50-Euro-Musik-Kreuzworträtsel (September 2018)

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Der neue Schwedenrätsel-Spaß

Auch der jüngste Buchstaben-Puzzle-Spaß in der „Glarean“-Reihe 50-Euro-Kreuzworträtsel bietet Musikamateuren wie -kennern eine Herausforderung in Sachen Rätselbegriffen aus der gesamten Welt der Musik, vom Madrigal bis zum Rock, von Orlando di Lasso bis zu Boris Blacher, vom Schlager bis zum Jazz.

Mitmachen ist ganz einfach:

  1. Nachstehende PDF-Datei ausdrucken (oder PDF hier downloaden)
  2. Ausfüllen & scannen oder photographieren
  3. Grafik im jpg- oder png-Format einsenden an:
    glarean.magazin[ät]gmail.com

 

Musik-Kreuzworträtsel-September-2018 - Aufgaben

Der(Die) erste Einsender(in) aller richtigen Lösungen erhält 50 Euro überwiesen (bitte keinen Nicknamen, sondern realen Vor-/Nachnamen angeben).  – Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Einsende-Schluss ist am 4. Oktober 2018 (13 Uhr). ♦

Knobeln Sie im Glarean Magazin auch das
Musik-Kreuzworträtsel vom April 2018

Michael Hofmeister: Alexander Ritter (Musiker-Biographie)

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Wundervolle Geschichte zwischen uns allen

von Günter Nawe

Kennen Sie den Komponisten Alexander Ritter? Wenn nein, dann können Sie diesen nicht unbedeutenden Komponisten jetzt kennen lernen. Dies ist nicht zuletzt ein Verdienst von Michael Hofmeister, der sein Dissertationsthema diesem Musiker zwischen Richard Wagner und Richard Strauss gewidmet hat.

Michael Hofmeister Alexander Ritter – Leben und Werk eines Komponisten zwischen Wagner und Strauss - Rezension Glarean MagazinAlexander Ritter, 1833 in Narva geboren, 1896 in München gestorben, hat in Dresden schon sehr früh Richard Wagner kennen gelernt, stand später mit ihm im regen Briefkontakt. Er studierte in Leipzig Violine bei Ferdinand David, lernte bereits 1844 Franz Liszt kennen. Ritter gehörte zum Kreis von Peter Cornelius und Joachim Raff; er war Violinist in der Weimarer Hofkapelle. 1854 heiratete er Franziska Wagner, eine Nichte von Richard Wagner. Nach Engagements als Geiger und Dirigent in Stettin, Würzburg und Chemnitz wurde er 1882 unter Hans von Bülow Konzertmeister an der Meininger Hofkapelle. In Meiningen lernte er auch Richard Strauss kennen, der später in seinen Erinnerungen schreiben sollte, dass Ritter „entscheidenden Ausschlag für meine zukünftige Entwicklung“ haben sollte. 1886 finden wir Alexander Ritter in München, wie er sich um die Förderung junger Komponisten kümmerte.

Illustrer Komponisten-Freundeskreis

Michael Hofmeister widmet sich in seiner Dissertation, die nun als Buch unter dem Titel „Alexander Ritter – Leben und Werk eines Komponisten zwischen Wagner und Strauss“ (erschienen als „Wagner Kontexte“ Band 1 im Tectum Verlag) nicht nur ausführlich der Biographie des Komponisten. Er geht auch ebenso ausführlich auf die Beziehungen Ritters u. a. zu Richard Wagner ein.

Alexander Ritter (4. von rechts) im Freundeskreis seines Vorbildes Richard Wagner: u.a. Hans von Bülow, Friedrich Uhl, Richard Pohl, H. v. Rosti, A. de Gasperini, Adolf Jensen, Felix Draeseke, Leopold Damrosch, Heinrich Porges, Michael Moszonyi
Alexander Ritter (4. von rechts) im Freundeskreis seines Vorbildes Richard Wagner: u.a. Hans von Bülow, Friedrich Uhl, Richard Pohl, H. v. Rosti, A. de Gasperini, Adolf Jensen, Felix Draeseke, Leopold Damrosch, Heinrich Porges, Michael Moszonyi

In einem kleinen Exkurs „Eine wundervolle Geschichte zwischen uns allen“ beschreibt Hofmeister zum Beispiel die Beziehungen zwischen dem Exilanten Wagner und der Familie Ritter. Später wird er auch auf die engen Beziehungen zu Richard Strauss eingehen. Beziehungen, die nicht immer von Dauer sind. So wird sich Richard Strauss später von Ritter abwenden. Es wird „alte und neu Freunde“ im Leben des Alexander Ritter geben: Hans von Bülow und Peter Cornelius, Hermann Levi, Clara und Robert Schumann.

Ein Leben zwischen Erfolg und Resignation

Es war ein Leben zwischen Erfolg, Scheitern und Resignation, das uns Michael Hofmeister in seiner großartigen Studie nahe bringt. Er schließt eine Lücke in der Wagner- und Strauss-Forschung, indem er sich diesem Komponisten widmet, der als sich als Verfechter einer neudeutschen Musikrichtung zeigte. Womit wir beim Werk wären, das Hofmeister ausführlich beschreibt und deutet. Interessant ist dies um so mehr – und damit ein besonderes Verdienst dieser Dissertation – als wir sein Werk leider nicht hören können. Zitat Herbert Rosendorfer: „Die Qualität Ritterscher Werke kann heute nicht beurteilt werden, weil sie nie zu hören sind“. Es gibt keine Tonträger mit Kompositionen von Ritter. In Parenthese: Vielleicht findet sich aber jetzt ein Label, das sich des Werks dieses interessanten Komponisten annimmt.

Ritters musikgeschichtliche Stellung ergibt sich durch die Einflüsse von Wagner und Liszt auf seine Werke. Dazu Hofmeister: „Aus seinen Werken sprechen eine Ernsthaftigkeit und ein Gestaltungsdrang, mit denen er um eigenständige Lösungen ringt – und seien es eigenständige Formen der Adaption […] Klug suchte und schuf er sich daher bewältigbare Formen und fand etwa im Lied eine angemessene Ausdrucksmöglichkeit.“

FAZIT: Der Komponist Alexander Ritter – eine Entdeckung. Nicht nur gehört er als Person und Musiker in die Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts. Er ist auch als Komponist zwischen Richard Wagner und Richard Strauss wahrzunehmen. Michael Hofmeisters opulentes Werk, seine Auswertung aller verfügbaren Quellen ermöglicht interessante Einblicke in ein völlig vergessenes Werk.

Entdeckungswürdiger Komponist

Es sind weitestgehend Klavierlieder, die Alexander Ritter komponierte – auf Texte von Heinrich Heine, Nikolaus Lenau, Joseph von Eichendorff und andere. Es gibt zwei Opern-Einakter von ihm: „Der faule Hanns“ (1878 nach einer Erzählung von Felix Dahn) und „Wem die Krone (1889). Und es gibt eine Reihe von Chorwerken und solistischen Vokalwerken. Michael Hofmeister liefert dazu ausreichend Material und Notenbeispiele. Auch zu den Orchesterwerken wie „Erotische Legende“ für großes Orchester oder „Charfreitag und Frohnleichnam“ (Zwei Orchesterstücke für großes Orchester). Werke, die noch ganz in der Tradition verwurzelt sind und sich doch nach und nach zur modernen sinfonischen Dichtung entwickelten.
So ist diese Dissertation, diese dickleibige Monographie des Michael Hofmeister ein durchwegs interessantes, zudem gut lesbares Buch. Und die Hauptfigur Alexander Ritter in der Tat eine Entdeckung. ♦

Michael Hofmeister: Alexander Ritter – Leben und Werk eines Komponisten zwischen Wagner und Strauss, 806 Seiten, Tectum Verlag, ISBN 978-3-82884138-3

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Musiker-Biographien auch über
Arno Stocker: Der Klavierflüsterer

Weitere Internet-Artikel zum Thema Alexander Ritter:

Musik-Zitat der Woche von Alexander Köhler

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Stirbt die klassische Musik aus?

Alexander Köhler

So zumindest könnte eine Vermutung lauten, wenn man sich in der Landschaft der sogenannten klassischen Musik umschaut. Mit „klassischer Musik“ ist hier nicht der musikwissenschaftliche Epochenbegriff der Klassik, sondern vielmehr eine Zusammenfassung der sogenannten E-Musik gemeint. Darunter gefasst werden sowohl Instrumental- als auch Vokalmusik der verschiedensten Epochen.
In den meisten Konzert- oder Opernaufführungen sind junge Menschen eine Ausnahme. Das Hören von klassischer Musik scheint im Alltag der Kinder und Jugendlichen keine wesentliche Rolle mehr zu spielen. So zumindest könnte man die verschiedenen Meinungen der meisten Schiller zum Thema klassische Musik interpretieren. Schüler hören in ihrer Freizeit heutzutage scheinbar keine klassische Musik. Auch die Elterngeneration der heutigen Schüler scheint sich klassische Musik kaum noch anzuhören. Der bewusste Kontakt mit klassischer Musik beschrankt sich daher mehr oder weniger auf die Vermittlung klassischer Musik im Rahmen des schulischen Musikunterrichts. Hier beschäftigen sich die Kinder und Jugendlichen dann allerdings auch eher gezwungenermaßen mit den verschiedenen Werken der klassischen Musik. Aus diesem Grund ist klassische Musik meist zusätzlich zum augenscheinlichen Desinteresse auch noch mit allerlei Vorurteilen, die Schule und den Musikunterricht betreffend, belastet. Klassische Musik gilt bei den Schülern als langweilige, veraltete Musik, die nur von Erwachsenen gehört wird und außerdem als Schulstoff im Musikunterricht in der Schule dient.

