass unser Gegner über keine vergleichbare Technik verfügt, könnten wir jedoch darauf setzen, dass Weiß das Matt nicht sehen wird, und spekulativ 0…Dxb1 spielen. (Dieses Beispiel ist zugegebenermaßen etwas künstlich, denn Schwarz stünde hier auch nach dem nichtspekulativen 0…Td7 exzellent. Zudem kann sich Weiß in der Diagrammstellung beginnend mit 1.Txh7! auch in ein relativ leicht zu sehendes Dauerschach retten.)
Entscheidend ist nun also die Qualität unseres Wissens über den jeweiligen Gegner: Je genauer wir dessen blinde Flecken kennen, desto eher wird es uns gelingen, ihn passgenau zu beschwindeln. Und genau an dieser Stelle wird es aus technischer Sicht interessant: Es stellen sich neue Herausforderungen jenseits einer weiteren Detailoptimierung der üblichen, bereits hochperformanten Schachalgorithmen.

Möglichkeiten und Grenzen algorithmischen Schwindelns

Der chinesische Philosoph und General Sunzi (5. Jh. v. Chr.):
Der chinesische Philosoph und General Sunzi (5. Jh. v. Chr.): „Du musst deinen Feind kennen, um ihn besiegen zu können“

In der Wissenschaft der Spieltheorie ist das Bewusstsein für die oben herausgearbeiteten Feinheiten natürlich längst gegeben. Bereits seit Jahrzehnten beschäftigen sich volkswirtschaftliche Forschung und auch die mit der Beratung und Ausbildung hochrangiger politischer und militärischer Entscheidungsträger betrauten Institutionen mit derlei Problemen. Die Quintessenz war bereits den alten Chinesen bekannt: „Du musst deinen Feind kennen, um ihn besiegen zu können“, so schrieb bereits um 500 vor Christus der chinesische General und Philosoph Sunzi in seinem Klassiker der Militärstrategie „Die Kunst des Krieges“. Jedoch erweist es sich als gar nicht so einfach, diese grundlegende Erkenntnis in ein formales mathematisches Modell zu gießen, das sich Erfolg versprechend in der Schachprogrammierung operationalisieren lässt. Die meisten Schachprogramme begnügen sich deshalb mit der klassischen symmetrischen, also auf beiderseitig optimales Spiel ausgerichteten Spielbaumsuche.

Der Schwindel-Modus der Schach-Engines

Einer der berühmtesten "Schwindler" und Bluffer der Schach-Geschichte war der amerikanische Spitzenspieler Frank Marshall, der oft in seinen Partien höchst gewagte Opfer anbrachte, die seine Gegnerschaft verwirrten und dann fehlgreifen ließen...
Einer der berühmtesten „Schwindler“ und Bluffer der Schach-Geschichte war der amerikanische Spitzenspieler Frank Marshall, der oft in seinen Partien höchst gewagte Opfer anbrachte, die seine Gegnerschaft verwirrten und dann fehlgreifen ließen…

Einige Top-Engines können in einem Schwindelmodus betrieben werden. Oftmals heißt dies jedoch lediglich, dass das Programm auch dann noch auf Sieg bzw. Remis spielt, wenn ein elementares Endspiel vorliegt, das laut Datenbank bei beiderseitig optimalem Spiel eigentlich remis bzw. verloren ist. Spekulation ist hier etwa dahingehend möglich, dass wir diejenige Fortsetzung wählen, unter der der Gegner bei perfektem Spiel die meisten Züge brauchen wird, um den Gewinn zu realisieren. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass wir solche Fortsetzungen wählen, in denen der Gegner sehr präzise spielen muss – etwa indem wir Stellungen anstreben, in denen dem Gegner möglichst wenige korrekte, den Sieg bzw. das Remis wahrende Züge zur Verfügung stehen und deshalb die Gefahr eines Fehlgriffs (vermutlich) hoch ist; insofern wir hierbei etwa vom längstmöglichen Weg zum Verlust abweichten – also einen Einsatz leisteten –, ergäbe sich spekulatives Spiel im engeren Sinne.
Gegen eine Schachmaschine, die ebenfalls über perfekte Information verfügt, stellen derlei Anstrengungen vergebene Liebesmüh’ dar, nicht jedoch gegen einen Menschen, dem es am Brett womöglich nicht gelingen wird, ein bei bestem Spiel in 40 Zügen gewinnbares Endspiel König und Läuferpaar gegen König und Springer innerhalb der 50-Züge-Grenze siegreich zu beenden.

Algorithmisches Schwindeln im Mittelspiel

Eine erheblich größere Herausforderung stellt es hingegen dar, die Strategie des algorithmischen Schwindelns auf Mittelspielstellungen zu verallgemeinern. Peter Jansen, der auch Mitglied des Deep-Thought-Entwicklerteams war, befasste sich bereits in den frühen 90er Jahren in seiner Dissertation (Jansen 1992) mit dem anspruchsvollen Thema des spekulativen Spiels bzw. der hiermit eng verbundenen Frage der sog. Opponenten-Modellierung in der Spielbaumsuche und im Computerschach. Damals sah Jansen Chancen für erfolgreiches algorithmisches spekulatives Spiel in erster Linie in Matches gegen menschliche Gegner; andererseits identifizierte er eine Reihe zentraler, vornehmlich effizienzbezogener Probleme betreffend die Integration entsprechender Techniken in die Algorithmen der klassischen Spielbaumsuche – Herausforderungen, die vermutlich auch heute noch nicht zufrieden stellend gelöst sind. Letztendlich aber ist dies auch eine gute Nachricht: für den Menschen, weil sich damit zeigt, dass Schachalgorithmen zumindest in bestimmten Aspekten noch immer nicht mit der humanen Schachvirtuosität mithalten können; andererseits jedoch auch für die Protagonisten schachlichen Motorsports, weil dies impliziert, dass sich technische Herausforderungen selbst heute noch stellen, da die Top-Engines vermutlich längst die (virtuelle) 3000-Elo-Marke menschlicher Schachexzellenz geknackt haben.

Philosophische und literarische Querbezüge

Mark Taimanov:
Mark Taimanov: „Ich würde lieber aufgeben, als einen solchen Zug zu spielen“

Wie in der Welt, so gilt also auch im doch eigentlich so rational-aufgeklärten Schach bisweilen die charmante Weisheit: „Too clever is dumb!“ (Zitat Ogden Nash) Insofern wir von unseren tiefen Einsichten in unreflektiert-mechanischer Manier Gebrauch machen, wirken wir auf unsere Mitmenschen bzw. Spielpartner bisweilen hölzern und womöglich ganz und gar nicht so schlau, wie es unserer Selbstwahrnehmung entsprechen mag. Und selbst wenn wir in der Sache prinzipiell recht haben: So falsch liegen unsere Zeitgenossen ja doch nicht, wenn sie den Kopf darüber schütteln, insofern wir in der eingangs besprochenen Position das theoretisch optimale 34…Te8 spielen sollten. Letztendlich eine selbst erfüllende Prophezeiung, denn falls unsere Gegenspieler vornehmlich weniger tief schürfende Zeitgenossen sein sollten, so würden wir auf Dauer tatsächlich unseren Erfolg schmälern, wenn wir auf die Chancen spekulativen Handelns leichtfertig verzichteten.

Grenzen der Spekulation im sozialen Kontext

Das Kaissa-Schachparadoxon als literarische
Das Kaissa-Schachparadoxon als literarische „Umsetzung“ im Theaterstück „Die Befristeten“ von Elias Canetti

Andererseits gibt es natürlich Grenzen, die uns durch den jeweiligen sozialen Kontext gesetzt werden: So würde man vermutlich Spott ernten, wenn man in einer Partie gegen eine Spitzenspielerin darauf spekulierte, per Schwindel einem elementaren zweizügigen Matt entrinnen zu können. Dass derlei psychologische Kräfte im Hintergrund menschlichen Spiels walten, lässt sich etwa anhand eines Kommentars von Mark Taimanov zum legendären positionell-spekulativen Springeropfer Spasskis in der Partie Awerbach–Spasski (Leningrad 1956) aufzeigen: „Ich würde lieber aufgeben, als einen solchen Zug zu spielen.“ Einem Schachmotor kann dies jedoch vermutlich egal sein – dieser wird sich auch weiterhin an die Tartakower’sche Devise halten, dass durch Aufgabe noch keine Partie gewonnen wurde.
Auch in der Bühnenliteratur werden wir fündig. In seinem Theaterstück „Die Befristeten“ skizziert Elias Canetti eine Welt, in der jedem Bewohner von Geburt an und für jeden ersichtlich der Tag des Ablebens zugeschrieben ist. Die Folgen für das Zusammenleben sind fatal, und die Individuen sehen sich vor die besondere, kaum zu meisternde Herausforderung gestellt, mit diesem unerbetenen Extrawissen in verantwortungsvoller Manier umzugehen. Der Zusammenhang mit dem eingangs am Beispiel von Kaissa herausgearbeiteten schachlichen Paradoxon erscheint offensichtlich.

Spekulation als Wesenskern des Schachs

Wir sollten uns vergegenwärtigen, dass spekulatives Spiel ohnehin zum Wesenskern des Schachs gehört und immer gehören wird. Schließlich kommt bereits der Ausgangsstellung ein spieltheoretischer Wert (also 1–0,½–½ oder 0–1) zu, der sich unweigerlich einstellen würde, wenn beide Seiten stets der (glücklicherweise niemandem bekannten) Linie perfekten Spiels folgten. Sollte etwa die Grundposition für eine der Parteien gewonnen sein, so bleibt zumindest der anderen Partei gar nichts anderes übrig, als auf spekulatives Spiel zu setzen. Sich in den Fatalismus eines „Ich gebe auf!“ bereits in der Ausgangsstellung zu flüchten, hieße im Prinzip nichts anderes, als den eingangs beschriebenen Kaissa’schen Quasi-Fatalismus 34…Te8 auf die Spitze zu treiben. Womit sich die Dystopie Canettis in der Welt des Schachs manifestieren würde.

Interdisziplinäre Fragestellungen

Auch das Computerschach steht damit im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts weiterhin vor faszinierenden Herausforderungen. Und vielleicht noch spannender stellen sich die unerwarteten Querbeziehungen dar, die vom spekulativen Spiel im Schach zu Themenfeldern weit jenseits der vierundsechzig Felder bestehen. Vermutlich haben also die Erkenntnisse, die sich aus der Erforschung entsprechender Modelle und Technologien im (Computer-)Schach ergeben, Implikationen auch für diese auf den ersten Blick entfernten Gebiete. In jedem Falle handelt es sich um dezidiert interdisziplinäre Fragestellungen, die den virtuosen Schachspieler (als Künstler), den Informatiker, den Spieltheoretiker und den Philosophen gleichermaßen betreffen. ♦

1) Eine der möglichen Zugfolgen zum Matt lautet: 1. Txh7+ Kxh7 2. Dh5+ Kg8 3. Txg7+ Kxg7 4. Lh6+ Kh8 5. Lg5+ Kg7 6. Dh6+ Kf7 7. Df6+ Kg8 8. Dg6+ Kh8 9. Lf6+ Txf6 10. exf6 Dxe1+ 11. Kxe1 Sc2+ 12. Kf1 Se3+ 13. fxe3 Td7 14. De8+ Kh7 15. Dxd7+ Se7 16. Dxe7+ Kg6 17. Dg7+ Kh5 18. Dg5#

Literatur

  • Thomas Anantharaman, Murray S. Campbell, and Feng-hsiung Hsu (1990). Singular extensions: Adding Selectivity to Brute-Force Searching. Artificial Intelligence, Vol. 43, No. 1, 99–109
  • Peter Jansen (1990). Problematic Positions and Speculative Play In: Marsland / Schaeffer (Eds.): Computers, Chess, and Cognition, Springer Verlag, 169–181
  • Peter Jansen (1992). Using Knowledge about the Opponent in Game-Tree Search. Ph.D. thesis, Carnegie Mellon University
  • Fred Reinfeld (2001). Win at Chess (New Algebraic Edition). Dover Publications, New York
  • Sunzi (um 500 v. Chr.). Die Kunst des Krieges. (Deutsch von Volker Klöpsch) Insel Verlag 2009

Roland Stuckardt-Schach-Programmierung-Glarean-Magazin.pngDr. Roland Stuckardt

Geb. 1964, Studium der Informatik sowie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, 1991 Diplom in Informatik, Wissenschaftlicher Mitarbeiter für die GMD-Forschungszentrum Informationstechnik Darmstadt, Forschung in den Bereichen Computerlinguistik und Natural Language Engineering, 2000 Promotion mit einer Arbeit zur Algorithmischen Textinhaltsanalyse, Tätigkeit als Berater und Leiter einschlägiger Software- und Forschungsprojekte in der Medien- und Internetbranche, seit 2011 Entwicklung des Schachmotors Fischerle, lebt und arbeitet in Frankfurt/Main

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Schachprogrammierung auch das Interview mit Stefan Meyer-Kahlen: „Wir stehen erst am Anfang“
Ausserdem zum Thema von Lars Bremer: Die 32-Steiner (Schach-Satire)
Roland Stuckardt: Too clever is dumb (Schach-Essay)

Computerschach: Testaufgaben für Programme (ERET)

Der „Eigenmann Rapid Engine Test“ (ERET)

von Walter Eigenmann

(Dieser Beitrag wurde am 21. Mai 2020 aktualisiert)

Der sog. Eigenmann Rapid Engine Test (ERET) ist eine neue Sammlung von 111 Aufgaben für Schach-Programme. Er wurde konzipiert, um schnell einen ersten Eindruck von der Spielstärke einer neuen Engine ausmachen zu können. Die Computerschach-Anwenderschaft erhält mit diesem ERET erstmals eine Test-Suite an die Hand, deren Ergebnisse innert einer halben Stunde eine grobe, aber recht verlässliche Einschätzung eines (neuen) Programms erlauben.

Die 111 Stellungen bzw. ihre Hauptvarianten können nachstehend einzeln interaktiv nachgespielt und als PGN-Datei rungeladen werden. Downloadbar ist ausserdem der Test im CBH-Format (für Chessbase-Software) sowie als EPD-Datei für den Import in diverse Schach-GUI’s.

