Nils Günther: Der Gemeine Orchesterdirigent (Satire)

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Der Gemeine Orchesterdirigent

Nils Günther

Geschätzte Zuhörerinnen und Zuhörer!

In unserer musikzoologischen Vortragsreihe „Die Unterwelt der Musik“ wollen wir uns heute einer besonders verbreiteten, aber auch sehr interessanten und in weiten Teilen noch unerforschten Spezies zuwenden: dem Gemeinen Orchesterdirigenten.
Zunächst sollten wir den Gegenstand unserer Betrachtungen einmal definieren, denn obwohl den Gemeinen Orchesterdirigenten jeder kennt, ja wahrscheinlich viele von Ihnen selber den einen oder anderen davon im Plattenregal stehen hat, stellen wir uns mal ganz dumm und fragen: Was ist ein Dirigent?

Dirigent Richard Wagner erstürmt den Himmel (Zeitgenössische Karikatur)
Dirigent Richard Wagner erstürmt den Himmel (Zeitgenössische Karikatur)

Hierzu muss man in der Historie recht weit zurückgehen, eigentlich in die graue Vorzeit, an jenen Punkt, wo einer aus der Herde das Maul besonders weit aufriss und sich dadurch zum Leithammel machte. Dass dafür das Maulaufreissen allerdings nicht lange reichte, kann man sich vorstellen; Argumente allein hatten noch selten ewig Bestand. Daher war es nützlich, sich durchaus physischer Gewalt zu bedienen, etwa indem man einen grossen Knüppel nahm und alles, was aufmüpfig war einfach niederschlug.
Aus eben dieser Figur des Leithammels entwickelten sich mehrere bis in die heutige Zeit existente Tätigkeiten, die alle mit Machtpositionen zu tun haben. Der Politiker, der Boxer, der Zahnarzt und der Dirigent: sie alle haben ihre Wurzeln im prähistorischen Knüppelschwinger, nur dass die Knüppel im Laufe der Evolution extrem verkümmert oder überhaupt zu rein geistigen geworden sind. Beim Dirigenten ist dieser letzte Rest des Knüppels aber in Form eines kleinen Stäbchens noch gut zu erkennen, auch wenn sich die Funktion seiner Keule ein wenig gewandelt hat. Sie wird nicht mehr zum direkten Prügeln benutzt, letzteres wird vielmehr bloss noch angedeutet; der Dirigent „gibt den Takt an“, wie man sagt. (Ob er viel mehr tut, ist von der Wissenschaft noch nicht endgültig geklärt).
Diverse Sagen ranken sich um einige besonders heroische Dirigenten der Vergangenheit. So erzählt man sich heute noch voller Erschauern die Geschichte von Lully, der sich mit seinem (damals noch durchaus knüppelhaften) Stab den Fuss rammte und kurz darauf verschied. Ein Suizid der besonderen Art!

Dirigent Benjamin Bilses bestrickende Leitung (Zeitgenössische Karikatur)
Dirigent Benjamin Bilses bestrickende Leitung (Zeitgenössische Karikatur)

Doch diese heroischen Zeiten sind eigentlich vorbei, heute scheuen die meisten Dirigenten das Risiko, und kaum einer würde mehr selbst ein solches Opfer für die Kunst bringen. Nein, heute geht es dem Dirigenten in erster Linie darum, dem Komponisten zu zeigen, was eine Harke ist. Wedelnd steht der Dirigent an seinem Pult und fuchtelt alle ihm untergebenen Musiker in die Knie. Selbst bei Messen und anderen geistlichen Werken hat der Dirigent keine Skrupel, statt Andacht das blanke Stäbchen walten zu lassen. Das Werk hat vor dem Maestro zu erzittern, nicht etwa umgekehrt! Was man hört ist nicht Mozart oder Beethoven, sondern Bernstein oder Celibidache.
Der Dirigent muss nur die Auf- und Abwärtsbewegung des Stabes erlernen, nichts weiter. Zählen kann das Orchester allein, und zwar gut genug, um sich nicht durch das unrhythmische Gefuchtel aus der Ruhe bringen zu lassen. Gewiefte Dirigenten bringen es zustande, mit der freien Hand ebenfalls Bewegungen auszuführen. Solche Wunderknaben sind rar, und der tosende Applaus ist ihnen gewiss. Schliesslich ist das so, als ob ein dressierter Affe gleichzeitig eine Banane isst und sich mit dem linken Fuss am Kopf kratzt. Vor solcherlei Launen der Natur hatte der Pöbel schon seit jeher Respekt. Zu Recht.
Der Weg zum Dirigentendasein führt also über mehrere Stationen. Zunächst muss man einiges an Feinmotorik mitbringen, um überhaupt ein Stäbchen koordiniert bewegen zu können. Nicht nur muss das Holzstück auf und ab bewegt, nein, es muss dabei auch fest genug gehalten werden, so dass es nicht versehentlich aus der Hand fällt. Einem angehenden Maestro werden in der ersten Probephase denn auch diverse Unfälle nicht erspart bleiben, von ausgestochenen Augen über tote Haustiere und zerstörte Porzellansammlungen bis hin zu unabsichtlich kastrierten Schulfreunden. Ist diese Klippe nach Jahren zermürbernden Trainings umschifft, muss sich der Dirigent einige feinere Eigenschaften antrainieren wie Arroganz, Geldgier, Oberflächlichkeit und Narzissmus. Manche haben darüber hinaus eine rudimentäre musikalische Grundausbildung, doch darauf kann man sich nicht verlassen.

Dirigent Gustav Mahlers Kakaphonie (Zeitgenössische Karikatur)
Dirigent Gustav Mahlers Kakaphonie (Zeitgenössische Karikatur)

In aller Regel muss man zufrieden sein, wenn der Dirigent weiss, in welche Richtung er zu blicken hat. (Für gewöhnlich hat er ja einen Handlanger, der sich Konzertmeister nennt. Dieser schüttelt dem Dirigenten immer wieder die Hand, damit der Maestro seine Position wieder richtig einnimmt, und auch, damit sich die um das Stäbchen gekrampfte Hand wieder etwas entspannen kann). Intelligentere Exemplare der Spezies sind zudem in der Lage, blitzschnell ihre Position durch eine Drehung um 180 Grad zu verändern, um sich gekonnt zum Publikum hin zu verbeugen. Einigen von ihnen gelingt es sogar, sich anschliessend wieder mit katzenartiger Behendigkeit in die Ausgangslage zurück zu bewegen. Doch das ist angeborenes Genie, welches sich dem Normalsterblichen nur schwer erschliesst.
Ein weiteres bedeutungsvolles Moment kommt hinzu: die Mimik. Sie ist die wahre Kunst des Dirigenten. So kann man es etwa bei Lorin Maazel beobachten, der mit seinem Blick unmissverständlich zu verstehen gibt, dass er nicht nur alle Musiker und das Publikum, sondern auch die Musik selbst abgrundtief verachtet und nur dort droben auf dem Podest steht, weil der Taxameter tickt und ihm den neuen Swimmingpool als sicher finanziert verspricht.

Dirigent Carl Rosa beim Geldverdienen (Zeitgenössische Karikatur)
Dirigent Carl Rosa beim Geldverdienen (Zeitgenössische Karikatur)

Der Dirigent ist in der glücklichen Lage, das meiste Geld zu verdienen und dafür am wenigsten tun zu müssen. Er muss in der Regel nur einen Auftakt schlagen, danach läuft die Sache quasi von selbst. Üben kann der Dirigent in seinem Sessel zu Hause mit einem feinen Glas Cognac in der einen Hand und der Partitur in der anderen. Lesen kann er sie grösstenteils nicht, und so verbringt er die Zeit damit, die schwarzen Punkte mit einem Buntstift zu verbinden und sich von den entstehenden Bildern überraschen zu lassen.
Es ist natürlich nicht verkehrt, wenn der Dirigent den Schluss der Komposition nicht verpasst. Danach weiterzuschlagen wäre nicht von Vorteil. Denn der gebildete Dirigent weiss, dass der Schluss in 90 Prozent aller Fälle laut und immer von Stille gefolgt ist. Diese Stille muss schnell genug wahrgenommen werden, was schon schwieriger ist, da es zur verbindlichen Natur eines Dirigenten gehört, maximal zehn Prozent Hörfähigkeit zu besitzen. Aber der wahre Künstler hat es halt im Blut und wird blitzschnell reagieren, den Atem anhalten und erstarren, sich kurz darauf mit einem Nicken umdrehen und erleichtert sein, wenn tatsächlich geklatscht wird und er nicht doch einfach bei der Generalpause aufgehört hat. Aber da stehen die Chancen fity-fifty, da kennt die wahre Spielernatur gar nichts.
Ansonsten muss der Dirigent noch ein Autogramm geben können und einen Plattenvertrag unterschreiben, den Rest macht sein Assistent.
Derzeit wird die Dirigententätigkeit für sehr viele arbeitslose Fleischer und Polizisten interessant, doch nur wenige wagen einen solchen beruflichen Abstieg tatsächlich, viele werden wegen Überqualifikation auch gar nicht von den Orchestern angenommen. – Meine Damen und Herren, ich hoffe, Ihnen einen Einblick in die so faszinierende Welt des auf allen Kontinenten heimischen, aber immer noch rätselhaften Gemeinen Orchesterdirigenten gegeben zu haben. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit! ♦


Nils Günther Nils Günther

Geb. 1973 in Scherzingen/CH, Klavier- und Kompositions-Studium in Berlin und Winterthur, zahlreiche kompositorische Veröffentlichungen und Radio-Aufnahmen, lebt seit 1999 als Komponist in Berlin

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Lars Bremer: Die 32-Steiner (Schach-Satire)

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Die 32-Steiner

von Lars Bremer

Sämtliche Schachstellungen in einer 32-Steiner-Tablebase-Datenbank zu erfassen gilt als unmöglich. Aber warum eigentlich? Geht es vielleicht doch? Und wenn ja, wie geht es – und vor allem: wann?