Alexander Köhler - Musikpädagoge - Glarean Magazin
Alexander Köhler

Die Kombination aus Desinteresse und Vorurteilen führt dann oft zu einer vollständigen Ablehnung dieser Musikrichtung bei den Kindern und Jugendlichen. Dass klassische Musik einen schweren Stand bei den Jugendlichen haben muss, lässt sich dabei an verschiedenen Beispielen und in verschiedenen Aussagen von Kindern und Jugendlichen zum Umgang und Kontakt mit klassischer Musik wiederfinden.

Als Beispiel soll hier eine Diskussion zur Präferenz von „klassischer Musik“ bei Jugendlichen im Internetforum „Yahoo-Clever“ angeführt werden. In diesem Chatgespräch werden verschiedene Positionen zur klassischen Musik im Leben der Jugendlichen deutlich. Unter anderem sind folgende Aussagen zu lesen:

  • Klassik, das ist Musik von vor hundert Jahren und für die heutige Zeit gibt es eben Musik von heute.
  • Weil da weder Schlagzeug noch ne E-Gitarre vorkommt (spiele selbst E-Gitarre), ich kann klassische Musik nicht ab.
  • Das hat unter anderem damit zu tun, dass man darauf keinen schnellen guten Discotanz hinlegen kann. Ich finde klassische Musik ganz ok, es gibt auch wirklich supertolle Sachen wie „Morgendämmerung“ oder „für Elise“, aber man kann nicht gut drauf tanzen.
  • Weil es einfach bessere Musik gibt heutzutage!
  • Schon mal auf die ldee gekommen, dass Jugendlichen die Musik vielleicht einfach nicht gefällt und sie auch nicht damit aufgewachsen sind?! Meine Eltern hören auch keine klassische Musik und darüber bin ich auch froh! Weil das in der Schule so schlecht rübergebracht wird. Dann verlieren alle Schüler das Interesse an klassischer Musik.
  • Bei klassischer Musik begeistert häufig die Perfektion der Melodie, der Symphonie oder der Töne als solches. Viele Menschen gehen aber nicht so analytisch auf Musik zu, sie lassen sich lieber umfluten ohne sie zu analysieren.
  • Mit klassischer Musik muss man sich beschäftigen, d.h. zuhören, sie auf sich einwirken lassen, sich Zeit für sie nehmen. Die konsumiert man nicht einfach so wie Popmusik.
  • In dem Klassischem ist alles so daher geleiert, alles so langsam. Man tanzt dann irgendwie so einen Walzer. Heutzutage regt die Musik zum Tanzen und zum Singen an. So ein Beat… sag ich mal… wechselt oft zwischen schnell, langsam… und laut… und leise… Bei der klassischen Musik da hört sich alles gleich an.

Ein Großteil der Aussagen lässt auf ein vorgefertigtes Bild hinsichtlich klassischer Musik und deren Wirkung schließen. Die Gründe für solche Vorurteile sind laut der Aussagen der Teilnehmer in diesem Chat-Forum verschieden. Zum einen werden Hörerfahrungen, Hörgewohnheiten und vorgefertigte Klangvorstellungen angeführt, die im Alltag der Kinder und Jugendlichen von heute typisch fur klassische Musik zu sein scheinen, und die größtenteils zu deren Ablehnung in der jungen Bevölkerung führen. Zum anderen wird hier auch die fehlende Hörerfahrung im Elternhaus erwähnt. Da die Eltern keine klassische Musik hören, fehlen hier mögliche Kontakte oder positiv besetzte Eindrücke. Als ein dritter Punkt wird zudem die schlechte Vermittlung in der Schule angeführt, es findet ein Musikunterricht statt, in welchem die Schüler das Interesse an klassischer Musik verlieren.
Aus den Aussagen lässt sich neben möglichen Gründen für die Ablehnung aber auch heraushören, dass es gewisse Erfahrungen gibt, die Jugendliche […] mit klassischer Musik gemacht haben und die eine derartige Sichtweise geprägt haben. Es könnte also möglich sein, dass man mit neuen Präsentationsformen klassischer Musik und damit verbundenen positiven Erfahrungen Interesse erzeugt und Vorurteile ausräumt. ♦

Aus Alexander Köhler: Null Bock auf Klassik? – Eine empirische Studie zur Steigerung des Interesses von Schülern an klassischer Musik, Band 123 Hallesche Schriften zur Musikpädagogik, 156 Seiten, Wißner Verlag, ISBN 978-3-89639-928-1 – Inhaltsverzeichnis

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Musikunterricht auch über
Gerd Arendt: Instrumentalunterricht für alle?

… sowie über
Ulrich Kaiser: Gehörbildung

Electronic Chamber Music (CD & Vinyl)

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Symbiose der Genres und Stile

von Horst-Dieter Radke

1969 erschien die LP „Ceremony“, die die englische Rockgruppe Spooky Tooth zusammen mit dem französischen Elektronikpionier Pierre Henry (1927-2017) aufgenommen hatte. Es war allerdings kein echtes Gemeinschaftswerk. Spooky Tooth spielte ihre Songs ein, Pierre Henry bearbeitete diese anschließend mit seinen elektronischen Effekten. Man hört dies deutlich, hat das Gefühl, das einer gegen den anderen ankämpft. Von einer Synthese elektronischer Musik mit analoger Musik (in diesem Fall Rock) kann nicht gesprochen werden.

Electronic Chamber Music - CD - Vinyl - Rezension im Glarean Magazin

Ganz anders ist dies bei Electronic Chamber Music. Dieses vierköpfige Ensemble spielt traditionelle Instrumente wie Gitarre, Violine, Kontrabass und erweitertet diese um einen modularen – also analogen –Synthesizer und weitere elektronische Klangerzeuger. Laut Presseinformation spielen die Musiker „maßgeschneiderte, erweiterte Instrumente, bei denen elektronische und akustische Klänge nahtlos ineinander übergehen“. Das ist schwer zu überprüfen durch reines Hören. Auch auf den im Netz zu findenden Videos (hier oder auch hier) ist das an den Instrumenten nicht erkennbar.

Keine Konfrontation, sondern größtmögliche Annäherung

Mir liegt die Vinyl-Langspielplatte vor, die sich in schönem Türkis auf dem Plattenteller dreht. Sie enthält acht Stücke, durchnummeriert von 01 bis 08. Die Nummern 01 bis 04 sind überschrieben mit ADC, die Nummer 05 bis 08 mit DAC. Es ist unschwer zu erraten, was damit gemeint ist: Analog-Digital-Umsetzer und Digital-Analog-Umsetzer. Durchgängig ist, dass elektronisch Elemente mit denen der traditionellen Instrumente ein Miteinander eingehen. Es ist kein Kampf gegeneinander, sondern der Versuch, eine größtmögliche Symbiose zu schaffen. Beteiligt waren an der Produktion die vier Künstler Otso Lähdeoja (Gitarre & Elektronik), Aino Eerola (Violine & Elektronik), Alejandro Montes de Oca (Modular Syntheziser), Nathan Riki Thomson (Kontrabass & Elektronik).

Vom Free Jazz über die Tradition bis zur Stille

FAZIT: Dass elektronische Musik in Kombination mit traditionellen Instrumenten eine sinnvolle und gut hörbare Einheit eingehen kann, zeigt das Ensemble der vier Musiker aus Helsinki eindrucksvoll. Electronic Chamber Music schafft eine symbiotische Klangwelt, die auch beim wiederholten Hören immer neue Facetten zeigt.