Die Vorzüge des ERET gegenüber älteren Sammlungen sind namentlich:

  • Grosse Bandbreite der Schachmotivik
  • Eindeutigkeit der Lösungen
  • Ausgewogenheit der Partiephasen
  • Mittlerer bis hoher Schwierigkeitsgrad
  • Schnelle Programm-Resultate
  • Auch für zukünftige Engine-Generationen tauglich


Die Axiomatik des ERET-Stellungstests

Eine ambitionierte Aufgaben-Sammlung wie der ERET-Stellungstest für Schachprogramme basiert auf einer eigenen Axiomatik.

Diese lässt sich in den folgenden sechs Punkten zusammenfassen:

  1. Die 111 Aufgaben des ERET decken einen grossen Bereich der (computer-)schachlichen Realität ab.
  2. Diese abgestimmte Kompaktheit der Zusammenstellung ist weder durch Hinzufügungen noch Wegstreichungen antastbar.
  3. Für Computerprogramme (anders als für Menschen) ist eine Schachpartie grundsätzlich eine Sammlung von Einzel-Aufgabenstellungen unter definierten Bedingungen – ein Stellungstest also.
  4. Die Denk- bzw. Rechengeschwindigkeit beim Schachspielen ist eine maßgebliche Komponente der „Spielstärke“.
  5. Das vom Test-Autor empfohlene Test-Setting ist ein integraler Bestandteil des Stellungstests.
  6. Unter Wahrung der Punkte 2 & 5 garantiert der ERET keine 100%ige, aber eine weitgehende Übereinstimmung seiner Testergebnisse mit den durchschnittlichen Resultaten des praktischen Engine-Turnierbetriebes.

Das Test-Setting

Das empfohlene ERET-Test-Setting sieht folgendermaßen aus:

eret-rochadeangriff-carlsen
Der ERET-Schachtest für Computer-Programme deckt ein weites Spektrum an Eröffnungs-, Mittelspiel- und Endspiel-Elementen ab. Namentlich enthält er exemplarische Beispiele der folgenden taktischen und positionellen Motive (alphabetisch): Ablenkung – Abtausch – Damenopfer – Entlastung – Entwicklung – Festung – Freibauer – Initiative – Königsangriff – Königssicherheit – Läuferopfer – Linienöffnen -Mobilität – Offene Linien – Positionelles Opfer – Qualitätsopfer – Räumung – Rochadeangriff – Springeropfer – Starke Felder – Unterverwandlung – Vergifteter Bauer – Verteidigung – Zentralisierung – Zentrum – Zugzwang – Zwischenzug (Bild: Die Brennpunkte des weißen Rochadangriffs in einer Fernschachpartie Copie-Patrici 1986)
  • 15 Sekunden pro Aufgabe
  • Engine-Einstellungen: Default
  • Prozessoren/Threads/Cores: 1-16
  • Hash-Memory: 512-1024Mb
  • Eröffnungsbücher: keine
  • Endgame-Tablebases: beliebig
  • Extra Halbzüge: 99
  • Multivarianten-Modus: off

Das Design des Testes ist auf diese Einstellungen fokussiert, diese zeitigen die aussagekräftigsten Resultate. Deutlich davon abweichende Settings können die Ergebnisse verfälschen.

Die Test-Auswertung

Die Anzahl Lösungen einer Engine ergibt deren wichtigstes Testergebnis; dieses erlaubt bereits einen groben Vergleich mit anderen Programmen. Um die Resultate mehrerer Engines noch zu differenzieren, empfiehlt der Autor das Interface „Fritz“ ab Version 11, dessen Testergebnisse – aus der CBH- in eine PGN-Datei konvertiert – dann mit dem Freeware-Tool EloStatTS104 von Dr. Frank Schubert werden sollten. Diese mathematisch-statistisch fundierte Methode der Test-Auswertung ist wenn immer möglich vorzuziehen. Außerdem ist bei einer Verwendung des Testes mit „Fritz“ die von EloStatTS104 mitgelieferte „Offset“-Test-File zu berücksichtigen: Mit ihm lassen sich die unterschiedlichen Reaktions- bzw. Initialisierungszeiten der Engines unter diesem Interface eruieren, womit nochmals genauere Ergebnisse generiert werden können (siehe hierzu die entspr. Readme-Datei).

Die „Fritz“-Alternative „Arena“

Eine Alternative zum „Fritz“-GUI ist die Freeware-Oberfläche „Arena“, die mit zusätzlichen Features beim Automatisierten Stellungstesten aufwartet und auch einen Output der Engine-Berechnungen bietet, allerdings auf jegliche Ranglisten-Generierung verzichtet bzw. nur die Anzahl Lösungen angibt, so dass keine weitergehende Differenzierung der Testergebnisse möglich ist bzw. manuell erfolgen müsste.
Andere Benutzeroberflächen bieten ebenfalls nur rudimentäre Optionen bezüglich Stellungstests und sind deshalb für den ERET nur bedingt zu empfehlen. Einen verhältnismäßig differenzierten Output beim Stellungstesten liefert schließlich noch die in Mitteleuropa kaum verbreitete GUI-Software ChessAssistant.
Die technische Durchführung des Tests ist einfach und bei den verschiedenen Schach-Interfaces wie z.B. Arena, Shredder, ChessAssistant oder Fritz grundsätzlich ähnlich.

Zufallsfaktor Multi-Prozessoren

Moderne Rechner mit Multi-Prozessoren- bzw. -Hyperthread-Techniken neigen zu Fluktuationen in ihrer Zug-Generierung. Deren Auswirkung in der Praxis wird zwar generell sehr überschätzt, aber wer auf Nummer sicher gehen will, macht pro Engine drei bis fünf Test-Durchläufe und nimmt den Durchschnitt oder die kürzeste der jeweiligen Lösungszeiten. (Hierzu mehr im Absatz Einzel-Threat vs Multi-Thread) –

Um Software-übergreifende Vergleiche zu ermöglichen, sollten die Engines mit ihren Default-Parametern getestet werden. Die Verwendung von Opening-Books ist dabei irrelevant; die meisten ERET-Aufgaben sind „out of books“. Trotzdem wird grundsätzlich ein Verzicht auf Engine-Eröffnungsbücher empfohlen, um den Einfluss von ggf. hochselektiven, bis weit ins Mittelspiel hinein reichenden Book-Varianten auszuschliessen.

Relationen entscheiden, nicht absolute Zahlen

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Bei der Generierung von Ranglisten mit dem ERET sollten nicht die absoluten Zahlen-Ergebnisse, sondern vielmehr die Engine-Relationen beachtet werden – so wie bei den Rankings der verschiedenen bekannten Engine-Turnieren auch. Diese können bekanntlich (je nach Turnier-Settings und Berechnungsgrundlage) überraschend unterschiedlich ausfallen – siehe die einschlägigen Engine-Ranglisten CEGT, CCRL, FCP, OHCR, SPCC, FGRL u.a.

Hier findet sich ein Vergleich von fünf häufig zitierten Ranglisten im Internet mit den ERET-Ergebnissen (Stand März 2017). Dabei zeigte sich, wie überraschend genau die Ergebnisse des ERET-Stellungstestes mit den übrigen „regulären“ Rankings übereinstimmen (natürlich von ein paar üblichen „Ausreißern“ abgesehen, die in allen Ranglisten zu finden sind).

Breite Quellen-Recherche

Die einzelnen Stellungen hat der Autor über viele Monate hinweg aus verschiedensten Quellen zusammengetragen und hauptsächlich mit den drei Programmen Deep-Shredder 11/12, Critter 1.6 und RybkaWinFinder 2.2 im Hinblick auf ihre taktische Korrektheit untersucht. Ansonsten hat er auf weiteres Einzeltesten bewusst verzichtet, um den Test möglichst objektiv und nicht „geeicht“ auf bestimmte Programme gestalten zu können. (Über entsprechende Resultat-Meldungen aus der Leser- bzw. Anwenderschaft – privat oder via „Kommentar“-Funktion – würde sich der Autor freuen).

ERET-Computerschach-Testsammlung - Salai-Studie - Glarean Magazin
Welche Komplexität eine Schach-Stellung mit nur wenigen Steinen haben kann, zeigt diese Studie von L. Salai: Den Lösungszug 1.f4!! finden auch starke Computerprogramme die längste Zeit nicht

Trotz der relativ kurzen Zeit-Vorgabe von 15 Sekunden/Stellung sind die ERET-Aufgaben keineswegs trivial. Viele der Aufgaben dürften sogar ganz besondere Knacknüsse auch für heutige Engines sein. Die umfangreichen persönlichen Analysen mithilfe der obengenannten Programme legen den Schluss nahe, dass dieser Test eher im oberen Schwierigkeitsbereich angesiedelt ist. Der Autor ist deshalb zuversichtlich, dass der ERET auch noch in fünf oder zehn Jahren nützlich sein wird…

Die internationale Computerschach-Anwenderschaft widmete sich eingehend dem ERET-Stellungstest und generierte mehrere Ranking-Listen auf je unterschiedlicher Hardware. Beispielhaft seien hier die ERET-Testergebnisse des deutschen Fernschach-Meisters Andreas Strangmüller erwähnt, der auf seiner viebeachteten Schach-Webseite FastGMs Rating Lists (FGRL) seit Jahren Engine-Resultate dokumentiert. Auch in den diversen Computerschach-Foren fand der ERET-Test grosse Resonanz. Stellvertretend hier ein paar Einzelergebnisse im CSS-Forum.

Die aktuelle ERET-Rangliste

Der Autor des Tests selber hat die 111 ERET-Aufgaben im Laufe der Jahre ebenfalls mehrmals von div. Programmen berechnen lassen.
Die nachfolgende Rangliste stammt vom Mai 2020 und enthält nicht weniger als 31 der aktuell stärksten Engines, wie sie von den einschlägigen Turnier-Statistik-Portalen wie z.B. den bekannten Computer Chess Rating Lists (CCRL) aufgeführt werden.
Dabei kam das folgende Hard- und Software-Equipment zum Einsatz:
AMD-Ryzen7-2700x  •  3,7Mhz-64bit  •  16Cores  •  1024MB Hash  •  5-men-Szyzygy-Tablebases  •  Fritz17-GUI

Bezüglich der Auswertung der Lösungsergebnisse fand das bereits erwähnte Tool EloStatTS104 Verwendung; dazu unten mehr.

   Program                          Elo   +/-  Matches  Score   Av.Op.   Solutions

01 Bluefish XR7FD (16Cores)       : 2975    5   2885    61.3 %   2895    93/111
02 Crystal 140520 (16Cores)       : 2967    5   2846    60.2 %   2895    91/111
03 Black Diamond XI (16Cores)     : 2965    5   2801    59.9 %   2896    90/111
04 CorChess 6.0 (16Cores)         : 2962    5   2791    59.5 %   2896    90/111
05 Stockfish 140520 (16Cores)     : 2960    5   2804    59.1 %   2896    89/111
06 Eman 5.50 (16Cores)            : 2956    5   2776    58.5 %   2896    88/111
07 SugaR-NN 260120 (16Cores)      : 2956    5   2706    58.5 %   2896    87/111
08 Chimera 2 BF-Lc0-SF (16Cores)  : 2950    5   2708    57.6 %   2896    85/111
09 Komodo 13.3 (16Cores)          : 2946    5   2734    57.0 %   2897    85/111
10 Lc0 0.25.1 t60-3044 (1Core)    : 2943    6   2785    56.5 %   2898    84/111
11 FatFritz 1.1 (1Core)           : 2941    6   2748    56.1 %   2898    78/111
12 Houdini 6.03 (16Cores)         : 2940    5   2685    56.1 %   2897    83/111
13 Booot 6.4 (16Cores)            : 2919    6   2576    52.9 %   2899    74/111
14 Schooner 2.2 (16Cores)         : 2910    6   2617    51.4 %   2900    76/111
15 Xiphos 0.6 (16Cores)           : 2910    6   2573    51.4 %   2900    73/111
16 Ethereal 12 (16Cores)          : 2904    6   2596    50.6 %   2900    75/111
17 Fritz 17 (16Cores)             : 2890    6   2553    48.4 %   2901    70/111
18 Fizbo 2 (16Cores)              : 2889    6   2511    48.1 %   2902    65/111
19 Laser 1.7 (16Cores)            : 2885    6   2522    47.6 %   2902    69/111
20 RofChade 2.202 (16Cores)       : 2885    6   2505    47.6 %   2902    67/111
21 Critter 1.6a (16Cores)         : 2882    7   2653    47.0 %   2903    68/111
22 DeepShredder 13 (16Cores)      : 2878    6   2512    46.4 %   2903    68/111
23 Andscacs 0.95 (16Cores)        : 2872    6   2463    45.6 %   2903    65/111
24 Arasan 22.0 (16Cores)          : 2853    7   2436    42.6 %   2905    59/111
25 Wasp 3.75(16Cores)             : 2844    7   2467    41.3 %   2905    57/111
26 Fire 7.1 (16Cores)             : 2844    7   2402    41.2 %   2905    54/111
27 DeepRybka 4.1 (16Cores)        : 2842    7   2482    40.7 %   2907    53/111
28 Naum 4.6 (16Cores)             : 2815    7   2451    36.9 %   2908    47/111
29 Chiron 4 (16Cores)             : 2813    7   2429    36.7 %   2908    48/111
30 Deep Junior Yokohama (16Cores) : 2797    7   2391    34.5 %   2909    41/111
31 ProDeo 2.92 (1Core)            : 2697    7   2240    22.4 %   2913    16/111

BF-Lc0-SF = Brainfish & LeelaChessZero & Stockfish
Lc0 & FatFritz = RTX2080-GPU

Weiterführende Links

Für jene Leser, die sich näher mit der Thematik Computerschach & Stellungstests befassen möchten, nachfolgend ein paar weiterführende Links:

„ELO-Formel für Stellungstests“

  • Dr. Frank Schubert: Lösung eines alten Problems – Autor Schubert untersucht zuerst die seinerzeit gängigen Auswerteverfahren verschiedener bekannter Stellungstests und stellt dann einen mathematisch neuen, dem FIDE-Elo-Verfahren ähnlichen Ansatz zur Differenzierung von Test-Ergebnissen vor. In einem historischen Exkurs wird auch Bezug genommen auf noch vor einigen Jahren gebräuchliche Tests von Autoren wie Bednorz, Schumacher, Gurevich oder Scheidl. Zum Schluss stellt Schubert seine eigene Methode vor, „welche die Schwächen der bisherigen Formeln beseitigt und erstmalig auf einer soliden schachlichen Theorie basiert.“ Dabei zählt das Tool nicht einfach die Anzahl richtiger Lösungen ab, sondern setzt die Ergebnisse je nach Lösungsverhalten bei den einzelnen Stellungen zueinander in Bezug; es wird also nicht nur berücksichtigt, wie viele, sondern auch welche Engines welche Aufgaben gelöst haben.