Im Schachklub trifft man die seltsamsten Leute. Komischerweise trinken alle gern Bier, und so sassen neulich ein paar Schachfreunde mit mir um einen Kneipentisch herum. Einer, von Beruf Philosoph an der Uni, dozierte: „Na gut, der Kramnik mag verloren haben, aber die Rechner werden niemals perfekt spielen, wir werden immer die Möglichkeit haben, sie zu besiegen, denn das Schachspiel ist unerschöpflich und nur ein kreativer Geist kann versuchen, es zu ergründen. Er wird keinen Erfolg haben, aber der Weg ist das Ziel! Die Computer jedoch werden auf ewig daran scheitern und sich in den endlosen Varianten verlaufen!“
Zufrieden griff er zu seinem Bierglas, da meldete sich ein Mathematiker: „Unerschöpflich würde ich eigentlich nicht sagen. Die längste mögliche Schachpartie dauert schliesslich 5899 Züge, und dabei schon müssen beide Seiten sorgfältig kooperieren. Normale Partien, in denen jeder den besten Zug macht, dauern bei weitem nicht so lange.“
Der Philosoph konterte: „Das ist egal, es gibt mehr Schachpartien als Atome im Universum. Niemals wird man die berechnen können!“
„Das stimmt schon“, sagte der Mathematiker. „Aber Stellungen gibt es viel weniger, nämlich nur etwa 2,28*10ˆ46. Die Sechssteiner gibt es schon, warum sollte es nicht irgendwann die 32-Steiner geben?“

Astronomische Schach-Zahlen…

Ich mischte mich ins Gespräch: „Das ist ganz einfach. Die Endspiel-Datenbanken berechnen aus der Stellung die Speicher-Adresse. An der steht dann, wie viele Züge zum Gewinn nötig sind. Bei 5899 Zügen braucht man pro Stellung also zwei Byte. Macht für alle Stellungen 4,56*10ˆ46 Byte. Nächstes Jahr wird es eine Festplatte geben, die ein Terabyte speichert, also 1024 GByte oder 1.048.576 MByte und so weiter. Die einfache Rechnung ist: Du wirst ewa 4,15*10ˆ34 von diesen Terabyte-Festplatten brauchen.“
„Klingt doch beherrschbar“, sagte der Mathematiker und grinste.
„Beherrschbar?“, fragte ich. „Wir können ja mal weiterrechnen. Eine Festplatte hat die Masse 14,5x10x2,5 Zentimeter, also ein Volumen von 0,0003625 Kubikmetern. Zusammen ergäbe das ein Volumen von 15 Trilliarden Kubikkilometern, das entspricht einem Würfel von fast 25 Millionen Kilometern Kantenlänge. Nur aus Festplatten! Die Erde hat dagegen nur einen mageren Rauminhalt von etwas mehr als einer Billion Kubikkilometern, sie würde fast 14 Milliarden Mal da reinpassen. Auch mit der Sonne sieht es nicht besser aus, der Festplattenwürfel würde so gross sein wie zehntausend Sonnen! Du müsstest alle Sterne in 30 Lichtjahren Umkreis abreissen und zu Festplatten verarbeiten!“
Ein Elektro-Techniker hatte auch zugehört und warf ein: „Wenn der Zentralrechner in der Mitte des Würfels sässe, würde jede Anfrage zu den in den Ecken befindlichen Festplatten trotz Lichtgeschwindigkeit 71 Sekunden unterwegs sein! Und zurück natürlich dieselbe Zeit brauchen.“
„Was nicht wichtig wäre, weil euer Würfel ohnehin unter seiner eigenen Gravitation kollabieren und zu einem schwarzen Loch zusammenstürzen würde“, meinte ein Physiker.

Alle 18 Monate verdoppelt sich die Rechnergeschwindigkeit…

Glauben vs Wissen, Hoffen vs Bangen: Kann Schach dereinst
Glauben vs Wissen, Hoffen vs Bangen: Kann Schach dereinst „gelöst“ werden?

Der Philosoph nahm zufrieden sein Bierglas zur Hand, der Mathematiker aber sagte: „Ja, das sind sehr grosse Zahlen. Aber warum sollen die Potenzen nur immer gegen uns arbeiten? Die Festplatten fassen doch jedes Jahr mehr! Wie lange hat es bis jetzt immer gedauert, bis die Kapazität sich verdoppelt hat?“
„Im Mittel drei Jahre, eher weniger“, schätzte ich.
„Aha, drei Jahre.“ Der Mathematiker rieb sich die Hände. „Mal angenommen, das geht so weiter. Dann haben wir 2010 eine Platte mit zwei Terabyte …“, er wurde still und bewegte die Lippen. „… und im Jahre 2352 eine Festplatte mit der nötigen Speicherkapazität für den 32-Steiner.“
Er kicherte, und am Tisch wurde es still. Nach einer Weile meldete sich der Philosoph: „Na gut, vielleicht kann man die Daten speichern, aber ausrechnen kann man sie nicht!“
Ich mischte mich auch wieder ein: „Genau! Mal angenommen, ein Tablebase-Generator könnte eine Miliarde Stellungen pro Sekunde erzeugen und bewerten. Das ist extrem optimistisch, aber mit grossem Aufwand könnte man so eine Maschine vielleicht bauen heutzutage. Dann bräuchte der für 2,28*10ˆ46 Stellungen 2,28*10ˆ37 Sekunden. Das wären 7,2*10ˆ29 Jahre. Das Universum ist 13,77 Milliarden Jahre alt, und du willst sieben Quadrilliarden Jahre an den 32-Steinern rechnen? Das wäre 52 Trillionen mal so lange, wie das Universum existiert. Da windest du dich nicht raus!“
Der Mathematiker lachte. „Wenn es um grosse Zahlen geht, seid ihr alle Anfänger. Ihr lasst sie ja gegen euch arbeiten, dabei geht es auch umgekehrt! Moores Gesetz kenne sogar ich, alle 18 Monate verdoppelt sich die Rechnergeschwindigkeit. Wollen mal sehen, was von euren Quadrilliarden noch bleibt. Wir bauen jetzt einen Computer, der eine Milliarde Stellungen pro Sekunde erzeugt. Hm, dann sind das, dumdidum, hm, zack, hey, das geht ja noch schneller als mit den Festplatten! Also, wir werden im Jahre 2195 einen Computer haben, der die 32-Steiner ratzfatz hastdunichtgesehen ausrechnen kann.

Wenn nicht in 200, dann eben in 2000 Jahren…

Ich fasse zusammen, meine Herren: wenn der Fortschritt fortschreitet wie bisher, dann werden wir im Jahr 2195 die Rechenleistung haben, um die 32-Steiner theoretisch zu erzeugen, und im Jahre 2352 geht es dann auch praktisch, weil wir dann Datenträger haben werden, die gross genug sind. Noch Fragen?“
„Ja!“, rief der Philosoph empört. „Die Steigerung der Rechenleistung und der Speicherkapazität wird sich doch sicher verlangsamen!“
„Vielleicht“, antwortete der Mathematiker, „aber selbst wenn, was ändert das? Wenn sich die Kapazität der Platten nicht alle drei Jahre verdoppelt, sondern bloss alle 30, was soll‘s? Dann hätten wir trotzdem in dreieinhalbtausend Jahren so eine Platte. Das gilt auch für die Rechenleistung. Wenn wir die nicht in 200 Jahren haben, dann eben in 2000 Jahren. Ich gebe zu, dass das eine lange Zeit ist, viel zu lang für uns, aber historisch vollkommen unbedeutend, und jedenfalls viel zu kurz, um von ‚unmöglich‘ oder ‚niemals‘ zu sprechen, wie du es getan hast. Die Pyramiden von Gizeh wurden vor 5000 Jahren erbaut. Kannst du dir vorstellen, was in 5000 Jahren sein wird? Oder in 50.000 Jahren? Abgesehen mal davon, dass es eine Datenbank geben wird, die sämtliche Schachstellungen enthält, denn das müssen wir uns nicht vorstellen – ich habe es ja gerade bewiesen!“
Der Mathematiker grinste sardonisch und bestellte noch ein Bier. Die Tischgesellschaft beschloss, lieber über Schnittblumen zu reden. Dennoch treibt mich seitdem die Frage, ob der Mathematiker recht hatte oder ob er sich geirrt hat. Und wenn ja, wo er sich geirrt hat? ♦


Lars Bremer

Geb. 1968, Software-Entwickler und Journalist, Ex-Chefredakteur der Computerschach-Zeitschrift CSS-Online, lebt in Langenhagen/BRD

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Schach-Satiren auch von Karl gross: Das Drama des unbegabten Schachlehrers

… sowie zum Thema Schach-Belletristik das Schach-Gedicht von Stefan Walter: Die Schlacht von Tilburg

