Ursula Caberta: Schwarzbuch Scientology (Report)

Der Psychoterror der Scientology-Sekte

von Walter Eigenmann

Ursula Caberta: Schwarzbuch Scientology, 208 Seiten, Gütersloher VerlagshausSeit es die international wuchernde „Scientology-Church“ gibt, steht sie bei Sekten-Kennern im Verdacht, systematisch Gehirnwäsche und Psychoterror auszuüben. (Der Hamburger Verfassungsschutz redet gar von Scientology als einer „extremistischen Organisation„).
Nun packt die „Scientology“-Expertin Ursula Caberta aus und enthüllt eine Fülle von teils erschütternden Fakten über diese umstrittene Organisation.
Angesichts einer zunehmenden Verharmlosung der „Scientology“ in unserer Gesellschaft gerade auch durch Prominente und andere Lobbyisten eine notwendige Aufkärung, deren vielen Recherchen den Tarn-Schleier über einer weltweit operierenden Sekte lüftet.

Falsche Propheten und elterliche Ignoranz

Anhand zahlreicher Beispiele wird gezeigt, was falsche Propheten und elterliche Ignoranz anrichten können. Wichtige Praxis-Tipps ermöglichen es Eltern, Pädagogen und allen in Jugend- und Sozialarbeit Tätigen, Probleme zu erkennen und Lösungen zu erarbeiten.
Ursula Caberta, u.a. Leiterin der Hamburger Landes-Jugendbehörde, gehört zu den dokumentiertesten Kennerinnen der deutschen Sekten-Szene und befasst sich seit Jahren mit den Demokratie-feindlichen Auswüchsen der weitgehend im Verborgenen agierenden Scientologen.

Ursula Caberta: Schwarzbuch Scientology, 208 Seiten, Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3579069746

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema auch über
P. Maset: Wörterbuch des technokratischen Unmenschen

… sowie zum Thema Gesellschaft und Demokratie über
Beat Ringger: Die Zukunft der Demokratie

Jürg Seiberth: Musik und Schule (Ein Pamphlet)

Die Musik braucht die Schule nicht!

Ein Pamphlet von „Pantalone“ 

Es mag paradox klingen, aber den Jugendlichen ist die Musik so wichtig, dass sie es nicht ertragen, wenn die Schule sie vereinnahmt. Deshalb wird die Schulmusik nicht ernst genommen, das ist die Krise der Schulmusik. –
Pantalone* ging skeptisch an den Anlass, dessen Thema die Schweizer Volksinitiative „jugend+musik“ war. Musik ist  doch ein Allerweltsthema. Alle würden sich auf die Schultern klopfen. Wer hat denn etwas gegen Musik?

Jürg Seiberth
Jürg Seiberth

Aber die Veranstaltung war gut. Es gab Harfenmusik, schön, fein, aber auch ein wenig neckisch und stachlig. Pantalone wurde es warm ums Herz. Musik ist die Grundlage aller Poesie. Schön auch, dass es in der Schweiz diese Initiative gibt, und dass die Schweizer  in den nächsten Monaten weiter über Musik diskutieren werden. Niemand ist gegen Musik, solange es nicht an die Ressourcen geht, ans Geld und an die Zeit.

Musikunterricht an der Volksschule wird marginalisiert

Zum Beispiel an die Schulzeit. Der Musikunterricht an den Schulen wird marginalisiert, ihr Gewicht in der LehrerInnenausbildung nimmt ab. Hector Herzig, der Präsident des Verbandes Musikschulen Schweiz, lieβ sich zur Aussage hinreiβen, wenn Musikerziehung derart vernachläβigt werde, müsse man sich nicht wundern, wenn die pubertierende Jugend „keine Affinität zur Musik“ habe.
Da musste Pantalone intervenieren: In keinem Lebensalter ist die Affinität zur Musik gröβer als in der Pubertät. Die Krise des Musikunterrichts hat ihre Ursache nicht darin, dass sich die Jugend nicht für Musik interessiert. Im Gegenteil, Musik ist das wichtigste im Leben der Jugendlichen. Pantalone vermutet, dass das schon in der Steinzeit so war, und er ist sicher, dass es heute so ist.

Musik soll neben der Schule stattfinden!

Merkwürdig findet Pantalone, dass es Leute gibt, die denken, die Musik sei auf die Schule angewiesen. Es mag paradox klingen, aber den Jugendlichen ist die Musik so wichtig, dass sie es nicht ertragen, wenn die Schule sie vereinnahmt. Pantalone ist überzeugt: So wichtig es ist, dass die Musik ihren Platz in der Primarschule hat, für die SekundarschülerInnen muss die Musik hauptsächlich neben der Schule stattfinden, im Kreis von Freunden, in der Disco, im Bandkeller, und vor allem auch in den Musikschulen.