„Was Stellungstests testen“

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    Lars Bremer: Was Stellungstests testen – IT-Journalist und Programmierer Bremer repliziert darin auf den seinerzeit heftig umstrittenen CSS-WM-Test von M. Gurevich, wobei er ebenso unverhohlen wie amüsant in die Trick-Kiste greift, um seine Test-kritische These zu untermauern: Er löschte mit einem eigens dafür geschriebenen Tool in dem als Gesamtheit konzipierten Test jeweils so lange einzelne Aufgaben, bis immer wieder Top-Resultate der zufällig gewählten (ggf. schwachen) Engine resultieren, womit Bremer den zufälligen Charakter von Test-Ergebnissen beweisen möchte.
    Dahinter steckt allerdings ein grober Denkfehler. Denn da selbstverständlich ein umfangreicher und durchdachter Stellungstest immer kompakt gemeint ist, seine Aufgaben aufeinander abgestimmt sind und also nicht willkürlich zusammengestrichen werden dürfen, ist Bremers Artikel wissenschaftlich nicht wirklich ernst zu nehmen und deshalb ein einziger „Quatsch“ (Zitat) – aber dennoch witzig zu lesen 🙂

„Chaos-System Deep Engine“

  • Lars Bremer: Chaos-System Deep Engine – Ein seriöserer und informativer Artikel des obigen Autors zur Problematik des „Zufälligen Zuges“ bei Deep-Engines. Mit seinem „Fazit“ bezüglich der Aussagekraft von Stellungstests bei MP-Rechnern ist der Schreibende zwar nicht einverstanden: Ausgedehnte Untersuchungen könnten sehr wohl dokumentieren, dass ein durchdachtes Design eines Stellungstestes diesen „MP-Effekt“ zwar nicht restlos ausschalten, aber entscheidend abfedern kann, so dass er bezüglich Ranking schliesslich auch statistisch irrelevant wird. Doch Bremer erklärt das Phänomen aus der Sicht des Programmierers äusserst anschaulich und auch für Laien nachvollziehbar. Es wird erklärt, warum sich moderne „Deep“-Programme zuweilen völlig nicht-deterministisch, ja „chaotisch“ verhalten beim Ausspielen von Zügen.

„Einzel-Threat vs Multi-Threats“

  • Tord Romstad (Stockfish): Eine kurz zusammengefasste Erklärung dieses „MP-Effektes“ findet sich auch in einem Interview, das Frank Quisinsky vor Jahren mit Tord Romstad, dem verantwortlichen Stockfish-Programmierer, sowie dessen Co-Autoren geführt hat. Zitat: „Wenn ein Schachprogramm eine Position, irgendwo tief innerhalb des Suchbaums, untersucht, macht es Gebrauch bzw. erinnert sich an frühere bereits untersuchte Positionen der gleichen Suche. Die Zugbeschneidung, Verkürzung oder Verlängerung hängen davon ab, welche Positionen vorher überprüft wurden und wie die Ergebnisse der Untersuchung dieser Positionen waren. Der Großteil der Informationen, der für eine Entscheidung verwendet wird, liegt im Arbeitsspeicher. Der Arbeitsspeicher steht allen Prozessoren zur Verfügung.
    Solange es nur einen Thread gibt, ist alles zu 100% reproduzierbar. Aber bei mehreren Threads beginnen seltsame Dinge zu geschehen, weil diese Threads nie synchron mit gleicher Geschwindigkeit aktiv sein können. Immer wieder wird eine CPU für ein paar Millisekunden eine Pause einlegen müssen und das Betriebssystem weist dann sofort eine andere Aufgabe zu. Das geschieht zufällig und ist nicht vorhersehbar, eine Kontrolle gibt es hierfür nicht. Als Konsequenz erreicht jeder Prozessor eine bestimmte Position eher zufällig und das wirkt sich dann auf die Suche nach Entscheidungen zur aktuellen Position aus.“
  • Chess Programming Wiki: Hier finden sich einige „klassische“ Stellungstests (inkl. Stellungsdiagramme), die allerdings heute eher historische denn schachliche Bedeutung haben.