Herbert Friedmann: Im Literaturhaus (Satire)

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Im Literaturhaus

Herbert Friedmann

Der Abend dämmerte, als sich die Bewohner des Literaturhauses im Gemeinschaftsraum versammelten und ihr Schicksal beklagten.
„Mir wurde ganz übel mitgespielt“, jammerte ein vierzeiliges Gedicht. „Jeder Deutschlehrer masste sich an, auf meinen zarten Versfüssen herumzutrampeln.“
„Was soll ich erst sagen!“ polterte ein zeitgenössischer Roman. Mit einem Schmerzgesicht deutete er auf die vielen Narben – kaum verheilte Wunden, die ihm scharfzüngige Kritiker zugefügt hatten. Das Vierzeilen-Gedicht grinste, denn es mochte die Prosa nicht.
„Lyriker“, brummte der Roman daraufhin verächtlich.
„Schaut mich an“, flötete die Idee, „seht nur, was mein Autor mit mir angestellt hat.“ Alle blickten zu der winzigen Idee, die in der Tat Mitleid verdiente: Ein Drehbuchschreiber hatte sie rücksichtslos zu einem Vorabendfüller ausgewalzt.
„Ja, schrecklich“, seufzte eine bleiche Erzählung. „Aber Dich hat die Öffentlichkeit wenigstens wahrgenommen, mich dagegen schweigen die Rezensenten schon ihm zehnten Jahr meines Erscheinens tot.“
„Und ich erst, und ich erst!“ nölte ein sozialkritisches Jugendbuch. „Mich hat man in den Schulen als Aushilfspädagoge missbraucht…“
„Aus mir hätte ein Klassiker werden können“, quakte ein Dramatischer Einakter dazwischen.
„Nicht schon wieder!“ stöhnte das Vierzeilen-Gedicht. „Wir wissen, dass Du beinahe einen Preis bekommen hättest, wenn Dein Regisseur nicht…“
Es pochte zaghaft gegen die Tür. Der zeitgenössische Roman öffnete. Eine kleine Satire blieb verschüchtert in der Tür stehen.
„Darf ich bei Euch bleiben?“ nuschelte sie. „Ein Fernsehredakteur hat mir gerade alle Zähne gezogen!“ ♦


Herbert Friedmann - Autor - Glarean MagazinHerbert Friedmann

Geb. 1951 in Gross-Gerau/D, Lehre als Einzelhandelskaufmann, zahlreiche Buch-Veröffentlichungen (Kinder- und Jugend-Bücher, Lyrik, Theaterstücke, Hörspiele), Träger verschiedener Literaturpreise und Stipendiate, lebt seit 1977 als freier Autor in Darmstadt/D

Lesen Sie im Glarean Magazin auch die Satire von
Helmut Haberkamm: Anschaffungen

und den Reise-Kurzprosa-Text von
Christa Degen: Isla de Los Lobos

… sowie drei Berg-Short-Stories von
René Oberholzer: Der Berg – Der Kompromiss – Die Überstunden – Das Interview

Ernst-Edmund Keil: Milch und Blut (Satire)

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Milch und Blut

Ernst-Edmund Keil

Stadtrandsiedlung der Bayerisch-Königlichen Metropole. Im Postamt auf der Rückseite des Balkan-Grills, wo er sich an den Schalter stellt, in eine Schlange, nachdem er zu Hause, hoch im Norden und also für ihn unerreichbar, sein Telefonbüchlein hatte liegen lassen, vergesslicherweise, die begehrte Nummer auch hier, am Ständer, nirgendwo entdecken konnte, denn der war vielfach freistaatlich besetzt und hatte keinen Raum mehr für den Rest der Republik.
Also schlängelt er sich geduldig, hoffnungsvoll an den Schalter heran. Vor ihm ein Mann in einer „Lederhosen“ mit Gamsbart und bajuwarischem Äusseren. Wer sagt’s denn! Gestern war er noch in der Innenstadt gewesen, hin mit S und retour mit U, und hatte den Eindruck gewonnen, die Römer seien als Sieger an den Limes zurückgekehrt und hätten die Bajuwaren endgültig zu einem museal-archäologischen Thema deklariert. Dem, denkt er, ist also nicht ganz so oder so ganz. Im Gegenteil. Nachdem der Lederbehoste postalisch bedient war, erscheint jetzt vor ihm im offenen Schalteroval, nicht anders als in einer frühromanischen Mandorla, ein Gesichtchen, ein weibliches, aus Milch und Blut, das ihn an altbayerische Frömmigkeit erinnert – auch sie, denkt er, gibt es also noch -, und das richtet nun mit Madonnenblick und autochthonem Zungenschlag die frühchristlichen Augen auf bzw. gegen ihn, dass er geradezu ins Stottern gerät.
Auf dem Ständer, versucht er ihr missverständlich klarzumachen, habe er eine Nummer begehrt, leider völlig vergeblich, worauf sie mit verschämter Unschuld (oder Neugier?) ihre mandelbraunen Madonnenaugen niederschlägt. Ja, und ob sie ihm vielleicht, hinter dem Schalter, seine Nummer geben könne – nein? – oder doch sein Buch, und nennt schliesslich die Stadt, die er sucht und die hoch im Norden seines Vaterlandes liegt. Worauf sie, durchatmend, aufsieht, mit dem Engelsköpfchen nickt und, nachdem sie ihn versöhnlich um Geduld gebeten, aus seinem Gesichtskreis verschwindet, oder sollte er besser sagen: entschwebt? Wohin wohl und hoffentlich nicht für immer?
Doch kehrt sie nach einem Weilchen, leis‘ und mit leerer Hand, zurück, das holde Haupt diesmal in der Horizontalen bewegend, mit christlichem Bedauern. Sie habe nur bayerische Bücher, und die Stadt, die er suche, liege augenscheinlich nicht im Freistaat, sondern ausserhalb. Das Ausland aber, bittschön, würd‘ er nur finden auf der Hauptpost, in Mosach, wissen s, da herunten bei der U-Bahn. Und bescheidet ihn, hold lächelnd wie der Isarhimmel, mit einem seligen „Grüss Gott!“ Er verspricht, als Glaubensbruder, ihn zu grüssen, obwohl er, wegen der Nummer, diese Bayernpost im Herzen tief zum Teufel wünscht.
Draussen ist es, obgleich erst Anfang Juni, heiss wie in Afrika. An der Ecke steht ein Araber mit einem Obststand unter freiem Sommerhimmel und preist singend seine Früchte an. Er kauft ein Schälchen, das kostet so viel oder so wenig wie in seiner 600 Kilometer entfernten Heimatstadt am Rhein. Auf dem Preisschildchen ist – nicht bajuwarisch, nicht semitisch. sondern lutherisch-national – zu lesen: „Deutsche Erdbeeren“. Na, wer sagt’s denn! Das reisst die Grenzen, die diese bayerische Madonna ihm lieblich-streng gezogen, hernieder bis auf den mütterlichen Grund und lässt ihn, als Staats- und Bundesbürger, wieder freier atmen. Oh einig-süsses Vaterland, denkt er, wie lieb ich dich, und schiebt mit diesen Worten sich eine dicke, deutsche Erdbeere ungewaschen in den Mund. ♦


Ernst Edmund Keil - Glarean Magazin

Ernst-Edmund Keil

Geb. 1938 in Duisburg-Huckingen/D, Studium der Germanistik und Anglistik in Bonn, Studienassessor in Oberhausen&Mülheim, anschliessend Professur für Deutsche Literatur a. d. Universität Valencia/ESP; zahlreiche belletristische, lyrische, theatralische und essayistische Buch-Publikationen sowie herausgeberische Tätigkeit, Träger verschiedener Literaturpreise, lebt in Sinzig-BadBodendorf/D

Lesen Sie im Glarean Magazin auch die Satiren von
Lothar Becker: Hitler in der U-Bahn
Franz Felix Züsli: Taksi!
Jutta Miller-Waldner: Sowat von süss!

Helmut Haberkamm: Anschaffungen (Satire)