Die Themenvielfalt ist groß. Manches erinnert an intensive Momente des Free Jazz, hier und da tauchen fast traditionelle Motive auf, die zu einer großen Eindringlichkeit gesteigert werden, und dann wieder scheint es, als wolle man in Richtung absoluter Stille gehen, ohne diese jemals erreichen zu können. Auch nach mehrmaligem Hören wurde mir die Musik des Ensembles nicht langweilig, wobei ich die Annehmlichkeit der Langspielplatte, das nach der Hälfte die Musik endet und die Platte umgedreht werden muss, genoss. So war ein Moment des Innehaltens gegeben, der bei der CD erst durch einen willkürlichen Akt – das Anhalten des Players – erreicht werden kann. Das Ensemble hat die Aufnahmen live eingespielt. Es gibt also kein Overdub, kein nachträgliches Einfügen von Effekten. Auch dies trägt sicher dazu bei, dass die Aufnahmen wie aus einem Guss erscheinen. Ich hoffe, dass dies Ensemble noch weitere Aufnahmen folgen lässt und vielleicht auch einmal live zu erleben ist. ♦

Electronic Chamber Music (Audio-CD & -Vinyl), 51 Minuten, Naxos Direct

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Neue Elektronische Musik auch das
Interview mit dem Schweizer Komponisten Fabian Müller

Mathias Löffler: Rock & Jazz Harmony

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Das ultimative Harmonik-Kompendium

von Walter Eigenmann

Die sog. Harmonielehre, darüber herrscht kein Zweifel, gilt sowohl manchen Klassik- als auch vielen Rock/Pop- oder Jazz-Musikern als trockene Materie. Verstaubte Theorie halt, die man allenfalls im Musik-Hochschulstudium als „Nebenfach“ durchstehen muss oder als Improvisierender gleich ganz ignoriert.
Doch ebenso zweifellos behält in dem neuen 800-Seiten-Wälzer von Mathias Löffler: Rock & Jazz Harmony der Autor im Vorwort absolut spartenübergreifend recht: „Talent mag vom Himmel in die Wiege fallen, Wissen jedoch nicht. Jeder Musiker, Maler oder Bildhauer informiert sich und steht im Austausch mit Kollegen, um zu lernen.“

Drei unterschiedliche Lernebenen

Mathias Löffler - Rock & Jazz Harmony - Die Klangwelt der Rock- und Jazzmusik verstehen - Ama VerlagDieses Lernen bzw. Lehren kommt in Löfflers breit und stringent aufgebauter „Harmonielehre“ in vielfältiger Manier daher. Theoretische Ausführungen (von den Basics wie das Notenlesen bis zum komplexen Modal Interchange) stehen neben graphisch illustrierten Harmonik-Analysen; Zusammenfassende Kapitel-Aufgaben zum Selber-Lösen wechseln sich ab mit konkreten Anweisungen für das improvisatorische Instrumentalspiel; Regelmäßig eingestreute „Definitionskästchen“ als unverzichtbare Lerninhalte kontrastieren (später) mit frei anwendbaren „Strategien“ für das selbstständige Analysieren. Und es fehlen weder die Download-Hinweise zu online verfügbaren MP3-Dateien noch eine große Fülle an Notenbeispielen aus der ganzen jüngeren Rock- und Jazz-Szene.

Rock & Jazz Harmony - 3 Vierklänge - Mathias Löffler
Die drei wichtigsten Vierklänge der Rock- und Jazzmusik, wo ein Ton die gleichmäßige Terzschichtung durchbricht

Grundsätzlich schreitet dabei das Lehr- und Übungsbuch vom Einfachen zum Schwierigen fort; gleichwohl hat der Musikpädagoge Löffler die großen Bereiche seines fast 800-seitiges Kompendiums geschickt in drei „Lernebenen“ strukturiert: In eine Art „Quick Set Up Guides“ mit zahlreichen inhaltlich zusammenfassenden „Konzentraten“; in den ausführlich erläuternden Fließtext mit zahlreichen Songbeispielen; und in eine dritte Ebene, die für Fortgeschrittene das punktuelle Lernen gestattet. Diese dreiteilige „Binnenform“ der Stoffbehandlung ermöglicht ganz unterschiedlichen Leserschichten ein modales Buchstudium und trägt wesentlich dazu bei, die Lektüre individuell und abwechslungsreich anzugehen.

Ein Fahrplan für das Crossover-Studium

Dem Band vorangestellt ist dabei ein sog. Fahrplan als Orientierungshilfe. Dessen Wegweiser leiten den Leser nicht aufsteigend von Kapitel zu Kapitel, sondern offerieren die Möglichkeit einer Crossover-Lektüre:

Mathias Löffler - Rock & Jazz Harmony - Der Fahrplan - Ama Verlag

Den „Grundlagen“ gestattet Löffler 150 Seiten, danach ist das „Basislager“ erreicht, und das Interesse des Lesenden kann sich zu splitten beginnen. Die ersten drei Kapitel enthalten dabei die intensivsten Trainingseinheiten mit zahlreichen Aufgaben-Seiten, die das Gelernte abrufen und vertiefen sollen.

Themenfelder lückenlos erfasst

Häufig eingestreute Aufgaben erlauben dem Leser eine Standort-Bestimmung des Gelernten (Rock & Jazz Harmony - Aufgaben-Beispiele)
Häufig eingestreute Aufgaben erlauben dem Leser eine Standortbestimmung seines Gelernten

Meines Wissens war auf dem Buchmarkt bislang keine thematisch verwandte Publikation verfügbar, die den rein musiktheoretischen Aspekt der sog. U-Musik – Löffler definiert „Rock & Jazz“ breit, subsumiert darunter auch Blues, Soul, Latin, Schlager, Metal oder Country u.a. – derart tiefgreifend und differenziert behandelt. Themenfelder und Begrifflichkeit sind dabei anfänglich bzw. als Grundlage durchaus der Klassischen Harmonielehre entnommen. Ungefähr ein Drittel des Buches dürfte dezidiert dieser „traditionellen“ Lehre des 17. bis 19. Jahrhunderts zuzuordnen sein, wobei auch Anfänger wie Wieder-Einsteiger aller Stufen ihren Nutzen daraus ziehen können. Der Link zum historisch angehäuften Wissensfundus ist also gegeben. Darüber hinaus aber bereitet der Band das gesamte theoretische Material der neueren U-Musik-Geschichte auf, soweit es harmonietechnisch überhaupt analysier- bzw. vermittelbar ist.

Lehr- und Wörterbuch zugleich

Dass sich in Theorie und Praxis ohnehin die Schwerpunkte, Methoden und Historien der beiden Sparten U- und E-Musik teils synonym überschneiden, ist klar. Dass aber die „Populäre Musik“ der letzten ca. 80-100 Jahre vom frühen Afro-Blues bis in unsere Tage des Aleatorischen FreeStyle-Jazz sich inzwischen ebenfalls einen musikhistorisch katalogisier- und didaktisch aufbereitbaren Begriffsapparat generiert hat, wird eben an solchen Arbeiten wie Löfflers „Harmony“ ersichtlich, die kaum einen Aspekt außer Acht lässt, der klanglich irgendwie Eingang ins heutige – ansonsten ja stilistisch völlig unübersehbare – Konzertleben gefunden hat. (Über die ganze Fülle des behandelten Materials orientiert hier das Inhaltsverzeichnis von Rock & Jazz Harmony).

Auch komplexere Harmonik-Strukturen werden in "Rock & Jazz Harmony" von Mathias Löffer anschaulich erläutert
Auch komplexere Harmonik-Strukturen werden in „Rock & Jazz Harmony“ von Mathias Löffer anschaulich erläutert

In seinem ganzen didaktischen Aufbau ist der Band als Lehrbuch also sehr gut verwendbar. Gleichzeitig ist er mit seinem begriffsorientierten, teils auch modalen Konzept und der übersichtlichten Gliederung der Themenfelder (bis hin zum mehrseitigen Registerverzeichnis) auch ein Nachschlagewerk. Wohltuend dabei nicht nur für das Heer der „Garagen-Musik“-Amateure: Löfflers Buch versteht sich nicht als wissenschaftliche Abhandlung, sondern stellt den theoretischen Bezug zur Rock- und Jazz-Musik in einer ungezwungenen Sprache her. Nicht Dozieren, sondern Vermitteln war offensichtlich angesagt.

Harmonische Analyse direkt an den Songs

Stufen- und Skalen-Analyse von "Blue In Green" (Miles Davis)
Stufen- und Skalen-Analyse von „Blue In Green“ (Miles Davis)

Am konkretesten wird dieser Ansatz im letzten, dem „Analysen“-Kapitel. Auf fast 100 Seiten behandelt Löffler hier beinahe Takt für Takt das harmonische Gerüst von „Klassikern“ wie „Hey Joe“ (Jimi Hendrix) oder „Every Breath You Take“ (The Police) über Pop-Hits wie „I Turn To You“ (Christina Aguilera) oder Film-Titel wie „A Foggy Day“ (George Gerschwin) bis hin zu legendären Jazz-Titeln wie „500 Miles High“ (Chick Corea) und „Keep Me In Mind“ (John Scofield) oder auch Bepop-Evergreens wie „Donna Lee“ (Charlie Parker). Auch hier wieder illustrieren teils umfangreiche Notenbeispiele und unterstützen die Analyse der harmonischen Binnenstrukturen.

Die Referenz in Sachen Rock-Jazz-Harmonik

Gitarrist, Band-Gründer, Dozent: Autor Mathias Löffler (geb. 1965)
Gitarrist, Band-Gründer, Dozent: Autor Mathias Löffler (geb. 1965)

Im Unterschied zu vielen vergleichbaren „Schulbüchern“ zum Thema gelingt es dieser „Harmonielehre“ des 53-jährigen Band-Gründers, Profi-Gitarristen und Dozenten Mathias Löffler, seinen weitläufigen und komplexen Gegenstand in besonders transparenter Manier aufzubereiten. Dazu trägt nicht nur die raffinierte didaktische Bändigung der Theorie bei, sondern auch der ständige Bezug zum „musikalischen Alltag“ mit Song-, Noten- und Hörbeispielen direkt „aus der Praxis“. Bei zukünftigen Auflagen ist zu wünschen, dass die Online-Anbindung des Buches noch ausgebaut bzw. aktualisiert wird, um so das moderne Lernverhalten weiter Jugend-Kreise zu unterstützen. Aber auch schon jetzt flankieren diverse Audio-Download-Optionen  das Buch und verstärken so die Stoffvermittlung.