Der ERET-Stellungstest als EPD-/FEN-Liste

r1bqk1r1/1p1p1n2/p1n2pN1/2p1b2Q/2P1Pp2/1PN5/PB4PP/R4RK1 w q – – bm Rxf4; id „ERET 001 – Entlastung“;
r1n2N1k/2n2K1p/3pp3/5Pp1/b5R1/8/1PPP4/8 w – – bm Ng6; id „ERET 002 – Zugzwang“;
r1b1r1k1/1pqn1pbp/p2pp1p1/P7/1n1NPP1Q/2NBBR2/1PP3PP/R6K w – – bm f5; id „ERET 003 – Linienoeffnen“;
5b2/p2k1p2/P3pP1p/n2pP1p1/1p1P2P1/1P1KBN2/7P/8 w – – bm Nxg5; id „ERET 004 – Endspiel“;
r3kbnr/1b3ppp/pqn5/1pp1P3/3p4/1BN2N2/PP2QPPP/R1BR2K1 w kq – – bm Bxf7; id „ERET 005 – Laeuferopfer f7“;
r2r2k1/1p1n1pp1/4pnp1/8/PpBRqP2/1Q2B1P1/1P5P/R5K1 b – – bm Nc5; id „ERET 006 – Springeropfer“;
2rq1rk1/pb1n1ppN/4p3/1pb5/3P1Pn1/P1N5/1PQ1B1PP/R1B2RK1 b – – bm Nde5; id „ERET 007 – Laeuferpaar“;
r2qk2r/ppp1bppp/2n5/3p1b2/3P1Bn1/1QN1P3/PP3P1P/R3KBNR w KQkq – bm Qxd5; id „ERET 008 – Zentrum“;
rnb1kb1r/p4p2/1qp1pn2/1p2N2p/2p1P1p1/2N3B1/PPQ1BPPP/3RK2R w Kkq – bm Ng6; id „ERET 009 – Springeropfer“;
5rk1/pp1b4/4pqp1/2Ppb2p/1P2p3/4Q2P/P3BPP1/1R3R1K b – – bm d4; id „ERET 010 – Freibauer“;
r1b2r1k/ppp2ppp/8/4p3/2BPQ3/P3P1K1/1B3PPP/n3q1NR w – – bm dxe5, Nf3; id „ERET 011 – Rochadeangriff“;
1nkr1b1r/5p2/1q2p2p/1ppbP1p1/2pP4/2N3B1/1P1QBPPP/R4RK1 w – – bm Nxd5; id „ERET 012 – Entlastung“;
1nrq1rk1/p4pp1/bp2pn1p/3p4/2PP1B2/P1PB2N1/4QPPP/1R2R1K1 w – – bm Qd2, Bc2; id „ERET 013 – Zentrum“;
5k2/1rn2p2/3pb1p1/7p/p3PP2/PnNBK2P/3N2P1/1R6 w – – bm Nf3; id „ERET 014 – Endspiel“;
8/p2p4/r7/1k6/8/pK5Q/P7/b7 w – – bm Qd3; id „ERET 015 – Endspiel“;
1b1rr1k1/pp1q1pp1/8/NP1p1b1p/1B1Pp1n1/PQR1P1P1/4BP1P/5RK1 w – – bm Nc6; id „ERET 016 – Pos. Opfer“;
1r3rk1/6p1/p1pb1qPp/3p4/4nPR1/2N4Q/PPP4P/2K1BR2 b – – bm Rxb2; id „ERET 017 – Koenigsangriff“;
r1b1kb1r/1p1n1p2/p3pP1p/q7/3N3p/2N5/P1PQB1PP/1R3R1K b kq – bm Qg5; id „ERET 018 – Entwicklung“;
3kB3/5K2/7p/3p4/3pn3/4NN2/8/1b4B1 w – – bm Nf5; id „ERET 019 – Endspiel“;
1nrrb1k1/1qn1bppp/pp2p3/3pP3/N2P3P/1P1B1NP1/PBR1QPK1/2R5 w – – bm Bxh7; id „ERET 020 – Laeuferopfer h7“;
3rr1k1/1pq2b1p/2pp2p1/4bp2/pPPN4/4P1PP/P1QR1PB1/1R4K1 b – – bm Rc8; id „ERET 021 – Prophylaxe“;
r4rk1/p2nbpp1/2p2np1/q7/Np1PPB2/8/PPQ1N1PP/1K1R3R w – – bm h4; id „ERET 022 – Freibauer“;
r3r2k/1bq1nppp/p2b4/1pn1p2P/2p1P1QN/2P1N1P1/PPBB1P1R/2KR4 w – – bm Ng6; id „ERET 023 – Rochadeangriff“;
r2q1r1k/3bppbp/pp1p4/2pPn1Bp/P1P1P2P/2N2P2/1P1Q2P1/R3KB1R w KQ – am b3; id „ERET 024 – Entwicklung“;
2kb4/p7/r1p3p1/p1P2pBp/R2P3P/2K3P1/5P2/8 w – – bm Bxd8; id „ERET 025 – Endspiel“;
rqn2rk1/pp2b2p/2n2pp1/1N2p3/5P1N/1PP1B3/4Q1PP/R4RK1 w – – bm Nxg6; id „ERET 026 – Springeropfer“;
8/3Pk1p1/1p2P1K1/1P1Bb3/7p/7P/6P1/8 w – – bm g4; id „ERET 027 – Zugzwang“;
4rrk1/Rpp3pp/6q1/2PPn3/4p3/2N5/1P2QPPP/5RK1 w – – am Rxb7; id „ERET 028 – Vergifteter Bauer“;
2q2rk1/2p2pb1/PpP1p1pp/2n5/5B1P/3Q2P1/4PPN1/2R3K1 w – – bm Rxc5; id „ERET 029 – Qualitaetsopfer“;
rnbq1r1k/4p1bP/p3p3/1pn5/8/2Np1N2/PPQ2PP1/R1B1KB1R w KQ – bm Nh4; id „ERET 030 – Initiative“;
4b1k1/1p3p2/4pPp1/p2pP1P1/P2P4/1P1B4/8/2K5 w – – bm b4; id „ERET 031 – Endspiel“;
8/7p/5P1k/1p5P/5p2/2p1p3/P1P1P1P1/1K3Nb1 w – – bm Ng3; id „ERET 032 – Zugzwang“;
r3kb1r/ppnq2pp/2n5/4pp2/1P1PN3/P4N2/4QPPP/R1B1K2R w KQkq – bm Nxe5; id „ERET 033 – Initiative“;
b4r1k/6bp/3q1ppN/1p2p3/3nP1Q1/3BB2P/1P3PP1/2R3K1 w – – bm Rc8; id „ERET 034 – Laeuferpaar“;
r3k2r/5ppp/3pbb2/qp1Np3/2BnP3/N7/PP1Q1PPP/R3K2R w KQkq – bm Nxb5; id „ERET 035 – Qualitaetsopfer“;
r1k1n2n/8/pP6/5R2/8/1b1B4/4N3/1K5N w – – bm b7; id „ERET 036 – Endspiel“;
1k6/bPN2pp1/Pp2p3/p1p5/2pn4/3P4/PPR5/1K6 w – – bm Na8; id „ERET 037 – Zugzwang“;
8/6N1/3kNKp1/3p4/4P3/p7/P6b/8 w – – bm exd5; id „ERET 038 – Endspiel“;
r1b1k2r/pp3ppp/1qn1p3/2bn4/8/6P1/PPN1PPBP/RNBQ1RK1 w kq – bm a3; id „ERET 039 – Entwicklung“;
r3kb1r/3n1ppp/p3p3/1p1pP2P/P3PBP1/4P3/1q2B3/R2Q1K1R b kq – bm Bc5; id „ERET 040 – Koenigssicherheit“;
3q1rk1/2nbppb1/pr1p1n1p/2pP1Pp1/2P1P2Q/2N2N2/1P2B1PP/R1B2RK1 w – – bm Nxg5; – id „ERET 041 – Springeropfer“;
8/2k5/N3p1p1/2KpP1P1/b2P4/8/8/8 b – – bm Kb7; id „ERET 042 – Endspiel“;
2r1rbk1/1pqb1p1p/p2p1np1/P4p2/3NP1P1/2NP1R1Q/1P5P/R5BK w – – bm Nxf5; id „ERET 043 – Springeropfer“;
rnb2rk1/pp2q2p/3p4/2pP2p1/2P1Pp2/2N5/PP1QBRPP/R5K1 w – – bm h4; id „ERET 044 – Linienoeffnen“;
5rk1/p1p1rpb1/q1Pp2p1/3Pp2p/4Pn2/1R4N1/P1BQ1PPP/R5K1 w – – bm Rb4; id „ERET 045 – Initiative“;
8/4nk2/1p3p2/1r1p2pp/1P1R1N1P/6P1/3KPP2/8 w – – bm Nd3; id „ERET 046 – Endspiel“;
4kbr1/1b1nqp2/2p1p3/2N4p/1p1PP1pP/1PpQ2B1/4BPP1/r4RK1 w – – bm Nxb7; id „ERET 047 – Entlastung“;
r1b2rk1/p2nqppp/1ppbpn2/3p4/2P5/1PN1PN2/PBQPBPPP/R4RK1 w – – bm cxd5; id „ERET 048 – Starke Felder“;
r1b1kq1r/1p1n2bp/p2p2p1/3PppB1/Q1P1N3/8/PP2BPPP/R4RK1 w kq – bm f4; id „ERET 049 – Entwicklung“;
r4r1k/p1p3bp/2pp2p1/4nb2/N1P4q/1P5P/PBNQ1PP1/R4RK1 b – – bm Nf3; id „ERET 050 – Koenigsangriff“;
6k1/pb1r1qbp/3p1p2/2p2p2/2P1rN2/1P1R3P/PB3QP1/3R2K1 b – – bm Bh6; id „ERET 051 – Verteidigung“;
2r2r2/1p1qbkpp/p2ppn2/P1n1p3/4P3/2N1BB2/QPP2PPP/R4RK1 w – – bm b4; id „ERET 052 – Starke Felder“;
r1bq1rk1/p4ppp/3p2n1/1PpPp2n/4P2P/P1PB1PP1/2Q1N3/R1B1K2R b KQ – bm c4; id „ERET 053 – Pos. Opfer“;
2b1r3/5pkp/6p1/4P3/QppqPP2/5RPP/6BK/8 b – – bm c3; id „ERET 054 – Endspiel“;
r2q1rk1/1p2bpp1/p1b2n1p/8/5B2/2NB4/PP1Q1PPP/3R1RK1 w – – bm Bxh6; id „ERET 055 – Laeuferopfer h6“;
r2qr1k1/pp2bpp1/2pp3p/4nbN1/2P4P/4BP2/PPPQ2P1/1K1R1B1R w – – bm Be2; id „ERET 056 – Zwischenzug“;
r2qr1k1/pp1bbp2/n5p1/2pPp2p/8/P2PP1PP/1P2N1BK/R1BQ1R2 w – – bm d6; id „ERET 057 – Abtausch“;
8/8/R7/1b4k1/5p2/1B3r2/7P/7K w – – bm h4; id „ERET 058 – Endspiel“;
rq6/5k2/p3pP1p/3p2p1/6PP/1PB1Q3/2P5/1K6 w – – bm Qd3; id „ERET 059 – Endspiel“;
q2B2k1/pb4bp/4p1p1/2p1N3/2PnpP2/PP3B2/6PP/2RQ2K1 b – – bm Qxd8; id „ERET 060 – Koenigsangriff“;
4rrk1/pp4pp/3p4/3P3b/2PpPp1q/1Q5P/PB4B1/R4RK1 b – – bm Rf6; id „ERET 061 – Koenigsangriff“;
rr1nb1k1/2q1b1pp/pn1p1p2/1p1PpNPP/4P3/1PP1BN2/2B2P2/R2QR1K1 w – – bm g6; id „ERET 062 – Starke Felder“;
r3k2r/4qn2/p1p1b2p/6pB/P1p5/2P5/5PPP/RQ2R1K1 b kq – bm Kf8; id „ERET 063 – Verteidigung“;
8/1pp5/p3k1pp/8/P1p2PPP/2P2K2/1P3R2/5r2 b – – am Rxf2; id „ERET 064 – Endspiel“;
1r3rk1/2qbppbp/3p1np1/nP1P2B1/2p2P2/2N1P2P/1P1NB1P1/R2Q1RK1 b – – bm Qb6; id „ERET 065 – Zwischenzug“;
8/2pN1k2/p4p1p/Pn1R4/3b4/6Pp/1P3K1P/8 w – – bm Ke1; id „ERET 066 – Endspiel“;
5r1k/1p4bp/3p1q2/1NpP1b2/1pP2p2/1Q5P/1P1KBP2/r2RN2R b – – bm f3; id „ERET 067 – Raeumung“;
r3kb1r/pbq2ppp/1pn1p3/2p1P3/1nP5/1P3NP1/PB1N1PBP/R2Q1RK1 w kq – bm a3; id „ERET 068 – Offene Linie“;
5rk1/n2qbpp1/pp2p1p1/3pP1P1/PP1P3P/2rNPN2/R7/1Q3RK1 w – – bm h5; id „ERET 069 – Koenigsangriff“;
r5k1/1bqp1rpp/p1n1p3/1p4p1/1b2PP2/2NBB1P1/PPPQ4/2KR3R w – – bm a3; id „ERET 070 – Starke Felder“;
1r4k1/1nq3pp/pp1pp1r1/8/PPP2P2/6P1/5N1P/2RQR1K1 w – – bm f5; id „ERET 071 – Ablenkung“;
q5k1/p2p2bp/1p1p2r1/2p1np2/6p1/1PP2PP1/P2PQ1KP/4R1NR b – – bm Qd5; id „ERET 072 – Zentralisierung“;
r4rk1/ppp2ppp/1nnb4/8/1P1P3q/PBN1B2P/4bPP1/R2QR1K1 w – – bm Qxe2; id „ERET 073 – Mobilitaet“;
1r3k2/2N2pp1/1pR2n1p/4p3/8/1P1K1P2/P5PP/8 w – – bm Kc4; id „ERET 074 – Endspiel“;
6r1/6r1/2p1k1pp/p1pbP2q/Pp1p1PpP/1P1P2NR/1KPQ3R/8 b – – bm Qf5; id „ERET 075 – Festung“;
r1b1kb1r/1p1npppp/p2p1n2/6B1/3NPP2/q1N5/P1PQ2PP/1R2KB1R w Kkq – bm Bxf6; id „ERET 076 – Entwicklung“;
r3r1k1/1bq2ppp/p1p2n2/3ppPP1/4P3/1PbB4/PBP1Q2P/R4R1K w – – bm gxf6; id „ERET 077 – Rochadeangriff“;
r4rk1/ppq3pp/2p1Pn2/4p1Q1/8/2N5/PP4PP/2KR1R2 w – – bm Rxf6; id „ERET 078 – Freibauer“;
r1bqr1k1/3n1ppp/p2p1b2/3N1PP1/1p1B1P2/1P6/1PP1Q2P/2KR2R1 w – – bm Qxe8; id „ERET 079 – Damenopfer“;
5rk1/1ppbq1pp/3p3r/pP1PppbB/2P5/P1BP4/5PPP/3QRRK1 b – – bm Bc1; id „ERET 080 – Raeumung“;
r3r1kb/p2bp2p/1q1p1npB/5NQ1/2p1P1P1/2N2P2/PPP5/2KR3R w – – bm Bg7; id „ERET 081 – Koenigsangriff“;
8/3P4/1p3b1p/p7/P7/1P3NPP/4p1K1/3k4 w – – bm g4; id „ERET 082 – Endspiel“;
3q1rk1/7p/rp1n4/p1pPbp2/P1P2pb1/1QN4P/1B2B1P1/1R3RK1 w – – bm Nb5; id „ERET 083 – Abtausch“;
4r1k1/1r1np3/1pqp1ppB/p7/2b1P1PQ/2P2P2/P3B2R/3R2K1 w – – bm Bg7; id „ERET 084 – Koenigsangriff“;
r4rk1/q4bb1/p1R4p/3pN1p1/8/2N3P1/P4PP1/3QR1K1 w – – bm Ng4; id „ERET 085 – Abtausch“;
r3k2r/pp2pp1p/8/q2Pb3/2P5/4p3/B1Q2PPP/2R2RK1 w kq – bm c5; id „ERET 086 – Qualitaetsopfer“;
r3r1k1/1bnq1pbn/p2p2p1/1p1P3p/2p1PP1B/P1N2B1P/1PQN2P1/3RR1K1 w – – bm e5; id „ERET 087 – Raeumung“;
8/4k3/p2p2p1/P1pPn2p/1pP1P2P/1P1NK1P1/8/8 w – – bm g4; id „ERET 088 – Endspiel“;
8/2P1P3/b1B2p2/1pPRp3/2k3P1/P4pK1/nP3p1p/N7 w – – bm e8N; id „ERET 089 – Unterverwandlung“;
4K1k1/8/1p5p/1Pp3b1/8/1P3P2/P1B2P2/8 w – – bm f4; id „ERET 090 – Endspiel“;
8/6p1/3k4/3p1p1p/p2K1P1P/4P1P1/P7/8 b – – bm g6, Kc6; id „ERET 091 – Endspiel“;
r1b2rk1/ppp3p1/4p2p/4Qpq1/3P4/2PB4/PPK2PPP/R6R b – – am Qxg2; id „ERET 092 – Vergifteter Bauer“;
2b1r3/r2ppN2/8/1p1p1k2/pP1P4/2P3R1/PP3PP1/2K5 w – – bm Nd6; id „ERET 093 – Endspiel“;
2k2Br1/p6b/Pq1r4/1p2p1b1/1Ppp2p1/Q1P3N1/5RPP/R3N1K1 b – – bm Rf6; id „ERET 094 – Damenopfer“;
r2qk2r/ppp1b1pp/2n1p3/3pP1n1/3P2b1/2PB1NN1/PP4PP/R1BQK2R w KQkq – bm Nxg5; id „ERET 095 – Damenopfer“;
8/8/4p1Pk/1rp1K1p1/4P1P1/1nP2Q2/p2b1P2/8 w – – bm Kf6; id „ERET 096 – Endspiel“;
2k5/p7/Pp1p1b2/1P1P1p2/2P2P1p/3K3P/5B2/8 w – – bm c5; id „ERET 097 – Endspiel“;
8/6pp/5k2/1p1r4/4R3/7P/5PP1/5K2 w – – am Ke2; id „ERET 098 – Endspiel“;
3q1r1k/4RPp1/p6p/2pn4/2P5/1P6/P3Q2P/6K1 w – – bm Re8; id „ERET 099 – Endspiel“;
rn2k2r/3pbppp/p3p3/8/Nq1Nn3/4B1P1/PP3P1P/R2Q1RK1 w k – bm Nf5; id „ERET 100 – Initiative“;
r1b1kb1N/pppnq1pB/8/3p4/3P4/8/PPPK1nPP/RNB1R3 b q – bm Ne5; id „ERET 101 – Entwicklung“;
N4rk1/pp1b1ppp/n3p1n1/3pP1Q1/1P1N4/8/1PP2PPP/q1B1KB1R b K – bm Nxb4; id „ERET 102 – Koenigsangriff“;
4k1br/1K1p1n1r/2p2pN1/P2p1N2/2P3pP/5B2/P2P4/8 w – – bm Kc8; id „ERET 103 – Zugzwang“;
r1bqkb1r/ppp3pp/2np4/3N1p2/3pnB2/5N2/PPP1QPPP/2KR1B1R b kq – bm Ne7; id „ERET 104 – Entwicklung“;
r3kb1r/pbqp1pp1/1pn1pn1p/8/3PP3/2PB1N2/3N1PPP/R1BQR1K1 w kq – bm e5; id „ERET 105 – Starke Felder“;
r2r2k1/pq2bppp/1np1bN2/1p2B1P1/5Q2/P4P2/1PP4P/2KR1B1R b – – bm Bxf6; id „ERET 106 – Koenigssicherheit“;
1r1r2k1/2pq3p/4p3/2Q1Pp2/1PNn1R2/P5P1/5P1P/4R2K b – – bm Rb5; id „ERET 107 – Verteidigung“;
8/5p1p/3P1k2/p1P2n2/3rp3/1B6/P4R2/6K1 w – – bm Ba4; id „ERET 108 – Endspiel“;
2rbrnk1/1b3p2/p2pp3/1p4PQ/1PqBPP2/P1NR4/2P4P/5RK1 b – – bm Qxd4; id „ERET 109 – Entlastung“;
4r1k1/1bq2r1p/p2p1np1/3Pppb1/P1P5/1N3P2/1R2B1PP/1Q1R2BK w – – bm c5; id „ERET 110 – Freibauer“;
8/8/8/8/4kp2/1R6/P2q1PPK/8 w – – bm a3; id „ERET 111 – Festung“;

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema „Teststellungen für Engines“ auch:Nightmare 2″ – 30 Albträume für Schachprogramme
… sowie aus der Reihe Brilliant Correspondence Chess Moves den 3. „Brillanten“ (BCCM) vom Dezember 2017
Computerschach: Testaufgaben für Programme (ERET)

Computerschach: Chessbase 14 erschienen

„Chessbase“ goes Analysis

von Walter Eigenmann

Das Datenbank-Flaggschiff der deutschen Schach-Firma Chessbase erfuhr kürzlich eine neue, seine 14. Fassung. Die renommierteste (und kostspieligste) Software der traditionsreichen Hamburger Schachprogramm-Schmiede, nämlich eben „Chessbase“, legt diesmal – neben diversen Neuerungen – den Schwerpunkt auf die schachanalytischen Seiten des Partien-Sammelns und -Verwertens.
Um ein erstes Fazit meiner Besichtigung von „Chessbase 14“ gleich vorwegzunehmen: Das Programm keineswegs kaufen müssen all jene Adepten des Königlichen Spiels, die einfach ein paar hunderttausend Partien verwalten, ihre Sammlung nach Dubletten absuchen, Spielernamen vereinheitlichen, Eröffnungsbücher zusammenstellen, nach Kombinationen oder Patzereien fahnden oder ihre eigenen On-the-board-Verbrechen auf Verbesserungen hin durchleuchten wollen. Das sind heutzutage Basics des Daten-Handlings, und hierzu genügen auch durchaus qualitätsvolle Freeware‘s wie z.B. „SCID“ oder „Arena“ sowie ein paar starke Gratis-Engines wie „Stockfish“ oder „Gull“ – dafür wäre ein 380 Euro teures Premium-Paket wie „Chessbase“ der reine schachliche (und finanzielle) Overkill.
Wer hingegen in die höheren, in professionelle Sphären des modernen Umganges mit Schach-Datenbanken und deren globale Online- bzw. Cloud-Einbindung eingeweiht sein bzw. bleiben möchte, für den ist CB-14 tatsächlich eine Option.

Diverse Neuerungen in Chessbase 14

Chessbase 14 - Schach-Datenbank
Chessbase 14 – Schach-Datenbank

Ob dabei nun all den Verbesserungen und Novitäten, die der Hersteller selber für seine neue Software reklamiert, auch tatsächlich jener Stellenwert zukommt, die einen Kauf nahelegen, lasse ich dahingestellt. Denn Chessbase führt in seiner Werbung für CB-14 einiges an, das man so oder ähnlich auch bei vergleichbaren Konkurrenz-Produkten findet. Manches aber ist im frischgebackenen „Chessbase“ so neu- bzw. so einzigartig, dass das Paket enorm attraktiv wird. Wie immer bei neuen Features in bekannten Programmen entscheidet ja aber auch das subjektiv begründete Anwender-Profil über „Sinn und Unsinn“ eben dieser neuen Optionen.
Im einzelnen sieht die entspr. Novitäten-Liste bei „Chessbase 14“ durchaus beeindruckend aus:

Wichtiger Bestandteil des Partien-Filters in „Chessbase“: Die differenzierte „Manöver-Suche“ gestattet auch das Herausfiltern komplexer Mehrfach-Zugfolgen.