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Anschaffungen

Helmut Haberkamm

Eigentlich wollten wir schon vor drei Jahren uns ein Baby anschaffen. Doch dann hab ich meine Frau aber noch einmal rumgekriegt, und wir haben uns einen schönen neuen aus der Dreierreihe von BMW zugelegt. Hat sich rentiert, kann ich Ihnen sagen. Laufkultur, sparsam, wenn man aufs Gas geht, zieht er ab, des glaubens net! Und vor allem halt: umweltfreundlich! Steuerbegünstigt! Das genaue Gegenteil von einem Baby halt, könnte man sagen.
Das erinnert mich an den Ausspruch eines alten Schulfreundes. Der hat immer gesagt: Kinder sind laut, stinken und kosten Geld. Das hat der oft gesagt. Sonst wüsst ichs ja auch nimmer. Naja. jetzt wird ers wohl auch nimmer sagen. Oder erst recht wieder, wer weiss. Obwohl es natürlich schon stimmt irgendwie, oder etwa nicht? Genau.
Also der BMW hat sich rentiert, glaums mer des! Der Motor astrein, wie ein Rasierer! Bremsen wie Watte, der Abzug wie beim Starfighter. Spitze!
Naja, meine Frau gibt keine Ruhe net. Will sich jetzt halt partout so ein Baby anschaffen. Ich mein, ich hab eigentlich nix dagegen. Leisten können wir uns des spielend! Und wie! Es ist ja heutzutage auch steuerlich interessant geworden, muss ich schon sagen. Doch, doch. Na, und meine Frau ist beim Staat, verstenners, da bleibts daheim und kann später getrost wieder zurück auf ihren Posten. So Frauen brauchen halt immer irgendwas, das sie ablenken tut und ihnen Freude macht und so. Naja, und im Grunde geht mir ja auch gar net so viel drunter ab, sagt meine Frau. Und des muss ich schon auch sagen. Irgendeinmal muss es halt doch sein. Was solls? Irgendwann kommt jeder einmal dran. Und jetzert sind halt wir an der Reihe. Ich mein ja auch, wir sind alt genug, meine Frau weiss schon, was wir wollen. Und ich sag Ihnen ganz ehrlich, auch wenn das Fernsehprogramm besser geworden ist, ja, wir ham eine Schüssel droben, prima Sache, rund um die Uhr, jaja, auch an Video, klar, da such ich mir immer aus, was mir gefällt, das Beste ist ja gerade gut genug, sag ich immer. Warum denn auch nicht, Menschenskind?
Urlaub ist ja auch nix mehr! Alle fahrn ja in Urlaub heutzutage, also, wo wolln Sie denn noch hin? Und wenn Sie ständig Deutsche treffen, da vergeht Ihnen der schönste Urlaub, das sag ich Ihnen. Und das Meiste haben die ja eh verschandelt und verdreckt. Das Ursprüngliche könnens doch längst vergessen.
Also jetzt probiern wir halt mal was anderes. So ein Dingsbums, ein Baby. Steuerlich nicht zu verachten, wirklich, hätt ich nicht gedacht, auch muttermässig und rentenhalber. Kann ich Ihnen nur empfehlen. Sonst schenkt man ja alles dem Staat, und der den ganzen Ostbrüdern, den rübergelaufenen!
Obwohl, ich hab bald TÜV und da macht mer sich so seine Gedanken, und ich sags Ihnen ganz ehrlich, also, der neue BMW, der grosse, der Fünfer, der tät mir schon raushängen. Vielleicht nimmt meine Frau den alten fürs Baby zum Einkaufen und fürn Doktor, und ich nehm einen neuen. Ja, so könnten wirs machen. Das tät mir schmecken. So ham wir alle was davon, stimmts? ♦


Helmut Haberkamm

Geb. 1961 in Dachsbach/D, Studium der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik in Erlangen und Swansea/Wales, Promotion; zahlreiche Mundart-Prosa-Publikationen in Büchern und Zeitschriften, Träger verschiedener Literaturpreise, lebt als Gymnasiallehrer in Spardorf/D

Lesen Sie im Glarean Magazin auch die beiden Humoresken:

Franz Felix Züsli: Taksi!

Jutta Miller-Waldner: Und Kutte lachte

… sowie zum Thema Satire die essayistische Notiz von
Walter Eigenmann: Über die Satire

Georg Schwikart: Dichtersorgen (Satire)

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Dichtersorgen

Georg Schwikart.

Es ist doch immer das Gleiche. Wenn ich in der Badewanne sitze, kommen mir die besten Gedanken für einen Roman. In der U-Bahn liegen mir die zartesten Gedichte auf der Zunge. Hundemüde im Bett ruhend, schreibt mein Geist spritzige Kurzgeschichten. Ich könnte die Reihe beliebig fortsetzen. So fällt mir beim Spülen ein, dass man zu bestimmten Sachverhalten unbedingt Untersuchungen anstellen müsste, oder in ein interessantes Gespräch vertieft, überfällt mich die lang gesuchte, treffende Formulierung für einen Essay.
Auf den Punkt gebracht lautet also die Grundregel: Immer genau dann, wenn weder Papier noch Schreibgerät zur Hand sind, immer genau dann küsst mich die Muse.
Habe ich aber voller Tatendrang an meinem Schreibtisch Platz genommen, um die Welt mit meinen geistigen Ergüssen zu beglücken, dann ist mir, als beherrschte ich nicht einmal das Schreiben. Mit den nun reichlich vorhandenen Füllern, Bleistiften und Kugelschreibern traktiere ich abwechselnd stapelweise Papier. Ich kritzle und male, schreibe das eine oder andere Wort, streiche es wieder durch – leer, das Papier bleibt leer. Weil der Kopf leer ist. Nichts, gar nichts will mir gelingen.
Nun, ich will mich inspirieren, schaue zum Fenster raus. Es ist schmutzig. Schnell blicke ich wieder aufs Papier. Es ist leer.
Ich giesse die Blumen, die Ärmsten waren schon ganz vertrocknet. Ich begebe mich zurück zum Schreibtisch, dieser Folterstätte. Ich male einen Kreis auf das Blatt. Einen Punkt in die Mitte. Ich zerknülle das Blatt und werfe es weg.
Einen Kaffee trinke ich, esse ein paar Plätzchen. Mir geht es schon viel besser. Meinen Schreibtisch mag ich nicht mehr ansehen. Ich setze mich zwar hin, doch eigentlich ignoriere ich dieses Möbel. Auch den Stift in meiner Hand verachte ich, ebenso die eigenartige Wortkonstellation, die er gerade zu Papier gebracht hat. Ich bin dafür verantwortlich.
Ich lese. Erst eine Zeitung, dann in einem Buch. Durst habe ich, ach nein, Kaffee habe ich gerade erst getrunken. Die Blumen sind auch schon gegossen, schade.
Ich betrachte meinen Schreibtisch und tue so, als ginge ich zum ersten Male zu ihm. Hallo, alter Junge, begrüsse ich ihn. Doch er mag mich nicht.  Er bleibt stumm, wie mein Stift und das Papier. Ich hasse Papier.
Ich gehe zu Bett, gestresst, müde, depressiv, zerfallen mit Gott und der Welt. Meine geschwächten Glieder geniessen das ruhige Liegen auf der Matratze.
Da, als ich gerade froh bin, dass dieser grausame Tag ein Ende gefunden hat – mir fallen die Augen zu, ich weiss nicht mehr, in welcher Lage ich mich befinde -, da kommen sie: Einfälle über Einfälle.
Ich bin über mich selbst begeistert. Phantastisch! Gelungen! Ich schlafe ein.
Aus mir hätte ein grosser Schriftsteller werden können. Sei’s drum. ♦


Georg Schwikart - Glarean MagazinGeorg Schwikart

Geb. 1964 in Düsseldorf, Studium der Religionswissenschaft, Theologie und Volkskunde, Promotion; zahlreiche belletristische und essayistische Veröffentlichungen für Erwachsene und Kinder in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien, verschiedene Beiträge für Radio und Fernsehen, Leiter von Literarischen Werkstätten, lebt als freier Schriftsteller und Publizist in St. Augustin/BRD

Lesen Sie im Glarean Magazin auch die Satire von
Herbert Friedmann: Im Literaturhaus

Diogenes-Verlag: Tintenfass Nr. 31 (Satiren)

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„Was zum Teufel ist mit Gott los?“

von Walter Eigenmann

In seiner 31. Ausgabe (!) will jetzt das legendäre, im Schweizer Diogenes-Verlag jährlich zur Frankfurter Buchmesse frisch aufgefüllte „Tintenfass“ ganz hoch hinaus. Genau genommen bis in den Himmel – allerdings mit gelegentlichen Abstechern zur Hölle. Denn das just erschienene neue „Magazin für den überforderten Intellektuellen“ widmet sich dezidiert einer Frage, die gerade Intellektuelle seit Nietzsches Befund, dass Gott tot sei, permanent (über-)fordert: „Was zum Teufel ist mit Gott los?“

Das Who-is-Who der -ismen

Tintenfass Nr. 31 - Was zum Teufel ist mit Gott los - Diogenes Verlag - Glarean MagazinEine Frage wahrlich gott-losen, ja teuflischen Ausmasses, und eine, die zu beantworten man eine Armada von Geistesgrössen aller Zeiten, Kontinente und Stile aufzufahren gezwungen ist. Was die beiden Herausgeber Daniel Kampa und Winfried Stephan denn auch 414 üppig vollgeschriebene und -gezeichnete Buchseiten lang tun. Das Autorenverzeichnis liest sich beinahe wie das Who-is-Who des Theismus, Atheismus und Agnostizismus der neueren Geistesgeschichte. Da steht ein Gespräch mit Bernhard Schlink über „Ethikunterricht in der Schule“ neben einem Aufsatz von Ludwig Marcuse über „Kann man heute noch beten?“; Satiren wie H.G. Wells‘ „Jimmy Glotzauge, der Gott“ neben Tiefgründigem wie Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“; Chaplins berühmte Schlussrede aus seinem „Diktator“ neben Lessings noch berühmterer „Ringparabal“; ein Interview mit Woody Allen („Kunst ist der Katholizismus der Intellektuellen“) neben einem vielseitigen Sammelsurium von „ehrfürchtigen und weniger ehrfürchtigen“ Gebeten von Teresa v. Avila bis Hans M. Enzensberger; oder der „Brief aus dem Gefängnis“ von KZ-Opfer Graf von Moltke neben Prosa-ischem der Regisseurin Doris Dörrie („Burberry-Blues“).