FAZIT: „Rock & Jazz Harmony“ von Mathias Löffler macht deutlich, dass Konzerterfolge auch in der U-Musik-Welt tatsächlich nicht „vom Himmel fallen“, sondern ursächlich mit der „Harmonik“ zu tun haben, die alles „im Innersten zusammenhält“. Die genaue Kenntnis der „Harmonielehre“ ist also nicht der Widerpart des spontanen Musizierens, sondern deren Voraussetzung… Kurzum: Löfflers höchst umfangreiches, aber seinen Gegenstand sehr abwechslungsreich verkaufendes Kompendium ist meines Erachtens die neue Referenz zur Thematik und gehört als Lehr- wie als Wörterbuch in jede Musik-Unterrichtsstube an Hoch- wie an Volks- und Musikschulen.
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„Rock & Jazz Harmony“ von Mathias Löffler macht deutlich, dass Konzerterfolge auch in der U-Musik-Welt tatsächlich nicht „vom Himmel fallen“, sondern ursächlich mit der „Harmonik“ zu tun haben, die alles „im Innersten zusammenhält“. Die genaue Kenntnis der „Harmonielehre“ ist also nicht der Widerpart des spontanen Musizierens, sondern dessen Voraussetzung… Kurzum: Löfflers höchst umfangreiches, aber seinen Gegenstand sehr abwechslungsreich verkaufendes Kompendium ist meines Erachtens die neue Referenz zur Thematik und gehört als Lehr- wie als Wörterbuch in jede Musik-Unterrichtsstube an Hoch- wie an Volksschulen. Doch auch jeder Musiktheorie-Anfänger – und der Instrumentalist im „klassisschen“ Sektor sowieso… – wird die „Rock & Jazz Harmony“ als willkommene Ergänzung, ja als notwendige Horizonterweiterung seiner Musik erfahren. Der professionelle Songwriter oder Arrangeur schließlich erhält zahlreiche weiterführende Anregungen, die seine Arbeit intensivieren werden. ♦

Mathias Löffler: Rock & Jazz Harmony – Die Klangwelt der Rock- und Jazzmusik verstehen, 784 Seiten, AMA Verlag, ISBN 978-3899222395

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Musiktheorie auch über
Christoph Wünsch: Satztechniken im 20. Jahrhundert

Musik-Zitat der Woche von Urs Frauchiger

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Über das Konzert-Publikum

Urs Frauchiger

[…] Als der Teufel sah, dass einzelne Geschöpfe sich immer herrlicher entfalteten und – zumal auf dem Gebiet der Kunst – immer überwältigender für Gottes Güte und Größe zeugten, erfand er das Publikum. Ein genialer Wurf, das muss man ihm lassen, denn wie anders hätte man z.B. Mozarts unfassbaren Geistesflug auf einen Schlag in die Niederungen der Banalität und des Miefs zurückholen können, als indem man seine großen Interpreten in einen lächerlichen schwarzen Anzug mit zwei Flügeln zwängt, sie wie dressierte Pinguine im verdunkelten Saal auf ein beleuchtetes erhöhtes Holzgestell watscheln lässt, sie zwingt, sich steif zu verbeugen und dann gemäß vorgedrucktem Programm pünktlich zur festgesetzten Stunde ihr Verslein aufzusagen, sich wieder steif zu verbeugen und zum Schluss zum Händchenpatschen des Publikums noch ein paarmal vom Holzgestell hinunter und wieder hinauf zu watscheln?

"Wie ein dressierter Pinguin im verdunkelten Saal auf ein beleuchtetes Holzgestell watschelnd": Zeitgenössische Karikatur "Der Dirigent" von Franco Faccio (1882)
„Wie ein dressierter Pinguin im verdunkelten Saal auf ein beleuchtetes Holzgestell watschelnd“: Zeitgenössische Karikatur „Der Dirigent“ von Franco Faccio (1882)

Die Tierdressur hat in den letzten Jahrzehnten imponierende Fortschritte erzielt: wenn die Erzfeinde Löwen und Tiger friedlich vereint durch glühende Reifen springen, wenn Affen miteinander telefonieren und Eisbären den „Schwanensee“ tanzen, erregt das kaum mehr Aufsehen. Aber kein noch so sensationelles Ereignis kommt dem Dressur- und Domestizierungsakt gleich, den das Publikum mit den Künstlern vollbracht hat. Da machen Jahrhundertgenies das Männchen, ganz genau dann und so lange, wann und wie das Publikum es will, da grinsen Leute mit schwindelerregenden Intelligenzquotienten seligdümmlich ins händchenpatschende Publikum, wie das Kleinkind, das für den ersten geglückten Strahl ins Töpfchen belobigt wird. Und alle zittern sie, bevor sie vor das Ungeheuer treten. Manche wagen es nur nach einer Morphiumspritze, manche nicht ohne einen Liter Wodka im Bauch; viele haben einen Hofpsychiater, einige stehen vor dem Auftritt nach fernöstlicher Manier Kopf, und vom Pillenverbrauch allein der Künstler können ein paar Apotheker schon ganz gut leben. Denn das Publikum ist nicht nur ahnungslos und leicht verführbar, es kann auch unberechenbar und brutal sein. Bald leckt es einer Niete den Fuß, und gleich darauf holt es zum ungezielten Rundschlag aus. Wen es trifft, und sei er der Größte und Stärkste, geht zu Boden, manchmal für immer.

Urs Frauchiger (geb. 1936)
Urs Frauchiger (geb. 1936)

Dabei ist das Publikum nicht eigentlich böse. Seine Brutalität ist die Brutalität eines Ungetüms, das den zertrampelt, dessen es habhaft wird, und nicht den, der es reizte. Mit gutem Grund spürt es Missachtung, zurecht wittert es Betrug und Verrat. Die Selbstsicherheit eines Künstlers hält es in Schach, ganz gleich, ob sie der Unverfrorenheit, dem Nerokomplex, der Ahnungslosigkeit oder wirklichem Können entspringt. So stürzt es sich halt in dumpfem Zorn auf die Unsicheren, ohne zu fragen, ob sich die Unsicherheit nicht vielleicht aus übergroßem Respekt und Verantwortungsbewusstsein herleitet oder aus der Vision des Ideals, das auch große Künstler nur selten erreichen. Mit Vorliebe fällt es alternde Idole an, denen es einst besinnungslos zugejubelt hatte. Sobald das Alter die schon früher vorhandenen Schwächen der Stars bloßlegt, wittert das Publikum Morgenluft, riecht das Ungeheuer Blut. Was das Publikum der Callas auf ihrer letzten Tournee antat, könnte nur durch ewige Verdammnis zu den schrecklichsten Höllenqualen gebüßt werden. Aber da ist kein Tierschutzverein, kein Lobby der Grünen, die der blindwütigen Grausamkeit Einhalt geböten.

Ungeschoren kommen lediglich die wahren Schuldigen davon: die Agenten, die Veranstalter, die Produzenten. Sie hocken in sicherem Abstand im Gebüsch und jagen dem Ungeheuer die Hasen vor die Lefzen, ungerührt ihre Prozente einstreichend. Sie hetzen die Alten um des Mammons willen noch und noch über die Bühnen, sie verheizen die Jungen, statt sie aufzubauen, sie verkaufen Mittelmaß als Weltereignis, und sie unterdrücken das Weltereignis, weil es – wie fast alle wirklichen Ereignisse – wenig einbringt. Und in ihrem Dunstkreis tummeln sich die Publikumsforscher, die wie alle Wissenschaftler bei ihrem Eintritt in die Alma mater einst geschworen hatten, „der Wahrheit, der Wahrheit und nichts als der Wahrheit zu dienen“. […]

Aus Urs Frauchiger: Was zum Teufel ist mit der Musik los – Eine Art Musiksoziologie für Kenner und Liebhaber, Zytglogge Verlag 1982

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Publikum & Dirigent auch von
Nils Günther: Der Gemeine Orchesterdirigent (Satire)

Das neue Musik-Kreuzworträtsel im Juni 2018

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Der Schwedenpuzzle-Spaß aus der Welt der Musik

Das neue Musik-Kreuzworträtsel im Juni 2018 hält Begriffe aus der gesamten Welt der Musik parat. Wir wünschen viel Spaß beim Knobeln und schnellen Erfolg 🙂

Musik-Kreuzworträtsel im Glarean Magazin (Juni 2018)
Musik-Kreuzworträtsel im Glarean Magazin (Juni 2018)

Hier können Sie das Rätsel ausdrucken als PDF-Datei

Hier finden Sie die Lösung des Rätsels (PDF-Datei)

J. Campe: Rossini – Die hellen und die dunklen Jahre

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Besichtigung eines Lebens

von Wolfgang-Armin Rittmeier

Mit Gioachino Rossini verbindet sicher jeder Freund klassischer Musik etwas – sei es nun die berühmte Ouvertüre zu seiner Oper „Wilhelm Tell“, die Arie des Figaro aus dem „Barbier von Sevilla“ oder irgendeine andere jener sanglichen Melodien, die dem 1792 geborenen Komponisten so intensiv aus der Feder flossen, dass sie problemlos für das Oeuvre einer ganzen Schar von Tonsetzern gereicht hätten.
Ebenso wahrscheinlich ist es, dass fast ein jeder, der den Namen Rossini hört, auch ein bestimmtes Gesicht mit diesem Namen verbindet, sei es nun das berühmte Portrait aus den 1820er Jahren, das der Scuola pittorica italiana entstammt, die Fotografie von Étienne Carjat oder jene augenzwinkernde Karikatur, die den „Schwan von Pesaro“ bei der Zubereitung eines großen Topfes Pasta am heimischen Herd zeigt

Komponist zwischen Opern und Nudeln?