■ Eingabemodus zur Erfassung von Partien: Chessbase kann nun auf einen „speziellen Eingabemodus“ beim Partien-Erfassen gesetzt werden, wobei der Variantendialog immer auftaucht und ein neuer „modusfreier Dialog“ zur Eingabe der Bedenkzeit verfügbar ist. Beim Feature „Neue Partie“ behält das Programm gemäß Hersteller „mehr Turnierinformationen“.
■ Die schnelle Orientierung in umfangreich kommentierten Partien wird in CB-14 durch stärkere farbige Markierung der Haupt-, Unter- und Nebenvarianten verbessert, wobei Varianten auf gleicher Ebene auch die gleiche Farbe haben; Alternativen sind so besser aufzuspüren.
■ Kommentar-Diagramme können bei CB-14 jetzt direkt in die Notation eingebettet werden. Auch die bekannten „Trainingsfragen“, nicht zuletzt im Schulschach häufig angewandtes Feature von „Chessbase“, werden durch die direkte Einbindung von Diagrammen aufgewertet: Eine Trainingsfrage besteht aus einem Diagramm und Lösungslinks, die man anklicken kann, sowie Hilfen, die in die Notation eingebettet sind.
■ Das Speichern & Ersetzen von Partien wird ab „Chessbase 14“ nun neu geregelt. Denn bisher haben alle CB-Versionen beim „Speichern“ die neue Partie-Version ans Ende der jeweiligen Partienliste in den Datenbanken angehängt, und „Ersetzen“ hat die Partie ohne Duplizierung einfach ersetzt. Für langjährige „Chessbase“-User ist also die folgende radikale Änderung wichtig:  Eine Partie „Speichern“ heißt nun, dass man die bestehende Version der Partie ersetzt, während man mit „Als neue Partie speichern“ die Partie an eine beliebige Datenbank anhängen kann, wobei ein Shortcut es erlaubt, Datenbanken auszuwählen, die man vor kurzem genutzt hat.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Chessbase sein natives Datenbank-Format „CBH“ optimiert hat, um „sehr schnelles Speichern (=Ersetzen) von Partien in großen Datenbanken“ zu ermöglichen.
■ Seit „Chessbase 13“ ist die (teils differenzierte) Web-Anbindung von Datenbanken ja herausragende Option – und „Chessbase 14“ rüstet in dieser Sparte nochmals nach: Es gibt jetzt die neue Cloud-Funktion „Cloud Clip“. Originalton Chessbase: „Hier werden Partien von ChessBase.com, Fritz.Chessbase.com und Tactics.Chessbase.com automatisch gespeichert, wenn man mit seinem ChessBase Account angemeldet ist. Das ist besonders in Verbindung mit der Chessbase-Nachrichtenseite nützlich: Wenn Sie auf eine Partie klicken, während Sie einen Artikel auf Chessbase.com oder Chessbase.de lesen, dann steht die Partie schon in ChessBase 14 zur Verfügung. Download ist nicht mehr notwendig.“
■ Längst fällig war meiner Ansicht nach der generalisierte Log-in zu allen CB-Account-Funktionen
■ Die jüngste Chessbase-Software (z.b. „Fritz“ und „Chessbase“) setzt auf Microsoft‘s „DirectXI“ auf, was „Ansicht und Geschwindigkeit von 3D-Brettern bedeutend verbessert“, wie Chessbase meint.
■ Neu ist in „Chessbase 14“ die Möglichkeit, die persönlichen Suchmasken des Anwenders zu speichern – eine Option, die der Schreibende schon lange in „Chessbase“ vermisste.
■ Neu ist ebenfalls, dass auch die Online-Datenbank beim Nachspielen einer Partie automatisch aktualisiert wird.
■ „Chessbase“ exportiert jetzt Diagramm-Listen auch als Word-Datei, womit zeitsparend umfangreiches Trainings-Material generiert werden kann.

„Chessbase“ goes Analysis

Physiker, Programmierer, Chessbase-Gründer, Schach-Fan: Matthias Wüllenweber
Physiker, Programmierer, Chessbase-Gründer, Schach-Fan: Matthias Wüllenweber

Dies alles sind neue Optionen, die den Alltag von Schach-Power-Usern durchaus verbessern können – und auch Optionen, die man in vergleichbarer kommerzieller Software (z.B.  „Chess Assistant“ bzw. „Aquarium“) teilweise vergeblich sucht. In Verbindung mit den bereits bekannten Online-„Chessbase“-Möglichkeiten haben die beiden Hauptprogrammierer Matthias Wüllenweber und Matthias Feist sich offensichtlich sehr Mühe gegeben, das Einsatzgebiet (und damit auch den Mehrwert) ihrer neuen Software zu erweitern.
Die eigentlichen beiden Novitäten-Highlights von „Chessbase 14“ liegen aber auf einem Gebiet, das man eigentlich zuerst gar nicht mit einem Datenbank-Programm assoziiert bzw. das man bis jetzt eher bei expliziten Engine-Interfaces wie „Fritz“ oder „Shredder“ oder „Arena“ u.a. beheimatet wähnte, nämlich der Partien-Analyse. Nun hatten zwar schon die „Chessbase“-Vorgänger rudimentäre analytische Automationen, beispielsweise die sog. „Tiefe Analyse“ und die „Cloud-Analyse“ (inkl. das seit CB-13 bekannte „Let‘s Check“), doch jetzt geht die Version 14 dem Anwender mit zwei bemerkenswerten weiteren Optionen zur Hand: Der sog. „Taktischen Analyse“ sowie der sog. „Assisted Analyses“.

Die Taktische Analyse

Lassen wir vorausgehend Chessbase selber zu Worte kommen darüber, was unter dem neuen Feature „Taktische Analyse“ zu verstehen sei:
„Taktische Analyse ist die umfassendste automatische Partienanalyse, die es gibt. Sie arbeitet mit den folgenden schachlichen Mitteln:

■ Eröffnungstheorie
■ Starke Züge, Kombinationen, Opfer und Doppelangriffe
■ Fehler, Patzer und kritische Momente, in denen sich die Bewertung ändert
■ Schwache Züge, die in der Partie nicht gespielt wurden (Warum kann ich da nicht nehmen?) und oft taktisch widerlegt werden können
■ Drohungen und Angriffsmotive
■ Verteidigungsideen
■ Initiative
■ Angriff
■ Manöver und Figurenstellung
■ Kompensation
■ Endspielklassifikation
■ Unlogische Partieergebnisse
■ Partien werden mit Varianten, Sprache, Schachsymbolen und Diagrammen kommentiert.“

Soweit die Chessbase-eigene Werbung – und wie sieht das in realiter aus? Ich habe mal die 8. Partie der aktuell laufenden Schach-Weltmeisterschaft 2016 zwischen Weltmeister M. Carlsen und Herausforderer S. Karjakin in New York genommen – siehe folgende PGN…

… und sie dieser „Taktischen Analyse“ unterzogen mit folgenden Rahmenbedingungen: Intel i7-4790 CPU / 3.6 GHz / 5s pro Zug / Stockfish8 / 4 Cores / 2 GB Hash / Nalimov-EGT / LiveBook

Nach knapp 15 Minuten des Backward-Berechnens generierte das Programm folgenden Output (wobei das Layout des Prints noch der Überarbeitung bedürfte):

Stockfish-Analyse mit Chessbase 14 - Screenshot / PDF-Ausdruck
Stockfish-Analyse mit Chessbase 14 – Screenshot / PDF-Ausdruck
Stockfish-Analyse mit Chessbase 14 - Screenshot / PDF-Ausdruck (2)
Stockfish-Analyse mit Chessbase 14 – Screenshot / PDF-Ausdruck (2)

Wie man sieht, resultiert aus dieser vollautomatischen Untersuchung ein Notations-Bild, das der professionellen Kommentierung durch Großmeister in Schach-Büchern und -Zeitschriften verblüffend nahe kommt: Klare Variantengliederung, die schachlichen Hotspots mit Diagrammen strukturiert, die Verbalisierungen prägnant-treffend (und farblich hervorgehoben), Einbeziehung von Eventualzügen bzw. Alternativen, Abwechslung der Semantik usw.

Stellt man diesem Output jenen gegenüber, den das zweite bekannte Chesbase-Flaggschiff „Fritz“  unter identischen Bedingungen (bis auf die „Referenz-Datenbank“) mittels der sog. „Vollanalyse“ nach ca. 19 Min. zeitigt, ergibt sich ein deutlich kargeres, hinsichtlich der langweiligen verbalen Wiederholungen sogar merklich schlechteres Bild:

Stockfish-Analyse mit Fritz 15 - Screenshot / PDF-Ausdruck
Stockfish-Analyse mit Fritz 15 – Screenshot / PDF-Ausdruck

Zur Entschuldigung von „Fritz“ – hier in seiner aktuellen 15. Version – muss natürlich erwähnt werden, dass „Fritz“ im Gegensatz zu „Chessbase“ seit jeher als Engine-Interface und nicht als Datenbank konzipiert wurde; die beiden Programme haben unterschiedliche Philosophien und je unterschiedliche Stärken.

Chessbase auf dem Weg zur vollautomatischen Buch-Analyse

Fazit bezüglich der „Taktischen Analyse“ bei „Chessbase 14“: Wenn die Entwickler dieses neue Feature weiter professionalisieren und u.a. insbesondere seine Semantik noch vielfältiger, differenzierter, origineller, also irgendwie „menschlicher“ gestalten, dann ist der Tag nicht mehr fern, da ganze Partien-Bücher praktisch vollautomatisch, ohne schachliche Mithilfe des Menschen – der ja ohnehin taktisch höchst fehleranfällig kommentiert – generiert werden können. Nimmt man noch die im Computerschach-Zeitalter immer häufigere Auffassung hinzu, dass es eigentlich keine (vom Menschen zu entdeckende) „Schachstrategie“ mehr gibt, sondern nur noch „nicht ganz durchgerechnete Taktik“, dann steht der Überschwemmung des Schachbücher-Marktes mit rein maschinell erzeugten Partien-Sammlungen bald nichts mehr im Wege. Ein erschreckendes Szenario, mit hunderten von arbeitslosen Großmeistern & Schach-Autoren und -Verlagen, eine Verarmung der gesamten Schachszene? Oder doch eine Erweiterung, eine Vertiefung, ja Professionalisierung des Umganges mit Schachpartien? Die Zukunft wird es zeigen…

Der „Analyse-Assistent“

Während die „Taktische Analyse“ vollautomatisch abläuft und vom Menschen nur wenige Klicks des Voreinstellens benötigt, kommt das zweite Analyse-Instrument des neuen „Chessbase 14“ als komplett interaktives Features daher: die sog. „Assisted Analysis“. Hier steht die kommentierende Visualisierung der schachlichen Verflechtungen im Vordergrund: Kandidatenzüge werden farblich differenziert, durch pures Anklicken je hierarchisch dargestellt, erwartete Gegenzüge werden mit Pfeilen kenntlich gemacht, die Best-Moves pro Stellung sind mit einfachen Figuren-Mausklicks live visualisierbar, u.a.

Das Hauptfenster der sog. Assisted Analysis mit ihrer hierarchischen Colorierung von (hier Springer-) Kandidatenzügen.
Das Hauptfenster der sog. Assisted Analysis mit ihrer hierarchischen Colorierung von (hier Springer-) Kandidatenzügen.

Das Potential dieses interaktiv „assistierten“ Werkzeuges dürfte insbesondere die Fernschach-Spieler unter den „Chessbase“-Nutzern interessieren, hier sehe ich eines der hauptsächlichen Anwendungsfelder. Möglicherweise ist diese Ausweitung des persönlichen Analysierens, das die Zugauswahl differenziert bei gleichzeitiger taktischer Balance, eine der Möglichkeiten, dem drohenden „Remis-Tod“ des Spitzen-Fernschachs entgegenzutreten. Geht man davon aus, dass das moderne Großmeister-Fernschach ohne Software-Unterstützung heute undenkbar ist, eröffnen solche neuen Programmier-Ansätze durchaus auch neue Perspektiven.
Wen die Details dieser neuen „Assisted Analyses“ näher interessieren, dem sei das Youtube-Video empfohlen, das Programmierer Matthias Wüllenweber selber ins Netz gestellt hat.

„Chessbase 14“: Kaufen oder nicht kaufen?

Das jüngste Programm aus dem Hause Chessbase ist nicht gratis: Der Download des Standard-Pakets schlägt mit 100 Euro zu Buche, für das „Startpaket“ will Chessbase 190 Euro, und das vollumfängliche „Premium“ reißt ein fettes Loch von sogar fast 400 Euro ins Portemonnaie.
Wie eingangs erwähnt: Otto Normalverbraucher braucht dieses hochprofessionelle Programm, dessen Feature-Reichtum und -Vielfalt seinesgleichen sucht, keineswegs: Allein die Einarbeitungszeit in eine so komplexe Software steht in keinem Verhältnis zum realen Nutzen, den ein durchschnittlicher Vereinspieler mit seinen 1600 Elo-Punkten je daraus ziehen könnte. (Wobei „Chessbase“ im Vergleich etwa zu seinem traditionellen Markt-Kontrahenten „Chess Assistant“ meines Erachtens immer noch sehr viel User-freundlicher daherkommt). Dem „gewöhnlichen“ Schachspieler reicht irgend eine der „Fritz“-Versionen 11 bis 15 oder eines der zahlreichen Freeware-GUI‘s mit ihrer relativ simplen PGN-  bzw. Gratis-Engine-Anbindung völlig.