Sinnstiftendes und Übersinnliches

Karikaturist Bosc: Zurechtlegung des Glaubens (Tintenfass Nr. 31 - Diogenes Verlag)
Karikaturist Bosc: Zurechtlegung des Glaubens (Tintenfass Nr. 31 – Diogenes Verlag)

Das Motto des neuen „Tintenfasses“, nämlich „Sinnstiftendes und Übersinnliches“, verspricht also keineswegs zuviel. Kommt noch hinzu, was in den Diogenes-Tintenfässern immer hinzukommt, nämlich eine Fülle von exquisit-handverlesenen Zeichnungen, Cartoons und Illustrationen, welche dem religiösen Wort dort weiterhelfen, wo es Bilder braucht. Und seien es solche respekt- bis pietätlosen Schwarz-Weiss-Maliziösitäten wie beispielsweise von Bosc (oben) oder Ungerer (links).

Karikaturist Tomi Ungerer: Anbetung des Autos (Tintenfass Nr. 31 - Diogenes Verlag)
Karikaturist Tomi Ungerer: Anbetung des Autos (Tintenfass Nr. 31 – Diogenes Verlag)

Wobei die stilistische und inhaltliche Vielfalt des Bild-nerischen jenem des Wort-lichen in nichts nachsteht. Jedenfalls „zeichnet“ ein wahrhaft bunter Haufen von (teils berühmten) humoristischen Philosophen und philosophierenden Humoristen für das Unsinnige im scheinbar Sinnigen verantwortlich; dieses „Tintenfass“ ist nicht nur tief, sondern auch breit.
Wer also nicht Theologie-Systeme, sondern den süffisanten Widerspruch, und nicht kitschige Pietà, sondern kritische Nachdenklichkeit, und schon gar nicht religiösen Gehorsam, sondern aufgeklärte Ehrfurcht verbunden mit verständnisvollem Augenzwinkern fürs Menschlich-Allzumenschliche sucht, der liegt genau richtig mit diesem eindrücklichen, editorial sehr gelungenen Panoptikum „über Gott und die Welt“.

Tintenfass (Magazin für den überforderten Intellektuellen), Nr.31 (Was zum Teufel ist mit Gott los), Diogenes Verlag, 416 Seiten, ISBN 978-3-257-22031-5

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Walter Eigenmann: Über die Satire

… sowie in der Rubrik „Wer bin ich?“ die
Cartoons vom Oktober 2008: Ein Abgrund an Visionen

Rainer Wedler: Ein Mann muss einen Bart haben (Satire)

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Ein Mann muss einen Bart haben

Rainer Wedler

Schliesslich nur noch Stereotypien. Der Bart ein sichtbarer Punkt am Ende eines langatmigen, vielfach verschränkten Satzes.
Australischen Kängurus wurde nicht auf die Sprünge geholfen. Die Schafe auf Neuseeland blieben ungeschoren. Die Siamkatzen – ein besonderer Markt in Frankreich – ungezüchtet. Die Dissertation über die Fortschreibung des Arbeitsrechts ein Zettelgrab. Der Entwicklungshelfer flog nicht nach Tansania.
Zum Bart hatte er geheiratet. Höherer Dienst beim Finanzamt. Formulare, Stempel, Unterschriften, Mitarbeitermotivation, Kaffeepausen, Unzufriedenheit. Alle zwei Jahre eine Gehaltserhöhung, Audi, Fünfzimmerküchebad. Dazwischen Österreich, Spanien, auch Frankreich.
Die Wohnung eine Inszenierung. Das meiste vom Trödel, der Rest von Romer.
Bevor sie zu Bett gingen, nahmen sie gleichsam alle Räume noch einmal ab. Hie und da wurde ein Nippes nach vorne gerückt, ein Kleinod nach hinten, die alte Bibel in den richtigen Winkel zum Samowar. Dabei beteuerten sie sich gegenseitig, wie schön sie es doch hätten.
An besonderen Abenden machte er eine Flasche Riesling auf. Sie tranken ihn aus den Jugendstilgläsern mit dem dünnen grünen Fuss. Das Glas in der Hand, schritten sie durch die Räume. Sie öffnete die vollen Schränke.
Sind wir nicht glücklich?
Sie hat es tatsächlich ausgesprochen. Er hat aufgehört, sich darüber aufzuregen. Vielleicht wollte er aber auch ein Gran Ironie heraushören.
Seit sie in Kunst machte, war er oft allein.
Das Kaktus war seine erste Pflanze. Er hatte ihn aus einer Laune heraus gekauft. Bald stand daneben ein zweiter auf seinem Schreibtisch.
In seinem Testament hat er festgelegt und sich dabei von einer alten Inka-Weisheit inspirieren lassen, man solle ihn mit dem Gesicht nach unten beerdigen, damit er bei einem Versuch, sich freizugraben, nur immer tiefer kommen würde. Ausserdem soll seine Todesanzeige nur Vor- und Nachnamen nennen und nur das Datum seines Todes, nicht: In tiefer Trauer Marianne Wittlich, geb. Forster.
Sie hatten viele Jahre miteinander gelebt. Er konnte nicht einmal sagen, dass es schlecht gewesen war. Emotionen waren ihm fremd.
Warum läuft Herr K Amok? Ein Freund hatte ihn auf diese Lösung hingewiesen. Er konnte ihn nicht verstehen. Sicherlich, es kränkte ihn ein wenig, dass sie zweimal die Woche siebdruckte, linolschnitt, töpferte, dass sie fast ebenso oft zu den Redaktionssitzungen eines kleinen Emanzenblättchens – blauer Klatschmohn oder so ähnlich – fuhr. Am Anfang war er eher zufrieden. Er hoffte, den runden Couchtisch nach und nach leeren zu können, da er es sich zum Prinzip gemacht hatte, Bücher erst dann ins Regal zu stellen, wenn er sie zumindest kursiv gelesen hatte. Alles andere wäre ihm als Verrat erschienen. Da er aber ständig neue Bücher kaufte, kamen auf ein gelesenes schnell mehrere neue.
Er fühlte sich so sehr eingeengt, dass er einmal daran dachte, alle Bücher auf der Strasse zu einem Scheiterhaufen aufzuschlichten und sich an ihrem Feuer zu wärmen. Er würde viele Benzin darüber schütten. Die Seiten würden verkleben, verkohlen. Endlich frei sein.
Wittlich dachte auch an den Wannsee.
Zu den Kakteen waren im Laufe der Zeit gekommen: Questenkraut, Männertreu (vermeeret den Mannlichen Saamen), Natterwurz (ist gut für gifftige Biss), Meerrettisch (macht Haar wachsen), Huflattich (löschet eigentlich alle innere Hitze) …
Der Efeu hat inzwischen das Fenster vor seinem Schreibtisch zugewuchert. Der Verlust an Licht störte ihn nicht, da er ohnehin nur nachts zum Lesen kam. Das Kästchen mit dem geschnitzten Drachenboot, das der Grossvater aus dem Generalgouvernement mitgebracht hatte, musste als erstes weichen. Der Efeu schlang sich längst um die Beine des Schreibtischs. Wittlich wollte die Pflanzen nicht stutzen. Wenn er doch einmal schnitt, dann nur, um Setzlinge zu gewinnen.
Wir wollen keine Kinder, sagten sie, und sie sagten es immer öfter. Sie aber wusste, dass er log. Hatte er nicht erst letzte Woche einem kleinen Buben Schneewittchen vorgelesen und hatte nicht bemerkt, dass er schon tot war? Er wusste nur noch nicht, wie er sterben würde.
Wittlich liess seinen Bart ungehemmt wuchern, was die Nahrungsaufnahme schliesslich so erschwerte, dass er sie immer mehr einschränkte. Hin und wieder klemmte er versehentlich den Bart in die Schublade des Schreibtischs. Es schmerzte, wenn er aufstehen wollte.
Die gleichen Interessen seien es gewesen, die sie zusammengeführt hätten. Ein verspäteter Bus hatte seinen Puls nie schneller gehen lassen. Wenn du älter wirst, spielt das, was sie Liebe nennen, keine Rolle mehr, wenn es denn je eine Rolle gespielt hat, pflegte er zu sagen.
Trotzdem ab und zu das Bedürfnis, mit einer Frau zu schlafen. Die wenigen Male zwischen den immer ausgedehnteren Perioden, wo es ihr Zeitplan erlaubt hätte, entzog sie sich der ehelichen Pflicht, wie sie den Vorgang ganz unironisch nannte, indem sie Kopfschmerzen, in wachsendem Masse aber ideologische Gründe vorschob, die ihr die Szene reichlich lieferte. Endlich konnte sie argumentativ, wie sie wohl glaubte, überdecken, dass sie nie gerne mit ihm geschlafen hatte.
Wenn ihn die Augen schmerzten, setzte er die Brille ab und verbarg sein Gesicht in beiden Händen, wie wenn er weinen würde. Wenn er wieder aufsah, verschwamm sein Gesicht im Gewirr der Pflanzen. Er war Teil des grünen Szenarios geworden. Um sich wieder daraus zu lösen, setzte er schnell die Brille wieder auf.
Der Schreibtisch war inzwischen grün überwuchert. Jedes Mal, wenn er lesen wollte, musste er vorsichtig die empfindlichen Triebe von der Lampe pflücken. Je länger er sein Gesicht im Spiegel des nächtlichen Fensters betrachtete, desto mehr verwirrte sich der Bart mit den Stengeln und Blättern. Einmal war sein Bild ganz verschwunden. Die Pleoptik hätte ihm dieses Phänomen vielleicht erklären können, ihm aber lag nicht an einer Erklärung. Es faszinierte ihn, wie sich selbst ins Nichts auflösen konnte, wie er in der Dunkelheit verschwand.
Nach dieser Entdeckung las er kein Buch mehr. Er beherrschte jetzt die Technik, seine Augen so zu stellen, dass er sich draussen immer mehr verflüchtigte. Schliesslich gelang es ihm, die Dauer, bis er wieder auftauchte , ständig zu verlängern.
Ob er es geplant hatte, weiss niemand.
Jedenfalls liess ihn seine Frau nach Ablauf der gesetzlichen Frist für tot erklären. ♦