Joachim Campe: Rossini - Die hellen und die dunklen Jahre, Biographie, Theiss Verlag
Joachim Campe: Rossini – Die hellen und die dunklen Jahre, Biographie, Theiss Verlag

Beides – Musik und Optik – haben sich nun im kollektiven Unbewussten zu einem ganz bestimmten Rossini-Bild amalgamiert, das auch immer wieder gerne bedient wird: Rossini – als Mensch ein freundlicher, den leiblichen Genüssen zugewandter und darum leicht adipöser Typ, als Komponist ein Meister der Melodie, der Heiterkeit, der Buffa. Und so kann man auch, ohne dass es in irgendeiner Form geschmacklos schiene, CDs wie „Pasta classics – Kochen mit Rossini“; „Rossini – Eine kulinarisch-musikalische Biographie“; oder auch „Rossini – Bonvivant und Gourmet – mit 45 Rezepten“ kaufen. Mit Bach wäre in dieser Sache kein Staat zu machen. Aber Rossini, der Italiener, das Kind der Sonne, der zwischen Nudeln und Chianti eben flott schmissige Opern auf das belsamicobefleckte Notenpapier bringen konnte, der eignet sich…

Schlimm ist, dass man eigentlich wenig Gelegenheit hat, dieses Bild zu überprüfen, zu differenzieren, ja: zu relativieren. Klar, auf dem Markt gibt es Volker Schierless’ kleine Rowohlt-Monographie von 1991. Richard Osbornes „Rossini – Leben und Werk“ ist schon seit längerem vergriffen. Arnold Jacobshagens verdienstvolles Buch „Gioachino Rossini und seine Zeit“ aus der Laaber-Reihe „Große Komponisten und ihre Zeit“, 2015 erschienen, ist für den ersten Zugriff vielleicht etwas zu wuchtig. Da kommt Joachim Campes gut 200 Seiten starke, beim Konrad Theiss Verlag erschienene Biographie „Rossini – Die hellen und die dunklen Jahre“ dem Leser, der einigermaßen zügig sein Rossini-Bild zurechtrücken möchte, gerade recht.

Zeitgenosse einer bewegten Epoche

Rossinis Ehefrau und Muse: Die spanische Opernsängerin und Komponistin Isabella Colbran (1785-1845)
Rossinis Ehefrau und Muse: Die spanische Opernsängerin und Komponistin Isabella Colbran (1785-1845)

Schon der Titel suggeriert, dass Rossinis Leben ganz offensichtlich nicht ununterbrochen von italienischem Sonnenschein durchflutet war. Tatsächlich gab es da – das sei gar nicht abgestritten – eine Menge Licht. In flüssig erzählendem Stil berichtet Campe von der Kindheit als Wunderkind, von den Erfolgen, aber auch den zahlreichen Misserfolgen, die Rossini – so wollen es dem Leser die entsprechend vorgebrachten Quellen zumindest nahelegen – mit einer gewissen positiven Grundstimmung, mit Humor und einem guten Schuss Selbstironie hinnahm. Man erfährt von der besonderen Beziehung Rossinis zu seinen Eltern, die stets positiv war, bis es zu seiner Hochzeit mit der Sängerin Isabella Colbran kam, die einen Schatten auf das an sich gute Verhältnis warf. Daneben ordnet Campe die historische Figur Rossini, den Zeitgenossen einer der bewegtesten Epochen der europäischen Geschichte trefflich in die Historie ein, was wiederum eine ganz besonders treffliche Leistung darstellt, ist Rossini doch selbst kaum je einmal als „Homo politicus“ aufgetreten. Tatsächlich äußerte er sich in Briefen und aufgezeichneten Gesprächen nur selten politisch, lediglich manch eine seiner Opern kann sich einer politischen Deutung nicht vollständig verschließen.

Unruhige Persönlichkeit voller Widersprüche

...und der junge Rossini, 1822 gemalt von Friedrich Lieder
Der junge Rossini, 1822 gemalt von Friedrich Lieder

Als Folge seines Ansinnens, ein möglichst differenziertes, aber nicht ausuferndes Bild des Komponisten zu entwerfen, nimmt Campe den Leser seiner kleinen, aber doch substanziellen Biographie an die Hand und besichtigt mit ihm schlaglichtartig viele Orte in Rossinis Leben. Und viele Orte zu vielen Zeiten waren wie gesagt glanzvoll: Neapel, Paris, London und Wien begrüßten, beherbergten und feierten den großen Komponisten – man möchte sagen: gebührend. Sicher gab es da Alltagskonflikte, eine kriselnde Ehe, Probleme mit Profilneurotikern, (opern-)politisches Ränkespiel. Aber es gab eben auch Glanz, Ruhm und sehr viel Geld, besonders in Paris.

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Doch da finden sich auch besonders dunkle Orte in der Biographie Rossinis, Orte von denen man vielleicht nicht so gerne spricht, die Campe dem Leser aber nicht vorenthält. Einer dieser Orte ist der offenkundig sehr starke Sexus Rossinis, den er mit großer Begeisterung in Bordellen auslebte, wo er sich in Folge einer Gonorrhoe eine Urethritis, also eine üble Harnröhrenentzündung zuzog, die ihm das Leben schwer machte, und die in Paris – nicht ohne Risiko – operiert werden musste. Ein anderer der dunklen Orte, an dem sich Rossini im Laufe seines Lebens immer wieder und mit zunehmender Intensität aufhalten sollte, war die schwarze Welt der Depression. Mit nüchternem Blick zeigt Campe, wie Rossini nach 1823 immer wieder in höchst niedergeschlagene Stimmungen verfiel, schließlich wohl auch aufgrund dieser Erkrankung aufhörte, Opern zu komponieren und sich phasenweise komplett isolierte. Gerade in den letzten Jahren scheint – so zeigt es Campe – Rossini eine eher unruhige Persönlichkeit gewesen zu sein, von Schlaflosigkeit und Schmerzen geplagt, überhaupt anfällig für alle möglichen Erkrankungen, bisweilen auch für Kränkungen, immer wieder den Wohnsitz wechselnd, sich mit Todesängsten herumquälend.

Differenzierte Beschreibung jenseits aller Hagiographie

Das Bild vom heiteren Rossini ist, das macht die Lektüre von Campes Buch sehr differenziert deutlich, also ein höchst eindimensionales. Das Schöne ist letztlich, dass der Autor keine Hagiographie schrieb, sondern Rossini als Menschen aus Fleisch und Blut präsentiert, mit allen Stärken und Schwächen, die damit einhergehen.

Fazit: Die neue Biographie von J. Campe: Rossini zeigt differenziert auf, dass das Bild vom heiteren Rossini ein höchst eindimensionales ist. Hier wird vielmehr Rossini als Mensch aus Fleisch und Blut präsentiert – also keine Hagiographie, sondern die Darstellung eines Musik-Genies mit allen Stärken und Schwächen. Ein Buch, dessen Lektüre Freude macht.

Es spricht eine Menge Zuneigung zu seinem Gegenstand aus Campes Zeilen, die man aufgrund des höchst angenehmen Konversationstones ausgesprochen gerne liest. Einziges Manko des Buches mögen des Autors streckenweise zu intensiv aneinandergereihten Nacherzählungen der Opernhandlungen im Verbund mit angerissenen Deutungshinweisen zu den Werken sein. Nicht nur, dass das so wirkt, als wolle der Autor hier ein wenig zu deutlich auf seine Gelehrsamkeit hinweisen. Es fehlt manch einem Deutungsansatz auch an Stimmigkeit, weil das Format des kleinen Werkes den Raum für tiefschürfende Werkbetrachtungen und ausgefeilte Argumentationen letztlich nicht hergibt. Nicht selten langen die interpretatorischen Fingerzeige Campes ins Leere oder setzten beim Leser einer solchen knappen Schrift zu viele Kenntnisse der Materie selbst voraus. Hier wäre eine klarere Abgrenzung wünschenswert gewesen.
Insgesamt jedoch ein Buch, dessen Lektüre Freude macht. ♦

Joachim Campe: Rossini – Die hellen und die dunklen Jahre, Biographie, 222 Seiten, Konrad Theiss Verlag (WBG), ISBN 978-3-8062-3671-2

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Musiker-Biographien auch die neuen
Musiker-Anekdoten (2)

… sowie aus der Reihe „Musik-Zitat der Woche“ von
Urs Frauchiger: Über das Konzert-Publikum

Schreiben für das GLAREAN MAGAZIN

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In eigener Sache

Gesucht: Musik-, Literatur- und Schach-Enthusiasten

Schreibfeder - Handschrift - Zeichnung Glarean MagazinDas Glarean Magazin sucht immer mal wieder schreibfreudige Musik-, Literatur– und Schach-Enthusiasten, die sporadisch Bücher- oder/und CD-Neuheiten für uns besprechen möchten. Gerne auch gut dokumentierte und schreibgewandte Amateure.
„Glarean“-Rezensenten wählen ihre thematischen Schwerpunkte selber aus und rezensieren Bücher & CD’s gemäß ihren persönlichen Vorlieben bzw. ihres Know-hows.