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Neben seinen bisherigen Möglichkeiten, die mittlerweile kaum mehr Wünsche offenlassen hinsichtlich eines professionellen Handlings von Schachpartien zeichnet sich mit dem jüngsten „Chessbase 14“ ein willkommener Trend ab weg vom rein technischen Verwalten von Schach-Partien hin zu den schachanalytischen Aspekten des Umgangs mit nicht nur dem mittlerweile unüberschaubaren Fundus an Gratis-Partienmaterial, sondern auch mit allen Bereichen der privaten Beschäftigung mit Schach. Mit „Chessbase 14“ schickt sich Schach-Software endgültig an, zum ebenbürtigen Partner des Menschen zu werden. Auf die weitere Entwicklung dieses Zweiges der Schach-Programmierung darf man gespannt sein…

Das weltweit große Heer der ambitionierten Turnier-Spieler hingegen wird sich auch „Chessbase 14“ unter den Weihnachtsbaum 2016 legen wollen. Denn neben seinen bisherigen Möglichkeiten, die mittlerweile kaum mehr Wünsche offenlassen hinsichtlich eines professionellen Handlings mit Schachpartien, zeichnet sich mit „Chessbase 14“ ein willkommener Trend ab weg vom rein technischen Verwalten von Schach-Partien hin zu den schachanalytischen Aspekten des Umgangs mit nicht nur dem mittlerweile unüberschaubaren Fundus an Gratis-Partienmaterial, sondern auch mit allen Bereichen der privaten Beschäftigung mit Schach. Mit „Chessbase 14“ schickt sich Schach-Software endgültig an, zum ebenbürtigen Partner des Menschen zu werden. Auf die weitere Entwicklung dieses Zweiges der Schachprogrammierung darf man gespannt sein…♦

Matthias Wüllenweber, Matthias Feist: Chessbase 14 – Schach-Datenbank, DVD & Online-Download

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Computerschach: Chessbase 14 erschienen

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Fritz der Fünfzehnte

von Dr. Mario Ziegler

Mit dem Slogan „Neuer Fritz, neuer Freund“ wirbt die Hamburger Software-Firma ChessBase für das neueste Pferd in ihrem Stall, die aktuelle Version des Schachprogramms Fritz. Wer sich ernsthaft mit Schach beschäftigt und dabei den Computer nicht völlig vernachlässigt, wird bereits eigene Erfahrungen mit der einen oder anderen Vorgängerversion gemacht haben – nicht umsonst ist der seit 1991 existierende Fritz das verbreitetste Schachprogramm überhaupt.
In meiner nachfolgenden Besprechung werde ich mich folglich nicht auf die unzähligen nützlichen Funktionen beziehen, die Fritz 15 mit seinen Vorgängern gemeinsam hat. Es ist völlig unstrittig, dass ein Schachfreund, der noch keinen einen älteren Fritz besitzt, bei Fritz 15 bedenkenlos zugreifen kann. Wie sieht es aber aus, wenn man schon die Vorgängerversion auf dem heimischen PC installiert hat? Lohnt sich auch dann der Umstieg trotz erheblichen Kaufpreises?

„Fritz“ massiv in Richtung Internet

Zunächst etwas zu den Testbedingungen, die in der immer komplexer werdenden Technikwelt des 21. Jahrhunderts zunehmende Bedeutung gewinnen. Ich habe Fritz (und natürlich auch die zum Vergleich herangezogene Engine Houdini 4) auf einem AMD FX-8320 Eight-Core Prozessor mit 32 GB RAM und Windows 8.1 betrieben.

Gleich der Startbildschirm fällt auf – alles so anders und ungewohnt:

Ungewohnter Startbildschirm des neuen "Fritz 15"
Ungewohnter Startbildschirm des neuen „Fritz 15“

Bereits dieser Bildschirm macht deutlich, wohin es vermutlich in der Zukunft bei Fritz noch stärker gehen wird: Gefragt sind die Angebote im Internet, sei es als Trainingsfeatures, sei es in Form von Cloud-Datenbanken. Auch der Videobereich ist selbstverständlich von Interesse, erhält man hier doch Zugriff auf die zahlreichen Videolektionen und Übertragungen, die ChessBase mittlerweile dem Premium-Nutzer zur Verfügung stellt. Im Leistungspaket von Fritz 15 sind 6 Monate kostenloser Premium-Zugang enthalten.

Startbildschirm der ChessBase-Mediathek von "Fritz 15"
Startbildschirm der ChessBase-Mediathek von „Fritz 15“

Doch auch über diesen Aspekt möchte ich mich nicht weiter auslassen, auch wenn die spielerischen und didaktischen Möglichkeiten des ChessBase-Servers Playchess sicher für viele Nutzer ein entscheidendes Kriterium darstellen werden. Aber diese Möglichkeiten können natürlich auch auf anderem Wege als durch den Erwerb von Fritz 15 erworben werden. Was bringt Fritz also selbst Neues mit sich?

„Rybka“-Programmierer für „Fritz“-Motor verantwortlich

Sofort springt der Name des Programmierers ins Auge. Vasik Rajlich, internationaler Schachmeister und durch die Erfolge seines früheren Programms Rybka weithin in der Szene bekannt, zeichnet für den „Motor“ von Fritz 15 verantwortlich. Nach den Plagiatsvorwürfen gegen ihn im Zusammenhang mit der angeblichen Verwendung des Codes zweier anderer Engines für Rybka und der nachfolgenden Aberkennung der Computerschach-Weltmeisterschaften 2006-2010 durch die International Computer Games Association war es still um Rajlich geworden. Nun meldet er sich also mit einer neuen prestigeträchtigen Engine zurück.
Die Spielstärke des Programms liegt bei… keine Ahnung! Die Rangliste des Schwedischen Schachcomputervereins SSDF führte Fritz 15 zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Rezension noch nicht, und ich als absoluter Nicht-Schachcomputer-Experte maße mir nicht an, durch irgendwelche Tests eine Angabe über die Spielstärke des Programms machen zu wollen. Bei Elozahlen jenseits der 3300 (!!), die die SSDF-Liste für die Spitzenprogramme vermerkt, dürften hier kleine Unterschiede auch allenfalls für die absolute Weltspitze im Nah- oder Fernschach von Interesse sein. Im Übrigen verweise ich auf die Rezension des Kollegen Uwe Bekemann auf dem Schach-Ticker vom 23. Januar 2016, wo auf diese Frage näher eingegangen wird. Ich fand es lediglich interessant, dass bei einer längeren Daueranalyse (Rechenzeit ca. eine Stunde) einer Partie zweier „alter Meister“ Fritz 15 zu deutlich anderen Bewertungen kam als mein Houdini 4:

"Fritz"-Analysebildschirm bei Spassky-Simagin
„Fritz“-Analysebildschirm bei Spassky-Simagin

In dieser Situation wählte Simagin die Umgruppierung 36…Ld8, die etwa Mark Dworetzki und Artur Jussupow mit einem Rufzeichen schmücken: „Wie kann Schwarz die Position verstärken? Verfrüht wäre 36…h4? 37.g4. Simagin findet einen ausgezeichneten Plan. Er führt seinen Läufer nach c7 und baut damit eine Dame-Läufer-Batterie auf, die dem weißen König gefährlich werden kann. Die Bauerndurchbrüche gewinnen danach an Kraft.“ (aus: Positionelles Schach – Wie man sein Stellungsgefühl trainiert, Hombrechtikon/Zürich, Olms 1996).
Wie zu sehen, ziehen beide Engines den Zug 36…Ld8 in Betracht, favorisieren aber jeweils einen anderen. Interessant ist nun, dass Fritz 15 mit immerhin nennenswertem Abstand von 0,14 Bauerneinheiten die sofortige Transformation der Stellung durch 36…cxb4 vorschlägt, während Houdini diesen Zug noch nicht einmal unter seinen Top 5 führt. Und wer hat nun Recht – sofern man das überhaupt sagen kann? Ich griff Fritz‘ Vorschlag auf, ließ Schwarz auf b4 nehmen und kam nach wenigen Zügen, über die beide Engines sich einig waren, zu folgender Stellung:

"Fritz"-Analysebildschirm bei Spassky-Simagin
„Fritz“-Analysebildschirm bei Spassky-Simagin

Hier ließ ich die Engines wiederum eine Stunde rechnen, und siehe da, Houdini schwenkte auf die Linie von Fritz ein und sah Schwarz nun ebenfalls merklich im Vorteil. Achtungserfolg für Fritz, aber ich betone noch einmal, dass ich damit keinerlei Aussage über die Spielstärke oder Analysefähigkeit der Engines treffen möchte. Für den normalsterblichen Schachspieler sind beide sicherlich absolut erste Wahl.

„Freund“-Modus passt sich dem Menschen an

Das Spiel gegen Fritz hat angesichts der Spielstärke heutiger Computer nur noch den Charakter eines Trainings: Eine Chance hat man als Mensch (vielleicht von Magnus Carlsen und wenigen Anderen abgesehen) sowieso nicht mehr. Umso wichtiger ist es heute, dem Menschen nicht die Lust am Spiel zu verderben, ihm also eine Chance zu lassen. Bereits seit langem beinhaltet Fritz den „Freund“-Modus, der sich der Stärke des menschlichen Partners anpasst. Nun lässt Fritz auch eine Signallampe leuchten, sobald er einen Fehler einstreut (im folgenden Screenshot ließ Sf3-d2 natürlich den Figurengewinn durch …f5-f4 zu).

Die blinkende Lampe am unteren Rand weist auf den taktischen Fehler hin
Die blinkende Lampe am unteren Rand weist auf den taktischen Fehler hin

Auf Grund der Ergebnisse aus diesen Partien berechnet das Programm eine Wertungszahl des Menschen für die verschiedenen Partiephasen:

Auswertung zweier Freundschaftspartien. Offensichtlich gibt es noch Steigerungspotential...
Auswertung zweier Freundschaftspartien. Offensichtlich gibt es noch Steigerungspotential…

Wie aussagekräftig diese Statistik nun ist, muss jeder für sich entscheiden, denn logischerweise sagt eine schwache Wertungszahl im Mittelspiel noch nicht viel aus (hat man taktisch gepatzt oder eine strategische Stellung misshandelt?).

Trainingsfunktionen bei „Fritz 15“

Die Trainingsfunktionen von Fritz sind zahlreich. An neuen Elementen ist mir besonders das Rechentraining aufgefallen, wo – analog zur praktischen Partie – die Variante im Kopf berechnet werden muss. Die Züge werden per Maus eingegeben, auf dem Bildschirm aber nicht angezeigt.

Stellung der Partie Bowdler-Philidor, London 1788. Na, wie war denn gleich noch mal die Variante nach Sxh7?
Stellung der Partie Bowdler-Philidor, London 1788. Na, wie war denn gleich noch mal die Variante nach Sxh7?

Nach Beendigung des Trainings nimmt das Programm eine Bewertung der Berechnung vor.

Ein weiteres nettes Feature ist die Vorgabepartie:

Auch wenn ein Mehrbauer (oder auch mal ein -springer?) gegen Fritz noch lange keine Sieggarantie bedeutet, vermittelt er doch ein gutes Gefühl...
Auch wenn ein Mehrbauer (oder auch mal ein -springer?) gegen Fritz noch lange keine Sieggarantie bedeutet, vermittelt er doch ein gutes Gefühl…
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Für wen lohnt sich die Neuanschaffung des jüngsten, des 15. „Fritz“-Schachpaketes? Hier sehe ich die Zielgruppe diesmal nicht so sehr bei den „Profis“, die von Neuerungen bei früheren Versionen wie etwa der Cloud sicher eher profitierten als die Hobby- und Vereinsspieler. Doch gerade für diese stellt Fritz 15 etliche interessante neue Funktionen bereit, die für das Training eingesetzt werden können oder auch einfach nur Spaß machen. Wer nicht sowieso schon eine aktuellere Software aus dem Haus ChessBase besitzt, kann angesichts der Möglichkeiten, die der Playchess-Server und die Mediathek bieten, bei einem Kauf ohnehin nicht viel falsch machen.

Zum Schluss also wie immer die Gretchenfrage: Für wen lohnt sich die Neuanschaffung? Hier sehe ich die Zielgruppe diesmal nicht so sehr bei den „Profis“, die von Neuerungen bei früheren Versionen wie etwa der Cloud sicher eher profitierten als die Hobby- und Vereinsspieler. Doch gerade für diese stellt Fritz 15 etliche interessante neue Funktionen bereit, die für das Training eingesetzt werden können oder auch einfach nur Spaß machen. Wer nicht sowieso schon eine aktuellere Software aus dem Haus ChessBase besitzt, kann angesichts der Möglichkeiten, die der Playchess-Server und die Mediathek bieten, bei einem Kauf ohnehin nicht viel falsch machen. ■

Fritz 15, DVD-Schach-Software, ChessBase, ISBN 978-3-86681-483-7

Lesen Sie im Glarean Magazin auch über die neue Schach-DVD von ChessBase:
Fritz-Trainer Vol. 10 – Mikhail Botvinnik
Computerschach: Fritz 15 erschienen

Computerschach: Fritz Beginner Edition 2010

Systematische Beantwortung der Schachanfänger-Fragen

von Malte Thodam.

Wenn man das Schachspiel ohne Vorkenntnisse erlernen möchte, gibt es sofort eine Vielzahl von Fragen. Diese fangen schon bei den Regeln an, die nicht immer sicher beherrscht bzw. manchmal auf kuriose Art und Weise von Laien ausgelegt werden; auch die Gangart der Figuren erfordert etwas Erklärungsbedarf, hat so ein Springer doch etwas merkwürdige Bewegungseigenschaften, wenn er schlenkernd über alle Hindernisse auf dem Brett hinweg hüpft. Dann: Wann ist eine Partie remis, was ist Zugzwang, was bedeutet es, en passant zu schlagen, und wann ist der König patt? Und auch: Die verschiedenen Mattführungen mit unterschiedlichen Materialkonstellationen müssen erst erlernt werden, um eine fast gewonnene Partie zum Sieg führen zu können.
Wenn das alles verstanden worden ist, bleibt immer noch die Frage, wie man  sein Spiel überhaupt vom ersten Zug an anlegen soll. Wohin ziehen die Bauern und Figuren, damit ihre Aufstellung Sinn ergibt?

Die schwierigste Schach-Stellung: Die Anfangsstellung…

Für die Beantwortung all dieser Fragen von Menschen, die das Königliche Spiel erlernen möchten, hat Chessbase nun eine „Fritz Beginner Edition“ als DVD herausgebracht. In insgesamt ca. 10-stündigen Video-Lektionen werden die elementarsten Dinge auf den 64 Feldern für jeden Interessierten verständlich erläutert. Björn Lengwenus, Jugendtrainer und selbst spielstarker Amateur, beginnt sozusagen am absoluten Nullpunkt mit dem Schachbrett und führt den Novizen zu den Figuren und die ihnen anhaftenden Eigenschaften bis hin zu einem Minimum an für Anfänger gut spielbaren Eröffnungen (erklärt werden die grundlegenden Ideen einiger klassischer Eröffnungen wie beispielsweise Königsgambit, Italienisch oder Damengambit). Dabei weist er auch auf die wichtigsten Grundregeln für einen gelungenen Spielbeginn hin.