Rainer Wedler - Schriftsteller - Glarean MagazinRainer Wedler

Geb. 1942, nach dem Abitur als Schiffsjunge in die Türkei, nach Algerien und Westafrika; Studium der Germanistik, Geschichte, Politik, Philosophie, Promotion über Burleys „Liber de vita“, zahlreiche Lyrik-, Kurzprosa- und Roman-Veröffentlichungen

Lesen Sie im Glarean Magazin von Rainer Wedler auch Drei Weihnachtsgrotesken

Ausserdem zum Thema Satire von Peter Biro: Schreibblockade, oder der Förster und die Jägerin

Walter Eigenmann: Das h6-Syndrom (Schach-Satire)

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Das h6-Syndrom

von Walter Eigenmann

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Wie lautet noch gleich eines der 10 Gebote, das wir unseren Schach-lernenden Zöglingen in Schulen und Vereinen stets mit grösstmöglich erhobenem Zeigefinger auf den Turnier-Lebensweg mitgeben?
Richtig: „Du sollst nicht unnötig bewegen deiner Rochade Bauern!“
Immer und immer wieder predigen wir’s ihnen – doch was machen die Kids?! Sie gehen nach Hause, werfen ihre Computer mit den grossen Datenbanken an, scrollen neu- und wissbe-gierig durch die Grossmeister-Partien – und werden dabei mit einem Massen-Phänomen konfrontiert, das alle pädagogischen Bemühungen zunichte zu machen droht. Dieses Phänomen manifestiert sich beispielsweise in Stellungen wie der folgenden:

h6-Syndrom Nr.1
Griesmann-Nicot 1953

Das h6-Syndrom Nr. 1: Griesmann-Nicot 1953 - r2q1rk1/ppn3bp/2pp1np1/6B1/2PP2B1/2N4R/PP1Q1P2/2KR4 b - - 0 18
Das h6-Syndrom Nr. 1: Griesmann-Nicot 1953 – r2q1rk1/ppn3bp/2pp1np1/6B1/2PP2B1/2N4R/PP1Q1P2/2KR4 b – – 0 18

Wir haben es hier mit einem extrem verbreiteten, nicht kontrollier-, aber meist voraussehbaren, reflexartigen Fingerzucken zu tun, das jede und jeden, ob Anfänger oder Grossmeister, ob dick oder dünn, ob Mensch oder Maschine, ob blöd oder genial befallen kann. Nämlich das unwillkürliche, sofort-ruckartige, kognitiv nicht mehr gesteuerte Aufziehen des schwarzen h7-Bauern um einen Schritt, sobald auf g5 ein weiβer Läufer aufgetaucht ist. (Wobei dieser Reflex natürlich nicht auf die Führer der schwarzen Steine beschränkt ist, sondern mit umgekehrten Vorzeichen genauso häufig die Weissen mit ihrem geliebten h2-h3 befällt…) Jedenfalls hat diese h7-h6-Zuckung enormes Suchtpotential – bei häufigem Befall führt es unweigerlich in den totalen Elo-Ruin.
Die Rede ist vom sogenannten h6-Syndrom.

Was gemeint ist, sieht man sogleich, wenn man in obiger Stellung (immerhin gespielt in Frankreichs Fernschach-Meisterschaft 1953) so beobachtet, was nun die Herren Meisterspieler – Vorbilder unseres Nachwuchses! – weiter treiben:

18…h6? 19.Lxh6 Sxg4 [19…Tf7 20.Lxg7 Txg7 21.Tg1+-] 20.Lxg7 Kxg7 [20…Txf2 21.Th8+-] 21.Tdh1 Se8 [21…Sf6 22.Dh6 Kf7 23.Se4 Se6 (23…Sxe4 24.Tf3 Ke6 25.Dxg6+-) 24.Tg1+-; 21…Se6 22.Th7 Kg8 (22…Kf6 23.Se4 Kf5 24.f3+-) 23.f3+-] 22.Th7+- und die Droge h7-h6 hat ein neues Opfer gefordert. – –

Die zwei Krankheitsbilder des h6-Syndroms

Das ganze Syndrom lässt sich psychologisch in zwei spezifische Krankheitsbilder unterteilen. Da wäre als das eine Motiv:

1. Die Ablenkung

Vorstehendes Diagramm illustrierte deutlich den entspr. Krankheitsverlauf – hier ein weiteres Beispiel:

h6-Syndrom Nr.2
Miles-Fedorowicz 1981

Das h6-Syndrom Nr. 2: Miles-Fedorowicz 1981 - r2qrbk1/1p3p1p/p1bp1np1/n1p3B1/4P3/1PN3PP/P1PQNPBK/3R1R2 b - - 0 16
Das h6-Syndrom Nr. 2: Miles-Fedorowicz 1981 – r2qrbk1/1p3p1p/p1bp1np1/n1p3B1/4P3/1PN3PP/P1PQNPBK/3R1R2 b – – 0 16

Eben ist auf g5 der weisse Läufer erschienen, und sofort verfällt der Patient der wahnhaften Vorstellung, er müsse mittels h7-h6 den Eindringling ablenken, um so den Punkt f6 zu entlasten, wonach man sich vielleicht an einem gegnerischen Bauern schadlos halten könne. Ein folgenschwerer Irrtum, der fast zwangsläufig zum Kollaps des gesamten schwarzen Beziehungsnetzes führt – ein kleiner Schritt für den Bauern, aber ein grosses Problem für den König:

16…h6? 17.Lxh6 Lxh6 [17…Lxe4 18.Lxf8 Lxg2 (18…Kxf8 19.Dh6 Kg8 (19…Ke7 20.De3 +-) 20.Sxe4+-; 19.Kxg2 Kxf8 (19…Txf8 20.Dxd6+-) 20.Dh6 Kg8 21.f4+-] 18.Dxh6 Sxe4 19.Sxe4 Lxe4 20.Sf4+-

Das andere, noch weit häufigere Sucht-Motiv, welches dem h6-Syndrom zugrunde liegt, ist

2. Die Vertreibung

Die Vertreibung hat ebenfalls eine krankhafte Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Grundlage, nämlich den begreiflichen Wunsch, dass sich der Gegner zurückziehen möge. Was dieser natürlich nicht tut – im Gegenteil: Der Syndrom-Bauer wird als gefundenes Fressen interpretiert, gewaltsam aus dem feindlichen Bauernkörper extrahiert – wodurch unweigerlich die gesamte Rochade-Bauernphalanx mit in den Abgrund gerissen wird.
Hierzu erneut ein paar instruktive Fall-Beispiele, um zu zeigen, welch tragisches Ende dieses zwanghafte Fingerzucken nehmen kann. Denn die Folgeschäden sind in den meisten Fällen irreparabel. Dabei bedürfen die medizinischen Indikationen der untenstehenden Patienten-Schicksale eigentlich keiner weiteren Kommentierung. Man beachte jeweils die Schnelligkeit, mit welcher das Opfer Zug um Zug der Agonie anheimfällt. Denn die Krankheit verläuft immer in den gleichen drei Stadien: 1.Bauernzug – 2.Läufer-Befall – 3.Exitus.

h6-Syndrom Nr.3
Kotkov-Razinkin 1960

Das h6-Syndrom Nr. 3: Kotkov-Razinkin 1960 - 2r2rk1/1bq1bppp/p4n2/np1P2B1/3p4/5N1P/PP3PP1/RB1QRNK1 b - - 0 17
Das h6-Syndrom Nr. 3: Kotkov-Razinkin 1960 – 2r2rk1/1bq1bppp/p4n2/np1P2B1/3p4/5N1P/PP3PP1/RB1QRNK1 b – – 0 17

17…h6? 18.Lxh6 Sxd5 [18…gxh6 19.Dd2 Tfd8 (19…d3 20.Dxh6 mit Angriff) 20.Dxh6 Txd5 21.Sg3 Lf8 (21…Sc4 22.Sf5 +-; 21…d3 22.Lxd3 Txd3 23.Sf5 Lf8 24.Dg5+-) 22.Dxf6 mit Angriff; 18…Lxd5 19.Lg5 Sc6 (19…Tfe8 20.Sxd4 mit Angriff; 19…Lxf3 20.Dxf3 mit Angriff) 20.Sxd4 mit Angriff] 19.Lxg7 Kxg7 [19…Tfe8 20.Dd3 Sf6 21.Df5+-; 19…Tfd8 20.Sxd4 +-; 19…Sf6 20.Sxd4+-; 19…Lb4 20.Le5+-] 20.Dxd4+-

h6-Syndrom Nr.04
Vasiukov-Vasilchuk 1961

Das h6-Syndrom Nr. 4: Vasiukov-Vasilchuk 1961 - 2r1r1k1/1bq1bppp/p2p1n2/1p2pNB1/1n1PP3/3B1N1P/PP3PP1/R2QR1K1 b - - 0 18
Das h6-Syndrom Nr. 4: Vasiukov-Vasilchuk 1961 – 2r1r1k1/1bq1bppp/p2p1n2/1p2pNB1/1n1PP3/3B1N1P/PP3PP1/R2QR1K1 b – – 0 18