Beispiele von „Glarean“-Rezensionen

CD-BesprechungMusikbuch-BesprechungSachbuch-BesprechungSchachbuch-BesprechungRoman-Besprechung

Kultur-Idealistinnen und -Idealisten ehrenhalber, denen die Rez.-Exemplare sowie eine Verbreitung im ganzen deutschsprachigen Raum (mit Link auf die persönliche Webseite) als Honorar genügen, kontaktieren die Redaktion unter: glarean.magazin@gmail.com

Tabea Debus: XXIV Fantasie per il Flauto (CD)

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Telemann meets modern Music

von Walter Eigenmann

Die erst 27-jährige, aber bereits international konzertierende Blockflöten-Virtuosin Tabea Debus umreißt ihr jüngstes Album folgendermaßen: „Das Ziel dieser Aufnahme ist es, die musikalische Bandbreite nicht nur für die Blockflöte zu erweitern, sondern Hörgewohnheiten aufzubrechen und einen neuen Zugang zu der nur scheinbar alten Musik Telemanns zu eröffnen. Zugleich wird damit auch der durchaus klassische Ansatz verdeutlicht, inwieweit das Schaffen von Komponisten früherer Generationen zeitgenössische Kreativität beeinflusst und befruchtet.“

Ein Dutzend barocke, ein Dutzend zeitgenössische Werke

Tabea Debus: XXIV Fantasie per il Flauto - TYXartAnlässlich des letztjährigen 250. Todestages Telemanns hat die Londoner City Music Foundation nun für Debus zu jeder der zwölf Telemann‘schen „XII Fantasie per il Flauto senza Basso“ eine Auftragskomposition vergeben, wobei diese zwölf neuen Recorder-Soli auf thematisches, harmonisches oder rhythmisches Material einer der Fantasien Telemanns fußt – Telemann meets modern music sozusagen. Entsprechende Werke beigesteuert haben u.a. die Komponisten Moritz Eggert, Colin Matthews, Frank Zabel und Max de Wardener. (Das CD-Booklet dokumentiert sehr informativ die jeweiligen persönlichen Telemann-Bezüge und Intentionen der zwölf Komponisten). Teils wird melodisch variativ, harmonisch verfremdend, rhythmisch differenzierend auf die barocken „Vorlagen“ eingegangen, teils wird auch einfach die „Grundstimmung“ einer „Fantasie“ aufgenommen und völlig eigenständig ausgesponnen.

Musikalische Stilsicherheit realisiert Entdeckungen

Virtuosität und Stiltreue: Die Blockflötistin Tabea Debus
Virtuosität und Stilsicherheit: Die Blockflötistin Tabea Debus

Tabea Debus hat ihre Affinitität zu Telemann bereits in vielen Konzerten und Aufnahmen dokumentiert, und sie musiziert auch hier auf einer spieltechnisch tadellosen Ebene, dabei nicht nur den großen barocken Affektreichtum Telemanns, sondern auch die teils klanglich nicht gerade leicht interpretierbaren Notenbilder der modernen Stücke realisierend. Insgesamt hochinteressante, die stilstisch notgedrungen tiefen musikhistorischen Gräben nicht zuschüttende, aber satztechnisch wie klanglich angenähert dokumentierende 24 Einspielungen, immer hörbar „verwandtschaftlich im Geiste“.

Blockflöten-Musik auf hohem Niveau

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Ein sehr innovatives Konzept also – allerdings wirklich glaubwürdig nur aufgrund der spielfreudigen wie einfühlsamen Virtuosität der Blockflöten-Protagonistin, deren barocke Stilsicherheit und technische Überlegenheit auf gleicher Höhe musiziert mit den klanglichen Anforderungen moderner, gänzlich anderer Kompositionssprachen. Zweifellos eine Recorder-Disk voller musikalischer Überraschungen, Entdeckungen und Aha-Erlebnisse – die Liebhaber hochstehender Musik für die altehrwürdige Blockflöte in ganz neuem Kleide kommen voll auf ihre Kosten. ♦

Tabea Debus (Recorders): XXIV Fantasie per il Flauto, Label TYXart, Audio-CD, 80 Min.

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Barock auch über
Bernhard Morbach: Die Musikwelt des Barock

Musik-Zitat der Woche von Hans Vogt

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Über die Einheit von Produzent und Publikum

Hans Vogt

„Es gehört […] zum guten Ton, dass man diejenigen, die sich Musik anhören und die in der Lage sind, dies kritisch zu tun, das heißt, sich nicht nur berieseln zu lassen, als reaktionär und minderwertig beschimpft. Die Absurdität, dass man jemanden zum Trottel abstempelt, weil er einem etwas abkauft, was man verkaufen möchte (es ist unumgänglich, sich den Vorgang rein kaufmännisch darzustellen; anders wird das Groteske der Situation nicht ersichtlich), löst sofort Assoziationen an Brecht aus: ‚Das Volk ist schlecht, schaffen wir also das Volk ab.‘

Hierauf sei erwidert: Unser Publikum ist viel besser, klüger, kritischer und instinktsicherer, als man es wahrhaben will. Es vermag sehr wohl zwischen ästhetischem Objekt und predigender Belehrung zu unterscheiden. Es weiß auch, dass Musik heute anders klingen muss als zu Zeiten Mozarts. Und wenn ihm zu jener der Zugang noch versperrt ist, so ist die Zahl derer, welche diesen Zugang zu gewinnen wünschen, größer als gemeinhin angenommen wird.

Hans Vogt (1911-1992)
Hans Vogt (1911-1992)

Dass die Einheit Produzent-Publikum sich bisher selten ereignet, ist Tatsache, jedoch kein Anlass zur Resignation. Die Annahme, dass dies in früheren Epochen wesentlich anders gewesen sei, ist wohl ein Romantizismus. Auch die ‚Matthäuspassion‘ war nicht für jedermann geschrieben. Wer ihre Qualität erkennen, ihr gerecht werden wollte, hatte sich darum zu bemühen. Er hatte geistig wach und konzentrationsfähig zu sein, musste zuhören können. Wollen wir behaupten, dass es so etwas heute nicht mehr gäbe?“ ♦

Aus Hans Vogt: Neue Musik seit 1945, Reclam Verlag 1982

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Neue Musik auch das Zitat der Woche von
Ursula Petrik: Von der Kontaktschwierigkeiten der Neuen Musik
… sowie das Musik-Zitat der Woche von
Alexander Köhler: Stirbt die klassische Musik aus?

Das neue Musik-Kreuzworträtsel im April 2018

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Musik-Buchstaben-Puzzle aus der
Welt der Musik

Das neue Musik-Kreuzworträtsel im April 2018 hält  ein paar leichte und ein paar sehr schwierige Begriffe für den musikalisch versierten Musik-Freund parat.
Das „Glarean“ wünscht viel Spaß und Erfolg!

Das neue Musik-Kreuzworträtsel vom April 2018
Das neue Musik-Kreuzworträtsel vom April 2018

Copyright by Walter Eigenmann / Glarean Magazin – 4/2018

Hier können Sie das Rätsel herunterladen und ausdrucken

Hier geht’s zur Lösung des neuen Kreuzworträtsels

Knobel Sie im Glarean Magazin auch das
Weihnachtsbaum-Musikrätsel 2017

Erik Chisholm: Violinkonzert & Dance Suite (CD)

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Legendenhafte Stimmung trifft manische Vehemenz

von Wolfgang-Armin Rittmeier

Seit jeher haben es Komponisten Albions schwer auf „dem Kontinent“. Schon Elgar wird auf deutschen Podien – sieht man von den „Enigma-Variationen“, dem „Cellokonzert“ und dem Marsch „Pomp and Circumstance Nr. 1“ einmal ab – nicht eben häufig gespielt. Ralph Vaughan Williams‘ ergeht es noch schlechter, und von Holst, Bridge, Walton, Scott, Moeran, Alwyn, Brian, Arnold, Howells und vielen, vielen anderen muss man an dieser Stelle schweigen. Noch unbekannter sind die meisten schottischen Komponisten – Komponisten, für deren Werk sich seit vielen Jahren der britische Dirigent Marytn Brabbins einsetzt.