Die taktischen Motive und ihre Tücken

Gisbert Jacoby, ehemaliger Bundesligatrainer, zeigt danach allerhand taktische Motive bzw. deren Tücken. So wird klar, worauf im komplizierten Getümmel des Mittelspiels zu achten ist. Den Abschluss der Videoinstruktionen macht eine kurze Vorstellung elementarer Endspiele durch GM Karsten Müller. Hier werden die wichtigsten Mattführungen mit den verschiedenen Figuren gegen den einsamen König gezeigt. Gedeckte sowie entfernte Freibauern werden vorgestellt, wobei ihre Stärke vom Großmeister anschaulich verdeutlicht wird. Auch andere wesentliche Grundlagen des Endspiels wie Opposition und Dreiecksmanöver kommen nicht zu kurz – wobei Müller wie gewohnt recht schnell seinen Stoff vorträgt, so dass eventuell einmaliges Anschauen einer Videoeinheit dem Unerfahrenen noch nicht ausreicht, um alles zu verstehen, bzw. zu behalten.

Der Haupt-Screen der DVD mit seinen Verzweigungen zum „Trainer“, zum Online-Server und zu den Video-Sessions

Insgesamt werden viele typische Anfängerfehler gezeigt, so z.B. das Schlagen vergifteter Bauern in der Eröffnung oder mehrfaches Ziehen mit einer Figur. Die Konsequenzen solcher Fehler werden dem Lernenden dabei klar vor Augen geführt, so dass er sie von Anfang an in seinen eigenen Partien vermeiden kann. Dazu kann der Anfänger gegen „Fritz“ im Trainingsmodus antreten, wobei sich der Rechenknecht der eigenen Spielstärke anpassen lässt – wie bei Fritz eben üblich. Das Programm gibt in diesem Modus Hinweise, und Züge lassen sich zurücknehmen. Drei Monate Zugang auf dem Schach.de-Server – allerdings ohne Zugriff auf das Premium-Programm – runden die DVD ab; so kann der Schachneuling auch online erste Erfahrungen auf den 64 Feldern sammeln. Eine Datenbank mit über einer Million Partien bietet genügend Material, um von den Meistern zu lernen.

Gute und systematische Einführung für Anfänger

Fazit-Banner Glarean Magazin
Die Spitzenspieler G. Jacoby, K. Müller B. Lengwenus führen den unerfahrenen Schach-Novizen systematisch in die Regeln und grundlegenden Techniken des Schachspiels ein – von der Eröffnung bis zum Endspiel; die neue DVD aus dem Hause Chessbase begleitet den Anfänger auf seinen ersten Schritten ins Reich des faszinierenden Königlichen Spiels.

Wer mit dem Schachspiel beginnen, aber zunächst noch keine Bücher kaufen möchte, der ist mit dieser DVD gut beraten. Sie enthält alles Nötige, um die ersten Partien mit Erkenntnisgewinn bestreiten zu können. Und auch diejenigen, die nie ernsthafter Schach gespielt, aber hier und da aus Spaß bereits die Holzfiguren über das Brett geschoben haben, können nun auf neue und vor allem systematische Art mit dem Schachspiel beginnen. So steht dann auch später der Hinwendung zu komplexeren Bereichen des Schachspiels nichts mehr im Wege. ■

Chessbase/Lengwenus/Lengwenus/Müller/Fritz Beginner Edition 2010, DVD-Schach-Software

Lesen Sie im Glarean Magazin auch über einen Klassiker des Anfänger- und Schulschachs:
Rudolf Teschner: Schach in 40 Stunden
Computerschach: Fritz Beginner Edition 2010

Umfrage: Die beliebtesten Schachprogramme

Das eiserne Triumvirat: Fritz – Rybka – Shredder

von Walter Eigenmann

Über 5’000 Votes verzeichnete die große Schach-Umfrage, welche das „Glarean Magazin“ anfangs Oktober letzten Jahres gestartet hatte. Nun steht fest, welches aktuell die beliebtesten Schachprogramme sind.

Der zweimonatige, anonym durchgeführte Poll thematisierte dabei die vier Aspekte:

  • A) „Meine 3 Lieblings-Schach-Programme sind…“
  • B) „Ich benütze meine Schach-Software hauptsächlich für…“
  • C) „Meine 3 Lieblings-Schach-Oberflächen sind…“
  • D) „Ein Schachprogramm darf kosten…“

Dank einerseits verschiedener nationaler sowie zahlreicher regionaler Schach-Verbände, welche auf diese User-Befragung hinwiesen – wodurch weite Kreise des „Vereins-Schachs“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz angesprochen werden konnten -, aber auch zweitens aufgrund des hohen Interesses in der einschlägigen (Computer-)Schach-Szene im Internet erreichte diese „Schach-Volksabstimmung“ dabei nicht nur internationale Verbreitung weit über den deutschsprachigen Raum hinaus, sondern auch einen recht guten „Profile-Mix“ der teilnehmenden Schachspieler. Insofern dürfen die Ergebnisse der Befragung einige Repräsentanz beanspruchen, jedenfalls aber ist sie die zurzeit einzige Anwender-Konsultation mit dieser Thematik, die bislang mit solchem Umfang und in dieser Differenziertheit innerhalb der aktiven Schachwelt organisiert wurde.

Stichworte und Trens

Das
Das „Arena“-Interface von Martin Blume

Die folgenden Infos verstehen sich nicht als detaillierte Analyse, sondern beschränken sich auf ein paar Stichworte und auf die Trends, wie sie sich in den vier „Rankings“ zeigen. Darüber hinaus ist wie jede Umfrage auch diese viel zu grob, um ein differenziertes Bild der mittlerweile so unübersehbaren wie buntschillernden Computerschach-Welt zu zeichnen – ganz abgesehen von den veralteten und hier ausgeklammerten, aber in Nischen noch immer nostalgisch gepflegten Urahnen der Szene, nämlich den eigentlichen Schachcomputern.

Darüber hinaus ist sich der Autor natürlich bewusst, dass neben den zahlreichen gestellten Fragen noch viele andere Aspekte des Themas – Internet-Schach-Clients, Pocket-Programme, Anzahl Prozessoren u.a. – hätten integriert werden können, doch es galt, einigermaßen die Balance zwischen der Geduld der Votierenden einerseits und dem Anspruch auf Vollständigkeit andererseits zu finden…
An dieser Stelle sei nochmals ausdrücklich allen Schachspielern gedankt, die sich die Zeit nahmen, durch die vier Poll-Rubriken zu klicken!

A) Das Lieblingsprogramm: Rybka

Ein Viertel aller Voten entfiel bei der Frage nach den drei Lieblings-Schachprogrammen auf die Engine „Rybka“. Damit verdrängte, allerdings nur hauchdünn, diese zurzeit spielstärkste Software überraschend den jahrelang unumstrittenen Liebling der internationalen Schachszene, nämlich „Fritz“, auf den zweiten Rang. Ziemlich beliebt ist aber auch bzw. nach wie vor der Drittplatzierte „Shredder“.
Hinter diesem mittlerweile schon lange etablierten Triumvirat bereits deutlich abgeschlagen rangiert mit „Hiarcs“ das vierte kommerziell vertriebene Programm.

An der Spitze aller Freeware-Programme steht „Glaurung/Stockfish“, das sich sogar vor die beiden in der Computerschach-Szene seit Jahren bekannten und eher im englischsprachigen Raum verbreiteten, seinerzeit aber auch hierzulande  vielgesehenen kommerziellen Engines „Zappa“ und „Chessmaster“ schieben konnte.
Keine Rolle mehr im sich schnell drehenden Engine-Zirkus spielen offenbar solche einst klangvollen Namen wie „Spike“, „Pro Deo“, „Loop“, „Sjeng“ oder „Chess Tiger“. Andererseits kann sich ein Winboard-Dinosaurier wie „Crafty“ noch immer recht gut halten in der Gunst der schachspielenden Anwenderschaft.

Programm/Engine                      Votes1  Prozent2
01. Rybka                            406       25%
02. Fritz                            403       24%
03. Shredder                         322       19%
04. Hiarcs                            78        5%
05. Glaurung/Stockfish                69        4%
06. Zappa                             59        4%
07. Fruit/Toga                        51        3%
08. Chessmaster/TheKing               46        3%
09. Junior                            35        2%
10. Naum                              35        2%
11. Crafty                            30        2%
12. Bright                            18        1%
13. ProDeo                            18        1%
14. Thinker                           13        1%
15. Sjeng                             12        1%
16  Spike                             10        1%
(Weitere Nennungen: Loop, Genius, Hermann, Jonny, Goliath u.a.)
1(mindestens 10)        2(auf-/abgerundet)

B) Der Hauptzweck: Analyse der eigenen Partien

Die Analyse von eigenen Partien als wichtigster Verwendungszweck von Schachsoftware wurde von der überwältigenden Mehrheit (fast einem Drittel der insgesamt 1’505 Votes in dieser Rubrik) genannt – ein Umfrage-Ergebnis, das nicht erstaunt. Weit weniger häufig werden „Rybka“&Co. zur Begutachtung fremder Games eingesetzt (13%). Am dritthäufigsten trifft man das Spiel im Internet mittels Schachsoftware an.
Erstaunlich ist, dass zahlreiche Schachspieler noch immer persönlich gegen die 3000-Elo-Taktik-Aliens antreten (10%), während die relativ häufige Zuhilfenahme von Software beim Fernschach-Spielen nicht überrascht (9%).

Verwendungszweck                     Votes     Prozent
01. Analyse eigener Partien          450       30%
02. Analyse fremder Partien          199       13%
03. Spielen im Internet              195       13%
04. Spielen gegen den Computer       143       10%
05. Fernschach-Spielen               140        9%
06. Lösen von Schachproblemen         91        6%
07. Schachturniere unter Programmen   79        5%
08. Schachlernen oder -lehren         78        5%
09. Schachwissenschaftliche Zwecke    38        3%
10. Spielen auf dem Handy             33        2%
11. Schachhistorische Zwecke          26        2%
12. Schachturniere unter Menschen     20        1%.
(Weitere Nennungen: Schachprogrammierung, Eröffnungstheorie u.a.)

C) Die Lieblings-Oberfläche: „Fritz“

Das
Das „Scid“-Interface von Shane Hudson/Pascal Georges

Mit deutlichem Vorsprung erkürten die Abstimmer „Fritz“ zu ihrem Lieblings-Interface; über ein Drittel aller Votes hier vereinte das Chessbase-Flaggschiff auf sich. Am zweithäufigsten mit immer noch stattlichem Anteil von fast 20% wurde „Shredder“ gewählt, den dritten Rang nimmt die Freeware-Oberfläche „Arena“ ein.

Beachtlich ist, dass sich das noch relativ junge Schach-GUI „Aquarium“ von Convekta noch vor dem langjährigen und kostenlosen „Scid“ platziert, während der ebenso traditions- wie Feature-reiche „ChessAssistant“ offenbar nur eine marginale Rolle spielt; kaum mehr benutzt werden auch die kostenlos downloadbaren Interfaces „José“ und „Winboard“. Endgültig von der Bildfläche der Praxis verschwunden sind inzwischen GUIs wie „Chesspartner“/Lokasoft oder „ChessGenius“.

Programm/GUI                         Votes     Prozent
01. Chessbase/Fritz                  454       35%
02. Shredder                         242       19%
03. Arena                            157       12%
04. Chessbase/Datenbank              154       12%
05. Aquarium                          90        7%
06. Scid                              64        5%
07. Chessmaster                       41        3%
08. Winboard                          38        3%
09. ChessAssistant                    26        2%
10. Jose                              16        1%
(Weitere Nennungen: Chesspartner, ChessGenius u.a.)

D)  Wie teuer darf Schach-Software sein?

Auf die Frage, wie viel ein Schachprogramm kosten darf, ergab sich überraschenderweise ein recht hoher Anteil von Schachspielern, die relativ viel für solche Software zu investieren bereit sind, und etwa jedem siebten User ist der Preis egal, solange das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Als ungefährer Richtwert kann aber offenbar wohl von einem breit akzeptierten Preis eines Schachprogrammes von ca. 50 Euro ausgegangen werden. Nicht berücksichtigt wurde dabei die Frage des Preisunterschiedes von Single- und Multi-Prozessoren-Software.

Preis                                Votes     Prozent
01. 40-70 Euro                       227       36%
02. 20-40 Euro                       165       26%
03. Egal (bei gutem Preis-
    Leistungs-Verhältnis)             86       14%
04. 70-120 Euro                       52        8%
05. 10-20 Euro                        43        7%
06. 0 Euro                            36        6%
07. Über 120 Euro                     12        2%

(Weitere Nennungen: Bis 50 Euro, 1CPU=50 Euro, u.a.)

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Computerschach die große Umfrage: Schachspieler benützen welche Programme wie und wann?

… sowie über den Engine-Test Nightmare 2

Ausserdem im GLAREAN MAGAZIN: Nutzen und Schaden der Endgame-Tablebases

Umfrage: Die beliebtesten Schachprogramme

Computerschach: Fritz 12 erschienen

Schach-Paket „für die ganze Familie“

von Walter Eigenmann

Es war vor bald 20 Jahren, da geschah in der Hamburger Software-Firma Chessbase Einflussreiches für die Welt des Schachs. 1991 brachten der Physiker Matthias Wüllenweber, der Informatiker Mathias Feist, der Wissenschafts-Journalist Frederic Friedel und der Programmierer Frans Morsch eine Engine (inkl. User-Interface) auf den Markt, die sich anfänglich „Quest“ nannte, und die heute weltweit zum Synonym überhaupt für das gesamte Computerschach avanciert ist: „Fritz“.

"Fritz Twelve" - Das ganz grosse SchachprogrammIn den Schachvereinen landauf, landab ist, wie jeder aktive Spieler bestätigen kann, der Spruch längst in den Volksmund erhoben worden: „Muss ich mir zuhause mit Fritz anschauen!“ Denn professionelle Programmierung, breiteste Produkte-Palette und (last but not least) gerissene Marketingstrategien (bis hin zum Einbezug der großen nationalen Schachverbände und zum Sponsoring international-spektakulärer Man-vs-Machine-„Zweikämpfe“) haben dies Chessbase-Flagschiff zum unumstrittenen Software-Marktleader in der gesamten Schachwelt gemacht, auch wenn „Fritz“ als seinerzeit spielstärkste Engine inzwischen von anderen Programmen abgelöst wurde.
Seit einigen Wochen feiert nun „The World’s Leading Chess Software Company“ (Washington Post) das Dutzend-Jubiläum ihrer wohl einträglichsten DVD: „Fritz Twelve“ ist erschienen.