Die Musikschule wiederum tut gut daran, sich von der Schule zu distanzieren. In der Musikschule passiert nicht das gleiche wie in der Schule. Deshalb sind auch private Musikschulen (z.B. die Basler Musikwerkstatt) so beliebt und so erfolgreich. Die pubertierenden Jugendlichen suchen Musik und sie suchen Menschen, die sie in die Geheimnisse der Musik einweihen, aber sie suchen das alles nicht in der Schule.

Vielleicht braucht die Schule die Musik, die Musik braucht die Schule nicht. Die Musik braucht auch keine Lobby, aber die Lobby braucht offenbar die Musik. Pantalone ist natürlich für die Initiative, denn wie gesagt: Musik ist die Grundlage aller Poesie. Aber Musik ist nicht primär ein Schulthema. Es geht um Menschen und um Musik. Die Musikausbildung, das Musizieren, das Musikhören kann und muss auch und vor allem auβerhalb der Schule massiv gefördert werden. ♦


*Pantalone
ist eine „Maske“ von Jürg Seiberth, geb. 1955, freier Autor und Texter, Hobbymusiker und Musikschulrat, lebt in Arlesheim. „Die Musik braucht die Schule nicht“ erschien zuerst in seinem Weblog Pantalones Poetik – Mit freundlicher Genehmigung des Autors

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema „Musik und Gesellschaft“ auch über
Ursula Petrik: Die Leiden der Neuen Musik

… und über die Musikphilosophischen Kernfragen im neuen
„Dissonanz“-Heft (Nummer 98-2007)

A. Meddeb: Die Krankheit des Islam (Islamismus-Kritik)

Mutige Analyse des islamistischen Fanatismus

von Walter Eigenmann

„Das spektakuläre Attentat vom 11. September 2001, das die Vereinigten Staaten ins Herz traf, ist ein Verbrechen. Ein Verbrechen, begangen von Islamisten, Höhepunkt einer Serie von Terrorakten mit stetig ansteigender Kurve, die nach meinem Dafürhalten im Jahr 1979 beginnt, mit dem Triumph Khomeinis im Iran und dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan. Beides waren Ereignisse mit weitreichenden Folgen, welche die fundamentalistischen Bewegungen stärkten und ihnen dabei halfen, ihre Ideologie zu verbreiten. Wenn man begreifen möchte, wie diese Ideologie entstanden ist, muss man sich weit zurück in die Vergangenheit begeben.“

Plädoyer für einen toleranten Islam

Islamismus-Literatur Abdelwahab Meddeb - Die Krankheit des Islam - Cover - Glarean MagazinSo beginnt „Die Krankheit des Islam“, ein passioniert geschriebenes Plädoyer des Islam-Experten und Schriftstellers Abdelwahab Meddeb (geb. 1946 in Tunis) für einen „neuen“ Islam. Die höchst kenntnisreich, von Humanismus durchdrungene, historisch detaillreich grundierte Abhandlung streitet einerseits durchaus für die alte Tradition der Toleranz im Islam, schonunglos werden aber auch die (religiösen und soziologischen) Wurzeln jener islamistischen Selbstzerstörung offengelegt, welche zum Fundamentalismus und zum Fanatismus führen.

 Islam muss sich der Aufklärung stellen

Fazit-Banner - Glarean Magazin
Die höchst kenntnisreich, von Humanismus durchdrungene, historisch detaillreich grundierte Abhandlung streitet einerseits durchaus für die alte Tradition der Toleranz im Islam, schonungslos werden aber auch die (religiösen und soziologischen) Wurzeln jener islamistischen Selbstzerstörung offengelegt, welche zum Fundamentalismus und zum Fanatismus führen. Ein mutiges Buch; Wen diese immer brennendere Thematik genauer interessiert, liest es mit Gewinn.

Das Credo Meddebs: Der Islam muss sich der Herausforderung der Aufklärung stellen. „Es gehört zu den Aufgaben des Schriftstellers, die eigenen Leute auf ihre Verirrungen aufmerksam zu machen. Ich möchte sozusagen vor der eigenen Tür kehren“, formuliert der Autor die tiefere Intention seiner jüngsten, international mehrfach preisgekrönten Abhandlung.

Abdelwahab Meddeb - Die Krankheit des Islam - Glarean Magazin
Abdelwahab Meddeb

Der Band ist in vier große Teile gegliedert: 1. „Der Islam hat den Machtverlust nicht verkraftet“; 2. „Genealogie des Fundamentalismus“; 3. „Fundamentalismus kontra Okzident“; 4. „Der Ausschluss des Islam durch den Westen“.
Ein mutiges Buch. Wen diese immer brennendere Thematik genauer interessiert, liest es mit großem Gewinn.

Abdelwahab Meddeb: Die Krankheit des Islam, Unionsverlag, 252 Seiten, ISBN 978-3-293-20396-9

Lesen Sie im GLAREAN MAGAZIN zum Thema Islamismus auch über den Roman von
Shahriar Mandanipur: Eine iranische Liebesgeschichte zensieren