Erik Chisholm: Violinkonzert / Dance Suite for Orchestra and Piano / Preludes from The True Edge of the Great World, Matthew Trusler (Violine), Danny Driver (Klavier), BBC Scottish Symphony Orchestra, Martyn Brabbins, Audio-CD, 63 Minuten, Hyperion CD-LabelEiner jener großen Unbekannten ist Erik Chisholm. Auf einer jüngst bei dem britischen Label Hyperion erschienenen CD präsentieren Brabbins und das BBC Scottisch Symphony Orchestra nun verschiedene Orchesterwerke des aus Glasgow stammenden Komponisten und Dirigenten. Es sind keine Werke, die in irgendeiner Form einen romantisierenden Schottland-Topos bedienen würden. Nicht umsonst nennt John Purser (in seinem hervorragenden einleitenden Essay) ihn darum „Den Modernen aus Schottland“.
Denn ein Moderner war Chisholm durch und durch. Als Konzertveranstalter hat er Bartók und Hindemith nach Glasgow geholt, hier hat er auch immer wieder Werke von Florent Schmitt und Karol Szymanowski und Casella aufgeführt, und als Komponist entwickelte er – wie es Purser zurecht anmerkt – eine moderne „Tonsprache ohne Vorbild“ und hinterließ ein Werk, das ein „wahres Abenteuer in emotionaler und intellektueller Hinsicht“ ist.
Großes Interesse zeigte Chisholm sein Leben lang an gälischer und – nach seinem kriegsbedingten Aufenthalt in Bombay – an der reichen Musik Indiens. Und diese beiden Interessensschwerpunkte fokussiert auch die vorliegende CD.

Pendeln zwischen Meditation und Ekstase

Martyn Brabbins - Glarean Magazin
Spezialist für die schottische Moderne: Dirigent Martyn Brabbins (Geb. 1959)

Das Violinkonzert aus dem Jahr 1950 bezieht sich im ersten und im dritten Satz auf zwei nordindische „Ragas“, dem Raga Vasantee und dem Raga Sohani. Aus beiden leitet Chisholm thematisches Material für seine Komposition ab. Gleich der Eingangssatz beinhaltet – gleichsam als Pars pro toto – die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten Chisholms. Es handelt sich hier um eine formal weiterentwickelte Passacaglia, die inhaltlich – dem Raga Vasantee gemäß – um den Frühling kreist. Dieser Frühling ist allerdings nichts weniger als eine romantische Vision. Vielmehr pendelt er – daran an Strawinskys „Sacre“ erinnernd – kontinuierlich zwischen Meditation und vehementer Ekstase, zwischen Depression und Manie hin und her. Chisholms Musik setzt ungeheuer stark auf Rhythmik, hat einen wilden Zug nach vorn, steht emotional unter enormen Druck, entlädt sich gleichsam zyklisch und fällt schließlich immer wieder zurück in Momente des Dunklen und Düsteren. Ob eben in der eröffnenden Passacaglia, dem sich anschließenden „Allegro scherzando“, der „Aria in modo Sohani“ und in der abschließenden „Fuga senza tema“: Der Hörer erlebt im Rahmen des gut halbstündigen Violinkonzertes einen unablässigen Rausch, der seinesgleichen durchaus sucht.

Komponist von Musik mit weitem emotionalem Spektrum: Erik Chisholm (1904-1965)
Komponist von Musik mit weitem emotionalem Spektrum: Erik Chisholm (1904-1965)

Sowohl der Orchestersatz als auch im Besonderen der Solo-Part stellen dabei höchste Ansprüche an die Ausführenden. Glänzend bestehen hier das BBC Scottish National Orchestra und Geiger Matthew Trusler. Obwohl seinem Ton etwas der Körper abzugehen scheint, so ist er der Virtuosität der Partie vollkommen gewachsen und erweist sich als hervorragender Gestalter dieser hochkomplexen Herausforderung. Tatsächlich eignet sich die etwas flache, kühle Brillanz seines Tones als ideal für die Durchleuchtung dieses Werkes.

Weites emotionales Spektrum

Die auf dieser Hyperion-CD enthaltenen Werke des schottischen Komponisten Erik Chisholm werden mustergültig wiedergegeben. Chisholms Musik, hierzulande vollkommen unbekannt, entpuppt sich als echter Hinhörer, als stilistisch vollkommen genuine Musik der Moderne, die es wert ist, aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt zu werden.
Die auf dieser Hyperion-CD enthaltenen Werke des schottischen Komponisten Erik Chisholm werden mustergültig wiedergegeben. Chisholms Musik, hierzulande vollkommen unbekannt, entpuppt sich als echter Hinhörer, als stilistisch vollkommen genuine Musik der Moderne, die es wert ist, aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt zu werden.

Ähnliches kann man zu der sich mit traditionellen gälischen Musikformen auseinandersetzenden „Dance Suite for orchestra and piano“ aus dem Jahr 1932 (man beachte die ungewöhnliche, aber vollkommen richtige Reihung) sagen. Auch in diesem Werk, das eben kein Klavierkonzert ist, obwohl das Klavier – durchweg hervorragend zwischen Analyse und Verzückung gespielt von Pianist Danny Driver – durchaus eine wichtige Rolle spielt, wird ein weites emotionales Spektrum aufgezogen. So findet sich als ein Pol der zarte, impressionistische Beginn des zweiten Satzes, der sich in Struktur, Melodik und Stil mit der „Pìobaireachd“, der großen gälischen Variationsform beschäftigt. Auf der anderen findet sich die atemlose Vehemenz des Eingangssatzes „Allegro energico“ und das in einem rasanten Reel gipfelnde brachiale Gelärme des letzten Satzes, der dem Hörer nur so um die Ohren fliegt. Zwischen diesen beiden Werken platziert finden sich drei von Chisholm orchestrierte aus den ursprünglich für das Klavier komponierten Preludes „From the True Edge of the World“ aus dem Jahre 1943. Hier zeigt sich ein musikalisch gemäßigterer Chisholm, der sich mit altem gälischen Liedern auseinandersetzt, die aus Amy Murryas Buch „Father Allan’s Island“ stammen.

In „Song oft he mavis“ zieht Chisholm alle Register seiner Orchestrationskunst, um ein idyllisch-impressionistisches Frühlingsbild mit nachgeahmtem Drosselruf zu gestalten. Im „Ossianic lay“ zaubern Brabbins und das schottische Spitzenorchester eine legendenhafte, ja magisch-mythische Stimmung (der Ossian beschäftigte Chisholm auch ausführlich in seiner zweiten Symphonie) und der abschließende Reel entpuppt sich als bodenständiger, wuchtiger aber dennoch mit wunderbaren Drive gesegneter Tanzsatz. Diese zweite Produktion aus dem Hause Hyperion mit Musik Erik Chisholms ist ein echter Hinhörer und es bleibt zu hoffen, dass sich das Label dazu entschließen wird, die begonnene und bislang höchst gelungene Werkschau in Zukunft noch etwas zu erweitern. ♦

Erik Chisholm: Violinkonzert / Dance Suite for Orchestra and Piano / Preludes from The True Edge of the Great World, Matthew Trusler (Violine), Danny Driver (Klavier), BBC Scottish Symphony Orchestra, Martyn Brabbins, Audio-CD, 63 Minuten, Hyperion CD-Label

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Schottische Musik-CD auch über die
CD-Neuheiten: The Edge of Time & The Last Island

Alberto Curci: Violinkonzerte (CD)

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Virtuosität voller Italianità

von Wolfgang-Armin Rittmeier

„Ich, auch ich war in Arkadien!“ Diese berühmte Schlusszeile aus Johann Gottfried Herders Gedicht „Angedenken an Neapel“ aus dem Jahr 1789 mag als Motto über die Biographie des italienischen Violinisten und Komponisten Alberto Curci gesetzt werden. Curci, der heute praktisch vergessen ist, wurde im Jahr 1886 im Schatten des Vesuvs geboren, studierte bei Henrich Vieuxtemps und Joseph Joachim, spielte im auf vielen bedeutenden Podien Europas, bevor ihn der Ausbruch des Ersten Weltkrieges dauerhaft zurück nach Italien führte, wo er sich schließlich auf Drängen des Komponisten Francesco Cilea hin am Konservatorium in Neapel niederließ, um dort 40 Jahre lang talentierte Jungviolinisten zu unterrichten.
Man muss sagen: eine glanzvolle Karriere, deren Impetus jedoch offensichtlich nicht genügte, um den Namen Curci dauerhaft im kollektiven Gedächtnis der europäischen Musikwelt zu verankern.