18…h6? 19.Lxh6 Lf8 [19…Sxd3 20.Dxd3 gxh6 21.Sxh6 Kf8 (21…Kh7 22.Sxf7 Kg7 (22…Kg6 23.S3g5 mit Angriff) 23.S3g5 mit starkem Angriff) 22.Sf5 mit starkem Angriff; 19…gxh6 20.Dd2 Sxd3 (20…Lf8 21.Dxb4+-) 21.Dxh6 mit starkem Angriff] 20.Lg5 Sxd3 [20…Sh7 21.Tc1 Dd7 (21…Db8 22.Lb1+-) 22.Lb1 mit starkem Angriff] 21.Dxd3 mit starkem Angriff.

h6-Syndrom Nr.5
Levy-Bonner 1967

Das h6-Syndrom Nr.5: Levy-Bonner 1967 - r3r1k1/p3bppp/2q1pn2/1pn3B1/7Q/2P3N1/PPB2PPP/3R1RK1 b - - 0 18
Das h6-Syndrom Nr.5: Levy-Bonner 1967 – r3r1k1/p3bppp/2q1pn2/1pn3B1/7Q/2P3N1/PPB2PPP/3R1RK1 b – – 0 18

18…h6? 19.Lxh6 Sd5 [19…gxh6 20.Dxh6 Sfe4 21.Sxe4 Sxe4 22.Td4 +-] 20.Dg4 +-

h6-Syndrom Nr.6
Diemer-Markus 1974

Das h6-Syndrom Nr. 6: Diemer-Markus 1974 - r2q1rk1/pp1n1ppp/2pbpn2/6B1/3P3Q/2NB3P/PPP3P1/R4RK1 b - - 0 12
Das h6-Syndrom Nr. 6: Diemer-Markus 1974 – r2q1rk1/pp1n1ppp/2pbpn2/6B1/3P3Q/2NB3P/PPP3P1/R4RK1 b – – 0 12

12…h6? 13.Lxh6 gxh6 (Var): 14.Se4 Le7 15.Dxh6 Sxe4 16.Lxe4 f5 17.Dxe6 Kg7 18.Lxf5 (mit starkem Angriff)

Auch du, Maschine?

Soweit zum h6-Syndrom im Zusammenhang mit menschlichen Opfern, wobei sich hinter diesen wenigen Beispielen natürlich eine riesige Dunkelziffer verbirgt. Der geneigte Leser sei auf die groβen aktuellen Schach-Datenbanken verwiesen, in denen abertausende solcher h6-Opfer ihr elendes Dasein fristen.
Maschinen wenigstens, so hört man zuweilen hoffen, seien doch aber gegen den h6-Virus immun, da sie mit ihrem eher emotionslosen Naturell für eine kognitive Bewältigung lebensbedrohlicher Situationen besser gerüstet seien als Menschen?
Weit gefehlt! Auch Silikanten reagieren wie Humanoide auf Extremstress (beispielsweise Gegner-Läufer) mit dem totalen Verlust jeglicher Rationalität. Als Beweis in realiter lege man experimentell die obigen Fall-Studien einer kleinen Runde von Engine-Software zur „Begutachtung“ vor – quasi als Rorschach-Test. Man wird verblüfft sein, wie schnell auch bei Programmen der fatale h6-Reflex spielt: Ein gegnerischer Läufer hat die Mittellinie überschritten; die Pawlov’sche Lampe im Programmierer leuchtet auf; der h-Bauer fährt blitzschnell nach vorne – und der Teufelskreis ist perfekt!

Zwei abschliessende, instruktive Illustrationen des h6-Syndroms bei Schachprogrammen beleuchte nochmals die ganze Tragweite dieser Volkskrankheit:

h6-Syndrom Nr.7
Amateur 2.82 – Abrok 5 (Internet 2005)

Das h6-Syndrom Nr. 7: Amateur 2.82 - Abrok 5 (Internet 2005) - r2r2k1/p4pbp/n1pp1np1/4p1B1/Pq2P3/1P3B1P/2PQ1PP1/1N1R1RK1 b - - 0 17
Das h6-Syndrom Nr. 7: Amateur 2.82 – Abrok 5 (Internet 2005) – r2r2k1/p4pbp/n1pp1np1/4p1B1/Pq2P3/1P3B1P/2PQ1PP1/1N1R1RK1 b – – 0 17

17…h6? 18.Lxh6 Lxh6 19.Dxh6 Sxe4 [ 19…Sc5 20.Tfe1 mit Angriff] (Var.): 20.Tfe1 Sac5 21.Lxe4 Sxe4 22.Dh4 mit Angriff

h6-Syndrom Nr.8
ProDeo 1 – ElChinito 3.4c (Internet 2005)

Das h6-Syndrom Nr. 8: ProDeo 1 - ElChinito 3.4c (Internet 2005) - r2q1rk1/1p1bbppp/p1n1pn2/6B1/P1BP3Q/2N2N2/1P3PPP/R2R2K1 b - - 0 14
Das h6-Syndrom Nr. 8: ProDeo 1 – ElChinito 3.4c (Internet 2005) – r2q1rk1/1p1bbppp/p1n1pn2/6B1/P1BP3Q/2N2N2/1P3PPP/R2R2K1 b – – 0 14

14…h6? 15.Lxh6 gxh6 [ 15…Sa5 16.Ld3+-] 16.Dxh6 Dc7 [ 16…Te8 17.d5+-; 16…Sb4 17.Sg5+-; 16…Da5 17.Se5+-; 16…Sg4 17.Df4 f5 18.h3+-; 16…Sd5 17.Td3 Lf6 18.Sg5 Lxg5 19.Tg3+-] 17.Ld3 Sb4 [ 17…Tac8 18.Te1+-; 17…Tad8 18.d5 Se5 19.Dg5+ Sg6 20.Lxg6 fxg6 21.Dxg6++-] 18.Se5+-

Wie man sieht, bedarf es noch Jahre des geduldigen Suchens und Forschens, bis man die Programmierer endgültig heilen kann. Für normale Menschen hingegen, befürchte ich, kommt alle Hilfe zu spät.
Denn ein medizinhistorischer Rückblick auf 500 Jahre Schachgeschichte belehrt jeden Optimisten eines besseren: Gegen solch zwanghafte Verführungen wie h7-h6 (oder h2-h3) erwies sich der Mensch seit je her als nicht-resistent. „Kein Gegner-Läufer auf g5/g4!“ scheint Ausdruck eines Ur-Instinktes zu sein, ja scheint auf atavistische, der Spezies gleichsam genetisch verwurzelte Schichten des Daseins zu verweisen.

Kurzum: das h6-Syndrom ist weder ein schachliches noch ein medizinisches, es ist ein metaphysisches, ja existentielles Problem. Dieses können wir nicht lösen. Wir müssen mit ihm leben.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Prof. Dr.Dr.schach.med.hist. W. Eigenmann

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema „Schach und Humor“ auch die Anekdoten aus der Welt des Schachs
… sowie zum Thema Schach-Satiren auch von Lars Bremer: Die 32-Steiner

Joschi Anzinger: Die Königin von Zasta (Satire)