Die neue "Fritz 12"-Oberfläche mit Notationsfenster, Uhr, Bewertungsprofil, Engine-Output und Messungsanzeiger
Die neue „Fritz 12“-Oberfläche mit Notationsfenster, Uhr, Bewertungsprofil, Engine-Output und Messungsanzeiger

Trendig auf den Schach-Markt hin programmiert

Wie trendig Chessbase auch nach fast 20 Jahren noch immer auf den Markt hin programmiert, wie smart die Leute um Chessbase-Chef Wüllenweber den Mainstream lesen, umsetzen und vermarkten, zeigt sich dem Anwender augenblicklich nach der „Fritz“-Installation. Nicht mehr das altvertraute, mittlerweile etwas verstaubte, teils eher unübersichtliche Outfit der Fritze 5 bis 11 blickt einem da entgegen, nun dominiert den Monitor der von Bill Gates‘ Microsoft weltweit unlängst zum Quasi-Standard erhobene und inzwischen weitgehend etablierte „Office-07“-Look des sog. „Ribbon-Menu-Controllings“:

Fritz nun auch im "Office-07"-Look des sog. "Ribbon-Menu-Controllings"
Fritz nun auch im „Office-07“-Look des sog. „Ribbon-Menu-Controllings“

Microsoft-„Office“ lässt grüßen

Ein so bekannt Feature-reiches Schachprogramm wie „Fritz“ tut gut daran, seine vielfältigen Menüs möglichst kompakt und sinnvoll strukturiert zu verpacken; insofern ist nur zu begrüßen, dass Chessbase auf diese neue Windows-„Vorgabe“ aufgesprungen ist. Die GUI macht einen sichtlich aufgeräumteren, hierarchisch klaren Eindruck, es lässt sich unter dieser Multifunktionsleiste – nach der unvermeidlichen Einarbeitungszeit – jetzt eindeutig flotter hantieren. (Auch wenn man halt anfänglich ein paar Mal vergeblich – wie jahrelang gewohnt – auf F10 statt auf F11 drückt, bis die neue Partie der Datenbank erscheint…) Diese kräftig geliftete, nun sehr kompakt wirkende, farblich beeinflussbare Anordnung aller Fritz-Funktionen und -Steuerelemente wertet das aktuelle Interface zweifellos auf.

Die neuen „Messgeräte“

Riecht die Stellung nach einem Matt? Der "Matt-o-Meter" in "Fritz 12" zeigt's an...
Riecht die Stellung nach einem Matt? Der „Matt-o-Meter“ in „Fritz 12“ zeigt’s an…

Das rundum aufgefrischte Outfit ist sicher die wichtigste Novität des zwölften „Fritz“, besonders augenfällig sind aber auch zwei neue Features: Der sog. „Schärfemesser“, dessen Grafik anzeigt, ob die gerade gespielte Partie in taktisch ruhigen oder eher kombinationsreichen Gewässern fährt, sowie das „Matt-o-Meter“, das (ebenfalls via Armaturen-Zeiger) dokumentieren soll, ob die Stellung etwa gar nach Matt „riecht“ (Bild links).
Kenntnisreiche bzw. erfahrene Anwender mögen solche GUI-Spielereien mit einigem Recht als verzichtbare Kinkerklitzchen abtun, doch Schach-(Software-)Newbies können derartige Accessoires durchaus hilfreich-informativ zur Seite  stehen, wenn’s darum geht, abstrakte schachliche Zusammenhänge plastisch-real rüberzubringen.

Professionelle Grafik

Der dreidimensionale Laserstrahl des "Magischen Auges" visualisiert die Rechenvorgänge von Fritz 12
Der dreidimensionale Laserstrahl des „Magischen Auges“ visualisiert die Rechenvorgänge von Fritz 12

Ebenfalls weniger für die Großmeister-Szene denn für die abertausend gewöhnlichen Schach-Sterblichen wurden die meisten übrigen, teils äußerst ästhetischen, wenngleich ein betont leistungsfähiges Hardware-Equipment voraussetzenden Grafik-Ingredienzen dieses Schach-Pakets entwickelt. Da wären (nach wie vor) zu nennen das „Magische Auge“, ein dreidimensionaler „Laserstrahl“, der optisch verblüffend die Rechenvorgänge des Programmes visualisiert; die realistisch gestalteten Schach-Räume wie z.B. die „Englische Bibliothek“ (Bild unten); oder etwa das „Chess-Media-System“ mit seiner schachlich integrierten Audio-&Video-Unterstützung.

Die Spielstärke des neuen Fritz

Es lassen sich unschwer Stellungen finden, die „Fritz 12“ weitaus besser liegen als seinen Vorgängern, was den Eindruck erwecken könnte, die Engine hätte bezüglich Spielstärke kräftig zugelegt. Um nur drei Exempel zu statuieren, bei denen die neue Engine mehr oder weniger sofort durchblickt, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Programmen:

Stellung 1 (Lloyd-Ling, CorrGame 2000)

Test-Stellung 1 ((Lloyd-Ling, CorrGame 2000)
Test-Stellung 1 ((Lloyd-Ling, CorrGame 2000)

17. 0-0-0 ! Sxd5 18. Lc4 S7b6 19. Txd5 Sxd5 20. Td1 Dxe6 21. Lxd5 Dxd5 22. Txd5 +-

Stellung 2 (Napolitano-Kjellander, CorrGame 1956)

Test-Stellung 2 (Napolitano-Kjellander, CorrGame 1956)
Test-Stellung 2 (Napolitano-Kjellander, CorrGame 1956)

20. h4!! gxh4 21. g4 Ld7 22. Th2 (Var) De7 23. g5 (mit Angriff)

.

Stellung 3 (Studie: Pospisil 2000)

Test-Stellung 3 (Studie: Pospisil 2000)
Test-Stellung 3 (Studie: Pospisil 2000)

1. c6!! c1=D 2. c7 Dc6 3. Le5 Ke2 4. Kb8 Db5+ 5. Ka7 Dc6 6. Kb8 Db6+ 7. Kc8 De6+ 8. Kb8 Db3+ 9. Ka7 Da3+ 10. Sa4 Dxa4+ 11. Kb7 (remis)

Wenn hier „Fritz 12“ also glänzt, so widersprechen diesem positiven Eindruck allerdings sämtlichen anderen Testergebnisse, wie sie die einschlägige Computerschach-Szene über die neueste Engine bislang gesammelt hat. Diesen Messungen zufolge dürfte „Twelve“ bezüglich seiner Turnier-Performance in etwa gleich stark wie der Vorgänger sein; leider keine signifikante Verbesserung also. Damit entfällt für so manchen Computerschach-Freund ein ganz wesentliches Kaufargument.

99,99 Prozent aller Schachspieler chancenlos gegen Fritz 12

Wer darüber jedoch nun in Wehklagen ausbricht, der klagt auf extrem hohem Niveau. Denn ob der allgemeinen Diskussion über vermeintliche oder tatsächliche „Spielstärke“ vergisst man leicht, dass Fritz 12″ und mit ihm zahlreiche andere Programme inzwischen 99,99 Prozent aller Schachfreunde weltweit chancenlos lassen, und für die allermeisten Turnierspieler bis hinauf zum Großmeister stellt sich heutzutage allenfalls die Frage, ob sie von „Fritz 12“ in 35 Zügen oder von noch stärkeren Engines bereits in 30 Zügen besiegt werden…

Üppige Grafik, ästhetische Schach-Räume, aber auch Ressourcen-Fresser: Die "Englische Bibliothek" in "Fritz 12"
Üppige Grafik, ästhetische Schach-Räume, aber auch Ressourcen-Fresser: Die „Englische Bibliothek“ in „Fritz 12“

 

Die "Vollautomatische Partien-Analyse" inkl. Erläuterungen
Die „Vollautomatische Partien-Analyse“ inkl. Erläuterungen

Dies dokumentiert übrigens eine weitere, bereits mit „Fritz 11“ eingeleitete konzeptionelle Ausrichtung dieser Chessbase-Software, nämlich die offensichtlich endgültige Verabschiedung vom jahrelang als sakrosankt definierten Diktat der Performance-Progression. Einfacher gesagt: Fritz scheint nicht mehr in die Tiefe, sondern in die Breite gesteuert zu werden. „Breite“ durchaus auch im Sinne von Breitensport; nicht mehr für die „Engine-Freaks“ programmiert man in Hamburg, sondern „für die ganze Familie“; es soll offensichtlich für den Schachspieler jeder Couleur etwas dabei sein.
Ob Chessbase damit der Not gehorcht – sprich: das programmiertechnische Knowhow erschöpft ist – oder dem eigenen Triebe, darüber darf man spekulieren. Fest steht, dass das schachliche „Drumherum“ des Software-Paketes „Fritz“ nach wie vor seinesgleichen sucht, auch in der kommerziellen Szene. Die integrierten Fritz-Highlights sind geläufig:

Die speziellen „Fritz“-Highlights

Umfangreiche Partien-Datenbank: Die aktuell mitgelieferte CBH-Sammlung umfasst nun 1,5(!) Millionen Partien, und zwar hochwertig komponiert mit zahllosen Themen-, Taktik-, Endspiel- und Eröffnungsschlüsseln. Hinzu kommt ein qualitatives „Opening Book“ aus der Großmeister-Praxis mit diversen Statistik-Komponenten
Diverse Trainings-Optionen: Auch in den neuen Fritz wurde wieder eine Fülle an Features reingepackt wie mehrstündige Videolektionen, automatische Spielstärke-Anpassung, Handicap- und Coach-Optionen, Eröffnungsstatistik, Zugerklärung, verschiedene Traningsmodule, automatische Partien-Analyse, diverse Sparring-Funktionen etc.
Multimediale Komponenten: Sprache und Musik sind abermals aufgepeppt worden, ebenso die Sprüche-„Kommentare“ des Kabarettisten Matthias Deutschmann, die integrierte Text-Partiekommentierung, sowie (wie erwähnt) eine Fülle sehr attraktiver „Raum“-Graphiken und (3D-)Brett-Outfits. Nebenbei interessant mag außerdem für entsprechende Liebhaber sein, dass „Fritz“ die Schach-Derivate „Chess 960“ und „Räuberschach“ für das exotische Spiel zwischendurch offeriert.
Schach-Server-Zugang: Sie ist das ganz besondere Aushängeschild von Fritz, diese Live-Plattform http://www.schach.de, deren einjähriges Gratis-Abo ein „Fritz“-Käufer automatisch erhält. Neu gibt’s nun noch einen Premium-Account obendrauf: Ohne weitere Verpflichtung oder Kosten lassen sich jetzt auf dem „weltgrößten Schachserver“ (Chessbase) exklusvie Audio-Kommentare bei Spitzenturnieren, Live-Trainings-Events, Großmeister-Simultane und Schach-TV-Sendungen genießen.

Erfolgreiches Rundum-Paket

Chessbase-Geschäftsführer Matthias Wüllenweber
Chessbase-Geschäftsführer Matthias Wüllenweber

Fazit: „Fritz“ hat sich, mit seiner ganzen Unmenge an graphischen Accessoires – ganz zu schweigen von der inzwischen fast unüberblickbaren Vielfalt an direkt kompatiblen weiteren DVD-/CD-Produkten aus allen denkbaren Schach-Sparten -, mit seinem Multimedia-Equipement, mit seinem ständig wachsenden Analyse-Werkzeugkasten und mit seinem umfangreichen Online-Service längst vom „Experten“ wegentwickelt, hin zum vielfältigen Schach-Paket quasi „für die ganze Familie“, bei dem für absolut jeden was dabei ist, sei er nun Newbie oder Meisterspieler. Schön auch, dass nun endlich einige bekannte kleine „Fritz“-Schönheitsfehler abgestellt wurden; z.B. lässt sich jetzt nach Neustart mit exakt jenen Fenstern weiterarbeiten, die vor dem Programm-Ende aktiv waren.
Kurzum, der Rezensent gesteht: Müsste er sich heute entscheiden, welches Schachprogramm er auf die berühmt-berüchtigte „einsame Insel“ mitnähme, seine Wahl fiele ihm relativ leicht.
Mit dieser Entscheidung stünde er allerdings nicht alleine: Die kürzlich gestartete, großangelegte Umfrage des „Glarean Magazins“ bezüglich GUI-Präferenz unter den Schachspielern spricht bereits jetzt, lange vor Abschluss des Polls, eine überdeutliche Sprache: Auf „Fritz“ entfielen bis heute mehr als 400 Votings – doppelt so viele wie  auf die zweitbeliebteste Oberfläche, nämlich jene von „Shredder„.
Es scheint also einiges darauf hinzudeuten, dass „Fritz“ auch zukünftig bleibt, was er von Anfang an war: Volkes Stimme in Sachen Computerschach. ■

Chessbase / Hamburg: Fritz Twelve, DVD-Schach-Software, ISBN 978-3-86681-133-1

So spielt der neue Fritz

Fritz 12 – Stockfish 1.5 JA
15Min./Engine (DualCore/5moves-Book – 2009) [E10]

1.Sf3 c5 2.c4 Sf6 3.d4 e6 4.d5 b5 5.dxe6 fxe6 6.cxb5 d5 7.Lg5 Le7 8.e3 a6 9.Sc3 c4 10.bxa6 Db6 11.Tb1 Sc6 12.Le2 0-0 13.0-0 Dxa6 14.Sd4 Lb4 15.Lxf6 Txf6 16.e4 dxe4 17.Sdb5 Db6 18.Lxc4 Tg6 19.a3 Le7 20.Tc1 e3 21.Sd6 Ld7 22.fxe3 Se5 23.Sf5 Lg5 24.Sd5 Dd8 25.h4 Kh8 26.hxg5 exf5 27.Sf4 Tc6 28.Dd4 Sxc4 29.Txc4 Dxg5 30.Ta4 Td8 31.Ta7 Lc8 32.Txg7 Txd4 33.Txg5 Td2 34.e4 h6 35.Tg3 Txb2 36.Sg6+ Kh7 37.exf5 Tbb6 38.Se7 La6 39.Sxc6 Lxf1 40.Kxf1 Txc6 41.Kf2 Ta6 42.Ke1 Ta4 43.f6 Tf4 44.Tf3 Te4+ 45.Kd2 Kg8 46.f7+ Kf8 47.Kc3 h5 48.g3 Ta4 49.Kb3 Te4 50.a4 Te5 51.Kc3 Te4 52.a5 Te5 53.Kb4 Te4+ 54.Kc5 Te5+ 55.Kb6 1-0

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Computerschach auch das Interview mit dem Schachprogrammierer Stefan Meyer-Kahlen
Computerschach: Fritz 12 erschienen