Sonne des Südens in jedem Ton

Alberto Curci: Violinkonzerte - Franco Gulli (Violine), Studio Orchestra, Franco Capuana, 72 Minuten, First Hand Records FHR CD-LabelUmso erfreulicher ist es, dass das Label FHR (First Hand Records) sich der bereits in den frühen 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entstandenen Aufnahmen der drei Violinkonzerte und der „Suite italiana in stile antico op. 34“ angenommen hat, um sie nun in einem Remastering von Jonathan Mayer und David Murphy erstmals auf CD vorzulegen.
Und was für wunderbare Musik ist das! Es lachte die Sonne des Südens quasi aus jedem Ton. Sicher ist Curcis Tonsprache – wie Tully Potter in seinem höchst informativen Einführungstext schreibt – keine ausgesprochen genuine, aber das wird wettgemacht durch seinen melodischen Erfindungsreichtum und den sicher auf den solistischen und orchestralen Effekt ausgerichteten Satz Curcis. Sei es im ersten Konzert d-Moll op. 21, das nicht umsonst den Beinamen „Concerto romantico“ trägt, sei es im zweiten d-Moll (op. 30) oder im dritten g-moll (op. 33): Der geneigte Zuhörer kann seine Freude haben an dem ausgesprochen gut gemachten Pendeln zwischen Virtuosität voller Italianità und schmelzenden „melodie lunghe lunghe lunghe“, ohne dass das Ganze jemals versatzstückartig und damit uninteressant werden würde.

Die Sprache der führenden Spätromantiker

Alberto Curci (1886-1973)
Alberto Curci (1886-1973)

Man merkt: Auch wenn die Konzerte aus den Jahren 1944, 1962 und 1966 stammen, so hat man es keinesfalls mit „moderner“ Musik zu tun. Curci ist durch und durch Romantiker und seine Sprache ist diejenige Mendelssohns, Brahms‘ und – es ist kaum zu verhehlen – Edward Elgars, dessen großformatiges Violinkonzert atmosphärisch bei der Komposition dieser Werke oft Pate gestanden haben dürfte. Vielleicht mag das auch dazu geführt haben, dass sein Oeuvre vollkommen aus den Konzertsälen verschwunden ist.

Ähnlich ist es ja auch anderen Spätestromantikern ergangen (man denke beispielsweise an den Schweden Kurt Atterberg). Die ebenfalls 1966 entstandene „Suite italiana in stile antico op. 34“ (im Grunde ein weiteres Konzerte für Violine) steht in einer Linie mit Komponisten wie Reger und Respighi, die ebenfalls Werke „im alten Stil“ schufen. Das ist zweifellos virtuose, historisierende Musik, bei der erneut die Violine im Zentrum des Geschehens steht, die aber an Ausdruckskraft etwas hinter den Werken der beiden genannten Komponisten und ganz besonders auch hinter den drei „offiziellen“ Violinkonzerten zurücksteht.

Alberto Curcis durch und durch romantischen Violinkonzerte sind klangschöne, melodieselige Kompositionen, voller Sentiment und Italianità. Die Wiedergabe durch den hervorragenden Geiger Franco Gulli lässt keinerlei Wünsche offen. Eine erfreuliche Wiederentdeckung durch das CD-Label First Hand Records FHR.
Alberto Curcis durch und durch romantischen Violinkonzerte sind klangschöne, melodieselige Kompositionen, voller Sentiment und Italianità. Die Wiedergabe durch den hervorragenden Geiger Franco Gulli lässt keinerlei Wünsche offen. Eine erfreuliche Wiederentdeckung durch das CD-Label First Hand Records FHR.

Doch gefällt die musikalische Darbietung insgesamt ausgesprochen gut. Das liegt insbesondere an dem wunderbaren Spiel des großen italienischen Violinisten Franco Gulli, der den Werken alles entlockt, was da nur zu entlocken ist. Spielfreude, ein sich bisweilen zugegeben nahe am Kitsch bewegender Mut zum Sentiment, Virtuosität und ein weicher und dennoch stets leichter Ton sind die Kennzeichen seines Spieles in dieser Produktion. Begleitet wird er durch ein „Studio Orchestra“, zusammengesetzt aus hervorragenden mailändischen Musikern, das der bedeutende Operndirigent Franco Capuana sicher durch diese süffigen Partituren leitet. ♦

Alberto Curci: Violinkonzerte – Franco Gulli (Violine), Studio Orchestra, Franco Capuana, 72 Minuten, First Hand Records FHR CD-Label

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Violinkonzert auch über
Bernhard Moosbauer: Vivaldi – Die vier Jahreszeiten
… sowie zum Thema Violine über

Komitas: Seven Songs (Klavier – CD)

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Aus dem wilden Kaukasus

von Wolfgang-Armin Rittmeier

„Die Musik von Komitas kommt“, – so Paul Griffeth in seinen Anmerkungen zu dem kürzlich bei ECM erschienenen Album „Komitas – Seven Songs“ – „was Raum und Zeit angeht, aus einer ungewöhnlichen Ecke der westlichen Musik: zum einen vom äußersten Rand dessen, was man westliches Gebiet nennen könnte – Armenien – und zum anderen auch aus den entferntesten Bereichen der romantischen Musiktradition des 19. Jahrhunderts.“ Tatsächlich haben es nur wenige Komponisten Armeniens bis ins Bewusstsein des europäischen Musikliebhabers geschafft – am ehesten vielleicht Alan Hovhaness, der (obschon Amerikaner) aus einer Familie armenisch-amerikanischen Ursprungs stammte und sich mit der Geschichte und Musiktradition seiner Vorfahren beispielsweise in seiner „Exile Symphony“ auseinandergesetzt hat.

Der armenischen Nationalmusik verbunden

Der Komponist, der ursprünglich Soghomon G. Soghomonian hieß und erst nach seiner Weihe zum Mönch gemäß der Tradition der armenisch-apostolischen Kirche als nun Neugeborener auf den Namen Komitas getauft wurde, war vielseitig begabt, wobei er sich speziell der armenischen Nationalmusik verbunden sah. Diese Nationalmusik sah er in den armenischen Volksweisen unmittelbar verkörpert, die er darum konsequent als Grundlage seiner meisten Kompositionen für Klavier wählte und sich somit bewusst oder unbewusst in die nationalromantische Musiktradition Europas einreihte.

Auf der hier vorgelegten CD nun finden sich – der Titel führt da etwas in die Irre – ausschließlich Klavierkompositionen. Die den Titel für die Kompilation stiftenden „Seven Songs“ finden sich gleich zu Beginn. Als „Yot Yerg“ (= Sieben Lieder) hat sie Komitas 1911 sowohl als Werke für Gesangsstimme als auch für Klavier solo herausgebracht. Pianistin Lusine Grigoryan, die aus Armenien stammt, hat sie mit Bedacht an die erste Stelle des Programmes gestellt, offenbaren sie doch exemplarisch die typische Verfahrensweise des Komponisten, seine Klaviersätze so zu gestalten, dass sie klanglich an Instrumente der armenischen Volksmusik erinnern. Und so vermitteln die sieben kurzen Stücke für den Hörer Klänge, die eigentlich der Tar, der Daf, der Duduk oder der Zurna zugehören. Neben dieser gewissermaßen didaktischen Dimension der hier vorgestellten Werke Komitas‘ hat es der Hörer mit einer Musik zu tun, die trotz ihrer am Volkslied orientierten Ausdruckweise alles andere als volksliedhaft im romantischen Sinne wirkt. Von nirgendwoher winkt ein Mendelssohn, ein Silcher, auch Schumann nicht, weder Brahms noch Vaughan Williams grüßen von fern.

Schwebender Musik-Charakter vermittelt Zeitlosigkeit

Mönch und Komponist: Komitas Vardapet (1869-1935)
Mönch und Komponist: Komitas Vardapet (1869-1935)

Das Überraschende und enorm Spannende der auf dieser CD vereinten Miniaturen – von dem gut zehnminütigen Tanzszene „Msho Shoror“ einmal abgesehen dauert kaum ein Stück länger als drei Minuten – ist, dass ihr häufig Zeitlosigkeit vermittelnder, schwebender Charakter. Gern gebe ich zu, dass ich beim ersten Hören der hier versammelten Stücke zunächst vermutet habe, es handle sich beim Komponisten um einen gegenwärtigen, einen, der sich in der Tradition eines Pärt wähnt. Es ist schon verblüffend wie nahe sich Komitas‘ Idiom bisweilen an Stücken wie dessen „Für Alina“ oder „Spiegel im Spiegel“ bewegt. Die „Sieben Tänze“ („Yot Par“) oder die zwölf „Stücke für Kinder“ („Mankakan Nvag“) wirken aufgrund ihrer tänzerischen Rhythmik nur im ersten Moment anders, und das auch nur graduell und nicht im Kern. Die beiden Nuclei des Personalstils Komitas‘ bilden überall die seltsam schwebende Grundhaltung und einen der Welt etwas entrückten Tonfall – zwei Idiosynkrasien, die vom ersten Ton an zu fesseln vermögen.

Pianistin Lusine Grigoryan erweist sich als kongeniale Interpretin dieser Musik. Luftiges, glasklares Spiel, sanfteste Anschläge, silbrige Tongebung, eine enorm sicher austarierte agogische Arbeit und eben jenes Händchen für den ganz speziellen Ton der Werke ihres Landmannes fügen sich wie selbstverständlich zu einer ausgesprochen stimmigen Lesart, die es schafft, diese Musik noch lang im Inneren nachhallen zu lassen. ♦

Komitas: Seven Songs, Lusine Grigoryan (Klavier), Audio-CD, 50 Minuten, ECM CD-Label

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Alan Hovhaness: Exile-Symphony (CD