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Die Königin von Zasta

Eine Elegie

Joschi Anzinger

Es ist in dieser Geschichte von einem wunderschönen Land namens Autrischia die Rede, welches, am Rande des grossen Sumpfes Konkursien gelegen, vom allmächtigen Geldfluss Euroinoco durchflossen wird. Dieser Fluss entzieht dem Kontinent Teuropa viele viele kleine Geldquellen und fliesst schliesslich nach wuchernden Zinsenkraftwerken und Börsenstromschnellen zu den Anlegerklippen. Zuletzt mündet der Eurinoco hinter den Aktienbergen und den Abkeschteichen in den Kapitalistischen Ozean.
In Autrischia leben viele fleissige Bürger und Handwerker, Bauern und Geschäftsleute, und alle kommen sie miteinander ganz gut zurecht. Nun trug es sich zu, dass durch geschickte Täuschung der Einwohner über Nacht das Land jäh von der hartherzigen Königin von Zasta eingenommen wurde. Sie ist gnadenlos berechnend in ihrem Handeln, sie ist äusserst korrupt, käuflich und bestechlich, und es eilt ihr der Ruf voraus, überall wo sie herrsche, rolle der Jubel.
Sie kam in ihrem goldenen Schiff über den Eurinoco nach Autrischia, um bis in die entlegensten Winkel des Landes zu walten. Kein Geschäft floriert nun mehr ohne ihr, kein Mensch tut einen Handgriff ohne Aussicht auf ihre Gunst, und jeder Mensch, der einmal ihre Nähe gespürt hat, will nicht nur für immer in ihrer Umgebung bleiben, sondern er möchte immer mehr von ihrer Zuneigung haben.
Die Königin von Zasta befehligt aber nicht alleine, sondern ihrem Tross folgen jede Menge Ritterfräuleins im Nadelstreif, und ein ganzes Heer von Spesenrittern reiten auf ihren Amtschimmeln einher, und unzählige Gaukler, Quacksalber und Zauberer, welche alle von Ihrer Majestät versorgt sein wollten, bilden ihr Gefolge. Gezüchtet werden die Amtsschimmel im Flippizanergestüt Schöntrum, wo sie auch zu Amtsschimmeln zugeritten und ausgebildet werden.
Jeder Bürger begehrt die Königin von Zasta und wünscht sich, auf Gedeih und Verderben, sie zur Gänze für sich zu beanspruchen. Besonders ergeben sind ihr die Zauberin Krampfadria und die hartherzige Prinzessin Hammaned. Eine Getreue ist auch Lady Von Nuttingham, die Gauklerin Promilla und die manchmal etwas indisponierte Frau von Huscher. Schier Tag und Nacht gepriesen wird die unwiderstehliche Königin von Zasta von der Spesenritterin Fräulein Po-Vor und der nach aussen ehrwürdigen, aber zu den Untertanen geizigen Baronin von Trug und Lug.
Eines Tages befiehlt die Königin von Zasta ihrem Gefolge, die zwei grossen Speicherseen Schillingsweiher und Groschenlora anzuzapfen und auszupumpen, um damit den Geldfluss Eurinoco zu speisen, damit der Kontinent Teuropa nicht austrockne.
Und siehe da, die Bewohner von Autrischia taten was ihnen befohlen, da sie befürchteten, die Königin von Zasta könnte es sich wieder anders überlegen und ihre unerschöpflichen Quellen erneut versiegen lassen. Sie schenkten ihre Speicherseen Schillingsweiher und Groschenlora der Königin von Zasta und bekamen ihr Wasser fortan aus dem Geldfluss Eurinoco.
Doch sein Wasser schmeckte vielen Menschen nicht wirklich und sie fanden plötzlich mit der ihnen zugewiesenen Ration nicht mehr das Auslangen. Dafür sicherten sich die zahlreichen Spesenritter die schönsten Uferzonen des Eurinoco und verbauten diese mit ihren monströsen Ministerienburgen. Da sind allen voran Spesenritter Von der Ädsch Bädsch mit seinem mächtigen Firlefanzministerium, nebst Spesenritter Von Klamm und Heimlich in seiner Burg, dem Veräusserungsministerium. Bei diesen beiden Spesenrittern laufen alle Fäden zusammen, und sie sind der Königin von Zasta in Treue ergeben. Unweit davon befindet sich die Burg Flausenstein des Spesenritters Van den Andern, zuständig für kulturelle Belange. Das Spesenritterfräulein Van Soll und Haben regiert von der Flaxenburg aus das Ungesundheitsministerium, und die Spesenritterin Van Palawa dirigiert das Einbildungsministerium. Die Spesenritterin Van der Bausch und Bogen herrscht in der Burg Justizewitz über alles was Recht ist, und in der Veteranenburg, von schwarzen Krähen beschützt und verteidigt, streichelt Spesenritter Van der Vorn und Hinten, Tag und Nacht seinen Zapfen.
Alle Bewohner sind von der Schönheit und Grazie der Königin von Zasta angetan, und es gilt als Zeichen von Macht, Stärke und Intelligenz, zu ihren Auserwählten zu gehören. Aber besonders dreist treiben es ihre Spesenritter. Wöchentlich treffen sie sich in der Burg Wahnsiedel im Penedrant zu ihren theatralischen Sitzungen und Zusammenkünften, um nebenbei ihre Taschen im burgeigenen Selbstbedienungsladen nach Herzenslust zu füllen.
In der Burg Wahnsiedel ist das Wort Sparen im Penedrant verpönt, und die Spesenritter reden mit gespaltener Zunge und schufen sich eine Eurokratie, in der es für Privilegierte eine Schande ist, mit den vorhandenen Reserven des Eurinoco sorgsam umzugehen. Jeder Spesenritter lebt auf grossem Fuss und Sparen wird nur von den minder privilegierten Untertanen gefordert.
Viele Privilegierte, Angehörige des so genannten Geldadels, wurden auf Grund ihrer Abstammung in den Dunstkreis der Königin von Zasta hineingeboren. Für sie ist es nicht weiter schwierig, an den Rocksaum Ihrer Majestät, an das Goldene Kesch, heran zu kommen, welcher ewige Jugend, Klugheit und Schönheit verleiht, denn es hat sich über die Jahrhunderte der unsinnige Aberglaube zum Mythos gefestigt, dass Kesch zugleich fesch macht. Aber die meisten Untertanen müssen ohne üppige Gönnerschaft Ihrer Majestät ihr Leben meistern. Ihnen bleibt nur das Wissen, dass es die Königin von Zasta irgendwo gibt und dass sie zwar wunderschön sei, und jedem dem sie ihr Wohlwollen schenkt, ist er auch noch so einfältig und hässlich, Macht und Geltung, Ansehen und Ehre verleiht.
Doch sie ist auch gefährlich und berechnend, denn sie macht das Herz der Menschen steinhart, und wer mit ihr einmal ins Bett durfte, der ist zu jeder Tat bereit, selbst wenn es gilt, für Ihre Majestät über Leichen zu gehen. Sie ist mächtig und begehrt, weil sie Türen öffnet, die sonst niemand zu öffnen vermag, und sie macht aus Bettlern Regenten, welche in ihrem Namen herrschen.
Die Königin von Zasta macht aus Narren Führer und aus Herrschern Narren. Sie macht aus Damen Huren und sie macht aus Vätern Mörder, sie macht aus Menschen Tiere und aus Sehenden Blinde. Sie macht die Reichen im Grunde arm und sie macht die Guten schlecht, sie macht die Hässlichen schön und sie lässt die Unwissenden klug erscheinen. Sie macht die Ehrlichen falsch, die Aufrechten beugt sie, die Schwachen kauft sie und die Habgierigen verhungern neben ihrer gefüllten Schüssel.
Lang ist ihr Register und ungebrochen ist ihre Macht. Die Königin von Zasta beherrscht unsere Welt bis ans Ende aller Zeit. ♦


Joschi Anzinger - Österreichischer Schriftsteller und Satiriker - Glarean MagazinJoschi Anzinger

Geb. 1958 in Altlichtenberg/A, zahlreiche Publikationen von Dialekt-Lyrik und Kurzprosa in Anthologien, verschiedene Beiträge in Rundfunk und Fernsehen, Mitglied der Grazer AutorInnen Versammlung und der Österreichischen Dialekt-AutorInnen, lebt in Linz/A

Lesen Sie im Glarean Magazin auch die Satire von Ernst-Edmund Keil: Milch und Blut
… und von Andreas Hutt die Kurzprosa: Schwarze kommen nicht
ausserdem zum Thema Satire und Roman-Literatur über Henning Boëtius: Der weisse Abgrund (Heinrich-Heine-Roman)

Peter Androsch: „Mozart?“ – Ein Pamphlet

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„Befreien wir uns von Mozart!“

von Peter Androsch

Viele haben im letzten Jahr ein Mozart-Moratorium vorgeschlagen. Leider erfolglos, denn Mozart ist längst zu einem Pfropf im Flaschenhals der Musikwelt geworden. Er verstopft den Betrieb im Konzert, in der Oper, in Rundfunk und Fernsehen, und der Tonträgerproduktion. Er ist Knoblauch und Kreuz all derer, die den Teufel des Unbekannten und Neuen austreiben wollen!

Salzburger Schaufenster mit Devotionalien - Mozart-Kugeln - Mozart-Taler - Mozart-Rosen - Mozart-Heiligenbild
Salzburger Schaufenster mit Kult-Devotionalien: Mozart-Kugeln, Mozart-Taler, Mozart-Rosen, Mozart-Geigen, Mozart-Heiligenbild

Die Kunst (und damit die Kunstmusik) muss uns doch zu einem neuen Blick auf die Welt bringen, zu einer Wahr-Nehmung, ja zur Möglichkeit einer neuen Welt an sich! Sie muss uns die Möglichkeit geben, mehr unserer sinnlichen Potentiale zu entdecken und auszuschöpfen, und damit die Chance zu bekommen, mehr Mensch zu werden! Mensch(licher) zu werden!

„Mozart ist Universum“
(Bin Ebisawa, Jap. Mozart-Forscher)

Die ewige Wiederholung, die Variation des Gleichen wird uns nicht dazu bringen, sondern sie wird uns in unserer Saturiertheit bestärken und den dicken Hintern noch etwas fetter machen. Gerade deswegen sind alle glücklich: Immer das Gleiche hören und die Direktoren, die Sänger, die Musiker, die Werbungsleute dürfen immer das Gleiche machen. Der kapitalistische Musikverwertungsbetrieb ist überhaupt am glücklichsten, weil er ohne Investitionen einen „Markt“ bedienen darf.

Stellen Sie sich vor, dass die Literatur, die Malerei oder die Bildhauerei sich von einem Künstler des 18. Jahrhunderts erdrücken liessen! Lächerlich würden das alle finden! Ist es auch.

Beenden wir den absurden Kult um das Originalgenie! Befreien wir uns von Mozart! ♦


Peter AndroschPeter Androsch
Geb. 1963 in Wels/A,  Veröffentlichung zahlreicher CDs und anderer Publikationen,  ist in Oper und Musiktheater tätig, schreibt Orchester- Kammer-, Bühnen-, Ballett-, Chor- und Filmmusik, aber auch Elektroakustisches, Leitung der Sparte Musik für Linz als Europäische Kulturhauptstadt 2009

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